Archiv für den Monat: Oktober 2009

Pascals Saison: Der lange Weg zum Fußballprofi

In der dritten Liga läuft es für Pascal Testroet in dieser Saison gut. Man könnte sogar sagen richtig gut – wären da bloß nicht diese Verletzungen. Nachdem er einen Bänderriss überstanden hatte und sich mit bereits drei Doppelpacks in der laufenden Saison in toller Form präsentierte, verpasst er wohl nun durch eine neuerliche Verletzung die große Chance auf sein Debut in Werders Profiteam. Diese Chance hätte der beste Torschütze aus Werders U23-Mannschaft wiederum dem Verletzungspech seiner Mannschaftskameraden zu verdanken gehabt.

Claudio Pizarros Einsatz im Bundesligaspiel morgen gegen Nürnberg ist noch unklar. Hugo Almeida ist nach langer Pause körperlich noch nicht wieder auf der Höhe. Marcelo Moreno verletzte sich bei seinem Auftritt im Pokal gegen Kaiserslautern ebenso wie Torsten Oehrl, Pascals Sturmkollege aus der zweiten Mannschaft, der am Mittwoch sein erstes Tor für die Profis erzielt hatte. Neben dem gesetzten Marko Marin stehen damit nur noch Markus Rosenberg und Said Husejinovic für den Angriff zur Verfügung. Beide haben bei Thomas Schaaf momentan nicht die besten Karten: Rosenberg wurde letztes Wochenende aus dem Spieltagskader gestrichen und musste im Pokal 90 Minuten auf der Bank sitzen. Husejinovic gehört zu den drei Spielern, die in der letzten Transferperiode verkauft werden sollten und nun nicht mehr eingesetzt werden. Am Mittwoch stand er zum ersten Mal in dieser Saison im Kader. Es hätte Pascals große Chance sein können.

Nun hat er sich am Mittwoch im Training eine Fußverletzung zugezogen und wird vermutlich nicht rechtzeitig bis zum Spiel wieder fit. Im Fußball sind es oft diese kleinen Zufälle, die über den Durchbruch eines Spielers entscheiden können. Teamkollege Oehrl hat es vorgemacht: Er war häufig zwischen erster und zweiter Mannschaft gependelt, stand teilweise an einem Wochenende bei zwei Spielen im Kader. Am Mittwoch konnte er sich mit seinem Tor für weitere Einsätze empfehlen. Seinen Einsatz über 45 Minuten hatte er Morenos Verletzung zu verdanken. Eine ähnliche Situation hätte auch Pascals Profikarriere ankurbeln können. So heißt es für ihn nun weiterhin hart zu arbeiten, in der dritten Liga Leistung zu bringen und auf die nächste Chance zu warten. Irgendwann wird er sie bekommen und hoffentlich auch nutzen. Doch wann?

Es ist Pascals erste “richtige” Saison im Herrenbereich, letzte Saison spielte er bekanntlich noch A-Jugend. Ein zu früher Einsatz in der Bundesliga kann die Entwicklung auch bremsen, dem Spieler fälschlicherweise signalisieren, er hätte schon viel erreicht. Auch die Öffentlichkeit könnte falsche, überzogene Erwartungen schüren, denen der Spieler (noch) nicht entsprechen kann. Man bedenke zum Beispiel die ersten Einsätze von Kevin Schindler oder Martin Harnik in Werders Profikader. Auf der anderen Seite kann der Schritt in den Profifußball auch zu spät kommen, bzw. gar nicht. Wer nach einigen Jahren in der zweiten Mannschaft eines Profivereins den Sprung in den A-Kader nicht geschafft hat, der wird ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht mehr schaffen. Die betreffenden Spieler sehen sich dann zumeist von selbst nach einem Arbeitgeber um, oder es wird ihnen vom Verein nahegelegt.

Zur Veranschaulichung zwei Beispiele: Ein ehemaliger Amateurspieler von Werder Bremen, dessen Namen ich nicht nenne, erzählte mir folgende Geschichte: Im Sommer 1997 gehörte er zu Werders Amateurkader. Trainer war damals ein gewisser Thomas Schaaf. Dessen Kollege bei den Profis, Dixie Dörner, stand bei Fans und Vereinsführung nach schwachem Saisonstart in der Kritik. Ein internationales Blitzturnier auf Teneriffa sollte die Mannschaft fernab vom Medienrummel zurück in die Spur bringen. Der Profikader wurde dabei um einige Amateure ergänzt; darunter auch besagter Spieler. Was folgte war eines der dunkelsten Kapitel in Werders Nachkriegsgeschichte. Gegen Gastgeber CD Teneriffa kassierte Werder eine 0:4-Klatsche. Torjäger Roy Makaay fertigte Werder in nur 16 Minuten mit einem Viererpack (!) ab. Vor dem Spiel am nächsten Tag gegen Atletico Madrid herrscht höchste Anspannung. Das Schicksal des Trainers steht auf dem Spiel. Dieser nimmt einige Umstellungen an der Mannschaft vor, setzt einige Amateure auf die Bank (meiner Erinnerung nach behauptete der besagte Spieler, in diesem Spiel zum Einsatz gekommen zu sein, was sich in der Spielstatistik jedoch nicht erkennen lässt). Werder spielt desolat, verliert das Spiel mit 0:8. Damit sind Dörners Tage auf der Trainerbank gezählt und auch der besagte Spieler beendet einige Zeit später demotiviert seine Karriere. Auslöser sei dieses Spiel gegen Atletico gewesen. Nach ein paar Jahren auf Regionalliganiveau hätte er gedacht, dass ihm niemand mehr etwas vormachen könnte. Spieler wie Christian Vieri und Juninho belehrten ihn wohl eines besseren. Der Schritt zum Profifußball war eindeutig zu groß.

Das zweite Beispiel betrifft ebenfalls einen ehemaligen Werder-Amateur, der inzwischen bei Borussia Wuppertal in der 3. Liga aktiv ist. In diesem Fall nenne ich den Namen: Mario Neunaber. Ich lernte Mario während meines Studiums kennen. Im Jugendbereich hatte er mit einigen Freunden von mir zusammen bei VfL 07 Bremen gespielt. Mit 13 wechselte er zu Werder Bremen. Er gehörte zu den wenigen, die es bei Werder durch den Jugendbereich bis in die Amateurmannschaft geschafft hatten. Ein echtes Eigengewächs. Doch dann ging es nicht mehr weiter. Der erhoffte Sprung zu den Profis blieb aus und Mario wechselte im Januar 2004 zu Sachsen Leipzig. Es folgte eine bewegte Karriere über die Stationen Preußen Münster, Kickers Emden, FC Ingolstadt und nun schließlich Wuppertal. Mit Ausnahme einer Saison in der 2. Bundesliga spielte er ausnahmslos in Liga 3. Bedenkt man, wie viele Spieler beim Kampf um eine Profilaufbahn auf der Strecke bleiben, ist das eine herausragende Leistung. Den großen Schritt zum “richtigen” Bundesligaprofi hat er trotzdem nicht geschafft.

