Archiv für den Monat: August 2009

4. Spieltag: Die üblichen Verdächtigen

Hertha BSC – Werder Bremen 2:3

Werder gewinnt also wieder in Berlin. So langsam könnte man sich daran gewöhnen. Auch wenn an Werders Spiel noch vieles verbesserungswürdig ist, hat man sich im Vergleich zum holprigen Start gefangen und steht nun auf dem dritten Platz. Vor zwei Wochen noch fast sicherer Absteiger, nun schon wieder auf Champions League-Kurs?

Thomas Schaaf vertraut weiterhin nicht auf einen zweiten Stürmer neben Pizarro und ließ mit einer Art 4-1-3-2 spielen, bei dem Frings hinter einem Dreiermittelfeld den Abräumer machte und Marko Marin anstelle von Aaron Hunt als hängende Spitze agierte. Was mir sehr gut gefiel, war die Selbstverständlichkeit, mit der Özil oder auch Bargfrede und Borowski mit Marin die Positionen tauschten und so für die Hertha schwer ausrechenbar waren. Eine alte Stärke, die gegen Berlin zum Erfolg führte. Obwohl Werder nach der Pause stark unter Druck geriet und nur dank Tim Wiese und einer umstrittenen Entscheidung von Schiedsrichter Kinhöfer (bei der ich mir nach wie vor nicht sicher bin, ob Wichniarek abhob oder tatsächlich getroffen wurde) nicht in Rückstand geriet, war das 0:1 einfach toll heraus gespielt.

Ich weiß nicht, was mich mehr freut: Marins starke Leistung mit seinen beiden Torvorlagen oder Mesut Özils neue Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. So stelle ich mir einen Klassespieler vor: Selbst wenn es nicht so gut läuft aus dem Nichts auftauchen und die Chance nutzen. Pizarro machte als einzige richtige Spitze ein gutes Spiel. Man sieht, wie sehr Werder von seiner Ballsicherheit profitiert, auch wenn er selbst nicht trifft. Es erstaunt mich, dass Torsten Frings, der Diegos Spielweise häufig kritisiert hat, nun der Spieler ist, der den Ball zu lange hält, statt ihn direkt zum nächsten Mitspieler zu passen. So bringt er sich selbst in schwierige Situationen, denn ein Dribbelgott wird er in diesem Fußballerleben nicht mehr.

In der Defensive das alte Spiel: Kaum wird schnell gespielt, gerät die Viererkette ins Wanken. Meine Prognose von weniger als 40 Gegentoren war vielleicht optimistisch. Die momentane Quote würde am Ende 51 Gegentore bedeuten – eins mehr als in der letzten Saison. Bekommt man endlich etwas mehr Stabilität in diesen Mannschaftsteil, kann Werder in dieser Saison wieder vorne mitspielen.

Nicht mitspielen dürfen hingegen Torsten Frings und Tim Wiese. In der Nationalmannschaft. Während Wiese bis zum noch nicht fest angesetzten Spiel gegen Chile vertröstet wurde, scheint Frings in den Planungen keine Rolle mehr zu spielen. Ich kann beide Entscheidungen nachvollziehen, halte sie aber dennoch für falsch. Frings ist momentan nicht gut genug, einen Stammplatz in der Nationalelf einzufordern. Mit seinen lauten Rufen nach Berücksichtigung hat er sich ein wenig selbst ins Abseits manövriert. Dennoch war Frings viele Jahre lang ein wichtiger Spieler für Deutschland, hat eine starke (2002) und eine überragende (2006) WM gespielt. Es gehört zu den Aufgaben eines Trainers dazu, ältere Spieler auszusortieren. Die Kriterien, nach denen dies bei Joachim Löw geschieht, sind jedoch höchst undurchsichtig.

Statt einem Spieler klar zu sagen, dass er in der Nationalmannschaft keine Zukunft mehr hat, wird er monatelang hingehalten und erhält immer neue Nackenschläge. Es ist einerseits verständlich, dass sich Löw noch nicht endgültig um die Option Frings berauben will, falls dieser noch einmal zu seiner Topform zurück findet. Das vermeintliche Überangebot im zentralen/defensiven Mittelfeld ist spätestens seit Jones Absprung keines mehr. Andererseits wird der Spieler, wie Frings schon vor einem Jahr sagte, respektlos behandelt. Man kann nicht auf der einen Seite ein tadelloses Verhalten seitens der Spieler fordern und sich auf der anderen Seite so verhalten, wie Löw es in seinen Personalentscheidungen immer wieder tut: Hildebrandt, Kuranyi, Jones. Hier werden Spieler durch einen unaufrichtigen Umgang mit ihnen zu Reaktionen getrieben, die dann als Begründung für ihren Ausschluss herangezogen werden. Was ich bei Klinsmann (Wörns, Kahn, wiederum Kuranyi) noch in Ansätzen verstehen konnte, wirkt nun völlig deplatziert und muss dem Bundestrainer als Schwäche ausgelegt werden.

