Archiv für den Monat: Februar 2009

UEFA-Cup Zwischenrunde, Rückspiel: Schnee von heute

AC Milan – Werder Bremen 2:2

Fußball ist ein merkwürdiger Sport.

Da spielt Werder das große AC Milan eine Halbzeit lang in dessen eigenem Stadion an die Wand und am Ende steht es 0:2. Da rührt Milan in der zweiten Halbzeit Kaugummi an, woraufhin Werder kaum noch schnell kombinieren und nur noch wenig Druck aufbauen kann und plötzlich steht es 1:2. Dann hakt der Livestream und ich sehe nur noch grünweißen Torjubel: 2:2. Auch nach dem Tor hat Werder die besseren Chancen, könnte das Spiel entscheiden. Eigentlich würde das nun darauf hindeuten, dass Milan doch noch der Sieg gelingt. Aber der Fußballgott hat ein Einsehen und lässt die Bremer nach 180 mit extrem hohem Aufwand und gerade noch ausreichender Effektivität geführten Minuten weiterkommen.

So ganz kann ich es immer noch nicht glauben. Es ist lange her, dass die Bremer solch einen dicken Brocken wirklich geschlagen haben. Es gab Achtungserfolge, keine Frage. Doch die waren zumeist in der Gruppenphase der Champions League. Für die Topteams lästiges Pflichprogramm, für Werder die große Bühne. Da kann man vor eigenem Publikum schon mal Inter schlagen, oder Real Madrid, oder Chelsea. Letztendlich sind die drei aber weiter gekommen und Werder nicht. Als es um die Wurst ging, hat Werder in Barcelona verloren oder auch in Turin. Ajax Amsterdam hat man vor zwei Jahren im UEFA-Cup mal ausgeschaltet, aber das war nicht das glanzvolle Ajax der 70er oder Mitte der 90er.

Der letzte vergleichbare Erfolg auf internationaler Bühne war das Weiterkommen in der Champions League 2004/2005, als man den damaligen spanischen Meister und amtierenden UEFA-Cup Sieger FC Valencia hinter sich ließ. Doch Valencia hat trotz Meisterschaften, UEFA-Cup und zwei Finalteilnahmen in der Champions League (2000, 2001) halt nicht so einen klangvollen Namen wie AC Milan.

Es wird sie trotzdem geben, die ja, abers. Und das auch zu Recht. Milan hat insgesamt viel zu wenig getan, um das Weiterkommen zu erzwingen. Defensiv war die Leistung erschreckend schwach. Vor allem bei hohen Bällen hat die Milanabwehr die Bremer nie in den Griff bekommen. Dazu haben mit Ronaldinho und vor allem Kaka wichtige Spieler gefehlt. Auch das fortgeschrittene Alter viele Milangrößen wird wieder ein Thema sein. Vor zwei Jahren konnte die Mailänder Altherrentruppe die Kritiker noch mit dem Gewinn der Champions League zum Schweigen bringen. Spätestens nachdem sie vor einem Jahr von Arsenals Schülermannschaft im CL-Achtelfinale eine Lehrstunde erteilt bekam, war der Kredit jedoch aufgebraucht. Die Altersdiskussion wird mit Sicherheit weitergehen.

Trotzdem schmälert das Werders Sieg nicht. Chancenverwertung hin, Abwehrschwächen her, das war – vor allem angesichts Werders derzeitiger Situation – eine ganz starke Leistung und dafür gebührt der Mannschaft Anerkennung. Es wäre zu hoffen, dass die Spieler inzwischen gelernt haben, mit der Anerkennung umzugehen. Die jüngere Vergangenheit legt nahe, dass das ein frommer Wunsch bleiben wird. Doch das ist Schnee von morgen. Heute zählt nur das Hier und Jetzt. Und das Hier und Jetzt ist gut.

Werder mag über die gesamte Saison gesehen nur Mittelmaß sein. Mittelmäßig war Werder selten. Eine graue Maus schon gar nicht. Es ist eigentlich Wahnsinn, was man als Werderfan selbst in schlechten Zeiten an besonderen Erlebnissen serviert bekommt: Das 7:0 5:2 in München, das Offensivspektakel gegen Hoffenheim, die emotionale Achterbahnfahrt gegen Dortmund, der Sieg gegen Inter und nun also das Weiterkommen gegen Milan. Das mag alles in keinem Verhältnis stehen, zu den Rückschlägen, die wir in dieser Saison schon hinnehmen mussten. Man sollte aber nicht vergessen, dass viele Fans auf solche Höhepunkte lange Jahre warten müssen. Jahre voller Frust.

