Archiv für den Monat: September 2010

Ein fragiles Gebilde namens Werder

Champions League, 2. Spieltag: Inter Mailand – Werder Bremen 4:0

Wir haben vier zu null gegen Inter Mailand verloren. Wenn ich die Mechanismen des Fußballs richtig verstanden habe, müssen wir nun den Trainer entlassen, 5-6 Spieler aus dem Kader verbannen (nicht alle, die schlecht spielen, sondern nur die, die bei den Fans unbeliebt sind) und auf “die Jugend” setzen. Spieler nachkaufen geht schließlich momentan nicht, trotz der 20 bis 50 Millionen, die Klaus Allofs in seiner Matratze versteckt hat. Zum Glück “greifen” die Mechanismen des Fußballs in Bremen etwas anders.

Die Niederlage gestern war bitter, ihr Zustandekommen fast noch bitterer. Werder hat 10 Minuten lang richtig gut mitgespielt, hätte sogar in Führung gehen können, aber war in den folgenden 80 Minuten hoffnungslos unterlegen. Angesichts der bisherigen Leistungen in dieser Saison musste man das befürchten. Vor einer Woche hat man 1:4 in Hannover verloren. Dennoch gab es nach dem Erfolg im Nordderby die Hoffnung, dass man sich an einem solchen Spiel hochziehen kann. Dass man eine Leistung abrufen kann, die wieder an das erinnert, was wir von Werder in den letzten Jahren gewohnt sind.

Es kam anders. Werder ließ sich nicht mit Pauken und Trompeten auskontern. Man stand auch nicht wie das Kaninchen vor der Schlange, wie im Pokalfinale gegen die Bayern. Man hatte eigentlich eine gute Taktik, stand nicht zu hoch, spielte schnell nach vorne und kam zu Torchancen ohne dabei die Abwehr zu entblößen. Eigentlich. Denn Inter fand trotzdem die Lücken, die sie brauchten, um immer wieder gefährlich vors Tor zu kommen. Es war ein deutlicher Klassenunterschied, den man nicht nur auf die verletzten Spieler schieben sollte.

Inter in allen Belangen überlegen

Es gab natürlich einen Unterschied in der individuellen Klasse der Spieler. Die Fehler von Jensen vor dem 0:1 und Bargfrede vor dem 0:4 sprechen Bände. Der eine hat jahrelang immer wieder verletzt gefehlt und nur wenige Spiele auf Topniveau absolviert, der andere hat nach einer tollen Premierensaison die erste Krise seiner Profikarriere. Man kann ihnen eigentlich nicht verübeln, dass Sneijder und Eto’o zwei Nummern zu groß für sie waren. Wäre es mit Frings anders gewesen? Hätte er so tief gestanden, dass er Eto’o den Raum genommen hätte? Die Rolle der “falschen Neun”, die Eto’o gestern Abend in Inters Spitze spielte, erinnerte stark an seine Zeit in Barcelona. Werder bekam das gesamte Spiel über keinen Zugriff auf ihn. Hier ist vor allem der Trainer gefragt. Thomas Schaaf sagte nach dem Spiel im Interview, dass man diese Spielweise vor der Partie immer wieder angesprochen habe. Es scheiterte also an der Umsetzung.

So kam es, dass Werder auch strukturell das Nachsehen hatte. Die Raumaufteilung in der Defensive war teilweise hanebüchen. Man konnte den Spieler dabei zusehen, wie sie angesichts der immer größer werdenden Dominanz Inters immer mehr in Panik gerieten. Eigentlich hätte dieser Spielverlauf allen klar sein müssen, denn dass der Titelverteidiger nach Werders exzellenter Anfangsphase die Partie mit der Zeit an sich reißen würde, kam nicht überraschend. Nun hätte man sich hinten einigeln müssen, dem Gegner keine Räume bieten und dann nach der Balleroberung blitzschnell nach vorne spielen. Leider setzte Werder nur den letzten dieser Punkte um. Warum lernt Werder diese Spielweise nicht? Woran hapert es?