Das Leistungsprinzip wird nur dann als Begründung verwendet, wenn es gerade passt. Ein Lukas Podolski darf trotz fehlenden Einsätzen und dem taktischen Spielverständnis eines 10-Jährigen über Jahre hinweg ein Spiel nach dem anderen machen und wird selbst für einen tätlichen Angriff auf dem Spielfeld gegen den eigenen Mannschaftskapitän nur halbgar abgemahnt. Was wäre wohl mit Spielern wie Kuranyi, Jones oder Wiese in dieser Situation passiert?

Überhaupt Wiese. Nimmt man die grün-weiße Vereinsbrille mal ab, dann kann man die Entscheidung pro Enke (nichts anderes war es) durchaus verstehen. Robert Enke ist ein sehr guter Torhüter, strahlt Ruhe aus, macht wenig Fehler. Wiese hat sich ungemein verbessert, wächst immer häufiger über sich hinaus. Von der Klasse her nehmen sich beiden nicht mehr viel, doch Wiese ist – im Positiven wie im Negativen – der unberechenbarere von beiden. Mit Manuel Neuer und René Adler hat man zwei starke, junge Torhüter in der Hinterhand, die bei der WM Turniererfahrung sammeln können. So weit, so gut, doch warum sagt man das Tim Wiese nicht? Warum macht man ihm über ein Jahr lang vor, er habe eine reelle Chance auf einen Platz im WM-Kader? Wiese hat sich seit seiner ersten Nominierung nichts zu Schulden kommen lassen, gut trainiert und bei Werder konstante Leistungen auf sehr hohem Niveau abgeliefert. Dazu hat er sich in seinen früheren Schwachpunkten (Herauslaufen, 1-gegen-1, Strafraumbeherrschung) klar verbessert und verfügt über die größte internationale Erfahrung.

Trotzdem erhielt er nie die Chance, sich in der Nationalmannschaft zu beweisen. Ihn nun ohne ersichtlichen Grund zurück zu stufen gleicht einer Ohrfeige, wie sie schallender nicht sein könnte. Ein weiterer Spieler, der durch den Trainer Löw verbrannt wird. Die Personalpolitik der Nationalmannschaft erscheint so in einem immer schlechteren Bild. Ein Trainer muss sich eben nicht nur an seinen Trainingsmethoden und taktischen Kenntnissen messen lassen, sondern auch an seiner Menschenführung. In letzterem Bereich könnten ein paar Lehrstunden für den Bundestrainer nicht schaden. Ich wüsste da auch einen Trainer, der sie ihm geben könnte…

Europa League Play-Offs, Rückspiel: Diamant im Herzen

FK Aktobe – Werder Bremen 0:2

Während in Bremen seit Sonntag munter über die Rückkehr zur Mittelfeldraute diskutiert wird (Thomas Schaaf: “Das war keine Raute, jeder, der das behauptet, liegt falsch!”), lassen einige internationale Spitzenvereine die von manchen als obsolet bezeichnete Formation wieder aufleben. Chelsea spielt sie (Ancelotti hat schon bei Milan häufig so spielen lassen), Inter spielt sie (ja, genau, das Inter, das von 4-3-3-Fetischist Mourinho trainiert wird), die Bayern spielen sie (bis auf Ribery). Ist Thomas Schaaf also doch kein solcher Hinterwäldler in Sachen Taktik? Ist er vielleicht gar ein Pionier?

Taktikexperte Jonathan Wilson (Inverting the Pyramid) schreibt im Blog des Guardian über die Raute: “Is the midfield diamond here to stay and how do you counter it?” Neben den üblichen Abschweifungen in die Frühphase des Fußballs kommt Wilson zu dem Schluss, dass die Raute ein gutes System für spielstarke Mannschaften ist, allerdings einige Nachteile hat:

Die Vorteile:

  • Die Raute ist eine gute Defensivformation. (hört, hört…)
  • Ein starker defensiver Mittelfeldspieler gibt den Spielern auf den beiden Halbpositionen die Möglichkeit, den Spielmacher zu entlasten. (Frank Baumann, anyone?)
  • Die Raute ist offensiv am stärksten, wenn sie asymmetrisch ausgelegt wird, die beiden Halbaußen (und die beiden Stürmer!) also nicht auf einer Höhe spielen.

