Archiv für den Monat: Mai 2009

DFB-Pokal Finale: Sing For the Moment

Bayer Leverkusen – Werder Bremen 0:1

Der Tag danach beginnt, wie der vorherige aufgehört hat: mit Kopfschmerzen. Doch als die ersten Sonnenstrahlen durchs Fenster dringen und sich die Augen langsam ans Tageslicht gewöhnen, fällt mir alles wieder ein: Werder ist Pokalsieger. Wir haben es geschafft. Wenigstens etwas mitgenommen aus dieser über weite Strecken verkorksten Saison.

Die Geschichte des Spiels ist keine zum Nacherzählen. Es gab wenige Szenen, die in den Köpfen bleiben werden. Frank Baumanns Auswechslung nach einer Stunde, die wird hängenbleiben. Der Mann, den viele seit Jahre nicht mehr in der Mannschaft sehen wollten, nimmt nun seinen Hut und viele Tränen werden ihm nachgeweint. Auch von mir. Es ist vielleicht das Schicksal eines ruhigen Defensivspielers wie ihm, nur durch Abwesenheit Aufmerksamkeit zu erregen. Baumann hat das nie gestört. Baumann, der fleißige Arbeiter, der unaufgeregt seine Zweikämpfe gewinnt. Immer mit dem Auge für den einfachen, aber klugen Pass im Aufbau. Und manchmal auch mit der Technik, diesen sauber zu spielen. Zum Abschied zeigte er noch einmal ein Spiel, das typischer für ihn kaum sein konnte, und durfte am Ende den Pokal in Empfang nehmen.

Dann wird natürlich das Tor in Erinnerung bleiben. Diego passt auf Mesut Özil, der – mit Unterstützung des Ex-Bremers Friedrich – den entscheidenen Treffer erzielt. Vergangenheit trifft Zukunft und sorgt in der Gegenwart für den Titel, den sich Diego zum Abschied gewünscht hat. Sein Weggang kann Werder an den Abgrund bringen oder befreien, das wird sich nach der Sommerpause zeigen. In dieser Saison jedenfalls war Diego unglaublich wichtig. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals ein einzelner Spieler eine solche Ausnahmestellung bei Werder eingenommen hat. Dabei sehe ich Diego noch immer nicht als wirklichen Spielmacher. Er ist ein offensiver Mittelfeldspieler, der seine Stärken erst 30 Meter vor dem gegnerischen Tor richtig entfalten kann. Vorher gibt es zuviel Dribbling, zu wenig Raumgewinn und Tempo. Diegos Stellung in diesem Jahr hängt auch mit der Verletzung von Daniel Jensen zusammen. Der Däne zog in der letzten Saison hinter Diego die Fäden und machte Werders Spiel variantenreicher. Doch dieser Tage flößt schon Diegos bloße Anwesenheit dem Gegner Angst und Schrecken ein. Selbst wenn es bei ihm nicht gut läuft, zieht er mehrere Gegenspieler auf sich und schafft dadurch Platz für andere – manifestiert in der Vorbereitung zum 1:0.

Özil, der hoch talentierte, oft noch schüchterne, manchmal geniale Nachwuchsmann. Vor einem Jahr war er ein Junge, der mit hängenden Schultern über den Platz schlurfte. Zuweilen fällt er noch in diese Phase zurück, doch seine exzellente Entwicklung ist unverkennbar. Özil wird weiter wachsen müssen, denn der Beschützer an seiner Seite ist nun weg. Sicher erwartet niemand von Özil, dass er Diego ersetzen kann. Doch er wird mehr Verantwortung tragen müssen. Er wird Ellenbogen (im übertragenen, nicht im vanbommelschen Sinne) zeigen müssen und sich weniger Auszeiten erlauben dürfen. Wer Mesut Özil spielen sieht, dem kann nicht wirklich bange um Werders Zukunft sein.

