Archiv für den Monat: April 2009

Muss ich nicht vorstellen: Hamburger SV

In den letzten UEFA-Cup-Runden habe ich an dieser Stelle immer unsere Gegner kurz vorgestellt. Beim HSV dürfte dies wohl kaum nötig sein, liegt das letzte Aufeinandertreffen doch gerade mal eine Woche zurück. In den drei Teilen meines ultimativen Schwanzvergleichs habe ich bereits alles zum Duell gesagt, was ich für wichtig halte. Deshalb als kleinen Appetitanreger für heute Abend nur ein kleines Video:

Arnd Zeigler hat sein Reimlexikon befragt und ausgespuckt hat es die neue Bremer Pokalhymne "Werder, mein Werder".

P.S. Von mir wird es heute Abend leider keine Live-Berichterstattung via Twitter geben. Haltet euch an einfach an @WerderNews auf Twitter, die 11 Freunde oder auch das Live-Blog von Bremen 4u.

Gino Basteri’s Live Blog: FC Barcelona – Chelsea FC

Heute Abend bloggt Gino live vom Champions League Halbfinalhinspiel Barcelona – Chelsea. Anpfiff ist um 20:45, Gino wird ab ca. 20 Uhr für euch da sein. Mit #Ginolive darf gern wieder von Twitter dazwischengefunkt werden.

29. Spieltag: Spielbericht

Werder Bremen – VfL Bochum

(Spielbericht erstellt aus meinem Live-Blog bei Twitter.)

Vor dem Spiel

Werder also heute gegen Bochum. Wichtigstes Spiel des Jahres: Vor dem zweiten Nordderby bloß nicht den Rasen kaputt treten. Werder schont
ganz überraschend die halbe Startelf vom Mittwoch. Ist das Schiebung
beim Kampf um Platz 13? Um Hannover eins auszuwischen?
Werder haut Bochum zuhause traditionell die Hütte voll. Bis auf letzte Saison, wo Bochum das Abseitstor des Jahrzehnts erzielte. Das Premiere Expertenduo kommt zum Schluss, dass am 29. Spieltag doch recht viele Mannschaften gewinnen müssen. Sensationell.

Aufstellungen

Werder: Wiese – Prödl, Merte, Naldo, Tosic (!) – Frings, Tziolis, Niemeyer, Diego – Almeida, Rosenberg

Bochum: Fernandes – Concha, Maltritz, Mavraj, Yahia – Imhof, Pfertzel – Freier, Dabrowski, Bönig – Sestak

Das Spiel

1' Spiel läuft und Diego bleibt gleich mal am Mittelkreis liegen nachdem er den Ball vertändelt hatte. Özil macht sich warm.

4' Erste Ecke Werder nach abgefälschtem Almeida-Schuss. Bringt nichts ein. Diego scheint wieder rund zu laufen.

7' Diego führt einen Freistoß schnell per Hacke auf Almeida aus, aber von Schiri Perl zurückgepfiffen. Schade.

9' Erste gute
Chance Werder: Diego schickt Tosic, der mit guter Flanke auf Rosenberg.
Der Schwede bekommt den Ball aber nicht aufs Tor.

12' Ausrichtung
ist klar: Werder spielt nach vorne, der VfL steht hinten drin und
wartet auf Kontermöglichkeiten. Bislang vergeblich.

16' Werder – Bochum 0:1, Sestak. Joah, kann man so machen. Steilpass von Pfertzel auf Sestak, der frei durch ist und Wiese tunnelt.

18' Man kann nun
wirklich nicht sagen,dass sich das Tor angekündigt hätte. Bochum nahm
bislang nicht am Spiel teil. Dann aber gleich richtig.

21' Frings flankt
aus dem Rückraum auf Almeida, der per Kopf vom 11m-Punkt abtropfen
lässt. Rosenberg trifft jedoch den Ball nicht richtig.

23' Diego dribbelt durchs Mittelfeld, findet keine Anspielmöglichkeit und versucht es mal selbst. Ungefährlicher Schuss.

25' Wenigstens
sind wir nicht die einzigen, die trotz klarer Überlegenheit
zurückliegen. In diesem Sinne schöne Grüße nach München.

27' Die Oskurve singt "Scheiß HSV" und "Über Hamburg fahr'n wir nach Berlin". Auch das zeigt die Wichtigkeit dieses Spiels.

32' Beste Chance
Werder. Naldo und Almeida mit Kopfballverlängerung, Rosenberg nimmt gut
mit, aber bolzt dann 25m drüber. Oh man.

33' Frings holt
sich die 5. Gelbe und darf in Köln zuschauen. Freistoß Bochum aus 20m
Sestak knapp rechts vorbei. 2. Chance Bochum.

37' Also Bochum
macht das schon geschickt, bis 35m vor dem Tor lässt man Werder freie
Bahn und macht dann die 15m vor dem Strafraum ganz eng.

39' Frings mit
ganz starker Vorarbeit auf Rosenberg, der wartet lange auf die Lücke
gegen Fernandes, aber scheitert dann aus spitzem Winkel.

43' Tziolis und Niemeyer sehr aktiv im Spielaufbau, aber erwartungsgemäß ohne kreative Geistesblitze.

44' Werder – Bochum 0:2, Sestak. Zweiter Konter – zweites Gegentor. Wieder Sestak. Auf einer Naivitätsskala von 1-10 liegt Werder heute bei 13.

45' Kurz vor dem
Tor war Diego zu eigensinnig. Statt auf den neben ihm völlig freien
Almeida abzuspielen schießt er selbst drauf.

Halbzeit: Werder
- Bochum 0:2.
Auch die Fans haben gemerkt, dass es noch nicht gegen den HSV
geht und quittieren die Leistung mit Pfiffen.
Ich fühle mich gerade ganz stark an die Rückrunden '07 und '08 erinnert. Ecke für Werder, der Gegner macht das Tor. Sind bei über 20
Grad im Schatten Sprints vom gegnerischem Strafraum zurück zum Eigenen
für einen Fußballprofi überhaupt zumutbar?

Zur Strafe schaue ich jetzt im ZDF dem Lichter beim Kochen zu.

46' Wir spielen weiter. Özil jetzt im Spiel für Frings. Prödl sieht Gelb.

52' Diego sieht
Gelb. Kommentator Lindemann: "Die Bochumer haben schon ihren Ruppsack
dabei." Nein, hat er gar nicht gesagt: "Rucksack"!

