Archiv für den Monat: August 2007

Deutschlandtour

Der geneigte Leser wird festgestellt haben, dass hier seit
einer Woche kein neuer Post hinzugekommen ist. Das liegt nicht an genereller
Schreibfaulheit oder dem ein oder anderen peinlichen Ergebnis, sondern an
meinen Urlaubsplanungen. Ab heute bin ich sozusagen als Sonderbeauftragter in
Sachen Werder durch Süddeutschland unterwegs. Unter anderem Frankfurt und
München stehen auf dem Programm; da gilt es, die grünweißen Farben hoch zu
halten. Die nächsten Spiele werde ich daher wohl in etwas anderem Rahmen beobachten
dürften / müssen. Die Erlebnisse werde ich dann nach und nach hier veröffentlichen.
Also nicht wundern, wenn sich hier bis Ende des Monats nichts tut. Im September
geht es weiter – mit einer dann hoffentlich endlich in Schwung kommenden
Werder-Saison.

Meine Top 5 (7)

Nun gut, der Mann hat schon alles gesehen. Alles gewonnen. Alles erreicht, was man als Fußballkommentator erreichen kann. Es gibt wahrscheinlich nichts mehr, was Marcel Reif bei einem Fußballspiel noch überraschen könnte. Das merkt man seinen Kommentaren auch immer mehr an. Fußball ist doch eigentlich ganz einfach. In jedem Spiel passiert im Grunde so ziemlich das Gleiche. Die gleichen Spielzüge, Ballannahmen, Schussversuche. Mal klatscht ein Ball an Pfosten oder Latte. Ein gefühlvoller Pass hier, ein abgefälschtes Glückstor dort. Nur die Kombinationen dieser Ereignisse sind immer wieder neu.

Auch Marcel Reifs Kommentare funktionieren immer mehr nach demselben Muster. Man könnte vermutlich mit den einzelnen (Standard-)Sätzen Marcel Reifs durch neue Zusammensetzung jedes beliebige Fußballspiel kommentieren – was dazu führen könnte, dass er irgendwann durch eine Maschine ersetzt wird, die automatisch zu jeder Spielszene den passenden Satz auswählt. Oder vielleicht hat man das schon vor ein paar Jahren gemacht und keiner hat es gemerkt? Ein Anzeichen dafür ist der folgende Kommentar aus dem Spiel Stuttgart – Schalke am letzten Freitag: "Die Saison 2006/2007 endet mit einem Unentschieden." Wir lernen: auch Maschinen sind nicht perfekt! Heute gibt es daher eine Sonderausgabe meiner Top 5, zu Ehren des Frührentners Marcel Reif. Hier sind die

5 Grundelemente einer Fußballreportage nach Marcel Reif:

5. Beide Mannschaften investieren in das Spiel. Meistens investiert eine Mannschaft mehr als die andere, was aber noch lange nicht heißt, dass sie dann auch gewinnt. Wenn eine Mannschaft ein Gegentor kassiert, ist das aber in der Regel ein Anzeichen dafür, dass sie zu wenig investiert hat.

4. In jedem Spiel begeht irgendein Spieler ein lächerliches Foul. In vielen Fällen bekommt er dafür eine lächerliche gelbe Karte.

3. Eine der beiden Mannschaften hat eine bessere bzw. (man beachte die Formulierung!) reifere Spielanlage. Die wichtigste Aufgabe eines Kommentators in den ersten zehn Minuten des Spiels ist es, diese Mannschaft zu identifizieren. Im Zweifel sind es die Bayern.

2. Gute Spieler machen fast alles richtig während sehr gute Spieler alles richtig machen. Schlechte Spieler hingegen machen nicht – wie man schließen könnte – alles falsch, sondern finden nicht statt.

1. Es gewinnt meist die Mannschaft, die mehr investiert, weniger lächerliche Fouls begeht, die reifere Spielanlage hat und alles richtig macht. Manchmal aber auch nicht. In jedem Fall sollte der Verlierer in der zweiten Halbzeit gebührend niedergemacht werden. Zynismus darf dabei natürlich nicht fehlen. Und nicht vergessen, die eigene Meinung immer dem Spielstand anzupassen. Dadurch kann man geschickt das Analysieren des Spiels umgehen und steht immer auf der sicheren Seite.