Es war klar, dass Inter sich irgendwann auf die schnellen Gegenstöße einstellen würde, nur leider war das Spiel zu diesem Zeitpunkt schon entschieden. In der zweiten Halbzeit mühte man sich zwar gegen ein nun aufs Verwalten bedachtes Inter, doch es fiel der Mannschaft immer schwerer, gefährlich vors Tor zu kommen. Am Ende kam es wie es kommen musste, aber das war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr wirklich wichtig. Das Spiel ging in der ersten Halbzeit verloren, als man gegen Eto’o und Sneijder in der Mitte machtlos war und auf den Außen die schnellen Biabiany und Coutinho nicht in den Griff bekam.

Das Prinzip Hoffnung für die Bundesliga

Das Ergebnis ist letztlich das kleinere Übel. Viel problematischer ist der psychologische Aspekt. Nach dem Hoffnungsschimmer am Samstag wieder so dermaßen auf die Nase zu fallen, wird nicht spurlos an der Mannschaft vorbeigehen. Wie sollte es auch? Jede Niederlage nagt am Selbstbewusstsein, erst recht wenn viele Spieler noch gar nicht richtig in der Saison drin sind. Es wird wieder von Einstellung gesprochen werden, von Laufbereitschaft, doch allein damit gewinnt man im Profibereich keine Spiele. Werder ist gestern mehr gelaufen als Inter, weil Inter den Ball und den Raum kontrollierte und Werder ständig ausbügeln musste. Viel mehr geht es um Raumaufteilung, um kollektives Denken und Handeln der Mannschaft. Dazu braucht es ein geschlossenes Team, das Werder derzeit meistens abgeht. Gegen den HSV gab es in dieser Hinsicht gute Ansätze. Gestern waren diese nach dem Rückstand schnell wieder verschwunden, was zeigt, wie fragil das Gebilde noch ist.

Leider sind zu viele Spieler mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, als dass sie der Mannschaft wirklich helfen können. Arnautovic hat gestern sein vielleicht schlechtestes Spiel für Werder gemacht und war mehr auf persönliche Revanche gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber aus. Marin ist leider immer noch sehr eindimensional und kann wenig zum Spiel beitragen, wenn er mit seinen Dribblings nicht erfolgreich ist. Silvestre hat aus dem Stand innerhalb von 19 Tagen 6 Spiele absolviert und zu große Defizite, um von seiner Routine auf diesem Niveau profitieren zu können. Selbst Prödl, der in den letzten Wochen deutliche Fortschritte gemacht hat, war gestern völlig überfordert. In der Summe mit den Verletzungsproblemen und Formschwankungen einiger Spieler ist es für Werder momentan einfach zu viel, um damit fertig zu werden. Am Sonntag geht es nach Leverkusen, wo man ohnehin nicht unbedingt Favorit ist. In der momentanen Situation ist man sogar deutlicher Außenseiter. Es bleibt das Prinzip Hoffnung. Es gab schon bessere Zeiten in Bremen.

Inter Mailand – Werder Bremen (live)

Darf ich vorstellen: F.C. Internazionale Milano

Werders zweiter Gegner in der Gruppenphase der Champions League ist Inter Mailand. Es ist bereits das dritte Aufeinandertreffen in der Champions League seit 2004. Der Verein dürfte daher den meisten Werderfans ganz gut bekannt sein. Ich habe mich trotzdem an einer Vorstellung versucht:

