Archiv für den Monat: Februar 2007

Der U-UEFA Cup (2): Kopfschmerzen dank Almeida

Heute gibt es keinen langen Beitrag zum Spiel. Ich fliege heute Abend nach London (um neue Talente zu sichten und mögliche Gegner zu beobachten natürlich) und hab deshalb nicht viel Zeit.

Es hätte alles schlimm ausgehen können, wenn Wiese nicht so gut gewesen wär. Schon bitter, dass selbst eine ersatzgeschwächte Mannschaft von Ajax unser Team innerhalb 30 Minuten so an die Wand spielen kann. Dabei konnte man Werder bis zur 60. Minute kaum einen Vorwurf machen. Das frühe Gegntor schien wie ein Weckruf zu wirken und Werder kam danach gut ins Spiel, hätte eigentlich zur Pause führen müssen. Für Almeida muss der Ball wohl wirklich direkt vor der Torlinie liegen, damit er trifft. Ich möchte nicht wissen, wie Klose verspottet worden wäre, hätte er so viele Chancen vergeben.

Dass man in der 2. Halbzeit bei einem 4-Tore-Vorsprung nicht mehr allzuviel tut und versucht, den Gegner ein bisschen einzuschläfern ist auch ok. Leider hat Werder nur sich selbst eingeschläfert und war in der letzten halben Stunde absolut unkonzentriert. Ein Ballverlust nach dem anderen, Stellungsfehler in der Innenverteidigung (hätte ich von Naldo und Mertesacker nie und nimmer erwartet) und auch wieder die fehlende Aggressivität in den Zweikämpfen.
Werder hat in dieser Rückrunde wohl zwei Gesichter und das eine davon, da bin ich mir ziemlich sicher, war in der Hinrunde noch beim HSV unter Vertrag. Ich verpasse ja nun (leider???) das Spiel am Sonntag gegen Gladbach. Wenn ich zurück komme will ich dieses Gesicht jedenfalls nicht mehr sehen. Von mir aus dan auch "nur" Dritter werden, aber bitte wieder mit einer etwas anderen Einstellung spielen – 90 Minuten lang. Und Almeida für jede vergebene 100 %ige ne Runde um den Werdersee scheuchen.

Heute mal polemisch.

Trennt sich eher vom Ball als von seiner Frisur

Der Kicker fasste die Situation des SV Werder nach dem Spiel gegen den HSV folgendermaß?en zusammen:

Schwächen vorne, Patzer hinten, dazu die nach wie vor fehlende
Kreativität im Mittelfeld – trotz des ersten Punkts nach vier Pleiten
steckt Werder vorerst weiter im Tief.

Moment! Erster Punkt nach vier Pleiten? Hä? Sehr mysteriös ist auch das, was Torsten Frings nach dem Spiel gesagt haben soll:

"Hamburg war ein Neuanfang."

Da hört man tagelang, dass Torsten Frings, der "Chefkritiker", der "Bremer Olli Kahn", seine Mitspieler so hart attackiert hätte und nun solch eine Kehrtwende?

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Büttenrede zum Aschermittwoch

Als Nordlicht hat mich der Karneval seit Ende der Grundschulzeit nicht mehr wirklich interessiert. Dem Fernsehen sei dank, denke ich seit einigen Tage trotzdem nur noch in Reimform – in kölschem Dialekt! Zum Aschermittwoch habe ich daher eine kleine Büttenrede an unsere Mannschaft geschrieben, die ich hier nun – als kleinen Arschtritt vor dem Ajax-Spiel – präsentieren will. Meinen ehemaligen Deutschlehrern wird sie wohl die Tränen in die Augen treiben und der Inhalt macht auch nicht viel Sinn.

Aber trotzdem, wollemerenreinlasse?

