Archiv für den Monat: April 2007

Gladbach und die Fünfjahreswertung

Es gibt ja jedes Jahr die Wahl zum Unwort des Jahres. Heißer Kandidat ist für mich seit ca. einem Jahr das Wort "Fünfjahreswertung". Durch sie wird festgelegt, wie viele Vereine ein Land zu den europäischen Pokalwettbewerben melden darf. Bis vor einiger Zeit schaute man alle paar Monate mal drauf, ohne ihr große Bedeutung beizumessen. Ähnlich wie die Weltrangliste der Nationalmannschaften sah man die Fünfjahreswertung als Spielerei, ohne große Aussagekraft. Seit dieser Saison ist das anders: Rumänien kam mit Riesenschritten immer näher und drohte, uns einen Champions League Platz zu klauen (was in etwa dem bei uns vorherrschenden Vorurteil über Rumänen entspricht). Seit dieser Zeit also, wird jedes internationale Spiel mit deutscher Beteiligung zur nationalen Angelegenheit erklärt: Es geht nicht nur um Ruhm fürs Vaterland, unser Ansehen in der Welt. Nein, es geht auch um ein paar Punkte zum Erhalt unser Champions League Plätze, an dem schließlich jeder interessiert sein muss, egal welchen Verein er eigentlich unterstützt.

Was sich ein Fan von, sagen wir aus aktuellem Anlass: Arminia Bielefeld von einem Champions League Platz mehr oder weniger verspricht weiß ich nicht. Trotzdem wäre der Verlust eines Startplatzes und der Fall auf einen Ranglistenplatz hinter Portugal und Rumänien für die geschundene deutsche Fußballseele kaum erträglich. Dass wir nicht mehr in einer Reihe mit England, Spanien und Italien stehen (im Vereinsfußball), wissen wir längst. Im Mittelmaß zu versinken wäre allerdings eine schallende Ohrfeige.

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Die Schuhe waren Schuld!

Vor etwa zwei Wochen erhielt ich eine Email von einer PR-Agentur mit der Information, dass Diego, Frings und Naldo neue Fußballschuhe bekommen haben. Mit diesen trainieren sie seit einiger Zeit. Der erste Einsatz war für das UEFA-Cup Spiel in Barcelona geplant. Laut Pressemitteilung ermöglicht der Schuh seinem Träger "durch einen neuartigen Aufbau des Spanns (…) präzise und zugleich kraftvolle Schüsse." Vielleicht hätte man den Spielern dazu sagen sollen, dass der Schuh das dann doch nicht ganz von alleine macht…

Meine Top 5 (5)

Miro Klose traf sich also mit dem Uli und dem Ottmar in einem Hotel in Hannover. Torsten Frings war zum Kurzurlaub in Turin. Das sind keine Gründe zum Trübsal blasen. Vielmehr sollte uns die Reiselust unserer Spieler positiv stimmen, sollen sie doch auch in der nächsten Saison wieder Siege in der Fremde von Barcelona bis Donezk erringen. Bevor sich die beiden oben genannten Herren tatsächlich zu einem Wechsel entschließen, sollten sie sich an die Werderspieler erinnern, die es vor ihnen versucht haben. Hier sind meine

Top 5 der schönsten "Karrieresprünge" ehemaliger Werderspieler:

5. Vor zwei Jahren holte sich Fabian Ernst bei "Le Chef" eine blutige Nase ab, nachdem er zu sehr mit seinem gutdotierten neuen Vertrag bei Schalke geprahlt hatte. War er bei Werder jahrelang ein Musterbeispiel an Konstanz auf sehr hohem Niveau, gelang es ihm nach nur einem Jahr in königsblau die Teilnahme an der WM 2006 zu verspielen.

4. Mit der Begründung er wolle auch einmal Meister werden, wechselte Frank Rost im Jahr 2002 zum FC Schalke. Seine Leistung brachte er zwar auch dort bis vor einigen Monaten. Mit der Meisterschaft wurde es aber bis auf weiteres nichts.* Als "Maulwurf" beschimpft verdrückte Rost sich in der Winterpause zum HSV und ist damit der Meisterschaft so nahe wie noch nie…

3. Bevor Torsten Frings reumütig nach Bremen zurückkehrte, hatte er zwei durchwachsene Jahre beim BVB und ein demütigendes bei den Bayern zu durchstehen. In den drei Jahren seiner Abwesenheit hatte sich Werder von einem unbeständigen UEFA-Cup Anwärter zu einer echten Spitzenmannschaft entwickelt, während er selbst es von einem der besten Spieler der Liga zum Bankdrücker beim FCB gebracht hatte.