Vielleicht reichte in beiden Fällen das Talent für eine große Fußballkarriere einfach nicht aus. Auch wenn man die Rolle des Zufalls* nicht unterschätzen sollte, wenn es um den Einstieg ins Profigeschäft geht, liegt es doch am Spieler selbst, seine Chance zu nutzen, wenn sie sich bietet. Und einmal bietet sie sich jedem. Früher oder später wird sich für Pascal Testroet eine ähnliche Situation wie an diesem Wochenende ergeben. Hoffentlich wird es für ihn der richtige Zeitpunkt sein. Denn dass er das Zeug zum Fußballprofi hat, ist nicht nur in Bremen unbestritten.

* Wahlweise durch “Schicksal” oder “Fußballgott” ersetzen.

Edit: Zum zweiten Mal schreibe ich über eine Verletzung, wegen der Pascal Testroet beim nächsten Spiel nicht dabei sein kann – zum zweiten Mal steht Pascal noch am selben Tag trotzdem auf dem Platz. Vielleicht sollte ich ihm jede Woche eine Verletzung andichten…

Dieser Eintrag wurde ebenfalls bei 18mal18 veröffentlicht.

DFB-Pokal, Achtelfinale: Tänzer

Werder Bremen – 1. FC Kaiserslautern 3:0

Genau so schnell, wie Werder gestern den 1. FC Kaiserslautern abfertigte, versuche ich heute die Nachbetrachtung abzuhandeln. Oft wird nach Pokalspielen zwischen Mannschaften aus unterschiedlichen Ligen geschrieben, es wäre kein Klassenunterschied zu sehen gewesen. Beim Spiel gestern war ein deutlicher Klassenunterschied zu sehen zwischen dem Tabellendritten der 1. und dem Tabellenzweiten der 2. Bundesliga. Werder kontrollierte das Spiel in allen Phasen, setzte die Pfälzer von Anfang an unter Druck und wurde mit Toren belohnt. Ich will nicht behaupten, dass Lautern nicht besser spielen kann, als sie es gestern taten, doch gegen eine so lauf- und spielfreudige Werdermannschaft hatten sie keine Chance.

Es ist sehr erfreulich, dass Werder gegen die Kleinen so souverän auftritt. Man muss nicht 5:2 in München gewinnen, wenn man dafür seine Pflichtaufgaben erledigt. Das tut Werder in dieser Saison seit der noch immer sehr ärgerlichen Auftaktniederlage gegen Frankfurt konsequent und so steht unterm Strich nun die tolle Bilanz von 16 ungeschlagenen Spielen in Folge. Im Pokal wartet im nächsten Jahr das Viertelfinale und man ist nur zwei Schritte von einer weiteren Fahrt nach Berlin entfernt. Die vielbeschworene Balance zwischen Defensive und Offensive stimmt bislang einfach, wie sich auch unschwer am Torverhältnis in der Liga ablesen lässt.

Sinnbildlich für den Aufschwung in dieser Saison ist das Zusammenspiel zwischen Özil, Hunt und Marin, das auch gestern wieder hervorragend klappte. Die drei wirbeln nicht nur übers Feld, sie tanzen. Der eleganteste dabei ist sicher Mesut Özil, dessen Ballbehandlung zum mit der Zunge schnalzen ist. Er spielt momentan selten über 90 Minuten mit vollem Einsatz, gönnt sich Auszeiten, schafft es aber trotzdem fast immer dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Der Grund dafür, dass Özils schöpferische Pausen kaum ins Gewicht fallen, heiß Aaron Hunt. Es ist nicht seine starke Form, sondern die Beständigkeit, mit der er sie hält, die überrascht. Schaaf wird nicht müde zu betonen, wie gut Hunts körperliche Verfassung ist und Hunt wird nicht müde – auf dem Platz. Er treibt das Spiel aus dem Mittelfeld an und ist an vielen gefährlichen Situationen beteiligt. Der dritte im Bunde, Marko Marin, blüht langsam richtig auf. Es tut ihm gut, von der Defensivarbeit im Mittelfeld ein Stück weit entbunden zu sein und im Angriff zu spielen. Seine Laufwege sind nicht die eines Mittelstürmers, doch mit seinen Dribblings und seinem Auge für den freien Mann sorgt er trotzdem für Torgefahr.

Das fast schon beängstigende daran: Dies ist nicht das Ende einer Entwicklung, sondern erst der Anfang. Wohin das noch führen soll? In jedem Fall wieder zu einer guten B-Note. Mit etwas Verletzungsglück vielleicht auch zu mehr. Selten war träumen schöner als heute.

