Archiv für den Monat: Juni 2010

WM 2010: Nach Ghana und vor England

Ghana – Deutschland 0:1

Zittersieg, sagen viele. Gezittert wurde nur bis zum 1:0, danach war das Spiel gelaufen. Ghana tat wenig, um das Spiel noch zu drehen. Der Rückstand der Serben brachte dann die Gewissheit, dass es reichen würde. Es war nicht die Art Spiel, bei der es um Eleganz und spielerische Finessen geht, sondern um Effizienz. Es gibt nicht viele Spieler, die es sich erlauben können, eine solche Torchance zu vergeben, wie Mesut Özil in der ersten Hälfte. Beim Führungstor zeigte er seine ganze Klasse. Lässt man ihm in Strafraumnähe Raum (und damit Zeit), wird man bestraft. Der Schuss war großartig, einer der besten im Turnier bislang. Er ist Beleg der Entwicklung, die Özil in den letzten zwei Jahren durchgemacht hat.

Zwar ist seine Körpersprache noch immer die eines Schönwetterfußballers, doch man sollte sich davon nicht täuschen lassen. Wie im Mai auf Schalke war Özil eigentlich lange nicht wirklich präsent im Spiel. Scheinbar entnervt schlägt er dann eiskalt zu, wenn sich die Gelegenheit bietet. Capello wird wissen, dass seine Engländer ihm diese Gelegenheit nicht geben dürfen. Ghana hat mit Annan einen der besten defensiven Mittelfeldspieler des Turniers in seinen Reihen, doch stellte ihn Özil nicht als direkten Gegenspieler auf die Füße, sondern presste auf das defensive Mittelfeld um Bastian Schweinsteiger, den (mittlerweile) stillen Lenker. Während Özil schon jetzt eine Ausnahme in der deutschen WM-Geschichte ist, hat sich Schweinsteiger genau zu dem Typ Spieler entwickelt, der deutsche Teams schon immer ausgezeichnet hat: Der ballsichere Taktgeber vor der Abwehr. Früher in Gestalt des Libero (Beckenbauer, Matthäus, Sammer), später als defensive Mittelfeldspieler (Hamann, Ballack). Diese Tradition führt Schweinsteiger nun fort. Er spielt unauffällig, ruhig, mit Übersicht. Von seiner Position aus gewinnt man keine Spiele, aber man formt das Gesicht einer Mannschaft.

Die Gegner in der Vorrunde schienen sich nicht ganz sicher zu sein, welchen der beiden Regisseure man stoppen muss. Australien und Ghana probierten es mit Pressing auf die defensiven Mittelfeldspieler. Mesut Özil hatte dadurch den Platz zwischen Mittelfeld und Abwehrkette, den er braucht. Australien bestrafte er mit einer Galavorstellung. Gegen Ghana kam er weniger gut ins Spiel, doch letztlich gab auch hier der ihm gebotene Platz den Ausschlag für den Sieg. Serbien versuchte es eine Nummer defensiver, stellte Özil mit Stankovic einen direkten Bewacher auf die Füße und verlagerte die Verantwortung so auf die Außenpositionen der deutschen Mannschaft. Dies scheint mir momentan die effektivere Taktik gegen Deutschland zu sein. England spielt jedoch bevorzugt im 4-4-2 mit Barry und Lampard in der Zentrale. Bei dieser Ausrichtung wird Barry Schwerstarbeit verrichten müssen, um Özil im Griff zu behalten.

Das deutsche Flügelspiel bleibt mir ein Rätsel. Alles was im ersten Spiel so gut geklappt hat, ist Schritt für Schritt zur Problemzone geworden. Während Müller, der seine Stärken eher in der Mitte hat, an der rechten Außenlinie klebt, zieht Podolski bei jeder Gelegenheit in die Mitte. Hier frage ich mich, ob das Anweisung ist oder taktische Naivität. Im ersten Fall verstehe ich nicht, warum Podolski nicht auf der rechten Seite spielt, von wo aus er seinen guten Linksschuss besser einsetzen kann (zumal mit Lahm ein Außenverteidiger auf der Seite spielt, der ständig hinterläuft und so die Außenposition besetzt). Ist letzteres der Fall, hätte Löw Podolski längst aus der Mannschaft nehmen müssen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Löw die offensiven Außen im Spiel gegen England neu besetzt, daher wird es nun verstärkt darauf ankommen, dass es auf Podolskis Position nicht zu großen Lücken kommt (um Müller mache ich mir keine Sorgen), erst recht wenn Schweinsteiger ausfallen sollte, der dort bislang viele Löcher gestopft hat.

Eine weiteres Problem ist in der deutschen Hintermannschaft zu finden und es gefällt mir überhaupt nicht. Per Mertesacker war gegen Ghana der Schwachpunkt. Dass er auf dem Boden gegen kleine, quirlige Stürmer Probleme hat ist nichts Neues, aber die Wackler im Stellungsspiel und auch in der Luft ist man so nicht von ihm gewohnt. Bislang konnte das Team im Verbund die individuellen Fehler noch ganz gut kompensieren, vor allem dank Arne Friedrich. Gegen stärkere Gegner, die vor dem Tor kaltblütiger agieren als die Ghanaer, könnte das schwer werden. Fragt sich bloß, ob England in der momentanen Verfassung ein solcher Gegner ist.