55' Werder -
Bochum 1:2, Almeida.
TOOOOOOOOOORRRRRRR!!!!! Özil schickt Rosenberg steil, der legt vor dem Tor
quer auf Almeida. Endlich mal ein richtig guter Spielzug.

60' Özil geht bis zur Grundlinie durch und spielt flach scharf an den langen Pfosten, doch da steht niemand.

62' Pizarro kommt für Rosenberg. Bochum wirkt etwas mutiger, dadurch aber auch mehr Platz für Werder.

65' Pfertzel muss nach einem Foul von Prödl verletzt runter. Für ihn kommt Epallé, der Mann mit der Maske.

69' Letzter Wechsel bei Werder. Clemens Fritz kommt für Prödl.

70' Werder – Bochum 2:2, Naldo. TOOOOOOOOOORRRRR!!!!!! Na also, geht doch. Özil legt auf für Naldo, der von der Strafraumgrenze ins lange Eck schießt.

72' Und Özil fast
mit dem 3:2. Klasse Balleroberung von Almeida, dann Pass von Diego auf
Özil, der per Schlenzer an Fernandes scheitert.

75' Ganz
komisches Spiel. Werder drängt auf das Siegtor, aber insgesamt wirkt
das Spiel sehr bedächtig und langsam. Als wärs ein Sommerkick.

78' Diego mit Traumpass auf Özil, der in den Strafraum zieht, wieder schlenzt und wieder an Fernandes scheitert.

79' Werder -
Bochum 3:2, Diego.
TOOOOOOOOOOORRRRRR!!!!!! Ein Klärungsversuch von Fritz landet im Strafraum
auf Diegos Schlappen. Der trifft ins rechte obere Eck.

82' Bin mir nicht
ganz sicher, wie so ein Ball 6 Meter vor dem Tor vom hünenhaften Diego
ohne Gegenwehr angenommen werden konnte…

84' Freistoß Werder aus 17 Metern nach Foul an Pizzaro. Diego an den Pfosten!

85' Und nochmal Diego mit einem Hammer aus 16 Metern! Gehalten von Fernandes. Werder mit 30:8 Torschüssen.

87' Diego packt
jetzt sein ganzes Repertoire aus. Man of the Match ist für mich aber
Özil, der Werders Spiel in Halbzeit 2 sehr belebt hat.

89' Bochum versucht zumindest noch einen Punkt zu holen, aber eine Schlussoffensive sieht anders aus. La Ola im Stadion.

90+1' Gibt noch eine Ecke für Bochum und… Abseitstor! Puhhh!

Endstand: Werder – Bochum 3:2. Torwart Fernandes erzielte das Tor in der letzten Minute, stand aber wohl knapp im Abseits. Werder dreht dank einer starken zweiten Halbzeit ein 0:2 in einen 3:2 Sieg. Wichtig, dass man hier nicht untergegangen ist! Vor allem die
Einwechslung Özils zur Halbzeit belebte Werders Spiel. Sieg ist
insgesamt verdient, wenn auch durch eigene Fehler erschwert.

"Die Meisterschaft ist nicht das Ziel aller Träume." Ach Franz…

29. Spieltag: Rotieren geht über Verlieren

Werder Bremen – VfL Bochum 3:2

Es ist so ein Sache mit diesen Spielen zwischen den Spielen. Für Werder ging es gegen den VfL Bochum nicht mehr um viel. Nach dem Kraft raubenden Spiel gegen den HSV am Donnerstag und vor dem wichtigen Spiel gegen den HSV am kommenden Donnerstag stand für Werder in erster Linie Regeneration im Vordergrund. Doch abschenken kann man die Liga auch nicht, will man nicht in den Ruf der Schiebung geraten – immerhin spielt man noch gegen die Meisterschaftskandidaten aus Hamburg und Wolfsburg.

Werders Auftreten gegen Bochum zeigte lange diese Zwiespältigkeit. Einerseits war man überlegen und spielte nach vorne, andererseits war man nicht konsequent genug um etwas daraus zu machen. An die Unkonzentriertheiten, die zu den Gegentoren führten, hat man sich als Werderfan ja schon fast gewöhnt. Das 0:2 zur Pause erwies sich dann aber gleich doppelt als Glücksfall für Werder:

Erstens zeigte sich die Mannschaft in ihrer Ehre gekränkt und drehte in Halbzeit zwei endlich auf. Es war völlig legitim, einige Stammspieler zu schonen, das machen andere Mannschaften auch und zumeist noch viel konsequenter. Die Mannschaft, die Werder zu Beginn aufbot, war schlagkräftig. Doch Spieler wie Özil und Pizarro bringen halt doch noch eine andere Qualität mit. Ihre Einwechslungen zahlten sich aus. Özil belebte das Werderspiel ungemein und trieb so auch Diego zu einer ganz starken Leistung in der Schlussphase.

Zweitens ist ein 3:2 nach 0:2 Rückstand sicher gut fürs Selbstvertrauen. Das sollte nach dem starken Auftritt in Hamburg ohnehin vorhanden sein, doch es ist wichtig, nicht sofort wieder einen Rückschlag hinnehmen zu müssen. In dieser Hinsicht war das 3:2 auch besser als z.B. ein lockeres 2:0. Es darf sich nicht wieder das Gefühl einschleichen, es gehe schon alles von alleine. Die Mannschaft ist noch immer anfällig für Anflüge von Überheblichkeit. Und Überheblichkeit kann sie sich in dieser Saison gegen keinen Gegner erlauben.

Der einzige Nachteil könnte der erneute Kräfteverschleiß sein, doch das dürfte eigentlich kein großes Problem darstellen. Fünf Tage hat man Zeit bis zum UEFA-Cup-Spiel, Spieler wie Frings, Özil, Pizarro und Fritz spielten 45 Minuten oder weniger und das Spieltempo gegen Bochum war insgesamt doch moderat.

Richtig wütend macht mich die Leistung von Dusko Tosic. Man konnte mal wieder sehen, dass Tosic ein wirklich guter Linker Verteidiger sein könnte. Er schlägt die mit Abstand besten Flanken unserer Außenverteidiger und bringt eigentlich alles mit, was man für die Position braucht. Doch statt sich einen Stammplatz zu erspielen, hat Tosic in seinen zwei Jahren bei Werder so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Zuletzt stellte Schaaf sogar lieber Fritz auf die linke Seite als Tosic. Trotz nicht gerade übermächtiger Konkurrenz steht er, der im Gegensatz zu etwa Boenisch als gestandener Spieler nach Bremen kam, nun auf dem Abstellgleis, nachdem er es schaffte innerhalb kurzer Zeit Fans, Mitspieler und Trainer mit seinen Aussagen und seiner Trainingsfaulheit zu verärgern. Sebastian Boenisch mag noch so manche Schwäche haben, doch man sieht ihm in jeder Minute des Spiels an, dass er mit vollem Herzblut dabei ist. Und das ist mir tausendmal lieber als ein Spieler, der sein Potenzial so sinnlos verschwendet.