1. Spieltag: Gastbeitrag: Katastrophaler Fehlstart!

Bochum – Werder 2:2

Der Ball rollt wieder! Die Spannung vor dem ersten Spieltag war schon sehr groß. Die letzte Saison liegt bereits so lange zurück, dass ich mich kaum noch an sie erinnern kann. Und nun, ganz plötzlich, ist schon ein Vierunddreißigstel der Spielzeit 07/08 vorbei. Höchste Zeit also für ein Zwischenfazit!

Die Bayern dominieren wie erwartet die Liga. Drei Tore erzielte die Mannschaft im Schnitt pro Spiel, wobei Oliver Kahn noch immer seine weiße Weste behalten konnte. Er ist mittlerweile 90 Minuten ohne Gegentor – nur noch 794 Minuten bis zu Timo Hildebrands Rekord. Besonders erfreulich für die Bayern ist der Formanstieg bei Miro Klose, der bislang an jedem Bayerntor beteiligt war und somit wieder einmal Topscorer der Liga ist. Doch nicht nur die Sonnenseite der Liga gilt es zu betrachten, nein, auch die Kellerkinder sollte man genauer unter die Lupe nehmen. Da ist zum einen der VfL Wolfsburg, wo Felix Magath sich augenscheinlich mit seiner Funktion als trainierender Sportdirektor-Geschäftsführer übernommen hat. Wenn es dort nicht bald einschneidende Veränderungen gibt, könnte es schon zu spät sein.

Einen glatten Fehlstart legten auch die als Mitfavoriten um Platz 2 gehandelten Mannschaften aus Stuttgart, Bremen und Gelsenkirchen hin, die alle noch ohne Sieg sind. Fehler bei der Mannschaftszusammenstellung sind hier mehr als offensichtlich: Bei Schalke und Bremen macht sich das Fehlen von Lincoln und Klose bemerkbar, die nicht adäquat ersetzt werden konnten. Der Meister aus Stuttgart kann hingegen nicht verbergen, dass seine Spieler nach der erfolgreichen letzten Saison satt, bzw. nicht mehr erfolgshungrig genug sind. Nun muss der noch vor kurzem als Trainer des Jahres gefeierte Armin Veh zeigen, dass er auch in Krisensituationen die Mannschaft im Griff hat. Parallelen zu Thomas Doll in der letzten Saison und Klaus Toppmöller 02/03 sind nicht zu übersehen!

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Meine Saison im Spiegel

Was soll man machen, wenn man das hier sieht? Klage wegen Ideenklaus? Oder lieber annehmen, dass auch andere die gleiche Idee hatten? Sich vielleicht sogar eingestehen, dass man die monatsweise Saisonvorschau doch nicht selbst erfunden, sondern irgendwo anders abgekupfert hat? Ich entscheide mich lieber dafür, zu glauben, dass sich unter meinen Lesern ein Spiegelautor befindet, dem meine letzten beiden Posts ganz gut gefallen haben…

Meine Saisonvorschau Teil 2

Januar: Werders Winterpause verläuft wie immer: Trainingslager in der Türkei, Wechselgerüchte um Ivan Klasnic (angeblich gibt es ein Angebot vom HSV…), die ein oder andere Testspielniederlage. Wenigstens die Verletztenliste fällt im Vergleich zur Sommerpause bescheiden aus. Lediglich Carlos Alberto und Per Mertesacker schlagen sich mit kleineren Blessuren herum. Zum Auftakt geht es dann gleich in die Vollen: Pokalspiel gegen die Bayern. Nach hartem Kampf über 120 Minuten geht es schließlich ins Elfmeterschießen, wo Tim Wiese über sich hinaus wächst und drei von vier Elfmetern hält. Werder im Viertelfinale gegen den KSC. Spieler des Monats: Tim Wiese.