Werder kostet mich vielleicht einige Jahre meines Lebens. Vielleicht wird mir Werder auch etwas früher die ersten grauen Haare bescheren. Doch dafür kann ich mit Ende 20 meinen (imaginären) Enkelkindern schon jetzt mehr interessante Geschichten über meinen Verein erzählen, als die Fans so mancher anderen Mannschaften mit Ende 70. Und ich möchte nicht tauschen.

HSV-Bashing (21)

Es ist lange her, liebe Hamburger, dass ihr in diesem Blog gebasht wurdet. Ist ja eigentlich auch etwas albern. Doch eine gesunde Rivalität unter Nachbarn kann nicht schaden und alte Traditionen soll man pflegen. Deshalb gibt es also nach langer Zeit mal wieder eine neue Folge des allseits beliebten HSV-Bashings.

Vor ziemlich genau zwei Jahren, am 22. Spieltag der Saison 2006/07 wart ihr zu Gast im Weserstadion. Die Vorzeichen waren dabei so klar wie selten: Wir spielten gegen Schalke und Stuttgart um die Meisterschaft und ihr wart Tabellenletzter und musstet euch ernsthafte Sorgen um eure Stadionuhr machen. Doch dann gewannt ihr das Spiel und alles kam ganz anders.

Seitdem hat sich viel verändert. Eure Verantwortlichen haben viel richtig gemacht und so dürft ihr heute gegen Wolfsburg um die Tabellenführung spielen, während wir mit den Bayern um Platz 18 in der Rückrundentabelle ringen. Zum ersten Mal seit vielen, vielen, vielen, VIELEN Jahren könnte man den Eindruck bekommen, ihr wärt auf dem Weg, uns als Nummer Eins des Nordens abzulösen. Ich kann mir gut vorstellen, wie ihr euch darüber freut, dass die kleinen Bremer endlich auch mal wieder mit einer Krise zu kämpfen haben. Und das ist auch völlig ok so. Es sei euch gegönnt, dass von Milliardären gefütterte Inselvereine horrende Beträge für leicht überdurchschnittliche Spieler überweisen. Auch, dass die Dortmunder so freundlich waren, euch die "Tormaschine" Zidan abzunehmen und im Gegenzug einen Weltklassespieler wie Petric zu euch schicken. Es ist ja nicht so, als wäre euer Erfolg nur dem Zufall entsprungen.

Ich kann das so unumwunden eingestehen, weil mir euer Beispiel Hoffnung gibt. Damals, vor zwei Jahren, seid ihr von Platz 18 noch in den UI-Cup und darüber dann in den UEFA-Cup gekommen. Ein perfektes Beispiel, wie man aus einer verkorksten Saison noch etwas zählbares mitnehmen kann. Geschichte wiederholt sich nicht, doch vielleicht endet diese Saison mit umgekehrten Vorzeichen: Hamburg landet am Ende auf Platz 3 hinter dem Überraschungsmeister Hertha BSC, den bis zum 34. Spieltag niemand ernst genommen hat und Werder kommt noch mit Ach und Krach ins internationale Geschäft (den UI-Cup gibt es zum Glück nicht mehr, also darf es gerne auch der UEFA-Cup sein). Und selbst wenn nicht, können wir uns vielleicht trotzdem etwas bei auch abschauen: Vom HSV lernen, heißt Nicht-Absteigen lernen.

Einen kleinen Seitenhieb kann ich mir dann doch nicht verkneifen (der Beitrag muss ja schließlich seinem Titel gerecht werden): Dass wir nun eure supermoderne Fußballarena bezahlen sollen, finde ich dann doch etwas dreist!

Mit besten Grüßen von der Citibank Weser!

