Survival of the Fittest

Anders als häufig angenommen, bedeutet der aus der Evolutionstheorie stammende Satz in der Überschrift keinesfalls, dass sich in der natürlichen Selektion der Stärkere durchsetzt. Wäre dies der Fall, würden heute noch Dinosaurier die Erde bevölkern, während der Mensch wohl nie bis zu einer Evolutionsstufe vorgedrungen wäre, ab der er in der Lage war, sich gegen seine natürlichen Feinde mit Waffen zu behaupten. Nein, laut der Evolutionslehre überlebt derjenige, der sich am besten auf seine Umwelt einstellt, sich anpasst.

Im Fußball ist es, von einem einzigen, aus grauen Urzeiten übrig gebliebenen Dino abgesehen, ganz ähnlich. Wäre es anders, würde sich im Pokal nie der Underdog durchsetzen – ein Umstand, der die vielbesungene eigene Gesetzesmäßigkeit des Wettbewerbs aus- und letzteren angeblich so attraktiv macht.

Bremer Anpassungsschwierigkeiten

Pokal-Fight auf dem Bielefelder Acker

Ein Umstand, auf den Werder Bremen sich in Bielefeld nicht einstellen konnte, war die Qualität des Rasens, der schon vor Anpfiff eher einem Acker glich und dessen Zustand sich im Laufe des Spiels noch verschlechterte. Bereits vor dem Spiel war viel über den Platz in der Schüco-Arena gesprochen worden, der bereits seit längerer Zeit erhebliche Mängel aufweist. Folglich waren die Gastgeber besser mit dem Geläuf vertraut und wussten, wie sie darauf zu spielen haben. Werder wusste es hingegen nicht, fand es auch im Laufe des Spiels nicht heraus und schied somit sang- und klanglos und zweifelsohne verdient aus dem Pokal aus.

Nach einer unerwarteten Siegesserie und angesichts einer deutlich verbesserten Spielkultur, fällt es schwer, den Trainer zu kritisieren. Viktor Skripnik und sein Team haben seit ihrem Amtsantritt enorm viel richtig gemacht. Die Einstellung des Teams auf die Pokalpartie am Mittwoch gehört hingegen nicht dazu. Das Coaching während des Spiels ebenso wenig. Werder begann das Spiel zwar durchaus ansprechend, wusste mit den abwartenden Bielefeldern aber nicht viel anzufangen. Man setzte auf eine tiefe Ballzirkulation, die Sicherheit bringen sollte und zu viel Ballbesitz führte – ein Umstand, der in Werders Bundesligaspielen nur selten vorkommt. In der Anfangsphase konnte Werder mit gutem und hohem Pressing noch einige Torchancen herausspielen, doch mit der Zeit kam es immer seltener dazu. Bielefeld verzichtete schon bald auf kontrolliertes Aufbauspiel und verlegte sich seinerseits darauf, gegen Werders weit aufgerückte Abwehr zu kontern.

Kopfschmerzen in der Defensive

Ab Mitte der ersten Halbzeit wurden die daraus resultierenden Angriffe immer gefährlicher. Werder geriet defensiv ins Schwimmen und verlor zu viele Bälle im Aufbauspiel. Vorläufiger Höhepunkt war ein abstruser Fehlpass von Prödl, nachdem ihn ein riskantes Anspiel von Casteels unter Druck gesetzt hatte. Den Bielefelder Angriff nach dem Ballverlust verteidigte Werder dann wie in seligen Zeiten unter Thomas Schaaf: Bevor die Situation abgehakt war, blieben Vestergaard und Garcia stehen, hoben den Arm und kamen dann bei der Hereingabe zu spät. Nach der Führung konnte sich Bielefeld noch mehr auf einen Stil der Risikovermeidung mit vielen langen Bällen verlegen. Werder hingegen versuchte es weiterhin mit Kurzpassspiel im Aufbau, initiiert von Kroos, der häufig zwischen die Innenverteidiger kippte. Personell war Werder mit Bartels auf der 10 sowie Fritz und Junuzovic auf den Halbpositionen jedoch nicht unbedingt auf Ballbesitzfußball ausgerichtet. Der schlechter werdende Platz tat sein Übriges, um Werders Offensivspiel nun lahmzulegen.

Defensiv war erneut zu beobachten, dass Prödl und Vestergaard ein unpassendes Paar in der Innenverteidigung abgeben. Das hat auch, aber nicht nur spielerische Gründe. Prödls Selbstverständnis als Abwehrchef macht es schwierig, ihn in die neue Hierarchie in der Bremer Abwehrkette zu integrieren. Vestergaard versuchte in der Anfangsphase häufiger, die Viererkette zu dirigieren. Im Laufe des Spiels nahm dies meiner Einschätzung nach ab. Wie schon gegen Wolfsburg wurde man das Gefühl nicht los, dass die Abstimmung und somit auch die gegenseitige Absicherung bei den Beiden nicht stimmten. Garcia brachte sich mit einer vermeidbaren, frühen gelben Karte dazu selbst in Bedrängnis und zwang Skripnik zu einer ungeplanten Auswechslung. Insgesamt wird die linke Seite wieder mehr zur Problemzone (die schwache Absicherung durch Junuzovic ist hier auch im Vergleich zu Fritz auf der rechten Seite auffällig). Da nun auch die Innenverteidigung schwächelt, ist Werder defensiv wieder das wackelige Gebilde, das man aus den letzten Jahren noch gewohnt ist. Man fragt sich auch, was es über die Trainingsleistungen von Luca Caldirola aussagt, dass er trotzdem keine Einsätze bekommt.

Ein Hoch auf hohe Bälle?

In der Nachbetrachtung des Spiels fällt die Analyse leicht, doch auch während der Partie stellte sich die Frage, warum Werder sich den Gegebenheiten nicht besser anpassen konnte. Spätestens in der zweiten Hälfte hätte man das Kurzpassspiel aufgeben müssen. Mit Selke und Di Santo hatte man Anspielstationen für hohe Bälle. Bartels und Junuzovic hätten sich auf die Sicherung bzw. Eroberung der zweiten Bälle konzentrieren können. Stattdessen spielte Werder nur 17% lange Bälle (Bielefelds Quote lag bei 33%) und gefühlt kamen die meisten davon von Prödl, der auch bei besseren Platzverhältnissen kaum anders spielt. Nicht ganz zufällig fiel Werders einziges Tor jedoch nach einem von Di Santo festgemachten hohen Ball des Österreichers.

Nun bin ich generell kein Freund des Hoch-und-Weit-Fußballs, den Werder unter Skripniks Vorgänger lange Zeit gespielt hat. In diesem Spiel wäre ein einfacher Stil jedoch angebracht gewesen, um die mit dem schlechten Rasen verbundenen Risiken zu minimieren. Einfaches Spiel heißt bei Werder dieser Tage Konterspiel, und das ließ Bielefeld gerade nach der Führung nicht mehr zu. Erst in der Schlussphase des Spiels spielte Werder vermehrt lange Bälle, ohne jedoch die Rückräume adäquat zu besetzen. Auch abgesehen davon stellte sich Werder taktisch nicht gerade schlau an. Fritz und Junuzovic liefen zwar viel, aber oft auch kopflos. Kroos wurde im Zentrum zu häufig allein gelassen und verfügt bekanntlich nicht über die Zweikampfstärke und die weiträumige Präsenz Bargfredes. Dem Bielefelder Konterspiel kam dies sehr entgegen.

In Freiburg gegen die Serie

Auch im vierten Jahr in Folge ist Werder somit gegen ein unterklassiges Team aus dem Pokal ausgeschieden, wenn auch diesmal erst in der dritten Runde (der letzte Sieg gegen einen Bundesligisten im Pokal war vor über fünf Jahren gegen Hoffenheim). Durfte man nach der Niederlage gegen Wolfsburg noch hoffen, dass das Selbstvertrauen der Mannschaft keinen Knacks bekäme, muss man nach dem Pokalaus in Bielefeld ganz sicher befürchten, dass dieser Spuren hinterlässt. In Freiburg steht für Werder nun plötzlich eine ganze Menge auf dem Spiel. Zwar ist das Punktepolster nach unten groß genug, um nicht so schnell wieder in den Abstiegskampf zu rutschen, doch mental pendelt man derzeit irgendwo zwischen „Mannschaft der Stunde“ und „Pokalversager“. Da nach dem Freiburg-Spiel die Bayern zu Besuch kommen, könnte das Pendel schnell in die falsche Richtung schwingen und Werder im blödesten Fall zu einer seit fünf Spielen sieglosen Mannschaft werden.

Freiburg ist in dieser Rückrunde spielerisch so schwach, wie wohl noch nie unter Streichs Regie. Personell ist Werder in dieser Partie eindeutig im Vorteil (zumal Bargfrede wieder fit ist) und die Ausgangslage kommt Werder wieder weitaus besser entgegen als im Pokal. Freiburg braucht die Punkte rein tabellarisch dringender und versucht sich immer noch an einem sehr gepflegten, wenn auch nicht unbedingt auf Ballbesitz ausgelegten Stil. Werder kann reaktiver spielen als gegen Bielefeld, sich mehr auf Pressing und Umschaltspiel verlassen. Bekommt man die Abstimmungsprobleme zwischen den Innenverteidigern und die eigenen Nerven in den Griff, sollte durchaus ein Sieg drin sein. In jedem Fall ist die Zeit des Träumens in Bremen vorerst vorbei. Nach der unerwarteten Hochphase gilt es nun wieder, die Pflichtaufgaben zu erfüllen. Freiburg ist eine davon.

21. Spieltag: Der Guardiola der Ukraine

Werder Bremen – FC Augsburg 3:2 (3:1)

Vor nicht allzu langer Zeit wäre Werder selbst zuhause als Außenseiter in das Spiel gegen den FC Augsburg gegangen. Nach der jüngsten Erfolgsserie durfte sich Werder aber auch gegen das Überraschungsteam (kann man es überhaupt noch so nennen?) der Saison gute Chancen ausrechnen.

Pressing und Umschaltspiel auf hohem Niveau

 

Augsburg spielte zwar auf dem Papier ein 4-1-4-1, das durch Hojbergs tiefe und Altintops hohe Positionierung im Aufbau jedoch eher zum 4-2-3-1 wurde. Werder presste im inzwischen bekannten 4-3-3, wobei sich die beiden Stürmer auf Augsburgs Innenverteidiger und Bartels auf den einrückenden Sechser konzentrierten. Anders als etwa gegen Hertha und Hoffenheim wurde der gegnerische Torwart nicht angelaufen. Manninger wurden lediglich alle Anspielstationen genommen. Die zweite Dreierreihe postierte sich erst ein gutes Stück dahinter auf Höhe der Mittellinie, sodass es zwar einen recht großen Raum hinter zwischen den beiden Linien gab, in den der Torwart jedoch selten per Flachpass kam, sondern lange Bälle schlagen musste, die im Seitenaus oder auf Vestergaards Kopf landeten. So zogen sich die Augsburger Innenverteidiger nach einer Viertelstunde im Aufbau extrem weit zurück und standen nur noch fünf Meter vor der Torauslinie, um Anspielstationen für den sichtlich überforderten Manninger zu schaffen, was nur selten gelang.

Viktor Skripnik wird nicht zuletzt dafür gelobt, dass Werder unter seiner Führung spielerisch enorme Fortschritte gemacht hat. Doch auch im Umschaltspiel hat sein Team in den letzten Monaten eine gute Entwicklung genommen. Nach der Balleroberung geht es häufig mit geradlinigem Passspiel direkt nach vorne. Die vorderen drei Spieler harmonieren dabei enorm gut, unabhängig von der Zusammensetzung. Bartels ist im Aufspüren von Räumen zwischen den Linien herausragend. Mit Selke und Di Santo hatte Werder zudem auch häufig Abnehmer für lange Vertikalpässe in die Schnittstellen der Viererkette. Leider wurden die Konter diesmal nicht so konsequent zu Ende gespielt, wie in den Spielen zuvor, sodass Werder zu weniger klaren Torchancen kam, als im Spielverlauf möglich gewesen wären.