Februar: Wiedersehen macht Freude: Die Revanche in der Allianzarena gewinnen die Bayern klar mit 2:0 und verpassen Werders Titelhoffnungen einen Dämpfer. Überraschungsmannschaft Hannover 96 springt für einen Tag auf Rang 3 (legt daraufhin aber eine Serie von 7 sieglosen Spielen in Folge hin und wird am Ende Achter). Für Werder wird es in der Champions League nun richtig ernst: Achtelfinal Hinspiel gegen Inter. Durch Tore von Naldo und Sanogo gewinnt Werder mit 2:1. Frings sieht in der Nachspielzeit die gelb-rote Karte und muss im Rückspiel zuschauen. Spieler der Monats: Markus Rosenberg.

März: Der Meisterschaftszug ist nach der Heimniederlage gegen Duisburg (Doppeltorschütze: Ailton) abgefahren – jetzt gilt es, die Champions League Plätze nicht aus den Augen zu verlieren. Dafür weiß Werder in den Pokalwettbewerben zu überzeugen: In Mailand hält Werder über 90 Minuten ein 0:0 (ohne Wiese-Patzer) und zieht zum ersten Mal ins Viertelfinale ein. Im DFB Pokal winkt hingegen schon der erste Titel der Saison: Nach Siegen über den KSC und Borussia Dortmund steht Werder im Finale gegen den Zweitligisten aus Hoffenheim. Borowski erzielt in beiden Spielen den entscheidenden Treffer und wird so erneut zum Pokalhelden. Spieler des Monats: Carlos Alberto.

April: Schlechter Scherz: Am 1. April verliert Werder bei Olympique Lyon mit 1:4. Die Chancen auf ein Erreichen des Champions League Halbfinales schwinden damit auf ein Minimum. Beim Rückspiel eine Woche später wird ein erneutes Wunder von der Weser nur durch eine falsche Abseitsentscheidung verhindert: Almeidas Tor zum 3:0 in der 88. Minute wird aberkannt. Rechnung aus der Saison 04/05 leider nicht beglichen. Dafür gilt jetzt die volle Konzentration der Liga. Drei Tage später werden die kriselnden Schalker mit 5:2 aus dem Stadion geschossen. Ivan Klasnic erzielt dabei sein erstes Saisontor und verkündet nach dem Spiel seine Vertragsverlängerung bis 2010. Die Bayern werden am 30. Spieltag gegen den VfB Stuttgart vorzeitig Meister und können damit das schmerzhafte Ausscheiden aus dem UEFA Cup gegen – welch Ironie! – Dinamon Zagreb ein bisschen vergessen machen. Mit Bochum steht unterdessen der erste Absteiger fest. Der Saisonhöhepunkt für Werder steigt am 19.4. in Berlin: Durch Tore von Sanogo, Diego und Carlos Alberto gewinnt Werder zum sechsten Mal den DFB-Pokal. Spieler des Monats: Diego.

Mai: Beim Kampf um die Champions League Plätze droht ein Herzschlagfinale: Drei Spieltage vor Ende liegen Dortmund, Stuttgart, Werder, Leverkusen und der HSV nur zwei Punkte auseinander. Werder ertrotzt in Unterzahl ein 2:2 in Hamburg und nutzt am 33. Spieltag die Stuttgarter Niederlage in Wolfsburg um auf Platz 3 zu klettern. In Leverkusen lässt Werder die Fans dann lange zappeln, ehe Aaron Hunts Siegtor für grenzenlosen Jubel sorgt. So stehen am Ende Platz 3 in der Liga und der Pokalsieg zu Buche, was Thomas Schaaf – emotional sichtlich überwältigt – von einer "tollen Saison" sprechen lässt. Ein besonderes Lob gab es von ihm für die feiernden Fans auf dem Bremer Domshof: "Ich grüße natürlich auch alle in Bremen. Ihr habt uns immer super unterstützt und ihr wart auch spitzenklasse!" Arnd Zeigler tritt auf der abschließenden Pokalfeier mit einer eigens für den im Eventtrikot herausgespielten Pokalsieg gedichteten Version seines größten Hits auf: Lebenslang army-lemon. Welcher Spieler nach der Saison seinen Wechsel zu Schalke 04 bekannt gibt, behalte ich an dieser Stelle lieber für mich. Spieler des Monats: Naldo und Torsten Frings.