WM 2010: Deutschland – Serbien

Deutschland – Serbien 0:1

Eine Niederlage gegen Serbien und man fragt sich warum. Waren die Serben jetzt wirklich so stark? Abgesehen von einer guten defensiven Organisation und dem naheliegenden Wechsel zu einer 4-5-1-Formation habe ich nicht viel Beeindruckendes gesehen auf Seiten des Gegners. Zigic ist durch seine Größe eine imposante Erscheinung und sorgte auch einige Male im Spiel für Gefahr (zumal wiederholt gegen Lahm im Kopfballduell!!!). Ansonsten klemmte es mächtig im Offensivspiel der Serben. Dass Badstuber gegen einen wuseligen Außenspieler Probleme bekommen würde, war schon vor der WM klar. Er bekam Krasic nicht in den Griff, was ich eher auf seine Unzulänglichkeiten, denn auf eine herausragende Leistung des Serben zurückführe. Einiges hätte hier für eine Einwechslung Aogos gesprochen.

Deutschland hatte die eigene Defensive bis zum Platzverweis ebenso gut im Griff, war nach vorne aktiver, tat sich aber enorm schwer, gegen die drei defensiv ausgerichteten Mittelfeldspieler Durchschlagkraft zu entwickeln. Der Schiedsrichter trug mit seiner kleinlichen Linie und seinen unsinnigen Verwarnungen dazu bei, das eigentlich faire Spiel in eine unschöne Richtung zu lenken. Die gelb-rote Karte gegen Klose war meiner Meinung nach deutlich zu hart, vor allem die erste Gelbe ein schlechter Witz. Ein erfahrener Spieler sollte sich vielleicht besser im Griff haben, wenn er schon verwarnt ist, aber wie soll die Lehre bei solch einem Schiedsrichter aussehen? Bloß den Zweikampf meiden, damit es mich nicht erwischt? Etwas weiter gedacht, können die gelben Karten für das Achtelfinale – sofern man es erreicht – bitter werden. Im Alles-oder-nichts-Spiel gegen Ghana könnte man sich leicht eine weitere Gelbe und damit ein Spiel Sperre einfangen. Auch wenn der Platzverweis das Spiel zweifellos entscheidend beeinflusst hat, gab es für das deutsche Team genügend Möglichkeiten, mehr aus dem Spiel herauszuholen.

Beim 10 gegen 11 hielt Löw lange an der ursprünglichen Formation fest, mit Özil an vorderster Front und den Flügelspielern Müller und Podolski, die bei Ballbesitz die diagonalen Wege in die Spitze suchen sollten. Damit entging Özil zwar etwas der direkten Bewachung durch Stankovic, was sich in einer auffälligeren Leistung in Halbzeit 2 bemerkbar machte, doch es fehlten die Anspielstationen vor ihm. Lediglich Podolski zog mit seinen Sprints immer wieder an Ivanovic vorbei Richtung Strafraum und hatte so Anteil an Özils beiden besten Szenen um die 60. Minute herum. Leider zeigte sich Podolski nicht sonderlich zielsicher und verfehlte mit seinen Abschlüssen ein ums andere Mal das Tor. Der einzige Schuss, der das Ziel traf, war der Elfmeter, der leider weder hart geschossen noch sonderlich schwer für den Torhüter zu erahnen war. Die Enttäuschung war ihm im weiteren Spielverlauf deutlich anzumerken.

Umso ratloser machen mich daher Löws Auswechslungen. Anstatt spätestens jetzt auf 4-3-2 umzustellen, beließ es Löw beim 4-2-3/4-4-1-System und brachte Cacau für Özil.* Damit war der Spieler, der die durchstartenden Flügelspieler mit Abstand am besten in Szene setzen kann, draußen und das Kreativspiel weitgehend eingestellt. Özil hatte nicht annähernd so viele lichte Momente, wie gegen Australien, aber in seiner Position kann man das gegen gut organisierte Gegner auch nicht erwarten. Der lange Flachpass auf Podolski war die beste deutsche Offensivaktion und der kam von Özil. Im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer und zu der taktisch fragwürdigen Entscheidung kamen ein Totalausfall von Cacau und viel zu wenige Läufe zur Grundlinie des eingewechselten Marin hinzu. Die späte Umstellung auf eine Dreierkette hinten und Gomez Einwechslung für Badstuber konnten am Ende auch nichts mehr bewirken, zumal sich Marin und Podolski links auf den Füßen standen, während rechts Lahm allein auf weiter Feld und Flur war.

Was nimmt man aus dieser Niederlage mit? Zum Glück kam sie im zweiten Spiel, wo man noch Lehren aus ziehen kann und nicht schon im Flieger nach Hause sitzt. Zum einen weiß man spätestens jetzt, wie taktisch naiv Australien agiert hat und dass dies sicher keinem weiteren Gegner bei diesem Turnier passieren wird. Offensiv hat Deutschland vieles gut gemacht, Podolski hat gute Laufwege, muss seine Abschlüsse aber aufs Tor bringen. Das Turnier hat gezeigt, dass auch vermeintlich haltbare Bälle die Torhüter vor Probleme stellen. Özil wird wenig Platz bekommen, was die Rolle von Sami Khedira als Verbindungsmann zwischen Defensive und Offensive aufwertet. Mit seinen Vorstößen kann er für Überraschungsmomente sorgen und vielleicht auch Özil den nötigen Raum (und damit die nötige Zeit) verschaffen, damit dieser sich drehen und den entscheidenden Pass spielen kann. In Kloses Abwesenheit gegen Ghana muss sich zudem Cacau im Vergleich zu heute deutlich steigern, dann behält er den Platz vielleicht bis zum Ende der WM.

