Archiv für den Monat: Dezember 2009

Pascals Saison: Pascal wird Profi

Eine schöne Meldung kurz vor Weihnachten: Pascal Testroet wird Fußball-Profi!

Der 19-jährige hat am Sonntag seinen ersten Profivertrag bei Werder unterschrieben. Damit ist auch seine sportliche Zukunft vorerst geklärt, denn der neue Vertrag läuft bis 2012. Pascals alter Vertrag wäre im Juni 2010 ausgelaufen. In den letzten Wochen hatte sich dieser Schritt angedeutet, obwohl es auch Anzeichen für ein erneutes Interesse seines Ausbildungsvereins Schalke 04 gab. Auf dem Papier ist der nächste große Schritt in Pascals Karriere nun also getan – sportlich steht er ihm noch bevor. Das Debut in der Profimannschaft dürfte jedenfalls ganz weit oben auf seinem Wunschzettel stehen. Trotz des Zeitpunkt ist der neue Vertrag kein Weihnachtsgeschenk, sondern die Belohnung für starke Leistungen in der 3. Liga, wo Pascal weiterhin Werders bester Torschütze ist.

Dieser Eintrag ist ebenfalls bei 18mal18.de erschienen.

17. Spieltag: Leistungsgerecht

Hamburger SV – Werder Bremen 2:1

So endet also diese über weite Strecken viel versprechende Hinrunde. Eine Niederlage gegen 10 Hamburger, die sich die drei Punkte sehr hart erarbeitet haben und trotz geschätzten 753 hundertprozentiger Torchancen für Werder diesen Sieg auch verdient haben. Mit 28 Punkten steht Werder nun auf Platz 6 der Tabelle und wenn man ganz ehrlich ist gehört man dort auch hin. Im Fußball geht es eben nicht um Serien, weder niederlagen- noch gegentorlose.

Die Platzverhältnisse in der AOL-Arena oder wie sie gerade heißt waren grauenvoll. Darüber darf man sich als Spieler kurz ärgern, aber dann hat man sich verdammt nochmal damit zu arrangieren und die Spielweise entsprechend anzupassen. Bevor Werder überhaupt gemerkt hatte, dass hier ein Nordderby stattfindet, führte der HSV schon mit 1:0. Leider zeigte Werder danach, wie man momentan mit Druck umgeht: Hunt lässt sich zu 2-3 angedeuteten Tätlichkeiten hinreißen, Wiese stürmt übermotiviert aus dem Tor und schenkt den Hamburgern das 2:0 und ich schwöre hoch und heilig, wenn Marin in der Rückrunde auch nur eine Schwalbe produziert, fahre ich persönlich zum Trainingsplatz und mache ihn noch einen Kopf kürzer, als er sowieso schon ist.

Ab der 30. Minute hatte ich keine Lust mehr, dieses Spiel zu gucken. Es geht mir gar nicht darum, ob der Kontakt zwischen Boatengs Arm und Marins Schulter ausreichend war, um einen 64 Kilo leichten Spieler so zu behindern, dass man es als Regelverstoß ahnden müsste, sondern darum, dass er in der Situation nicht fallen muss. Er fällt aber. So wie er immer fällt, in vergleichbaren Situationen. Ich will das einfach nicht mehr sehen bei Werder! Marin ist ein Riesentalent, aber er ist noch weit davon entfernt in wirklich guter Spieler zu sein. Teil eines “magischen” Drei- bis Vierecks? Lächerlich! Auch Özil ist bei aller Klasse noch immer ein kleiner Junge, der keine Lust mehr hat, wenn man ihm den Ball wegnimmt. Seine Schultern hatten gestern in der zweiten Halbzeit fast schon Bodenkontakt, so sehr ließ er sie hängen. Der bessere Diego?

Erst nach 75 Minuten schien Werder kapiert zu haben, worum es in diesem Spiel eigentlich geht. Selbst danach hätte man die zehn müden Hamburger noch aus ihrem eigenen Stadion schießen können, doch Hunt und Marin trafen wie Naldo in der ersten Hälfte nur die Latte, Borowski schoss aus 16 Metern direkt in Rosts Arme, Pizarro scheiterte aus kurzer Distanz ebenfalls am Keeper und wiederum Hunt und Marin nahmen sich ein Beispiel an Prödl und setzten den Ball aus 4 bzw. 6 Metern am leeren Tor vorbei. Lediglich Naldo traf in der letzten Minute noch 1:2. Zu spät, aber dennoch Grund genug für überschwänglichen Jubel auf Seiten einiger Werderspieler. Na dann.

Was bleibt also an Erkenntnissen nach dieser ersten Auswärtsniederlage seit sieben Monaten? Dass Prödl als rechter Verteidiger nicht bundesligatauglich ist? Keine Neuigkeit, aber vermutlich kein Grund für Allofs in der Winterpause hier tätig zu werden. Es ist dann eben “Pech”, dass Fritz und Boenisch verletzt sind. So kann man es auch sehen. Wie man aber eine “junge Mannschaft” sehen kann, wie Allofs nach dem Spiel ins Sky-Mikrofon diktierte, ist mir ein Rätsel. Jung? Wiese, Naldo, Mertesacker, Pasanen, Frings, Jensen, Pizarro… ach Klausi, selbst Aaron Hunt spielt inzwischen seine sechste Saison als Profi bei Werder.