Schwache Augsburger, gute Standards

Der Erfolg kam somit wieder einmal über die eigenen Standardsituationen. Zwei Kopfballtore nach Freistößen von Junuzovic sowie ein Elfmetertor von Di Santo reichten letztlich für den Sieg. Eine Schwächephase der Augsburger nach dem Seitenwechsel nutzte Werder leider nicht zur vorzeitigen Entscheidung, sodass es am Ende sogar noch einmal eng wurde. Aufgrund der Chancenverteilung war dies unnötig. Augsburg brachte offensiv wenig zustande, kam in der ersten Halbzeit aus dem Spiel heraus nur zu einem Fernschuss durch Bobadilla. Werder war spielerisch und auch taktisch überlegen, überzeugte auch jenseits der ersten Pressinglinie in der Arbeit gegen den Ball. Eröffnete Augsburg über die Außen, schob der Spieler auf der ballnahen Halbposition sofort auf den Flügel und das Team rückte konsequent nach. Versuchte es Augsburg durchs Zentrum auf die zurückfallenden Ji oder Altintop, rückten Werders Innenverteidger aggressiv heraus. Dies war zwar etwas riskant, wurde aber selten gefährlich, da Augsburg den Ball nicht in den Raum dahinter bekam – nicht zuletzt, weil Vestergaard und Lukimya mit ihrem Herausrücken häufig den Ball gewannen.

Werder Bremens Pressing im 4-3-3 gegen den FC Augsburg

Kam der Ball tatsächlich einmal in die markierte Zone, spielten Werders Stürmer gutes Rückwärtspressing

So gut Werder taktisch auf den Gegner eingestellt war, so schwach präsentierte sich Augsburg im Weserstadion. Daniel Baier mühte sich in der Zentrale darum, das Spiel seines Teams zu ordnen, doch letztlich war Augsburg auf allen Offensivpositionen unterlegen. Selassie hatte Werner gut im Griff und Garcia war gegen das Kraftpaket Bobadilla die passende Wahl hinten links. Auch sonst erwiesen sich Skripniks Personalentscheidungen als richtig. Gálvez-Vertreter Lukimya machte ein weitgehend fehlerfreies Spiel, brachte seine Stärken gut ein und traf zum 1:0. Felix Kroos lieferte als Sechser ebenfalls eine starke Partie ab, vielleicht sogar seine beste der Saison.

Momentaufnahme mit Potential

Mit dem Sieg gegen Augsburg ist das Thema Klassenerhalt endgültig abgeschlossen. Die Europa League ist nicht mehr nur ein Hirngespinst irgendwelcher Überoptimisten, sondern ein durchaus realistisches – wenn auch nicht das wahrscheinlichste – Szenario. Skripnik und seinem Team gelingt es immer besser, Werders Spieler auf den Gegner einzustellen, Schwachpunkte und Schwächephasen auszunutzen und eigene Spielfreude mit taktischer Disziplin zu verbinden. Die aktuelle Serie von fünf Siegen in Folge muss man zwar realistisch einschätzen (vier Heimspiele, teils formschwache Gegner), doch ist sie kein Zufallsprodukt. Sie ist das Ergebnis akribischer und durchdachter Arbeit.

“Wir haben als Trainerteam nicht so viel Erfahrung gehabt in der Bundesliga, aber jetzt wissen wir, wo es langgeht.”

- Viktor Skripnik, nach der Niederlage in Gladbach, vor fünf Siegen in Folge

In den nächsten Wochen warten nun noch härtere Brocken auf Werder. Auf Schalke hat man die Gelegenheit, ganz dicht an die internationalen Plätze heranzurücken. Die Schalker sind unter Di Matteo nicht unbedingt durch attraktiven oder spielerisch hochwertigen Fußball aufgefallen. In der Defensivorganisation hat die Mannschaft jedoch große Fortschritte gemacht und ist, bis auf die unglückliche Niederlage in Frankfurt, erfolgreich in die Rückrunde gestartet. Für Werder könnte es ungeachtet der phänomenalen Heimbilanz unter Skripnik ein Vorteil sein, gegen Schalke auswärts anzutreten. Zum einen muss Werder nicht das Spiel machen und kann das Risiko minimieren, in Schalker Gegenstöße zu laufen. Zum anderen liegt Schalke die Spielgestaltung nicht unbedingt. Je nach Ausgang des Champions League Spiels gegen Real Madrid könnten auch die nicht für ihre große Geduld bekannten Schalker Fans ein Faktor werden, wenn Werder lange das 0:0 hält oder in Führung geht.

20. Spieltag: Zweckpessimismus

Werder Bremen – Bayer Leverkusen 2:1 (2:1)

Eine Halbzeit toller Fußball, eine Halbzeit großer Kampf – am Ende steht ein recht glückliches 2:1 über Bayer Leverkusen, das den vierten Sieg in Folge für Werder bedeutet. Ist das Kapitel Abstiegskampf damit beendet?

Gefühlter Elfmeter: Zlatko Junuzovic beim Freistoß

Neue Gewohnheit: Starke erste Halbzeit

Zu den größten Unterschieden zwischen Werder unter Skripnik und Werder unter Dutt zählt für mich, dass Werder deutlich bessere erste Halbzeiten spielt. Dutt hatte eine seiner Stärken darin, das laufende Spiel zu analysieren und gute Anpassungen vorzunehmen. Dafür startete sein Team häufig schwach und war vor der Anpassung deutlich unterlegen. Bei Skripnik schien es bislang eher andersrum zu sein. Gegen Hamburg und Hannover wurde ihm von Teilen der Experten schwaches In-Game-Coaching vorgeworfen. Gegen Hertha und Hoffenheim wurden seine Anpassungen hingegen weitgehend gelobt. Der Grundstein für den Erfolg wurde aber stets in der ersten Halbzeit gelegt.

Im dritten Rückrundenspiel kam Werder zum dritten Mal besser ins Spiel als der Gegner. Zwar hatte Leverkusen schnell eine strategische Schwachstelle (den zweikampfschwachen Sternberg hinten links) ausgemacht, konnte diese aber trotz eines starken Rechtsfokus im Angriff zu wenig nutzen. Kroos, Junuzovic und Vestergaard unterstützten Sternberg immer wieder auf seiner Seite gegen Bellarabi und Hilbert. Kroos gab statt eines Halbraumspielers fast einen klassischen linken Mittelfeldspieler. Durch Junuzovics Einrücken wurde die Raute in tiefen Zonen häufig zu einer flachen Vier. Im Angriffsspiel setzte Werder – anders als im Heimspiel gegen Hertha – nicht auf ruhiges Aufbauspiel und Überladungen, was gegen Leverkusen auch nur schwerlich möglich bzw. sehr riskant gewesen wäre. Stattdessen suchte Werder den Erfolg mit direktem Spiel über das Offensivtrio Junuzovic, Bartels und Selke. Hinzu kam die inzwischen gewohnte Stärke nach Standards.

Leverkusen zieht an, Werder hält dagegen

Das Gegentor kurz vor der Pause war ärgerlich, weil Werder die Partie zu diesem Zeitpunkt im Griff zu haben schien. Letztlich war es dann doch ein verlorener Zweikampf zu viel auf der linken Abwehrseite. Ob dies der Hauptgrund für das veränderte Momentum nach dem Seitenwechsel war, ist schwer auszumachen. Die Einwechslung Sons balancierte Leverkusens Spiel jedenfalls etwas und Bellarabi konnte nun auf dem gesamten Platz mit seiner individuellen Klasse Lücken in Werders Defensive reißen. Etwas überraschend ließ Skripnik Sternberg auf dem Feld, musste dann aber ungewollt in der Viererkette umstellen, da Gálvez verletzt raus musste. Nach vorne gelang Werder in dieser Phase überhaupt nichts mehr. Die Passquote sank von 57% auf 44%, auch weil die Mittelfeldspieler kein übermäßiges Risiko eingingen und das Sturmduo wenig unterstützten. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis Leverkusen aus der Überlegenheit den Ausgleich machen würde.

Wie schon gegen Hoffenheim schaffte es Werder jedoch, in den letzten 20 Minuten des Spiels die Luft aus den Angriffen des Gegners zu lassen. Hier spielt auch die Fitness eine Rolle, die bei Werder zu stimmen scheint. Sobald der Gegner körperlich etwas nachlässt, kann Werder die Gefahr in unmittelbarer Tornähe auf ein Minimum reduzieren. So konnte die Zahl der gegnerischen Abschlüsse insgesamt gering gehalten werden. Zwar hatte Werder nach Junuzovics Freistoßtor nur noch einen einzigen Torschuss, doch auch Leverkusen wurde nach Kießlings Pfostentreffer kaum noch richtig gefährlich. Mit seinen Wechseln (Öztunali für Selke, Garcia für Junuzovic) lag Skripnik ebenfalls richtig. So kann man den Sieg zwar als glücklich, in der Gesamtbetrachtung der 90 Minuten aber nicht als unverdient bezeichnen.

Zwischen Europacup und Abstiegskampf

Innerhalb von vier Spieltagen hat Werder den Sprung von Platz 18 in die obere Tabellenhälfte geschafft. So schnell hätte ich dem Team diese Entwicklung nicht zugetraut und ich sehe sie immer noch mit einem letzten Rest Skepsis. Dies ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass das Thema Europapokal langsam auch ohne vorgehaltene Hand diskutiert wird. Einerseits ist es nur zu verständlich, die momentane Euphorie bis ins letzte auszukosten, schließlich gab es in den letzten Jahren nur wenig Grund dazu. Andererseits steckt die Abstiegsangst noch in den Knochen und Werders Spiel hat auch in der Rückrunde noch genügend Schwachpunkte offenbart, um einen weiteren Durchmarsch zumindest anzuzweifeln. Wenn von den nächsten fünf Spielen (gegen Augsburg, Schalke, Wolfsburg, Freiburg und Bayern) drei verloren gingen, wäre das keine große Überraschung und für die Entwicklung der Mannschaft – im Gegensatz zu etwaigen Ambitionen auf Platz 6 – auch nicht hinderlich.

Anders sieht es mit dem Thema Abstiegskampf aus. Mit 26 Punkten ist Werder natürlich noch nicht gerettet, doch scheinen einige Teams so große Probleme zu haben, dass Werder schon einen richtig herben Einbruch erleben müsste, um wirklich noch abzusteigen. (Dass man dies nach dem 20. Spieltag bereits schreiben kann, ist schon ein so großer Verdienst des neuen Trainerteams, dass mir der Europapokal erstmal völlig egal ist.) Paderborn und Freiburg haben erhebliche spielerische Probleme, Stuttgart tritt auf der Stelle und Hertha scheint mir ebenfalls zu schwach zu sein, um Werder zu gefährden – wobei man bei einem Trainerwechsel mit anschließendem Auswärtssieg in Mainz ja weiß, wohin das führen kann. Realistisch gesehen braucht Werder noch drei Siege und vielleicht ein bis zwei Unentschieden, um sicher die Klasse zu halten. Bei noch 14 ausstehenden Spielen sollte das machbar sein, solange im Team niemand abhebt und denkt, dass es nun ganz von selbst läuft. Es kann der entspannteste Werder-Frühling seit fünf Jahren werden.

Skripniks Handschrift

Werder Bremen – Hertha BSC 2:0 (1:0)

Gegen einen schwachen Gegner aus Berlin gelingt Werder ein Rückrundenauftakt nach Maß. Der vierte Sieg im fünften Heimsieg unter Skripnik bedeutet tabellarisch den Sprung auf Platz 12. Es waren jedoch auch altbekannte Defensivschwächen zu erkennen.