Ein wirklicher Test für die deutsche Defensive steht noch an, da war auch Serbien kein Gradmesser. Auch wenn das Turnier bislang keine Sternstunde des Angriffsfußballs war, werden im Laufe des Turniers noch Gegner kommen, die sich in der Offensive nicht nur auf die (Körper-)Größe ihres Mittelstürmers und die Schwäche des gegnerischen linken Verteidigers verlassen. Zunächst ist es jedoch erst einmal wichtig, das Weiterkommen gegen Ghana sicherzustellen. Dafür reicht vermutlich ein Unentschieden, mit einem Sieg sollte man mit großer Wahrscheinlichkeit Gruppensieger werden. Ghana ist entgegen des europäischen Klischees eine disziplinierte und taktisch hervorragend eingestellte Mannschaft. Falls Ghana morgen keinen Kantersieg gegen Australien herausschießt, werden sie gegen Deutschlanf einen Sieg brauchen, um weiterzukommen. Das sollte den Deutschen in die Hände spielen. Allerdings hatte man das vor dem Spiel gegen Serbien auch gedacht.

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*Ich hätte es bevorzugt, wenn Özil auf seiner Position als offensiver Mittelfeldspieler geblieben wäre, und dafür Podolski und Müller in etwas zentralere und offensivere Positionen gerückt wären. Die zusätzliche Laufarbeit bei Vorstößen der  gegnerischen Außenverteidiger hätte ich den beiden zugetraut (bzw. sie hätte ggf. später durch Auswechslungen aufgefangen werden können). Dafür hätte man im Angriffsspiel mehr Präsenz gezeigt und die Viererkette der Serben richtig unter Druck setzen können. Zudem wäre man im Mittelfeld nicht in Unterzahl geraten und hätte so Schweinsteiger und Khedira den Spielaufbau erleichtert. Das ist allerdings keinesfalls als Generalkritik an Löw zu verstehen, denn hinterher und vor dem Fernseher analysiert sich ein Spiel immer leichter, als in der Hitze des Gefechts.

Update: Bin offenbar nicht der Einzige, der dass so sieht.

WM 2010: Deutschland – Australien

Deutschland – Australien 4:0

Ein bisschen verwundert habe ich mir schon die Augen gerieben. Ich hatte zwar damit gerechnet, dass Deutschland in der Offensive einen Gegner wie Australien ziemlich auseinander nehmen könnte, aber ich war schon überrascht, dass es gleich so ein überragender Auftakt wurde. Australien hat fünf Minuten lang mitgehalten, dann riss die deutsche Mannschaft erst die Ballkontrolle und wenig später das gesamte Spiel an sich. Das 4:0 war am Ende fast noch ein bisschen schmeichelhaft für die biederen Australier.

Genügend Sorgenkinder hatte es im Vorfeld des Spiels noch gegeben. Den in der Vorbereitung schwachen Klose, die Wundertüte Podolski und die unklare Besetzung des rechten Flügels. Die letztliche Startaufstellung hatte sich in der zweiten Halbzeit des Bosnien-Spiels herauskristallisiert. Wie erhofft konnten gestern tatsächlich alle Wackelkandidaten ein Ausrufezeichen setzen und ihre Nominierung rechtfertigen. Ein Sieg gegen Australien war im Vorfeld erwartet worden und alles andere wäre eine große Enttäuschung gewesen. Gegen solche Defensivbollwerke kann man sich aber auch ganz schön die Zähne ausbeißen und mir fallen spontan nicht viele Teams der deutschen WM-Geschichte ein, die Australien so spielend leicht zerlegt hätten.

Von den bisherigen WM-Teilnehmern hat keiner das 4-2-3-1 so variabel und offensiv eingesetzt, wie die deutsche Mannschaft. Klose ließ sich immer wieder fallen, um die Viererkette auseinander zu ziehen. Özil ging konsequent mit in die Spitze, spielte phasenweise vor Klose und die Flügelzange mit Podolski und Müller habe ich in dieser Form noch nie bei einer deutschen Nationalmannschaft gesehen. Beide mit grandiosen Leistungen, viel Zug zum Tor und darüber hinaus auch mit mehr als passablem Defensivpensum. Dazu kam noch ein Sami Khedira, der zwischendurch Sprints in die Sturmspitze einlegte und so die australische Defensive völlig überforderte. Es stimmte einfach alles. Auch das ruhige Aufbauspiel mit viel Ballgeschiebe innerhalb der Viererkette trug seinen Teil dazu bei, den Gegner zu verwirren, weil es sich mit Tempofußball im Angriffsdrittel abwechselte.

Die Defensivleistung mag man ob der australischen Ungefährlichkeit gar nicht richtig bewerten. Wie sicher ist die linke Seite mit Badstuber wirklich? Wie kommen Mertesacker und Friedrich mit technisch beschlagenen Stürmern klar? Wie sieht es um Podolskis taktische Disziplin gegen hoch aufrückende Außenverteidiger aus (um Müller mache ich mir da keine Sorgen)? Kann sich das zentrale Mittelfeld auch gegen Weltklasseteams behaupten? Die wirklichen Prüfungen werden noch kommen. Für den Moment freuen wir uns lieber über dieses Fußballfest und das Ausrufezeichen, dass die deutsche Mannschaft gesetzt hat.

Für Nebengeräusche sorgte ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, die in der Halbzeitpause davon sprach, dass Kloses Tor “ein innerer Reichsparteitag” für ihn gewesen sei. Ich habe davon nur über Twitter erfahren, da ich das Spiel bei Sky geschaut habe. Die Formulierung mag nicht sonderlich klug gewählt sein*, aber den Vorwurf der Nutzung von “Nazi-Jargon” finde ich dann doch übertrieben. Da sollte eine einfache Erklärung der Moderatorin ausreichen (falls sie das nicht sowieso schon getan hat). Wegen der Äußerung ihre Entlassung zu fordern ist way over the line.