Die Nachteile:

  • Das Spiel einer Mannschaft mit Raute ist leicht ausrechenbar.
  • Werden die Halbpositionen zu zentral interpretiert, ist die Mannschaft über außen verwundbar; die Überzahl in der Mitte kann aufgrund des geringen Raums zum Passen kaum ausgenutzt werden.
  • Mit einem 4-5-1 kann die Raute am wirkungsvollsten gestoppt werden: Die beiden äußeren Mittelfeldspieler können den Platz auf den Außenbahnen nutzen und die Außenverteidiger unter Druck setzen. Dies schafft Raum für die eigenen Außenverteidiger, die sich ins Mittelfeld einschalten können. Die drei zentralen Mittelfeldspieler machen dazu der Raute in der Mitte das Leben schwer.

Diese Punkte beschreiben eigentlich ganz gut Werders Stärken und Probleme der letzten Jahre: Die hohe Ballbesitzquote durch die Überzahl im zentralen Mittelfeld. Die Offensivpower, weil die Positionen sehr variabel getauscht werden und keine starre symmetrische Formation eingehalten wird. Die Anfälligkeit über die Außen, die nicht zuletzt dadurch zustande kommt, dass die Außenverteidiger häufig mit nach vorne gehen, um die ansonsten verwaisten Außenbahnen zu besetzen. Die Probleme gegen defensive Mannschaften, wenn sich die Mittelfeldspieler zu wenig bewegen.

Mir persönlich ist es eigentlich egal, welches System Werder spielt, wobei ich die Raute schon für die Formation halte, mit der Werder den besten Offensivfußball spielen kann. Allerdings hängt vieles davon ab, wie man die defensive und offensive Position der Raute besetzt. Torsten Frings hat mich als alleiniger defensiver Mittelfeldspieler bislang nicht überzeugt. Er hat zwar die nötige Zweikampfstärke, aber nicht die Unaufgeregtheit eines Frank Baumanns im Aufbauspiel, der anstandslos 40 Sicherheitspässe über 5-10 Meter pro Spiel zum nächstbesten Kollegen beförderte und taktisch kein Risiko einging. Den 6er traue ich eher Daniel Jensen zu, bei dem aber nicht klar ist, ob er nach der langen Verletzung noch einmal die Form der Saison 2007/08 erreichen kann. Ob Özil oder Marin die 10er-Position einnehmen können wage ich fast nicht zu beurteilen. Man braucht für die Position einen außergewöhnlichen Spieler, mit guter Übersicht und großer individueller Stärke, der im besten Fall noch ein großer Stratege ist. Vor allem Özil traue ich zu, ein solcher Spieler zu werden. Aber ist er auf der Position wirklich stärker als auf der linken Seite?

Man wird sehen. Thomas Schaaf wird sich während dessen heimlich (im Keller) ins Fäustchen lachen, dass nun, nach mindestens 2 Jahren der Kritik an seinem veralteten System, sowohl in Bremen als auch in Fußballeuropa die Raute so hoch im Kurs steht, wie selten zuvor.

Ach ja: Werder hat heute durch zwei Tore von Pizarro mit 2:0 bei FK Aktobe gewonnen und sich damit für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert.

Podcast und Fußballradar

Auch wenn hier der Verdacht aufkommen sollte, ich würde nur noch zu Probek verlinken, möchte ich auf zwei Dinge hinweisen:

Ballpod München, die Zweite

Die zweite (Test-)Ausgabe des Ballpod Fußballpodcasts ist seit gestern online. Aufgenommen wurde wieder in Probeks Küche in München, diesmal mit kleiner Stammbesetzung, bestehend aus Kai (alias Probek) und Alex (alias Gses). Zugeschaltet wurden per Skype RealityCheck (Bayern München), Nedfuller (HSV), Sfiebrig (Union Berlin) und Medispolis (Premier League). Wegen der schlechten Tonqualität musste Nedfullers Beitrag leider rausgeschnitten werden. Trotzdem wieder ein sehr gelungener Test. Das Projekt nimmt langsam Formen an.



Europäisches Fußballradar 4 (August 2009)

Zum vierten Mal bat Probek zur Bewertung der europäischen Fußballelite. Erwartungsgemäß tat sich wenig in den Top 10, da die Eindrücke der noch kurzen Saison nicht ausreichen, sich ein klares Bild zu machen. So sollte die Punktevergabe diesmal auch eher die Erwartungen für die neue Saison darstellen, als eine Leistungsbewertung. So überrascht es nicht, dass Real Madrid einen großen Sprung von Platz 11 auf 3 gemacht hat. Ebenfalls um acht Plätze geklettert ist Juventus Turin (von 18 auf 10), was nicht zuletzt mit der Verpflichtung von Diego zu tun haben dürfte. Neuer Spitzenreiter ist der Champions League Sieger FC Barcelona, der Manchester United von Platz 1 verdrängt. Die letzte Ausgabe fand im Mai statt, also noch vor Champions League- und UEFA-Cup-Finale. Daher ist es ebenfalls verständlich, dass Werder Bremen eine glatte Bauchlandung hingelegt hat und von Platz 7 auf 23 abgerutscht ist. Aus nationaler Sicht liegen sie hinter dem VfL Wolfsburg (8.), Bayern München (9.), VfB Stuttgart (11.), HSV (17.) und Schalke 04 (22.) nur noch auf dem sechsten Rang (im Mai war man noch Erster). Es sei aber noch einmal darauf hingewiesen, dass die Tabelle außerhalb der Top 10 an Aussagekraft verliert (es werden nur Punkte für die 10 besten Teams vergeben).