Skripniks Raute dominiert lahme Hertha

Skripnik hatte in seiner Startaufstellung zwei kleine Überraschungen parat. Jannek Sternberg erhielt hinten links den Vorzug vor Garcia und machte seine Sache ordentlich, auch wenn seine Zweikampfschwäche gegen stärkere Gegner zum Problem werden kann. Im Mittelfeld durfte Leihgabe Öztunali von Beginn an hinter den Spitzen ran. Er gab ein zufriedenstellendes Debüt, ohne große Höhepunkte, aber mit einigen guten Pässen und starkem Pressing gegen Lustenberger. Kapitän Fritz blieb dafür auf der Bank. Mit Junuzovic und Bartels waren die Halbpositionen im Mittelfeld somit sehr offensiv besetzt, was für das Defensivspiel ein paar Probleme bedeutete (dazu später mehr), in der Offensive aber für ein Bremer Übergewicht sorgte, mit dem Hertha kaum zurecht kam.

Luhukay war ein Tannenbaum wohl nicht schmal genug und so schickte er sein Team in einem 3-3-2-2 aufs Feld, das nur zu einem 5-3-2 wurde, wenn Werder mit dem Ball ins Angriffsdrittel vorstieß. Im Mittelfeldpressing agierten die Wingbacks meist auf einer Höhe mit Niemeyer und so eng, das sie horizontal fast schon auf einer Linie mit den äußeren Innenverteidigern standen. Auch wenn Hertha damit das Zentrum zumindest personell dicht machte, hatte Werder wenig Probleme, im Mittelfeld den Ball laufen zu lassen. In puncto Ballbesitz und -zirkulation war dieses Spiel schon ein großer Schritt im Vergleich zur Hinrunde und vor allem dem Fußball unter Dutt. Hier war die Handschrift des Trainers nach seiner ersten Vorbereitung mit dem Team deutlich zu erkennen.

Werders Glück: Hertha kann nicht kontern

Bei allem Jubel über den starken Einstand von Jannik Vestergaard und die allgemein starke Abwehrleistung (Gebre Selassie ist hier besonders hervorzuheben) zeigte Werder jedoch auch wieder die altbekannten Probleme beim Umschalten nach Ballverlusten. Das Mittelfeld rückte häufig weit auf und gab große Räume vor der Viererkette preis. Bargfrede spielte auf der Sechs weiträumig und umsichtig, verlor jedoch ebenfalls teilweise die Bindung zu seinen Hinterleuten. Hertha konnte aus dieser Anfälligkeit allerdings keinen Profit schlagen, weil das Team die Kontergelegenheiten nicht oder nur schwach ausspielte. Anhand zweier Szenen aus der Anfangsphase lässt sich dies veranschaulichen:

10. Minute: Bartels verliert am rechten Flügel den Ball. Selassie ist aufgerückt und befindet sich gute 10 Meter vor dem Ball. Vestergaard muss einrücken und ist in dieser Situation der einzige Bremer im Zentrum. Vor ihm ist ein großer, freier Raum, in den ein Gegenspieler mit Tempo stoßen könnte. Alle vier Berliner Offensivspieler sind jedoch auf der Ballseite. Die Wingbacks stehen in der eigenen Hälfte und können nicht eingreifen. Letztlich verpufft der Angriff, weil der ballführende Spieler warten muss, bis sich in Teamkollege in Tornähe positioniert. Die Hereingabe ist letztlich auch zu ungenau.

13. Minute: Berliner Ballgewinn am eigenen Strafraum. Das gesamte Bremer Mittelfeld ist an den gegnerischen Strafraum gerückt. Der Abstand zwischen Mittelfeld und Abwehr beträgt mehr als 20 Meter. Der ballführende Spieler stößt in diesen Raum vor, wird dann aber von Selke auf Kosten einer gelben Karte gefoult.

Strategie schlägt Taktik

Es gab etliche weitere Situationen in der ersten Halbzeit, die ganz ähnlich verliefen. In taktischer Hinsicht war Werder also nicht ganz überzeugend. Das war an diesem Tag aber nicht so wichtig, denn Skripnik machte aus strategischer Sicht alles richtig. Die Konterräume kann man wohlwollend als kalkuliertes Risiko bezeichnen, denn es wurde schnell deutlich, dass sie gegen Hertha kein allzu großes Problem darstellen würden. Die viel beschworene Balance hat Skripniks Team mangels defensivem Umschaltspiel noch nicht gefunden, daher ging man in der ersten Halbzeit dieses Risiko ein, konnte dafür aber offensiv so dominant auftreten, wie seit Jahren nicht. In der zweiten Halbzeit, mit der Führung im Rücken, spielte Werder weitaus vorsichtiger. Dies ging auf Kosten des Ballbesitzes und der Dominanz im Mittelfeld, doch Hertha hatte auch spielerisch nicht die Mittel, um Werder vor Probleme zu stellen. Dafür kam Werder nun seinerseits zu einigen Konterchancen.

Obwohl die zweite Halbzeit nicht so spektakulär war wie die erste, gefiel mir Werders Leistung dort deutlich besser. Bargfrede hielt nun seine Position, Bartels und Junuzovic hielten ihren Vorwärtsdrang ebenfalls zurück und dahinter schwang sich Vestergaard zum Spieler des Spiels auf. Wobei: Führt hier ein Weg vorbei an Franco Di Santo? Bei seinem Pflichtspielcomeback erzielte er direkt zwei wunderbare Tore und obwohl er noch nicht ganz bei 100% ist und nicht so dominant auftrat wie vor seiner Verletzung, machte der Auftritt große Hoffnung. Das liegt auch an seinem Sturmpartner Selke, der kein wirklich gutes Spiel machte, aber gerade deshalb gereift wirkte. Das war keine Galavorstellung auf purem Adrenalin, sondern eine schwierige Partie, in der er sich nicht beirren ließ und einige gute und vor allem clevere Aktionen hatte.

Härtetest in Sinsheim

Gegen Hoffenheim wartet eine vermutlich härtere Probe auf Werder. Auswärts trat das Team unter Skripnik in der Hinrunde deutlich vorsichtiger auf als zuhause. Hoffenheim hat gegen Augsburg zwar nicht überzeugt und war gerade in der Innenverteidigung anfällig (schöne Grüße von Vestergaard!), hat aber offensiv das Zeug dazu, Werder das Leben richtig schwer zu machen. Solche Lücken wie gegen die Hertha wird man sich nicht erlauben können. Dank des Heimsiegs kann Werder jedoch ohne großen Druck agieren und sich taktisch an der zweiten Halbzeit gegen Hertha orientieren. Die Sperre gegen Junuzovic macht dem Trainer die Entscheidung leicht, Clemens Fritz in die Startelf zurückzuholen. Weitere Wechsel wären auf der Zehn (Aycicek statt Öztunali) oder hinten links (Garcia für Sternberg) denkbar.

Es bleibt zu hoffen, dass man sich bei Werder nicht vom Sieg gegen einen wirklich schwachen Gegner blenden lässt und der Verlockung widersteht, sich schon mit höheren Zielen zu befassen. Eine über 90 Minuten konzentrierte Leistung gegen einen Europa League Kandidaten wäre ein guter nächster Schritt auf dem Weg zum Klassenerhalt.

Rückrundenvorschau 2015

Gestern Abend startete die Rückrunde mit einem fulminanten Spiel in Wolfsburg. Für Werder geht es jedoch erst morgen los, es bleibt also noch Zeit für eine Rückrundenvorschau. Eine Unterteilung in Taktik und Kader spare ich mir, erstens aus Zeitgründen und zweitens, da Skripnik darauf verzichtet hat, in der Winterpause ein anderes System als die Raute zu testen. Wir wissen also, was auf uns zu kommt.

Tor: Mehr Konkurrenz = bessere Leistung?

Das Theater im Tor wurde lang und breit diskutiert. Die Situation hat sich zur Hinrunde insofern nicht verändert, da Wolf weiterhin als Nummer Eins zwischen den Pfosten stehen wird. Da sich die Personalsituation dahinter jedoch komplett gedreht hat, stimmt das nur bedingt. Trotz der Bekenntnisse zu Wolf dürfte klar sein, dass Skripnik und Eichin mit seinen Leistungen in der Hinrunde nicht zufrieden waren. Casteels soll, anders als der nun verliehene Strebinger, Druck ausüben und für den Fall, dass Wolf weiterhin schwächelt, als kurzfristige Alternative dienen. Dass im Sommer mit Wiedwald ein Torwart verpflichtet wird, der Wolf als Stammspieler verdrängen soll, pfeifen die Spatzen von den Bremer Dächern. Husic dürfte ebenso wie Strebinger keine Rolle mehr spielen. Wenn die Nummer Drei ins vierte Glied versetzt wird und nicht mehr mit den Profis trainieren darf, dann ist das eine klare Ansage. Husic war Dutts Wunschspieler, nicht Skripniks. Seine Rolle wird in der Rückrunde von Zetterer eingenommen.

Wirklich zufriedenstellend ist die Situation im Tor weiterhin nicht. Da man Wiedwald (noch) nicht bekommen hat, war es unter den gegebenen Bedingungen aber wohl die sinnvollste Lösung. Casteels hat mich bislang wenig überzeugt, doch er verfügt im Gegensatz zu Strebinger und Husic über Bundesligaerfahrung und ist leistungsmäßig so dicht an Wolf, dass dieser unter erhöhtem Druck steht. Man versucht also, eine Situation wie in der letzten Saison zu schaffen, in der Hoffnung, Wolf wieder auf das damalige Niveau zu heben. Ob das funktioniert, ist fraglich. Der sehr defensive Stil unter Dutt kam Wolfs Spielweise sicher gelegen. In dieser Saison wird dem Torwart mehr abverlangt und Wolf ist den Beweis bisher schuldig geblieben, dass er auch ein mitspielender und vor allem antizipierender Torhüter sein kann. Ich hoffe trotzdem, dass Werders Führung mit ihrer Einschätzung richtig liegt und der Verein nicht aufgrund eines Torwartproblems absteigt.

Abwehr: Die Viererkette steht – aber steht sie endlich sicher?

Die Viererkette war unter Skripnik bislang fast eine Konstante. Rechts ist Gebre Selassie gesetzt, zumindest solange, bis Luca Zander wieder eine ernste Alternative ist. Marnon Busch kommt beim neuen Trainer nicht über die Rolle als Backup hinaus. Seine energetische, aber bisweilen etwas unkontrollierte Spielweise ist bei Skripnik auf der Außenbahn weniger gefragt, als bei seinem Vorgänger. In der Mitte waren Prödl und Gálvez gerade auf dem Weg, das Bremer Abwehrzentrum endlich in den Griff zu bekommen, als Prödls Verletzung einen Strich durch die Rechnung machte. Neuzugang Vestergaard dürfte vorerst Prödls Rolle einnehmen und scheint mir auch im Sommer als Nachfolger des Österreichers angedacht zu sein. Wann immer Prödl nicht gespielt hat, waren seine fehlende Präsenz in der Strafraumverteidigung und vor allem seine Kopfballdominanz deutlich zu sehen. Hier sollte Vestergaard Abhilfe schaffen können. Gálvez hatte eine schwache Vorbereitung, doch sollte weiterhin gesetzt sein, da die Konkurrenz ebenfalls schwächelt. Lukimya als Spielertyp neben Vestergaard mag ich mir ohnehin nicht vorstellen. Caldirola befindet sich im fortwährenden Formloch und soll eigentlich noch abgegeben werden.

