1. Spieltag: Hannover 96

Es hätte ja alles so einfach werden können: Schwaches
Auftaktspiel mit zwei Sätzen abhaken und stattdessen lieber ordentlich
auskotzen über heuchlerische (Sportwett-)Monopolisten und
Wettbewerbsbeschränkungen, die Werder viel Geld kosten könnten. Auch Nebenschauplätze
gäbe es genügend. Bundesligadebut von Arena TV inklusive Bild-/Tonausfall und
Günther Koch auf Speed zum Beispiel. Medienschelte wäre angesichts dümmlicher,
so genannter Topthemen wie „Geht die WM Party auch in der Bundesliga weiter?“
ebenfalls angesagt. Doch dann kam alles anders.

Werder drehte das Spiel gegen Hannover in den letzten 10
Minuten noch und ging mit einem 4:2 nach Hause. 10 Minuten zwischen „kapitalem
Fehlstart“ und „Vor Werder muss die Liga zittern“. Zittern musste heute Abend in
erster Linie ich.

Bisher konnte ich danke Premiere-Abo bequem auf der eigenen
Couch Werder gucken wenn mir danach war (und gestern war mir sehr danach!).
Stattdessen musste ich jetzt doch in die Kneipe ausweichen und meine
verbliebenen Promille Restalkohol im Blut von Samstagnacht mit Alster auf
konstantem Level halten. Ich traf mich mit Jannis und Andreas in der Kneipe um
die Ecke. Es war das erste Mal, dass ich dort zum Fußballgucken hinging und
immerhin weiß ich jetzt auch warum. Dass wir auf einen kleinen Fernseher über
der Tür ausweichen mussten, weil die versprochene Leinwand kurz vor Spielbeginn
ausgefallen war – geschenkt. Die dicke, verrauchte Luft und die dicke Frau
hinterm Tresen, die einen gleich mit Namen ansprach, machten die Atmosphäre authentisch
und passten gut zu meiner Gemütslage. Die Bildzeitungen, die sporadisch auf den
Tischen verteilt lagen, machten mich zwar misstrauisch, doch was sollte man anderes erwarten?

Die Kommentare während des Spiels waren es dann aber, die
mir den Spaß am Zuschauen ein wenig verdarben. An anderen Tagen hätte ich
vielleicht besser damit leben können. Es hat ja auch etwas sympathisches, wenn
Männer im mittleren Alter aufgeregt und Phrasen (die wohlgemerkt selbst dem DSF
Stammtisch zu peinlich gewesen wären) dreschend das Spiel von allen Seiten
„analysieren“, Auswechslungen und Spielerverkäufe fordern oder einfach nur
Werderspieler und Gegner beschimpfen. Allemal besser als kreischende Mädchen in
Poldi-Schweini-Trikots und mit schwarzrotgoldenen Hawaii-Ketten um den Hals! In die Kneipe um die Ecke gehe ich trotzdem so schnell nicht wieder.

Werder befindet sich nun also „in Lauerstellung“ und kann
möglicherweise nächste Woche im Topspiel sogar in den Meisterschaftskampf
zwischen Bayer Leverkusen und Topfavorit Nürnberg eingreifen. Für Hamburg und
Schalke ist der Zug hingegen (leider) schon abgefahren. Vielleicht klappt’s ja nächstes
Jahr.

Lieblingszitate des Spieltags:

„Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr Miro Klose
anzugreifen!“
Carsten Ramelow nach seinem Tor gegen Aachen

„Die sollen erstmal sehen, wie sie uns – diese
Spitzenmannschaft – jetzt wieder da oben weg bekommen.“
Hans Meyer nach dem 3:0
Sieg des 1. FC Nürnberg in Stuttgart

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