Die Top 10:

  1. Barcelona (2)
  2. Manchester United (1)
  3. Real Madrid (11)
  4. Chelsea (3)
  5. Inter Mailand (5)
  6. Liverpool (4)
  7. Arsenal (6)
  8. Wolfsburg (8)
  9. Bayern München (10)
  10. Juventus Turin (18)

3. Spieltag: Immer wieder Gladbach

Werder Bremen – Borussia Mönchengladbach 3:0

Bei 34 Bundesligaspieltagen im Jahr bleibt es leider nicht aus, dass man das eine oder andere Spiel verpasst. Auch wenn ich versuche, alle Termine, die nicht mit Leben und Tod zusammenhängen, rund um die Spieltage zu verteilen, gibt es leider auch Tage, an denen ich ein Werderspiel nicht sehen kann. So auch am vergangenen Sonntag.

Ausgerechnet gegen Gladbach. Es sind immer wieder die Spiele gegen Gladbach, die ich verpasse. Das 1:1 in der letzten Rückrunde blieb mir erspart – Geburtstag meines Vaters. Radiokonferenz statt Livebilder. Knapp 40 Torschüsse und doch nur ein Unentschieden. Das 2:2 zwei Jahre vorher konnte ich ebenfalls nicht sehen. In einem Internet-Café in London durfte ich zumindest den Live-Ticker verfolgen. Nach Gladbachs Ausgleich in der Nachspielzeit flog ein 486er (inklusive 26k-Modem) in die Themse. Das Hinspiel hatte ich, geplagt von Jet Lag, zur Hälfte verschlafen. Immerhin ein schöner Trost, zu einer 3:0-Halbzeitführung aufzuwachen. Nun also wieder mal ein Spiel gegen Gladbach verpasst.

Ausgerechnet gegen Gladbach, meinen persönlichen Angstgegner. Was hat Werder in den letzten Jahren schon für Gurkenspiele gegen die Fohlen abgeliefert! Angefangen mit der 1:4-Niederlage am letzten Spieltag der Saison 2002/2003, die uns die UEFA-Cup-Teilnahme kostete, über die 1:3-Pleite im September 2004 als frischgebackener Meister, bis zum unsäglichen 2:3 in der vergangenen Saison, wo man sich über weite Strecken vorführen ließ. Zur Beruhigung hielt ich mir vor Augen, dass all diese Spiele in Mönchengladbach stattfanden. In Bremen gab’s für die Borussia hingegen schon ewig nichts mehr zu holen. 1987, in meiner ersten Saison als Fan, verlor Werder mal mit 1:7 – Rekordheimniederlage. Seitdem ist Werder im Weserstadion gegen Gladbach ungeschlagen. Diese Bilanz durfte gerne so bleiben.

Mit meinem Leid war ich an diesem Spieltag nicht allein. Während Jannik sich im Nachhinein gefreut hat, das Spiel nicht sehen zu müssen, hätte ich mir schon gerne ein eigenes Bild von Werders erstem Saisonsieg gemacht. Ein 3:0 klingt souverän, überlegen, unaufgeregt. Nach den letzten Spielen fast zu schön, um wahr zu sein. Traumeinstand für Claudio Pizarro und endlich mal kein Gegentor. Vor drei Jahren war ein 3:0 Heimsieg gegen Gladbach nach holprigem Saisonstart der Beginn einer Serie, an deren Ende die Herbstmeisterschaft stand. Davon ist Werder noch sehr weit entfernt. Aber vielleicht war dieses Spiel tatsächlich die Initialzündung für konstantere Leistungen auf gehobenem Bundesliganiveau. Mehr wünscht man sich als Werderfan dieser Tage kaum.