Damit hätte Werder neben Gálvez aber gleich drei Abwehrspieler vom Typ “Kante”. Caldirola ist hingegen ein weitgehend unterschätzter Innenverteidiger. Seine Stärken liegen in völlig anderen Bereichen, als die seiner Konkurrenten. Er verteidigt vorausschauender (und damit meine ich nicht den “Alles-oder-Nichts-Zweikampf” an der Mittellinie) und alles in allem “italienischer” als seine Kollegen. Letzteres wird in Deutschland wenig geschätzt bzw. selten überhaupt erkannt. Nicht ohne Grund wurde der Erfolg italienischer Mannschaften hierzulande häufig auf “Glück” zurückgeführt. In der aktuellen Form kann Caldirola der Mannschaft tatsächlich nicht helfen. Doch warum sollte sich dies im Laufe der Rückrunde nicht ändern? Mit ihm als viertem Innenverteidiger wäre mir deutlich wohler als mit Lukimya, der aufgrund seiner Zweikampfstärke bei vielen als “konstant” gilt, obwohl bei ihm – abgesehen von seinen sonstigen Schwächen – die spielentscheidenden Fehler in großer Regelmäßigkeit auftreten (eine Form der Konstanz, die Werder den Klassenerhalt kosten könnte). Es mag für einen Abstiegskandidaten ein Luxusproblem darstellen, sich um den vierten Innenverteidiger Sorgen zu machen, doch wenn sich drei der vier Verteidiger nicht gut miteinander kombinieren lassen, entsteht automatisch eine Abhängigkeit von einem einzelnen Spieler. Ein Risiko auf einer problematischen Position.

Eine solche ist die des Linksverteidigers wieder geworden, nachdem das Problem letzte Saison schon gelöst schien. Garcia ist jedoch – ähnlich wie Busch – nicht der bevorzugte Spielertyp des Trainers. Zu überdreht, zu riskant ist seine Spielweise für Skripniks System. Unter Dutt kam ihm der Linksfokus noch sehr zugute. Als weit aufrückender Außenverteidiger hatte er durch die Überladungen mit Elia, Hunt, Junuzovic und/oder Obraniak viele Optionen für seine bevorzugten Doppelpässe. Nicht zuletzt wurde er auch gut von Caldirola abgesichert. In dieser Saison hatte er zunächst eine schwache Form und musste sich dann den veränderten Anforderungen durch den Trainerwechsel anpassen. Mit Sternberg hat er seitdem einen Konkurrenten, den wenige auf dem Zettel hatten und der in seinen beiden Bundesligaeinsätzen höchst unterschiedliche Eindrücke hinterlassen hat. Sein Debüt war gut, doch beim zweiten Einsatz war seine Leistung nicht bundesligareif. Solche Leistungsschwankungen muss man einem unerfahrenen Nachwuchsspieler zugestehen. Es würde mich daher aber wundern, wenn er Garcia schon in dieser Rückrunde verdrängen könnte. Nicht wenige forderten deshalb eine Neuverpflichtung für hinten Links. Angesichts der finanziellen Situation und der anderen Problemstellen im Kader, halte ich es aber für eine kluge Entscheidung, damit bis zum Sommer und somit auch Sternbergs Entwicklung abzuwarten.

Mittelfeld: Alternativlose Raute mit Anpassungen im Detail

Die Raute steht unter Skripnik nicht zur Debatte. Eine andere Formation wurde im Winter nicht eingeübt. Ein Fehler? Zumindest in der konkreten Auslegung ist Skripniks Raute sehr anpassungsfähig und hat uns in der Hinrunde von flachem 4-4-2 über einen 4-3-2-1 Tannenbaum bis zur Schaaf’schen flexiblen 4-1-2-1-2-Raute durchaus Abwechslung beschert. Das größte Problem, das ich bei einer Raute sehe, sind die sehr unterschiedlichen Anforderungen in Defensive und Offensive. Um die defensiven Vorteile nutzen zu können, müssen die Halbraumspieler sehr darauf bedacht sein, die Zwischenräume zu schließen, also bei gegnerischem Ballbesitz neben den Sechser zu rücken. Das bringt einige Probleme fürs Pressing mit sich. Unter Dutt haben die Achter meist sehr hoch agiert im Pressing, so dass die Formation zu einem 4-1-3-2 wurde, wodurch es im Zentrum große Lücken gab, wenn die Pressinglinie überspielt wurde. Bleiben die Achter hingegen tief, erhalten die gegnerischen Außenverteidiger meist viel Raum. Es entstehen eher schmale 4-3-3/4-3-1-2/4-3-2-1-Stellungen, die – die nötige Kompaktheit vorausgesetzt – den Gegner früh auf die Außenbahnen leiten sollen. Dies bringt aber Probleme im Umschalt- und Flügelspiel mit sich.

Offensiv liegt der große Vorteil der Raute in der nominellen Überzahl im Mittelfeld gegen fast alle anderen Systeme. Die Abstände können kurz gehalten werden, Seitenüberladungen werden vereinfacht und es ergeben sich interessante Passwege. Dazu ist es aber erforderlich, dass sich alle vier Mittelfeldspieler offensiv mit einschalten und flexibel agieren. Die daraus entstehende Unordnung hat weitreichende Konsequenzen gegen gut geordnete und schnell umschaltende Gegner, wie man bei Werder vor allem in den Jahren 2008-2012 schmerzhaft festgestellt hat. Skripnik hat bislang versucht, aus diesen beiden Elementen der Raute das beste herauszuholen (zuhause vor allem das offensive Potenzial, auswärts das defensive). Er hat es aber noch nicht geschafft, sie zu verbinden, was mit dem vorhandenen Personal auch nicht ganz einfach sein dürfte. Sein Pragmatismus als Trainer liegt eher darin, je nach Einschätzung der Ausgangslage eine von beiden Optionen zu wählen. Anders als Dutt ist er bislang allerdings kein Spezialist darin, im Spiel passende Umstellungen vorzunehmen. Nach dem Nordderby brachte ihm dies viel Kritik ein. Als jungem Trainer sollte man Skripnik eine gewisse Lernkurve jedoch zugestehen.

Über die Besetzung der Defensivpositionen im Mittelfeld habe ich mich vor ein paar Tagen schon ausgelassen. Ich halte es für einen Fehler, dass Werder im Winter keinen neuen Sechser verpflichtet hat. Das Warten auf Julian von Haacke wird noch eine Weile dauern, und wenn Werder bis dahin abgestiegen ist, nützt das auch nichts mehr. So geht Werder mit dem Trio Fritz – Bargfrede – Junuzovic in die Rückrunde. Spielerische Fortschritte erwarte ich mir davon nicht. Davor wird es interessant. Bartels ist ebenfalls gesetzt. Bei ihm stellt sich die Frage, ob er als Zehner oder zweite Spitze aufläuft. Ich denke, Skripnik wird hier wie in der Hinrunde je nach Gegner entscheiden. Mit Öztunali ist ein vielseitiger Offensivakteur hinzugekommen. Ich würde ihn zunächst eher auf der 10 oder im Angriff sehen als auf der Halbposition. Gleiches gilt für Aycicek. Beide verfügen über großes spielerisches Potential und sind gerade auch als Einwechseloptionen interessant, um z.B. auf Rückstände zu reagieren.

Angriff: Zwei Stürmer, aber welche Stürmertypen?

Es wäre zu schön gewesen, hätte Skripnik im Angriff endlich aus dem vollen schöpfen können. Obwohl mit Petersen und Elia zwei  Stürmer verliehen wurden, hatte man mit dem wieder genesenen Di Santo, Selke und Lorenzen gleich drei Spieler im Kader, die das Prädikat “echter Stürmer” tragen. Skripnik hätte also nicht mehr nur die Option, neben dem gesetzten Di Santo eine zweite Spitze (Selke, Lorenzen) oder einen Halbstürmer (Bartels, Hajrovic, Öztunali) zu bringen, sondern auch innerhalb dieser Optionen je nach Anforderung viel Auswahl gehabt: Lieber den beweglicheren und schnelleren Lorenzen oder den torgefährlicheren und körperlich robusten Selke? Durch Lorenzens erneute Verletzung entfällt diese Option nun leider fürs erste.

Derzeit scheint Selke im Rennen um den Startelfplatz die Nase vorn zu haben, wobei sein größter Konkurrent nicht etwa Bartels (der spielt sowieso) oder Hajrovic heißt, sondern Aycicek. Entweder Bartels hinter Di Santo und Selke oder Aycicek hinter Di Santo und Bartels lauten also die beiden Möglichkeiten für den Rückrundenauftakt. Selke hat mich gegen Dortmund zum ersten Mal richtig überzeugt. Es bleiben naturgemäß ein paar Zweifel, dass er solche Leistungen wiederholen kann, aber dass er überhaupt zu einer solch kompletten Stürmerleistung fähig ist, war eine wichtige Erkenntnis. Es wäre daher verständlich, ihn zunächst als Sturmpartner für Di Santo zu bevorzugen. Hajrovic wirkt nach wie vor nicht so richtig glücklich über seine Rolle als Backup für eine Position, die er nicht gerne mag (was ein schiefes Licht auf seine Verpflichtung wirft; die positionellen Vorstellungen dürften doch bei den Vertragsverhandlungen mal zur Sprache gekommen sein). Derzeit ist er maximal Stürmer Nummer 4, doch dank der unterschiedlichen offensiven Ausrichtungen und Lorenzens Verletzung hat er dennoch gute Einsatzchancen als Joker.

Im Gegensatz zu einigen anderen Positionen ist Werders Kader im Angriff so tief besetzt, dass der Ausfall von Lorenzen keinen unmittelbaren Bedarf nach Ersatz weckt. Selbst die Abhängigkeit von Di Santo konnte unter Skripnik (gezwungenermaßen) etwas aufgebrochen werden. In diesem Mannschaftsteil muss man sich personell keine großen Sorgen machen.

Trainer: Skripniks Etablierung

Sein Einstand war spektakulär und überzeugend. Die ersten Anpassungsprobleme bekam Skripnik ebenfalls in den Griff. 13 Punkte aus acht Spielen sind überzeugend, vor allem wenn man bedenkt, dass Di Santo in sechs dieser Spiele ersetzt werden musste. In der Rückrunde wird sich nun aber zeigen, wohin Werder mit Skripnik steuert. War es nur ein Zwischensprint aus dem ganz tiefen Keller, getrieben von Aufbruchsstimmung und begünstigt vom Spielplan? Mein Eindruck ist: Nein. Skripnik hat ein totes Team spielerisch wiederbelebt. Er hat durch den Einbau junger Spieler neue Hoffnung versprüht und ohne Geld auszugeben die Kaderbreite erweitert (wären die Abgänge von Petersen, Elia und Obraniak sonst in dieser Form möglich gewesen?). Nebenbei ist er in kürzester Zeit zur Identifikationsfigur des Vereins geworden, in einer Zeit, wo diese nur schwer zu finden sind.

Offene Fragen bleiben dennoch. Die größte davon ist die anhaltenden Defensivproblematik. Zu Beginn konzentrierte sich Skripnik vornehmlich darauf, die defensiven Lücken zu schließen. Gegen Mainz und Stuttgart gelang dies erfolgreich, gegen den HSV wurde es am Ende zum Verhängnis. Danach ging Werder in Heimspielen in den Angriffsmodus über, was immerhin sieben weitere Punkte einbrachte. Defensiv zeugen sechzehn Gegentore in acht Spielen jedoch weiterhin von einem großen Problem. Zu häufig sorgte eine Kombination aus individuellen Fehlern und strukturellen Defiziten bei der Absicherung eigener Angriffe für Probleme. Die Testspiele gegen Duisburg und Hannover ließen wenig Besserung erkennen. Meine Hoffnungen sind in der Hinsicht eher gering.

Skripnik wird Werder nicht zu einem Abwehrbollwerk machen müssen, um die Klasse zu halten. Er wird jedoch die Defensivabläufe deutlich verbessern müssen, wenn er mit Werder in Zukunft mehr erreichen will, als nur einen knappen Klassenerhalt. Das Argument, dass er trotzdem einen Punkteschnitt erreicht hat, der Werder hochgerechnet in die Nähe der Champions League Plätze bringen würde, lasse ich an dieser Stelle nicht gelten. Über einen kurzen Zeitraum lassen sich zwei Gegentore pro Spiel verkraften, aber nicht über eine ganze Saison. Es ist zwar wie ein Kampf gegen Windmühlen, aber es muss erneut gesagt werden: Werder hat unter Schaaf lange Zeit weniger Gegentore kassiert. VIEL weniger! Vereinzelte 5:4 Siege vernebeln das Gedächtnis vielleicht ein wenig, doch erst im Jahr 2007 begann der schrittweise Anstieg der Gegentore pro Saison. Stand heute hat sie sich verdoppelt.

