Archiv für den Monat: März 2009

Gino Basteri’s Live Blog: Deutschland – Liechtenstein

Heute spielt Deutschland im Leipziger Zentralstadion gegen Liechtenstein um Punkte in der WM-Quali. Um 20 Uhr ist Anpfiff. Gino Basteri bloggt dann an dieser Stelle live vom Spiel.

Live-Blogging vs. Twitter

Als ich vor knapp 10 Wochen (länger ist es wirklich noch nicht her) beschlossen habe, mein Blog fortzusetzen, war es mein großer Wunsch, wann immer möglich auch live von den Werderspielen zu bloggen. Ich hatte allerdings wenig Ahnung von den technischen Dingen. Selbst programmieren kam nicht in Frage und mit den verfügbaren Live-Blogging-Tools kannte ich mich auch nicht aus. Dazu kommt, dass selbst viele wirklich gute Live-Blogger mit mehreren Jahren Erfahrung nur eine Handvoll Leser anlocken, die dann auch kommentieren. Als blutiger Anfänger sah ich da nicht wirklich eine Chance für mich.

Daher entschloss ich mich, Twitter als Live-Blogging-Alternative zu nutzen. Über Twitter erreicht man schnell und unkompliziert eine Vielzahl an Menschen. Statt Interessenten erst auf die eigene Website zu lotsen, können diese ganz problemlos bei Twitter mitlesen und darüber auch ihren eigenen Senf zu den Spielen abgeben.

Abgesehen davon ist Twitter nicht wirklich mit einem Live-Blog vergleichbar. Die Beschränkung auf 140 Zeichen macht sich im Ergebnis deutlich bemerkbar. Es hat eher den Charakter eines Tickers, der schnell und direkt über die wichtigsten Ereignisse informiert. Ausführliche Beschreibungen einer Situation, etwa der Entstehung eines Tores, sind kaum möglich, es sei denn man verteilt sie auf mehrere "Tweets". Die "Follower" werden es einem kaum danken, denn durch die ohnehin schon hohe Taktfrequenz kann man den Leuten auch schnell auf die Nerven gehen.

Mein Fazit nach 10 Wochen "Live-Tweeting" ist dennoch weitgehend positiv. Das Feedback ist gut und Spaß macht es auch. Inzwischen sind auch die meisten Fußball-Blogger bei Twitter vertreten, so dass sich die Kommunikation tendenziell aus den Blogs zu Twitter verlagert. Ich sehe das aber nicht als Bedrohung für die Blogs, im Gegenteil. Ohne Twitter hätte ich heute wohl nicht annähernd so viele Leser, wie ich heute habe. Und wegen des 140-Zeichen-Limits werden die Sachdiskussionen auch weiterhin in den Blogs stattfinden.

Ich habe in den letzten Tagen trotzdem ein bisschen mit Live-Blogging-Software herumgespielt. Ich weiß noch nicht genau, ob ich sie in Zukunft auch selbst einsetzen werde, doch es wird trotzdem ab sofort Live-Blogging auf dieser Seite geben: Mein Freund Gino ist ein selbst ernannter Kenner der europäischen Fußballszene und wird uns unter der Überschrift "Gino Basteri's Live Blog" an seiner Expertise teilhaben lassen. Ich habe ihm freie Hand bei der Auswahl der Spiele gelassen, mit Ausnahme von Werderspielen und Spielen, die zeitgleich dazu stattfinden. Das "Idiotenapostroph" werde ich ihm hoffentlich noch austreiben…

Erster Termin ist morgen (Samstag) mit dem Länderspiel Deutschland gegen Liechtenstein. Ich bin gespannt, wie Gino sich schlägt!