Zum Zeitpunkt des Spiels befand ich mich gerade auf der Rückfahrt von einer Hochzeit in Frankreich. Ohne Internetzugang musste ich trotzdem nicht auf aktuelle Nachrichten aus dem Weserstadion verzichten. Eine Freundin war so nett, mich per SMS auf dem laufenden zu halten. Sie machte das so gut, dass ich schon überlegt habe, sie als Urlaubsvertretung zu engagieren. Hier ist der “Spielbericht”, wie ich ihn gelesen habe:

Nach 20 Minuten: 1:0 Pizarro nach Freistoß Özil! Sonst aber noch gar keine Torgefahr auf beiden Seiten. Gladbach sehr defensiv. Özil und Marin sehr gut.

37′ 2:0 Pizarro nach Flanke Fritz! War mal ausnahmsweise schnell gespielt. Ansonsten eher zu langsam. Vorher Tor Gladbach wegen strittigem Abseits nicht gegeben.

Halbzeit: 2:0. Hunt zwei gute Chancen vergeigt. Ballbesitz 70% für Werder. Wiese musste nur einmal ran. Es steht übrigens bei Wolfsburg – HSV 0:2.

Elfmeter. Foul an Marin

Özil schießt… gehalten

Werder macht jetzt mehr Druck! Gladbach nicht ein Torschuss. Boro gelb. Hunt muss unbedingt raus – außer Spesen nix gewesen. Marin echt super.

Hunt wurde in der 66′ endlich durch Almeida erlöst.

68′ Gut pariert von Wiese!

70′ Suuuper Schuss von Almeida, aber leider guter Heimeroth!

3:0 Naldo nach Freistoß Özil! Yeah! War aber sonst eben ziemlich ruhig. Jetzt noch eins für Gladbach und mein Tipp stimmt, aber ich glaub datt wird nischt.

Abpfiff! Werder insgesamt wesentlich besser! Hoffe, Sie schalten nächstes mal wieder ein.

Wer braucht da noch ein Live-Blog?

Bremer Transfers 1997-2009

Auf Anregung von Probek habe ich mal eine kleine Übersicht über die Bremer Einkäufe der letzten 12 Jahre angefertigt. Es ging dabei um die Frage, ob Bayerns Transferpolitik wirklich so schlecht ist, wie von vielen behauptet, und ob Werders Transferpolitik im Vergleich besser abschneidet. Die Frage kann hier natürlich nicht abschließend beantwortet werden, doch der Vergleich ist schon interessant:

Zunächst ein paar Anmerkungen zur Tabelle:

  • Alle Daten (Zugänge, Transfersummen) stammen von Transfermarkt.de.
  • Die Transfers wurden um die Spieler bereinigt, die ausschließlich für den Amateurbereich verpflichtet wurden.
  • Spieler, die zunächst auf Leihbasis geholt und später fest verpflichtet wurden, habe ich nur einmal berücksichtigt und Leihgebühr und Ablösesumme addiert.
  • Spieler, die während ihrer Zeit bei Werder verliehen wurden und danach zurückkehrten, habe ich ebenfalls nur einmal berücksichtigt.
  • Die Bewertung der Spieler ist natürlich subjektiv. Ich habe sie nach den von Probek verwendeten Kriterien vorgenommen (war das Geld wert, war das Geld nicht wert, hat sich durchgesetzt, kostete eh kaum etwas, bekam keine Chance, war dauerverletzt uswusf.).
  • Mir ist durchaus bewusst, dass es sich bei den Ergebnissen deshalb nicht um “harte” Daten handelt, aber hier werden ja auch keine wissenschaftlichen Ziele verfolgt.
  • Im Gegensatz zu Probek habe ich aus Zeitgründen die Anzahl der Spiele, die die Spieler für den Verein absolviert haben, nicht berücksichtigt.

Das Ergebnis:

  • Werder hat seit 1997 96 Spieler für den Profikader verpflichtet (zum Vergleich: Bayern: 94).
  • Die Transfers habe ich folgendermaßen bewertet: 27 positiv, 40 neutral (darunter die bisherigen 8 Neuzugänge dieser Saison), 29 negativ (Bayern: 30 – 35 – 29).
  • Insgesamt hat Werder 115,9 Mio. € für die Transfers ausgegeben (Bayern: 318,4 Mio. €). Im Schnitt sind dies 1,2 Mio € pro Spieler (Bayern: 3,4 Mio. €).
  • 73,2 Mio. € wurden in Spieler investiert, die ich positiv oder neutral bewertet habe (ausgenommen die Transfers dieser Saison), 26,8 Mio. € in Spieler, die ich negativ bewertet habe (Bayern: 173,5 Mio. € bzw. 94,2 Mio. €).
  • Relativ gesehen hat Werder 26,8 % der Transferausgaben für Fehleinkäufe ausgegeben (Bayern: 35,2 %).
  • Die Kosten pro erfolgreichem Transfer (Bewertung = positiv) liegen bei 3,7 Mio. € (Bayern: 8,9 Mio. €).
  • Die drei teuersten Fehleinkäufe sind: 1. Carlos Alberto (8,5 Mio. €), 2. Mohammed Zidan (3,5 Mio. €), 3. Manuel Friedrich (2,5 Mio. €).

