Archiv für den Monat: März 2007

Pausenfüller (Teil 2)

Machen wir uns nichts vor. Celta de Vigo hat in dieser Saison eine Mannschaft, die auch in der Bundesliga um den Klassenerhalt spielen würde. Diese Mannschaft ist nicht nach Bremen gekommen, um das Spiel mit aller Macht zu gewinnen. Ihr Trainer hatte auf die Hälfte ihrer Stammspieler verzichtet (teils aufgrund von Verletzungen, teils zur Schonung für den Abstiegskampf). Die einzige Anweisung, die er seiner Mannschaft vor dem Spiel gegeben hat, dürfte folgende gewesen sein: Macht es ihnen so schwer wie möglich. Das ist nur eine Stufe über: Wenn wir schon verlieren, treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt. Dementsprechend spielte die Mannschaft dann auch. "Räume eng machen" schien ihr einziges Rezept zu sein. Es wehte ein Hauch von Cottbus durch das Weserstadion.

Dabei sollte es doch eher ein Hauch von Barcelona sein, wenn es im UEFA Cup Achtelfinale gegen eine der besten spanischen Mannschaften der letzten Saison geht. Der Fünfjahreswertung zufolge hat Spanien die stärkste Liga Europas und damit wohl auch der Welt. Bloß sind für die Fünfjahreswertung normalerweise eher andere Mannschaften verantwortlich als Celta Vigo. Man kann es vielleicht ein wenig mit Eintracht Frankfurt vergleichen. Eigentlich ist man in der Liga keine Topmannschaft, aber trotzdem ist man halt durch eine gute Saison mal im UEFA Cup gelandet. Die Glanzzeiten von Vigo sind schon zu lange vorbei um – noch dazu in der personellen Verfassung – gegen Werder mit spielerischen Mitteln irgendetwas erreichen zu können.

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Wechsel perfekt: Vertrag unterschrieben!

Nachdem ich gerade noch auf die beiden Wechselkandidaten beim SVW hingewiesen habe gibt es nun eine erfreuliche Neuverpflichtung: Ich habe soeben einen Vertrag auf unbestimmte Zeit bei Werder Bremen unterschrieben! Für den Verein stellt dies eine der günstigsten Neuverpflichtungen aller Zeiten dar. Eine Ablösesumme musste nicht bezahlt werden, da ich zuletzt vertragslos war. Auch auf ein Gehalt wird vorerst verzichtet. Stattdessen zahle ich pro Monat den ermäßigten Beitrag von 5 Euro. Das Geld soll laut Aussage von Sportdirektor Allofs "in vollem Umfang in die Jugendarbeit" fließen.

Auch wenn vorerst keine Absicht besteht, mich in der Bundesligamannschaft einzusetzen, habe ich meine Bereitschaft erklärt, im Notfall kurzfristig einzuspringen Bis dahin werde ich meinen neuen Vertrag wohl hauptsächlich für den Erwerb von Eintrittskarten für internationale Spiele sowie möglicherweise einer Dauerkarte für die nächste Saison nutzen.

Umzug und Design

Seit heute habe ich endlich eine "richtige" Domain für mein Blog. Sie lautet

www.meinesaison.de

Da es ja schon ein Werderblog vor mir gab und die Domain dementsprechend schon vergeben war, habe ich mich jetzt dazu entschieden, den ursprünglichen Untertitel "Meine Saison mit dem SVW" mehr in den Vordergrund zu rücken. Ihr erreicht die Seite allerdings auch weiterhin unter der alten Adresse

www.werderblog.de.vu

Auch beim Design hat sich einiges geändert, wie man sieht. Ist noch nicht das Gelbe vom Ei, aber da wird es mit der Zeit noch die eine oder andere Verbesserung geben. Auf jeden Fall ist es jetzt etwas leserfreundlicher als das doch recht dunkle alte Design (naja, die Farben waren der Werder Homepage "nachempfunden" ;-).