Live-Blog: Werder Bremen – 1.FC Kaiserslautern

  • 19:37 MeineSaison - 80′ Sicher, Özil hat beim Tor ca. 30 Sekunden Zeit zum flanken, aber diese Präzision ist schon Wahnsinn!
  • 19:35 AnneriekeHolz - Party-Peter für Frings…mal sehen, ob er diesmal 4Min. durchhält
  • 19:35 MeineSaison - 78′ Man könnte jetzt sagen, das Spiel sei entschieden. Ist es aber schon seit 20 Minuten. Özil u Frings gehen, Bargfrede u Niemeyer kommen.
  • 19:33 MeineSaison - 76′ Werder – Lautern 3:0, Oehrl. Gerade wollte ich schreiben: Werder hat 1 1/2 Gänge zurück geschaltet,da flankt Özil auf Oehrl. Kopfballtor
  • 19:33 AnneriekeHolz - TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR für Werder 3:0 durch Oehrl
  • 19:32 MeineSaison - TOOOOOOOOOOOOOORRRRRR!!!!!!
  • 19:25 MeineSaison - 69′ Es sieht nicht so aus, als würde Lautern hier noch etwas reißen. Werder spielt etwas mit dem Tempo,kommt dann u.wann gefährlich vors Tor
  • 19:19 MeineSaison - 63′ Erst Großchance Lautern, von Pasanen in der Mitte geklärt. Dann Konter Werder über Hunt. Dessen Hereingaben werden zweimal abgeblockt.
  • 19:17 MeineSaison - 60′ Wiese macht es mal spannend. Schwacher Klärungsversuch mit dem Fuß landet bei Nemec, dessen Schuss kann er jedoch problemlos fangen.
  • 19:12 MeineSaison - 56′ Pasanen mit guter Übersicht und gutem Pass in die Mitte. Oehrl verpasst Hunts Flanke in der Mitte knapp.
  • 19:08 MeineSaison - .@AndreasWuerz Laut Schaaf hat er nicht gut trainiert letzte Woche. War gegen Bochum gar nicht im Kader. Soll wohl ein Denkzettel sein.
  • 19:06 MeineSaison - 50′ Gelb für Schulz, der gegen Hunt zu spät kommt. Gute Position für Naldo. Kein schlechter Schuss, aber Sippel wehrt zur Seite ab.
  • 19:06 AndreasWuerz - Was hat eigentlich Rosenberg gemacht, dass er nich ran darf? #svwfck
  • 19:04 MeineSaison - 47′ Damit hat sich mein Torwunsch für Moreno erledigt. Verletzung des Wangenknochens. Marin mit etwas zu steilem Pass auf Özil.
  • 19:02 MeineSaison - 46′ Anpfiff 2. Halbzeit. Bitte genau so weiter, wie in Halbzeit 1! Wechsel Werder: Oehrl für Moreno Wechsel Lautern: Bileck für Mandjeck.
  • 18:52 MeineSaison - @medispolis: Nein, Arsenal-Syndrom wär blöd. Andererseits fehlen nur noch 34 Spiele zu “49 unbeaten”.
  • 18:49 MeineSaison - Moreno geht ein bisschen unter. Marin, Hunt, Özil und auch Borowski machen hinter ihm die Musik, während er sich im Sturmzentrum aufreibt. Ein Tor wäre ihm zu gönnen.
  • 18:48 MeineSaison - Richtig starke Leistung von Werder: Von der ersten Minute an das Heft in die Hand genommen, sehr ballsicher nach vorne gespielt und Lautern kaum Chancen ermöglicht.
  • 18:47 MeineSaison - @medispolis: Hm, wenn da wirklich ein Zusammenhang besteht, hoffe ich aber sehr, dass es dir in Düsseldorf gut gefällt… ;)
  • 18:46 medispolis - Jetzt darf Werder nur nicht das Arsenal-Syndrom bekommen. #svwfck
  • 18:46 MeineSaison - Halbzeit: Werder – Lautern 2:0. Leistungsgerechte Führung einer spiel- und lauffreudigen Bremer Mannschaft gegen harmlose Pfälzer.
  • 18:45 medispolis - Meine Güte, Werder gefällt mir immer besser. Seitdem ich nicht mehr in Bremen bin, spielen die umso stärker und konstanter. #svwfck
  • 18:40 AndreasWuerz - man man man, jetzt wird sogar noch Boro zum Torjäger… #svwfck
  • 18:39 MeineSaison - 39′ Werder – Lautern 2:0, Borowski. Marin und Hunt passen sich die Bälle auf links zu, Hunt flankt, Borowski köpft ihn rein.
  • 18:38 AnneriekeHolz - Boro….
  • 18:38 AnneriekeHolz - TOOOOOOOOR again
  • 18:38 MeineSaison - 39′ Werder spielt munter weiter nach vorne, ohne zu viel zu riskieren. Sieht sehr abgeklärt aus… TOOOOOOOOOORRRRRR!!!!!
  • 18:33 MeineSaison - 34′ Fritz gefällt mir gut auf Rechts. Macht mehr nach vorne als zuletzt, was auch daran liegen dürfte, dass er hinten wenig gefordert ist.
  • 18:31 MeineSaison - 31′ Zuckerpass Özil! Flach und steil auf Moreno, der sich den Ball leider noch ablaufen lässt.
  • 18:28 MeineSaison - 28′ Werder – Lautern 1:0, Pasanen. Ecke Özil, Schuss Marin missglückt und Pasanen hält den Kopf rein. Kein Abseits. Folgerichtige Führung.
  • 18:27 AnneriekeHolz - Endlich…. & verdient – durch Pasanen :o) schön!
  • 18:27 AnneriekeHolz - TOOOOOOOOR
  • 18:27 MeineSaison - TOOOOOOOOOOOOOOOOOORRRRRR!!!!!!!!!!
  • 18:26 MeineSaison - Weltklasse von Özil! Klasse von Borowski angespielt, der TANZT durch den Strafraum und scheitert am Pfosten. Sippel rettet gegen Moreno.
  • 18:24 MeineSaison - 24′ Und da ist mal eine Großchance: Chance von Özil eingeleitet, von Hunt abgelegt und von Özil knapp am Pfosten vorbei geschlenzt. Klasse!
  • 18:22 MeineSaison - 23′ Werders Druck hat etwas abgenommen. Eine richtig gute Torchance ist bislang nicht herausgesprungen.Lautern oft in letzter Sek.dazwischen
  • 18:19 AnneriekeHolz - Kommentator auf Premiere nennt Werder harmlos ?!?
  • 18:19 MeineSaison - 20′ Es ist ein Genuss zu sehen, wie Özil und Hunt auf engstem Raum den Ball behaupten. Nun mal ein Freistoß von Marin, aber locker abgefangen
  • 18:16 MeineSaison - 16′ Ecke für den FCK. Bislang ganz wenig Entlastungsangriffe. Werder nun mit Platz zum kontern, verspielt die Chance aber.
  • 18:14 MeineSaison - 14′ Knifflige Szene in Lauterns Strafraum: Flanke von Fritz wird im Strafraum mit der Hand geblockt, aber korrekterweise kein Elfmeter.
  • 18:12 MeineSaison - 13′ Spiel geht bis auf eine Ausnahme vorhin nur in Richtung Lauterer Tor. Morenos Abschluss erneut geblockt. Lautern schwimmt.
  • 18:08 MeineSaison - 9′ Auf der Gegenseite muss Wiese zweimal zupacken. Sehr unterhaltsame Partie bislang!
  • 18:08 AnneriekeHolz - Wieses Trikotfarbe schmeichelt mal wieder extrem seinem natürlichen Teint #GibHautkrebs keineChance
  • 18:07 BastianLeferink - Laut Radio gehts ja ordentlich los im Weserstadion. Ich glaube ich such mit doch ne Kneipe #svwfck
  • 18:06 MeineSaison - 6′ Werder macht von Anfang an Druck. Hunt setzt sich auf Rechts klasse gegen Nemec durch, flankt auf Moreno, doch d. Kopfball wird geblockt
  • 18:04 AnneriekeHolz - Mit Super-DieWand-Wiese natürlich pro #Werder
  • 18:03 MeineSaison - 4′ Erster Torschuss durch Borowski, sah eher nach verunglückter Flanke aus und wird von Sippel locker abgefangen.
  • 18:03 AnneriekeHolz - Mein Tipp heute #Werder vs. Lautern DFB Pokal – Elfmeterschiessen
  • 17:59 MeineSaison - 1′ Es geht los! #svwfck
  • 17:58 MeineSaison - Kleine Überraschung am Rande: Said Husejinovic ist heute im Kader. Wurde von Schaaf in dieser Saison bislang trotz dünnem Kader nicht berücksichtigt. Letzte Rückrunde war er an Kaiserslautern ausgeliehen.
  • 17:55 MeineSaison - Gespannt bin ich vor allem auf Moreno. Viel hat man von ihm bisher nicht gesehen, seine Einsatzzeiten hielten sich in Grenzen. Vielleicht kann er heute mal ein Ausrufezeichen setzen.
  • 17:53 MeineSaison - Die Aufstellungen:
    Werder Bremen: Wiese – Fritz, Mertesacker, Naldo, Pasanen – Frings, Borowski, Hunt, Özil – Marin, Moreno
    1.FC Kaiserslautern: Sippel – Dick, Amedick , Rodnei, Bugera – Pavlovic, Mandjeck, B. Schulz, Paljic – Jendrisek, A. Nemec
  • 17:49 MeineSaison - Lautern kassierte am Wochenende gegen Düsseldorf die erste Saisonniederlage, hatte vorher einen Lauf. Chancenlos sind die Roten Teufel sicherlich nicht.
  • 17:46 MeineSaison - Trotzdem spricht vieles für die Grün-Weißen: Werder ist im DFB-Pokal zuhause seit 21 (in Worten: einundzwanzig) Jahren ungeschlagen.
  • 17:45 MeineSaison - Außerdem Pasanen und Borowski in der Startformation. Boenisch und Bargfrede bleiben für sie draußen.
  • 17:45 MeineSaison - Bei Werder fehlt Pizarro verletzt. Er wird (wie in der letzten Pokalrunde) vertreten von Marcelo Moreno. Ob Werder den Ausfall seiner “Torgarantie” kompensieren kann?
  • 17:44 MeineSaison - Olaf Thon: “Torsten Frings sollte sich auf Werder Bremen konzentrieren. Er hat über 80 Länderspiele gemacht. Nun kann er sich zurücklehnen.”
  • 17:42 MeineSaison - Mit dem Hashtag #svwfck kann man von Twitter aus mitkommentieren.
  • 17:40 MeineSaison - DFB-Pokal Achtelfinale.
    Nachdem es gestern doch ein paar überraschende Ergebnisse gab, muss Titelverteidiger Werder Bremen heute gegen den Tabellenzweiten der 2. Liga ran.
  • 17:37 MeineSaison - Moin aus Bremen!

