Biedermeier

1.FC Kaiserslautern – Werder Bremen 0:0

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, am Anfang dieses Posts die positiven Aspekte des Spiels hervorzuheben. Es fällt mir jedoch schwer, auch wenn Werders Leistung nicht so schwach war, wie einige Schwarzseher vorhergesagt hatten. Gegen einen mutigen, aber auch bestenfalls durchschnittlichen FCK kam Werder nur zu einem mageren 0:0.

Hektischer Beginn und Probleme im Passspiel

Die abwartende Haltung, die Werder in der Anfangsphase einnahm, führte zunächst nicht zu einer Beruhigung des Spiels. Werder stand tief, attackierte spät und wollte wohl erstmal testen, wie ernst es die Lauterer mit den Offensivbemühungen meinten. Die Gastgeber ließen sich nicht lange bitten und versuchten, das Spiel von Anfang an in die eigene Hand zu nehmen. Bereits nach 60 Sekunden hätte es nach einem kapitalen Bock von Wiese 1:0 stehen können, aber der Kopfball von Kouemaha ging glücklicherweise übers Tor.

Werders Grundordnung sollte der zuletzt verunsicherten Mannschaft Stabilität geben, was nach der wackligen Anfangsphase auch einigermaßen gelang. Das Spiel gegen den Ball war passabel und die Spielanlage war gerade bei den drei defensiven Mittelfeldspielern gut zu erkennen. Bei Ballgewinn versuchte man durch flache Vertikalpässe schnell umzuschalten und den Ball zu den drei offensiven Pizarro, Rosenberg und Ekici zu spielen. Letzterer passt immer noch nicht so recht in diese Mannschaft. Direktes Spiel scheint ihm zuwider, jeder Ball wird erst angenommen, dann geschaut, dann gespielt – wenn es dann noch nicht zu spät ist. So kam es zu vielen Überflüssigen Zweikämpfen, die Ekici in großer Häufigkeit verlor. Ein bisschen fühlte ich mich an Diego erinnert, nur ohne die enorme Dribbelstärke.

Da die Fehlpassquote für die ambitionierte Spielweise zu hoch war, blieb Werder selten über längere Zeit in Lauterns Hälfte in Ballbesitz. Das vorsichtige Nachschieben seitens der Außenverteidiger und Rautenspieler hielt den Schaden dabei in Grenzen, weil man nicht ganz so anfällig bei Kontern wirkte, wie zuletzt. Es sorgte allerdings auch dafür, dass man nach Ballverlusten nicht direkt ins Pressing umschalten konnte. Offenbar eine gewollte taktische Maßnahme, da Werder auch ansonsten weitgehend auf Pressing verzichtete. Als Folge musste man sich jeden Ballgewinn durch diszipliniertes Verschieben in der Defensive erarbeiten.

Prödls Verletzung und ein überforderter Neuling

Während der eine Debütant, Tom Trybull, weitgehend überzeugen konnte, war ein anderer (relativer) Neuling mit seiner Aufgabe überfordert: Schiedsrichter Robert Hartmann erwischte einen denkbar schlechten Start und hatte in der Folge Probleme, das Spiel in den Griff zu bekommen. Schon das nicht geahndete Foul an Pizarro, das außer dem Unparteiischen wohl jeder im Stadion und im Fernsehen gesehen hatte, deutete dies an. Am ersichtlichsten wurde es dann beim nicht gegebenen Elfmeter für Werder, bei dem Prödl sich Oberkiefer und Nasenbein brach und blutüberströmt ausgewechselt werden musste. Selbst wenn der Schiedsrichter schlecht steht, hat er in dieser Szene nur zwei Optionen: Er pfeift gefährliches Spiel und gibt indirekten Freitstoß (weil er aus seiner Position nicht sieht, ob der Kouemaha Prödl wirklich trifft) oder er gibt Elfmeter, was die richtige Entscheidung gewesen wäre.

Sebastian Prödl ist 1,94 m groß. Wenn ein Ball auf Höhe seines Kopfs mit dem Fuß geklärt wird, übersteigt es meinen Horizont, wie dies keinen Regelverstoß darstellen sollte. Wenn ein Schiedsrichter dies nicht ahndet, ist er der Drucksituation, unter der ein Bundesligaschiedsrichter nun einmal Entscheidungen treffen muss, ganz offensichtlich nicht gewachsen. Hartmann nahm die Pfeife erst in den Mund, unterließ dann jedoch den Pfiff, was nahelegt, dass seine erste Intuition war, die Aktion abzupfeifen. Was ihn zu seinem Umdenken bewogen hat, vermag ich nicht zu sagen.

Zielstrebig Richtung Punkteteilung

An Prödls Verletzung ist Hartmann dennoch ebenso wenig Schuld, wie an Werders insgesamt dürftiger Leistung. Auch die Lauterer dürfen mit einigen strittigen Entscheidungen zu ihren Ungunsten hadern, beispielsweise dem nicht geahndeten Handspiel von Schmitz, welches aber wohl knapp vor dem Strafraum stattfand. Das 0:0 war ebenso leistungsgerecht wie ungewöhnlich für dieses Spiel. Torchancen entstanden trotz mangelnder Kreativität auf beiden Seiten in unerwarteter Regelmäßigkeit. Obwohl keine Mannschaft die Defensive wirklich entblößte, ergaben sich immer wieder Situationen, in denen nur ein Pass oder ein zielstrebigerer Abschluss zu einem Tor gefehlt hätten.

Der Spielverlauf gegen Ende der zweiten Halbzeit und die Tatsache, dass Schaaf nicht umstellen wollte oder konnte, machen das 0:0 eher zu einem Punktgewinn denn zu einem Punktverlust für Werder. Sorgen machen muss man sich vielmehr angesichts der Tatsache, dass die Mannschaft zwar die so häufig vermisste, gute Mischung aus Offensive und Defensive hatte, aber dennoch hinten anfällig wirkte und vorne nur selten zwingend wurde. An Platz 4 braucht man derzeit nicht zu denken. Auf Platz 7 hat man dagegen 6 Punkte Vorsprung. Wichtig ist nun vor allem, in den Heimspielen wieder zur Sicherheit im Kombinationsspiel zu finden.

Enttäuschend ist vor allem, dass man nach der Winterpause kein Stück weiter scheint, als zum Ende der Hinrunde. Im Gegenteil, man hat eher das Gefühl in puncto Passspiel zeige die Fieberkurve nach unten. Die Verletzung Prödls, just als Wolfs Verkauf nach Monaco nur noch Formsache scheint, zwingt Klaus Allofs wohl noch einmal zum Handeln. Die Null, die hinten endlich stand, tröstet über diese Punkte auch nur bedingt hinweg. Sie scheint eher ein statistischer Zufall zu sein, als Folge einer signifikant verbesserten Defensive. So sucht man verzweifelt nach einem Strohhalm, während man auf dem fünften Platz in der Tabelle steht – eine Platzierung, die man vor der Saison wohl sofort unterschrieben hätte.

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    2 Gedanken zu „Biedermeier

    1. Schlimm finde ich, dass Hartmann behauptet hat, nichts gesehen zu haben. Dabei hatte er a) völlig freie Sicht und wie Du b) angemerkt hast, auch die Pfeife kurz im Mund. Da darf er gerne die Eier haben, einen Fehler einzugestehen. Und die Winkekrabbe an der Seitenlinie darf da auch gerne mal das Fähnchen schwenken…

    2. S, jetzt sind ja einige Neuzugange da. Schauen wir mal, ob die auch zu Schaafs Lieblingen werden…

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