Ich fordere allerdings nicht, dass Skripnik die Defensive zur alleinigen Priorität erklärt. Verbesserungen in der Offensive können ebenfalls zu einer geringeren Anzahl an Gegentreffern führen. Weniger Ballverluste in gefährlichen Zonen, mehr Ballbesitz und eine bessere offensive Raumaufteilung tragen dazu bei, die Defensive zu entlasten. Nicht alle Positionen scheinen mir jedoch so besetzt zu sein, dass kontrolliertes oder gar dominantes Ballbesitzspiel in der gegnerischen Hälfte möglich ist. Der noch immer krankende Spielaufbau dürfte sich mit Wolf, Prödl, Lukimya und Vestergaard, aber auch Garcia und Fritz kaum verbessern lassen (ganz zu schweigen von den Problemen, die eine hohe Abwehrkette ohne Gálvez dann nach sich ziehen würde). Skripniks wichtigster Job ist es daher, neben der spielerischen Entwicklung der Mannschaft auch die Defensivstrukturen zu verbessern. Es muss (hoffentlich) nicht gemauert werden, um die Klasse zu halten. Ich hoffe jedoch auch, dass Skripnik weiterhin pragmatisch genug bleibt, um im Zweifel mit 1:0-Siegen in der Liga zu bleiben, als mit Pauken, Trompeten und 80 Gegentoren abzusteigen.

Winterpausengedanken

1. Testspiele

Drei Siege und eine deftige Niederlage – so sieht die Bilanz bisher aus. Gesehen habe ich nur das Testspiel in Duisburg, und das war grauenvoll. Ergebnisse aus Testspielen sind mir zwar relativ egal und zur Einordnung der Leistungen muss man die Trainingsumstände mit einbeziehen (Wurde vor dem Spiel noch trainiert? Gab es eine Vorbereitung wie bei einem Pflichtspiel? Was waren die Maßgaben des Trainers?). Unabhängig davon kann man aber festhalten, dass Werder gegen den Drittligisten nicht den Hauch einer Chance hatte, defensiv so trottelig wie eh und je agierte, sowie insgesamt den Eindruck erweckte, nicht sonderlich an diesem Spiel interessiert zu sein. Laufbereitschaft? Kompaktes Verschieben? Einstudierte Offensivaktionen? Alles Fehlanzeige. Man sollte meinen, dass knapp zwei Wochen vor Beginn der Rückrunde jede Chance gesucht wird, sich dem Trainer auf seiner Position aufzudrängen. Allerdings macht es dem Trainer die Auswahl auch nicht leichter, wenn keiner der in Frage kommenden Spieler eine ansprechende Leistung zeigt. Am ehesten wusste noch Aycicek zu überzeugen, da er zumindest einige gute Ideen in der Offensive hatte, aber es war, um es deutlich zu sagen, keineswegs eine Leistung, mit der man in einer Bundesligamannschaft positiv herausstechen sollte.

Zu hoch hängen sollte man das Spiel jedoch nicht. Schon die Testspiele zuvor haben gezeigt, dass defensiv noch viel Arbeit vor dem Team liegt. Skripnik sprach denn auch von einer “gesunden Niederlage”, weil den Spielern nun die Defiziten deutlicher gemacht werden könnten. Das war hoffentlich eine Standardfloskel, denn wenn das Team ernsthaft Spiele wie in Duisburg bräuchte, um auf die tiefgreifenden Probleme im Defensivspiel aufmerksam gemacht zu werden, könnte man die Hoffnung auf den Klassenerhalt wohl schon jetzt begraben.

2. Abgänge

Weiß endlich wo’s lang geht: Eljero Elia

Drei Spieler wurden in der Winterpause abgegeben und bei allen Dreien war es sowohl absehbar, als auch vernünftig. Ludovic Obraniak hatte zwar eine neue Chance bekommen unter Viktor Skripnik, war jedoch schnell wieder aus der erweiterten Stammelf gerutscht und stand zuletzt nicht nur hinter Nachwuchshoffnung Aycicek, sondern auch hinter dem Siebzehnjährigen Eggestein. Eine Trennung war somit unausweichlich. Nils Petersens Wechsel zu Freiburg überraschte nur insofern, als dass man damit einen direkten Konkurrenten vermeintlich stärkte (wobei auch der Witz die Runde machte, dass man die Freiburger damit gezielt schwächen wollte). Bei Petersen kamen zwei Dinge zusammen, die ihn bei Werders aufs Abstellgleis beförderten: 1.) Ein anhaltendes Formtief, gepaart mit langen Durststrecken ohne Treffer, was – wie bei Stürmern üblich – zu einem Verlust des Selbstbewusstseins führte. 2.) Generelle Vorbehalte gegen seine Tauglichkeit, da seine Schwächen (Technik, Ballbehauptung, Spiel mit dem Rücken zum Tor) auch in guten Phasen allzu deutlich sichtbar waren. Die erstarkte Konkurrenz mit Selke und Lorenzen bedeutete letztlich Petersens Aus in Bremen.

Etwas anders gelagert ist der Fall bei Eljero Elia. Nachdem er die letzte Saison mit recht ansprechenden Leistungen als zweiter Stürmer neben Di Santo beendete, wurde er im Laufe der Hinrunde wieder zum Pflegefall auf zwei Beinen. An Elias sportlichem Potential bestanden nie Zweifel, doch es gibt gute Gründe dafür, dass er in der Bundesliga auf seiner Position nie zu einem überdurchschnittlichen Spieler wurde – und erst recht nicht zu einem Leistungsträger, der seinen qua Gehalt herausragenden Status im Kader rechtfertigen würde. Einerseits zählt Elia zu den Spielern, deren einziger Treibstoff das Selbstbewusstsein ist. Das wurde immer dann deutlich, wenn er eines seiner spärlichen Erfolgserlebnisse hatte und in der Folge sichtlich aufblühte. Andererseits scheint Elia kaum zur kritischen Selbstreflexion fähig. Das wurde immer dann deutlich, wenn Kritik an ihm aufkam oder er nicht berücksichtigt wurde. Weder konnte er aus diesen Rückschlägen irgendwelche Lehren ziehen, noch die Kritik in positive Energie umwandeln. Die Diskrepanz zwischen dem Bild, das er in der Öffentlichkeit gerne von sich zeichnen wollte (“bester Linksaußen Europas”) und seinen überdeutlichen Selbstzweifeln auf dem Platz, die nach jeder schlechten Szene zu wachsen schienen, könnte größer kaum sein. Elia wäre gerne ein Künstler, lässt aber das einfache Handwerk vermissen. Das kann sich ein Verein wie Werder in der aktuellen Situation nicht leisten. Bei Southampton, einem gut eingespielten Kollektiv mit der besten Defensive der Premier League, mag das anders aussehen. Ob Elia dort jedoch mit den unweigerlich kommenden Rückschlägen besser fertig wird, steht auf einem anderen Blatt.

3. Zugänge

Alle drei Abgänge spielten unter Skripnik keine Rolle mehr im Team. Sie müssen somit nicht direkt ersetzt werden. Die Forderung nach Neuzugängen ist daher auch losgelöst von diesen Transfers. Die Schlagrichtung hat sich dabei in den letzten Monaten jedoch ein Stück weit geändert. Zwar fordern Teile der Fans immer noch einen Großeinkauf und “dass der Verein endlich mal richtig ins Risiko geht”. Eine grundlegende Änderung der Einkaufspolitik hat es trotzdem nicht gegeben. Das dürfte zu einem nicht unwesentlichen Teil an der gelungenen Integration mehrerer Nachwuchsspieler unter Viktor Skripnik liegen. Der als “alternativlos” bezeichnete Weg der Einbindung eigener Talente wird nun auch gegangen, nicht nur ausgemalt. Ohne Neuzugänge dürfte es dennoch schwierig werden, die Klasse zu halten. Dabei stehen nun nicht mehr offensive Hoffnungsträger wie Bryan Ruiz im Mittelpunkt des Interesses, sondern erfahrene Spieler auf den wichtigsten Defensivpositionen: Torwart (siehe unten), Innenverteidigung und defensives Mittelfeld.

Wird entweder der der neue Micoud oder der neue Diego: Levin Öztunali

In der Innenverteidigung stehen theoretisch vier erfahrene Spieler zur Verfügung, doch durch Prödls Verletzung (und schwierige Vertragssituation) und Caldirolas tiefes Formloch ist die Position, die im Sommer noch tief genug besetzt schien, zum großen Problem geworden. Nachwuchsmann Hüsing scheint mir noch nicht weit genug zu sein und Lukimya sollte in einer Bundesligamannschaft nicht mehr als ein Ergänzungsspieler sein. Bleibt lediglich Gálvez als Konstante, der bislang aber auch nur an Prödls Seite wirklich überzeugen konnte. Ein weiterer Innenverteidiger wäre wünschenswert, ergibt aber nur bei einem gleichzeitigen Abgang Sinn. Einziger Kandidat dafür wäre Caldirola (Lukimyas Vertrag wurde erst verlängert und wer kauft schon einen verletzten Prödl, der im Sommer ablösefrei zu haben ist?). Ob man die Hoffnung in den Italiener aber schon vollständig aufgegeben hat, weiß ich nicht. Mehr als ein weiteres Leihgeschäft kann ich mir dennoch nicht vorstellen.

Die Problematik im defensiven Mittelfeld besteht schon so lange, dass ich schon nicht mehr damit gerechnet habe, dass man sie bei Werder noch bemerkt. Es ist mir unbegreiflich, dass seit Baumanns Karriereende, also seit fünfeinhalb Jahren bzw. elf Transferphasen, nie Geld für einen richtig guten Sechser in die Hand genommen wurde (Makiadi lasse ich nicht gelten, denn bei ihm war vorher klar, dass er kein eigentlicher Sechser ist, sondern wahlweise Achter/Box-to-Box-/Verbindungsspieler). Wahlweise setzte man auf den Nachwuchs (Bargfrede), holte unerfahrene Talente (Trybull) oder schulte Spieler um (Kroos, Gálvez). Wie konnte ein Verein, der soviel auf seine Tradition mit der Raute im Mittelfeld gibt, nur die Bedeutung einer solch wichtigen Position so massiv unterschätzen? Doch auch die lokale Presse träumt noch immer von einem neuen Johan Micoud, statt sich die Konkurrenz anzuschauen und einen Daniel Baier zu fordern. Neuzugang Levin Öztunali ist für mich daher eher eine “Zugabe”, ein Spieler für die Breite in der Offensive, der im Sommer für ein Jahr die Nachfolge Junuzovics antreten könnte.

Auf der Sechserposition ist der Bedarf im Kader meiner Meinung nach am Größten (siehe Punkt 5). Im Winter wird es doppelt schwer, dieses Versäumnis nachzuholen. Gesucht wird kein reines Kampfschwein oder Zweikampfgott, sondern ein intelligenter und technisch starker Spieler vor der Abwehr, der gutes Positionsspiel, Passicherheit und strategische Fähigkeiten mitbringt. Kein leichtes Anforderungsprofil, aber andere Vereine haben bewiesen, dass man keinen dicken Geldbeutel braucht, um dort fündig zu werden.