25. Spieltag: Radio Detection and Ranging

Dortmund – Werder 1:0

Was soll ich schreiben? Ich könnte mich lange über Werders Fehler in diesem Spiel auslassen. Oder über die Elfmeterentscheidung, die aus meiner Sicht auch heute, mit einem Tag Abstand, noch falsch ist. Wobei der Schiedsrichter ganz sicher nicht der Grund für Werders Niederlage war. Ich könnte mich über die in den letzten Wochen weitgehend verschlossen gehaltenen, doch jetzt wieder auftretenden Lücken in der Abwehr aufregen, obwohl die Defensive gar nicht Werders eigentliches Problem war. Ich könnte mich auch über das gestern nicht vorhandene Offensivspiel ärgern, weshalb man es mit zunehmender Spieldauer trotz 65% Ballbesitz immer weniger geschafft hat, die Defensive zu entlasten. Oder darüber, dass Werder die wenigen Torchancen zu leicht verschenkt hat. Dass Pizarro zwar richtigerweise den Volley aus 6 Metern als Aufsetzer spielt, aber trotzdem nicht aufs Tor bringt (trotz Traumtor gegen Stuttgart: Die Schusstechnik!). Oder dass Almeida trotz besserer Schusstechnik wenige Minuten vorher aus ähnlicher Situation in die Wolken ballert, statt es wie Pizarro per Aufsetzer zu versuchen.

Aber ich will mich heute nicht ärgern. Ich will auch nicht analysieren. Ich weiß nicht, ob es nur ein Rückschritt war, auf den zwei Schritte nach vorne folgen werden, oder ob es einen Rückfall in die mühsam überwunden geglaubte Krise gibt. Ich kann auch nicht sagen, ob der Stress durch den im Vergleich zum BVB harten Terminplan etwas damit zu tun hat. Ich werde aus der Mannschaft nicht schlau und will es heute auch nicht werden.

Deshalb habe ich mir einen fußballfreien Sonntag genommen, der wirklich entspannt war. Die Ergebnisse aus Gelsenkirchen und Liverpool wurden zur Kenntnis genommen. Mehr nicht. Im Gegensatz zur Sommer- und Winterpause konnte ich es heute sogar genießen, dass es keinen Fußball gab. Ein seltenes Ereignis.

Auf eine Sache möchte ich noch hinweisen: Das Europäische Fußballradar. Kollege Probek hat 30 Fußballblogger zur Abstimmung über die derzeit besten europäischen Fußballclubs gebeten. Das Ergebnis präsentiert er nun in seinem Blog. Mit Manchester United, Liverpool und Barcelona sind die erwarteten Größen auf den ersten drei Plätzen gelandet. Wie zu erwarten schaffen es die Bayern (5.) als einzige deutsche Mannschaft in die Top 10. Werder teilt sich mit AZ Alkmaar und Dynamo Kiew Platz 19, was für eine Mannschaft aus dem Mittelfeld der Bundesliga sicherlich nicht schlecht ist. Aus Deutschland sind nur noch Hertha BSC (13.) und der HSV (16.) besser platziert.* Eine tolle Idee, die hoffentlich weiterleben wird. Es ist geplant, diese Abstimmung monatlich zu wiederholen. Wer mitmachen möchte, wende sich bitte an Probek.

Meine eigene Liste (in Klammern die Position im Fußballradar):

  1. (1)   Manchester United
  2. (2)   FC Liverpool
  3. (2)   FC Barcelona
  4. (7)   Inter Mailand
  5. (4)   FC Chelsea
  6. (6)   FC Arsenal
  7. (8)   Real Madrid
  8. (5)   FC Bayern
  9. (11) FC Porto
  10. (9)   Juventus Turin

* Da jeweils nur Punkte für die besten 10 Mannschaften vergeben werden konnten, nimmt die Aussagekraft bei den Mannschaften jenseits der Top 10 allerdings deutlich ab.

Zu Gast in Belgien

Vor ein paar Tagen hat mich Björn von THOR WATERSCHEI – Fußball ist Kultur in seinen Gästeblock eingeladen. Da wir bei den Belgiern aus Genk (im Gegensatz zu ihren Fast-Namensvettern aus Gent) in der Vergangenheit schon gute Erfahrungen gemacht haben, habe ich die Einladung selbstverständlich angenommen.

Wer also meinen kleinen Gastbeitrag über die Geschichte eines Werderfans lesen möchte, der klicke auf diesen Link. Für aufmerksame Leser diese Blogs ist das zwar alter Wein in neuen Schläuchen, aber der schmeckt ja bekanntlich auch (vor allem, wenn es ein guter Jahrgang ist).

