Archiv für den Monat: Mai 2007

Willkommen am Gipfel

Wir sind die Guten! Mit diesen Worten endet Arnd Zeiglers Werder-Chronik Lebenslang grün-weiß. In der Tat nahm Werder in den letzten Jahren in den Augen vieler "neutraler" Fußballfans die Rolle der Guten ein, die gegen die bösen Münchner aufbegehrten und der Liga wieder etwas Spannung brachten. Die Zuneigung, die dem Club entgegenschlug war schon fast unheimlich. Den Höhepunkt der Beweihräucherung durch Presse und Fans erlebte Werder in der Winterpause. Schöner konnte es kaum werden: Fast schon sicher Meister. Auf 100-Tore-Kurs. Auf Augenhöhe mit Barca und Chelsea.

Die Blase platzte schnell nach Beginn der Rückrunde und man durfte fortan je nach aktuellem Ergebnis übertrieben kritische oder übertrieben lobende Texte in den Gazetten Fußballdeutschlands lesen. Übertrieben waren sie vorallem, weil sie nur die letzten paar Spiele als Grundlage für ihre vermeintlich allumfassenden Analysen verwendeten. Es entstand daraus letztendlich ein widersprüchliches Gesamtbild, das trotzdem (oder gerade deshalb) sehr treffend die Saison des SV Werder zusammenfasst. Werder war alles, nur nicht egal. Eine Lotterie für die Neutralen. Eine Achterbahnfahrt der Emotionen für die Fans. Sobald man sich ein Bild vom Leistungsstand der Mannschaft gemacht hatte, musste man es schon wieder revidieren. Doch was ist nun Werders eigentliches Leistungsvermögen? Was spiegelt den Normalfall am besten wider? Spiele wie gegen Chelsea und Bayern in der Hinrunde? Oder Spiele wie gegen Espanyol und Frankfurt in der Rückrunde? Natürlich keines davon, da sie Extremfälle sind. Werders "Problem" liegt darin, dass diese Extremfälle so weit auseinander liegen, wie bei kaum einer anderen Mannschaft.

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33. Spieltag: Darum!

Werder – Frankfurt 1:2

In meinem letzten Post habe ich mich gefragt, warum ich ausgerechnet jetzt so negativ denken muss. Nun weiß ich es. Da war ja noch was. Wieder mal hatte Werder die Chance einen Patzer der Konkurrenz auszunutzen und in der Tabelle nach oben zu klettern – wenn auch nur um einen Platz. Der würde allerdings immerhin die sichere Champions League Teilnahme bedeuten. Nun muss man wahrscheinlich Anfang der nächsten Saison durch die nicht ganz leichte Quali. Doch das ist alles Schnee von morgen, heute zählt nur die verpatzte letzte Chance auf die Meisterschaft.

