18. Spieltag: Pflanzenkunde für Klugscheißer

Werder Bremen – Arminia Bielefeld 1:2.

Man sagt, man solle tief durchatmen und langsam bis 10 zählen, damit sich die Wut legt. Nun sind mehr als 24 Stunden vergangen und ich fühle mich kein bisschen besser, möchte noch immer einen bitterbösen Beitrag über die Stümperei dieser Rumpeltruppe hinrotzen, statt konstruktiv Kritik zu üben. Vielleicht hilft es ja zum Einstieg, die Fakten einfach so nüchtern wie möglich zu nennen: Mit einer Niederlage gegen die Mannschaft aus der Stadt, die es nicht gibt startet Werder also in die Rückrunde.

Das zarte Pflänzchen Hoffnung, das nach dem Sieg im Pokal gegen Dortmund aufkeimte und an das man sich als Werderfan in den letzten Tagen klammern konnte, ist damit verwelkt bevor es erblühen konnte.

Doch nun genug der blumigen Ausdrucksweise. Werder bestritt dieses Spiel bedingt durch Rotsperren, Spielertransfers und Verletzungen/Erkrankungen mit einer Notelf.  An zwei dieser drei Probleme sind Mannschaft bzw. Vereinsführung selbst Schuld, doch selbst wenn nicht wäre dies keinerlei Erklärung oder gar Entschuldigung, für den Mangel an Einsatz, Laufbereitschaft und Teamgeist, den die Herren in den grünweißen Trikots da gestern über 90 Minuten vorführten. Von der spielerischen Klasse her, müsste auch die gestrige Elf gegen Bielefeld mehr als nur mithalten können.

Es kann dafür eigentlich nur zwei Erklärungen geben: Entweder es fehlt in der Mannschaft der unbedingte Wille zum Erfolg oder die Spieler können diesen Willen einfach nicht auf den Fußballplatz übertragen. Ich weiß nicht, was schlimmer wäre. In jedem Fall handelt es sich um ein Einstellungsproblem.

Es ist selbst für Trainer und Betreuer schwer zu beurteilen, was in den Köpfen der Spieler vorgeht. Mentaltrainer und Mannschaftspsychologen sind heute in der Bundesliga Gang und Gäbe. Sie können aber nur bedingt auf die Spieler einwirken und sind letztendlich vor allem vom deren Willen abhängig, sich um Hilfe zu bemühen und diese dann auch anzunehmen.

In Fußballerkreisen ist der Zusammenhang zwischen Psychologie und Leistung immer noch nicht so ganz verstanden worden. Vielfach gilt noch die Auffassung: Die müssen einfach nur mehr rennen. Dabei können die Gründe (und demnach auch die geeigneten Maßnahmen, ihnen entgegen zu wirken) für schwache Leistungen sehr vielfältig sein. Der eine braucht vielleicht einen Tritt in den Hintern, der andere mehr Zuspruch von Trainern und Kollegen und der Dritte benötigt Hilfe beim Umgang mit seiner Nervosität in 1 gegen 1 Situationen.

Kurzum: Es ist unmöglich, aus der Entfernung zu sagen, was Werder verändern muss, um in Zukunft wieder erfolgreicher zu werden. Als Fan bleibt einem nur das, was man sowieso am liebsten tut: Spekulieren und Klugscheißern. Der Trainerstab muss jedoch die Antworten auf diese Fragen finden. Bislang hat Thomas Schaaf meist bewiesen, dass er das kann. Doch auch wenn er derzeit nicht akut um seinen Job fürchten muss, wird er letztendlich von der Vereinsführung an den Ergebnissen gemessen und nicht an deren Ursachen.

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