Dennoch ist nach zwei verlorenen Spielen nicht plötzlich alles schlecht, genau wie vorher nicht alles gut war. Ich glaube auch ich nicht, dass der sportlichen Führung die wahren Probleme verborgen geblieben sind und ich habe immerhin die Hoffnung, dass in der Winterpause daran gearbeitet wird. Sie liegen zum einen im mentalen Bereich. Wo man in der letzten Rückrunde gerade in den entscheidenden Spielen, den nötigen Willen aufbrachte und in Durchschlagskraft umwandelte, bekommt man heute Lektionen erteilt. Dafür spielt man in dieser Saison konstant, was in der letzten Saison völlig abging. The grass is always greener… Andererseits liegen die Problem dort, wo auch die große Stärke liegt: Im Mittelfeld. Einerseits haben wir dort Borowski und Jensen, die das alte Werder-Kombinationsspiel praktizieren, andererseits Özil, Hunt und Marin, die mehr auf 1 gegen 1 Situationen und Schnelligkeit setzen. Gelingt es, diese beiden “Schulen” zusammen zu führen, ist Werder eine absolute Topmannschaft. Gelingt es nicht, zerfällt das Gebilde in seine Einzelteile. Ich habe die Hoffnung, dass es in der Rückrunde noch besser klappt, als schon über weite Strecken der Hinrunde.

Unterm Strich stehen im Kalenderjahr 2009 nach 34 Bundesligaspielen 47 Punkte auf dem Konto. Das ist zwar ebenso eine zahlenspielerei, wie die oben genannten Serien, aber eines hat dieser Autor daraus dennoch gelernt: Nach dem 13. Spieltag gibt man keine Meisterschaftsprognose ab. Period.

Frohe Weihnachten und ein grün-weißes Jahr 2010 allen meinen Lesern!

“Meine Hoffnung ist, dass wir es dieses Jahr packen”

Heute steht das Nordderby an. DAS Nordderby. Nicht irgendein zurecht konstruiertes, sogenanntes “Nordderby” zwischen Werder und Wolfsburg oder Hannover und Rostock. Die Erinnerungen an die vier Nordderbys im Apri und Mai sind noch präsent. Als Werderfan denkt man gerne daran zurück. Grund genug, einmal die andere Seite zu Wort kommen zu lassen. Die andere Seite ist in diesem Fall Florian Neumann, alias nedfuller, der in Neds Blog mit viel Herzblut über den HSV bloggt. Im Interview (meinem ersten hier im Blog) erzählt er unter anderem, warum er mit den Leistungen seiner Mannschaft zufrieden ist, Werder nicht mag und Bruno Labbadia gegenüber skeptisch ist.

Tobias: Hallo Florian, danke, dass du mitmachst bei dem Interview. Nicht unbedingt ganz naheliegend, dich für ein Werder-Blog interviewen zu lassen. Die Saison ist ja bislang für den HSV sehr gemischt verlaufen. Wie beurteilst das insgesamt, bist du zufrieden mit den Leistungen und Ergebnissen?

Florian: Ja und nein. Natürlich bin ich zufrieden, denn wir sind immer noch da wo ich es erwartet habe, auf einem Platz, der für den internationalen Wettbewerb reicht. Bei dem Kader, den wir haben, bin ich insofern ganz froh, dass wir nach den vielen Verletzungen, nicht so stark abgestürzt sind. Es sah am anfang relativ gut aus bei uns, viele Spiele ohne Niederlage, gut gespielt, zwar ab und zu unnötig ein paar Punkte liegen gelassen, aber das doch schon ganz gut gemacht. Durch die ganzen Verletzten war es dann schon sehr eng, was den Kader anging. Deshalb bin ich an sich noch zufrieden.

Du hast das Verletzungspech gerade schon angesprochen. Mit Pechsträhne ist das ja fast noch milde beschrieben. Ich weiß gar nicht, wie viele Verletzte ihr zwischenzeitlich hattet. Dafür, dass so viele Spieler ausgefallen sind, habt ihr euch doch noch ganz gut geschlagen, habt nur vier Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze. Glaubst du, dass ihr ohne das Verletzungspech jetzt sogar noch wesentlich besser dastehen würdet?

Ja, definitiv. Man merkte es schon im letzten Spiel, als Petric wieder dabei war, dass der Gegner ganz anders gegen uns agiert. Da steht nun kein 19-jähriger Jüngling vorne drin, sondern ein kroatischer Nationalspieler, der in der Bundesliga gefürchtet ist. Dazu kommt irgendwann auch wieder ein Paolo Guerrero, der in den Spielen, die er zu Beginn der Saison gemacht hat, einfach grandios war. Das ist schon ein Unterschied. Es gibt diverse Spiele, bei denen ich in der Kurve gedacht hab: die Flanken kommen rein, aber es steht halt keiner da, der das verwerten kann. Mit den Beiden hätten wir sicher einge Spiele mehr gewonnen, etwa gegen Gladbach oder Hannover.

In den letzten Wochen hat sich eure personelle Situation wieder etwas verbessert. Die Ergebnisse sind ebenfalls besser geworden, die Formkurve geht klar nach oben. Bist du nun sogar traurig, dass die Winterpause kommt oder froh, weil zum Rürckrundenauftakt einige der verletzten Spieler wieder dabei sein könnten?

Ich bin froh, dass die Winterpause kommt, weil wir mit einem kleinen Kader 17 Spiele plus Europa Liga durchmachen mussten, was eben doch sehr anstrengend ist. Auch nach der Winterpause werden weder Ze Roberto noch Guerrero wieder im Kader sein, darauf kann man sich nicht verlassen, deshalb hoffe ich, dass wir für den Sturm noch Verstärkung holen werden.

Heute wurde die nächste Runde der Europa League ausgelost…

Und ich hab euch sooo Schachtjor Donezk gewünscht!

…naja, nun gibt es eben zweimal das Duell Deutschland gegen Holland. Ihr spielt gegen Eindhoven. Bist du zufrieden mit dem Los?

Es hätte wahrscheinlich schlimmer kommen können, gerade wenn man sieht, wie es jetzt Hertha erwischt hat mit Lissabon. Ich kann Eindhoven schlecht einschätzen, weiß gar nicht genau wo die stehen. Ich weiß nur, das Enschede, gegen die ihr nun spielt Erster ist und PSV irgendwo dahinter. Der holländische Fußball ist für mich schwer einzuschätzen. Wir hatten letzte Saison in der Gruppenphase Ajax als Gegner, da haben wir verloren. Wann wir das letzte mal gegen Holländer in der K.O.-Runde gespielt haben weiß ich schon gar nicht mehr. Die Spiele sind im Februar, da steht es auf der Kippe, ob Ze Roberto wieder da ist, aber ich rechne mir gute Chancen aus.