Nicht-Bremer werden vermutlich das Interview mit Bruno Labbadia nicht so schnell vergessen. Es könnte auch sein Abschiedsspiel gewesen sein. Es wird bei Bayer Leverkusen über Zeitpunkt, Stil und Inhalt seiner Aussagen diskutiert werden. Hat Labbadia dem Verein bzw. der Mannschaft geschadet? Und wie lassen sich seine späten Wechsel deuten? Wollte er den Spielern signalisieren: "Los, jetzt macht es selbst"? Hätte ein Toni Kroos die nicht immer sattelfeste Bremer Defensive nicht noch stärker in Bedrängnis bringen können, wenn er 15 Minuten früher ins Spiel gekommen wäre? So scheuten beide Mannschaften nach Werders Führung das Risiko. Sowohl Werder als auch Leverkusen sind in der Vergangheit schon häufiger mit fliegenden Fahnen untergegangen. Nun reichte Werder eine taktisch disziplinierte letzte halbe Stunde, um Bayer in Schach zu halten. Während das Spiel in der ersten Halbzeit wenigstens technisch auf hohem Niveau stattfand, verschwand in der zweiten Hälfte zusehens auch die Spielkultur. Aufgrund des Spielstands vor allem Leverkusen anzukreiden bzw. Werder anzurechnen.

Am Ende steht ein dreckiger 1:0-Sieg. Der Pokalsieg 2009 ist das Kontrastprogramm zum Double 2004. Statt der Krönung einer herausragenden Saison ist er der einzige gemeinsame Nenner für Fatalisten, Realisten und Optimisten, bei denen die Bewertung dieser Saison ansonsten weit auseinander geht. Im Gegensatz zu 2004 halten sich die Sympathiebekundungen durch Nicht-Werderfans in Grenzen. Ganz im Gegenteil. Doch es fühlt sich keinen Deut schlechter an. Sympathie hatten wir schon, den Schönheitspreis dürfen auch mal andere gewinnen. Wir haben den Pokal. Und die Qualifikation für die Europa League, doch das ist Zukunftsmusik.

Heute zählt nur der Moment.

DFB-Pokal Finale: Live-Blog

Bayer Levekusen – Werder Bremen

Das Live-Blog beginnt ca. eine Stunde vor Spielbeginn, also gegen 19 Uhr. Ein wenig Lesestoff zur Vorbereitung gibt es hier und hier.

Gino Basteri’s Live Blog: FC Barcelona – Manchester United

Heute verabschiedet sich Gino von dieser Saison. Was wäre dafür ein besserer Rahmen als ein Champions League Finale, noch dazu eines mit so klangvollen Namen? Los geht's ab 20:15. Das Twitter-Zauberwort heißt wieder #Ginolive.

34. Spieltag: Live-Blog

VfL Wolfsburg – Werder Bremen

Die Entscheidung in der Meisterschaft. Ab 15:30 hier im Live-Blog.

UEFA-Cup Finale: Italien

Schachtar Donezk – Werder Bremen 2:1 n.V.

Was macht man am Tag nach dem Finale? Sich davon überzeugen, dass das Leben um einen herum weitergeht? Tut es das denn? Ein Blick nach draußen sagt: ja. Die Vögel zwitschern, die Freunde und Bekannten ebenfalls. Das Weserstadion steht immer noch dort, wo die Weser einen großen Bogen macht. Auch die Scharen gläubiger Menschen, die sich zum Kirchentag versammelt haben, sind noch da. Für heute werden 500.000 Teilnehmer erwartet. Damit wäre Bremen heute eine Millionenstadt. Doch was ist schon eine Millionenstadt ohne Titel? Hamburg? Berlin?

Werder hat die erste von zwei Chancen auf einen Pokal in dieser Saison vergeben. Zu keiner Zeit hat man im Finale von Istanbul den Offensivdruck entwickeln können, mit dem man den HSV und AC Milan in  den Runden zuvor niedergerungen hatte. In einem insgesamt eher mäßigen Spiel war Donezk die bessere, die leichtfüßigere Mannschaft. Ein spielerischer Klassenunterschied, der einem beim Zuschauen wehtat. Vorbei die Zeiten, da Werder für sein technisch anspruchsvolles Kurzpassspiel Schönheitspreise gewann. Da half es auch nichts, dass Claudio Pizarro in der letzten Minute der Verlängerung ein vermeintlich reguläres Tor erzielte, dem Schiedsrichter Cantalejo die Anerkennung verweigerte. Ein harter Brocken, hier auf Foul zu entscheiden. Nüchtern betrachtet wohl vertretbar, aber nicht seiner vorherigen Linie entsprechend. Hätte es in der Situation mit vertauschten Rollen Elfmeter gegeben? Wohl kaum.