Kritik, Lob und Vertragsangebote für Miro Klose gehen ab heute an

info@meinesaison.de

Ich hoffe, dass alles reibungslos funktioniert und wünsche Euch weiterhin viel Spaß beim Lesen!

Pausenfüller (Teil 1)

Die Zeiten, in denen man während Länderspielpausen in Depressionen verfallen konnte sind – Gott sei Dank  – vorbei. Es bleibt allerdings trotzdem noch genügend Zeit, sich über die kommenden Aufgaben Gedanken zu machen und auch auf die vergangenen Wochen zurück zu blicken. Eigentlich ist Werders Situation zum Frühlingsbeginn außerordentlich positiv. In der Liga ist bei nur drei Punkten Rückstand auf Schalke (und 6 Punkten Vorsprung auf Platz 4) noch alles möglich. Auch im UEFA Cup stehen die Chancen gut, Werder steht im Viertelfinale. Eigentlich müsste alles in bester Ordnung sein. Eigentlich.

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Wer M sagt, muss auch M werden

In meinem letzten Beitrag erwähnte ich die Unzufriedenheit der Bremer Fans mit der momentanen Leistung des Teams. Obwohl einerseits bei vielen Fans die Ansicht besteht, Werder sei Deutschlands beste Fußballmannschaft und eigentlich auch erster Anwärter auf die Meisterschaft, wird es der Clubführung schon fast übel genommen, dass die Erwartungen "so hoch geschraubt wurden." So höre ich immer wieder Beschwerden darüber, dass Klaus Allofs in der Winterpause die Meisterschaft als Saisonzeil ausgelobt hat. Die Begründung lautet: "Eigentlich könnte ich ja damit leben, wenn Werder nur Dritter wird, aber wenn man schon den Mund so voll nimmt, dann muss man sich auch daran messen lassen!" Das wiederum ist doch sehr interessant: Allein das Erwähnen des bösen M-Worts reicht schon aus, um die Alarmglocken schrillen zu lassen. Es gehört spätestens seit 2001 und dem Last-Minute-Triumph der Bayern zum guten Ton, das Wort "Meisterschaft" lieber nicht in den Mund zu nehmen – außer man heißt Höneß, Rummenigge oder Kahn. Es scheint fast so, als ob ein Fluch auf dem Wort lastet, der jedem, der auch nur laut darüber nachdenkt, einen großen Knüppel zwischen die Beine wirft. Von der Meisterschaft sollte nach Möglichkeit erst gesprochen werden, wenn die Schale ihren Platz in der Vereinsvitrine gefunden hat.

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26. Spieltag: Gefühltes Weichei

Werder – Mainz 2:0

Was macht einen echten Werderfan aus? Über dieses Thema könnte man sicherlich endlos streiten. Eine wichtige Eigenschaft eines guten Fans ist sicherlich, seinen Lieblingsverein durch dick und dünn begleiten. Die Frage ist nur, ob man das wörtlich nimmt oder eher sinngemäß anzuwenden versucht. Hier zeigt sich doch eine erstaunliche Ähnlichkeit zu den meisten Religionen. Auch wenn der Vergleich von Fußball und Religion immer etwas schwierig ist, kann man eine Parallele doch deutlich ziehen: Sowohl im Christentum als auch beim Fußball gibt es Leute, die alle Regeln wörtlich auslegen und versuchen, sich so gut wie möglich daran zu halten. Für den Fußballfan bedeutet das, auch körperlich immer für seinen Verein da zu sein, also nach Möglichkeit bei jedem Spiel, egal ob in Delmenhorst oder Dnjepropetrowsk, egal ob bei Schnee oder Gluthitze, im Stadion anwesend zu sein. Finanziell stellt das für die meisten Fans eine große Hürde dar, da Karten und Fahrtkosten über eine Saison gerechnet einen großen Teil des Einkommens verschlingen können.