Am Sonntag steht nun das Nordderby an. Lass uns kurz über das Verhältnis zwischen den Vereinen und ihren Anhängern sprechen. Du hast vor dem Interview schon darauf hingewiesen, dass ich nicht auf Sympathien deinerseits gegenüber meinem Verein hoffen kann, weil du Werder nicht magst. Ganz salopp gefragt: Warum eigentlich nicht?

So richtig kann ich gar nicht sagen, warum das so ist. Es hat sicher etwas damit zu tun, dass es ein ewiger Rivale ist, weil Werder Bremen schon immer ein Verein war, gegen den man Derbys hatte. Zum anderen ist es die Abneigung gegen das, was da so passiert. Bremen ist eben doch ein kleines Dorf von uns aus gesehen und trotzdem seid ihr erfolgreich, das muss man schon anerkennen. In den letzten Jahren hattet ihr ein bisschen mehr an Erfolgen als wir. Wir haben in den letzten 23 Jahren keinen Titel gewonnen, bei euch sieht es da etwas anders aus. Das schürt natürlich auch so ein Verhältnis. Ich hab mich immer gefragt, warum wir eine Fanfreundschaft mit Hannover 96 haben. Das liegt natürlich auch daran, dass die uns nicht an den Karren pinkeln. Was mich maßlos geärgert hat war, dass uns Werder in der ewigen Tabelle überholt hat vor zwei Jahren und wir damals auch noch die Champions League Qualifikation verpasst haben im direkten Duell. Das hat weh getan.

Die Rivalität hat also auch etwas damit zu tun, das die Vereine seit langer Zeit auf Augenhöhe sind?

(lacht) Nein, das muss man euch leider zugestehen, das sind wir nicht. Bis auf die letzten paar Jahre. Vorher waren wir es nicht.

Gut, dann lass es mich anders formulieren. Bis in die 70er war das Verhältnis zwischen den Fans gar nicht so schlecht. Vor Gründung der Bundesliga war Hamburg Serienmeister der Oberliga-Nord. in den 60ern gewann Werder zwar mal die Meisterschaft, doch in den 70ern war man eine graue Maus, die immer im Mittelfeld landete. Erst nach dem Wiederaufstieg konkurrierte man sportlich so richtig. 1983 wurdet ihr Meister und wir punktgleich Zweiter. In der Saison gipfelte auch der Hass zwischen den Fans und eskalierte im Tod von Adrian Maleika. Für viele der Ausgangspunkt der heutigen Rivalität zwischen den Fans.

Interessant, dass du das erwähnst. Ich habe gerade im Magazin des Hamburger Supporters Clubs ein Interview mit Maleikas bestem Freund gelesen, der sagt, dass die Situation damals sehr seltsam war. Vorher war nie etwas. Er ist sogar mal bei uns in der Westkurve gewesen und hat dort ein Spiel geguckt. Nicht irgendein Spiel, sondern HSV gegen Werder Bremen. Es fing dann wohl damit an, dass sich die Hooligans beider Vereine gegenseitig angegriffen haben. Es gab zum Beispiel einen Angriff von HSV-Hooligans auf eine S-Bahn mit Leuchtmunition. Vor kurzem gab es einen Angriff auf einen Werder-Bus von HSV-Anhängern mit Steinen und Eisenstangen. Da müssen wir aufpassen, das hatten wir vor 27 Jahren schon mal und da ist jemand gestorben. So sehr ich auch sage, dass Bremen nie mein Lieblingsverein sein wird, es darf nie in Gewalt ausarten. Eine gesunde Rivalität finde ich toll, das gehört auch dazu.

Gab es für dich persönlich ein Schlüsselerlebnis, was deine Abneigung gegen Werder angeht?

Dann hat es auch etwas damit zu tun, dass ich in der letzten Saison zum ersten Mal bei euch im Stadion war zum Bundesliga-Spiel. Da war etwas enttäuscht von dem, was ich geboten bekommen habe. Ich stand nicht in der Gästekurve, sondern saß auf der Südtribüne in Richtung eurer Fankurve und nun habt ihr uns damals mit 2:0 verprügelt. Tim Wiese hat Bälle gehalten, bei denen ich dachte: was ist denn hier los? Ihr habt verdient gewonnen, überhaupt keine Frage. Eigentlich ein Freudentag für euch, aber um mich herum saßen viele Fans, die zwar Schals ums Handgelenk gebunden hatten, aber noch nicht mal zur LaOla aufgestanden sind. Vor uns saß noch so ein Vollidiot, der die HSV-Fans im Block bepöbelt und beim 1:0 in unsere Richtung gejubelt hat. Dazu hab ich mich maßlos über das Stadion geärgert, denn das ist unter aller Sau. Das kann man einem Fußballfan nicht zumuten. Ich kenne das noch aus dem alten Volkspark, da war es ähnlich. So lange schon erfolgreich zu sein und dann so ein Stadion zu haben, das ist für mich unverständlich.

Dazu hat mich das Auftreten einiger eurer Spieler geärgert. Das Auftreten von Diego unter unserer Fankurve war unnötig, das muss er nicht machen. Dass man dann keine Gegenstände auf ihn wirft, ist eine ganz andere Sache, das verurteile ich sofort, aber es war schon sehr provozierend und das nervt dann eben noch mehr. Tim Wieses Aktion mit dem Megafon fand ich dagegen gar nicht so schlimm. Für die Öffentlichkeit war es etwas blöd, aber es ist doch verständlich, wenn ein Bremer Spieler sich über einen Sieg gegen uns freut. Ich wäre ja froh, wenn unsere Spieler das genauso empfinden würden. Lustig fand ich aber die Choreographie mit der Papierkugel. Das war eine tolle Idee, dass ihr eure eigene Leistung darauf beschränkt, denn die Papierkugel hatte mit dem Ausgang des Spiels eigentlich nichts zu tun.