Das Leben der Anderen (3): CL Achtelfinalhinspiele

Werder spielt erst Donnerstag im UEFA-Cup beim AC Milan. Das Spiel wird wie erwartet nicht im deutschen Fernsehen übertragen und auch nicht bei Werder.TV. Man muss also entweder auf Live-Streams hoffen oder mit der neunzig minütigen Liveübertragung im Radio vorlieb nehmen. Grund genug, sich mal auf den anderen Plätzen Europas umzuschauen. Die Champions League geht in die nächste Runde:

FC Arsenal – AS Rom 1:0

In der ersten Halbzeit war es ein Spiel, wie man es erwarten konnte: Arsenal mit viel Offensivkraft, viel Ballbesitz (so um die 65%) und auch durchaus mit guten Torchancen. Leider kamen auch die Schwächen im Torabschluss wieder zum Vorschein. Es gab Zeiten, da hätten die Gunners wesentlich mehr aus solchen Chancen gemacht. Das Spiel war typisch für Arsenal auf technisch hohem Niveau, aber auch sehr umständlich. Hätte Mexes kurz vor der Halbzeit nicht Robin Van Persie im Strafraum von den Beinen geholt, bin ich mir nicht sicher, ob die Londoner überhaupt ein Tor geschossen hätten. Der Niederländer verwandelte den Strafstoß selbst und sorgte für die verdiente Pausenführung. Rom war bis dahin nur sporadisch vor dem Arsenal Tor aufgetaucht, war dann aber immer gefährlich und hatte einige gute Chancen.

In Halbzeit zwei investierten die Römer mehr in das Spiel und verlagerten es etwas aus ihrer Hälfte heraus. Arsenal versuchte sich nun mehr an schnellen Gegenstößen, konnte aber aus den sich bietenden Chancen wieder nichts machen (Eboué! Bendtner). Rom hatte Probleme, das eigene Angriffsspiel aufzuziehen, verlor die Bälle spätestens 30 Meter vor dem Tor. So plätscherte das Spiel dann bis zum Abpfiff vor sich hin, vermutlich auch, weil beide Mannschaften mit dem Ergebnis leben können: Arsenal hat einen Vorsprung herausgeholt und kein Gegentor kassiert, Rom wird sich darüber freuen, dass man nur mit einem Tor unterschied verloren und so durchaus noch Chancen aufs Weiterkommen hat.

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UEFA-Cup Zwischenrunde, Rückspiel: Spielbericht

(Spielbericht erstellt aus meinem Live-Blog bei Twitter.)

Vor dem Anpfiff:

So, es ist
angerichtet: Milan-Werder, Rückspiel in der UEFA-Cup Zwischenrunde.
Schafft Werder im Guiseppe-Meazza-Stadion eine Überraschung?
Nach dem 1:1 im Hinspiel braucht Werder einen Sieg oder ein Unentschieden mit mindestens 2 geschossenen Toren um weiterzukommen. 5 Minuten vor Anpfiff meckert der Live-Stream plötzlich. Geht ja gut los heute.

Aufstellung:

Werder: Vander – Fritz, Merte, Naldo, Pasanen – Frings, Tziolis, Özil, Diego – Almeida, Pizarro

Milan: Dida, Zambrotta ,Senderos, Maldini ,Favalli – Pirlo, Beckham, Ambrosini – Seedorf, Pato – Inzaghi

Das Spiel:

1' Und los geht's. Mit wackeligem Bild, das kann ja was werden…

2' Erste Chance Pizarro! Schießt aus 20 Metern halblinks drauf. Knapper Meter neben den rechten Pfosten!

6' Werder legt offensiv los, geht früh drauf. Milan lässt es ruhig angehen. Diego mit Torschuss aus 20 Metern in Didas Arme.

10' Riesenchance Pizarro, der in eine Flanke gerade noch den Fuß reinhalten kann. Gut gehalten von Dida!

12' Das Bild läut bei mir leider nicht flüssig, hoffe ich verpasse hier keine entscheidenden Szenen!

14' Senderos
nagelt Diego mitsamt Ball um. Gibt keinen Freistoß. Hab ich auch so
gesehen. Auf der Gegenseite Kopfballchance Milan nach Ecke.

16' Diego ist in der Anfangsphase überall. Hoffentlich wird sein hoher Aufwand belohnt. Nächster Schuss in die Arme von Dida. Bild läuft jetzt flüssig.