Der Verein

Der vollständige Name des Vereins ist Football Club Internazionale Milano, doch meistens wird er kurz Inter genannt, wobei in Deutschland der obligatorische Städtename nicht fehlen darf. In diesem Fall ist es sogar richtig. Einigen wir uns also auf Inter Mailand. Gegründet im Jahr 1908 gehört Inter heute zu den erfolgreichsten Fußballvereinen der Welt. Der Spitzname Nerazzurri (die Schwarz-Blauen) ist vermutlich jedem Fußballinteressierten schon einmal unter die Ohren gekommen. Ebenfalls bekannt ist die Rivalität zum Stadtrivalen AC Milan. Weniger bekannt ist hingegen die Entstehung des Vereins, der einer klassischen Abspaltung entstammt (vgl. Judean People’s Front vs. People’s Front of Judea). Unzufriedene Spieler des AC Milan gründeten den Verein Internazionale, weil ihnen die Dominanz italienischer Spieler in ihrem Ex-Verein auf die Nerven ging. Es ist also keineswegs nur dem modernen Fußball zuzuschreiben, dass der Anteil italienischer Spieler bei Inter Mailand gering ist.

Eigentümer des Clubs ist Massimo Moratti. Seit 1995 lenkt der italienische Öl-Tycoon die Geschicke des Vereins und blieb dabei lange hinter den Erwartungen zurück. Trotz irrwitziger Ausgaben für Neuzugänge brauchte es den italienischen Fußballskandal 2006, um Inter zur führenden Kraft des italienischen Fußballs zu machen.

Das 1926 erbaute Stadio Giuseppe Meazza, in dem Inter und Lokalrivale Milan ihre Heimspiele austragen, ist eines der bekanntesten Fußballstadien Europas. Es ist auch unter dem ursprünglichen Namen San Siro bekannt – benannt nach dem Stadtteil in dem es liegt. Für deutsche Mannschaften ist es ein gutes Pflaster: Hier hat Deutschland bei der WM 1990 die Niederlande und die Tschechoslowakei geschlagen und der FC Bayern 2001 die Champions League gewonnen. Auch Werder hatte hier zuletzt Erfolge vorzuweisen: Vor zwei Jahren holte man ein 1:1 Unentschieden gegen Inter und im Februar 2009 setzte sich Werder im UEFA-Cup gegen den AC Milan durch. Das Stadion ist mit einer Kapazität von 80.000 Plätzen das größte Italiens, wird am Mittwoch aber nicht annähernd ausverkauft sein.

Historie

Bereits zwei Jahre nach der Gründung gewann Inter zum ersten Mal den Scudetto. Die große Zeit des Vereins begann jedoch erst Mitte der 50er Jahre. Die Meisterschaften 1953 und 1954 waren der Beginn einer Ära, in der das Team unter dem Namen La Grande Inter bekannt wurde. Unter Trainer Helenio Herrera entwickelte die Mannschaft eine Taktik, die bis heute wie keine andere für den italienischen Fußball steht: Catenaccio. Während der Begriff heute etwas verächtlich für jegliche Defensivtaktik verwendet wird, beschrieb er ursprünglich ein konkretes Spielsystem, das von österreichischen Trainer Karl Rappan erfunden wurde: Eine Formation bestehend aus vier Manndeckern, vor denen ein Dreiermittelfeld für weitere Stabilität sorgte. Herrera erweiterte die Abwehr noch um einen zusätzlichen Spieler: Einen Libero, der hinter den Manndeckern die Löcher stopfte. Kurz gefasst war es eine Variation des damals nicht unüblichen 5-3-2 Systems (auch als Verrou bekannt). Mit dieser defensiven Taktik brachte Inter die Gegner erst in Italien und bald auch in ganz Europa zur Verzweiflung. Die Phase gipfelte in den beiden Siegen im Europapokal der Landesmeister 1964 und 1965.