DFB-Pokal Halbfinale: Spielbericht

Hamburger SV – Werder Bremen

(Spielbericht erstellt aus meinem heute sehr Adrenalin geladenen Liveblog bei Twitter.)

Vor dem Spiel:

Gerade noch vor
dem Anpfiff nach Hause gekommen und mit dem Bloggen fertig geworden.
Gleich geht es los mit dem ersten Nordderby!
Kurz vor Anpfiff noch der letzte Teil des ultimativen Schwanzvergleichs zwischen Werder und dem HSV: http://bit.ly/UoIDF. Der Adrenalinspiegel steigt, die Finger werden warmgetippt, das Bier steht noch kalt. Auf geht's Jungs!

Aufstellungen:

Werder: Wiese – Fritz, Merte, Naldo, Boenisch – Baumann, Frings, Özil, Diego – Pizarro, Almeida

HSV: Rost – Demel, Mathijsen, Gravgaard, Aogo – Jarolim, Silva, Guerrero, Jansen – Olic, Petric

Das Spiel:

1' Los geht's!

3' Es ist Stimmung in der Bude! Gellendes Pfeifkonzert gegen Almeida, der in Almeida Rost reinrauscht.

6' Erste Chance Werder. Özil über rechts in den Strafraum, scharfe flache Hereingabe, Almeida verpasst knapp am langen Eck.

10' Noch viele Ungenauigkeiten im Spiel. Doch beide Mannschaften versuchen Druck zu machen, auch wenn der Respekt zu spüren ist.

11' HSV – Werder 0:1, Mertesacker. TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOORRRRR!!!!!! TOR, TOR, TOR!!!!!!! MERTE!!!!!!!!!!!! Diego mit Riesenfreistoß ans Gebälk, Merte macht den Abstauber rein. YES!!!

16' Petric teilt aus im Werderstrafraum aus springt Mertesacker in den Rücken. Spiel mit viel Herzblut und Kampf.

18' Klasseaktion von Guerrero. Zieht von links mit Schwung in die Mitte und schießt aus 22 m drauf. Knapp links daneben.

20' Gelb für Guerrero, der erst sauber von Frings vom Ball getrennt wird und dann ein Revanchefoul begeht.

22' Naldo mit dem Freistoß aus 40m aufs Tor. Nicht einfach für Rost, aber gehalten.

24' Nächster Freistoß Werder aus ähnlicher Position wie vor dem 1:0. Wieder Diego, aber von der Mauer abgefälscht.

26' Vielleicht
liegt's an den Außenmikros, aber die Werderfans machen seit dem 1:0 die
Musik. Und Werder bislang mit ganz starker Leistung!

29' Boenisch mit Freiheiten auf links, von Özil super freigespielt und knallt drauf. Rost lenkt den Ball übers Tor.

30' Werder so
deutlich überlegen, dass es mir ein bisschen Angst macht. Frings und
Diego dominieren das Mittelfeld, dazu starke Teamleistung.

34' Jetzt mal Freistoß Hamburg aus guter Position nach Foul von Pizarro… Petric in die Mauer.

38' Es ist nicht
so, dass Werder hier viele Torchancen hätte, aber man hat den HSV in allen Belangen im Griff. Geht das über 90 Minuten?

40' Ecke Frings und Naldo kommt mit Tempo angesprungen, köpft jedoch klar daneben.

43' Hamburg stört
jetzt früher und konsequenter. Zum ersten Mal im Spiel eine kleine
Druckphase, da Werders Ballsicherheit etwas weg ist.

45' Zwei Minuten Nachspielzeit.

45+2' Nochmal Ecke Werder. Rost fängt ab. Pausenpfiff!

Halbzeit: HSV – Werder 0:1. Meine Herren, ich bin beeindruckt. Weiß nur nicht, ob mehr von Werders Stärke oder Hamburgs Schwäche. Aber Werder wäre nicht Werder, wenn man nicht befürchten müsste, dass man noch mal anfängt zu Wackeln. Hoffen wir das beste.

46' Es geht weiter. Beim HSV kommt Pitroipa für Guerrero um das Mittelfeld zu verstärken.

47' Flanke Jansen, Wiese verschätzt sich, aber Pietroipa verpasst ganz knapp. Riesenchance für den HSV!

49' Fritz klärt etwas überhastet zur Ecke. Naldo köpft raus und Petric mit Drehschuss weit drüber.

56' Ecke Werder durch Diego, per Kopf auf den langen Pfosten verlängert, wo Mathijsen vor Pizza am Ball ist.

59' Werder nicht
mehr so dominant wie in Halbzeit 1, aber Hamburg nur mit 5 starken Minuten,
seitdem wieder viel Leerlauf bei den Rothosen.

61' Zweiter Wechsel beim HSV. Trochowski für Aogo. Jansen geht dann wohl hinten links in die Kette.

64'
Raumaufteilung beim HSV nun besser. Werder etwas zu passiv, jedoch
bislang ohne groß ins Schwimmen zu geraten. Taktisch diszipliniert.

66' Und fast das Eigentor von Gravegaard! Flanke Fritz nimmt er im 5er äußerst unglücklich und lenkt ihn knapp übers Tor!

67' HSV – Werder 1:1, Olic. Erst Großtat von Wiese gegen Olic. Demel im Nachschuss und Olic bekommt den Schlappen dran.

69' Jetzt muss
Werder den Punch aus den ersten 30 Minuten wiederfinden. Derweil eine
Quatschentscheidung von Kircher gegen Pizarro!

73' Freistoß von Naldo landet bei Diego, der sucht die Lücke und lässt sich dann Fallen. Kein Elfmeter.

78' Werder tut wieder mehr nach vorne. Boenisch mit Schuss aus dem Hinterhalt in Rosts Arme. HSV setzt auf Konter.

81' Merte geht mit in die Sturmspitze verstolpert aber nach tollem Diego-Pass aus aussichtsreicher Position.

85' Boenisch marschiert durchs gesamte Mittelfeld und wird dann von von den Beinen geholt. Almeida sieht nachträglich Gelb.