An die letzten vier Nordderbys wirst du vermutlich nicht gerne zurück denken. Vor allem dieses besagte Spiel mit der Papierkugel war ja sehr umstritten. Wie hast du die Partie damals erlebt?

Was mich geärgert hat an der Geschichte mit der Papierkugel ist, dass dadurch die wahre spielentscheidende Szene in den Hintergrund gedrängt wurde. Das war nämlich das zu Unrecht nicht gegebene Tor von Olic. Als das 1:0 für uns fiel, war ich noch nervöser als sonst, weil ich gemerkt hatte: die Bremer wollen heute gewinnen. Die sind ganz anders aufgetreten als wir. Es gab an dem Tag eine Choreo der Fans durch gesamte Stadion, das war unfassbar. Es war eine Stimmung im Stadion, wie ich sie noch nie erlebt habe, das werde ich nie vergessen. Weil wir wussten: es geht um etwas. Es geht um alles! Dieses Gefühl hatte ich von Teilen unserer Mannschaft leider nicht. Bei der Aufstellung habe ich mich gefragt, wo eigentlich das Mittelfeld ist. Wir haben mit zwei Stürmern gespielt, was gut war, da Werder hinten sehr anfällig war, aber wir hatten eben kein Mittelfeld, das die Stürmer mit Bällen versorgt hat. Eine ganz merkwürdige Situation.

Ist Werder für dich ein Angstgegner?

Ja. Natürlich. Ganz einfach, weil Bremen immer eine gewisse Qualität mitbringt. Es ist ja nicht so, dass sie gegen uns glücklich gewinnen, wie vielleicht Bochum oder Gladbach, sondern weil sie die Qualität haben. Das ist dann schon etwas “beängstigend”, wenn man so will.

Die wirklich wichtigen Nordderbys hat Werder in den letzten Jahren eigentlich immer gewonnen. Für mich ist Hamburg trotzdem eine Art Angstgegner. Ich habe Angst vor dem ersten Mal. Ich bin seit 1986 Fußballfan und musste nie einen großen Triumph von euch über uns miterleben, aber irgendwann muss es ja mal dazu kommen.

Meine Hoffnung ist ja, dass wir es dieses Jahr packen. Mein Traum wäre, dass wir euch in der Europa League im Finale in Hamburg schlagen und dann am Samstag darauf die Meisterschale im Weserstadion gewinnen.

Das wäre dann in der Tat die ultimative Revanche. Kommen wir zum Spiel am Sonntag. Köln und vor allem Schalke haben in den letzten Wochen gezeigt, wie man Werder beikommen kann: mit viel Laufbereitschaft und konsequentem Zweikampfverhalten. Glaubst du, dass ihr das Spiel ähnlich angehen werdet oder wird es doch ein offener Schlagabtausch?

Ich hoffe, dass wir daraus gelernt haben. Wenn man es schafft, euch nicht ins Spiel kommen zu lassen, dann hat man eine Chance. Jetzt, wo Petric wieder da ist, haben wir ja auch jemanden vorne drin, der Tore machen kann. Trotzdem ist die Ausrichtung unseres Trainers so, dass man das Spiel machen will. Das kann man gegen euch auch machen. Trotz der wenigen Gegentore habt ihr nicht die besten Innenverteidiger der Liga, aber die meisten eurer Gegner gehen die Spiele defensiv an, weil sie Angst vor dem Offensivfeuerwerk haben, dass ihr veranstaltet. Was machen Mertesacker und Naldo jetzt anders als in der letzten Saison? Nichts. Ich bin der Überzeugung, dass man ihnen mit schnellen Pässen den Garaus machen kann. Wir müssen dann nur darauf achten, bei Ballbesitz Werder den Raum eng zu machen, damit ihr euer Kombinationsspiel nicht aufziehen könnt.

Noch ein paar Worte zu eurem Trainer. Martin Jol war in der letzten Saison doch eigentlich ganz erfolgreich. Ich denke, der hätte mit dem heutigen Kader auch gut gearbeitet. Trotzdem hat man ihn entlassen und mit Labbadia einen neuen Trainer geholt. Wie beurteilst du das und was hältst du von Labbadia?

Jol hatte kein allzu gutes Standing in der Mannschaft. Es gab Irritationen, weil Jols Bruder schon vor den Spielen in die Kabinen der gegnerischen Mannschaften gegangen ist und dort Trikots zu bekommen. Dazu hatte Jol schon viele der jungen Spieler zur Verfügung, hat sie aber nicht wirklich eingesetzt. Boateng hat er zum Beispiel völlig links liegen gelassen, obwohl wir Probleme in der Innenverteidigung hatten. Dann wollte er seine Kompetenzen erweitern und mehr Einfluss im Verein erlangen und das ist eben etwas, das bei uns nicht geht. Wir haben einen Trainer und nicht mehr. Letztendlich ist dann auch der Sportdirektor gegangen, das hatte keiner erwartet, weil es nach außen keine Anzeichen dafür gab.

Bruno Labbadia gegenüber bin ich sehr skeptisch. Ich bin sowas von skeptisch, das kann man sich gar nicht vorstellen. Ich vermisse von Labbadia teilweise ehrliche Worte, auch mal in der Öffentlichkeit. Nach so einer Niederlage wie am Donnerstag möchte ich auch mal Klartext hören. Thomas Doll hat perfektioniert und bis kurz vor seiner Entlassung immer wieder behauptet, wir hätten gut gespielt und unverdient verloren. Dennoch hoffe ich, dass wir einen Trainer gefunden haben, mit dem wir langfristig zusammenarbeiten können, ich glaube es aber einfach noch nicht.

Er ist ja auch für seine – nicht vorgenommenen – Auswechslungen kritisiert worden. Boateng war das glaub ich, der verletzt war und weiterspielen musste?