Wem THOR Waterschei kein Begriff ist, der sollte der Seite unbedingt mal einen Besuch abstatten. Ich weiß nicht, ob Björn wirklich Belgier ist. Was er in seinem Blog schreibt, ist aber absolut lesenswert: "Neuigkeiten und Anekdoten aus der weiten Welt des Fußballs. Denn Fußball ist Kultur und schreibt die schönsten Geschichten."

Dem kann und will ich nichts weiter hinzufügen.

25. Spieltag: Spielbericht

Borussia Dortmund – Werder Bremen

(Spielbericht erstellt aus meinem Live-Blog bei Twitter.)

Vor dem Spiel:

Da ich erst wenige Minuten vor Anpfiff nach Hause gekommen bin, musste die Vorberichterstattung leider ausfallen. Für Werder ging es um die vermutlich letzte Chance noch einmal in die Nähe der internationalen Plätze zu kommen. Für Dortmund ging es darum, nicht zu weit hinter Platz 5 zurückzufallen und die Bremer auf Distanz zu halten. Ausfälle bei Werder: Naldo (Rotsperre), Baumann und Rosenberg. Jensen mit Nasenbeinbruch zunächst nur auf der Bank.

Aufstellungen:

Werder: Wiese – Prödl, Mertesacker, Pasanen, Boenisch – Niemeyer, Tziolis, Özil, Diego – Pizarro, Almeida.

BVB: Weidenfeller – Owomoyela, Subotic, Santana, Dede – Kehl, Tinga, Kringe, Hajnal – Frei, Valdez.

Das Spiel:

1' Alles etwas chaotisch bei mir heute. Aber jetzt bin ich immerhin pünktlich zum ANpfiff zuhause. Los geht's!

4' Werder versucht gleich Druck zu machen. Geht früh drauf, aber bislang noch ohne ernsthafte Gefahr für den BVB.

7' Freistoß BVB aus 18 Metern. Guter Schuss von Frei in die Torwartecke, verlädt Wiese, aber 1 Meter daneben.

10' Sehr flottes
Spiel. Chance für Werder durch Almeida, der aber verzieht. Auf der
Gegenseite tankt sich Kehl durch, Boenisch grätscht dazwischen.

15' Dortmund wird stärker, Werder muss wieder früher und konsequenter in die Zweikämpfe gehen.

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UEFA-Cup Achtelfinale, Rückspiel: Feuerteufel

AS St. Etienne – Werder Bremen 2:2

Wenn es im Fußball lästige Pflichtaufgaben gibt, die man erfüllen muss, dann gehört dieses Spiel mit Sicherheit dazu. Werder zeichnete sich in dieser Saison bisher nicht unbedingt dadurch aus, diese lästigen Pflichtaufgaben mit voller Konzentration anzugehen. Die Motivation gegen die großen Mannschaften stimmte hingegen. Doch bei allem Respekt, den man einem Gegner im Achtelfinale des UEFA-Cups entgegen bringen muss: St. Etienne ist keine große Mannschaft.

Umso erfreulicher, dass Werder nicht gestolpert und ins Viertelfinale eingezogen ist. Durch das frühe 1:0 und das souveräne Auftreten in der Defensive nahm man den Hoffnungen der Franzosen früh den Wind aus den Segeln. Die schienen daraufhin der Ankündigung ihres Trainers Taten folgen lassen zu wollen und rumpelten dem Ausscheiden entgegen. Zur Halbzeit war das Spiel durch, was Werders Spiel nicht gut tat. Die Mannschaft hat einfach Probleme damit, ein Spiel dahinplätschern zu lassen, ohne sich selbst dabei einzuschläfern. Entweder sie legt wie am Wochenende gegen Stuttgart selbst nach oder sie gerät in Bedrängnis, wie in diesem Spiel oder auch schon im Hinspiel gegen St. Etienne. ASSE tat im zweiten Durchgang viel, um eine Blamage vor eigenem Publikum zu verhindern, hatte jedoch in beiden Spielen nicht die Qualitäten, mehr daraus zu machen.