86' Erster Wechsel Werder: Rosenberg für Almeida. Der Wechsel war fällig!

88' Werder zwar mit mehr Ballbesitz und Zug nach vorne, aber das wirkt nicht richtig gefährlich und souverän!

90' Nachspielzeit läuft. 2 Minuten angezeigt.

90+1' Özil setzt sich über links durch, Jarolim senst ihn um und sieht Rot! Das ist ein Hammer!

90+2' Hektik
jetzt. Spieler und Trainerbänke beschimpfen sich. Jarolims Foul war
sehr hart, aber mMn nicht als Notbremse zu werten.

Zwischenstand nach 90 Minuten: HSV – Werder 1:1. Es gibt Verlängerung! Ich glaube nicht, dass es Rot wegen Notbremse war sondern weil Jarolim nicht mal ansatzweise in Richtung Ball geht.

91' Die Verlängerung läuft!

93' So stark Frings in der ersten Halbzeit war, so schwach sind einige seiner Pässe jetzt. Werder am Drücker, HSV hinten drin.

94' Rosenberg mit der Chance! Kaum sag ich was kommt ein Klassepass von Frings, aber Rost rettet gut gegen Rosenberg.

96' Ecke Diego, Kopfball Naldo aufs Tor, wieder stark gehalten von Rost, dem Bremer Pokalhelden von '99.

97' Spiel auf ein Tor. Frings aus der Distanz deutlich drüber.

99' Werder pennt im defensiven Mittelfeld. Unbedrängt kann Boateng 5m vor der Viererkette in die Mitte ziehen und draufschießen!

101' Wenn Boenisch technisch doch nur etwas stärker wäre, dann wäre er ein richtig guter Außenverteidiger.

105' Tziolis kommt für Baumann. Auch dieser Wechsel ergibt Sinn.

Halbzeit
Verlängerung: HSV – Werder 1:1.
Spiel nur noch in Hamburgs Hälfte.
Werder mit Chancen, aber ohne Abschlussstärke und Glück.

106' Weiter jetzt!

108' Freistoßchance Naldo, Rost mit guter Parade.

109' Vier Hamburger setzen sich gegen 7 Bremer durch. Olic mit schwachem Schuss aus guter Position. Zum Glück!

111' Ich springe
gleich in den Fernseher! Was Werder in den letzten 5 Minuten spielt ist
ein schlechter Witz! Trochowski fast mit dem Tor.

112' Wird Rethy dafür bezahlt in der Verlängerung 30 Minuten lang über das Elfmeterschießen zu sprechen?

115' Schnellkurs in schlechter Raumaufteilung: Werderangriff anschauen!

118' Nochmal Ecke Werder. Vielleicht geht ja was nach Standards… Nö. Foul gegen Merte gepfiffen. Hat der Rethy heute ein Statistikbuch gefrühstückt?

120' Pitroipa ganz frei vor Wiese, aber der passt auf und räumt Ball samt Spieler fair ab! Sensationell!

Ende Verlängerung: HSV – Werder 1:1. Es gibt das von Rethy herbeigesehnte Elfmeterschießen.

Elfmeterschießen:

1:0 – Mathijsen schießt unten rechts und trifft. Sehr stark geschossen!

1:1 – Pizarro an den linken Innenpfosten, von dort rein. Das war knapp!

Wiese hält gegen Boateng!!!

1:2 – Özil ganz abgezockt, verlädt Rost.

Wiese hält gegen Olic!!!

1:3 Frings mit Wucht unter die Latte, ganz ganz knapp!

Wiese hält gegen Jansen, taucht in die von ihm aus rechte untere Ecke. Unglaublich! Sensationell!

JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!!!!!!!!!

WIIIIIIIIIIIIIIEEEEEEEEEEEEEEEEEESSSSSSEEEEEEE!!!

BERLIN!!!!!!! BERLIN!!!!!! WIR FAHREN NACH BERLIN!!!!!!!!!!!!!!!!

Endstand: HSV – Werder 1:3 i.E. (1:1 n.V.). Wiese! Mir fällt nichts ein außer JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Danke an alle Follower für Glückwünsche und WIESE-Rufe! Bin noch fertiger als gestern nach dem Arsenal-Spiel. FINALE!!!

Der ultimative Schwanzvergleich (Teil 3)

Und pünktlich vor dem Anpfiff des ersten Nordderbys nun der letzte Teil des ultimativen Schwanzvergleichs zwischen Werder Bremen und dem HSV.

Offensives Mittelfeld

Das offensive Mittelfeld bei Werder hat einen Namen: Diego. Nach einer wechselhaften Hinrunde hat der kleine Brasilianer wieder zu seiner Bestform gefunden und dominiert das Bremer Spiel wie nie zuvor. Diego kämpft, dribbelt, schlägt Traumpässe und macht die Tore auch selbst. In seinen letzte 3 Spielen schoss Diego ganze 5 Tore, und das obwohl er dabei zwei Elfmeter verschoss. Ist Diego richtig fit, ist er der Spieler, der für Werder den Unterschied macht. Er ist eigentlich nur zu stoppen, wenn man ihn durch andauernde Nickligkeiten zur Weißglut treibt und in 1-gegen-1-Duelle um den Mittelkreis verwickelt. Mesut Özil ist der Aufsteiger der Saison in Bremen. An guten Tagen ist er kongenialer Partner für Diego, der durch seine Dribbelstärke und technische Klasse das Angriffsspiel beleben kann. An schlechten Tagen schlurft Özil leider noch zu häufig mit hängenden Schultern über den Platz und verliert das Selbstvertrauen. Aaron Hunt ist auch durch zahlreiche Verletzungen nicht über den Status als Ergänzungsspieler hinaus gekommen. Er hat seine Stärken auf der linken Außenbahn, weist im Vergleich zu Özil aber noch zu viele Schwächen auf. Fürs Pokalspiel fällt Hunt wegen Verletzung genauso aus wie Daniel Jensen, der im Mittelfeld jede Position ausüben kann und neben Diego der einzige wirkliche Spielmacher bei Werder ist.