Ja, genau. Zwei Spiele später war es dann Demel, der Unrund lief und der Trainer hat es nicht gesehen. Labbadia ist noch ein junger Trainer, das muss man auch sagen. Insofern ist es ein Risiko. Er hat vorher Bayer Leverkusen auf den 9. Platz trainiert, das ist keine Auszeichnung, ist mit Fürth nicht in die 1. Liga aufgestiegen. Der einzige Erfolg, den er vorzuweisen hat, ist der Aufstieg mit Darmstadt aus der vierten in die dritte Liga. Er wirkt aber sehr ehrgeizig, steckt viel Arbeit in seinen Job und hat die Rothosen an, als ehemaliger HSV-Spieler. Das finde ich nicht unwichtig, weil er weiß, was es bedeutet, Trainer des HSV zu sein.

Zu guter Letzt: Gibst du einen Tipp ab für das Spiel?

Ja… 2:1. Bei dem Spiel geht es um nichts, also haben wir eine ganz gute Chance.

Dann bedanke ich mich für das Gespräch und wünsche dir alles Gute. Deinem Verein nicht, aber das beruht wohl auf Gegenseitigkeit.

Richtig.

Europa League, 6. Spieltag: Weihnachtsausflug

Athletic Bilbao – Werder Bremen 0:3

Spät aber doch: mein Senf zu Werders Auswärtssieg in Bilbao. Die Arbeit ließ es nicht früher zu und es gibt zum Glück auch nicht viel zu schreiben. Mit 16 von 18 möglichen Punkten hat Werder die Gruppe gewonnen und musste gegen die Basken auch nicht lange um den Gruppensieg zittern. Die zum großen Teil mit Nachwuchsspielern besetzten Gastgeber waren nach dem frühen 0:1 völlig verunsichert und gaben Werder viel Platz und Zeit zum Kombinieren. Das taten die Grün-Weißen dann auch, vor allem in der ersten Hälfte, sehr gefällig. In der zweiten Halbzeit schlich sich dann so ein wenig der Schlendrian ein, doch dank Tim Wiese und einige unüberlegten Abschlüssen auf Seiten von Athletic blieb die Null stehen. In der K.O.-Phase wird Werder wohl kaum noch einmal auf einen so wehrlosen Gegner treffen. Bilbaos Chancen auf den Gruppensieg waren sowieso gering, da bot es sich an, lieber ein paar Leistungsträger zu schonen und junge Spieler Erfahrung sammeln zu lassen.

In der nächsten Runde spielt Werder gegen Twente Enschede, das Team vom Ex-Teamchef der englischen Nationalelf Shteve McLaren. Ein gutes Los. Nicht zu schwierig, Werder ist klarer Favorit, aber auch nicht so unbekannt, dass man überheblich werden dürfte. Über Liverpool hätte ich mich natürlich auch gefreut, aber irgendwie bin ich doch ganz froh, dass Werder ein Hammerlos wie vor einem Jahr vorerst erspart bleibt.

16. Spieltag: How Felix stole Christmas

Werder Bremen – Schalke 04 0:2

“Wissen Sie noch wie man ein Spiel verliert?” Diese Frage stellten die Sky-Reporter vor dem Spiel jedem Werderspieler, der nicht bei drei auf dem Baum war. 90 Minuten später kannten wir die Antwort: Ja, sie wissen es! Und wer dachte, nach vier Monaten ohne Niederlage wüsste man schon gar nicht mehr, wie es sich anfühlt zu verlieren, der wurde eines besseren belehrt. Das Gefühl ist nur all zu bekannt. Es kommt einem so vor, als sei es nie weg gewesen.

Viel ärgerlicher als das ist jedoch der Blick auf die Tabelle. Auf Platz 4 steht man dort, punktgleich mit dem nächsten Gegner HSV. Die vielen Unentschieden der letzten Wochen zeigen spätestens jetzt Wirkung: Nur zwei Punkte mehr als in der vergangenen Hinrunde hat Werder auf dem Konto. Bei einer Niederlage im Nordderby braucht man sich mit der Meisterschaft erstmal nicht mehr zu beschäftigen. Doch ich will nicht zu schwarz malen. Noch ist nicht viel verloren, der Rückstand dank Leverkusens Punktverlust in Berlin noch im Rahmen, und dass die Serie einmal reißen musste, war auch klar. Doch es ist kein Zufall, dass es gegen Schalke passierte.

Ausgerechnet Schalke, den viel zitierten “Lieblingsgegner” der Bremer, der gegen keine andere Mannschaft häufiger verloren hat. Seit dem Sieg beim berüchtigten Saisonauftakt im August 2004 konnte Werder jedoch nur noch einmal gegen Schalke gewinnen. Ansonsten gab es viele bittere Niederlagen und ein paar mehr oder weniger ärgerliche Unentschieden. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Schalker den Bremern nicht liegen. Allerdings hat das Schalke von vor fünf Jahren mit dem heutigen Schalke genau so wenig zu tun, wie das Werder von vor fünf Jahren mit dem heutigen Werder. Die Spielausrichtung en beider Mannschaften sind jedoch gleich geblieben. Und wenn jemand weiß, wie man sich das zu nutze macht, dann Felix Magath.

Das Schalker Spiel war eine konsequente Fortführung dessen, was die Kölner vor einer Woche erfolgreich probiert hatten. In der Vergangenheit reichte es gegen Werders Offensive oft aus, mit zwei Viererketten vor dem eigenen 16er auf die Angriffe zu warten und die Räume vor dem Tor eng zu machen. Möglichkeiten für Konterangriffe ergaben sich fast automatisch. In dieser Saison lässt Werder hinten weniger zu und kommt vorne selbst auf engstem Raum zu Torchancen, bzw. nutzt die Standards in Tornähe. Schalke ließ es (wie Köln letzte Woche) nicht dazu kommen. Sie setzten das Bremer Mittelfeld schon unter Druck bevor Özil, Hunt und Marin auf Reise geschickt werden konnten. Frings und Jensen bekamen das Spiel nicht in den Griff und so mussten die zuvor genannten den Ball schon früh im Spielaufbau fordern. Anstatt ihre Kombinationsfähigkeiten auszuspielen, versuchten sie es häufig mit Einzelaktionen, die an dieser Stelle fruchtlos waren. Vor dem Strafraum reicht es aus, zwei Spieler aussteigen zu lassen, um frei vor dem Tor zu stehen. Kurz nach der Mittellinie kommt dann eben der dritte Spieler dazu und klärt. Es war eher die Spielweise Diegos, der den Ball allerdings auch gegen vier Mann behaupten konnte.