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Frisch eingetroffen: Werders Neuverpflichtungen

Rechtzeitig zum Karneval hat mir ein anonymer Mitarbeiter der Werdergeschäftsstelle – nennen wir ihn Klaus A. – eine strenggeheime Liste mit Werders Neuverpflichtungen zur Saison 2009/2010 zugespielt. Passend zur närrischen Jahreszeit kommen alle Spieler in Verkleidung.

Und hier sind sie:

Lionel Ossi
LionelOssi


Kevin Kohlrabi

KevinKohlrabi

Ronald McDonaldinho
RonaldMcDonaldinho

David Beckhambauer
DavidBeckhambauer

Rune Bratwurst
RuneBratwurst

Wenn dass mal keine Verstärkungen sind. Und dass mir jetzt niemand mehr über Werders Transferpolitik meckert!

21. Spieltag: Fußball am Morgen schafft Kummer und Sorgen

Cottbus – Werder 2:1

Ich bin derzeit in den USA, wie aufmerksame Leser wahrscheinlich bereits festgestellt haben. In Minnesota genauer gesagt. Neben 7 Stunden Zeitunterschied bedeutet das auch, dass ich die Spieler unserer kriselnden Lieblingsmannschaft nicht live im Fernsehen sehen kann, sondern nur über Live-Streams im Internet. Das Problem dabei ist, neben der teils schlechten Bild- und Tonqualität, vor allem die Unzuverlässigkeit. Es lässt sich nie mit Sicherheit im Voraus sagen, ob man ein Spiel nun sehen kann oder nicht.

Dank der Zeitverschiebung finden die Samstagsspiele für mich nun um 8:30 morgens statt. Im Moment kommt mir mein Jetlag noch zugute, aber bald schon wird es wieder eine Qual sein, samstags um 7:30 aufzustehen und dann mit Frühstücksmüsli in der Hand und Schlaf in den Augen auf einen 10×10 cm großen Bildausschnitt zu starren, in der Hoffnung, dass sich die Pixel zu einer flüssigen Bilderfolge zusammentun mögen. 15 Minuten nach Anpfiff hatte ich gestern endlich einen funktionierenden Stream, der leider (oder Gott sei dank!) den Ton aus dem Cottbuser "Stadion der Freundschaft" (ein Treppenwitz der Fußballgeschichte) nicht mittransportierte.

Vorher konnte ich über einen anderen Stream wenigstens die Bundesligakonferenz sehen, bei der Cottbus – Werder erwartungsgemäß keine große Rolle spielte. Viel verpasst habe ich dabei wohl nicht. Es klappt momentan einfach gar nichts, die Verunsicherung  der Mannschaft ist so tiefgreifend, dass kleine Erfolgserlebnisse, wie etwa eine glückliche Führung gegen Cottbus, nicht mehr stabilisierend wirken. Wie gegen Gladbach war die Führung schon nach wenigen Minuten wieder verspielt und nur durch etwas Glück lag Werder eine Minute später nicht schon im Rückstand. Auch wenn Werder danach durchaus noch Chancen hatte, das Spiel zu gewinnen, war das 1:2 in der letzten Minute ein Nackenschlag mit Ansage.

Man kann der Mannschaft ja nicht vorwerfen, dass sie nicht will. Das war höchstens gegen Bielefeld so. Ansonsten stimmte bei den Spielen zumindest der Einsatz. Gegen Gladbach und Milan betrieb man extrem viel Aufwand und wurde dafür nicht belohnt. In der jetztigen Situation scheint es keine Rolle mehr zu spielen, ob Werder ein Offensivfeuerwerk abbrennt, wie gegen Gladbach, mit Kampf dagegenhält, wie auf Schalke oder uninspiriert lange Bälle nach vorne schlägt, wie gegen Cottbus. Am Ende sieht das Ergebnis immer gleich aus. Gegen Gladbach hätte es einen Kantersieg geben können, gegen Milan eine gloreiche Europapokalnacht, gegen Cottbus wenigstens einen "Arbeitssieg". Gab es aber nicht.

