18. Spieltag: Das Gegenteil von sexy

Werder Bremen – Eintracht Braunschweig 0:0

Arbeiten an den Basics und am Defensivverhalten, war das Credo, das für die Wintervorbereitung ausgegeben wurde. Angesichts des bisherigen Saisonverlaufs und der entgegen aller Beteuerungen keineswegs verbesserten Gegentorbilanz ein mehr als verständliches Vorgehen. Allerdings keines, das attraktiven Fußball verspricht und keines, das die Herzen der Fans höher schlagen lässt. Zumal die Frage, warum man Bundesligafußballern noch die Basics beibringen muss, nicht leicht zu beantworten ist, ohne schwerwiegende Vorwürfe an alle sportlich Verantwortlichen der letzten Jahre zu erheben.

Vor diesem Hintergrund war das Heimspiel gegen den Tabellenletzten Eintracht Braunschweig der denkbar unpassendste Rückrundenauftakt. Im vermeintlich einfachsten Saisonspiel kann man für eine solide Defensivleistung kein Lob erwarten, wenn die Offensive weiterhin so vor sich hin rumpelt, wie über weite Strecken der Hinrunde. Da hilft auch die Tatsache wenig, dass Werder mit nun 6 „Zu Null“-Spielen schon doppelt so oft ohne Gegentor geblieben ist, wie in der gesamten letzten Saison. Wenn nicht einmal im Heimspiel gegen Braunschweig eine spielerisch überzeugende Leistung möglich ist, wann denn dann?

Risikovermeidung auf schwachem Niveau

Das Spiel begann verhalten und blieb es – im taktischen Sinne – auch über weite Strecken der 90 Minuten. Beide Teams waren sehr darauf bedacht, kein großes Risiko einzugehen und spielten im Zweifel lieber die „sichere“ Variante, die nicht selten aus einem langen Pass nach vorne bestand. Insgesamt wirkte Werders Aufbauspiel etwas ruhiger und kontrollierter als zuletzt. Die Innenverteidiger suchten zunächst nach der Lücke für den Pass ins Mittelfeld und wählten erst später den hohen Ball direkt in die Spitze. Kroos agierte sehr variabel, ließ sich mal zwischen und mal neben die Innenverteidiger fallen, blieb aber teilweise auch etwas höher an der Mittellinie (was an Prödls Rückkehr liegen dürfte, dem man in der Spieleröffnung mehr zutraut als Lukimya).

Braunschweig hielt mit gutem Mittelfeldpressing dagegen, stellte den Bereich um die Mittellinie gut zu und zwang Werder so zu viel Ballgeschiebe zwischen den Verteidigern und den Sechsern. Werders Kombinationsspiel reichte – wie zu erwarten – nicht, um sich gegen einen kompakten Gegner im Mittelfeld durchzusetzen. Folglich wurde Werder vornehmlich dann gefährlich, wenn man das Mittelfeld schnell überbrücken konnte, sei es mit hohen Bällen, über die Flügel oder dank Hunts starker Ballkontrolle, mit der er häufiger zwei bis drei Gegenspieler auf sich zog. Braunschweig verlegte sich nicht nur auf Konter sondern wollte Werder mit zunehmender Spielzeit immer mehr durch Mittelfeldkombinationen nach hinten drücken.

Passivität – erst defensiv, dann offensiv

Auffällig war dabei, dass Werder im Abwehrdrittel recht passiv verteidigte und großen Wert auf Positionstreue legte. Dem Wort “Passivität” wohnt im Fußball häufig ein Vorwurf inne, hier ist es jedoch anders gemeint: Die Innenverteidiger rückten im Zweifel bis an die Strafraumgrenze zurück, statt direkt den Zweikampf zu suchen. Besonders auffällig war dies bei Prödl, der sonst eher dafür bekannt ist, sehr aggressiv und risikoreich herauszurücken. Die Sechser Kroos und Bargfrede hielten den Abstand zur Viererkette gering, wodurch Braunschweig kaum durch die Mitte kam und es vorwiegend mit Flanken versuchte bzw. versuchen musste. Dies bereitete Werder nur selten Probleme, hätte aber dennoch das Spiel entscheiden können, weil einmal Selassie das Abseits aufhob (und sich dafür einen Rüffel von Prödl einholte) und einmal Caldirola zu langsam reagierte. Beide Male blieb Nilsens Kopfball ungefährlich.