Zur Pause konnte man also festhalten, dass die Schalker Taktik aufgegangen war. Trotzdem hatte Werder die besseren Torchancen: Jensens Schuss wurde per Kopf über Tor gelenkt, Almeida war am 5er zu überrascht und Boenischs Schuss eine gute Gelegenheit für Neuer sich auszuzeichnen. Schalkes Offensivspiel war wiederum zu unausgewogen. Rafinha und Farfan machten über die rechte Seite viel Betrieb, doch auf der anderen Seite fehlte das Gegenstück. So konnte Werders Viererkette Schalkes Angriffe eine Halbzeit lang problemlos stoppen, obwohl man ihnen im Mittelfeld zu viel Platz zum kombinieren ließ. Nach der Pause war es dann aber vorbei mit dem stoppen, doch auch hier lag der Fehler eher im Mittelfeld. Die Lücke zwischen Mertesacker und Naldo in der Mitte lässt sich bei einer Viererkette nicht vermeiden, genauso wenig, wie Kuranyis Lauf. Doch solche Pässe darf man einfach nicht zulassen. Holtby darf in diesem Bereich zwischen Mittelfeld und Abwehr nicht so viel Raum und Zeit haben, diesen einfachen, aber gut getimeten Pass zu spielen. Schalke ließ im gesamten Spiel keinen solchen Pass zu.

Danach entwickelte sich aus Bremer Sicht ein Trauerspiel. Schalke ging mit voller Wucht in die Zweikämpfe und Werder fand kein Mittel dagegen. Eigentlich hätte es nur zwei Möglichkeiten gegeben: Entweder mit voller Wucht dagegen halten (ja, das kann Werder, hat man in diesem Jahr auch schon mehrfach gezeigt) oder bei den Kombinationen einen Tick schneller sein, als der Gegner. Kombinationen fanden nun jedoch noch seltener statt als in der ersten Hälfte. Hunt versuchte es brachial mit Dribblings durch die Mitte, Marin konnte sich über außen nur selten durchsetzen und Özil spielte zu häufig den schwierigen Ball. Schaaf reagierte, brachte Borowski und Pizarro für Almeida und Jensen, um vor dem Tor in die Lufthoheit zu erlangen. Doch statt die langen Kerle mit hohen Bällen zu füttern, versuchte es Werder unverständlicherweise weiterhin mit Dribblings durch das Mittelfeld. Das Flügelspiel fand nicht statt, Boenisch und Fritz waren hinten gegen die Außenstürmer gebunden. Hier nochmal ein Kompliment an Magath: Linksaußen Sanchez für Holtby zu bringen, war eine taktische Meisterleistung!

So blieb am Ende viel Frust und Enttäuschung. Man möchte in dieser Situation am liebsten alle beschuldigen: Die eigenen Spieler, den Gegner, den Kommentator, den Schiri. Dabei gibt es an der Niederlage nichts zu rütteln, trotz diverser Nebengeräusche. Schalkes Spielweise war oft an der Grenze des Erlaubten und manchmal jenseits davon. Darauf kann sich Werder nun schon einmal einstellen, denn auch die kommenden Gegner werden gesehen haben, dass diese Taktik wie schon vor einer Woche beim 1.FC Köln aufging. “To beat Werder, you have to kick Werder”, um mal Arsene Wenger zu zitieren. Das hat sich Werder zumindest zum Teil selbst zuzuschreiben. Schiri Fleischer hatte wahrlich kein einfaches Spiel zu leiten und machte seine Sache im Prinzip auch gut. Eine klare Linie kann ich ihm nicht absprechen, aber er war auch deutlich bemüht, mit seinen Entscheidungen nicht zu sehr ins Spiel einzugreifen. So zum Beispiel als Sebastian Boenisch im Strafraum niedergestreckt wurde. Marcel Reif sah hier eine saubere Aktion, klar den Ball gespielt. Das stimmte auch, doch leider war der Spieler nicht einbeinig und grätschte Boenisch mit rechts von hinten so in die Parade, das dieser nicht weiterspielen konnte. Wenn das eine saubere Aktion war, weil sie dem Ball galt, war auch Wieses Tritt gegen Olics Kopf damals eigentlich ganz sauber.

Nun kann man – zu Recht – einwenden, dass Boenisch zu diesem Zeitpunkt nicht mehr auf dem Platz hätte stehen dürfen. Fleischer zeigte ihm nach einer ziemlich eindeutigen Notbremse nur die gelbe Karte. Ebenso hätte Kuranyi nicht mehr auf dem Platz sein dürfen, als er das Schalker 2:0 mustergültig vorbereitete. Einen Vorwurf kann man Fleischer trotzdem nicht machen, er hatte das Spiel ansonsten im Griff und so ist es nur ein statistischer Zufall, dass beide Werder-Niederlagen in dieser Saison unter seiner Leitung zustande kamen. Vielmehr sollten sich die Spieler an die eigene Nase fassen. Sich darüber aufzuregen, dass Kuranyi für den Tritt gegen Mertesacker unbestraft blieb, ist eine Sache – ihm danach Begleitschutz bis zum Strafraum zu gewähren, eine völlig andere. So blieb dem nicht gerade für seine technischen Fähigkeiten berühmten Kuranyi die schönste Einzelaktion des Spiels vorbehalten. Spätestens nach Boenischs vorzeitigem Ausscheiden war die Partie dann entschieden. Das traurigste dabei: Werder hätte wohl nicht nur den einen, sondern zwei Elfmeter benötigt, um noch etwas aus dem Spiel mitzunehmen. Verdient gewesen wäre es auch dann nicht.