Und was sagt uns das jetzt?

  • Die Transferbilanz ohne Berücksichtigung der Kosten ist sehr ausgeglichen und ähnelt der des FC Bayern.
  • Werder hat weder absolut noch relativ mehr geglückte Transfers zu verbuchen als Bayern.
  • Berücksichtigt man die Ausgaben kann man folgendes festhalten: Werder hat mit etwas mehr als einem Drittel des finanziellen Aufwands der Bayern ein ähnlich gutes Ergebnis erreicht.
  • Aber: Die Ansprüche der Vereine und deren Fans unterscheiden sich, was insbesondere für die Zeit vor 2003/2004 gilt. Die Bewertung der Spieler dürfte also nicht oder zumindest nicht durchgängig nach denselben Maßstäben erfolgt sein.
  • Bei vielen Spielern war eine Bewertung nicht einfach und kann sicher heftig diskutiert werden (z.B. Sanogo, Fritz, Jensen, Davala). Christoph Dabrowski habe ich bspw. vor allem deshalb positiv bewertet, weil uns sein Tor 1999 vor dem Abstieg bewahrt hat.
  • Ist der Felix Magath, der nun als bester Trainer der Bundesliga gilt, wirklich derselbe Felix Magath, der uns Spieler wie Pawel Wojtala und Dirk Weetendorf zugemutet hat? Eigentlich hätte dem HSV der Handel mit solchen Spielern untersagt werden müssen.
  • Die Betrachtung ist unvollständig, da weder Gehälter und Handgelder noch Transfererlöse berücksichtigt wurden.
  • Ein allgemeingültiges Urteil kann man auf Grundlage der Tabellen nicht fällen. Allerdings wird die pauschale Behauptung, Werder Bremen betreibe eine bessere Transferpolitik als Bayern München, nicht bestärkt.

Die Transfers anderer Vereine:

Ganz ohne Wortspiel: Pizarro ist zurück

Claudio Pizarro ist zurück in Bremen. Der Transfer, der wochenlang zu stagnieren schien, wurde nun überraschend schnell abgeschlossen. Noch am Sonntag gab sich Klaus Allofs sehr zurückhaltend, was einen möglichen erneuten Wechsel Pizarros an die Weser betraf. Am Montagabend landete der Peruaner dann schon zu abschließenden Verhandlungen in Bremen. Heute wurde der Wechsel schließlich auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Die Vertragslaufzeit beträgt 3 Jahre plus 1 Jahr Option. Als Ablösesumme werden 5 Millionen Euro kolportiert. Wie ist dieser Transfer nun einzuordnen?

Finanziell musste Werder sicher an seine Grenzen gehen. Der Wiederverkaufswert dürfte gegen Null tendieren, da Pizarro nach Ablauf des Vertrags bereits 33 (bzw. 34) Jahre alt sein wird. Die Ablösesumme sollte dank des vorhandenen Kleingelds nach zwei Finalteilnahmen und Diego-Verkauf zu verschmerzen sein, Pizarros Gehalt dagegen wird dagegen deutlich höher zu Buche schlagen als letzte Saison. Damals zahlte der FC Chelsea noch einen Teil des Festgehalts, was das Ausleihgeschäft für Werder finanzierbar machte. Nun muss noch mindestens ein Spieler gehen, um die Personalkosten auf ein erträgliches Maß zu drücken.

Auch aus sportlicher Sicht ergibt es Sinn, noch einen Angreifer abzugeben. Mit Pizarro, Marcelo Moreno, Hugo Almeida, Boubacar Sanogo und Markus Rosenberg gibt es fünf arrivierte Stürmer im Kader. In Torsten Oehrl und Marko Futacs stehen zwei Nachwuchsspieler bereit, die an die Mannschaft heran geführt werden sollen und bei Verletzungsproblemen den Kader auffüllen können. Dazu verfügt man mit Aaron Hunt und Said Husejinovic noch über zwei Mittelfeldspieler, die bereits im Sturm zum Einsatz kamen. In der Breite wäre man also – im Gegensatz zur letzten Saison – noch mehr als ausreichend besetzt. Doch welchen Stürmer wird es treffen?