So kurz nach dem Spiel ist es nicht leicht, die Enttäuschung in Worte zu fassen. Es waren ja nicht die Konkurrenten, die uns die Suppe versalzen haben, sondern wieder einmal wir selbst. Ein Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt rechnet man normalerweise zur Kategorie "Pflichtaufgabe". Dass die Frankfurter immerhin noch um den Klassenerhalt spielten sei mal dahin gestellt. Werder brauchte einen Sieg, kein Fußballfest. Leider hatte man von der ersten Minute an das Gefühl, dass Werder zwar mit viel Einsatz aber nicht genug Geduld in dieses Spiel ging. Die Aufstellung war ähnlich offensiv wie gegen Barcelona, als man immerhin ein 0:3 aufholen musste. Wenn es auch viele Dinge gibt, die man Werder heute vorwerfen kann (Konzentrationsschwäche in der Offensive, fehlende Passgenauigkeit, Harmlosigkeit bei Standards), muss man aber besonders diese Ungeduld hervorheben. Warum verkrampft diese Mannschaft so schnell, wenn es mal nicht direkt mit ein paar Pässen zum Torerfolg reicht? Frankfurt stand – wie viele Gegner in dieser Rückrunde – extrem defensiv und ließ Werder bis 30 Meter vor dem Tor gewähren. Eine drückende Feldüberlegenheit zeugt also noch nicht von gutem Spiel, sondern kommt fast auf Einladung des Gegners zustande. Wichtig ist es dann vor allen Dingen, konzentriert auf die Lücke zu warten und eben nicht bei jedem Angriff volles Risiko zu gehen. Hier kann man eigentlich keinem Spieler einzeln einen Vorwurf machen, das hat mit der Gesamteinstellung des Teams zu tun. Nach der Führung der Frankfurter verstärkte sich diese Ungeduld sogar noch. Vor gar nicht langer Zeit war es eine der größten Stärken Werders nach Rückständen den Druck in der Offensive noch zu erhöhen. In letzter Zeit gelingt das kaum noch, obwohl die Ausrichtung nach wie vor gleich ist. Bestes Beispiel dafür ist Aaron Hunt, der offensiv sicher viele Qualitäten hat. Spielt er im Mittelfeld, versucht er bei jedem Ballkontakt einen schnellen Angriff einzuleiten. Da allerdings weder seine Ballsicherheit noch sein Kombinationsspiel auf höchstem Niveau konstant sind, produziert er so auch viele Fehler, die das Aufbauspiel durcheinander und die Hinterleute in Bedrängnis bringen. Dieses Risiko ist Thomas Schaaf vor dem Spiel bewusst eingegangen, weil er wohl wusste, dass gegen die defensiven Frankfurter mit normalem Kurzpassspiel wenig gehen würde. Viele Fans tragen mit ihrer Einstellung aber auch dazu bei, dass Werder nicht (wie Schalke in ähnlichen Situationen) mal bis zur 60. Minute in Kauf nimmt, wenig Torchancen zu haben und dann einmal zuschlägt, wenn sich die Gelegenheit bietet. Die Ungedult wächst von Minute zu Minute und stachelt die Mannschaft zu noch mehr Risiko an. Ein Spiel wie heute ist für alle schmerzhaft: Für die Spieler, die wie die Hasen rennen und doch kaum wirkliche Chancen bekommen und für die Fans, die immer das Gefühl haben, dass gleich was gehen müsste, obwohl eigentlich gar nichts passiert. Hinzu kommen eine diskutable Leistung von Merk (der Elfmeter wohl nur noch bei Blutgrätschen gibt) sowie das unglückliche Gegentor zum 1:2 (ohne eigenen Torschuss in der 2. Halbzeit ein Tor zu erzielen, ist vor Frankfurt bestimmt noch nicht viele Mannschaften gelungen).

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Friede, Freude, Eierkuchen im Werderland

Was da wohl als nächstes kommt? Als Torsten Frings vor zwei Tagen bekannt gab, dass er in Bremen bleibt und obendrein noch seinen Vertrag bis 2011 verlängert hat, wurde mir nach der anfänglichen Freude etwas mulmig. Die Nachricht schien mir einfach zu schön um wahr zu sein. Gerade noch der Sieg gegen Berlin. Die zumindest nicht ganz aussichtslose Situation im Kampf um die Meisterschaft. Jetzt also ein weiterer Grund zum Jubeln. Doch moment, war da nicht was? Folgte nicht auf jeden Werder-Höhenflug bisher umgehend ein Nackenschlag? Musste jetzt nicht fast zwangsläufig in den nächsten Tagen etwas ganz schlimmes passieren, quasi als Ausgleich?

Noch kurz vorher hatte ich wieder irgendwo gelesen, dass Lutschers Wechsel nach Turin nur noch Formsache sei. Ähnlich wie bei Miro hatte ich mich schon langsam damit abgefunden, dass Frings gehen würde. Einen Wechsel nach Italien hätte ihm wohl keiner wirklich übel genommen: Bestes Alter noch einmal einen Sprung zu wagen. Vielleicht die letzte (richtig große) Möglichkeit seiner Karriere. Und dann das:

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Damals, am 8. Mai 2004…

Ein Jubiläum ist doch was feines. Ganz besonders, wenn es so ein schönes ist. Genau drei Jahre ist es jetzt her und die Erinnerung reicht immer noch um das Herz höher schlagen zu lassen. Gerade im Hinblick auf das Saisonfinale…

Würde jetzt am liebsten Das Double 2004 auf DVD angucken und in Erinnerungen schwelgen, aber leider muss ich lernen. Dann bleibt wohl nur das Hoffen auf ein glückliches Ende in zwei Wochen.