Werders beste Offensivphase kam in den ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit, als Bargfrede (Pfostenschuss) und Elia (vermeintliches Abseitstor) die besten Chancen hatten. Danach verflachte die Partie. Bei Werder schienen einige Spieler körperlich abzubauen, was Dutts Verzicht auf zwei seiner Wechsel fragwürdig erscheinen lässt. Folglich ging das Team immer weniger Risiko und in der Schlussphase waren es sogar die Gäste, die mehr fürs Spiel taten als Werder.

Don’t Panic

Unterm Strich bleibt ein leistungsgerechtes Unentschieden in einem unterdurchschnittlichen Spiel, in dem Werder die besseren Torchancen hatte, aber nur selten überzeugen konnte. Dass man ohne Gegentor geblieben ist, war nach den besagten Schwerpunkten im Trainingslager wichtig, taugt gegen die schwächste Offensivmannschaft der letzten 25 Jahre aber nicht unbedingt als Gütesiegel. Ob die Rückkehr zur „totalen Defensive“ Früchte tragen wird, lässt sich erst nach den nächsten Partien beurteilen.

Auch in die entgegengesetzte Richtung sollte man das Spiel nicht überinterpretieren. Die teils fatalistischen Reaktionen nach Abpfiff erscheinen mir eine Spur zu pessimistisch. Spiel und Ergebnis waren nicht gut, aber zumindest mit Ersterem musste man rechnen. Die zu frühe Verlagerung des Fokus auf das Offensivspiel wurde häufig genug als Grund für die Gegentorflut zwischen dem 10. und 16. Spieltag der Hinrunde genannt. Die Rückbesinnung auf die defensive Spielweise verspricht in naher Zukunft keine Fußballfeste für Werderfans, wohl aber eine Verhinderung eines erneuten Negativrekords in Sachen Gegentoren. Dies allein wird freilich nicht reichen, um ohne große Abstiegssorgen durch die Rückrunde zu kommen, ist aber der erste Schritt dorthin. Hoffentlich gelingt er diesmal und wird nicht wieder einem (angeblich von den Fans gewollten) Versuch Offensivfußball zu spielen geopfert.

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    2 Gedanken zu „18. Spieltag: Das Gegenteil von sexy

    1. Bei mir hat sich mit den paar Tagen Abstand auch diese abwartende “Noch nix passiert”-Haltung durchgesetzt, aber ich kann nicht verhehlen, dass es schwer fällt, sich auf diesen nüchternen Punkt zu bringen, angesichts von Dutts Personalpolitik. 25 Minuten denken “Leg nach, setz ein Zeichen, wechsel in der Offensive, damnit!” strengt etwas an.

    2. schön das auch du gut aus der winterpause zurück bist!

      – fatalistische Reaktionen habe ich nach dem spiel auch recht häufig im bekanntenkreis zu ohren bekommen und musste zumindest direkt nach dem spiel auch ein wenig auf der gefrusteten geige mitspielen. mein umkreis verfolgt aber auch bis auf wenige ausnahmen werder eher in der sportschau.
      spielerisch war das einfach (zumal gegen das schlusslicht ZUHAUSE!) zu wenig. die effektifste art gegen uns zu spielen ist häufig einfach uns den ball zu überlassen und tief zu stehen.
      klar, der spielaufbau sah teilweise etwas verbessert aus, der druck, kein gegentor zu kassieren war enorm und die platzverhältnisse im weserstadion spielten auch eher den braunschweigern in die karten.
      zumindest habe ich gefühlt weniger lange bälle nach vorne gesehen wie in der hinrunde. emotionslos gesehen bin mit der neuen sportlichen führung aber ganz zufrieden. wir dürfen eben nicht vergessen das wir schon länger eine klare struktur in unserem spiel suchen. ich hoffe einfach das wir dieses saison noch mal überstehen und dann endlich den umbruch auch geschafft haben.
      …eine saison ohne abstiegsgedanken, das wünscht sich das werderherz!

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