4. Torwartdiskussion

Die dritte kritische Position ist die des Torwarts. Hier ist Eichin alles andere als clever vorgegangen, hat sich sehr früh weit aus dem Fenster gelehnt und somit dazu beigetragen, dass Werder in diesem Winter ein großes Torwartproblem hat. In erster Linie liegt der Grund dafür natürlich in Wolfs Leistungen. Leider konnte er sich nach seiner soliden Rückrunde nicht weiterentwickeln, sondern ließ genau die Mängel erkennen, die ihm seine Kritiker schon lange vorhalten: Probleme bei der Strafraumbeherrschung, Antizipation und Spieleröffnung. Wolf geht wenige Risiken ein und schießt daher auch nur selten richtige (offensichtliche) Böcke. Mit seiner passiven Art hat er dennoch seinen Anteil an Werders wackliger Defensive. Ob er in der Hinrunde der schwächste oder nur einer der schwächsten Stammtorhüter der Liga war, möchte ich nicht beurteilen. Festhalten kann man aber, dass er mit den gezeigten Leistungen nicht die unumstrittene Nummer 1 sein sollte.

Doch keine Konkurrenten: Richard Strebinger und Raphael Wolf

Durch Eichins Äußerungen wurde dieses Problem jedoch nach außen getragen und inzwischen zeigen sich alle Beteiligten so genervt von der Situation, dass jedes noch so überzeugend vorgetragene Bekenntnis zu Wolf nicht mehr glaubwürdig ist. Die Diskussion soll mit aller Macht beendet werden. Wie aber soll das gehen, wenn offensichtlich wurde, dass Werders Vereantwortliche Strebinger und Husic für (noch?) nicht bundesligatauglich halten und aus dem Wunsch Felix Wiedwald als Herausforderer für Wolf zu verpflichten, nie einen Hehl machten? Wie könnten sie auch mit dem Status Quo zufrieden sein, dass die Nummer 1 schwächelt und niemand da ist, der (analog zu Wolf/Mielitz letzte Saison) die Situation nutzen könnte? Die nun gefundene Übergangslösung mit Casteels als Leihgabe bis Saisonende ist zumindest aus vertraglicher Sicht sinnvoll (sofern man mit Wiedwald bereits einig ist, wovon ich ausgehe). Sportlich sind jedoch gewisse Zweifel angebracht. Es ist nicht optimal, angesichts der Situation nur eine vorgebliche Nummer 2 zu verpflichten, doch zumindest hat Skripnik nun zwei Torhüter mit Bundesligaerfahrung im Kader und einen größeren Konkurrenzkampf auf der Position.

5. Gegentorflut

39 Gegentore setzte es in der Hinrunde, so viele wie noch nie in Werders Bundesligageschichte. Das ist überaus besorgniserregend und der Schlüssel zum Klassenerhalt wird sein, diese Flut an Gegentoren einzudämmen. Nur wie? Sowohl Schaaf (Rückrunde 2013) als auch Dutt (2013/14) haben dieses Problem nur zeitweise und unter weitgehendem Verzicht auf eigene Offensivbemühungen in den Griff bekommen. Bislang deutet wenig darauf hin, dass sich dies unter Skripnik ändert. Zwar ist Werder im Vergleich zum desaströsen ersten Saisonviertel etwas stabiler geworden, doch auch unter Skripnik setzte es im Schnitt zwei Gegentore pro Bundesligaspiel.

Die größte Stärke, die die Rautenformation in der Defensive hat, ist die 4-3-Stellung in Abwehr und Mittelfeld, mit der sich die Schnittstellen im Zentrum (zumindest in der Theorie) gut verschließen lassen. Diese Stärke muss Werder nutzen. Ich bin kein Fan davon, möglichst viele Offensivspieler in die Raute zu integrieren. Viel wichtiger ist die richtige Balance der hinteren drei Rautenspieler, zumal die Viererkette dahinter alles andere als sattelfest ist. Da Junuzovic auf der linken Halbposition gesetzt sein dürfte, sollte die rechte Halbposition meiner Meinung nach standardmäßig defensiver besetzt werden. Dies war in der Hinrunde der Fall, als Clemens Fritz von Skripnik dorthin versetzt wurde. Der in die Jahre gekommene Fritz hat jedoch bei allen verbliebenen Qualitäten deutliche Schwächen und funktioniert meiner Meinung nach nur vor einem deutlich überdurchschnittlichen Sechser. Ich sehe Bargfrede potentiell immer noch als solchen, aber mangels konstantem Aufbauspiel und strategischem Geschick nicht in einer Raute. Felix Kroos hingegen ist in diesen Bereichen stärker und an guten Tagen ein geeigneter Spieler für diese Position. Allerdings ist er zu unkonstant und zweikampfschwach, braucht somit zwingend einen zuverlässigen Ausputzer an seiner Seite – einen wie Bargfrede.

Vieles spricht also dafür, Kroos und Bargfrede neben Junuzovic spielen zu lassen, doch damit schafft man sich ein neues Problem: Wohin mit Clemens Fritz? So oder so sind es nur Notlösungen, die Werder mit dem aktuellen Kader aufbieten kann. Versucht Skripnik also die Flucht nach vorne, wie gegen Duisburg? Oder wird Werder doch noch auf dem Transfermarkt tätig?

6. Prognose

Die “Skripnik-Bilanz”, nach der Werder seit dem Trainerwechsel auf Platz 5 der Tabelle liegt, macht in der Tat Hoffnung, dass Werder in der Rückrunde mehr Punkte holen könnte, als in der Hinrunde. Vor allem in den Heimspielen hinterließ Werder einen guten Eindruck und holte 10 von 12 möglichen Punkten. Da man zum Rückrundenauftakt in den ersten vier Spielen dreimal im Weserstadion antreten darf, liegt der Gedanke nahe, dass Werder sich schon nach dem 21. Spieltag vom Tabellenende abgesetzt haben könnte. Da die Gegner jedoch Hertha, Leverkusen und Augsburg heißen, glaube ich nicht daran, dass dies so eintreten wird. Auch einen anhaltenden Aufwärtstrend erwarte ich nicht in der Rückrunde. Ich rechne mit einem Kampf um den Klassenerhalt bis zum Saisonende.

Torsten Frings und Viktor Skripnik: Hütchen- oder Hoffnungsträger?

Die Hypothek von vier Punkten aus den ersten neun Spielen wiegt noch immer schwer. Nichtsdestotrotz besteht bei der jungen Mannschaft die Chance, im Laufe der Rückrunde das Spielniveau zu steigern. Wenn es wider erwarten gelingt, die Defensive zu stabilisieren und Werder von Verletzungen verschont bleibt, möchte ich nicht ausschließen, dass das Team die guten Ergebnisse unter Skripnik fortsetzt und sich im Mittelfeld der Liga etabliert. Es gibt etliche Spieler im Kader, von denen man einen Formanstieg (Garcia, Caldirola, Kroos) bzw. eine Weiterentwicklung (Aycicek, Öztunali, Selke, Lorenzen, Zander) erwarten kann. Doch Entwicklungen verlaufen im Fußball selten linear. Gleichzeitig ist nicht sicher, ob Junuzovic, Di Santo und Bartels ihre Form aus der Hinrunde konservieren können.

Letztlich sind es vor allem die vielen Variablen in Werders Erfolgsformel, die mich an einem Leistungsschub zweifeln lassen. Solange die defensiven Probleme im Zentrum nicht gelöst sind – und hierzu zähle ich ausdrücklich Verstärkungen auf der Sechs und in der Innenverteidigung – zählt Werder für mich daher zu den vier bis fünf wahrscheinlichsten Abstiegskandidaten. Vom Potential her braucht es aber nicht viele Anpassungen, um aus dem Kader wieder ein Team fürs gesicherte Mittelfeld zu machen. Dies war – man erinnere sich – auch das vor der Saison ausgegebene Ziel. Noch ist es möglich, dies zu erreichen, aber durch das dünne Eis unter den Füßen schimmert weiterhin bedrohlich der Abgrund der zweiten Liga.

13. Spieltag: Richtige Schlüsse

Werder Bremen – SC Paderborn 4:0 (1:0)

Genau das hat es nach den letzten Wochen gebraucht: Einen deutlichen Werdersieg – es war der höchste seit 25 Monaten – und ein aufmunterndes Zeichen, dass der Nachwuchs auf Bundesliganiveau mithalten kann.

Gute Reaktionen

Nach der Niederlage im Nordderby musste Viktor Skripnik gleich in mehrfacher Hinsicht umstellen. Von vielen wurde insbesondere die defensive Ausrichtung kritisiert. Gegen das Überraschungsteam aus Paderborn wählte Skripnik wie zu erwarten eine offensivere Gangart, kehrte (auch defensiv) zur Raute im Mittelfeld zurück und ließ sein Team schon in der gegnerischen Hälfte ins Pressing gehen. Personell gab es durch die Sperren von Fritz und Garcia zwei offene Planstellen. Skripnik griff nicht zu den etablierten Lösungen Makiadi und Caldirola, sondern setzte auf den Nachwuchs. Janek Sternberg kam zu einem etwas überraschenden Bundesligadebüt und Levent Aycicek durfte als Zehner hinter den Spitzen zum ersten Mal von Beginn an ran. Zusätzlich musste die Frage beantwortet werden, wie der Angriff nach dem schwachen Auftritt in Hamburg aussehen sollte. Skripnik wählte auch hier den jugendlichen Weg, ließ Selke für den enttäuschenden Petersen ran. Hajrovic erhielt eine Bewährungschance, während Elia den Platz im Kader räumen musste.

Der Mut machte sich schnell bezahlt. Gegen Breitenreiters 4-1-4-1 zeigte sich Werders Pressing sehr effektiv. Zum einen wurde Paderborn aus dem Zentrum ferngehalten. Die Ostwestfalen stellten sich zwar keineswegs nur hinten rein, bekamen den Ball aber trotzdem nur selten in gefährliche Zonen im offensiven Mittelfeld. Zum anderen eroberte Werder viel mehr Bälle um die Mittellinie herum und hatte einen kürzeren Weg zum Tor. Das Team spielte defensiv wie offensiv sehr kompakt und aggressiv. Die Räume zwischen den Mannschaftsteilen wurden gering gehalten, sodass bei Balleroberungen meist zwei bis drei Anspielstationen zur Verfügung standen. Dies machte sich in einem verbesserten Passspiel bemerkbar, das durch die offensive Besetzung des Mittelfelds mit Junuzovic, Aycicek und Bartels begünstigt wurde. Insbesondere Aycicek konnte viele seiner Vorschusslorbeeren rechtfertigen. Er ist (noch?) kein dominanter Lenker im Mittelfeld, sondern ein intelligenter und technisch beschlagener Offensivspieler, der mit seiner Handlungsschnelligkeit für plötzliche Rhythmuswechsel sorgen kann. Allein dadurch ist er für Werders Offensive schon ein riesiger Gewinn.

Zlatko Juninhovic und ein Fragezeichen

Bei aller Freude über die spielerischen Verbesserungen waren es zunächst wieder einmal die Standardsituationen, mit denen Werder das Spiel vorentschied. Junuzovics grandioses Freistoßtor hätte sich auch gut in Juninhos Gallerie einreihen können. Später bereitete er mit einer Freistoßflanke auch das 2:0 durch Selke vor. Nachdem seine Standards häufiger kritisiert wurden, muss man spätestens jetzt festhalten, dass sie für Werder in dieser Saison eine der wichtigsten Waffen in der Offensive sind. Auch aus dem Spiel heraus hatte Junuzovic viele gute Aktionen. Gerade er profitiert meiner Meinung nach davon, von der “Last” der Zehnerposition befreit zu sein (auch wenn er diese im Sommer einforderte), weil er seine Stärken so besser ins Spiel einbringen kann. Den Vergleich mit Lisztes habe ich schon einmal verwendet und ich finde ihn nach wie vor sehr passend (ohne Aycicek mit Micoud oder Werders heutige Situation mit der damaligen vergleichen zu wollen).