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50+1: Sozialromantik oder Selbstschutz?

Angeregt durch eine Diskussion am Sonntag bei Twitter ein paar Gedanken zur 50+1-Regel. Zum Einstieg lohnt sich ein Blick auf diesen Artikel von Philipp von Niveau ist keine Creme. Philipp spricht sich darin gegen eine Abschaffung der 50+1-Regel aus. Eigentlich sollte dies ein Kommentar zu seinem Blogeintrag sein, der dann so lang wurde, dass ich ihn lieber als eigenen Blogeintrag veröffentliche.

Zunächst muss ich sagen, dass ich es ähnlich sehe wie Philipp und gegen eine Abschaffung der 50+1-Regel* bin. Hauptargument für eine Abschaffung sind die zusätzlichen Finanzierungsmöglichkeiten, die sich Fußballvereinen bieten würden, wenn sie über die Verteilung ihrer Anteile frei bestimmen könnten. Warum sollte man den Profivereinen dieses Recht beschneiden? Man kann argumentieren, dass es den Vereinen ja trotzdem selbst überlassen bleibt, ob sie ihre Anteilsmehrheit abgeben. Ein Zwang dazu besteht (zunächst) nicht. Viele Vereine könnten sich jedoch dazu genötigt sehen, dies zu tun, um keine finanziellen Nachteile gegenüber der Konkurrenz kompensieren zu müssen.

Ist die Mehrheit an einen Investor abgetreten, birgt dies natürlich auch Gefahren. Solange ein Investor auch am sportlichen Erfolg eines Vereins interessiert ist, dürfte es keine Probleme geben. Das ist allerdings nur der Fall, wenn der Investor irgend einen idellen Wert darin sieht (wie z.B. bei Hopp in Hoffenheim) oder wenn er indirekt davon profitiert (wie z.B. Adidas bei Bayern München). Geht es dem Investor nur um kurzfristige hohe Renditen, ergeben sich bei “Fußballunternehmen” allerdings sehr große Rationalisierungszwänge, denn hohe Renditen erwirtschaften Fußballvereine zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht.

Wenn ein Investor nun z.B. der Meinung ist, Werder Bremen wäre profitabler, wenn man die Personalkosten um 30% senkt, dann könnte man ein paar Leistungsträger verkaufen, würde einen hohen Gewinn einfahren, die Investoren hätten ihre gewünschte Kapitalrendite und alle wären froh – bis auf die Fans, die Trainer und die Spieler, die gerne sportlich erfolgreich sein möchten.

Dieses Beispiel ist natürlich sehr unwahrscheinlich. Die meisten bisherigen Investoren im Fußball zählen zu einer der beiden oben genannten Gruppen, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Vereine gerade durch die 50+1-Regel für die von manchen als “Heuschrecken” titulierten Investoren uninteressant sind. Durch eine Abschaffung dieser Regel würde man sich somit neuen wirtschaftlichen Zwängen aussetzen: Bislang reicht es für einen Verein i.d.R., die eigenen Kosten zu decken. Konservativ wirtschaftende Vereine wie etwa Werder Bremen oder Bayern München bilden aus den Überschüssen zwar auch Rücklagen für schlechte Zeiten, der Großteil der Einnahmen wird jedoch für Investitionen in Spielerkader oder Stadion genutzt. Um an den Finanzmärkten im Wettbewerb mit anderen Unternehmen bestehen zu können, müssen die in Aussicht gestellten Renditen und damit auch die ausgewiesenen Gewinne fast zwangsläufig gesteigert werden. Es dürfte klar sein, dass hier ein Interessenkonflikt mit den sportlichen Zielen eines Vereins entstehen kann.

Die Praxis sieht im heutigen Weltfußball zugegebenermaßen anders aus, als von mir oben beschrieben: Investoren verdienen in vielen Fällen wenig oder gar kein Geld mit ihren Beteiligungen, nutzen sie vielmehr als Mittel um ihr Image aufzubessern (wodurch sie dann natürlich letztendlich doch Geld verdienen). In den besten Fällen sind sie strategische Partner der Vereine, in den schlechtesten hinterlassen sie marode Strukturen und leere Vereinskassen. Man könnte etwas hämisch sagen: Das können wir in der Bundesliga auch, trotz 50+1-Regel. Warum sollte man diese protektionistische Regelung dann beibehalten?