Bis zur Winterpause bleibt nun folgendes zu tun: Die Wunden lecken (gute Besserung an Sebastian Boenisch), den Mund abputzen, die Ärmel hochkrempeln und das Spiel gegen Hamburg mit einer so kämpferischen Einstellung angehen, wie damals im Mai! Die Zeit der Geschenke ist vorbei, auch wenn dies kein sonderlich weinachtliches Motto ist.

Wundern an der Weser

Nutzen wir also diesen Eintrag für ein paar allgemeinere Dinge. Letzte Woche wunderte sich Ralf Lorenzen in der taz darüber, dass Werder derzeit mit fast derselben Mannschaft die Bundesliga aufmischt, die in der ersten Jahreshälfte nur Zehnter geworden war. Wie sehr Statistiken doch täuschen können. Zumindest auf den ersten Blick.

Werder Bremen landete in der Bundesliga zwar nur auf einem abgeschlagenen Mittelfeldrang, gewann so ganz nebenbei aber den DFB Pokal und feierte dazu noch den größten internationalen Erfolg des deutschen Vereinsfußballs seit sieben Jahren – auch wenn nach dem Finale in Istanbul niemandem nach Feiern zumute war. Schauen wir uns Werders Ergebnisse aus dem ersten Halbjahr 2009 einmal genauer an: In der Bundesliga holte man aus 17 Spielen nur enttäuschende 19 Punkte. Vergleicht man diese Werte mit denen des zweiten Halbjahrs (15 Spiele, 28 Punkte), ist der Unterschied immens. Dabei sollte man bedenken, dass viele Spieler spätestens ab Mitte März die Bundesliga nur noch als erweiterte Trainingseinheit zwischen den Pokalspielen angesehen haben. Werder spielte pomadig und gab einige Spiele relativ kampflos ab. Anders sah es dagegen in den Spielen aus, in denen es für Werder um etwas ging: Aus 13 Spiele in den Pokalwettbewerben konnte Werder (auf 90 Minuten und ein Ligasystem bezogen) 23 Punkte verbuchen. Der Punkteschnitt von 1,77 pro Spiel ist dem heutigen von 1,87 schon um einiges näher.

Ergebnisse2009

Auch diese Statistik ist mit Vorsicht zu genießen: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze kennt keine Unentschieden, bzw. bestraft sie nicht mit Punktverlust, wie das Punkte-System der Bundesliga. Im DFB-Pokal reicht ein Unentschieden zum Elfmeterschießen (siehe HSV), im UEFA-Cup können zwei Unentschieden direkt zum Weiterkommen führen (siehe Milan). Hat man das Hinspiel gewonnen, ist ein Unentschieden im Rückspiel in jedem Fall ausreichend, wovon Werder in St. Etienne und in Udine gebrauch machte. Anders als in dieser Bundesligasaison können diese Unentschieden also als optimale Ergebnisse angesehen werden. Ist es vor diesem Hintergrund wirklich so erstaunlich, dass Werder wieder eine gute Rolle in der Bundesliga spielt?

Auch wenn ich geneigt wäre, dies zu verneinen, ist es wirklich erstaunlich. Dafür gibt es zwei Gründe: Der erste sind die Abgänge von Frank Baumann und Diego. In der Vergangenheit hat Werder immer wieder die Verkäufe wichtiger Spieler kompensieren müssen und das meistens auch mit Erfolg bewerkstelligt. Die Nachfolger wurden in der Regel von außen eingekauft und im Vorfeld meist als schwächer eingestuft, als ihre Vorgänger. Beispiel Angriff: Für Pizarro kam Klasnic (2001), Klose ersetzte Ailton (2004), Sanogo ersetzte Klose (2007) und Pizarro wiederum Klasnic (2008). Beispiel Mittelfeld: Für Ernst kam Frings zurück (2005) und Diego ersetzte Micoud (2006). Beispiel Abwehr: Für Krstajic kam Fahrenhorst, (2004) der wiederum von Mertesacker ersetzt wurde (2006), und Naldo ersetzte Ismael (2005). Auch in diesem Sommer sah es ähnlich aus: Als Ersatz für Diego kam der junge Marko Marin und Frank Baumanns Karriereende sollte durch die Rückkehr Tim Borowskis aufgefangen werden. Es kam jedoch anders. Baumann wird als Kapitän und zentraler Defensivmann von Torsten Frings (inzwischen) wirklich gut ersetzt, was nicht zuletzt an dessen starkem Nebenmann liegt: Philipp Bargfrede, ein Nachwuchsspieler aus den eigenen Reihen, dessen Namen vor einem halben Jahr noch kaum jemand kannte. Im offensiven Mittelfeld gestaltet Mesut Özil nun das Spiel der Bremer und macht seine Sache so gut, dass mancherorts schon die Frage gestellt wird, ob Werder ohne Diego nicht besser sei, als man es mit ihm jemals war. Marin wirbelt derweil für viele überraschend im Angriff. Die Abgänge wurden also diesmal von innen heraus aufgefangen.

Allein diese Tatsache genügt schon, um viele Beobachter zum Staunen zu bringen. Der dahinter liegende Gedankengang lässt allerdings die Möglichkeit außer Acht, dass sich Spieler individuell und im Zusammenspiel verbessern können. Ist es wirklich so abwegig, dass eine Abwehrreihe, die über Jahre zusammenspielt, mit zunehmender Dauer besser wird? Ist es verwunderlich, dass sich junge Spieler wie Özil, Hunt oder auch Boenisch im Laufe ihrer Karriere steigern? Es verwundert höchstens, dass anscheinend alle diese Dinge gleichzeitig passieren. Und damit kommen wir zum zweiten Punkt, der Werders Erfolge verwunderlich macht: Die Konstanz. Nur eine Niederlage aus 25 Pflichtspielen sprechen eine deutliche Sprache. Hier spielt eine Mannschaft, die kaum noch weiß, wie man ein Spiel verliert und sich nicht mehr so leicht auskontern lässt, wie in den letzten Jahren. Pendelte man früher zwischen den Extremen grandioser und wirklich enttäuschender Leistungen, hält man heute konstant ein hohes Niveau. Mehr Galavorstellungen als in den letzten Jahren gibt es nicht, doch die Ausschläge nach unten halten sich in Grenzen.