2. Als Otto Rehagel 1995 zu den Bayern wechselte, nahm er seinen Spielmacher gleich mit. In München hatte Andi Herzog dann allerdings weniger Spaß, musste sich vom durchgeknallten Torwart-Titan würgen lassen und kehrte nach nur einer Saison zurück an die Weser.

Und meine Nummer 1: Was macht eigentlich Ailton?

* Natürlich kann Frank Rost in dieser Saison noch Meister werden, da er ja einige Spiele für Schalke bestritten hat. Ob es das ist, was er damals meinte, wage ich jedoch zu bezweifeln.

Der U-UEFA Cup (7): Titellos

Espanyol – Werder 3:0

Tja, was soll man dazu sagen? Der Titel meines letzten Posts hätte auch perfekt über diesen hier gepasst, auch wenn er eigentlich ganz anders gemeint war. Aus Protest bekommt dieser Post nun keinen eigenen Titel. Ich hoffe nur, dass sich diese Überschrift als nicht ganz so prophetisch erweist, wie die letzte. Sollte Werder am Ende der Saison tatsächlich titellos bleiben, weise ich jedenfalls alle Schuld von mir. Außerdem hat Werder ja immerhin den angesehenen Premiere-Ligapokal gewonnen, womit die Bezeichnung "titellos" also schon gar nicht mehr auf Werder 06/07 zutreffen kann. Aber bevor dieser "Titel" am Ende noch als Trostpflaster herhalten muss, nehme ich dann doch lieber eine titellose Saison in Kauf.

Während man gestern noch bei strahlendem Sonnenschein über das mögliche Double nachdenken konnte, kann man heute bei strahlendem Sonnenschein über alles mögliche nachdenken, nur nicht über Werder. Denn dann verzieht sich der Himmel sofort mit dunklen Wolken und es beginnt wie aus Kübeln zu regnen. Immerhin bestes Bremer Fußballwetter aus alten Rehagel-Zeiten. Die werden in den nächsten Tagen wohl wieder beschworen werden, bevor Espanyol zum Rückspiel nach Bremen kommt. Ein Wunder von der Weser muss her. Leider haben Wunder nun mal so an sich, dass sie sich nicht beliebig herbeirufen lassen. Sonst wären sie ja keine Wunder. Schon vor Abpfiff wies demnach auch der pfiffige Sat.1-Kommentator (der in der ersten Halbzeit vermutlich ein anderes Spiel gesehen hat als ich) darauf hin, dass Werder nun ein Wunder brauche. Danke für den Tipp. Ich bekam davon leider nur einen Wolle-Petry-Ohrwurm der übleren Sorte: "Du bist ein Wunder, so wie ein Wunder, ein wunder Punkt in meinem Leben…"

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Mein (fast) geplatzter Traum von Glasgow

Heute ist es endlich soweit. Das Halbfinale bei Espanyol Barcelona steht an. Werder hat die Chance, zum ersten Mal seit 1992 wieder ein europäisches Endspiel zu erreichen. Grund genug sich den Finaltermin schon mal rot anzumarkern. Darüber hinaus bin ich allerdings eher vorsichtig. Bevor das Spiel nächste Woche nicht abgepfiffen ist, werde ich meine Finalparty jedenfalls nicht planen. Drüber nachgedacht habe ich hingegen, ob ich mich im Falle der Fälle um ein Finalticket bemühen sollte oder nicht. Ein Flug nach Glasgow sollte nicht die Welt kosten und schlafen kann ich, wenn ich wieder hier bin. In den letzten Tagen wurde der Gedanke immer konkreter. Hier mal ein bisschen nach Flügen geguckt, dort ein bisschen über das Stadion in Glasgow gelesen. Und natürlich nach dem Vergabeprozedere der Finaltickets umgehört. Schließlich noch kurz den Kontostand überprüft und beschlossen, es einfach mal zu versuchen.

Nun ist es ja so, dass das Finale an einem Mittwoch stattfinden wird, also für normale Menschen einem Arbeitstag. Da ich aber kein normaler Mensch bin, sondern Student, sollte das für mich auch kein Problem sein. Sollte. Eigentlich kenne ich alle Prüfungstermine lange Zeit vorher. Doch leider hatte einer meiner Professoren (ein Bayer, ausgerechnet!) die geniale Idee einen Teil einer Klausur, die für Juli geplant ist, vorzuziehen. Welchen Tag er sich dafür ausgesucht hat könnt ihr euch wohl denken. Während andere Leute aus meinem Kurs sich wehement beschwerten, sie hätten am selben Tag schon eine andere Klausur, starrte ich nur wie gelähmt auf den Eintrag "UEFA-Cup Finale" in meinem Kalender. Eine Klausur kippen wegen eines Fußballspiels? Das hätte ja nicht mal während der WM geklappt, zumindest nicht in Deutschland.