Aus meiner Sicht gibt es dafür zwei Gründe, der eine ist wirtschaftlicher Natur, der andere ideeller. Durch die 50+1-Regel bleiben die Vereine ein Stück weit von “externen Effekten” geschützt. Wer an die Vollkommenheit des freien Marktes glaubt, mag das für Quatsch halten. In Zeiten der Finanzmarktkrise zeigt sich aber z.B. in der englischen Premier League, dass längst nicht alles Gold war, was dort vor ein paar Jahren glänzte. Natürlich sind Vereine auch mit 50+1-Regel nicht völlig vor solchen Risiken geschützt, laufen jedoch weniger Gefahr, ohne eigene schwerwiegende Managementfehler ihre Existenzgrundlage zu verlieren. Doch warum brauchen Fußballvereine diesen “Extra-Schutz”? Damit kommen wir zum zweiten Grund: Fußballvereine haben eine besondere gesellschaftliche Bedeutung. Auch wenn Profiabteilungen losgekoppelt vom Sportverein betrieben werden, entstammen sie doch demselben Grundgedanken. Dieser sieht eben nicht finanzielle Interessen im Vordergrund, sondern den Sport. Es ist nicht zuletzt die große Anzahl an begeisterten Fans, die den Fußball eine Sonderstellung in großen Teilen der Welt einbringt. Diese Fans sind sowohl zahlende Kunden als auch direkte Beteiligte, etwa als Vereinsmitgliedern. Es hat auch eine symbolische Bedeutung, wenn eine Profimannschaft mehrheitlich dem zugehörigen Verein gehört. Man kann das für Sozialromantik halten und die 50+1-Regel für einen Anachronismus, doch ich nehme an, dass es nicht wenige Fans gibt, die es ähnlich sehen.

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* Da eingetragene Vereine nicht mit Gewinnabsicht geführt werden dürfen, haben die meisten (alle?) Bundesliga-Vereine ihre Profiabteilungen aus den Sportvereinen ausgegliedert. Die 50+1-Regel schreibt vor, dass die Mehrheit der Anteile an den dafür gegründeten Gesellschaften (im Fall von Werder Bremen bspw. die Werder Bremen GmbH & Co. KGaA) bei den zugehörigen Vereinen bleiben muss.

10. Spieltag: For the Record: No Record!

(Anmerkung: Ich hatte in den letzten Tagen einige Problem mit dem Blog. Es sollte nun endlich wieder alles normal funktionieren, aber mir sind leider einige Einträge und Kommentare flöten gegangen. Die Einträge habe ich zum Teil schon wiederhergestellt, der Rest folgt morgen, aber bei den Kommentaren geht das leider nicht. Also nicht wundern, falls dein Kommentar verschwunden ist!)

VfL Bochum – Werder Bremen 1:4

Puh! Achtunddreißig Sekunden dauerte es, bis das Gerede vom Rekord verstummt war. 619 Minuten war Tim Wiese in der Bundesliga ohne Gegentor geblieben – mehr wurden es nicht. Werder leistete sich einen kapitalen Fehler, wurde durch einen Steilpass durch die Mitte ausgehebelt und lag plötzlich hinten. Noch bevor die Spieler realisiert hatten, was eigentlich los war, hätte dieses Spiel schon vorbei sein können. Pfosten und Latte hielten Werder im Spiel und auf der anderen Seite nutzte Hunt ebenfalls gleich die erste Chance zum Ausgleich. Das bekannte Stilmittel Standardsituation Özil – Kopfball Pizarro führte wieder einmal zum Erfolg.

Das 1:1 war zu diesem Zeitpunkt äußerst glücklich, brachte Werder aber endlich ein Stück Sicherheit. Die Abstimmung in der Viererkette wurde in der Folge Schritt für Schritt besser. Bochum konnte nur noch selten so für Verwirrung sorgen, wie es in den ersten zehn Minuten. Die Spielweise der vergangenen Wochen kam wieder zum Vorschein: Konzentrierte Arbeit gegen den Ball, bei eigenem Ballbesitz ein Wechselspiel von träge wirkendem Aufbauspiel und blitzartigen Angriffen. Die Kombinationen zwischen Özil, Hunt und Marin liefen flüssig und letzterer belohnte sich endlich auch mal selbst. Die Halbzeitführung war somit trotz der katastrophalen Anfangsphase nicht unverdient.

Nach dem Wechsel wollte Werder die Fehler der ersten Hälfte nicht wiederholen und begann hochkonzentriert. Man drückte auf das Tempo und versuchte, das Spiel schnell zu entscheiden. Als dies nicht gelang, stellte man sich tiefer hinten rein, ließ Bochum im Mittelfeld etwas mehr Platz und setzte auf Konter. Bochum nutzte den Platz jedoch in dieser Phase clever aus und setzte Werder unter Druck. Entlastung durch gefährliche Konter gab es nur noch selten. In der 76. Minute kam dann aber einer, der die Bochumer Schachmatt setzte: Torsten Frings führte einen Freistoß schnell aus und schickte den durchgestarteten Borowski steil. Der ließ sich die Chance nicht entgehen und schob den Ball an Heerwagen vorbei ins Tor. Man kann darüber streiten, ob sich der Ball beim Freitstoß noch um einige Zentimeter bewegt, aber einen Vorteil hat Werder daraus nicht gezogen. Getrumpft ist der Ball jedenfalls nicht mehr und einen Vorteil zog Werder lediglich aus der Bochumer Unaufmerksamkeit.

Danach war das Spiel gelaufen. Werder brachte den Sieg über die Zeit und erhöhte in der letzten Minute durch Özil noch zum 4:1. Ein wunderschönes Tor, mit dem Außenrist aus spitzem Winkel erzielt. Die Bedenken, die ich nach der Schlussphase in Wien und den ersten 10 Minuten heute hatte, sind nach diesem Spiel wieder weniger geworden. Auch wenn Bochum nicht der stärkstmögliche Gegner ist, haben mich die Entschlossenheit und die Ruhe, mit der Werder nach dem Rückstand das Spiel drehte, beeidruckt. Der Glaube an die eigene Stärke ist also nicht verloren gegangen. Und warum sollte er auch? Nur noch ein Punkt trennt Werder nun von der Tabellenspitze. Mit der wiedergewonnenen Auswärtsstärke, die in der vergangenen Saison völlig verloren gegangen war, kann man sich berechtigte Hoffnungen machen, bis zum Schluss um die Champions League Plätze mitspielen zu können.

Für Tim Wiese dürfte es zu verschmerzen sein, dass er Recks Rekord nicht geknackt hat. Erstens erscheint es nicht unmöglich mit dieser Mannschaft eine neue Serie zu starten und zweitens hat die wichtigere Serie weiterhin Bestand: Seit nunmehr 15 Spielen ist Werder ungeschlagen. Respekt!

Europa League, 3. Spieltag: Schluckauf, bitte!

Austria Wien – Werder Bremen 2:2

In Wien hat Werder schmerzhaft zu spüren bekommen, wie schmal der Grat zwischen Abgeklärtheit und Nachlässigkeit sein kann. Durch Pizarros Doppelpack führte man nicht unverdient mit 2:0 bevor sich die Wiener zusammenrauften und Werder in den letzten 20 Minuten gehörig unter Druck setzten. Die starke Schlussoffensive der Österreicher brachte ihnen ein Unentschieden, mit dem Werder unterm Strich zwar besser leben kann, als der Gastgeber, das sich jedoch wie eine Niederlage anfühlt.