Am Samstag hat Werder nun die Chance gegen die punktgleichen Schalker einen Big Point einzufahren. Wenn man ganz ehrlich ist, wäre es der erste. Ohne die überzeugenden Siege gegen Hoffenheim und Bilbao herabwürdigen zu wollen, ein Sieg gegen Schalke wäre noch eine Stufe höher einzuordnen. Gegen die direkten Konkurrenten aus München und Leverkusen sowie den Meister VfL Wolfsburg reichte es “nur” zu Unentschieden. Genug, um in der Spitzengruppe mitzuhalten – zu wenig, um sich abzusetzen. Ausgerechnet gegen die jungen, kampfstarken und schwer ausrechenbaren Schalker steht nun die bislang vielleicht größte Reifeprüfung an.

15. Spieltag: Remiskönig

1.FC Köln – Werder Bremen 0:0

Die Steilvorlage der Leverkusener nicht genutzt und Punkte auf Bayern und Schalke verloren. Das ist schade. Die Serie wurde trotzdem gerettet. Das ist gut, aber nicht so wirklich wichtig. Man nimmt in dieser Saison aus wirklich jedem Spiel etwas mit, egal wie schlecht es ist (Frankfurt mal außen vor gelassen). Auch das ist gut. Sehr gut sogar. Was weniger gut ist, ist die Punktaubeute. Werder spielt zu oft unentschieden. So setzt man sich nicht an die Spitze der Liga. Was in der letzten Saison noch ok war, da man mit einem Unentschieden zumindest nicht aus dem Pokal ausscheidet, wird langsam lästig. Dabei kann man sich über das Unentschieden gestern nicht beschweren. Genausowenig, wie man sich über die Unentschieden gegen Wolfsburg, Dortmund und Nürnberg beschweren durfte. Neben Leverkusen und dem HSV hat man nun die meisten Unentschieden in der Liga aufzuweisen.

So hilflos wie gestern hat man Werder allerdings selten gesehen. Eigentlich die komplette Spieldauer feldüberlegen wollten einfach keine richtigen Torchancen herausspringen. Egal ob Almeida, Borowski, Hunt oder Frings – im entscheidenden Moment versprang der Ball, wurde einen Tick zu lange gewartet, war der Pass zu ungenau, you name it. Der einzige, der so richtig für Betrieb sorgte, war Marko Marin. Der Stürmer wirbelte mal auf rechts, mal auf links und brachte die Kölner Defensive in echte Schwierigkeiten. Die wusste sich häufig nur mit einem Foul zu helfen. Werder war jedoch nicht in der Lage, daraus Kapital zu schlagen. Es fehlte ein Gegengewicht, weil Hunt nicht seinen besten Tag hatte und es fehlten wirklich gute Standards.

So ging die Kölner Taktik auf und Werder konnte am Ende froh sein, dass Novakovic seine beiden Großchancen nicht nutzte. Zwar konnten auch die Kölner froh sein, dass Mohamad in der ersten Halbzeit nach seiner Notbremse nicht die rote Karte sah, doch es darf bezweifelt werden, dass Werder die Überzahl wirklich viel genützt hätte. Ich habe ein Stück weit Verständnis für Marin, der von nahezu jedem Kölner mindestens einmal gelegt wurde, doch ich möchte solch eine Schwalbe, wie er in Halbzeit 2 produziert hat, einfach nicht sehen. Für den Lerneffekt wäre es besser gewesen, wenn Schiedsrichter Drees ihm Gelb gezeigt hätte. Der Schiri also mit ein paar diskussionswürdigen Entscheidungen, doch mit einer Sache, die mir gut gefallen hat: Der Nachspielzeit. Zwei Minuten wurden angezeigt, wo man in der Bundesliga Null erwarten würde. Dazu noch knapp eine Minute oben drauf, weil ein Kölner in der 91. Minute eine Verletzung simulierte behandelt werden musste. Hoffentlich haben ein paar andere Schiedsrichter hingeschaut.

Für die letzten Spiele vor Weihnachten bleiben genügend Wünsche offen: Ein Sieg gegen Schalke zum Beispiel. Das wäre wichtig. In Bilbao ruhig mal verlieren, mit einem Tor Unterschied. Das reicht zum Gruppensieg und beendet das Gerede um die Serie. Und dann mindestens ein Punkt in Hamburg. Bescheidenheit auf hohem Niveau.

Europa League, 5. Spieltag: B-Beitrag

Werder Bremen – Nacional Funchal 4:1

So stellt man sich das als Stadionbesucher vor. Mit einer B-Elf auflaufen, zur Halbzeit eine 2:0-Führung herausspielen, nach dem Wechsel die Konzentration verlieren und es nochmal spannend machen, damit man auch was zu meckern hat und am Ende dann doch ein lockeres 4:1 mitnehmen. Besonders freue ich mich für alle, die nach dem 3:1 den Heimweg antraten und so das Zuckertor von Marin verpassten. Ansonsten gibt es nicht viel zu schreiben über das Spiel, was sich gut trifft, da ich keine Zeit habe, viel zu schreiben. Für Funchal hatte die Partie ohnehin keine hohe Bedeutung, da ihr Trainer Manuel Machado nach einer OP im künstlichen Koma liegt und die Spieler das sicherlich nicht vollständig ausblenden konnten. Da kann man nur Daumen drücken, dass er es übersteht. Gute Besserung!