Der große Aufsteiger im Hamburger Mittelfeld ist Piotr Trochowski. Vor einem Jahr noch ob seiner Nominierung für den EM-Kader belächelt, zeigte sich Trochowski in dieser Saison in beeindruckender Form. Er kann sowohl hinter den Spitzen als auch auf der linken Außenbahn spielen, so dass Jol bei der Wahl des Systems große Freiheiten hat. Im rechten Mittelfeld macht sich Jonathan Pitroipa immer besser. Auf seiner Position könnte ein Schlüsselduell mit Özil stattfinden, da beide viel Offensivpower entwickeln, die Defensivaufgaben jedoch vernachlässigen. Wenn Pitroipa die Lücke zwische Özil und Boenisch auf seiner Seit nutzt, kann er mit seinem Tempo und der inzwischen auch vorhandenen Torgefahr eine große Bedrohung für Werder sein. Der von Schalke ausgeliehene Albert Streit kam in Hamburg bislang nicht zur Entfaltung. Gleiches gilt für Marcel Ndjeng, der nur zu zwei Kurzeinsätzen kam. Thiago Neves wurde nach einer enttäuschenden Hinrunde verlustfrei zurück nach Brasilien verschifft. Ebenfalls nicht zur Verfügung steht der langzeitverletzte Romeo Castelen.

Fazit: Punkt Werder. Die Entscheidung ist enger als man es als Werderfan zugeben will, doch dank Diego hat Werder hier einen Vorteil.

Angriff

Bei Werder ist Claudio Pizarro der erfolgreichste Torschütze. Der von Chelsea ausgeliehene Brasilianer Peruaner ist für Werders Angrfiff extrem wichtig. Durch seine Übersicht und technische Klasse hilft Pizza auch als "Hilfskraft" im Mittelfeld aus und belebt das Kombinationsspiel. Seiner Cleverness und Schlitzohrigkeit stehen jedoch gelegentliche Unkonzentriertheiten im Torabschluss und eine hier und da durchblitzende Lauffaulheit gegenüber. Hugo Almeida ist der Mann mit dem Hammer. Neben einem knallharten Schuss verfügt Almeida auch über eine starke Physis und gutes Kopfballspiel. Almeidas Talent ist offensichtlich, doch jedem Fortschritt des Portugiesen folgt meist schneller Rückschritt. Deshalb ist Almeida auch nicht unumstrittener Stammspieler. Konkurrent Almeidas um die zweite Stürmerposition ist Markus Rosenberg. In der letzten Saison war Rosi mit 14 Treffen bester Torschütze bei den Bremern. Trotz seiner insgesamt starken Trefferquote und Schnelligkeit hat er seinen Stammplatz erstmal verloren. Seine Schwächephasen dauern einfach zu lange. Martin Harnik ist als vierter Mann kein Thema mehr und wurde aus dem Profikader aussortiert.

Ich hielt Mladen Petric lange für den Spieler, der aus dem HSV ein überdurchschnittliches Team macht. Obwohl Petric nach wie vor bester Torschütze der Hamburger ist, hat er momentan nicht einmal einen Stammplatz. Dies ist vor allem der Formsteigerung Paolo Guerreros zu verdanken. Der schon als ewiges Talent verschriene Ex-Bayer blüht in dieser Rückrunde endlich auf und erweist sich immer wieder als entscheidender Spieler der Rothosen. Ivica Olic gehört bereits seit einiger Zeit zu den stärksten Stürmern der Bundesliga. Nach der Saison wird der Kroate, der vor allem über die Außen Gefahr verbreitet zum FC Bayern wechseln. Tunay Torun kam nur zu wenigen Kurzeinsätzen

Fazit: Punkt HSV. Zwar hat Hamburg keinen Dauerbrenner à la Pizarro, doch insgesamt ist die Qualität etwas höher. Rosenberg und Almeida sind im Vergleich zum Hamburger Angriff nicht beständig genug.

Die Trainer

Thomas Schaaf ist bereits seit 10 Jahren Trainer des SV Werder. Eine Meisterschaft und zwei Pokalsiege stehen bislang auf seiner Habenseite. Als größter Erfolg dürften jedoch die fünf aufeinander folgenden Teilnahmen an der Champions League angesehen werden, die in Werders Geschichte beispiellos sind. In dieser Saison wurden Schaaf erstmals Abnutzungserscheinungen nachgesagt. Mit dieser Kritik geht er jedoch äußerst gelassen um. Durch seine stoische Art hat er einen Kultstatus erlangt, wie vor ihm nur Otto Rehagel. Schaafs taktische Fähigkeiten wurden Zeit seiner Karriere eher unterbewertet. Zu deutlich sind bereits seit langer Zeit Werders defensive Schwächen. Doch es gibt keine andere deutsche Mannschaft, die offensiv so variabel spielt wie Werder, was vor allem Schaafs Verdienst ist.

Martin Jol kam vor der Saison neu zum HSV und hat gleich in seinem ersten Jahr beachtliches bewirkt. Hamburg ist in allen Wettbewerben gut vertreten und könnte zum ersten Mal seit 22 Jahren wieder einen Titel an die Elbe holen. Erstaunlich ist der Wandel von einer soliden Defensivmannschaft unter Stevens zu einer offensiv agierenden unter Jol. Zwar hat der HSV deutlich mehr Gegentore kassiert als vor einem Jahr, doch dafür scheint man in den wichtigen Spielen die richtige Balance zu finden. So steht man trotz höchst durchschnittlichem Torverhältnis in der Spitzengruppe der Bundesliga. Unerhört finde ich, dass mir Jol ausgesprochen sympathisch ist – und das obwohl seine letzten beiden Vereine (HSV, Tottenham Hostpur) eher am unteren Ende meiner persönlichen Beliebtheitsskala liegen.

Fazit: Trotz Jols beeindruckender erster Saison geht der Punkt an Werder. Thomas Schaaf ist cleverer als viele denken und hat in seinen 10 Jahren bei Werder bewiesen, dass er zu den besten deutschen Trainern gehört. Diesen Beweis muss Jol in den nächsten Jahren noch erbringen.

Taktitk

Werder spielt seit etwa 6 Jahren hauptsächlich mit einem 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld. Dieses System hat zur Folge, dass der zentrale offensive Mittelfeldspieler (Diego) große Freiheiten genießt, die Mannschaft andererseits jedoch stark von diesem Spieler abhängig ist. In der Bundesliga hat man zuletzt in Abwesenheit Diegos mit einem "flachen" 4-4-2, also mit zwei defensiven Mittelfeldspielern experimentiert. Doch auch im Rautensystem stehen in der Regel zwei eher defensive und zwei eher offensive Spieler auf dem Platz. Werders Stärke liegt im Kombinationsspiel, den Standardsituationen und Einzelaktionen von Diego, Pizarro und ab und an Özil.