* Allein die Tatsache, dass etwas eine “geläufige Redewendung” ist, macht es noch lange nicht zu gutem Stil. Mir fallen spontan 3-4 “Redewendungen” ein, die ich niemals nutzen würde, weil sie rassistisch sind.

My Bracket

Gruppe A:

Südafrika – Mexiko 1:2
Uruguay – Frankreich 1:1
Südafrika – Uruguay 2:1
Frankreich – Mexiko 2:0
Mexiko – Uruguay 0:0
Frankreich – Südafrika 1:0

  1. Frankreich 7
  2. Mexiko 4
  3. Südafrika 3
  4. Uruguay 2

Gruppe B:

Südkorea – Griechenland 0:1
Argentinien – Nigeria 2:2
Griechenland – Nigeria 0:1
Argentinien – Südkorea 1:1
Nigeria – Südkorea 1:0
Griechenland – Argentinien 0:3

  1. Nigeria 7
  2. Argentinien 5
  3. Griechenland 3
  4. Südkorea 1

Gruppe C:

England – USA 2:0
Algerien – Slowenien 0:2
Slowenien – USA 1:1
England – Algerien 4:1
Slowenien – England 1:2
USA – Algerien 1:0

  1. England 9
  2. Slowenien 4
  3. USA 4
  4. Algerien 0

Gruppe D:

Serbien – Ghana 1:2
Deutschland – Australien 2:0
Deutschland – Serbien 1:2
Ghana – Australien 1:1
Ghana – Deutschland 1:3
Australien – Serbien 0:2

  1. Deutschland 6
  2. Serbien 6
  3. Ghana 4
  4. Australien 1

Gruppe E:

Niederlande – Dänemark 1:1
Japan – Kamerun 1:1
Niederlande – Japan 3:0
Kamerun – Dänemark 1:2
Dänemark – Japan 3:1
Kamerun – Niederlande 0:2

  1. Niederlande 7
  2. Dänemark 7
  3. Kamerun 1
  4. Japan 1

Gruppe F:

Italien – Paraguay 2:0
Neuseeland – Slowakei 0:1
Slowakei – Paraguay 1:1
Italien – Neuseeland 5:0
Slowakei – Italien 1:2
Paraguay – Neuseeland 1:1

  1. Italien 9
  2. Slowakei 4
  3. Paraguay 2
  4. Neuseeland 1

Gruppe G:

Elfenbeinküste – Portugal 1:1
Brasilien – Nordkorea 2:0
Brasilien – Elfenbeinküste 2:1
Portugal – Nordkorea 1:2
Portugal – Brasilien 0:0
Nordkorea – Elfenbeinküste 1:1

  1. Brasilien 7
  2. Nordkorea 4
  3. Elfenbeinküste 2
  4. Portugal 2

Gruppe H:

Honduras – Chile 1:3
Spanien – Schweiz 2:0
Chile – Schweiz 2:1
Spanien – Honduras 1:0
Chile – Spanien 1:3
Schweiz – Honduras 3:0

  1. Spanien 9
  2. Chile 6
  3. Schweiz 3
  4. Honduras 0

Achtelfinale:

Niederlande – Slowakei 3:1
Brasilien – Chile 2:1 n.V.
Frankreich – Argentinien 1:2
England – Serbien 1:0
Deutschland – Slowenien 3:1
Nigeria – Mexiko 1:0 n.V.
Italien – Dänemark 0:2
Spanien – Nordkorea 3:0

Viertelfinale:

Niederlande – Brasilien 0:1
Argentinien – England 4:2 n.E.
Deutschland – Nigeria 2:1 n.V.
Dänemark – Spanien 2:1

Halbfinale:

Brasilien – Argentinien 2:3
Deutschland – Dänemark 7:6 n.E.

Spiel um Platz 3:

Brasilien – Dänemark 3:0

Finale:

Argentinien – Deutschland 3:1 n.V.

EDIT:

Und nun meine Tipps für die tatsächlichen KO-Rundenspiele.

Achtelfinale:

Uruguay – Südkorea 1:0
USA – Ghana 2:1
Deutschland – England 1:0 n.V.
Argentinien – Mexiko 3:1
Niederlande – Slowakei 2:0
Paraguay – Japan 1:2
Brasilien – Chile 3:2 n.V.
Spanien – Portugal 5:6 n.E.

Viertelfinale:

Uruguay – Ghana 2:1
Deutschland – Argentinien 2:3
Niederlande – Brasilien 1:2
Paraguay – Spanien 1:3

Halbfinale:

Uruguay – Niederlande 1:2
Deutschland – Spanien 2:1 n.V.

Sommerpause (Teil 1): Der ganz normale Wahnsinn

Während sich die Fußballwelt auf die anstehende WM konzentriert, laufen bei den Vereinen die Personalplanungen für die kommende Saison auf Hochtouren. So auch bei Werder Bremen, wo mit dem Österreicher Marko Arnautovic schon der erste hochkarätige Neuzugang vorgestellt wurde.

Sommerzeit ist immer auch Spekulationszeit und die transfer mill, die Transfermühle, läuf bereits auf Hochtouren. Berater bringen ihre Spieler bei Vereinen ins Gespräch, Manager baggern heftig an ihren Wunschspielern herum und wehe es wird mal ein Scout in einem fremden Stadion gesichtet – die Presse ist immer auf der Suche nach dem heißesten Transfergerücht. Kein Wunder, dass da mancher Fan ein wenig hyperventiliert.