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Meine Top 5 (4)

Vor einiger Zeit beschwerte ich mich über den Missbrauch des Wortes Effizienz durch Fußballkommentatoren. Das ist natürlich nicht das einzige Fremdwort, dass regelmäßig falsch verwendet wird. Es ist nun nicht so, dass man diesen Missbrauch nur in Fußballreportagen beobachten könnte und er ist auch nicht auf Fremdwörter begrenzt (als Beispiel dafür kann man die Verwechslung von scheinbar und anscheinend nennen). Doch irgendwie scheinen Fußballreporter eine besondere Sprachbegabung zu haben. Es gibt jedenfalls eine ganze Reihe Begriffe und Redewendungen, die aus dem Fußballjargon stammen. Manche von ihnen schaffen sogar den Sprung in die Alltagssprache. Manche sind einfach nur dämlich. Und andere wiederum wirklich schön. Hier sind die

Top 5 meiner Lieblingsausdrücke in Fußballreportagen:

5. "Mannschaft A hat die bessere Spielanlage." Dass eine Mannschaft eine bessere Spielanlage hat, mag vielleicht schön seine für die Kinder der Spieler. Besser Fußballspielen kann sie deshalb noch lange nicht.

4. "Er wird hier nicht nachhaltig gestört." Nachhaltigkeit ist das Trendwort des 21. Jahrhunderts. Trotzdem wäre es mal interessant zu wissen wie nachhaltiges stören eigentlich funktioniert. Pflanzt man für jeden umgeknickten Grashalm nach dem Spiel einen neuen?

3. "Es ist ein typisches Null-Zu-Null-Spiel." Die wohl eleganteste Beschreibung für ein Spiel, bei dem einfach nichts passiert und der Ball nur quer gespielt wird (wir wissen seit Klinsi, dass das böse ist!). Man könnte auch sagen "Grottenkick", "Scheißspiel" oder "Wenn nicht gleich was passiert schlaf ich ein". Erstaunlicherweise gehen viele typische Null-Zu-Null-Spiele gar nicht 0:0 aus.

2. "Er war bis zu seiner Auswechslung ein Aktivposten." Warum sich Fußballreporter so sehr für Buchführung interessieren ist mir nicht bekannt. Aber Aktivität klingt halt gut und kann bei einem Fußballer ja im Grunde nicht schaden.

Und meine Nummer 1: "Sie spielen zu viel klein-klein." Wie niedlich. Was fast schon nach Babysprache klingt ist in Wirklichkeit nur eine Anspielung auf den österreichischen Fußball.

Der U-UEFA Cup (4): Wichtige Erkenntnisse

Werder – Vigo 2:0

Es gibt Spiele, auf die man wochenlang hinfiebert. Wenn es dann endlich so weit ist, sitzt man nägelkauend vor dem Fernseher bzw. im Stadion und wartet auf den in jedem Fall erlösenden Schlusspfiff. Dann fällt nach und nach die Spannung von einem ab und man kann sich endlich wieder auf andere Dinge konzentrieren. Es gibt auch Spiele, die man im Kopf schon abhakt, bevor sie überhaupt stattfinden. Entweder, weil man haushoher Favorit ist oder, weil es in dem Spiel um wirklich gar nichts mehr geht. Man schaut das Spiel dann eher gelangweilt, hängt nebenbei Wäsche auf oder ruft mal wieder seine Eltern an. Stadionfans haben es da schon schwerer. Auch bei solchen Spielen ist der Schlusspfiff erlösend.

Vom UEFA Cup Rückspiel gegen Vigo konnte man im Vorfeld weder das eine noch das andere behaupten. Es ging um eine ganze Menge, nämlich das Viertelfinale. Trotzdem fieberte ich dem Spiel keineswegs entgegen. Das Hinspiel in Spanien wurde 1:0 gewonnen, Vigo brachte einige der stärksten Spieler gar nicht erst mit nach Bremen um sie für den Abstiegskampf in der Liga zu schonen. Eigentlich alles nur noch Formsache. Doch ähnliches konnte man auch vor dem Spiel bei Ajax Amsterdam sagen. Was dort passierte ist noch zu frisch in den Köpfen, um ein solches Spiel schon vor Anpfiff abzuhaken.