Wahrscheinlichster Wechselkandidat ist Boubacar Sanogo. Er befindet sich wieder in guter Form, könnte also eine vernünftige Ablöse einbringen. Zudem liegt vom AS St. Etienne ein konkretes Angebot vor. Vor wenigen Wochen hätte man keine Sekunde überlegen müssen, diesem Transfer sofort zuzustimmen. Nun hat sich Sanogo aber in der noch jungen Saison vom sicheren Verkaufsobjekt zu einer wertvollen Stütze der Werderoffensive gemausert. Der einzige Grund, ihn in der jetzigen Situation zu verkaufen, ist die Befürchtung, dass es sich dabei zum wiederholten Mal nur um ein Strohfeuer handelt. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit legen dies nahe.

Einen Transfer Hugo Almeidas halte ich für unwahrscheinlich, auch wenn er von allen Kandidaten die höchste Transfersumme einbringen würde. Die erhoffte Leistungsexplosion des Portugiesen lässt weiter auf sich warten, doch Schaaf und Allofs glauben offensichtlich weiter daran, dass diese noch kommen wird. Dass beide Almeida für ein Riesentalent halten, haben sie mehrfach deutlich gemacht. Ich bezweifle deshalb, dass man ihn nun ohne Not verkaufen wird.

Markus Rosenberg ist bereits seit einiger Zeit verletzt, was Werders Möglichkeiten ihn zu verkaufen erheblich einschränkt. Nach der enttäuschenden letzten Saison scheint ein Verkauf Rosenbergs die logische Konsequenz. Bei nur 13 verbleibenden Tagen bis zum Ende der Transferperiode ist es aber wohl utopisch, einen willigen Käufer für den Schweden zu finden, zumal nicht klar ist, wann dieser wieder einsatzfähig sein wird. Ob Rosenberg nach Überwindung seiner körperlichen Beschwerden wieder zu alter Stärke zurückfindet ist fraglich. Als Stürmer Nr. 4 wäre er dann aber allemal brauchbar.

Egal, wie sich Werders sportliche Führung entscheiden wird – die Situation in Werders Angriff hat sich heute verbessert. Pizarro besitzt große spielerische Qualitäten und absolvierte im letzten Jahr (im Schatten der Torflut des Duos Grafite/Dzeko) mit 17 Toren in 26 Spielen seine erfolgreichste Saison seit 8 Jahren. Hoffen wir, dass ihm ähnliches auch 2009/2010 gelingt und neben ihm endlich einer (oder besser mehrere) seiner Nebenleute im Sturm aus dem Quark kommt!

2. Spieltag: Back to Basics

Bayern München – Werder Bremen 1:1

Fußball kann ein ganz einfaches Spiel sein. Werder Bremen ist unter Thomas Schaaf jedoch nur selten in den Verdacht geraten dieses einfache Spiel zu praktizieren. Am Samstag gegen die Bayern war das anders. Mit einfachsten Mitteln erkämpfte sich die Mannschaft einen Punkt in der Allianz-Arena und wirkte dabei wie ein Team aus dem unteren Tabellendrittel. Anscheinend hat man nicht nur aus dem Spiel gegen sondern auch von Eintracht Frankfurt gelernt. Dem Gegner das Mittelfeld überlassen, mit zwei Viererketten in der eigenen Hälfte warten und hoffen, dass sich die individuellen Fehler in Grenzen halten. Gegen einen FC Bayern, der sich in der Offensive noch nicht richtig gefunden hat, reichte diese Taktik immerhin zu einem Unentschieden.

Ein wenig Glück war sicher auch dabei und nicht zuletzt Tim Wieses Paraden verhinderten eine größere Torausbeute des Rekordmeisters. Beim Gegentor würde ich die aktuelle Nr. 2 der Deutschen Nationalmannschaft fast komplett von einer (Mit-)Schuld freisprechen. Diese flache Flanke an den Fünfmeterraum war äußerst schwer zu antizipieren. Sie hätte jedoch von Sebastian Boenisch verhindert werden können, der Philipp Lahm auf der linken Abwehrseite nur unzureichend unter Druck setzte.

Auf der anderen Seite hätte Werder das Spiel auch gewinnen können, wäre die Passgenauigkeit etwas höher gewesen. Chancen zu Kontern gab es in der zweite Halbzeit zur Genüge. Werders Offensivabteilung schaffte es jedoch nur selten, die Bälle unfallfrei in die Spitze zu spielen. Dort konnte wieder einmal nur Boubacar Sanogo überzeugen. Der Ivorer ist in hervorragender Verfassung, wurde jedoch zu selten mit verwertbaren Bällen gefüttert. Dafür zeigte er eine starke kämpferische und läuferische Leistung, meist mit dem Rücken zum Tor. Aaron Hunt konnte dagegen seine überraschende Nominierung als zweite Spitze nicht rechtfertigen und Hugo Almeida hat seine gute Frühform leider pünktlich zu Saisonbeginn verloren.