Der größte Respekt gebührt sicherlich Donezks Trainer Lucescu. Seine Offensivtaktik mit allen fünf Brasilianern in der Startaufstellung ging voll auf. Dazu schaffte man es im Mittelfeld, Mesut Özil weitgehend zu isolieren. Die restlichen Bremer Offensivbemühungen konnten Schachtar nur selten in Bedrängnis bringen. Schaaf kann man kaum einen Vorwurf machen. Seine Alternativen bei der Personalentscheidung waren sehr begrenzt, was man auch bei den Einwechslungen sehen konnte. Ob Tim Wiese nun beim ersten, beim zweiten oder bei beiden Gegentoren nicht gut aussah, ist mir egal. Kein anderer Torwart in der Bundesliga hat sich im letzten Jahr so weiterentwickelt wie er. Wenn er sich nicht zufrieden gibt und weiter so an sich arbeitet, hat er eine realistische Chance in der Nationalmannschaft.

Das Spiel erinnerte mich in merhfacher Hinsicht an das Halbfinalaus der deutschen Mannschaft bei der WM 2006 gegen Italien. Auch damals hatte ich vor dem Spiel ein gutes Gefühl, dachte den stärksten Gegner schon in der Runde zuvor besiegt zu haben. Auch damals fiel der vielleicht entscheidende Spieler unter umstrittenen Umständen für das Spiel aus und konnte nicht adäquat ersetzt werden. Auch damals überraschte der gegnerische Trainer durch eine erstaunlich offensive Ausrichtung seiner Mannschaft. Auch damals hatte man das sichere Gefühl bei einem möglichen Elfmeterschießen siegreich vom Platz zu gehen.

Letztendlich verlor man das Spiel heute wie damals verdient in der Verlängerung und am Ende bleibt nur eine große Leere, ein Nichts, das nur schwer wieder aufgefüllt werden kann. Damals gab es ein versöhnliches Spiel um Platz 3, das die Enttäuschung über das verpasste Finale bei vielen Zuschauern milderte. Gestern gab es nur Medallien, einen feuchten Händedruck von Michel Platini und einen flüchtigen Blick auf das Objekt der Begierde, den Pokal. Nur gucken, nicht anfassen. Vielleicht hätte man noch jedem Spieler eine Teilnehmerurkunde überreichen können, um noch weiter in den Wunden zu bohren.

Es wird mit Sicherheit der Tag kommen, wenn die Freude, dieses Finale überhaupt erreicht zu haben, überwiegen wird. Vielleicht wird es morgen sein, vielleicht erst in einigen Wochen. Zum Glück bleibt nicht viel Zeit zum Trübsal blasen. Das nächste Finale wartet schon in neun Tagen. In Berlin wird für Werder eine Ära zu Ende gehen. Ich fordere nicht den Titel, doch ich wünsche mir ein tolles und begeisterndes Spiel, in dem Werder eine Leistung zeigt, auf die jeder Spieler und jeder Fan stolz sein kann. Vor fünf Jahren haben wir schon einmal einen kleinen Brasilianer unter Tränen in Berlin verabschiedet. Es war ein gutes Pflaster.