Letztendlich wurde der Termin (wegen der anderen Klausur) glücklicherweise doch um eine Woche verschoben – auf den Tag des Champions League Finals. Das passt mir zwar auch überhaupt nicht, da ich am Tag vorher schon eine Klausur schreibe, doch beschwert habe ich mich natürlich nicht. Lieber die Aussicht auf ein noch nicht erreichtes Finale als auf eine bessere Note. Und außerdem: so hat das Ausscheiden aus der Champions League gegen den FC Barcelona doch auch wieder was gutes. Womit wir wieder beim Stichwort des heutigen Abends wären. Barcelona also ausnahmsweise als gutes Omen.

Nach der Vorlesung fragte mich mein Professor (erwähnte ich bereits, dass er Bayer ist?), um welche Uhrzeit eigentlich das Champions League Finale sei. Er lebe schließlich seit über 30 Jahren in Brasilien und da wäre es völlig unmöglich eine Prüfung gleichzeitig zu einem wichtigen Fußballspiel anzusetzen. So sind sie halt, die Brasilianer! Was macht eigentlich Ailton?

Schlussverkauf am Osterdeich

Alles muss raus! Was die Bayern können, das können wir auch. Wir bauen uns zur neuen Saison eine neue Mannschaft auf. Dazu müssen alte Zöpfe abgeschnitten und neue, gut kehrende Besen eingekauft werden, usw. Weiß man ja alles. Alle überflüssigen Spieler müssen also schnellstmöglich verhökert werden.

Heute im Sonderangebot haben wir einen kleinen, technisch versierten Brasilianer, der wahlweise als Spielmacher oder Alleinunterhalter eingesetzt werden kann. Besonders als Käufer geeignet, wären größenwahnsinnige Vereine aus Südeuropa, die einerseits über das nötige Kleingeld verfügen und andererseits keine Scheu haben ihre Mannschaft mit 8 Offensivspielern auflaufen zu lassen. Gleich und gleich gesellt sich schließlich gern. Wenn Sie also bereits 5-6 technisch versierte Brasilianer in Ihrem Kader haben und bereit sind, ein paar Millionen für einen weiteren auszugeben, würden wir uns über Ihr Angebot sehr freuen.

Auch unser lieber Mittelstürmer sucht ein neues Zuhause. Mirek ist als Sohn polnischer Gastarbeiter sehr bescheiden und fleißig. Durch die EU-Osterweiterung hofft er nun auch ein Stück vom großen Kuchen abzubekommen und möchte sein Glück bei einem "Topverein" versuchen. In seiner Freizeit übt Mirek gern Salti oder schlägt sich am Kopfballpendel die Birne blau. Zur Entspannung geht angeln. Da er selten unüberlegte Entscheidungen trifft und seine Optionen vorher gründlich prüft, sollten sie ganz besonders geduldig mit ihm sein. Ein Jahr UEFA-Cup würde ihm sicher gut tun. Auch neue Kulturen und Sprachen – ja mei – sind für Mirek von besonderem Interesse. Sollten Sie ihm all dies bieten können und zudem noch eine schöne Seenlandschaft oder gar Berge in Ihrer unmittelbaren Umgebung haben, können Sie noch heute Ihr Angebot für ihn abgeben.

Unser letzter Kandidat für heute hatte schon als Kind einen Traum: Einmal in Italien spielen. Wie das Schicksal es wollte, führte sein Weg über Ruhrpott und Hofbräuhaus jedoch wieder zurück zur Stätte seiner ersten größeren Erfolge. Dort fühlt er sich einfach am wohlsten und kann sich voll und ganz auf das konzentrieren, was er am liebsten tut: Haarpflege. Seine Sehnsucht nach dem Calcio konnte er jedoch nie ganz verbergen. Das führte sogar so weit, das er sich die Haare auf italienische Männernormlänge wachsen ließ und auf wehrlose Argentinier einschlug um bei der WM nicht gegen seine Idole spielen zu müssen. Dabei will der gute Lutscher sich doch einfach nur nicht mehr so viel über blöde Schiedsrichterentscheidungen aufregen müssen. Falls Sie hier über gute Kontakte und Verbindungen verfügen und noch dazu Verantwortlicher eines namhaften italienischen Vereins sind, wären wir Ihnen für baldige Transferverhandlungen sehr dankbar.