Der HSV spielt meistens mit einem flachen 4-4-2, kann allerdings auch das Rautensystem mit Trocho
wski in der Mitte spielen. Die Stärken liegen bei den offensiven Außen, der Geschlossenheit der Mannschaft und dem großen Kader. In dieser Saison haben sich die Hamburger zu einer starken Allroundmannschaft entwickelt, die kaum richtige Schwächen hat. Es wird daher vieles von Werders Form abhängen. Man wird eine ähnlich starke Leistung wie gegen den AC Milan benötigen um Hamburg zu schlagen.

Gesamtfazit

Die Spiele werden vermutlich allesamt knappe Angelegenheiten. Die vielzitierte mystische "Tagesform" (was immer das eigentlich sein soll) wird wohl entscheiden. In Topbesetzung halte ich Werder noch immer für einen Tick stärker als den HSV. Fallen wichtige Spieler aus, hat Hamburg die stärkeren Alternativen auf der Bank.

Ach, was soll's. Ich hab's versucht, aber… WIR haben einfach den Längeren!

Und jetzt: Auf geht's Werder kämpfen und siegen!

Der ultimative Schwanzvergleich (Teil 2)

Hier nun der zweite Teil des ultimativen Schwanzvergleichs. Aufgrund der ungewöhnlich hohen Anzahl der Nordderbys und meiner begrenzten Zeit, wird der Schwanzvergleich noch ein weiteres mal aufgeteilt. Heute vergleiche ich die Defensivabteilungen der beiden Mannschaften. Im dritten und dann wirklich letzten Teil des Schwanzvergleichs folgen dann die Offensivabteilungen sowie die Trainer und Taktik.

Torwart

Vor ziemlich genau 10 Jahren begann die Bundesligakarriere des Frank Rost. Nun gut, eigentlich hatte er schon seit Oliver Recks Weggang 1998 den Stammplatz im Werdertor, doch stand er nach längeren Engewöhnungsproblemen und Patzern in der Kritik. Bis zum Pokal-Halbfinale in Wolfsburg, wo er eine überragende Partie hinlegte und Werder mit zahlreichen Glanzparaden den Finaleinzug sicherte. Als er dann auch noch im Finale das Elfmeterschießen für Werder entschied, wurde er in Bremen bis zu seinem Abgang 2002 zur Kultfigur. Beim HSV hat sich Rost nach seiner Demission auf Schalke inzwischen gut eingelebt. Er gehört wieder zu den besten Torhütern der Liga und ist besonders in der Rückrunde ein wichtiger Rückhalt für seine Mannschaft.

Tim Wiese hat noch immer unter seinem Image als Sonnenbank gebräunter Bodybuilder zu leiden. Dabei ist seine Entwicklung in den letzten 15 Monaten erstaunlich. Im Winter 07/08 begann Wiese damit, sein Spiel umzustellen und wandelte sich von einem reinen Reflexgott auf der Linie zu einem mitspielenden Torwart. Es wird kolportiert, dass er mehr als 10 kg abgenommen hat. Die Belohnung kam in Form einer Einladung zur Nationalmannschaft, wo er bislang keine ernsthafte Chance bekam, doch kontinuierlich eingeladen wird. Wiese spielt eine starke Saison, sein Spiel wirkt insgesamt reifer und ausgewogener. In Berlin wirkte er in 1-2 Situationen unglücklich. Seine Strafraumbeherrschung ist nach wie vor verbesserungsfähig. Dazu kommt die Hypothek, in den letzten 3 Jahren zweimal zu einem großen Teil Schuld an Werders Ausscheiden aus dem Europacup zu tragen.

Fazit: Unentschieden

Innenverteidigung

Per Mertesacker und Naldo bilden eines der körperlich größten Innenverteidiger-Duos des Weltfußballs. Beide sind dank ihrer Größe extrem kopfballstark und weisen auch auf dem Boden sehr gute Zweikampfwerte auf. Eine weitere Stärke der beiden ist die Fähigkeit, im letzten Moment die Grätsche auszupacken und so gefährliche Situationen zu entschärfen. Merte verfügt dazu über ein vorzügliches Stellungsspiel und lässt sich nur schwer aus der Ruhe bringen. Naldos Ruhepuls dürfte nur unwesentlich höher liegen. Er neigt gelelgentlich zu leichtsinnigen Aktionen und Stellungsfehlern. Naldo schaltet sich häufiger in die Offensive ein, wo ihm vor allem sein gewaltiger Schuss zugute kommt. Die Alternativen heißen Sebastian Prödl, Petri Pasanen oder auch Frank Baumann.

Unter Huub Stevens gehörte der HSV noch zu den defensivstärksten
Mannschaften der Liga. In dieser Saison sieht es hingegen ganz anders
aus. Ungewohnte Schwächen in der Viererkette sind einer der Gründe für die bereits 38 Gegentore in der Liga (nur eins weniger als Werder). Die Konstante in der Innenverteidigung ist Joris Mathijsen. Seit Beginn der Rückrunde heißt sein Partner häufig Michael Gravgaard, der in der Winterpause vom FC Nantes verpflichtet wurde. Bastian Reinhardt, bis zur Winterpause noch Stammspieler, ist seit seinem Mittelfußbruch beim Rückrundenauftakt verletzt und kein Thema für die Spiele gegen Werder. Dritter im Bunde ist Alex Silva, ebenfalls ein Neuzugang. Von den möglichen Kombinationen halte ich das Duo Mathijsen – Gravgaard für das stärkste, weil sich die Spieler gut ergänzen.

Fazit: Unentschieden mit leichter Tendenz Werder, wenn die "Twin-Towers" ihre Nerven im Griff haben.

Außenverteidigung

Clemens Fritz hat wohl eine der längsten Formkrisen überstanden, die je ein Spieler ohne Stammplatzverlust durchlebt hat. Hier wird auch schon das Bremer Problem deutlich: Die Personaldecke auf den Außen ist äußerst dünn. Auf rechts ist Fritz quasi konkurrenzlos. Nachwuchsmann und U19-Weltmeister Diekmeier wurde in der Winterpause abgegeben. Aushilfsweise füllt Innenverteidiger Prödl die Position aus, wenn Not am Mann ist. Auf der linken Seite darf der junge Sebastian Boenisch fleißig Spielpraxis sammeln. Zumindest in der Defensive ist bei ihm eine Verbesserung erkennbar. Petri Pasanen, der in der letzten Saison einen sehr anständigen Linksverteidiger abgab, konnte seine Eignung für die Stammelf nicht bestätigen. Der ursprünglich mal als erste Wahl geltende Dusko Tosic ist durch schwache Leistungen in Spiel und Training in Schaafs Gunst so weit gesunken, dass er nicht mal mehr zum Einsatz kommt, wenn auch in der B-Jugend alle Spieler verletzt sind.