Darf ich vorstellen: Schachtar Donezk

Es ist soweit. Heute ist UEFA-Cup-Finale. 5.000 Werderfans sind mit nach Istanbul gereist und werden die Mannschaft bestimmt nach Leibeskräften unterstützen. Die reine Anzahl der mitgereisten Fans ist nicht hoch, was sicher auch an der weiten Entfernung liegt, doch wenn ich die Begeisterung bei unseren bisherigen Auswärtsspielen gesehen habe, dann mache ich mir keine Sorgen, auch wenn 7.000 Zuschauer aus Donezk da sein werden. In Bremen selbst wird viel los sein. Heute beginnt der Deutsche Evangelische Kirchentag, zu dem über 100.000 Gäste erwartet werden. Eine größere Public Viewing Veranstaltung findet daher nur etwa außerhalb in der Waterfront in Bremen-Gröpelingen statt, denn alle zentralen Plätze sind bereits durch Veranstaltungen des Kirchentages belegt.

Über Werders Gegner habe ich in den letzten Tagen viel gelesen und mal wieder festgestellt: Lesen bildet! Ich nehme an, der Name unseres Gegners war nicht nur für mich verwirrend. In Deutschland ist die Mannschaft gemeinhin unter dem Namen Schachtjor Donezk bekannt. "Schachtjor" bezieht sich auf den russischen Namen (?????? ??????). Im Ukrainischen heißt die Mannschaft hingegen ?????? ???????, was im Deutschen "Schachtar" heißt (Quelle ist zwar nur Wikipedia, aber dafür reichen selbst meine Kyrillischkenntnisse noch). Auch in der international verwendeten englischen Version Shakhtar Donetsk bezieht man sich auf den ukrainischen Namen.

Aber Namen sind Schall und Rauch. Viel wichtiger ist natürlich, zu welcher Leistung diese Mannschaft auf dem Platz fähig ist. Schaut man sich die letzten Jahre an, dann muss man Schachtar sicherlich Respekt zollen, aber nicht vor Ehrfurcht im Boden versinken. Wie Werder spielte Donezk in dieser Saison zum fünften Mal in Folge in der Champions League. Allerdings reichte es nie für ein Weiterkommen über die Gruppenphase hinaus. In der ukrainischen Liga konnte man Rekordmeister Dynamo Kiew in den letzten Jahren etwas auf Distanz halte und wurde in drei der letzten vier Jahre Meister, doch in dieser Saison steht Donezk mit deutlichem Rückstand auf Kiew nur auf Platz 2.

Da ich mich weder in der ukrainischen Liga, noch mit Schachtars Kader wirklich gut auskenne, möchte ich auf einen Eintrag im Worum-Blog verweisen, in dem zwei Kenner dieser Mannschaft, deren Stärken und Schwächen anschaulich beschreiben. Ich habe Donezks Spiele im Halbfinale gegen Kiew gesehen und war ehrlich gesagt ein wenig enttäuscht. Das Niveau der Spiele war nicht schlecht und Donezk insgesamt auch die bessere Mannschaft, aber insgesamt lag das schon etwas unter der Klasse der Nordderbys im anderen Halbfinale. Ansonsten habe ich ein Spiel aus der UEFA-Cup Saison 2006/2007 vor Augen, als Donezk auf gutem Weg war, Titelverteidiger FC Sevilla aus dem Wettbewerb zu schmeißen, bevor Torhüter Palop seine Mannschaft durch ein Tor in der Nachspielzeit noch in die Verlängerung rettete, wo man sich dann letztendlich durchsetzte. Matuzalems 1:0 war sicher eines der schönsten Tore jener Saison.

Ob Werder nun leichter Favorit ist oder nicht, spielt in so einem Finale keine Rolle. Es wird ein großer Kraftakt nötig sein um den Pokal zu gewinnen und ich hoffe unsere Spieler sind bereit für diese Aufgabe. Diegos Ausfall ist bitter, da er selbst an einem schlechten Tag ein Spiel durch eine Einzelaktion entscheiden kann und Freiräume für seine Mitspieler schafft. Nun hängt vieles an Özil, aber auch an Frings. Das Mittelfeld ist bei beiden Mannschaften der beste Mannschaftsteil. Hier muss Werder die physischen Vorteile ausnutzen und spielerisch mit Donezk mithalten. Donezk wird sicherlich am Ausfall von Thomas Hübschman zu knabbern haben (daher ist Diegos Ausfall gleich doppelt schade). Großen Respekt habe ich vor Darijo Srna, der auch zu den Leistungsträgern der kroatischen Nationalmannschaft gehört. Ihn würde ich sogar als eine größere Bedrohung für Werder einstufen, als etwa Fernandinho oder Jadson.