Das war’s für heute. Nächste Woche haben wir sicher wieder neue Topangebote für Sie bereit. Bis dahin gehen wir mal schön auf Nachfolgersuche. Was macht eigentlich Ailton?

29. und 30. Spieltag: Raum-Zeit-Kontinuum

Dortmund – Werder 0:2

Werder – Aachen 3:1

Es ist schon erstaunlich wie grundauf unterschiedlich zwei Fußballspiele sein können, die beide verdeutlichen, was Werder zum Ende dieser Saison ausmacht. Das Spiel gegen Dortmund war geprägt vom kraftraubenden UEFA-Cup Spiel gegen Alkmaar. Nach der Führung begnügte man sich damit, das Tempo aus dem Spiel zu nehmen und den Gegner zu kontrollieren. Das klappte auch sehr gut. Das Spiel war in der zweiten Halbzeit sogar extrem langweilig. Sicher eine Qualität, wenn man ein Spiel nach einer Führung so verschleppen kann und dabei so konzentriert bleibt, wie Werder es war.

Gegen Aachen war die Ausgangslage ein wenig anders. Der Gast erzielte nach 90 Sekunden bereits die Führung und Werder startete einen fast neunzigminütigen Sturmlauf. Eigentlich war Werder von Beginn an dominant und hätte Aachen gut und gerne 5 oder 6 Tore einschenken können. Stattdessen blieb das Spiel spannend bis zum Abpfiff mit Diegos fulminantem Schlusspunkt, einem Tor aus 65 Metern Entfernung.

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Der U-UEFA Cup (6): Euphorisch

Werder – Alkmaar 4:1

Es gibt sie also doch noch, diese magischen Momente, diese Fußballsternstunden im Weserstadion! Diese blumigen Worte sind nach all der Kritik am langweiligen, ergebnisorientierten Fußball der letzten Wochen durchaus angebracht. Auch wenn Alkmaar letztlich in beiden Spielen kein so starker Gegner war, wie ich es erwartet hatte. Man spielt ja bekanntlich immer nur so stark wie das Phrasenschwein es zulässt.

Werder hat nun seit fast zwei Monaten nicht mehr verloren und hat immer noch eine gute Chance auf mindestens einen großen Titel. Das war zwar auch schon vor diesem Spiel so, aber endlich vermittelt Werder wieder das Gefühl, dass man selber daran glaubt. Endlich Schluss mit dem Ergebnisfußball, der Werder zwar in guter Ausgangslage gehalten, aber selten begeistert hat. Dieses Spiel war unglaublich wichtig für Werder und auch für die Fans. Selbst wenn am Sonntag gegen Dortmund diese Leistung wohl kaum wiederholt werden kann. Das beste an dem Spiel war weder das Ergebnis noch die Spielweise, sondern vor allem, dass sich alle personellen Bedenken und Probleme innerhalb von 90 Minuten in Luft auflösten. Klose trifft wieder, Diegos Arbeit trägt endlich wieder Früchte, Pasanen zeigt, dass auch er ein Top-Innenverteidiger sein kann, Owomoyela kann’s auch auf Links, Borowski macht nach langer Verletzung mal eben so sein bestes Saisonspiel und Hunt spielt wieder wie im letzten Herbst.

Steht uns nun ein goldener Frühling bevor? Ich weiß es nicht. Erstaunlich wie ein einziges Spiel das Vertrauen in eine Mannschaft steigern kann. Selbst die Sonne lässt sich anscheinend vom allegemeinen Hochgefühl anstecken und macht den Bremer April zum Sommer. Ich warte nun stündlich auf die Meldung: "Frings und Klose verlängern bis 2020!" Schalke kann eigentlich gar nicht anders, als heute in Mainz Punkte zu lassen, so wie diese Woche bislang läuft. Damit kämen die Dortmunder dann für morgen in einen Zwiespalt. Was ist wichtiger: Klassenerhalt oder Schalke nicht Meister? Ich hab da so eine Ahnung wofür sich der gemeine Dortmunder Fan entscheiden würde…

Ist denn wirklich alles Gold was glänzt? Heute ist es mir egal. Das euphorische Gefühl werde ich mindestens bis Sonntag Abend beibehalten. Wer weiß was dann kommt.