Auffälligster Außenverteidiger beim HSV ist in dieser Saison Marcell Jansen. Seit seinem Wechsel vom FC Bayern blüht der frühere Gladbacher wieder auf und macht die schwachen Eindrücke von der EM 2008 vergessen. Dank seiner Offensivstärke kann er auch im linken Mittelfeld spielen. Auf der rechten Seite konkurrieren Jerome Boateng und Guy Demel um den Stammplatz. Ich halte Boateng insgesamt für den Stärkeren. Demel ist vielseitig und beständig, bei Boateng sind die Formschwankungen etwas größer. Wenn es überhaupt einen Weak Spot in der Hamburger Viererkette gibt, dann dort. Hier könnte eine Chance für Werder liegen, falls Özil einen guten Tag hat. Allerdings kann Boateng in Topform einen Spieler wie Özil auch völlig aus der Partie nehmen. Die zweite Garde wirkt deutlich weniger furchteinflößend: Collin Benjamin und der unverwüstliche Thimothee Atouba stellen nicht mehr als Bundesliga-Mittelmaß dar.

Fazit: Der Punkt geht klar an den HSV. Auf Fritz und Boenisch wird gegen die starken HSV-Außen jede Menge Arbeit zukommen. Werder ist traditionell durch die Mitte stärker. Am ehesten könnte Özil über links für Gefahr sorgen.

Defensives Mittelfeld

Die Ära Baumann neigt sich bei Werder ihrem Ende entgegen. Der Kapitän hat in der Rückrunde seinen Stammplatz verloren und wird vermutlich auch gegen den HSV auf der Bank sitzen. Torsten Frings bekleidet in der Rückrunde die Position vor der Abwehr, was seinem Spiel sichtlich gut tut. Der Nationalspieler ist zwar noch weit von seiner Bestform aus dem Jahr 2006 entfernt, doch die gröbsten Unsicherheiten aus der Hinrunde hat er abgelegt. In puncto Zweikampfführung macht ihm wieder kaum jemand etwas vor. Um die ehemalige Frings-Position im halbrechten Mittelfeld wetteifern nun Alexandros Tziolis und Peter Niemeyer. Niemeyers Stil und seine Abgeklärtheit gefallen mir gut, doch man merkt auch, dass er nach den vielen und langen Verletzungspausen noch etwas mehr Zeit braucht. Tziolis zeigt in den letzten Spielen immer mehr, warum Werder ihn ausgeliehen hat. Leider kommen von beiden Kandidaten noch zu wenige Impulse für die Offensive. Für Daniel Jensen, der mit seiner technischen Klasse ein Spiel aus dem defensiven Mittelfeld lenken kann, ist die Saison leider schon beendet. Jurica Vranjes bleibt trotz seiner tollen Bilanz nur die Rolle als Notnagel.

Beim HSV schwalbt David Jarolim nun bereits seit sechs Jahren durchs Mittelfeld. Seine permanente Fallsucht lässt es fast etwas in den Hintergrund treten, dass er ein wirklich guter Fußballer ist. Beim Duell mit Diego geht es schließlich nicht nur darum, wer wohl häufiger am Boden liegt. Wirklich beeindruckt hat mich in dieser Saison Dennis Aogo – ein Name, der mir vor der Saison nur sehr wenig sagte. Ich hätte jedenfalls nicht gedacht, dass sich der Ex-Freiburger in der 1. Liga so schnell durchsetzen würde. Der im Winter verpflichtete Mickael Tavares ist für den UEFA-Cup nicht spielberechtigt, macht ansonsten aber einen guten Eindruck. Es macht sich jedenfalls nicht negativ bemerkbar, dass man Nigel de Jong in der Winterpause für 85 Fantastilliarden Euro nach Manchester schickte. Dahinter wird es allerdings schon eng. Einen weiteren DM von gestandenem Format hat man nicht.

Fazit: Unentschieden mit Tendenz für Werder, da der ansonsten üppige Kader des HSV hier etwas dünn besetzt ist.

Zwischenfazit: Es ist ein enges Rennen, in dem der HSV dank der stärkeren Außenverteidiger leicht im Vorteil sein könnte. Werder zeigt sich defensiv zwar stark verbessert, hat die zweitwenigsten
Gegentore der Rückrunde kassiert, doch strahlt selten Souveränität aus. Insgesamt ist es aber too close to call, da sich beide Mannschaften in der Defensive als anfällig erwiesen haben.

Der ultimative Schwanzvergleich (Teil 1)

Gleich vier Nordderbys stehen in den nächsten drei Wochen bevor. Grund genug, die beiden Mannschaften einmal etwas genauer miteinander zu vergleichen. Heute geht es im ersten Teil um die Geschichte und statistischen Kram, morgen vergleiche ich dann im zweiten Teil die Spielstärke der beiden Mannschaften. Und los geht's.

Gründung

Werder Bremen wurde im Jahr 1899 gegründet. Der HSV beruft sich auf seine längere Geschichte und das Gründungsjahr 1887. Dabei weiß in Bremen jedes Kind, dass der Hamburg-Stellinger erst 1919 das aufrechte Gehen erlernt hat. Mit dem Fußball tut man sich hingegen noch etwas schwer.

Titelsammlung

Hier hat der HSV eindeutig die dickeren Kronjuwelen vorzuweisen: 6 Deutsche Meisterschaften, 1 Sieg im Europapokal der Landesmeister, 1 Europapokal der Pokalsieger, sowie diverse Wald- und Wiesenpokale. Werder steht mit 4 Deutschen Meisterschaften und nur einem Europapokalsieg hinten an. Im DFB-Pokal liegt man jedoch mit 5 zu 3 Siegen in Front. Von Hamburger Seite werden gerne die unzähligen Norddeutschen Meisterschaften zwischen 1948 und 1963 hervor gekramt, in denen man Werder regelmäßig den Hintern versohlte. Selbst Schuld, wenn man sein Pulver so früh verschießt.

Ewige Tabelle

Werder hat in der Bundesliga mehr Punkte geholt, mehr Siege gefeiert, weniger Niederlagen betrauert, mehr Tore geschossen, weniger Gegentore kassiert als der HSV. Deshalb steht Werder (2.) in der ewigen Bundesligatabelle trotz einer gespielten Saison weniger auch vor dem HSV (3.). Dieser Umstand könnte sich jedoch schon während des Nordderby-Marathons ändern, da der Vorsprung derzeit nur noch vier Punkte beträgt. Immerhin bei den Unentschieden haben die Hamburger die Nase vorn. Glückwunsch!