Überschattet wurde das Spiel von Ausschreitungen einiger Werderfans. Während des Spiels wurden wiederholt Feuerwerkskörper im Bremer Fanblock abgebrannt. Das ist für Werder ärgerlich, da es eine Geldstrafe von Seiten der UEFA geben dürfte, doch an sich ist es noch kein außergewöhnlicher Vorgang. Es ist noch nicht so lange her, dass das Abbrennen von "bengalischen Feuern" im Stadion zum Fußball dazugehörte, wie die Bratwurst und das Bier. Wirklich problematisch ist jedoch, dass eine Rakete aus dem Werderblock in die benachbarte Tribüne geschossen wurde. Es wurde zum Glück niemand verletzt, doch da hört der Spaß dann wirklich auf. Drei Werderfans wurden im Rahmen des Spiels von der Polizei festgenommen.

Klaus Allofs kündigte an, die Verantwortlichen ausfindig machen und bis hin zur Schadenersatzklage zur Verantwort ziehen zu wollen. Auch Stadionverbote drohte er an. Aus Vereinssicht völlig verständlich und richtig, denn noch mehr schlechte Presse kann Werder dieser Tage nun wirklich nicht gebrauchen. Zumal die Spieler sichtlich genervt waren, wie Per Mertesacker bestätigte: "Es ist ja nicht nur gefährlich, sondern man sieht auf dem Platz auch
ganz wenig, ist schon abgelenkt dadurch. Gerade in der zweiten Hälfte
kam noch mal so eine grüne Wolke, obwohl wir mit der Viererkette direkt
davor standen."

Es macht trotzdem einen gewaltigen Unterschied, ob nun in der Kurve ein paar bengalische Feuer gezündet werden, die an sich relativ ungefährlich und in anderen Ligen völlig normal sind (und die dann in den deutschen Medien für die tolle Stimmung in ausländischen Stadien stehen, wie etwa in der "Hölle" von Istanbul), oder ob Feuerwerkskörper in eine Menschenmenge geschossen werden. Einen sehr guten Beitrag dazu habe ich heute bei altravita.com gelesen:

"Es würde mir schon reichen, wenn beobachtet werden würde, dass das
Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion zwar illegal ist, aber für sich
genommen ein harmloses Vergehen. Wenn Bengalos auf Leute geworfen
werden, handelt es sich hingegen um eine Gewalttat von Gewalttätern,
die dafür bestraft werden müssen. Für das Werfen. Nicht für
das Halten. Wenn Bengalos in der Hand für leuchtende Stimmung in der
Kurve sorgen, ist das keine Gewalttat, sondern schlimmstenfalls eine
Ordnungswidrigkeit. Selbst Ultràs sind also erst dann Gewalttäter, wenn
sie Gewalttaten begehen."

Aus der Kategorie priceless war das Interview, das Claudio Pizarro nach dem Spiel einem verdutzten ARD-Reporter gab. Dieser fragte ihn nach seinen Problemen mit der Staatsanwaltschaft in Peru woraufhin Pizarro den Ahnungslosen gab und nach dem dritten Nachfragen schließlich zum Ausdruck brachte, was er von der Angelegenheit hält: "Ach du meinst das Ding da drüben? Da sag ich nichts zu." Der ARD hat das Interview anscheinend so gut gefallen, dass sie den fraglichen Teil einfach aus der Version in ihrer Mediathek gestrichen hat.

UEFA-Cup Achtelfinale, Rückspiel: Spielbericht

(Erstellt aus meinem Live-Blog bei Twitter)

Vor dem Spiel:

Noch 90 Min. bis
zum Anpfiff. Ich befürchte, dass das heute Abend eine ähnlich zähe
Nummer wird wie im Hinspiel. Mein Tipp: 1:1. Eine engagiertere
Leistung als in der 2. Halbzeit des Hinspiels erwarte ich aber schon. Werder ist
international auswärts diese Saison noch ungeschlagen.

Jetzt gilt‘s: Viertelfinale oder raus aus dem internationalen Geschäft. Gleich beginnt das Rückspiel in St. Etienne. Werder nimmt einen 1:0 Vorsprung aus dem Hinspiel mit in die Partie. Die rechnerischen Spielereien dürften bekannt sein. ASSE-Trainer
Perrin hat das Spiel gegenüber den Medien schon abgeschenkt, will
Spieler für den Abstiegskampf schonen. Nur ein Bluff?
Bei Werder ist Baumann gesperrt. Fritz, Pasanen und Jensen fehlen verletzt. Merte ist fit und Naldo darf auch wieder spielen.

