Gut genug

Bundesliga, 2. Spieltag: Werder Bremen – 1. FC Köln 4:2

Konnte man von diesem Spiel aus Werdersicht mehr erwarten? Für einen wirklichen Befreiungsschlag war der Gegner zu schwach, aber dafür bleibt ja in zwei Wochen die Partie gegen die Bayern. Vor der Länderspielpause sind Werders Probleme keineswegs gelöst, doch im Spiel gegen die Kölner standen die eigenen Stärken im Vordergrund.

Marko Arnautovic wird dieses Spiel besonders gebraucht haben, damit auch der letzte Beobachter erkennt, wozu er in der Lage sein könnte. Vor allem aber, damit die Negativschlagzeilen aufhören und ein ruhiges Arbeiten möglich ist. Thomas Schaaf fasste es gut zusammen: Marko hat viele Dinge richtig gemacht, einige Dinge aber noch nicht. Es dürfte niemanden im Bremer Umfeld stören, dass beim Österreicher noch Luft nach oben ist, wenn dabei trotzdem zwei Tore und eine Vorlage herausspringen. Ähnliches ließe sich über Marko Marin sagen. Bei ihm zeigt die Formkurve eindeutig nach oben, das Selbstvertrauen ist zurück und langsam kommt auch das Timing zwischen Dribbling und Abspielen wieder. Man muss diesen Spieler nehmen, wie er ist, und nicht versuchen, ihn zu etwas anderem zu machen. Ein Spielmacher ist er nunmal nicht, weshalb man sich schon fragen kann, warum Schaaf seine Startelf mit Raute im Mittelfeld spielen ließ. Ein 4-2-3-1 mit Marin auf links, Arnautovic auf rechts und Borowski in der Mitte wäre naheliegender gewesen.

Letzterer dürfte froh gewesen sein, nicht wieder auf der Außenbahn ranzumüssen. Auf der Halbposition im Mittelfeld zeigte er eine deutlich bessere Leistung als am Dienstag auf dem rechten Flügel. Bargfrede auf der anderen Seite konnte nach zuletzt ebenfalls unterdurchschnittlichen Leistungen an seine starke Frühform anknüpfen. Angesichts des wiedergenesenen Hunt, des Neuzugangs Wesley sowie des momentan fitten Jensen kann man sich von Werders Mittelfeld in dieser Saison einiges erhoffen. Lediglich die Aussetzer bei Torsten Frings, der gestern eine halbe Stunde brauchte, um richtig ins Spiel zu kommen, machen noch ein paar Sorgen. Es besteht jedoch berechtigte Hoffnung, dass er die Länderspielpause nutzen kann, um den Rückstand aufzuholen, den ihm seine Verletzung in der Vorbereitung eingebracht hat. Er hängt als Spieler absolut von seiner Fitness ab, das hat man in den letzten Jahren oft genug gesehen.

In der Bremer Abwehr stimmt längst noch nicht alles. Die Kölner waren zu harmlos, um die Schwächen häufiger aufzudecken, doch trotzdem kamen sie zu zwei Toren. Auf der Problemposition links in der Viererkette zeigte Boenisch eine ansprechende Leistung und dürfte damit Pasanen erstmal verdrängt haben. Ob dies etwas mit der bevorstehenden Verpflichtung von Mikaël Silvestre zu tun hat, kann wohl nur der Spieler selbst beantworten. Clemens Fritz bestätigte auf der rechten Seite seine starke Verfassung und hatte beim 4:1 (siehe unten) erneut eine klasse Offensivaktion. Nach der Achterbahnfahrt der letzten Wochen möchte man nicht krampfhaft nach dem Haar in der Suppe suchen (davon werden wir schon noch genügend finden), deshalb kann man mit dem Spiel und dem Ergebnis wirklich zufrieden sein. In zwei Wochen wissen wir dann schon besser, wo wir derzeit stehen.

Etwas zum Ärgern gab es gestern allerdings trotzdem: Die Kölner Auswärtsfans erwiesen sich als ziemlich unangenehme Gäste. Der Support der eigenen Mannschaft machte nur etwa 10% der Fangesänge aus. Der Rest der Zeit wurde mit Schmährufen gegen einen gegnerischen Spieler verbracht. Dass dieser Spieler dann den Elfmeter zum 1:0 herausholte, war aus Werdersicht umso erfreulicher.

Der Spielzug zu Werders 4:1:

Die Ausgangsposition auf der rechten Bremer Mittelfeldseite. Bargfrede (schwarz) hat den Ball an der Seitenlinie und passt auf die Halbposition zum durchstartenden Fritz (gelb). Aaron Hunt (magenta) und Hugo Almeida (hinter der Spielstandanzeige nicht zu sehen) binden die Außenverteidiger. Der spätere Torschütze Arnautovic (rot) steht noch unbeteiligt im Raum.

Das Kölner Mittelfeld ist schlecht gestaffelt: Die drei defensiven Spieler stehen auf einer Linie mit einem großen Abstand zur Viererkette. Clemens Fritz nimmt sofort Tempo auf, lässt einen Kölner aussteigen und zieht in den freien Raum im Zentrum vor der Abwehr. Jensen (blau) schiebt nach vorne und bindet den linken Kölner Innenverteidiger – der ihm ein paar Meter aus der Kette entgegen kommt – und verschafft Fritz so zusätzlichen Platz.

Nun spielt Werder die Kölner Unordnung super aus. Fritz setzt seinen Lauf ins Zentrum fort, ohne dass ein Kölner eingreifen kann. Almeida (weiß) sprintet ins Sturmzentrum und zieht den Kölner Rechtsverteidiger mit. Arnautovic startet im richtigen Moment, um den entstehenden Raum zu nutzen.

Die Kölner Viererkette ist aufgelöst. Der linke Innenverteidiger und der Rechtsverteidiger stehen im Zentrum bei Almeida. Der rechte Innenverteidiger wartet auf Fritz, um ihn zu blocken. Dieser spielt den Ball jedoch raus auf die linke Seite, wo Arnautovic frei in den Strafraum ziehen kann.

Der Rest ist für einen Spieler mit Arnautovics technischen Fähigkeiten kein Problem mehr. Gute Ballmitnahme und ein strammer Linksschuss ins lange Eck, bevor er vom Kölner Abwehrspieler gestellt wird. Es wäre ein schöner Schlusspunkt gewesen.

Artikel teilen