Archiv für den Monat: Juni 2007

Das Weißwurstimperium schlägt zurück

Werder U19 – Bayern U19 2:2

Schon klar, dass ein spöttischer Artikel über den FC Bayern nicht ungesühnt bleiben darf. Aber warum müssen es immer die Kleinsten sein, die es ausbaden?

Am Mittwoch spielte Werders U19 im Halbfinal Hinspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen den Nachwuchs der Bayern. Vor ca. 1.500 Zuschauern auf Platz 11 sicher ein tolles Erlebnis für die Jungs, die das große Interesse mit einer ansprechenden Leistung zurückzahlten. Für mich war es nach bestimmt 5 Jahren das erste Spiel einer (Werder-)Jugendmannschaft, bei dem ich live vor Ort war. Gelohnt hat es sich auf alle Fälle. Erstens nehme ich in der gerade angebrochenen spielfreien Zeit alles mit, was ich bekommen kann. Zweitens konnte ich so dem Vater meiner Freundin (ehemaliger American Football Trainer mit sehr begrenzten Soccer-Kenntnissen), der gerade aus den USA zu Besuch ist, so wenigstens ein bisschen hochklassigen Fußball bieten. Drittens war das Spiel sehr spannend und intensiv. Und viertens war ich kurz im ARD-Mittagsmagazin zu sehen, wo gestern die Höhepunkte des Spiels gezeigt wurden.

Zugegeben, der Platz, den wir uns im kleinen Stadion ausgesucht hatten, war grenzwertig: Mitten zwischen dem etwa zehnköpfigen (dafür aber lautstarken) Bayern-Fanblock und der Auswechselbank des Rekordmeisters. Motto: Keep your friends close, but your enemies closer. Die werden schon sehen, dachte ich mir.

Werder begann stark, mit gutem Passspiel und viel Druck nach vorne. Leider wurden sie nicht belohnt und ließen nach ca. 15 Minuten ein wenig nach. Die Bayern schlugen eiskalt zu und gingen in Führung. Danach gab es ein sehr ausgeglichenes, kampfbetontes Spiel. Werder schaffte noch vor der Pause den Ausgleich, was den doch etwas übermütigen Münchner Anhang zum Schweigen brachte. Die zweite Halbzeit war spielerisch etwas schwächer, aber nicht weniger intensiv. Werder gelang es kaum, sich echte Torchancen herauszuspielen, Bayern blieb durch schnell Konter gefährlich. Dann die Szene des Spiels, aus Bremer Sicht: Ein neuer Stürmer wird eingewechselt, bekommt 20 Sekunden später eine butterweiche Flanke im Strafraum auf den Kopf und hebt den Ball gefühlvoll über den Keeper. Ganz große Klasse! Zum ersten Mal kommt ein bisschen was wie Stimmung auf. Die Bayern antworteten mit einigen wütenden Angriffen, doch die Abwehr stand sicher. Leider fielen die letzten 10 Minuten in doppelter Hinsicht ins Wasser: Erst setzte ein sintflutartiger Platzregen ein, der bis nach Ende des Spiels anhielt. Dann erzielten die Bayern zwei Minuten vor Schluss noch das 2:2.

Vom Tor haben weder ich noch meine Begleiter etwas mitbekommen, da wir krampfhaft versuchten, zu dritt unter einem Regenschirm Platz zu finden. Gebracht hat es nichts, beim Abpfiff waren wir komplett durchnässt, die Bayern jubelten und irgendwo am grauen Bremer Himmel, da bin ich mir ganz sicher, sah ich Uli Höneß – ein Weißbierglas in der Hand – hämisch auf mich herabgrinsen. Geschieht mir ja auch recht.

Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?

Im Freistaat Bayern ist alles noch etwas besser als im Rest Deutschlands: Die Wirtschaft brummt, wenig Arbeitslosigkeit, Moral und Anstand sind dank CSU-Diktatur-Landesregierung allgemein geachtete Werte und auch das Wort Gottes zählt hier noch. Schließlich ist selbst der Papst als Gottes Vertreter auf Erden ein Bayer. Auch der irdische Vertreter des Fußballgottes ist bekanntlich Bayer – auch wenn er sich aus Bescheidenheit normalerweise mit "Kaiser" und nur in Ausnahmefällen mit "Lichtgestalt" anreden lässt.

Da ist es doch eigentlich klar, dass beim FC Bayern nach einem solch bitteren Jahr alles wieder besser werden muss. Jahrelang hat man schließlich bescheiden mit dem Geld hausgehalten und die Überschüsse brav aufs Festgeldkonto eingezahlt, bis es fast geplatzt ist. Vorrathaltung für schlechte Zeiten – während Dortmund und Schalke bis zur Fast-Zahlungsunfähigkeit investierten, um von der Konkurrenz aus Spanien, Italien und England gar nicht erst zu sprechen. Nun sind die schlechten Zeiten da: Trotz eiserner Enthaltsamkeit, wenn es auf dem europäischen Transfermarkt um die fette Beute ging, haben sich schwäbische Sparsamkeit und Bremer Kaufmannstradition einfach so an den Bayern vorbei gedrängt. Und dann dieses ständige Nörgeln der Medien: Die Transferpolitik sei schlecht, die günstigen Perlen würden übersehen und die eigenen Talente nicht richtig geförfert. Dann wird jetzt eben die Schatulle geöffnet und eine Einkaufstour ohne gleichen gestartet. Bitteschön, das haben wir jetzt davon!

Weiterlesen

34. Spieltag: Kraftlos, saftlos, ideenlos?

Wolfsburg – Werder 0:2

Wie aufmerksame Fußballfans sicher gemerkt haben, ist die Saison mittlerweile vorbei. Stuttgart ist Meiser, Nürnberg Pokalsieger, der FC Sevilla gewinnt den UEFA-Cup und Milan setzt sich im Champions League Finale gegen Liverpool durch. Und Werder? Hat zum Abschluss der Saison noch einmal sein Offensivpotenzial ausgeschöpft und in einem (nach der frühen Schalker Führung) belanglosen Spiel den VFL Wolfsburg geschlagen. Die Überschrift bezieht sich also schonmal nicht auf das letzte Saisonspiel des SVW.

Sie bezieht sich – auch wenn es so wunderbar zur momentan vorherrschenden Ansicht passen würde – ebenfalls nicht auf Miro Klose. Der wirkte zwar gegen Ende der Saison immer kraftloser, zeigte sich im öffentlich vorgetragenen (und deshalb überbewerteten) Zwist mit Frings und einem Interview mit der SZ ("Wenn ich fit bin, spiele ich bei jedem Verein der Welt von anfang an") aber alles andere als saftlos. Auch an Ideen scheint es ihm nicht zu mangeln, wenn es darum geht seinen Wechsel zum FC Bayern zu forcieren. Ich werde bestimmt nicht in ein ausgedehntes Klose-Bashing verfallen (das ist in diesem Blog dem HSV und in Ausnahmefällen Uli Höneß vorbehalten), doch die große Sympathie, die ich für ihn hatte, ist fürs erste verflogen. Trotzdem teile ich nicht die Generalkritik an Klose, die sich im Laufe der Rückrunde immer weiter gesteigert hat. Insgesamt hielt sich die Anzahl wirklich schlechter Spiele in Grenzen; die gezeigte Leistung in der Rückrunde entsprach natürlich trotzdem nicht Kloses eigentlichem Leistungsniveau. Nur: Was sagt das über einen Spieler bzw. den Rest der Liga aus, wenn er trotzdem Topscorer wird?

Weiterlesen