Die zweite Hochphase des Vereins kam mit deutscher Beteiligung zustande: Mit Spielern wie Lothar Matthäus, Andreas Brehme und Jürgen Klinsmann sowie Trainer Giovanni Trapattoni gewann Inter 1989 die Meisterschaft und 1991 den UEFA-Cup. Danach folgte eine Phase der relativen Erfolgslosigkeit, die international jedoch durch zwei weitere UEFA-Cup-Siege versüßt wurde. Hierzu ist allerdings anzumerken, dass die italienischen Mannschaften den Wettbewerb in den 90er Jahren absolut dominierten (8 von 11 Titeln gingen zwischen 1989 und 1999 an Teams aus der Serie A). In der heimischen Liga musste sich Inter hingegen hinter Juventus und Milan als dritte Kraft einreihen und gewann erst im Jahre 2006 wieder die Meisterschaft. Dabei profitierte man von der Aufdeckung des Calciopoli-Skandals und dem folgenden Zwangsabstieg von Juventus sowie dem Punktabzug beim AC Milan. Inter hatte das Glück, dass eine Beteiligung am Skandal nicht nachgewiesen werden konnte und bekam nachträglich den Titel zugesprochen, obwohl man eigentlich mit 15 Punkten Rückstand nur Dritter geworden war. Im folgenden Jahr konnte man die Abwesenheit von Juve (Zwangsabstieg in Serie B) und Milan (8 Punkte abgezogen) nutzen, um sich an der Spitze festzusetzen.

Es folgte die national erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte mit inzwischen fünf Scudettos in Folge. Trotz des nationalen Erfolges war man in der Chefetage jedoch nicht ganz zufrieden. Es fehlte der internationale Erfolg. In der Champions League schied das Team in den vergangenen Jahren meistens früh aus. Ein Trainerwechsel sollte Abhilfe schaffen. Erfolgstrainer Roberto Mancini wurde durch den Portugiesen José Mourinho ersetzt, mit dem Auftrag die Königsklasse zu gewinnen. In seiner ersten Saison bei Inter verteidigte Mourinho zwar die italienische Meisterschaft, scheiterte jedoch im Achtelfinale der Champions League. Im zweiten Jahr wurde es dann besser: 2010 holte das Team das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League. Kurz nach dem 2:0-Finalsieg gegen die Bayern gab Mourinho seinen Abschied bekannt. Er wird in dieser Saison ersetzt durch Ex-Liverpool- und Valencia-Coach Rafael Benitez.

Mit 18 Meisterschaften ist Inter hinter Juventus der Vize-Rekordmeister. Hinzu kommen sechs Pokalsiege, 3 UEFA-Cup-Siege und 3 Siege in der Champions League (bzw. des Europapokals der Landesmeister). Zudem ist Inter der einzige Club, der seit bestehen der Serie A ausnahmslos mit dabei ist.

Die Mannschaft

Die größte Veränderung fand zweifellos auf der Trainerbank statt. Mourinho hat sein Team aus hochtalentierten Einzelkönnern zu einer taktisch disziplinierten und schwer zu schlagenden Einheit geformt. Benitez kann auf fast den gesamten Kader der letzten Saison zurückgreifen. Die Problemfälle Balotelli und Arnautovic wurden abgegeben, ebenso Ricardo Quaresma – ansonsten blieb das Team beisammen. Namhafte Neuzugänge sucht man ebenso vergeblich. Inter war für die eigenen Verhältnisse extrem zurückhaltend auf dem Transfermarkt. Der Grund dafür ist jedoch weniger Bescheidenheit als die vielen wichtigen Verpflichtungen der letzten Transferperiode (namentlich Eto’o, Sneijder, Milito, Pandev und Lucio).

Tor

Die Nummer Eins bei Inter ist ein ganz großer des internationalen Fußballs. Julio Cesar ist brasilianischer Nationaltorwart und gilt als einer der besten Torhüter der Welt. Er bildet den sicheren Rückhalt hinter einer ohnehin sehr sicheren Abwehr. Als Ersatzmann wurde Luca Castellazzi, langjährige Nummer Eins bei Werders Quali-Gegner Sampdoria, verpflichtet. Mit 35 Jahren liegt er knapp über Inters gefühltem Durchschnittsalter.