Eine Schwalbe macht noch keinen Klose

In den letzten Tagen und Wochen musste Miroslav Klose viel einstecken. Von den Medien, von den eigenen Fans und wohl auch von der sportlichen Leitung des SV Werder. Viele Wochen lang hatte nur seine Torflaute als Thema gegeben. Dabei wurde fast Werders Aufholjagd übersehen (immerhin hatte Werder schon 7 Punkte Rückstand auf Schalke). Dann machte Klose sich seinen Triumph nach den Toren gegen Alkmaar und Dortmund durch das Treffen mit den Bayern selbst wieder kaputt. Danach schienen selbst Tore und Vorlagen nichts mehr retten zu können. Mit aller Macht wurde eine erneute schwache Leistung Kloses gesucht um diese dann mit den vorangegangenen Ereignissen in Verbindung zu bringen.

Dabei wird übersehen, dass Klose nach Bekanntwerden der "Affäre" gegen Espanyol zwar schwach gespielt hat (wie der Rest der Mannschaft auch), vier Tage später gegen Bielefeld jedoch schon wieder ein Tor und eine Vorlage zu verbuchen hatte. Seine Schwalbe im Halbfinal-Rückspiel gegen Barcelona war allerdings zu spektakulär, der Abgang zu deprimierend, um ihn nicht als ultimativen Beweis für Kloses derzeitige Indisponiertheit auszulegen. Der Liebling der Nation demontiert sich selbst durch ein Treffen mit den bösen Bayern und begeht dann – weil er dem Druck nicht standhält – diesen dummen Fehler, die seine Mannschaft den UEFA-Cup Titel kostet. Viel zu "schöne" Geschichte, als dass man auf sie verzichten könnte. Dabei ist es dann auch egal, ob sie nur ein Märchen ist.

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32. Spieltag: Die Wiederwiederwiedergeburt

Hertha – Werder 1:4

Totgesagte leben länger. Werder wurde in dieser Saison schon mehrmals für tot erklärt. Genau wie Werder auch schon mehrfach vergöttert wurde. Erstaunlich ist, dass Werder immer in den Situationen größter Bewungerung gescheitert ist. Am FC Barcelona, an Schalke, nochmal an Barcelona (diesmal Espanyol) und letzte Woche an Bielefeld. Andererseits schafft es Werder nach niederschmetternden Ergebnissen immer wieder aufzustehen. Wenn der Druck am höchsten ist und es wirklich darum geht, einen Absturz zu verhindern, rauft sich die Mannschaft jedoch regelmäßig zusammen und bringt Topleistungen (Beispiele: Heimspiel FC Barcelona, Bochum, Alkmaar, Berlin). Neu ist, dass die Aufs und Abs in immer kürzeren Abständen kommen (wie ich vor einiger Zeit schon einmal angedeutet habe). Den Abstürzen von Barcelona (Espanyol, langsam wird es verwirrend) und Bielefeld erfolgte eine Wiederauferstehung der Moral am letzten Donnerstag, der leider aus bekannten Gründen nicht belohnt werden konnte, und nun die der Spielkunst.

Der Vorwurf lautete noch vor einer Woche, die Spieler kämen mit dem Druck nicht zurecht. Erstaunlich ist aber, dass Werder unter negativem Druck, also wenn es darum ging den Anschluss zu halten, meistens brilliert hat. Nur wenn es darum ging, sich selbst für die ganzen Strapazen zu belohnen, wurde Chance um Chance verschenkt. Es wäre nur allzu passend, wenn die Konkurrenz ein weiteres mal patzen und Werder erneut die Chance ungenutzt lassen würde. Wie schön wäre doch eine weitere Public Viewing Veranstaltung auf dem Domshof am letzten Spieltag mit krönendem Abschluss auf dem Bremer Flughafen, wo der Meister gebührend empfangen wird. Sehr wahrscheinlich ist dieses Szenario nicht, da zumindest eine der Mannschaften vor uns in der Lage sein sollte, das Ding nach Hause zu schaukeln. Doch irgendwie schafft es diese Mannschaft mit nur einem Spiel, mich wieder vom ganz großen Ding träumen zu lassen. Wenn er sich doch nur endlich auch erfüllen würde.