Lange Zeit sah es aus, als hätte Werder alles im Griff. Hinten nicht viel zugelassen, vorne mit Pizarro einen abgezockten Stürmer, der die Fehler der Wiener Hintermannschaft ausnutzt. Da war es sogar zu verschmerzen, dass Marin, Özil und Hunt vor dem Tor etwas sehr leichtfertig ihre Chancen liegen ließen. Am Ende sollte es sich jedoch bitter rächen. Die zuletzt hochgelobte Defensivabteilung leistete sich vor dem 1:2 einen kollektiven Aussetzer und ließ Sulimani völlig unbedrängt aus 20 Metern aufs Tor schießen. Danach sah man das, was man aus vergangenen Spielzeiten und auch dem Spiel in Funchal gewohnt war: Ein verunsichertes, wackliges Werder, das große Probleme hatte, die wütenden Angriffe der Hausherren abzuwehren. Kurz vor Schluss bekam man die Quittung in Form des 2:2-Ausgleichtreffers.

Was nimmt man aus diesem Spiel mit? Ein Unentschieden bei einem heimstarken Gegner ist so schlecht nicht. Nach wie vor hat Werder eine sehr gute Ausgangsposition, um in die nächste Runde einzuziehen. Sollte es nichts werden mit dem Gruppensieg, wird man bei der Auslosung der Zwischenrunde aber auch an dieses Spiel zurückdenken. Als Zuschauer bleibt man ein wenig desillusioniert zurück. Zu schön, ja erleichternd, war die Vorstellung, dass Werder plötzlich über ein Bollwerk in der Abwehr verfüge. Nun ist es jedoch schon eine Handvoll Spiele, in denen Werders Defensivabteilung große Fragen aufwirft. Auffällig: Fast alle davon in den Pokalwettbewerben (Aktobe, Funchal, St. Pauli und nun Austria Wien), nur eines in der Liga (Frankfurt). Die größte Frage dabei: Waren das nur kurze Rückfälle in alte Zeiten? Eine Art Schluckauf, der bald wieder vorbei geht? Oder ist andersherum die momentane Stärke nur eine vorübergehende Phase? Sind die 14 Spiele ohne Niederlage eher einer Verkettung glücklicher Umstände zu verdanken, als der eigenen Qualität?

Werder muss aus diesem Spiel lernen. Lernen, dass man nur bei voller Konzentration über 90 Minuten zu Null spielen kann. Lernen, dass man Spiel für Spiel diese Konzentration aufrecht erhalten muss. Das von Klaus Allofs ausgegebene Motto “Gelassenheit vor dem Spiel, volle Konzentration im Spiel” erwies sich nicht zum ersten Mal als Drahtseilakt, der Werder nicht so richtig gelingen will. Zieht man daraus die richtigen Schlüsse, wird in ein paar Wochen sicher niemand mehr von diesem Spiel sprechen.

9. Spieltag: Momentaufnahme

Werder Bremen – 1899 Hoffenheim 2:0

Mit etwas Verspätung noch ein paar Sätze zu Werders aktueller Situation. Das Spiel gegen Hoffenheim wurde ja anderorts schon aufgearbeitet, z.B. hier. Mir sind einige Parallelen zur Doublesaison 2003/04 aufgefallen: Damals wie heute stand Werder nach 9 Spielen auf Platz 4, hatte 3 Punkte Rückstand auf den Tabellenführer und ein Torverhältnis von +10. Wird die Auftaktniederlage gegen Frankfurt also als das neue “Pasching” in die Geschichte eingehen? So weit ist es noch lange nicht, doch die nun 13 Spiele währende Serie ohne Nierlage ist sehr respektabel. Genau wie Tim Wieses gegentorlose Zeit – mittlerweile 619 Minuten. Man sollte solche Serien nicht zu hoch bewerten, viel entscheidender ist die insgesamt deutlich verbesserte Defensivbilanz. Daran hat Wiese mit Leistungen wie gegen Hoffenheim freilich einen großen Anteil. Auch wenn es nur eine Momentaufnahme ist, mit einem Abwehrbollwerk von der Weser kann ich mich ganz gut anfreunden.

Ein wenig ausführlicher ist der Podcast, den probek gestern mit mir zusammen aufgenommen hat. Eine knappe Stunde lang haben wir uns über Werders neue Abwehrstärke, den aktuellen Kader und Thomas Schaaf unterhalten. Wer also Lust hat, mir beim Fabulieren über den SVW zuzuhören (oder einfach nur Langeweile), der klicke auf Play:

Ballpod München, Ausgabe 6 (20. Oktober 2009)

Deutschland, eine Herbstdepression

Am Mittwoch lieferte die deutsche Nationalmannschaft ein schlechtes Spiel gegen Finnland ab. Das Ergebnis spielte keine Rolle mehr, da man sich bereits am Samstag für die WM in Südafrika qualifiziert hatte. Man hätte nun also drauf Wetten können, dass a) Deutschland nicht wirklich gut spielen und b) die Leistung von den Deutschen als “Blamage” und “Demütigung” aufgefasst werden würde. Man könnte nun fragen, welche arrogante und völlig illusorische Grundhaltung diesem Anspruchsdenken zugrunde liegt, das ein – zweifellos glückliches – Unentschieden gegen einen gut spielenden Gegner wenige Tage nach der erfolgreichen Quali als Schmach empfunden wird. Immer noch die Nachwirkungen des “auf Jahre unschlagbaren” Kaisers? Man könnte auch über die fehlende Wertschätzung des Gegners sprechen. Die Finnen haben eine sehr gute und eine gute Halbzeit abgeliefert. Doch daran kann es nicht gelegen haben, auch nicht an der ungewohnten Aufstellung, sondern es müssen die Spieler aus der zweiten Reihe gewesen sein, die Torchowskis, Cacaus, Hitzlspergers. Als ob die individuelle Leistung eines Spielers nicht von der Leistung der Nebenleute und der Abstimmung untereinander abhinge. Alles keine Entschuldigung (und die braucht man als deutscher Nationalspieler) für ein 1:1 gegen Finnland. Die muss man einfach schlagen.

Muss man? Wenn man zweimal gegen Russland gewinnt, dann muss man die Finnen nicht schlagen. Doch während in anderen Ländern noch die Qualifikation fürs große Turnier gefeiert wird, grämen wir uns lieber unserer Unvollkommenheit. Das kann man schade finden, aber wir sind nunmal so. Spätestens ab dem Viertelfinale der WM werden dann auch wir entspannter. Entweder, weil unser Team bereits nach Hause geflogen ist und uns die schier unterträgliche Peinlichkeit eines solch frühen Ausscheidens so überfordert, dass wir sie vorübergehend ausblenden, um den Schmerz etwas zu lindern, oder weil wir unter den Top 8 der Welt sind; noch nicht das Gelbe vom Ei, aber immerhin kann das Turnier nun kein völliger Misserfolg mehr werden. Es sei denn man verlöre im Viertelfinale gegen Finnland.