Aufstellungen:

Werder: Wiese – Prödl, Mertesacker, Naldo, Boenisch – Frings, Niemeyer, Özil, Diego – Pizarro, Rosenberg

ASSE: Janot – Tavlaridis, Bayal, Benalouane – Varraul, Hautcoeur, Dernis, Matsui, Sauget – Mirallas, Gomis

Das Spiel:

1' Anpfiff

3' Frings passt nicht auf und Boenisch muss für ihn reparieren. Ruhige erste Minute ansonsten.

6' ASSE – Werder 0:1, Prödl. TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR! Ecke Frings von rechts. Prödl kommt mit Anlauf und wuchtet den Kopfball ins Tor. St. Etienne brennt!

9' Fast die
Antwort von St.Etienne. Dernis mit gutem Fernschuss, abgefälscht von
Naldo knapp am Tor vorbei. Dichte Rauchschwaden im Stadion.
Keine Ahnung
wieviel Feuerwerk die Werderfans mitgebracht haben, aber vielleicht wär es
für den Verein billiger, wenn Werder kein Tor mehr schießt.

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Der Fall Born – Eine Chronik

Die Vorwürfe gegen (Ex-)Werder-Boss Jürgen L. Born werden von Tag zu Tag größer. Inzwischen hat Born dem Druck nachgegeben und hat seinen für Jahresende vorgesehenen Rücktritt vorgezogen. Beendet ist die Affäre, die außerdem Werderprofi Claudio Pizarro belastet, damit noch lange nicht.

Eine Chronik der Ereignisse:

Montag, 2.3.2009:

Der Spiegel erhebt in seiner Ausgabe 10/2009 erstmals Anschuldigungen gegen Werder Bremen und seinen Geschäftsführer Jürgen L. Born. Beim Transfer des Peruaners Roberto Silva sollen nur $250.000 der Kaufsumme von $1,35 Mio. an dessen Verein Sporting Cristal Lima überwiesen worden sein. Der Rest ging angeblich an die Agentur Image des Spielerberaters Carlos Delgado, bei der auch Claudio Pizarro (stiller) Gesellschafter ist, und von wo aus das Geld dann verteilt worden sein soll: $895.875 an Pizarro, $10.000 an Limas Sportdirektor und $100.000 an einen gewissen "JB", bei dem es sich um Jürgen Born handeln soll. Born bestreitet die Vorwürfe und behauptet, die gesamte Transfersumme sei an Sporting Cristal Lima gezahlt worden. Diese Behauptung nahm er wenige Tage später jedoch zurück.

Samstag, 7.3.2009:

Spiegel-Online bekräftigt die Vorwürfe gegen Born. Dem Spiegel liege eine Zahlungsanweisung von Delgado an Born vom 29. August 2001 über $50.000 vor, heißt es. Born gibt dem Spiegel gegenüber zu, Geld von Delgado erhalten zu haben. Er könne sich nicht erinnern, ob dies im Zusammenhang mit Silvas Transfer geschehen sei, kann allerdings auch keine andere schlüssige Erklärung liefern. Möglicherweise habe es sich um die Rückzahlung eines Privatkredits gehandelt, den Born Delgado zur Finanzierung einer Weltreise gewährt hatte. Born erklärt weiter, dass er sich als Opfer eines Ehestreits zwischen Delgado und seiner Noch-Ehefrau Fiorella Farré (in einigen Quellen auch Fiorella Fore/Faré) sehe, in dessen Rahmen die belastenden Dokumente an die Öffentlichkeit geraten waren.

Am Samstagabend teilt Born Werders Aufsichtsratsvorsitzenden Willi Lemke mit, dass er seine Ämter bei Werder Bremen bis auf Weiteres ruhen lasse. Daraufhin gibt Werder Bremen eine Pressemitteilung heraus, die den vorläufigen Rücktritt des Geschäftsführers bestätigt. Lemke wird darin folgendermaßen zitiert:

"Die Vertreter des Aufsichtsrates begrüßen und akzeptieren ausdrücklich diesen Schritt von Jürgen Born. Wir werden alles daran setzen, damit es zu einer schnellen Aufklärung der Angelegenheit kommt. Werder Bremen ist für seine solide Geschäftspolitik bekannt, solche Vorwürfe gefährden unser Image. Deshalb werden wir zur Aufklärung einen unabhängigen und renommierten Wirtschaftsprüfer einsetzen."