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Vom Suchen und Finden der Leichtigkeit

Fußball ist manchmal ein seltsames Spiel. Vergleicht man die Mannschaft, die momentan für Werder aufläuft, mit derjenigen der Hinrunde, fallen personell nicht viele Unterschiede auf. Die Startelf ist bis auf kleinere Unterschiede die gleiche. Klasnic, Owomoyela und Baumann waren schon in der Hinrunde kaum einsatzfähig. Abgesehen von Rosenberg und Niemeyer sind es noch immer dieselben Spieler, die auf dem Platz stehen. Für die Fehleranalyse nach den letzten drei Bundesliganiederlagen  bedeutet das, dass einige mögliche Gründe von vorne herein ausgeschlossen werden können: die Spieler passen zusammen, können gut kombinieren; das Verhältnis unterschiedlicher Spielertypen ist ausgewogen. Über die Qualitäten der einzigen Spieler muss kaum diskutiert werden. Woran kann es aber dann liegen, dass Werder nun ein ganz anderes Gesicht zeigt, als in der Hinserie?

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22. Spieltag: Blitzkriegtabelle

Werder – HSV 0:2

Wir schreiben den 22. Spieltag, es ist Februar und dem Kicker zufolge "biegt die Saison auf die Zielgerade ein." Lange Zielgerade! Umso verständlicher daher, das die Anzahl der während der Spiele angezeigten Blitztabellen inflationär ansteigt. Der wohl innovativsten Erfindung des Sportfernsehens der letzten 10 Jahre verdanken wir eine Menge. Ohne sie wäre Schalke wohl nie zum Meister der Herzen geworden, weil niemand gewusst hätte, dass sie überhaupt für ein paar Minuten Erster waren. Auch von der kurzzeitigen Tabellenführung des FSV Mainz 05 in der Hinrunde der Saison 2004/05 hätte kein Fan je erfahren. Es ist wirklich erstaunlich wie sehr kleine Erfindungen unser Leben vereinfachen. Musste man früher, nachdem man sich endlich an die Drei-Punkt-Regel gewöhnt hatte, noch in jedem Spiel im Kopf ausrechnen was beispielsweise 16 + 3 macht und ob das mehr ist als 18 + 0, bekommt man jetzt nach jedem Tor direkt das aktuelle Tabellenbild angezeigt. Um für perfekten Komfort zu sorgen, lesen die Kommentatoren dieses meistens noch vor, stets mit dem Zusatz: "wenn jetzt Schluss wäre!" Hätte die vorletzte Saison also nur 10 1/2  Spieltage gedauert, wäre Mainz deutscher Meister geworden…

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Der U-UEFA Cup (1): Kopfschmerzen dank Kerner

Werder – Ajax Amsterdam 3:0

Eigentlich gibt es von gestern Abend hauptsächlich positives
zu berichten. Werder hat überzeugend gespielt und deutlich gewonnen, die
Voraussetzungen für das Rückspiel sind hervorragend und der zuletzt vermisste
volle Einsatz war über die gesamten 90 Minuten spürbar. Was könnte man sich
sonst noch als Bestandteil eines gelungenen Europapokalabends wünschen?
Johannes B. Kerner mit Sicherheit nicht. Doch lieber einen Moderator, der es
nicht schon vor Anpfiff schafft, einem mit seiner ahnungslosen Fragerei die
Laune zu verderben. Und sicher, Werder hätte ruhig das eine oder andere Tor
mehr schießen dürfen. Aber wer will nach den zuletzt enttäuschenden Ergebnissen
gleich gierig werden?