In jedem Fall wird munter mitspekuliert, wen die Verantwortlichen, in Werders Fall Klaus Allofs, zur Verstärkung der Mannschaft aus dem Hut zaubern. Dabei werden gerne auch Zahlenspielchen veranstaltet und spätestens kurz vor Beginn der neuen Saison, wenn noch nicht alle Wunschspieler unter Vertrag genommen wurden, unterteilen sich die Fans in zwei Fraktionen. Die eine schwört Stein und Bein, dass einfach kein Geld vorhanden sei, von dem neue Spieler gekauft werden könnten. Der Stadionumbau, die Bankenkrise, die noch nicht sichere Champions League Teilnahme. Die andere will Taten sehen, vermutet die eine oder andere Million unter der Matraze unseres Sportdirektors und des notorisch geizigen Aufsichtsrats. Wo ist denn das ganze Geld aus fünf Jahren Champions League und dem Diego-Transfer geblieben? Und überhaupt müsse man doch endlich mal richtig investieren, wenn man dauerhaft oben angreifen will. Der Sturz ins Mittelmaß stünde sonst unmittelbar bevor.

Am Ende gibt es meistens eine Handvoll Transfers, von denen sich der eine oder andere als Verstärkung und der Rest mehr oder weniger als Flop entpuppt. Die beiden Fraktionen merken sich in der Regel nur die Transfers, die ihren Standpunkt unterstützen und begründen damit in der nächsten Transferperiode erneut ihre Meinung. Allofs wird dabei jeweils zur Managerikone bzw. zum Trottel vom Dienst stilisiert. Sagt die eine Seite Micoud, Ismael, Pizarro, Diego ruft die andere Seite Carlos Alberto, Nery, Tosic, Moreno. Lustigerweise riefen sie vor zwei Jahren auch Moreno. Damals aber, weil Werder Moreno eben nicht verpflichtet hatte. Überhaupt die ganzen Nicht-Verpflichtungen! Romagnoli. Monsoreau. Baros. Fred. Mandzukic. Was würden wir heute Carlos Alberto hinterherweinen, wenn wir ihn 2007 nicht verpflichtet hätten!

Interessant sind vor allem auf Seiten der Allofs-Kritiker die Widersprüchlichkeiten in der Argumentation. Einerseits sollen bitte alle wichtigen Spieler mit 5-Jahres-Verträgen an den Verein gebunden werden. Andererseits wird gemurrt, wenn man Spieler wie etwa Carlos Alberto dann nicht so einfach wieder los wird. Einerseits ist man stolz auf Werders hanseatisch-sparsames Kaufmannsgeschick und blickt hämisch in den Westen der Republik. Andererseits wird gebetsmühlenartig wiederholt, dass man doch nun endlich mal Geld in die Hand nehmen müsse, wenn man sportlich nicht den Anschluss verlieren möchte. Einerseits fordert man lautstark die Verpflichtung von Spielern, die man nur aus YouTube-Zusammenschnitten kennt. Andererseits wird dem ahnungslosen Vorstand jeder Fehlgriff sofort um die Ohren gehauen. Eines kann man dabei nicht bestreiten: Es wird nicht langweilig! Ein Blick in die Fan-Foren ist um diese Jahreszeit immer wieder höchst unterhaltsam. Der Nachteil dabei ist jedoch, dass differenzierte Meinungen dabei untergehen. Mit jeder Kritik macht man sich sofort verdächtig, zu den fanatischen Schwarzsehern zu gehören. Mit jedem Lob wird man von der anderen Seite als naiver Allofs-Fanboy angesehen.

Bleiben wir trotzdem mal bei den Tatsachen: Werder hat in den letzten 10 Jahren überwiegend mit Gewinn gewirtschaftet, Spieler verpflichtet, die den Verein auf eine neue Ebene hoben und sich langfristig in der nationalen Spitze festgesetzt. Allerdings schaffte es Werder nur selten, die besten Spieler über einen längeren Zeitraum zu halten, konnte die Bayern als Nummer 1 des Landes nicht ernsthaft angreifen und auch keinen deutlichen Vorsprung auf Schalke, Stuttgart oder den HSV aufbauen. Bei den Neuverpflichtungen spielt man inzwischen in einer anderen Liga als noch nach dem Doublegewinn, als man die 5 Mio. Euro für den Klose-Transfer mühsam aus dem Aufsichtsrat herausklopfen musste. Heute kauft man für knapp 9 Mio. Euro Marko Marin und bekommt hinterher zu hören, man würde keine Hochkaräter verpflichten. Tatsache ist auch, dass Werder seit Jahren auf die Verpflichtung “schwieriger” Spieler setzt, die hochtalentiert, aber eben nicht etabliert sind. Micoud galt in Italien als Pflegefall, Diego war Reservist in Porto, Ismael war auf keiner seiner vorherigen Stationen wirklich glücklich und über Ailton brauchen wir gar nicht zu reden. Es sollte eigentlich klar sein, dass die Fehlerquote dabei nicht bei Null liegen kann. Ein solcher Transfer kann nach hinten losgehen, wie bei Carlos Alberto oder ein Volltreffer sein, wie bei Mesut Özil. Auch Thomas Schaaf kann nicht mit jedem Spieler klarkommen.

Es ist jedoch ein schmaler Grat, wenn ein Transfer für Werder am finanziellen Limit liegt und sich der Erfolg nicht einstellen will. Carlos Alberto dient dabei als warnendes Beispiel, das sicher dazu beigetragen hat, dass Werder die 10-Millionen-Grenze bislang nicht überschritten hat. Man müsste für diesen Preis schon eine Erfolgsgarantie mitgeliefert bekommen. Gestandene Nationalspieler bekommt Werder deshalb nur selten, wie im Fall Per Mertesacker. Neben den genannten Risikotransfers bringt Werder auch immer wieder Spieler groß raus, die kein oder kaum Geld gekostet haben. Fabian Ernst zum Beispiel oder Torsten Frings, Tim Borowski, Frank Baumann, Ivan Klasnic und zuletzt Phillip Bargfrede. Es ist ein Balanceakt, diese beiden Bausteine erfolgreich miteinander zu kombinieren. Dies gelingt Werder insgesamt seit Jahren außerordentlich gut. Es reicht jedoch nicht, um den hohen Erwartungen der Fans immer wieder ganz gerecht zu werden.