Dieser Ehrgeiz ist ja gar nicht mal schlecht. Im Leistungssport ist er in der Regel von Vorteil. Leider ist es nunmal so, dass wir gerne die besten wären – es aber nur selten sind. Und selbst wenn wir die besten sind, sind wir eigentlich nicht die besten, sondern nur die Spielverderber, die den großen Mannschaften (Ungarn ‘54, Niederlande ‘74) die Tour vermasseln. Dafür sind wir sehr beständig, wahrscheinlich sogar die beständigsten, aber darüber können wir uns nicht freuen. Wie soll man sich auch über etwas freuen, das man als gegeben ansieht? Eine WM oder EM ohne deutsche Beteiligung hat es zu meiner Lebzeit nie gegeben. Sich über eine erneute Qualifikation zu freuen wäre ja irgendwie dämlich, fast so, als würde man sich über die Sonne freuen oder das Leben an sich. Das tun nur Südländer und oberflächliche Amerikaner.

Die Situation scheint aussichtslos: Wir sehnen uns nach dem absoluten Gipfel, ohne die Täler durchschreiten zu wollen. Wir beneiden die Spanier ob ihrer Eleganz und spielerischen Klasse, wären aber nie bereit, dafür zuerst einige Jahrzehnte der Erfolglosigkeit in Kauf zu nehmen. Den Italienern sprechen wir die Klasse lieber ganz ab und wundern uns über die Ungerechtigkeit, die sie trotzdem erfolgreich sein lässt. Man wird noch immer schief angeschaut, wenn man einfach zugibt, das Italien vor drei Jahren in Dortmund sowohl die offensivere als auch die bessere Mannschaft war. Genau hier liegt der wunde Punkt: Die Italiener und die Brasilianer sind die einzigen erfolgreicheren Fußballländer auf Nationalmannschaftsebene. Deutschland hat noch keinen von beiden bei einer WM geschlagen. Auch wenn man es nicht so sehen will, die großen Niederlagen der letzten Jahre hat man nicht gegen kleine Gegner wie Rumänien oder Ungarn kassiert, sondern gegen Brasilien (2002), Italien (2006) und Spanien (2008) – und das jeweils zu Recht.

Wie können wir Abhilfe schaffen? Wir könnten uns bewusst machen, dass es kein anderes Land außer Deutschland sowohl bei der letzten WM als auch bei der letzten kontinentalen Meisterschaft ins Halbfinale geschafft hat. Dass man mit etwas gutem Willen daraus schließen könnte, dass Deutschland in den letzten 4 Jahren im Schnitt die beste Mannschaft der Welt war. Doch spätestens seit Klaus Augenthaler wissen wir, dass im Schnitt auch jeder vierte Mensch ein Chinese ist. Und wenn der Chinese erstmal den Fußball beherrscht, dann ist sowieso alles vorbei. Wir tun also weiterhin das, was wir am besten können: Jammern auf hohem Niveau. Und irgendwann kommt dann wieder ein Odonkor, der auf einen Neuville flankt und uns kurzzeitig aus unserer Depression befreit.

Werder in Südafrika

Nachdem sich Deutschland souverän für die WM 2010 qualifiziert hat und in Werders momentaner Startelf neun Deutsche stehen, lohnt ein Blick auf die Chancen der Spieler, in Südafrika dabei zu sein.

Die Arrivierten

Mit Tim Wiese, Per Mertesacker, Mesut Özil und Marko Marin verfügt Werder über vier aktuelle deutsche Nationalspieler. Während sich Mertesacker und Özil wohl keine Sorgen über ihren Platz im 23-köpfigen Kader machen müssen und Marin nur bei einem Leistungseinbruch aussortiert werde dürfte, ist die Situation bei Wiese nicht ganz leicht auszumachen. Die letzten Nominierungen lassen darauf schließen, dass der Bundestrainer ihn derzeit nur als vierten Torwart betrachtet. Da mit großer Sicherheit nur drei Torhüter berufen werden, könnte es für ihn eng werden. Eine wirkliche Bewährungsprobe hat Wiese bislang nicht bekommen. Für das Freundschaftsspiel gegen Chile hat Löw ihm einen Einsatz versprochen, doch um mehr als den dritten Platz im Kader dürfte es nicht gehen. Aus dem propagierten Vierkampf um die Nummer Eins ist ein Zweikampf zwischen Adler und Enke geworden, in dem der Leverkusener nach seiner starken Leistung gegen Russland die Nase vorn hat (auch wenn ich die Euphorie für etwas übertrieben halte).

Mertesacker ist in der Innenverteidigung seit der WM 2006 gesetzt. Die Frage ist wohl eher, wer in Südafrika neben ihm auf dem Platz stehen wird: Westermann, Tasci, Höwedes, Boateng oder doch wieder Metzelder? Ähnlich komfortabel ist die Situation von Özil. Er ist innerhalb kurzer Zeit zum Hoffnungsträger geworden. Christian Kamp schreibt heute in der FAZ: “Schneller als Özil hat sich lange kein Neuling in den Vordergrund gespielt.” Der einzige andere Spieler, der für die Position des Spielmachers ernsthaft in Frage kommt ist sein Vereinskamerad Marin (Ballack ist bei all seinen Qualitäten kein kreativer Spielgestalter), der trotz zuletzt guter Form in der Nationalelf noch etwas hinten an steht. Zudem spielt er im Verein auf der Position des zweiten Stürmers, die es so in Löws Formation nicht gibt. Es ist unwahrscheinlich, dass er Özil verdrängt, sowohl bei Werder als auch in der Nationalmannschaft, doch wenn beide im Verein gut harmonieren ist es für Löw sicher auch eine Option, beide spielen zu lassen.

Die Ehemaligen

Zu den aktuellen Nationalspielern kommen die drei ehemaligen Torsten Frings, Tim Borowski und Clemens Fritz. Frings wird von Löw seit Anfang des Jahres nicht mehr berücksichtigt und hat seinen Stand durch provokative Aussagen in den vergangenen 12 Monaten nicht verbessert. Aus Frings Sicht ist der Ärger verständlich, denn nicht bei jedem Spieler werden die selben Maßstäne angesetzt wie bei ihm. In der Nationalelf hat sich Frings nichts zu schulden kommen lassen. Die EM 2o08 war eine Enttäuschung, doch nach einer Saison, in der er 3/4 der Spiele wegen Verletzungen verpasst hatte, konnte man nicht erwarten, dass er ein überragendes Turnier spielt wie 2006. Die Formkrise im letzten Jahr schien Löw zu bestätigen. Zuletzt war Frings jedoch wieder in starker Form und könnte sich für den WM-Kader aufdrängen, insbesondere wenn Hitzlsperger nicht bald zurück in die Spur findet.