Doch nun genug der vielen Worte. Geht's raus und spuits Fußball!

UEFA-Cup Finale: Live-Blog

Schachtar Donezk – Werder Bremen

Ab kurz nach 19 Uhr blogge/twittere ich live vom UEFA-Cup Finale in Istanbul.

Wie Diego einmal nicht zu Manchester City wechselte

19.05.2009, 0:44 Eine Userin mit dem Namen "Sandra" schreibt einen Kommentar unter diesen Artikel im Werderblog. In diesem Kommentar verlinkt sie einen angeblichen Artikel der Kreiszeitung Syke, in dem von einem Angebot Manchester Citys für Diego die Rede ist. Kolportiert wird eine Ablösesumme von 39 Millionen €. Dazu werden unter anderem Klaus Allofs, Diego, Djair da Cunha und Brian Marwood zitiert. Der Artikel ist im Layout der Onlineausgabe der Kreiszeitung verfasst und trägt "kreiszeitung.de" in der URL.

19.05.2009, 11:30
Als ich den Artikel einem Freund zeigen will, kann ich ihn nicht im Sportteil von kreiszeitung.de finden. Ich suche also in besagtem Blogeintrag nach dem Link, doch dieser führt nun auf die Startseite von smartdots.com, einem Anbieter kostenloser Web-Domains.

Auch auf transfermarkt.de ist die Meldung inzwischen angekommen, wo unter Berufung auf die sehr dubiose Quelle fansfc.com schon im April über ein mögliches Interesse ManCitys spekuliert wurde. Hier findet sich auch ein Zitat aus dem angeblichen Artikel der Kreiszeitung:

"Kochte die Gerüchteküche um den Wechsel des Bremer Spielmachers bereits
seit einiger Zeit recht hoch – so kocht sie nun geradezu über. Laut
übereinstimmenden Aussagen von Allofs und dem Diego-Berater Djair
Cunha, ist am Dienstag Morgen mit Manchester City ein weiterer Club im
den Poker um den Brasilianer eingestiegen. Aus vereinsnahen Quellen war
zu hören, dass der Club knapp 39 Millionen Euro Ablöse bietet – und ein
Gehalt, das etwa dem eineinhalbfachen des Juve-Angebots entspricht.
Brian Marwood, Geschäftsführer bei dem englischen Topclub: 'Wert ist er
das sicherlich.'"

In den Kommentaren wird bereits vermutet, dass es sich um einen Fake handelt.

19.05.2009, 13:00
Auch RTL berichtet inzwischen im Videotext und auf seiner Internetseite unter Berufung auf die Kreiszeitung Syke vom neuen Millionenangebot für Diego (siehe Screenshot). Auf Anfrage bestätigt die Kreiszeitung, die bislang von den Vorgängen nichts mitbekommen hatte, dass es besagten Artikel nicht gibt: "Da wird die Kreiszeitung von RTL falsch zitiert." Stattdessen wird auf einen anderen Artikel verwiesen, der den letzten Stand der Dinge darstelle.

Rtl_screenshot 
Quelle: RTL.de

19.05.2009, 17:00 Bei RTL.de ist das Gerücht noch immer online. Es wird weiterhin auf die Kreiszeitung verwiesen. Andere Medien haben die Faschmeldung meines Wissens nicht übernommen. Eigentlich ein gutes Zeichen.

Europameister

Für Werder stehen die beiden Finals noch bevor, doch die deutsche U17-Nationalmannschaft hat heute Vormittag schon mal gezeigt, wie es geht. Durch einen 2:1-Sieg nach Verlängerung im Finale gegen die Niederlande ist die Mannschaft nun Europameister. Aus Werdersicht ganz besonders erfreulich: Die Tore für Deutschland schossen die Bremer Talente Lennart Thy und Florian Trinks. Besonders Trinks' Siegtor kurz vor Ende der Verländerung ist äußerst sehenswert. Ein perfekt getretener Freistoß aus ca. 30 Metern genau in den Torwinkel. Die ARD kündigte bereits an, das Tor in die Auswahl zum Tor des Monats aufzunehmen.