Das Spiel selbst war dann größtenteils ereignislos. Werder musste nicht, Vigo konnte nicht. Am Ende wurde es ein recht sicherer 2:0 Sieg und das war auch schon fast alles, was von diesem Spiel in Erinnerung bleiben wird. Der Vollständigkeit halber aber trotzdem alle wichtigen Erkenntnisse aus dem Vigo Spiel:

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25. Spieltag: Momentum

Bayern – Werder 1:1

Zu Beginn etwas Statistik: Stellen wir uns einmal ein Fußballspiel vor, Mannschaft A gegen Mannschaft B. Mannschaft A geht in Führung und hält diese bis kurz vor dem Ende. Zehn Minuten vor Schluss schießt Mannschaft B den Ausgleich. Ist es jetzt wahrscheinlicher, dass Mannschaft A gewinnt oder Mannschaft B?

Die meisten Leute würden wohl "B" sagen. Ich kann natürlich nicht
nachweisen, ob es stimmt oder nicht. Doch aus irgend einem Grund sollte
man meinen, dass Mannschaft B nach dem späten Ausgleich nochmal alle
Kräfte mobilisiert und vielleicht noch das Siegtor schießen könnte.
Mannschaft A hingegen ist niedergeschlagen und kann nur hoffen, das
Unentschieden über die Zeit zu retten. Ähnlich verhält es sich auch mit
Sieges- oder Niederlagenserien: Von einer Mannschaft, die die letzten
Spiele alle gewonnen hat, nimmt man an, dass sie auch das nächste
gewinnt. Fußballkommentatoren sprechen in solchen Momenten von einem
"psychologischen Vorteil". Nun ist es nicht so, dass alle deutschen
Fußballkommentatoren Hobbypsychologen sind und die unergründliche
Psyche des Fußballers erforscht haben. Es gibt im Deutschen nur leider
kein wirklich passendes Wort. Im Englischen nennt man das ganze
"Momentum", was im Prinzip dasselbe bedeutet wie "psychologischer
Vorteil", aber besser mit "Schwung" oder "Impuls" zu übersetzen ist.
Man nimmt also den Schwung eines gewonnenen Spieles mit ins nächste.

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Der U-UEFA Cup (3): 23 Prozent Werder

Celta Vigo – Werder 0:1

Wer in Deutschland die Bundesliga oder die Champions League live im Fernsehen sehen möchte, ist (bis auf wenige Ausnahmen) auf Premiere und Arena angewiesen, was mitunter nicht ganz billig ist. Wer sich den Spaß nicht leisten kann oder will, muss trotzdem nicht auf Live-Fußball verzichten: Es gibt das Montagsspiel der zweiten Liga im DSF, einige DFB-Pokalspiele in ARD und ZDF und auch den UEFA Cup kann man – sofern man nur Spiele mit deutscher Beteiligung sehen möchte – live im deutschen Fernsehen verfolgen. Leider gibt es auch im UEFA Cup Ausnahmen. Wie am Donnerstag Abend. Da die Fernsehrechte des UEFA Cups nicht zentral vermarktet werden, kann jede Mannschaft die Livesenderechte ihrer Heimspiele direkt an die Fernsehsender vermarkten. Normalerweise klappt das auch ganz gut. Normalerweise. Beim Spiel Celta Vigo gegen Werder Bremen hat es leider nicht geklappt, sicht mit einem deutschen Sender über die Rechte zu einigen, deshalb blieben die Bildschirme schwarz. Leider war das nicht das einzige, das bei mir an dem Abend schwarz blieb…

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