Es folgen:

Sommerpause (Teil 2): Die Systemfrage reloaded
Sommerpause (Teil 3a): Personalplanung 2011 – Tor und Abwehr
Sommerpause (Teil 3b): Personalplanung 2011 – Mittelfeld und Angriff

Das WM-Stöckchen

Freitag geht’s los. Felix von Medien-Sport-Politik hat sich ein paar Fragen zur WM ausgedacht und beantwortet. Das Stöckchen greife ich gerne auf und gebe hier mal meine Antworten zum besten:

1. Vier Jahre liegt jetzt das Sommermärchen bei der WM in Deutschland zurück. Welche Erinnerungen hast du noch an die letzte Weltmeisterschaft, welches waren die prägendsten Erlebnisse?

Zunächst war in Bremen überhaupt keine Begeisterung spürbar, vielleicht weil hier keine Spiele ausgetragen wurden. Das Eröffnungsspiel hat kaum jemanden interessiert. Erst nach dem Last-Minute-Erfolg gegen Polen ging es so richtig los. Die Stimmung in den beiden Wochen danach war phänomenal, weil sie so unerwartet und ehrlich war. Das hat mir um Längen besser gefallen als zwei Jahre später während der EM. Da wurde man schon fast blöd angeguckt, wenn man die Spiele nicht beim Public Viewing schauen wollte. Prägend war dann natürlich auch das WM-Aus gegen Italien. So gefrustet war ich nach einer Niederlage der Nationalmannschaft noch nie.

2. Am 11. Juni ist es dann soweit. Zum ersten Mal findet eine Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent statt. Es wurde im Vorfeld viel über Sicherheitsaspekte und mangelnde Infrastruktur gesprochen. Glaubst du trotzdem, dass die WM ein friedliches und buntes Spektakel wird?

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung und möchte da auch gar nicht mit dem bisschen Halbwissen spekulieren, das ich habe. Aber ich hoffe es natürlich!

3. Und wie groß ist die Vorfreude dieser Tage bei dir selbst?

Geht so. Einerseits freue ich mich schon auf die WM, auf tollen Fußball und spannende Spiele. Das mediale Drumherum wird mir aber etwas viel. Andererseits bin ich nicht wirklich euphorisch, weiß auch nicht genau, woran es liegt. Vielleicht ändert sich das in den nächsten Tagen aber auch noch.

4. Kommen wir mal zur Nationalmannschaft. Jogi Löw nimmt ein sehr junges Team mit nach Südafrika. Viele Spieler absolvieren ihre erste WM. Bist du zufrieden mit der Spielerauswahl oder wer hätte deiner Meinung nach unbedingt mitkommen müssen oder zuhause gelassen werden?

Es gibt eine ganze Reihe Spieler, die man hätte mitnehmen können. Persönlich hätte ich Frings die Teilnahme gegönnt. Angesichts der Verletzungen kann man nun auch nicht mehr sagen, er würde nicht – zumindest als Back-up – gebraucht. Aber angesichts der Spieler, die Löw eigentlich für die Position vorgesehen hatte, kann ich es schon irgendwo nachvollziehen. Ansonsten? Kuranyi, Hummels, Hoewedes fallen mir da spontan ein. Gomez hätte ich nicht mitgenommen. Klose schon, trotz der miesen Saison. Podolski auch. Insgesamt sehe ich es schon als problematisch, dass alle drei etablierten Stürmer so außer Form sind. Löw muss sich für eine Art Wunderheiler halten. Wenn er Klose und Podolski rechtzeitig hinbekommt, darf er sich zurecht feiern lassen. Insgesamt bin ich mit der Kaderauswahl aber zufrieden, gerade weil viele junge Spieler nominiert wurden.

5. Michael Ballack fehlt Deutschland wegen seiner Verletzung aus dem FA-Cup-Finale. Danach ging eine kleine Apokalypse durch Fußball-Deutschland. Alles nur Pessimismus und Panik oder ist die Nationalelf ohne Ballack wirklich so viel schlechter?

Klar ist sie ohne ihn schlechter. Das ist jedenfalls der Status Quo. Genau deshalb müssen nun andere Spieler aus dem Quark kommen, um die Lücke zu schließen. Schweinsteiger und Khedira im zentralen Mittelfeld sind sehr gute Alternativen. Falls sich noch einer von beiden verletzt sehe ich aber schwarz. Aber gerade als Werderfan weiß man, dass das Fehlen / der Abgang eines Stars Platz für neue Spieler bietet sich zu entfalten. Das Potential ist im Kader vorhanden, aber ob es schon zur WM reicht? Hoffen wir’s mal.

6. Miroslav Klose hängt schon seit vielen Spielen seiner Form meilenweit hinterher. Wenig Spielpraxis in der Bundesliga bei den Bayern, in der Nationalmannschaft häufig ohne jede Bindung zum Spiel. Muss Klose auf der Bank Platz nehmen?

In der Vorbereitung war Cacau deutlich besser und Klose kein Kandidat für die Startelf. Aber Löw wird kaum so lange auf den Formanstieg warten, nur um Klose jetzt auf die Bank zu setzen. Ich gehe davon aus, dass er gegen Australien spielt. Viel Kredit hat er dann aber nicht mehr, das kann Löw sich auch nicht leisten. Wenn er sich gegen Austalien nicht deutlich steigert ist er wohl raus.