33. Spieltag: Clusterf*ck

Werder Bremen – Karlsruher SC 1:3

Ich hätte nie gedacht, dass mich dieses Spiel auch nur annähernd so ärgern könnte. Ein völlig unbedeutendes Match, was das Erreichen der eigenen Saisonziele angeht. Verständlich, dass Spieler geschont werden, dass die zweite Reihe mal ran darf, dass der unbedingte Siegeswille nicht da ist. Allerdings war es höchst wahrscheinlich Diegos Abschiedsspiel im Weserstadion und möglicherweise auch das letzte Heimspiel unseres Kapitäns Frank Baumann. Dazu hätte man die vermaledeite Bundesligasaison zu einem etwas versöhnlicheren Ende bringen können, indem man die zuletzt starke Heimbilanz ausbaut und den Nimbus der wenigsten Gegentore der Rückrunde verteidigt.

Deshalb ist es überhaupt nicht verständlich, wie sich die Mannschaft so gehen lassen konnte. Karlsruhe lag vor dem Spieltag moralisch am Boden. Aber Werder schafft es halt immer wieder auch die verunsichertsten Mannschaften aufzubauen. Den – etwas umstrittenen – frühen Elfmeter konnte man noch als Betriebsunfall ansehen, zumal Tim Wiese ihn in seiner fast schon legendären Art hielt und Werder in der Folge die Partie immer besser in den Griff bekam. Allerdings schlichen sich immer wieder Konzentrationsmängel und Lustlosigkeit ins Spiel der Mannschaft ein. Der KSC wurde fast schon genötigt ein Tor zu erzielen. Nachdem die Badener Blut geleckt hatten – vermutlich auch angestachelt durch die Ergebnisse in den anderen Stadien – fanden sie immer besser ins Spiel, kämpften bis zum Umfallen und kamen gegen einen Gegner, der die nötige Einstellung vermissen ließ, zu einem ungefährdeten Auswärtssieg.

Nach dem Tor zum 0:3 tat ich etwas, das ich schon seit vielen Jahren nicht mehr getan hatte: Ich schaltete um auf Konferenz und schaute mir den Rest des Spiels nicht mehr an. Ich weiß gar nicht genau warum, schließlich war es beileibe nicht Werders erste Vorstellung dieser Art. Vielleicht hatte es mit dem Hinspiel in Karlsruhe zu tun, als man einen schwachen und absolut unsportlichen Auftritt hingelegt hat und wo mein Glaube an diese Mannschaft so stark auf die Probe gestellt wurde, wie selten zuvor.

Bislang hielt ich den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung für übertrieben, doch nach diesem Spiel muss man ihn sich gefallen lassen. Zum Glück haben Bielefeld und Gladbach nach ihren eigenen desolaten Leistungen wenig Argumente sich bei anderen zu beschweren, doch ich kann schon verstehen, wenn der ein oder andere jetzt mit dem Finger auf Bremen zeigt. Nächsten Samstag kann sich Werder eine weitere solche Leistung nicht erlauben, denn erstens werden beim Saisonfinale alle Augen auf unser Spiel gegen Wolfsburg gerichtet sein (auf einen puterroten Uli Hoeneß, der nach dem Spiel Betrug vorwirft, kann ich verzeichten – jedenfalls wenn sein Vorwurf berechtigt wäre) und zweitens würden uns dann Grafite und Dzeko allein zweistellig abschießen.

Zum Glück bleibt keine Zeit zum Trübsal blasen, denn am Mittwoch steht das UEFA-Cup Finale an. Rückschlüsse kann man aus dem Debakel gestern meiner Meinung nach keine ziehen. Doch vielleicht braucht Werder dieses Jahr vor den großen Spielen einfach einen Schuss vor den Bug. Zumindest in dieser Hinsicht könnte sich das Spiel gegen den KSC noch als sehr nützlich erweisen.