Abgesehen von der Viertelstunde vor der Halbzeitpause hatte Werder das Spiel weitgehend im Griff. Wenn man Werder einen Vorwurf machen konnte, dann den, dass man zur Pause nur mit einem Tor Vorsprung führte. Genügend Torchancen waren vorhanden (auch aus dem Spiel heraus), doch im Torabschluss war man nicht zwingend genug. Beides lag zu einem nicht unerheblichen Teil an Davie Selke. Selke machte sein bislang wohl bestes Bundesligaspiel, bewegte sich viel, war dadurch häufig anspielbar und hatte auch individuell am Ball gute Szenen. Auch wenn er die Lücke, die Di Santos Ausfall hinterlässt, schon aufgrund seiner vergleichsweise schwächeren Technik nicht auffüllen kann, war er doch wesentlich näher dran, als zuletzt Petersen. Mit seinem unermüdlichen Einsatz kann Selke die eine oder andere Schwäche wettmachen, doch um den nächsten Entwicklungsschritt zu vollziehen, muss er unbedingt seine Schusstechnik verbessern. Der Torriecher ist hingegen vorhanden, wie der Abstauber zum 2:0 unter Beweis stellte. Es hätte jedoch keiner weitaus besseren Leistung bedurft, um in diesem Spiel zwei oder sogar drei Tore zu erzielen – ein besserer Torabschluss hätte ausgereicht. Dann hätte er sich eventuell auch die Eigensinnigkeit in der 67. Minute sparen können, die ein ziemlich sicheres Tor verhinderte. So bleibt trotz der Verbesserung ein Fragezeichen.

Parderboring statt Partyborn?

Zur Einordnung der Bremer Leistung muss auch der Gegner betrachtet werden. Paderborn hat nicht ohne Grund an den ersten zwölf Spieltagen die Bundesliga aufgemischt und zeigte auch gegen Werder in Ansätzen, wie man hätte gefährlich werden können. Hätte – weil es erst beim Stand von 0:3 aus Paderborner Sicht passierte. Es ist bekannt, dass Paderborn erst in den zweiten 45 Minuten offensiv richtig gefährlich wird. Der Doppelschlag kurz nach der Pause war insofern noch wertvoller, als es zwei Tore in einem Fußballspiel ohnehin sind. Die verbesserte Offensive der Gäste führte nie dazu, dass Werder ins Wanken geriet. Auf der anderen Seite bekam Paderborn keinen Rückenwind, wie es bei einem ähnlichen Spielverlauf ab der 60. Minute bei einem Unentschieden oder einer knappen Werderführung der Fall gewesen wäre. Man kann somit einerseits den Bremern Matchglück attestieren, auf der anderen Seite den Spielverlauf aber auch als immanentes Risiko der Paderborner Strategie bezeichnen. Wer eine Halbzeit lang so ungefährlich auftritt, wird damit nicht durchgängig punkten.

Für Werder kam in diesem Spiel einiges zusammen: Eine mutige, offensive Aufstellung und Ausrichtung, ein durchgängig konzentriertes, gut eingestelltes Spiel gegen den Ball, verbesserte Abläufe im Passspiel, die bekannte Stärke nach eigenen Standardsituationen und eben das schon erwähnte Matchglück. So bleibt unterm Strich ein 4:0-Sieg, der auch in der Höhe in Ordnung geht. Noch wichtiger als das Ergebnis ist allerdings die Erkenntnis, dass Werder mit einer mutigen Ausrichtung und einigen Nachwuchsleuten in der Startelf in der Bundesliga mithalten kann. Zum ersten Mal spielte Werder in der Bundesliga so, wie man es von Skripniks Teams bislang kannte, und lief damit nicht etwa ins offene Messer. Deshalb greift auch die Einschränkung “war ja nur gegen Paderborn” ins Leere. Gerade gegen ein solches Team, noch dazu in einem Heimspiel, kann man so mutig aufstellen und spielen lassen. Denn so stark Paderborn taktisch und kämpferisch auch bislang auftrat: Individuell gehören sie ganz sicher zum unteren Drittel der Liga. Das Risiko für einen Spieler wie Janek Sternberg ist somit überschaubar – anders als wenn er beispielsweise gegen Arjen Robben direkt im ersten Spiel drei Gegentore verantworten müsste.

Gegen andere Gegner wird Skripnik wieder Abstriche machen müssen im spielerischen Bereich, eventuell schon in Frankfurt, wo der fürs Aufbauspiel wichtige Galvez fehlen wird. Die Raute dürfte dann wieder eine Spur defensiver besetzt sein, eventuell mit Fritz für Bartels, der für den erneut wenig überzeugenden Hajrovic in die Spitze rücken könnte. Bis dahin darf Skripnik sicherlich noch einige Komplimente entgegen nehmen. Aus der Niederlage im Nordderby zog er in jeder Hinsicht die richtigen Schlüsse und so steht nach vier Spieltagen unter seiner Führung folgende kuriose Bilanz: Das einzige Team, dass in dieser Zeit mehr Punkte geholt hat, war der FC Bayern. Fast wie früher.

Der Kopf des Fischs

Mitgliederversammlungen sind bei Werder Bremen traditionell eine ziemlich dröge Angelegenheit. Bestenfalls werden die eingefahrenen Erfolge beklatscht. Kritische Fragen sind dagegen selbst in finsteren Zeiten die Ausnahme. So kann Geschäftsführer Klaus Filbry vor den versammelten Mitgliedern ein Minus von 9,8 Millionen Euro präsentieren, dies mit einem höchst unglaubwürdigen Verweis auf “Abschreibungen für Spielertransfers der Vergangenheit begründen und muss sich dafür nicht weiter rechtfertigen. Die Werderfamilie feiert lieber das (unbestritten sehr große) Lebenswerk des neuen Ehrenpräsidenten und denkt an vergangene glorreiche Zeiten.

Es ist durchaus möglich, dass die vernichtend schlechten Geschäftszahlen – und als solche muss man sie im Vergleich zur Vergangenheit und zu anderen Bundesligisten bezeichnen – ein Überbleibsel der im nachhinein noch finstereren Jahre 2010 – 2013 sind. Eventuell sind mit dem Jahresabschluss einige Leichen aus dem Keller geholt worden, die sich schon im fortgeschrittenen Verwesungszustand befanden. Hinreichend Anlass dies zu glauben, geben Filbrys Aussagen allerdings nicht. Kommunikativ war die Präsentation der Zahlen ein Debakel. Entweder hat Filbry also bewusst gelogen oder er hat schlicht selbst keinen Überblick über Werders Finanzen. Welches Szenario schlimmer wäre, ist nicht leicht zu sagen. Tragbar wäre Filbry als Geschäftsführer nach meinem Dafürhalten in beiden Fällen nicht mehr.

Nehmen wir dennoch einmal an, dass Filbry in sofern die Wahrheit sagt, als dass im laufenden Geschäftsjahr mit einem deutlich verbesserten Ergebnis gerechnet werden kann (von der vielzitierten “schwarzen Null” möchte ich gar nicht reden). Zurück bleibt die Frage, wodurch Werders Kostenapparat so dermaßen aufgebläht wurde, dass trotz eines um drei Millionen Euro gestiegenen Umsatzes und eines um sechs Millionen Euro reduzierten Spieleretats noch immer der zweithöchste Verlust der Unternehmensgeschichte eingefahren wurde. Wenn die Fehler in der (nicht ganz so nahen) Vergangenheit liegen, müssten doch die Verantwortlichen, die damals schon am Steuer saßen, stärker hinterfragt werden. An vorderster Front stehen hier Fischer und Lemke (Allofs, Born und Müller lassen sich schlecht noch befragen). Stattdessen reicht ein lapidarer Hinweis darauf, dass “wir alle Fehler gemacht haben” und schon ist Ruhe im Karton. Mehr noch: Es kommt zur unerwarteten Versöhnung der zerstrittenen Altvorderen. Die Werder-Familie ist wieder intakt.

Über ihre tatsächlichen finanziellen Verhältnisse wird hingegen der Mantel des Schweigens gehüllt. Man muss wahrlich kein Finanzexperte sein, um Filbrys Nebelkerze als solche zu erkennen. Selbst Kreiszeitung und Weser-Kurier, die nicht für ihre allzu kritische Berichterstattung über Werder Bremen bekannt sind, haben große Zweifel an der offiziellen Begründung. Den mit den Transfers von Sokratis, Arnautovic und Avdic verbundenen Aufwendungen, die Filbry als Grund für die “einmaligen Effekte” nennt, stehen die erzielten Transfererlöse gegenüber. Selbst wenn die Anschaffungskosten dieser Spieler über den angenommenen Werten liegen, dürften die Spieler in Summe kaum mit so hohen Restwerten in den Büchern gestanden haben, dass diese die Transfererlöse übersteigen. Die Transfereinnahmen nun zum operativen Ergebnis zu zählen, die (völlig normalen und bei vielen Transfers anfallenden) buchhalterischen Aufwendungen hingegen als einmalige Effekte zu bezeichnen, ist irreführend und in meinen Augen unredlich.

Die Mitgliederversammlung hinterlässt mehr als nur einen schalen Beigeschmack. Sie zeichnet das Bild eines Vereins, der Probleme weiterhin lieber schönredet als offen anspricht. In der Kommunikation wird der gleiche Weg gegangen, mit dem schon die in einem Beitrag des NDR erhobenen Vorwürfe gegen Klaus-Dieter Fischer gekontert wurden: Was sich noch dementieren lässt, wird dementiert. Was sich nicht mehr leugnen lässt, ist längst bekannt und liegt in der Vergangenheit, also Schwamm drüber. Ein paar Fehler wurden gemacht, von wem ist nicht genau zu sagen und über verschüttete Milch lohnt es sich nicht zu weinen. Der Blick geht voraus in Richtung Zukunft. Der Glaube daran, dass die für Werder positiver wird als die triste Gegenwart, ist bei mir indes nicht mehr vorhanden. Der Verein befindet sich strukturell in einer andauernden Krise, die auch mit den vollzogenen Personalwechseln noch längst nicht überwunden ist.

12. Spieltag: Ernüchterung im Nordderby

Hamburger SV – Werder Bremen 2:0 (0:0)

Eigentlich wollen zwei Artikel geschrieben werden: Einer zum Nordderby und einer zur Mitgliederversammlung. Behalten wir die Chronologie bei und bleiben vorerst beim Nordderby.

Passives Werder, offensivschwacher HSV

Wie schon gegen Stuttgart spielte Werder in einem recht passiven 4-4-1-1 gegen den Ball. Für den verletzten Di Santo und den stets enttäuschenden Elia spielten in der vordersten Reihe Petersen und Hajrovic. Lukimya ersetzte in der Innenverteidigung Prödl. Der HSV setzte wie zu erwarten auf Ballbesitz und eine offensive Ausrichtung mit weit vorgezogenen Außenverteidigern in einem 4-1-4-1. Es entwickelte sich ein einseitiges Spiel auf bescheidenem Niveau. Der HSV kontrollierte den Ball, Werder den Raum vor dem eigenen Sechzehner. Werders mannorientierte Außen ließen sich von Diekmeier und Ostrzolek weit hinten reindrängen. Insbesondere Bartels gab häufig einen zweiten Rechtsverteidiger und konnte somit seine Pendelbewegung auf die Zehnerposition nur selten ausführen.

Werder stand somit bei Ballgewinn selten gut gestaffelt für einen schnellen Konter gegen die aufgerückten Hamburger. Petersens bekannte Schwächen mit dem Rücken zum Tor machten es zudem fast unmöglich, einen langen Ball lange genug abzusichern, bis genügend Mitspieler nachgerückt waren. Hajrovic hatte als hängende Spitze ebenfalls einen rabenschwarzen Tag. Das kontrollierte Passspiel durchs Mittelfeld war ebenfalls zu fehleranfällig, um den HSV vor größere Probleme zu stellen. Folglich war Werder auf Standardsituationen angewiesen, um zu Torchancen zu kommen. Hier zeigte sich Werder erneut gefährlich, verpasste es jedoch, dies in ein Führungstor umzumünzen. Hinten ließ man recht wenig anbrennen, sodass sich der HSV trotz überlegener Werte in Ballbesitz und Passgenauigkeit lange Zeit nicht über das Remis beschweren konnte.