Der U-UEFA Cup (8): Froschsuppe

Werder – Espanyol 1:2

Meine Werderwoche begann gut. Sehr gut sogar. Trotz der beiden herben Enttäuschungen der letzten Woche machte sich seit Montag ein Gefühl bei mir breit, dass alles gut wird. Ein neues Wunder – warum eigentlich nicht? Meisterschaft – wird auch noch! Ich hatte sogar einen Traum, in dem Werder am 33. Spieltag die Tabellenführung übernahm. Alles noch möglich, also warum trübsal blasen?

Am Mittwoch dann eine Pressekonferenz mit Willi Lemke und Frank Baumann. Es ging nicht um Werder, nicht um Fußball, sondern um ein Projekt an der Uni Bremen, an dem ich teilgenommen habe. Der Aufsichtsratsvorsitzende Willi Lemke in Funktion als Bildungssenator und Schirmherr des Projekts. Der Kapitän Frank Baumann als Plakatmotiv für den Martinsclub. Da sitzen sie nun plötzlich vor einem und der Spieler, dem man gerade noch im Fernsehen zugejubelt hat schaut bei seiner Ansprache nervös auf den Boden, wie ein kleiner Schuljunge. Das ganze wirkt sehr unwirklich und für eine kurze Zeit überlege ich, ob ich mir nach der Veranstaltung ein Autogramm holen soll. Ich lasse es bleiben. Erkenntnisse hinterher? Frank Baumann interessiert sich für Marketing, bildet sich neben der Fußballerkarriere darin ein bisschen weiter und fährt einen Audi. Nicht so spannend, wie ein Geheimtreffen zwischen Klose und den Bayern, aber dafür erfreulicher.

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31. Spieltag: Cup der Verlierer

Bielefeld – Werder 3:2

Welch ein Spiel! Eine ganze Saison in nur 90 Minuten. Durch eigene Unkonzentriertheit und Nachlässigkeit in Rückstand geraten, mit viel Aufwand und Engagement zurückgekommen, wieder in Rückstand geraten, wieder zurückgekommen, wieder in Rückstand geraten. Dann war’s leider vorbei. Immer dann, wenn für kurze Zeit das Gefühl aufkam, jetzt könnte was gehen, jetzt könnte Werder das Spiel herumreißen und alles würde gut, genau in diesem Moment wurde alles wieder zunichte gemacht.

Die Moral war da, die Arbeitsbereitschaft war da, nur die Klasse hat gefehlt. Klasse ist eben nicht nur die Fähigkeit dem Gegner das eigene Spiel aufzuzwingen, sondern auch in den wichtigen Momenten voll konzentriert zu sein. Bei einem Freistoß beispielsweise eine gewisse Ordnung einzuhalten oder bei aufgerückter Abwehr einen Zweikampf so anzugehen, dass entweder der Ball gewonnen wird oder zur Not der Gegenspieler durch ein Foul gestoppt wird – aber eben nicht mit dem Ball durchkommt. Diskussionen über Torwartentscheidungen oder -leistungen, über Vertragsverhandlungen oder Verletzungspech lenken vom eigentlichen Problem ab. In den letzten Spielen einer Saison werden bekanntermaßen die Titel vergeben. Die Grundlagen dafür werden zwar vorher geschaffen, aber nun kommen die Spiele, in denen es um viel mehr geht, als um drei Punkte. Egal wie abgedroschen diese Floskel auch sein mag, sie stimmt in sofern, als dass die Nervosität auch bei Profis ein wichtiger Einflussfaktor auf die Leistung ist. Höchstleistung unter größtem Druck abliefern zu können, ist das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zwischen einer Mannschaft, die am Ende die Schale bzw. den Pokal hochhält und einer, die mit hängenden Köpfen den Trostpreis entgegen nimmt.

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