7. Manuel Neuer als Nummer 1 bei der WM für Deutschland im Tor – die richtige Entscheidung?

Ja. Genau wie jede andere Entscheidung (für Wiese, für Butt, für Adler) auch eine richtige Entscheidung gewesen wäre.

8. Auf welches Team und auf welche Spieler freust du dich besonders bei dieser WM?

Auf Spanien, auf Xavi, auf Iniesta, auf Silva, auf Villa, auf Fabregas. Braucht man nicht mehr zu begründen. Aus taktischer Sicht freue ich mich auf Brasilien. Die Niederlande werden wieder spektakulären Offensivfußball spielen und Messi wird hoffentlich auch für Argentinien mal richtig glänzen.

9. Wer ist dein Weltmeister-Tipp? Und wer ist dein Geheimfavorit?

Mein Weltmeistertipp ist Argentinien. Maradona ist absolut verrückt, hat aber auch ein goldenes Händchen (siehe ’86). Und er hat einen unglaublich guten Kader, obwohl seine Nominierungen ein bisschen abenteuerlich sind. Cambiasso wäre in jeder Mannschaft bei diesen Turnier Stammspieler, bei Maradona steht er nicht mal im Kader. Defensiv ist es ab und an wackelig (Demichelis), aber diese Auswahl im Angriff ist einzigartig: Messi, Milito, Tevez, Higuain, Agüero – und am Ende spielt dann doch Palermo. Und falls das passiert, wird er auch Torschützenkönig!

Geheimfavorit ist für mich Dänemark, die haben das vielleicht beste Team seit 1992 und ihnen würde ich es gönnen, weit zu kommen.

10. Wie weit kommt die deutsche Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika?

Ganz schwer einzuschätzen. Mein Tipp lautet Halbfinale, dazu müsste aber schon vieles passen. Von Achtelfinale bis Weltmeister ist alles drin, wenn die Mannschaft ihr Potential voll ausschöpft. An ein Vorrundenaus glaube ich nicht.

11. Für welches andere Team neben Deutschland drückst du noch die Daumen?

So richtig die Daumen drücke ich für niemanden. Wenn Spanien so spielt wie 2008, dann gönne ich ihnen den Titel. Allerdings gönne ich jeder Mannschaft den Titel, die so spielt wie Spanien 2008. Außer England.

12. Zahlreiche Stars werden verletzt bei der Weltmeisterschaft fehlen, viele gute Spieler, wie Torres, Fabregas oder auch Rooney, schleppten im Vorfeld der WM Verletzungen mit sich rum. Viele Stars nicht da, viele vielleicht nicht ganz fit. Sehen wir eine eher von der spielerischen Seite mäßige WM?

Sehen wir die nicht meistens? Das hat meiner Meinung nach weniger mit den fehlenden Stars zu tun, als mit dem Sicherheitsdenken der Teams. 2006 spielten ab dem Viertelfinale alle Mannschaften Sicherheitsfußball – mit Ausnahme von (ausgerechnet) Italien in der Verlängerung gegen Deutschland. Dafür gab es kaum Überraschungen. Eine Konsequenz aus der WM 2002, als die Topfavoriten Frankreich und Argentinien in der Vorrunde rausflogen. Brasilien wurde davor gar nicht so hoch gehandelt und wurde dann ziemlich ungefährdet Weltmeister. Auch kein Zeichen für höchstes Niveau. Genau wie Frankreichs Finalteilnahme vor vier Jahren. Zumindest im letzten Jahrzehnt waren es eher die Europameisterschaften, die mit tollem Fußball geglänzt haben.

13. Wo verfolgst du die Spiele der Weltmeisterschaft? Hast du für das Deutschland-Spiel am Freitag, 18. Juni, gegen Serbien Urlaub genommen?

Urlaub habe ich mir nicht genommen. Die Deutschland-Spiele werden zur Not während der Arbeit nebenbei verfolgt. Das ist der Vorteil, wenn man sein eigener Chef ist. Ansonsten schaue ich die Spiele wohl auf Sky, entweder zuhause oder auch mal in der Kneipe. Public Viewing muss nicht sein.

14. Günter Netzer oder Franz Beckenbauer?

Netzer. Stellt sich diese Frage wirklich?

15. Bela Rethy oder Marcel Reif?

Reif nehme ich es übel, dass er sich selbst seit Jahren zu sehr in den Mittelpunkt stellt. Er ist zweifellos der beste deutsche Kommentator seiner Generation, aber im Prinzip dreht er sich seit Jahren um sich selbst und ist bis zum Erbrechen opportunistisch. Trotzdem ziehe ich ihn Bela Rethy jeder Zeit vor.

16. Es ist die letzte WM für Günter Netzer als Experte in der ARD. Was denkst du gibt es als Abschiedsgeschenk von Gerhard Delling?

Einen Kuss? Das hätte doch was. Gepaart mit einem Filmzitat à la I’ll never let go, Günter!

17. Für alle Blogger unter uns: Was planst du an WM-Berichterstattung in deinem Blog?

Ich plane gar nichts, hängt sehr von meiner freien Zeit ab. Den einen oder anderen Beitrag wird es geben, aber ich kann noch nicht sagen in welchem Umfang.