Abschlusstabelle:

  1. Bayern
  2. Dortmund
  3. Werder
  4. Stuttgart
  5. Leverkusen
  6. Schalke
  7. HSV
  8. Hannover
  9. Nürnberg
  10. Wolfsburg
  11. Hertha
  12. KSC
  13. Cottbus
  14. Duisburg
  15. Bielefeld
  16. Rostock
  17. Frankfurt
  18. Bochum
  19.    

Torschützenliste:

  1. Toni, 23 Tore
  2. Ailton, 18 Tore
  3. Sanogo & Klose, je 16 Tore
  4.    

Meine Saisonvorschau Teil 1

Noch drei Tage, dann geht es richtig los mit der Saison 2007/08. Höchste Zeit für einen kleinen Ausblick auf das, was da kommen mag. Nachdem ich letzte Saison mit meinem Abschlusstabellentip wie immer ordentlich daneben lag, wage ich diesmal einen noch tieferen Blick in die Kristallkugel:

Die Hinrunde:

August: Nach einem trotz aller Verletzungssorgen gelungenen Saisonstart der Grünweißen – inklusive einem 1:0 Heimsieg gegen die Bayern und dem Erreichen der Champions League – kann der August doch noch unter der Kategorie "erfolgreich" abgehakt werden. Für die größte Überraschung sorgt Energie Cottbus mit drei torlosen Unentschieden zum Auftakt. Spieler des Monats: Boubacar Sanogo.

September: Nach und nach füllt sich der Werder-Kader wieder mit dem dafür vorgesehenen Stammpersonal. Der Champions League Auftakt bei Real Madrid misslingt trotzdem. Auch in der Liga lässt Werder Federn und liegt mit 5 Punkten Rückstand hinter Überraschungstabellenführer Dortmund auf Rang 4 – einen Platz vor den Bayern. Für Aufsehen sorgt Ailton mit 5 Toren in 2 Spielen, die seinem Club MSV Duisburg leider nur zu einem Punkt verhelfen. Spieler des Monats: Per Mertesacker.

Oktober: Langsam kommt Werder in der Champions League in Schwung. Höchste Zeit nach dem schwachen Start mit nur einem Punkt aus zwei Spielen. Beim AS Rom gewinnt Werder nach einem Dreierpack von Markus Rosenberg mit 3:1. In der Liga läuft es leider nicht ganz so gut. Überzeugenden Siegen (4:1 gegen Bielefeld, 3:0 gegen Hertha) folgen immer wieder herbe Rückschläge (0:2 beim MSV Duisburg durch Ailtons Saisontore 7 und 8!). Wenigstens wird die dritte Pokalrunde mit einem lockeren Erfolg gegen Jena erreicht. Lautes Raunen in der Sportschau, als Glücksfee Karl-Heinz Riedle für die nächste Runde ein Heimspiel gegen die Bayern auslost. Spieler des Monats: Tim Borowski.

November: Diego hängt in einem Loch. Die lange letzte Saison ohne wirkliche Pause macht dem kleinen Brasilianer zu schaffen, zumal er auch in dieser Saison noch kein Pflichtspiel verpasst hat. Zur Länderspielpause bekommt er 10 Tage Sonderurlaub verordnet. Dafür läuft insbesondere das defensive Mittelfeld zu großer Form auf. Frank Baumann und Torsten Frings sorgen für die nötige Stabilität und dafür, dass Werder in den Europacup-Rängen bleibt. Gleichzeitig gelingt den Bayern eine Serie von nunmehr 6 Siegen in Folge. Felix Magath fängt sich mit seinem VfL Wolfsburg gar eine 6:0 Klatsche bei seinem alten Arbeitgeber und muss daraufhin als erster Trainer der Saison seinen Stuhl räumen: Platz 14 nach 14 Spieltagen ist dem VW Vorstand nicht ausreichend. Das wichtigste Tor des Monats schießt unterdessen Hugo Almeida beim knappen 1:0 Heimsieg gegen Real. Damit braucht Werder im abschließenden Spiel in Salzburg nur noch einen Punkt um sicher ins Achtelfinale einzuziehen. Spieler des Monats: Torsten Frings.