Die altbekannten Probleme (Disziplinlosigkeit, Führungslosigkeit auf dem Platz) taugen nur bedingt als Erklärung. Es sollte für Bundesligaspieler möglich sein, ihre Aktionen zumindest halbwegs mit denen ihrer Nebenleute abzustimmen. Bei Werder fehlt diese Koordination gerade völlig. Bei Standards werden die Zuordnungen nicht eingehalten, bei Ballverlusten dauert es zu lange, bis sich die Mannschaft verschiebt um die Gefahr zu unterbinden. Im Angriff passen die Laufwege oft nicht. Man spricht immer von den "Mechanismen", die in einer Krise greifen. "Wenn man hinten drin steht, will der Ball eben nicht ins Tor." Oder auch: "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß" (nicht wahr, Herr Fritz?). Alles schon tausendmal gehört und gesehen. Genaso wie Mannschaften, die eine solche Krise überwinden und plötzlich wieder befreit aufspielen. Die Frage ist, ob Werder es schafft, sich irgendwie selbst aus dem Dreck zu ziehen, bevor plötzlich die Bielefelds, Bochums und Cottbusse von hinten anklopfen.

Mein Live-Stream hat letztendlich bis zum Abpfiff durchgehalten. Eigentlich ist nach so einem Ergebnis der ganze Tag für mich gelaufen. Dummerweise hatte ich nach Spielende noch den ganzen Samstag vor mir. Fußball am Morgen ist einfach nicht mein Ding.

UEFA Cup Zwischenrunde, Hinspiel: Eine nachträgliche Stimmungsbeschreibung

Werder – Milan 1:1

Ich sitze gerade (Freitag, 20.2., Anm.d.Verf.) am Flughafen Schiphol in Amsterdam und warte auf meinen Flug nach Minneapolis. Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, schreibe ich nun einige Eindrücke vom UEFA-Cup Spiel am Mittwoch auf. Ich hatte das eigentlich schon gestern vor, doch leider ließen es meine Reiseplanungen nicht zu. Deshalb jetzt also nachträglich.

Zum Spiel selbst brauche ich nicht viel schreiben. Ich nehme an, jeder Leser dieses Blogs hat das Spiel entweder live oder auszugsweise gesehen, bei Twitter die Live-Tweets meiner Konkurrenz Kollegen von @WerderNews verfolgt oder zumindest einen der zahlreichen Spielberichte gelesen (den von kicker.de finde ich außerordentlich zutreffend). Werder spielte engagiert, mit viel Einsatz und Aufwand gegen ein kühles, taktisch wie technisch starkes, allerdings auch etwas lebloses Team aus Milan. Das 1:1 ist sicher kein Wunschergebnis im UEFA-Cup. Es setzt Werder für das Rückspiel unter Zugzwang (wenn schon unentschieden, dann wäre ein 0:0 wegen der Europapokal-Arithmetik besser gewesen). Trotzdem war es ein Spiel, das viele alte Stärken unserer Mannschaft wieder zum Vorschein brachte – einige langjährige Schwächen jedoch leider nicht verbergen konnte.

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Darf ich vorstellen: AC Milan

Da ich heute im Stadion sein werde und T-Mobile es bislang nicht geschafft hat, mir mein bestelltes iPhone zuzuschicken, kann ich vom Spiel gegen Milan leider nicht live bloggen/twittern (es sei denn, es passiert ein kleines Wunder und das Handy wird heute Nachmittag noch geliefert).

Ich könnte jetzt Gerhard-Delling-mäßig überleiten: Ein kleines Wunder braucht auch Werder heute Abend. Doch das wäre nicht zutreffend. Milan hat genug eigene Schwierigkeiten in der Serie A und Werder hat kein Problem, auf diesem hohen Niveau für die Dauer eines einzelnen Spiels mitzuhalten. Fehlende Konstanz lässt sich im UEFA-Cup gut vertuschen. Pokalspiele kommen der Mannschaft sicher mehr entgegen, als der Bundesliga-Alltag. Es muss kein Punkterückstand aufgeholt werden. Die Mannschaft startet von der selben Position, wie ihre 31 verbliebenen Konkurrenten. Endlich muss einmal nicht über die Frage diskutiert werden, ob Werder nur noch Mittelmaß ist. Das kann auch für die Spieler befreiend wirken. Ähnliches gilt aber auch für Milan.

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Dominanz (2)

Barcelonas Siegesserie ist nach 19 Siegen aus 20 Spielen beendet. Das Unentschieden am Samstag bei Betis Sevilla war der erste Punktverlust seit dem 23. November.