Borowski galt 2006 noch als Versprechen für die Zukunft, als neuer Ballack, doch ein paar Verletzungen und ein erfolgloses Intermezzo bei FC Bayern später steht er mit leeren Händen da. Bei Werder präsentierte er sich bislang ordentlich (ich fand ihn keineswegs so schlecht, wie er von einigen gemacht wird), doch für eine WM-Nominierung wird er sich gewaltig strecken müssen. Gleiches gilt für Fritz, dem ich kaum Chancen einräume. Mit Boateng, Beck und Friedrich gibt es gleich drei Spieler, die auf der Rechtsverteidigerposition vor ihm stehen. Sollte es auf links eine starke Alternative geben (Schäfer? Jansen?) könnte auch Lahm auf die rechte Seite wechseln. Fritz hat sein Seuchenjahr zwar hinter sich gelassen und ist zumindest wieder ein grundsolider Verteidiger geworden, doch der Elan, der ihn 2006 ins Team brachte, geht ihm noch etwas ab. War er im 4-4-2 auch eine Alternative fürs rechte Mittelfeld, dürfte er im aktuellen 4-2-3-1-System als Rechtsaußen kaum in Frage kommen.

Die Newcomer

Drei deutsche Spieler bleiben noch übrig, die bislang nicht für die A-Nationalmannschaft ran durften: Aaron Hunt, Sebastian Boenisch und Philipp Bargfrede. Hunt galt lange Zeit als eines der größten deutschen Talente. Bereits im Frühjahr 2005, im Alter von gerade mal 18 Jahren, spielte sich Hunt zum ersten Mal in den Mittelpunkt. Nach 1 1/2 Jahren als Joker schaffte er es im Herbst 2006 endlich in Werders Startelf, damals noch als Stürmer. Im Champions League Spiel gegen den FC Barcelona überraschte Schaaf mit seiner Aufstellung (auch damals standen neun Deutsche auf dem Platz). Hunt und Werder spielten stark und der Stammplatz war zunächst sicher. Etliche Verletzungen versperrten seitdem den Weg zum Leistungsträger. Im Winter 2007, nach neunmonatiger Pause und befürchteter Sportinvalidität kam Hunt zurück, wieder in der Champions League, wieder gegen einen starken Gegner. Gegen Real Madrid brachte Schaaf ihn als Spielmacher, die von Verletzungen geplagte Rumpfelf (Sanogo, Vranjes, Pasanen, Tosic, Vander) spielte überragend, siegte 3:2 und Hunt erzielte ein Tor. Danach wurde es jedoch schon wieder ruhiger um seine Person. Er hatte Probleme den Anschluss zu finden, brauchte bis zum Sommer 2008 um sich erneut einen Stammplatz zu erkämpfen, traf im Jahrhundertspiel gegen Hoffenheim per Fernschuss in den Knick, nur um sich dann wieder mit Verletzungen rumzuplagen.

In dieser Saison ein neuer Versuch. Hunt ist seit einiger Zeit verletzungsfrei, der Trainer baut auf ihn und muss sich Kritik dafür gefallen lassen. Dem als “ewiges Talent” (die schlimmste Beleidigung in der deutschen Fußballsprache) verschrienen Hunt trauen viele Fans den Durchbruch nicht mehr zu. In nur vier Wochen brachte Hunt sie zum Schweigen. Gute Leistungen und Tore gegen St. Pauli, Mainz, Bilbao und Stuttgart machten ihn endlich zu einem Leistungsträger. Nun muss er beweisen, dass er diese Form halten kann. Sollte er das schaffen, ist eine Nominierung für die Nationalmannschaft nur eine Frage der Zeit. Allerdings könnte ihm der Körper wieder einen Strich durch die Rechnung machen.

Spieler wie Sebastian Boenisch haben bei den Zuschauern generell einen schweren Stand. Wer mit dem Wort “Talent” nur technische Fähigkeiten meint, der wird es Boenisch wohl absprechen. Seine großen Stärken hat er im läuferischen Bereich und im Zweikampf (zuletzt Quoten um die 75% gegen Mainz und Leverkusen). Boenisch kann das Spiel auf seiner Seite antreiben, ein Flankengott ist er jedoch nicht. In der Defensive hapert es noch am Stellungsspiel, das er in den letzten 12 Monaten jedoch schon merklich verbessert hat. Von einer WM-Nominierung ist Boenisch noch ein ganzes Stück entfernt, doch seine Laufbahn in der U21, mir der er im Sommer Europameister wurde, deutet darauf hin, dass er es auch in die A-Nationalmannschaft schaffen kann – allerdings wohl kaum bis zum nächsten Sommer.

Bargfrede ist bislang die große Überraschung der Saison. Gleich in seinem ersten Profijahr ist er zum Stammspieler geworden und überzeugt durch beständige, spielerisch und kämpferisch starke Leistungen. Wäre er Stuttgarter Wäre die WM nicht im nächsten Jahr hätte Löw ihn vielleicht schon eingeladen. Für die WM hat er allenfalls Außenseiterchancen, selbst wenn er seine tolle Entwicklung so fortsetzen sollte.

Die Ausländer

Es soll nicht der Eindruck entstehen, es gäbe nur deutsche Werderspieler, die eine WM-Chance haben. Hugo Almeida, Daniel Jensen, Petri Pasanen, Sebastian Prödl, Markus Rosenberg, Naldo und Marcelo Moreno sind aktuelle Nationalspieler ihrer jeweiligen Heimatländer. Während Pasanen (Finnland), Prödl (Österreich) und Moreno (Bolivien) keine Chance mehr auf eine WM-Teilnahme haben, sind die Verbände von Jensen (Dänemark) und Naldo (Brasilien) schon sicher qualifiziert. Jensens Platz im Nationalteam ist trotz langer Verletzungspause gesichert. Naldo wurde nach langer Zeit wieder für die Selecao nominiert und hat noch einen weiten Weg vor sich, um 2010 dabei zu sein. Hugo Almeida (Portugal) und Markus Rosenberg (Schweden) sind nicht nur Konkurrenten um einen Platz in Werders Sturm, sondern auch um die WM-Qualifikation. Portugal braucht heute Abend unbedingt einen Sieg gegen Malta, um noch in einen Relegationsplatz zu erreichen. Almeida kann dabei wegen seiner Verletzung nur zuschauen. Sollten die Portugiesen patzen kann Schweden mit einem Sieg gegen Albanien noch vorbei ziehen und seinerseits auf den Relegationsplatz hoffen.