Lukimya und Wolf verhindern die Nullnummer

In der zweiten Halbzeit wurde die körperbetonte Partie noch zerfahrener. Werder verschob nicht mehr so konsequent. Auch die Hamburger bekamen Probleme, den Ball fehlerfrei durchs Mittelfeld laufen zu lassen. Wer vorher nicht wusste, dass hier zwei Abstiegskandidaten gegeneinander spielen, muss es spätestens nun geahnt haben. Beide Trainer reagierten. Beim HSV kam mit Rudnevs ein zweiter Stürmer, bei Werder sollte Makiadi mithelfen, das Mittelfeld zu stabilisieren. Beide Wechsel hatten zunächst wenig Effekt. Das Spiel steuerte auf ein torloses Unentschieden zu, das den Leistungen wohl auch am nächsten gekommen wäre. Letztlich wurde das Spiel aber doch noch entschieden – durch einen Einwurf.

Lukimya sprang unter dem hohen Ball in den Strafraum hindurch. Da Wolf einen Schritt zurück auf die Linie gemacht hatte, konnte er nicht mehr eingreifen und Rudnevs versenkte den Ball aus kurzer Distanz im Netz. Man kann darüber streiten, wen beim Gegentreffer die größere Schuld trifft. Unstrittig ist hingegen, dass ein solch kapitaler Fehler jede Defensivtaktik hinfällig macht. Nach immerhin 260 Minuten kassierte Werder in der Bundesliga wieder ein Gegentor. In der Folge versuchte Werder auf Brechstange umzustellen, doch dies wirkte erwartungsgemäß sehr verzweifelt, zumal man durch einen überflüssigen Platzverweis von Fritz auch noch in Unterzahl geriet. In der Schlussphase hatte der HSV drei dicke Konterchancen, von der eine zur Entscheidung genutzt wurde, auch wenn die abschlussschwachen Hamburger dafür erneut die Mithilfe von Wolf benötigten. Die Niederlage war am Ende zwar unnötig aber aufgrund der groben Patzer durchaus verdient.

Mauerfußball im Abstiegskampf?

Nach dem Spiel wurde viel über Skripniks Taktik diskutiert. Ich halte es auswärts gegen den HSV für mindestens genauso legitim, so zu spielen, wie zuhause gegen Stuttgart (nach dem 2:0 vor zwei Wochen wurde die sehr ähnliche Taktik jedenfalls kaum kritisiert). Zu kritisieren ist hingegen die Umsetzung, die deutlich schwächer war, als gegen den VfB. Dass Werder sich spielerisch unter Skripnik binnen vier Wochen zu einer spielerisch überdurchschnittlichen Mannschaft entwickeln würde, war nicht zu erwarten. Umso bitterer ist es, dass im Umschaltspiel kaum etwas richtig gemacht wurde. Petersen ist in der Rolle als alleinige Spitze weit vom Bundesliganiveau entfernt und Hajrovic bot ihm wenig bis gar keine Unterstützung. Der Ausfall von Di Santo ist für Werder mit dem vorhandenen Personal nicht zu kompensieren. Ähnlich sieht es in der Innenverteidigung mit Prödl aus. Ein 0:0 in Hamburg wäre unter diesen Voraussetzungen kein schlechtes Ergebnis gewesen, zumal durch die Standards durchaus auch die Chance auf einen Sieg bestand. Dass dies nicht Skripniks gewünschte Taktik für die Zukunft ist, dürfte hingegen klar sein.

Auch wenn man es sich nicht eingestehen will, ist Werder momentan zu stark von den Leistungen einiger Spieler abhängig (Di Santo, Prödl, Junuzovic, selbst Bartels und Kroos). Andere Spieler, die das Team spielerisch voran bringen können (Obraniak, Aycicek und Hajrovic) sind aus unterschiedlichen Gründen (noch?) nicht bei 100% ihrer Leistungsfähigkeit. Dadurch kommen Spieler, die ihre Untauglichkeit zur Genüge bewiesen haben (Petersen, Elia, Lukimya), immer wieder zum Einsatz. Sportlicher Fortschritt ist so schwierig zu erreichen. Es bleibt im Winter wohl wirklich nur die Wahl zwischen einem erhöhten Risiko durch 2-3 Neuzugänge und einem Hoffen auf die Rekonvaleszenten Bargfrede, Zander und von Haacke. Ob Werder damit die Klasse halten kann, bleibt fraglich – ganz aussichtslos ist die Lage aber keineswegs. Dennoch hat das Nordderby gezeigt, dass man noch nicht wieder gen oberer Tabellenhälfte schauen darf. Das Hier und Jetzt heißt bis auf Weiteres Abstiegskampf.

11. Spieltag: Details

Werder Bremen – VfB Stuttgart 2:0 (1:0)

Werder bezwingt Stuttgart mit einer engagierten und gut organisierten Leistung. Skripniks taktische Ideen neutralisieren das Stuttgarter Offensivspiel über weite Strecken. Zwei Ecken sorgen für die Entscheidung zugunsten Werders.

Die Rautenevolution geht weiter

Es hatte sich an den Tagen vor dem Spiel bereits angedeutet, dass Skripnik in seiner Heimpremiere ohne Obraniak und Aycicek beginnen würde. Stattdessen kehrte der zuvor aussortierte Elia zurück ins Team (was heißt eigentlich “Fingerspitzengefühl” auf Ukrainisch?). Was so manchem Fan Schweißperlen auf die Stirn trieb, stellte sich als cleverer Schachzug heraus, denn Skripnik setzte taktisch dort an, wo er in der zweiten Halbzeit gegen Mainz aufgehört hatte. Er hob die “Pseudo-Raute”, die Spielverlagerung letzte Woche erkannte, sozusagen auf die nächste Stufe.

Werder Bremen defensiv

Werder im 4-4-1-1 / 4-3-2-1 Zwitter gegen den Stuttgarter Spielaufbau

Gegen den Ball spielte Werder meist ein 4-4-1-1, mit Elia in einer passiven Rolle zwischen Stoßstürmer Di Santo und einer Viererkette aus Bartels, Fritz, Kroos und Junuzovic. Auf Angriffspressing verzichtete Werder über weite Strecken des Spiels, lediglich Di Santo lief ab und zu die gegnerischen Innenverteidiger an. Elia hingegen begnügte sich damit, die Passwege halblinks vor den beiden Viererketten zuzustellen und rückte manchmal sogar weit mit ein. Auf der rechten Seite gab es ein sehr interessantes Wechselspiel zwischen Fritz und Bartels, die häufiger die Positionen tauschten (was unter anderem mit Bartels Offensivrolle zusammenhing, doch dazu später mehr) und abwechselnd aus der Kette herausrückten. So ergaben sich immer wieder 4-3-2-1 Formationen, die schon gegen Mainz zu erkennen waren. Alles in allem war das Defensivspiel darauf ausgelegt, das Zentrum dicht zu machen und den Stuttgarter Aufbau auf den Flügel zu lenken.

Werder offensiv: Die Formation kippt zur Raute

Werder offensiv: Die Formation kippt mit vielen Diagonalbewegungen zur Raute

Bei eigenem Ballbesitz formierte sich Werders Mittelfeld auf recht interessante Weise um. Bartels übernahm die Rolle des Zehners, der in dieser Variante der Raute jedoch keinen Spielgestalter gab, sondern sich als Durchlaufstation hinter den beiden Spitzen postierte, teilweise sogar zu ihnen aufschloss. Elia spielte wie erwartet sehr linkslastig und ging auch offensiv häufig auf den linken Flügel. Junuzovic rückte als linker Rautenspieler ebenfalls weit mit auf. Die unter Dutt zu beobachtenden Linkslastigkeit war also immer noch präsent, wenn auch in etwas anderer Form. Allein durch diese unterschiedliche Positions- und Rollenverteilung in Defensive und Offensive ergaben sich einige interessante Rochaden im Mittelfeld, auf die sich der VfB einstellen musste. Werder bespielte nach Balleroberung im Mittelfeld die Lücken in der Stuttgarter Defensive mit direkten Vertikalpässen und kam einige Male gut durch die Halbräume an den Strafraum (so etwa bei den beiden Chancen durch Junuzovic).

Zwei Ecken entscheiden unterdurchschnittliches Spiel

Insgesamt war Werders Offensivspiel jedoch weiterhin geprägt von vielen Ungenauigkeiten im Passspiel, teils schwacher Ballverarbeitung und individuellen Fehlern bei der Entscheidungsfindung (Elia!). Letztlich war man daher aus dem Spiel heraus kaum gefährlich. Gerade das eigene Aufbauspiel weist noch viele Schwächen auf. Zum Glück für Werder hat der VfB ein massives Problem beim Verteidigen von Freistößen und Eckbällen, das im Duell zweier unterdurchschnittlicher Teams letztlich entscheidend war. Prödls Kopfballtor ist schwer zu verteidigen und fällt für mich in die Kategorie “kann mal passieren” (ein halber Scorerpunkt geht an Di Santo für sein Blockieren). Das Tor von Bartels darf hingegen aus Stuttgarter Sicht niemals fallen, so schön es auch in der Umsetzung war. Wie man als raumdeckendes Team eine flache Ecke an den Elfmeterpunkt zulassen kann, wird wohl ein Geheimnis des VfB bleiben – Armin Veh war jedenfalls sehr verärgert nach dem Spiel.

Der Bremer Sieg ist aufgrund dieser Schwäche des Gegners verdient, wenngleich Werder in der ersten Halbzeit auch etwas Glück hatte, als zunächst Gentner frei vor dem Tor eine Hereingabe mit dem Kopf nicht richtig erwischte und kurz darauf Wolf mit starker Parade gegen Harnik rettete. Nach dem 2:0 schien der Widerstand des VfB jedoch gebrochen. Wie schon in Mainz gelang es Werder mit zunehmendem Selbstvertrauen immer besser, die eigene Ordnung und den Gegner fern vom Tor zu halten. So hatte Stuttgart zwar über die kompletten 90 Minuten mehr vom Ball, verbrachte aber erhebliche Zeit damit, denselbigen durch die Abwehrreihe laufen zu lassen. Gefährliche Zuspiele an den Strafraum waren nur selten zu sehen, auch wenn in der ersten Halbzeit einige gute Diagonalbälle von links in den Strafraum gespielt wurden.

Nordderby und ein Nordlicht

Es lässt sich darüber streiten, ob die Länderspielpause für Werder zur Unzeit oder genau rechtzeitig kommt. Für die erstgenannte Theorie spricht das Momentum, jenes wunderbare Phänomen, das sich seit dem Trainerwechsel zu Werders Gunsten gedreht zu haben scheint. Dagegen sprechen die zahlreichen spielerischen Mängel in Werders Spiel, an denen in den zwei Wochen vor dem Nordderby gearbeitet werden kann. Während sich Skripniks Handschrift bislang nur auf einige wenige, aber durchaus wichtige, Umstellungen sowie eine stark veränderte Ansprache beschränkt, könnte beim Spiel in Hamburg bereits ein größerer Fortschritt im spielerischen Bereich erkennbar sein.

Nachdem Elia erneut nicht überzeugt hat, könnte Dutt Skripnik wieder auf einen seiner beiden Spielmacher in der Startelf setzen. Fin Bartels – dessen Rolle gegen Stuttgart zum Interessantesten gehörte, was Werder in dieser Saison taktisch zu bieten hatte – dürfte dann wieder neben (bzw. hinter) Di Santo rücken. Als intelligenter und konterstarker Spieler ist Bartels für Werder derzeit viel wichtiger, als ihm viele vor der Saison zugetraut hätten. In einer Zeit, in der Werder häufig im Zusammenhang mit verbranntem Kapital und Transferflops genannt wird, ist das eine willkommene Abwechslung.