Dezember: Riesen Fan-Auflauf auf Platz 11: Ivan Klasnic gibt bei den Werder Amateuren nach fast einem Jahr sein Comeback. Gegen den den VfB Lübeck wird er in der 76. Minute unter Riesenaplaus eingewechselt und legt Harnik umgehend das Tor zum 2:2 Ausgleich vor. Für die Profis läuft es in der Liga hingegen weiter holprig: Unentschieden gegen den HSV, Niederlage in Hannover. Wenigstens der Abschluss zuhause gegen Leverkusen verläuft versöhnlich. Bei winterlichen Temperaturen zeigen sich unsere Brasilianer von ihrer besten Seite. Diego, Naldo und der immer besser in Schwung kommende Carlos Alberto sorgen beim 3:1 Erfolg für die Tore. Nur wenige Tage vorher hat Alberto Werder durch das entscheidende Tor zum 2:1 bei Red Bull Salzburg ins Achtelfinale der Champions League geschossen: Platz 2 hinter Real. In der Liga überwintert Werder einen Punkt hinter Stuttgart auf Rang 5. Spieler des Monats: Carlos Alberto.

Fortsetzung folgt morgen…

Ob Bremen oder Lilienthal, hauptsache England!

Werder-Kapitän Frank Baumann ist als ruhiger, besonnener Mann bekannt. Er führt die Mannschaft unauffällig und lässt in der Öffentlichkeit eher selten markige Sprüche ab – wozu haben wir schließlich Torsten Frings und Tim Wiese? Es ist zwar abgedroschen, aber Baumann kann man wohl zu Recht als Ruhepol der Mannschaft bezeichnen. Ob Frank Baumann dieses Image gefällt, weiß ich nicht. Und ich weiß auch nicht, ob stille Wasser nun unbedingt immer tiefer sind als fließende. Eines aber weiß ich: Der Mann hat Humor. Er zeigt ihn nicht oft und passt dabei von seiner Art her perfekt zu Werder. Kaum zu glauben, dass er, der so norddeutsch-unterkühlt wirkt, wie Schaaf, Eilts und Konsorten, in Wirklichkeit Bayer ist (genaugenommen Unterfranke, doch für uns Bremer fangen die Alpen ja schon gleich hinter Hannover an!).

Zu Saisonbeginn wird den Vereinsmitgliedern kostenlos das Fanheft "Werder-Spezial" zugeschickt. In diesem Jahr hatte ich zum ersten Mal diese Ehre. Wichtigste Bestandteile sind neben Interviews, Mannschaftsfotos und Haake-Beck Werbung die Steckbriefe der Spieler. Jeder Spieler, der zum erweiterten Profikader gehört, darf hier auf einer DIN A4-Seite 20 mehr oder weniger interessante Fragen beantworten. Das Ergebnis erinnert an mein altes Poesiealbum und taugt bestenfalls als Lesestoff für die Sommerpause. Für nichts anderes ist es schließlich auch gemacht. Nur zu verständlich, dass nicht jeder Spieler diesen Fragebogen gerne ausfüllt. So begegnet man allerlei Standardsprüchen und leeren Phrasen mit dem Unterhaltungswert einer 9Live Ratesendung. Zwischendurch findet sich jedoch auch allerdings auch das eine oder andere Schmankerl. Etwa wenn Petri Pasanen mit nur einem Wort kritisch die letzte Saison reflektiert:   

F: Wer ist in dieser Saison Werders größter Konkurrent um die deutsche Meisterschaft?

A: Werder Bremen

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DFB Pokal, 1. Runde: Survival of the Fattest

Eintracht Braunschweig – Werder 0:1

Werder U23 – 1.FC Köln 4:2 n.V.