HSV-Bashing (19)

Hallo liebe Hamburger!

Ich habe euch lange nicht mehr gebasht, dafür möchte ich mich in aller Form entschuldigen. In der Winterpause habe ich mich beschwert, dass ihr es mir zu leicht macht. Nun habt ihr tatsächlich auf mich gehört und macht in der Rückrunde vieles besser als noch im letzten Jahr. Ihr habt es mir also schwerer gemacht und ich habe euch einfach nicht mehr beachtet. Das lag natürlich nicht daran, dass es nichts mehr zum bashen gegeben hätte, ich hätte mir nur mehr Mühe geben müssen danach zu suchen. Aus verschiedenen Gründen habe ich es nicht getan.

Einer davon war zum Beispiel der enge Spielplan des SVW. Zwischen den Spielen blieb nicht mehr viel Zeit sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Meine knappe Freizeit (ja, sie ist wirklich nicht so üppig, wie man das bei einem Studenten erwarten könnte!) ging dann leider für andere Themen drauf. Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, verläuft unsere Rückrunde auch ein wenig turbulent. Und leider nicht immer zum Guten (woran ihr mit eurem "grandiosen" Auswärtssieg im Weserstadion nicht ganz unschuldig seid). Trotzdem habe ich ein etwas schlechtes Gewissen, weil für ein paar kleine Gehässigkeiten unter Nachbarn doch immer genügend Zeit sein sollte. Mit Erstaunen habe ich mir gestern die Tabelle angeschaut und festgestellt, dass ihr nach dem Sieg in Gladbach tatsächlich bis auf Rang 7 geklettert seid. Innerhalb einiger Wochen von Platz 18 auf Platz 7, das klingt doch nach einer tollen Erfolgsgeschichte.

Kurz vor Ende der Saison schnuppert ihr also wieder am internationalen Geschäft (Platz 6 = UI Cup). Da ihr in Hamburg ja ein wenig zur Selbstüberschätzung – nein, ich untertreibe: zum Größenwahn – neigt, dauert es wohl nicht mehr lange, bis die ersten Stimmen sich erheben und die Worte "Champions League Qualifikation" laut aussprechen. Dran gedacht habt ihr bestimmt selbst schon, immerhin seid ihr das Tor zur Welt. Bevor die Euphorie allerdings wieder grenzenlos wird, erinnert euch lieber, was beim letzten Versuch auf großer Bühne passiert ist. Damals wart ihr eher das Tor für die Welt, bzw. ludet eben Mannschaften aus ganz Europa ein, in das eure zu schießen. Als wohltätiger Verein, der Punkte an bedürftige Vereine verschenkt hast du dir aber auch in der Liga in der Hinserie einen Namen und viele neue Freunde gemacht. Nicht jeder Verein kann denselben Weg gehen. Vielleicht ist gerade das der Hamburger Weg? Denkt mal drüber nach.

Nicht zuletzt habt ihr mir am Freitag wohl auch diese Kategorie gerettet. Einen HSV in Liga 2 hätte ich mich nicht zu bashen getraut. Das machen nur die, die in der Schule auch immer die Kinder aus den unteren Klassen verhauen haben. Und die sind heute zum größten Teil Schalke-Fans.

28. Spieltag: Ein Koch verdirbt den Brei

Werder – Nürnberg 1:0

Das Wetter spielt mit: es regnet nicht, zwischendurch kommt sogar die Sonne durch. Die Würstchen brutzeln auf dem Elektrogrill vor sich hin. Das Bier (selbstverständlich Haake-Beck 12) ist bestens gekühlt. Sogar der Besuch ist pünktlich. Was kann an solch einem Tag schon noch schiefgehen?

Das Spiel vielleicht. Immerhin geht es gegen den 6. der Tabelle, verdammt konterstark und gesegnet mit der besten Abwehr der Liga. Noch dazu mit einem Trainer, der mit der Presse noch ironischer umgeht und seinen Humor noch trockener rüberbringt als Thomas Schaaf. Auch die personelle Situation unserer Mannschaft gab kaum Anlass zur Freude. Borowski noch nicht fit, Baumann ohne Spielpraxis, Jensen und Schulz weiterhin verletzt, dazu noch der Ausfall von Wome. Man musste vor diesem Spiel nicht zwangsläufig optimistisch sein. Dieser Eindruck bestätigte sich kurz vor Anpfiff, als ich hörte, wer das Spiel kommentieren sollte: Oberglubberer Günther Koch.

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