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21. Spieltag: Wilde Riten

Stuttgart – Bremen 4:1

Als Fußballfan bildet man sich grundsätzlich nicht nur ein, sowohl über
Aufstellung, Taktik und seit einiger Zeit auch Management besser bescheid zu
wissen, als Trainer und Vereinsführung – als HSV-Fan momentan vielleicht sogar
berechtigterweise. Man bildet sich ebenso ein, auf das Geschehen auf dem Platz
indirekt Einfluss zu haben. Damit ist nicht die Stimmung im Stadion gemeint,
von wegen zwölfter Mann, sondern gewisse Marotten, die man sich über die Jahre
angeeignet hat, da sie sich irgendwann mal als Glück bringend herausgestellt
haben. Warum sollte der Fan da anders sein als der Spieler, den er verehrt?
Fußballer sind wohl die abergläubigsten Menschen der Welt. Nahezu jeder Spieler
hat ganz persönliche Rituale um sich auf ein Spiel vorzubereiten. Der eine
betritt den Platz immer mit dem rechten Fuß zuerst, der nächste lässt sich
eine/n hässliche/n Schnauzer und/oder Matte wachsen bis das nächste Mal
gewonnen/verloren wird und der dritte lässt sich direkt aus der Kneipe zum
Spiel abholen. Selbst bei Trainern sind solche Rituale beliebt – man erinnere
sich an Thomas Schaafs graue Meistermacherjacke.

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Meine Top 5 (3)

Meine Lieblingsrubrik ist zurück. Diesmal geht es um den Wälzer, den Arnd Zeigler uns pünktlich zum Weihnachtsfest serviert hat. "Lebenslang grün-weiß" heißt das Werk, wenn schon nicht kreativer- dann zumindest berechtigterweise. Da ich bereits den Vorgänger "Das W auf dem Trikot" gelesen hatte, gab es für mich auf den 576 Seiten nicht sehr viel bahnbrechend neues zu entdecken – was soll sich an der Historie des Vereins auch schon groß ändern? Trotzdem sind in diesem Buch natürlich jede Menge Schmankerl versteckt – man muss nur danach suchen. Also hier die

Top 5 meiner größten "Neuentdeckungen" beim Lesen von "Lebenslang grün-weiß":

5. Am 22. 2. 1974 gewann Werder in einem Freundschaftsspiel gegen Real Madrid mit 4:1. Reals Tor erzielte Günter Netzer.

4. Rudi Assauer hatte 1973 eine recht spärliche Brustbehaarung.

3. Nelson Mandela hat Recht: Marco Bode sieht wirklich genauso aus wie Steffi Graf.

2. Wenn es einen Titel "Rekordelfter" geben würde – Werder wäre ein heißer Kandidat. Allein zwischen 1970 und 1979 stand Werder sechsmal am Ende der Saison auf Platz 11 (Heutzutage spielen dort zum Glück nur die Amateure, har har)!

Und meine Nummer 1: Ich bin nicht der einzige, der schamlos Nick Hornby kopiert!

HSV-Bashing (18)

Es ist ja nicht wirklich überraschend, dass einer Mannschaft, die im Abstiegskampf steckt, alle Mittel recht sind. So kann man es Mehdi Mahdavikia kaum übel nehmen, dass er es gegen Dortmund einmal mit einer Schwalbe probiert hat. Dabei hatte er Glück, denn der Schiedsrichter fiel drauf rein und gab Elfmeter. Interessant ist jedoch, dass die sonst so strengen Hüter des Fair Plays von den Medien, die sich sonst gerne schadlos an Simulanten aller Art halten und immer wieder härtere Strafen für solche Unsportlichkeiten fordern, sich heute merklich zurückhielten. Guido Buchwald bezeichnete die Schwalbe im Arena-Halbzeitstudio als "geschickt", auf kicker.de wird sie sogar als Torvorlage Mahdavikias gewertet. Nun gibt es nicht viele Dinge, die im Zusammenhang mit dem HSV in dieser Saison als geschickt bezeichnet wurden – ihre Anzahl ist in etwa so hoch wie die Mahdavikias Torvorlagen – und daher gönne ich ihnen das Kompliment heute ausnahmsweise.

Bleibt nur die Frage warum die Überschrift dann "HSV-Bashing" heißt, wenn doch eigentlich höchstens die Pharisäer gebasht gehören, die Andi Möller einst zum Schwalbenkönig ernannten und heute über Mahdavikias Versuch nur schelmisch grinsten, bzw. der Schiri, der auch nach dem Spiel darauf beharrte, mit seiner Entscheidung richtig gelegen zu haben. Aber, lieber HSV, am Ende bekommt es eben doch der ab, der sich am besten zum Opfer eignet. Und das ist meist der Tabellenletzte.