Charles Darwin hat in der Evolutionstheorie ausführlich den natürlichen Ausleseprozess beschrieben, durch den die am besten an ihre Umwelt angepassten Lebewesen fortbestehen, während die anderen nach und nach aussterben. Ähnlich ist es bei Pokalwettbewerben im Fußball. Nicht unbedingt die beste Mannschaft gewinnt, sondern die, die sich am besten an ihre Umwelt (hier: ihren Gegner) anpassen kann. So lange man immer einen Tick besser als der jeweilige Gegner ist, erreicht man die nächste Runde. Richtig stark spielen muss man nur gegen starke Gegner. Die Bayern haben schon oft bewiesen, dass diese Taktik auch in der Liga funktioniert.

Es gibt also noch Hoffnung für Werder, nach der mit "durchwachsen" noch nett beschriebenen Leistung in Braunschweig gestern. Ein Tor in der 90. Minute reichte, um das Spiel mit Glück und etwas Geschick zu gewinnen und einen schlechten Saisonauftakt zu verhindern. Um mehr konnte es nach der problematischen Vorbereitung und der Verletztenmisere auch nicht gehen. Von einem Survival of the Fittest kann man bei diesem Spiel aber nun eigentlich nicht sprechen. Die Braunschweiger waren in vielen Bereichen überlegen und müssen es für einen schlechten Scherz der Natur halten, dass sie in diesem Spiel ausgeschieden sind. Was auch immer sich Mutter Natur dabei gedacht hat, Werder in die zweite Pokalrunde einziehen zu lassen – es ist eine merkwürdige Art ausgleichender Gerechtigkeit. Gegen einen Frings mit gesundem Kreuzband würde ich trotzdem gerne tauschen!

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Machbare Aufgaben und böse Überraschungen

Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht. Und der deutsche Fußball-Bauer kennt nicht sehr viel. Zumindest nicht den Fußball, der im Ausland irgendwo gespielt wird. Ist ja eigentlich auch nicht weiter schlimm, schließlich weiß der durchschnittliche italienische oder spanische Fußballfan auch eher wenig über den MSV Duisburg oder Rot-Weiß Oberhausen. Störend ist an der Sache nur, dass das Unbekannte immer auch gleichbedeutend ist mit minderwertig. Hierzu trägt der deutsche Fußball-Größenwahn natürlich mit bei. Gerade deshalb lässt es sich so herrlich über das Versagen deutscher Mannschaften in den europäischen Wettbewerben herziehen. Auf der anderen Seite versuchen die Beteiligten (meistens die Trainer) dann, die öffentliche Meinung in die entgegengesetzte Richtung zu steuern in dem der nächste Gegner immer zum stärksten erklärt und generell bestritten wird, dass es noch kleine Gegner gibt. Das ist natürlich ebenso Quatsch, aber legitim um die Erwartungen des Umfelds im Zaum zu halten.

Eine differenzierte Herangehensweise sucht man in der Regel vergeblich. Und gerade die, die am lautesten reden, wissen meist am aller wenigsten. Man kann von einem Fußballreporter auch nicht unbedingt große Kenntnisse über die fußballerischen Fähigkeiten von, sagen wir, Uniao Lieria, Strömsgodset IF oder der Nationalmannschaft Armeniens erwarten. Doch wenn ein Spiel einer deutschen Mannschaft gegen einen solchen Gegner ansteht, machen sich wenigstens die Kommentatoren die Arbeit, ein wenig über ihn in Erfahrung zu bringen (was dann im schlimmsten Fall zu Auswüchsen à la Beckmann führt). Doch gerade die prominenteren "Experten" vom Schlag Breitner, Netzer oder Lattek sind meist erstaunlich ahnungslos. Warum sollten sie sich auch die Mühe machen, ihre jahrzehntelang gepflegten Ansichten zu überdenken? Netzer wusste schließlich schon vor 30 Jahren, dass die Zyprioten nicht Fußball spielen können.

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