Nach dem erschreckenden Heimspiel letzten Samstag darf die Partie als klarer Fortschritt angesehen werden, auch wenn spielerisch fast gar nichts ging. Werder muss es nur endlich verstehen, diese Konzentration und Disziplin im Defensivspiel auch gegen die vermeindlichen Leichtgewichte an den Tag zu legen. Spielerisch braucht man sich nur wenig Sorgen zu machen. Das neuformierte Mittelfeld braucht noch etwas Eingewöhnungszeit, sollte es bei der vorhandenen Qualität aber schaffen, für genügend Durschlagskraft in der Offensive zu sorgen. Angedeutet hat man dies auch gegen die Bayern, vor allem beim schön herausgespielten Führungstor über die Stationen Borowski, Hunt und Özil.

Ein kleiner Trost über die magere Punkteausbeute zum Saisonstart: Immerhin bleibt Thomas Schaafs positive Bilanz gegen die Bayern weiter bestehen:

Werders Auswärtsbilanz gegen Bayern München unter Thomas Schaaf: 4 Siege, 4 Unentschieden, 3 Niederlagen.
Werders Heimbilanz gegen Bayern München unter Thomas Schaaf: 4 Siege, 3 Unentschieden, 3 Niederlagen.

1. Spieltag: Alles blöd

Werder Bremen – Eintracht Frankfurt 2:3

Alles blöd! Werder blöd, Abwehr blöd, Frankfurt blöd, Bundesliga blöd, Fußball blöd, Schiri blöd, Stadionruine blöd, VIP-Loge blöd, alle Spieler bis auf Özil blöd, Wochenende blöd, Blogeintrag schreiben blöd.

Genau einen Spieltag lang hat es gedauert, mir die Freude über den Beginn der neuen Saison zu verderben. Die Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt riss in 90 Minuten alte Wunden wieder auf, von denen ich nicht mal mehr wusste, dass sie existierten. Diese Abwehrleistung, die meine wildesten Befürchtungen übertroffen hat, muss einem große Sorgen machen. Trotz Ausfall von Naldo und Boenisch darf sich eine Bundesligamannschaft defensiv einfach nicht so verhalten. Keine durchschnittliche Zweitligamannschaft lässt sich hinten mit so einfachen Mitteln aushebeln, wie Werder gestern Nachmittag.

Es verbietet sich fast schon, die restliche Leistung zu bewerten. Offensiv war das nämlich gar nicht mal so verkehrt, was Werder phasenweise auf den Rasen legte. Es fehlte noch etwas Genauigkeit und das Tempo darf gerne etwas höher gehalten werden, aber insgesamt war das für einen 1. Spieltag ganz ordentlich. Doch was nützt es, wenn man sich hinten so amateurhaft anstellt? Sebastian Prödl hat (hoffentlich!) das schlechteste Spiel seiner Fußballerkarriere gemacht. Petri Pasanen weigerte sich hartnäckig, die Mittellinie zu überschreiten und hatte auf seiner linken Seite trotzdem arge Probleme. Per Mertesacker ragte aus dem Abwehrtohuwabohu mit einigen tollen Rettungsaktionen noch als einziger hinaus.

Selbst wenn man alle widrigen Umstände, die starken Frankfurter Konter und die Zufallsfaktoren des Fußballs berücksichtigt, war das einfach eine ganz traurige Darbietung. Traurig vor allem, weil es keine naheliegende Erklärung dafür gibt. Warum schaffen es diese eigentlich doch ganz fähigen Spieler nicht, eine Abwehrformation einzuhalten, die bei eigenem Überzahlspiel (!!!) nicht durch einen hohen Diagonalpass aus den Angeln gehoben wird? Warum lässt sich keiner der offensiven Mittelfeldspieler zurückfallen, wenn Frings und Borowski gleichzeitig ihre Positionen verlassen? Diese Löcher vor der Viererkette sollten bei einem System mit Doppelsechs nicht vorkommen. Beim Verschieben darf eben nicht nur offensiv gedacht werden.

Es wäre wirklich schön, wenn sich der eine oder andere Werderspieler, nachdem er von der nächtlichen Sauftour zwischen Bolero und Modernes erwacht ist, mal Gedanken über die eigene Einstellung zu seinem Beruf machen würde. Es ist mir egal, was für ein unsympathischer Sauhaufen sich da abseits vom Spielfeld präsentiert, so lange sich auf dem Spielfeld jeder einzelne für 90 Minuten auf seine taktischen, läuferischen und spielerischen Aufgaben konzentriert.

Wenigstens über einen Spieler kann ich mich aber wirklich freuen: Mesut Özil. Das war eine richtig starke Leistung, die Lust auf mehr macht. Wenn mir der Rest diese Lust nicht schon verdorben hätte.