Die jüngere Geschichte

Die Gnade der späten Geburt ersparte es mir bislang, einen Titelgewinn des Hamburger SV bewusst mitzuerleben. 1987 wurde der letzte Pott in die Höhe gestemmt. 1987 spielte beim HSV noch Manfred Kaltz, der Kaiser war Bundestrainer, in Berlin stand eine Mauer und ein Liter Normalbenzin kostete 99 Pfennig. Seitdem hat sich viel getan. Zum Beispiel 3 Deutsche Meisterschaften, 4 Pokalsiege und 1 Europapokalsieg der Pokalsieger des SV Werder Bremen.

Die letzten Begegnungen

Von den letzten zehn Spielen der beiden Mannschaften gewann Werder fünf, der HSV zwei und drei gingen Unentschieden aus. In der Hinrunde siegte Hamburg nach einem Traumtor von Olic mit 2:1. Letzte Saison gewann Werder beide Spiele (2:1, 1:0).

Die letzten wichtigen Begegnungen

Am 1. Mai 2004 schoss Werder den HSV mit 6:0 aus dem Stadion und sich selbst schon einmal warm für den Gewinn der Meisterschaft eine Woche später in München. Uli Hoeneß sah sich daraufhin genötigt, den beiden Vereinen indirekt Absprachen zu unterstellen. Ähnliches hatte es schon 1993 bei Werders 5:0 Sieg im Nordderby gegeben, der Werder mit einem Tor Vorsprung vor dem FC Bayern an die Tabellenspitze bugsierte. Am 13. Mai 2006 siegte Werder mit 2:1 in Hamburg und zog so am letzten Spieltag noch am HSV vorbei auf Platz 2, der die direkte Teilnahme an der Champions League bedeutete. Der HSV bewies wenige Monate später, dass Werder ihm damit eigentlich einen Gefallen getan hatte. Auch letztes Jahr, wiederum im Mai, siegte Werder in der HSH-Nordbank-Arena im Spiel um die Champions League Plätze. Hugo Almeida stellte mit seinem Hammer von der Strafraumgrenze den 1:0 Sieg sicher, ehe Tim Wiese mit seinen Stollen Ivica Olics ohnehin nicht üppiges Haupthaar rasierte.

Diese Saison

Die Ausgangspositionen vor den Spielen könnte unterschiedlicher nicht sein. Während der HSV, unabhängig vom Ausgang, die erfolgreichste und beste Saison seit über zwanzig Jahren spielt, findet sich Werder erstmals seit der Doublesaison 03/04 im Mittelfeld der Tabelle wieder. Trotzdem haben beide Vereine noch Aussichten auf reichlich Gold- und Silberware. Der HSV hat noch in drei Wettbewerben Titelchancen, Werder in zwei. Durch diesen Saisonverlauf geht Werder als leichter Außenseiter in die Spiele gegen Hamburg. Die Spielansetzungen (DFB-Pokalspiel in Hamburg, Rückspiel im UEFA-Cup in Hamburg) sind ein kleiner Vorteil für den HSV, auch wenn Werder in Pokal (4 Siege) und Europapokal (6 Unentschieden) noch ohne Auswärtsniederlage ist. Werder konnte die Liga schon relativ früh abhaken, kann sich zwischen den Pokalspielen mehr oder weniger ausruhen, so dass die Frische ein Vorteil für den SVW sein könnte.

Zwischenfazit

Klarer Vorteil Werder: "Naldo hat eine Riesenkeule." (Zitat: Thomas Schaaf, und der muss es wissen)

(Fortsetzung folgt)

28. Spieltag: Berlin, Testreise

Hertha BSC – Werder Bremen 2:1

Wer einsnull führt, der stets verliert. Seit dem Spiel gestern geistert dieser nicht zutreffende und absolut dämliche Spruch durch meine Gehirnwindungen. Gegen Hertha verspielte Werder eine glückliche, wenn auch nicht unverdiente Führung in der zweiten Halbzeit und kassierte eine unglückliche, aber ebenfalls nicht ganz unverdiente Niederlage. So nimmt man aus Berlin nichts mit, außer dem Willen, die Saison bitteschön auch dort zu beenden.

Ohne Diego und Mesut Özil im Gepäck war man zum Auswärtsspiel gereist. Da mit dem langzeitverletzten Daniel Jensen und in der zweiten Hälfte Aaron Hunt auch alle anderen Spieler ausfielen, deren Namen irgendwie mit Kreativität im Mittelfeld in Verbindung gebracht werden, stand in der zweiten Halbzeit wohl das defensivste Mittelfeld der Ära Schaaf auf dem Platz: Baumann, Frings, Niemeyer, Tziolis. Passt zu Werders Bundesligasaison: Solides Mittelmaß. Trotzdem kam Werder nach einer schwächeren Anfangsphase zu guten Tormöglichkeiten, die eben jene Baumann, Tziolis und Niemeyer ungenutzt ließen.

Das 1:0 aus Werdersicht erzielte dann einer der drei gelernten Innenverteidiger auf dem Platz, nämlich Per Mertesacker, nachdem ihm der Ball nach einer Ecke erst an die Hand und von dort über mehrere Umwege ins Tor sprang. Danach schaffte es Werder gut, dem Gegner im Mittelfeld den Wind aus den Segeln zu nehmen, ohne spielerisch mehr Esprit zu versprühen, als es nominell zu erwarten war. Doch plötzlich kam Hertha dank eines starken, aber nicht unhaltbaren Kopfballs von Simunic zum Ausgleich und tat danach viel für den Sieg, während Werder nur das Unentschieden über die Zeit retten wollte. Das Siegtor fiel dann jedoch durch einen unglücklichen Zufall: Naldo vertändelt den Ball, Chermiti mit einem ganz schwachen Pass auf Raffael und dieser dann per abgefälschtem Fernschuss (wer hier ein Wortspiel finde, darf es behalten) über Wiese ins Tor.

Vor den mit Spannung erwarteten Duellen mit dem HSV ist die Niederlage zumindest vom Gefühl her bedeutungslos. Ich habe selten ein Gegentor in der Schlussphase so gefasst zur Kenntnis genommen. Dabei ist seit gestern eines klar: Werder kann nun auch theoretisch nicht mehr Deutscher Meister werden. Es wird Zeit fürs erste Nordderby!