18. Und hier ist noch Platz für Anmerkungen und Hinweise

Bitte halbwegs anstänige Schiedsrichterleistungen! Die entscheidende Phase der Champions League lässt es einem Angst und Bange werden. Was da teilweise für ein Mist gepfiffen wurde, da muss man für die WM schlimmes befürchten. Wollen wir hoffen, dass es keine Skandalspiele gibt wie 2002, als Südkorea von den “Unparteiischen” ins Halbfinale gelotst wurde.

Inside-out

Wäre Louis Van Gaal Bundestrainer, dann würde er seine Positionen wohl nach den gleichen Prinzipien besetzen, wie bei den Bayern. Der linke Innenverteidiger ist dann nun mal ein Linksfuß, auch wenn man dafür Lucio zu Inter Mailand schicken muss. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass er Lahm eher auf die Tribüne setzen würde, als ihn als Linksverteidiger einzusetzen. Trainer sind eben Sturköpfe. Aber bei Bayern hat Van Gaal ja auch Arjen Robben.

Einen solchen Spieler hat das deutsche Team bei der WM nicht. Damit ist gar nicht mal die Qualität gemeint, sondern der Typus des Linksfußes, der auf dem rechten Flügel spielt und dann in die Mitte zieht. Deshalb kommt Lahm in der Nationalmannschaft meistens links zum Einsatz, wo er nicht aus dem Lauf flanken kann und selbst immer wieder in die Mitte zieht. Individuell ist er auf links wohl besser, aber für die Bayern war er auf der rechten Seite wertvoller, weil er der Plan B für Robben war, wenn sich kein Platz für dessen Sololäufe bot. Er hat in dieser Saison die halbhohe Flanke in den Torraum (zwischen Innenverteidiger und Torwart) fast perfektioniert.

Warum der starke Fuß überhaupt eine Rolle spielt? Weil er auf der Außenbahn (wo der Handlungsspielraum durch die Seitenlinie ohnehin auf 180 Grad begrenzt ist) die Optionen vorgibt, die ein Spieler hat. Klassischerweise hatten Flügelspieler ihren starken Fuß außen, damit sie mit Tempo die Linie entlang gehen und Flanken schlagen konnten. Heutzutage macht man häufig das Gegenteil und setzt Weltklasseleute wie Robben, Ronaldo und Messi auf der “falschen” Seite ein, damit sie selbst den Torabschluss suchen können. Das Ziel ist es, eine kurze Unordnung in die Ordnung zu bringen, die mittlerweile von fast allen Teams auf dem Globus eingehalten wird. Es kann den Unterschied machen zwischen langweiligem Ballgeschiebe (die Hinrundenbayern) und begeisterndem Offensivfußball (den Rückrundenbayern).

Joachim Löw befindet sich mit seinem Team – Verletzungen sei Dank – noch in der Findungsphase, wo schon Feinabstimmung auf dem Programm stehen sollte. Es werden noch Antworten auf die grundlegenden Fragen gesucht. Klar sind nur die Achsen in der Mitte, mit Neuer im Tor, Mertesacker in der Innenverteidigung, Khedira und Schweinsteiger im defensiven, sowie Özil im offensiven Mittelfeld. Auf den Außenbahnen stehen lauter Fragezeichen. Auf der linken Seite deutet vieles auf das Duo Lahm/Podolski hin. Das wäre die Umkehrung der Bayern-Variante: Hinten den starken Fuß innen, vorne den starken Fuß außen. Auf der anderen Seite wird man es kaum genau so machen. Es gibt keinen Linksfuß, der als Rechtsverteidiger in Frage käme. Boateng und Beck heißen die wahrscheinlichsten Kandidaten (falls letzterer überhaupt mit darf). Die Auswahl an Kandidaten für die rechte Seite ist stark limitiert und gerade dadurch besonders schwer. Marin und Trochowski wären die Rechtsfüße für die Seite.

Eine andere Variante wäre es, Kapitän Lahm auf die rechte Seite zu ziehen und dafür einen Linksfuß auf der anderen Seite einzusetzen, etwa Aogo oder Badstuber. Ob dann aber auch die offensiven Außenspieler ihre Rollen tauschen würden? Podolski kann ich mir beim besten Willen nicht als Robben vorstellen. Er hat zwar einen fantastischen Schuss, doch für die Sololäufe in die Mitte fehlt ihm die Dribbelstärke. Bei Marin wäre es auf der anderen Seite genau andersrum. Trochowski scheint mir das Timing zu fehlen, der zieht aus allen Lagen ab. Zudem braucht man für diese Variante auch einen passenden Mittelstürmer. Löws Favorit ist immer noch Klose, der dafür denkbar ungeeignet scheint. Schon bei den Bayern kam er mit diesem System nicht zurecht. Ich halte Klose (auch wenn ich mich gerne über seine schlechte Torausbeute lustig mache) noch immer für den besten deutschen Stürmer der letzten 10 Jahre, doch er braucht einen Anspielpartner, tut sich als alleiniger Vollstrecker schwer. Und wenn er schon als einzige Spitze spielt, braucht er hohe Flanken, um seine Kopfballstärke auszuspielen. Gomez kommt für das System noch weniger in Frage. Er wirkte bei den Bayern schon extrem deplatziert. Am ehesten ginge es vielleicht noch mit Cacau. Ich halte das für unwahrscheinlich.

Sehr wahrscheinlich ist hingegen, dass sich die beste Formation erst im Laufe des Turniers herauskristallisieren wird, wie schon vor zwei Jahren beim Spiel gegen Portugal mit dem Wechsel von 4-4-2 zu 4-2-3-1. Bis dahin darf man auch bei Löws Elf über spielmachende Linksverteidiger, falsche Mittelstürmer oder die Rückkehr des Liberos spekulieren. Und das macht allemal mehr Spaß, als diese unsäglichen Personaldiskussionen.