Abwehr

Spätestens nach dem Halbfinal-Rückspiel gegen Barcelona in der Champions League hat Inters Defensive Legendenstatus erreicht. Die Mannschaft arbeitet enorm gut gegen den Ball und kann damit selbst die beste Offensive der Welt zermürben. Kernstück dieser Defensive ist eine Viererkette mit einer Menge Qualität und Erfahrung.

Die A-Besetzung der Innenverteidigung besteht aus den beiden 32-Jährigen Lucio und Walter Samuel. Ersterer ist aus Bundesligazeiten bestens bekannt. Letzterer ist ein Verteidiger alter Schule, der keine Gefangenen macht. Fehlende Größe macht der Argentinier mit extremer Robustheit weg. Die beiden ergänzten sich letzte Saison hervorragend und geben in dieser Form eines der besten Innenverteidigerpärchen im Weltfußball ab. Hinter den Beiden stehen die noch erfahreneren Ivan Cordoba (33) und Marco Materazzi (36) als Ersatzkräfte zur Verfügung. Cordoba ist nur unwesentlich größer als Marko Marin, jedoch eine sprungkräftige Urgewalt und daher fast so kopfballstark wie Sebastian Prödl. Dazu ist er auch vielseitig wie Petri Pasanen und kann im Notfall auf beiden Außenverteidigerpositionen aushelfen. Materazzi ist vor allem durch sein Tête-à-tête mit Zinedine Zidane im WM-Finale 2006 in Erinnerung geblieben. Er ist ein beinharter Spieler, der nicht selten den Bogen überspannt, aber dazu ist er eben auch ein richtig guter Verteidiger, der in den letzten beiden Jahren Platz gemacht hat für den “Nachwuchs”.

Physis ist in Inters Viererkette Trumph, das gilt auch für die Außenverteidiger. Kapitän Javier Zanetti darf man mit Fug und Recht als einen der vielseitigsten Fußballer unserer Zeit bezeichnen (übertroffen nur vom einzigartigen Paul Stalteri). Er kann auf beiden Außenbahnen spielen, ist dabei defensiv wie offensiv zu gebrauchen und gibt darüber hinaus auch einen hervorragenden defensiven Mittelfeldspieler ab (wie die Bayern im Champions League Finale erfahren durften). Sein Alter merkt man dem 37-Jährigen kaum an, dafür kann der argentinische Rekordnationalspieler auf die Erfahrung aus 15 Jahren bei Inter und 137 Länderspielen zurückgreifen. Sein 700. Spiel für die Nerazzurri wurde mit dem Gewinn der Champions League gekrönt. Cristian Chivu ist die zweite Option auf der linken Seite der Viererkette. Letzte Saison wurde er meistens dort eingesetzt. Zuvor spielte er auch häufig in der Innenverteidigung. Der Rumäne geht neben den vielen bekannten Namen fast ein wenig unter, dabei ist er Kapitän der Nationalmannschaft und hat bei Ajax, Roma und nun Inter viele Jahre auf höchstem Niveau gespielt. Auf der rechten Seite ist Inters Viererkette noch besser besetzt: Der Brasilianer Maicon gilt zu recht als bester Rechtsverteidiger der Welt und lässt in seinem Spiel wenig Raum für Verbesserungen. Defensiv zuverlässig, zweikampf- wie laufstark, unbändige Energie, sicheres Kombinationsspiel, gute Flanken, unberechenbare Dribblings und dazu noch Torgefahr (beim letzten Aufeinandertreffen mit Werder schoss er das 1:0 im Hinspiel). Er ist der Prototyp des modernen Außenverteidigers und dazu mit gerade mal 29 Jahren der Jungspund in Inters Abwehr.