Eine andere beeindruckende Serie geht hingegen weiter: Samuel Eto'o hat in bislang 22 Ligaspielen 23 Tore geschossen (Ibisevic, anyone?). Saisonübergreifend hat er in den letzten 40 Ligaspielen 39 Tore erzielt! Und den wollte Barca im letzten Sommer verkaufen…

Diego im Aktuellen Sportstudio (Alternatives Ende)

Samstag Abend, ZDF, Aktuelles Sportstudio. Es moderiert Michael Steinbrecher Zu Gast ist Werders Mittelfeldstar Diego.

Steinbrecher: Kommen wir nun zu Ihnen und Ihrer Verantwortung. Sie haben mal in einem Interview gesagt: "In meinen Venen fließt Blut." Wenn man die Szene sieht, auf die Sie das bezogen haben, muss man sich fragen, ob es da nicht eher um Bluthochdruck geht.

Diego: Ich bin es leid, immer wieder über diese gleiche Geschichte zu reden. Ich habe einen Fehler gemacht. Ich möchte jetzt nicht mehr darauf eingehen.

Steinbrecher: Ich erkläre Ihnen mal, warum wir darauf eingehen. Die Statistik sagt ja schließlich, dass Werder viel erfolgreicher mit Ihnen spielt, als ohne Sie. Aber mal eine ganz andere Frage: Haben Sie ein Handy und machen Sie damit auch Fotos? Ich kann Ihnen da sonst einen ganz tollen Vertrag anbieten, da ist das Handy für 1 Euro schon mit dabei…

Diego: Ich habe ein Handy und ich mache auch manchmal Fotos von meiner Familie.

Steinbrecher: Nervt es Sie, dass Sie immer unter meiner Beobachtung stehen?

Diego: (genervt) Nein. Ich bin ein ganz normaler Mensch und ich versuche nur mein Leben zu leben. Ich trainiere viel und will nur Fußball spielen.

Steinbrecher: Unsere reizende Assistentin stellt sich jetzt mal zu Ihnen und ich mache ein Foto. Das verkaufe ich dann meistbietend an die Klatschpresse.

Diego: Ich lasse mich mit allen Fans gerne fotografieren, egal wie hässlich sie sind.

Steinbrecher: Es wird ja immer viel geschrieben. (lüstern) Auch über Sie und Sarah Connor. Was Sie da immer so treiben, wie ist sie denn so, die Sarah? Die hat's doch faustdick hinter den Ohren, das seh ich doch… (wieder ernst) Wir vom Sportstudio interessieren uns nicht für das Privatleben von Sportlern. Es ist uns egal mit welchen Frauen Sie… nech? Knick-knack und so. (mit viel Pathos in der Stimme) Wir interessieren uns für Persönlichkeiten. Und die Persönlichkeiten mit denen sie poppen! Nervt Sie das oder steigert das Ihren Marktwert?

Diego: Nein, für mein Image ist es nur wichtig, was ich auf dem Platz bringe. Ich will nur gut Fußball spielen, aber ich respektiere die Medien.

Steinbrecher: Aber WIR – und das wissen Sie vom Aktuellen Sportstudio – wir dramatisieren nichts, wir verharmlosen nichts. Dass Sie mit Alkohol am Steuer sitzen, ist nicht in Ordnung, aber ich will auf was anderes hinaus. Sind Sie der neue David Beckham?

Diego: Nein ich will nur Fußball spielen. (ärgerlich und vom Dolmetscher nur unzureichend übersetzt) Und es reicht mir jetzt langsam!

Steinbrecher: Aber WIR – das kennen Sie vom Sportstudio – tun nur unsere Arbeit und die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, wie die Sarah Connor denn nun so ist im Bett.

Diego: (springt auf und greift Steinbrecher mit beiden Händen um den Hals) In meinen Venen fließt Blut!

Steinbrecher: Ächzgrftsprrr… Hilfää!

Wolf-Dieter Poschmann und Johannes B. Kerner kommen ins Studio gelaufen und versuchen die beiden zu trennen.

Schnitt. Einspieler über den Rodel-Weltcup im Zweisitzer.

Hier ist die Version, die beim ZDF ausgestrahlt wurde. Die Embed-Funktion hat man sicherheitshalber deaktivieren lassen. Die werden schon wissen warum…