Zugleich betont Lemke jedoch, dass man solange davon ausgehe, dass sich Jürgen Born korrekt verhalten habe, wie "keine Schuld nachgewiesen wird." Born beteuert seine Unschuld. Er habe keinerlei Zahlungen im Rahmen des Transfers erhalten, wolle jedoch bis zur "endgültigen Klärung des Sachverhaltes" seine Funktionen ruhen lassen.

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24. Spieltag: Treppenwitz der Bremer Fußballgeschichte

Werder – Stuttgart 4:0

Eigentlich würde ich gern über Fußball schreiben. Immerhin hat Werder gerade den ersten Bundesligasieg seit drei Monaten errungen. Doch leider gibt es dieser Tage wichtigere Themen bei Werder Bremen. Die Affären um den inzwischen zurückgetretenen Geschäftsführer Jürgen L. Born und Werderspieler Claudio Pizarro sorgen für viel Wirbel an der Weser. Grund genug, sich einmal mit den Auswirkungen zu befassen (um sich mit dem Fall vertraut zu machen, sei ein Blick in die Chronik der Ereignisse empfohlen).

Wie geht es jetzt weiter?

Für Jürgen Born dürfte es sehr schwer werden, aus der
Geschichte heraus zu kommen. Der Fall wirft so viele Fragen auf, dass
man sich schlicht keine plausible Erklärung mehr vorstellen kann, die
die Vorwürfe entkräften würde. Warum bestreitet Born die Zahlung
zunächst, erinnert sich dann doch, kann jedoch nicht sagen, wofür er
das Geld erhalten hat? Warum kann er dem Aufsichtsrat gegenüber nicht
erklären, warum das Geld auf sein Konto gezahlt wurde, wenn es sich
nicht um eine unerlaubte Bereicherung handeln sollte?

Man muss sich fast zwangsläufig die Frage stellen, ob es sich um zwei schlimme Einzelfälle
handelt oder, ob im Laufe der Ermittlungen noch mehr belastendes
Material gegen Born (und Pizarro) zum Vorschein kommen wird. Fraglich
ist auch die Rolle der restlichen Mitglieder der Geschäftsführung. War
es ein Alleingang Borns, von dem Müller, Fischer und Allofs nichts
wussten? Oder wurde der Vorgang vielleicht stillschweigend hingenommen,
weil man weiß, dass derartige Zahlungen im Fußball nichts
Ungewöhnliches sind?

Spekulationen über mögliche Schwarzgelder,
die bei Spielertransfers auch an Vereinsbosse und -manager fließen
sollen, gibt es schon lange. In Südamerika gilt die Situation als besonders schlimm. In der SZ ruft Jörg Marwedel einen Satz Klaus Toppmöllers in Erinnerung: "Der
normale Fan soll froh sein, dass er nicht weiß, was hinter den Kulissen
vorgeht." Auch gegen den ehemaligen Manager von Bayer Leverkusen Reiner Calmund
hatte es immer wieder Vorwürfe gegeben, er sei in illegale
Transfergeschäfte und Geldschiebereien verstrickt gewesen, was jedoch
nie nachgewiesen worden konnte. Calmund gilt wie Born als exzellenter
Kenner des südamerikanischen Fußballs. Hat man die dortigen
Gepflogenheiten einfach übernommen? Doch warum sollte sich der
hanseatisch wirtschaftende Born auf Kosten eines Vereins bereichern,
für den er auf eigenen  Wunsch ehrenamtlich tätig ist? Vermutlich ist schon allein diese
Frage naiv.

Claudio Pizarro muss noch diesen Monat nach Peru reisen und vor der dortigen Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen gegen Carlos Delgado
aussagen. Dabei wird auch seine eigene Beteiligung am Unternehmen von
Interesse sein. Sollte er sich durch eine Beteiligung an
Steuerhinterziehung und/oder Geldwäsche mitschuldig gemacht haben,
droht ihm sogar eine Gefängnisstrafe. Doch auch, wenn sich die
Anschuldigungen gegen die Agentur Image als falsch erweisen
sollten, oder er zumindest glaubhaft versichern kann, dass er nichts
von den Machenschaften seines Kumpels Delgado gewusst hat, könnte
Pizarro die Beteiligung an Roberto Silvas Transferrechten zum
Verhängnis werden. Wird dies  von der FIFA als aktive Spielervermittlung ausgelegt,
droht ihm eine Sperre von bis zu zwei Jahren. Allerdings galt das ja bis vor kurzem auch noch für zwei Hoffenheimer Spieler…

