2. Spieltag: Leverkusen

Gleich vorneweg: ich habe das Spiel nicht gesehen. Da freut man sich wochenlang auf den Bundesligaauftakt und verpasst dann gleich das zweite Spiel der Saison. Während es früher wenigstens meistens gute Gründe gab, wenn ich mal ein Spiel verpasste (eigenes Fußballspiel, Auslandsaufenthalt) war es diesmal eigentlich vermeidbar und gerade deshalb besonders ärgerlich. Gut, Geburtstage kommen vor, nehmen keine Rücksicht auf Spielansetzungen, manchmal werden sie auch an genau solchen Tagen gefeiert und wenn man Pech hat muss man sogar hin. Aber dass meine Mutter am Samstag ausgerechnet um 15:30 feiern wollte, bei sich zu Hause, ohne Möglichkeit das Spiel zu sehen, das nehme ich ihr dann doch etwas übel. Und dass nicht mal das Radio auf angemessene Lautstärke gestellt wurde, geht in Richtung Folter.

Das wichtigste habe ich dann doch mitbekommen. Und zum Glück gibt es ja
auch  noch Sportschau. Sieg also, alle feiern Diego, Abwehr mal wieder
unsicher. Abhaken. Weitermachen. Der Eintrag würde hier enden, wäre ich
abends nicht noch ins Modernes gegangen. Schon am Eingang kam mir das
ganze etwas komisch vor. Ein gewisser Naldo versuchte ohne Stempel an
den Trüstehern vorbeizukommen. Mit Erfolg. Wenig später wurde mir
zugeraunt, dass die ganze Werdermannschaft hier sei. Und sie war es.
Unübersehbar. Per Mertesacker guckte noch etwas befremdet aus der
Wäsche. Kaum bei Muttern ausm Haus und schon zur Siegesfeier in der
Disco. Während mein Kumpel Thomas seine Drohung nicht wahrmachte, Miro
Klose "mal auf polnisch anzuquatschen", ergatterte er später immerhin
ein gnädiges Kopfnicken von Jurica Vranjes. Torsten Frings hätte mit seiner weißen Kangol-Kappe auf dem wallenden Haupthaar auch gut als zweitklassiger Zuhälter durchgehen können. Gut für ihn, dass er stattdessen ein erstklassiger Fußballer geworden ist! Die Neuen schlugen sich ganz wacker: Wome, Almeida und Diego ließen alles recht locker auf sich wirken, Mohammed Zidan schwang ausgiebig das Tanzbein und Clemens Fritz gönnte sich mit Konkurrent Owomoyela den einen oder anderen Tequilla. Nicht weiter aufgefallen ist mir Christian Schulz, denn den trifft man schließlich des öfteren im Modernes.

Alles in allem ganz großer Sport, meine Herrn! Der Mannschaftsgeist ist intakt und wer unterstellt, die Spieler würden Frauen aufreißen und zu weißen Partys oder ähnlichem ins Hotel einladen, der muss schon sehr böswillig sein. Um nicht zu sagen HSV-Fan.

Lieblingszitat des Spieltags:

"Guck mal, da ist noch ein Werder-Spieler!" Christian Schulz im Modernes zu Clemens Fritz

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