Unter
diesen Umständen ist es schwer vorstellbar, dass Werder Pizarro über
das Ende des Ausleihvertrags hinaus verpflichten wird. Dies ist momentan
eigentlich nur in zwei Fällen denkbar: Die ganze Geschichte entpuppt
sich als dreiste Fälschung, betrieben durch Delgados enttäuschte Ehefrau
oder Pizarro kann zumindest die Vorwürfe gegen seine Person entkräften
und geht auf Distanz zu Delgado. Beides dürfte sehr unwahrscheinlich sein. Interessant ist zudem, welche
Auswirkungen die Affäre auf Werders Kaufoption für den Peruaner Junior Ross
hat – ebenfalls ein Klient Delgados. Der 23 Jährige ist derzeit an den
FSV Frankfurt ausgeliehen und könnte im Sommer von Werder verpflichtet
werden.

Für Werder heißt es nun, möglichen weiteren Schaden vom Verein
abzuwenden. Es ist von Seiten der Verantwortlichen immer wieder von
einem "Imageverlust" die Rede. Doch das Image wird in erster
Linie durch Werders Taten bestimmt. Der eingeschlagene Weg,
mithilfe eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers für Aufklärung und Transparenz
zu sorgen, ist richtig und sollte weiter beschritten werden. Das könnte
zu schmerzlichen Erkenntnissen und auch Verlusten führen, ist aber der
einzige Weg, das verloren gegangene Vertrauen der Öffentlichkeit zurück
zu gewinnen.

Dass der Ex-Bankangestellte Jürgen L. Born, verantwortlich für Finanzen und
Öffentlichkeitsarbeit, Werder ausgerechnet in seinen beiden
Paradedisziplinen solchen Schaden zufügt, ist ein Treppenwitz der
Bremer Fußballgeschichte. Leider ein sehr trauriger.

24. Spieltag: Spielbericht

(Erstellt aus meinem Live-Blog bei Twitter.)

Vor dem Spiel:

Mahlzeit
zusammen. Mein erstes Werder-Livespiel im TV seit dem 7.2. Und dazu
gibt's von mir, wie angekündigt, natürlich wieder Live-Tweets!
Heute muss in der
Bundesliga endlich der erste Rückrundensieg eingefahren werden.
Heimbilanz gegen Stuttgart: 42 Spiele, 19 Siege, 11 Unentschieden, 12 Niederlagen.
Bei Werder
überrascht die Aufstellung von Niemeyer, die ich allerdings gut finde.
Und wie wird sich die Innenverteidigung ohne Naldo und Merte schlagen?


Aufstellungen:

Werder: Wiese – Pasanen, Prödl, Baumann, Boenisch – Frings, Niemeyer, Özil, Diego – Pizarro, Rosenberg

Stuttgart: Lehmann – Boca, Osorio, Boulahrouz, Träsch – Hitzlsperger, Khedira, Hilbert, Elson – Marica, Gomez

Das Spiel:

1' Das Spiel beginnt wie schon am Donnerstag mit einer Gedenkminute für die Opfer des Amoklaufs in Winnenden. Und jetzt geht es los. Erste Chance Werder. Nach Freistoß Özil kommt Niemeyer mit dem Kopf ran, kann ihn aber nicht kontrolliert aufs Tor bringen.

5' Gemächlicher Beginn. Werder steht bei Ballbesitz VfB tief, spielt kaum Pressing. Viele kleine Fouls.

6' Diego guckt Lehmann aus und versucht es aus 18 Metern mit einem Lupfer. Allerdings deutlich übers Tor.

9' Schiri pfeift kleinlich. Boenisch wird nach einem normalen Zweikampf mit Körpereinsatz zurückgepfiffen.

13' Kurios:
Boenisch knall von der Seitenlinie aus 30+ Metern ein Pfund auf das
EIGENE Tor. Geht ans Außennetz. Wiese ist entsetzt!

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