Mittelfeld

Der Abräumer vor Inters Abwehr heißt Esteban Cambiasso. Der Argentinier – von Diego Maradona unverständlicherweise nicht für den WM-Kader nominiert – ist ein ungemein intelligenter Spieler, der mit seinem überragenden Stellungsspiel Löcher stopft und für die Balleroberung sorgt. Er ist jedoch nicht auf diese Aufgaben beschränkt sondern hat auch offensiv seine Qualitäten. Sein Passspiel ist selten spektakulär, doch für Inters Spiel äußerst wichtig. Er ist der Taktgeber und Motor des Mittelfelds. Für den Platz neben ihm kommen gleich vier Spieler in Frage. Zum einen der oben genannte Zanetti, wenn dieser nicht hinten links benötigt wird. Die zweite Option ist der Serbe Dejan Stankovic. Dies stellt eine etwas offensivere Variante dar. Der Serbe hat seine Qualitäten eher in der Spielgestaltung, doch er gibt auch einen passablen defensiven Mittelfeldspieler ab. Als dritte Option steht der Brasilianer Thiago Motta zur Verfügung, der vor einem Jahr gemeinsam mit Diego Milito aus Genua (nicht Sampdoria) zu Inter kam. Option Nummer 4 ist Sulley Muntari, ein Lauf und kampfstarker Ghanaer, der auch auf der linken Außenbahn eingesetzt werden kann. Mourinho wechselte die Saison über immer wieder zwischen diesen Varianten, abhängig von Gegner und der jeweiligen Form.

Der wichtigste Neuzugang im Mittelfeld war im Sommer 2009 Wesley Sneijder. Der von Real Madrid ausgemusterte Niederländer schlug in seiner ersten Saison in Mailand gleich voll ein und gab der Mannschaft das gewisse Etwas in der Offensive. Sneijder gibt den offensiven Part vor Cambiasso und seinem Nebenmann. Er ist kein Spielmacher im klassischen Sinne, doch vereint viele Eigenschaften, die ihn für den Gegner gefährlich machen. Neben einer guten Übersicht und starker Technik hat er das Auge für den entscheidenden Pass sowie eine gewisse Torgefährlichkeit (wenngleich er für Inter letzte Saison weit weniger torgefährlich war als für Holland bei der WM). Zu seinen größten Stärken gehört die Fähigkeit, aus dem Nichts spielentscheidende Situationen zu kreieren. Sneijder taucht ab und zu unter, um dann plötzlich und unerwartet zuzuschlagen. Mit Werder hat er Anfang 2007 schon Erfahrungen gemacht, als er Ajax fast zu einer unglaublichen Aufholjagd geführt hätte. Als Werderfan erinnert man sich lieber an das Hinspiel.

Angriff

Es wäre völlig falsch, Inter auf eine gute Defensive zu reduzieren. In der K.O.-Phase der Champions League spielte Inter sehr defensiv und destruktiv, doch konnte bei den wenigen Angriffen immer große Torgefahr versprühen. In der heimischen Liga spielt Inter deutlich offensiver, vor allem gegen die kleineren Teams. Die Mannschaft kann sehr wohl Fußball spielen und ist weit davon entfernt Catenaccio zu fabrizieren. In Diego Milito hat Inter einen echten Goalgetter fürs Sturmzentrum gefunden. Der inzwischen 31-Jährige hat im vergangenen Jahr endlich den Sprung zu einem Topteam gewagt, nachdem er zuvor in Zaragoza und Genua seine Torgefährlichkeit unter Beweis gestellt hatte. Als Spätstarter kämpfte er sich über die Serie B und die Niederungen der Primera Division zu Inter, wo er nicht nur den Weggang von Zlatan Ibrahimovic auffing, sondern auch das Champions League Finale, das Pokalfinale sowie das letztlich entscheidende Ligaspiel mit seinen Toren entschied. Seinen Legendenstatus hat er damit sicher. Bei ihm weiß man oft nicht so genau, warum er so torgefährlich ist, denn er wirkt häufig schlecht ins Spiel eingebunden. Vor dem gegnerischen Kasten ist er jedoch eiskalt und nutzt die sich ihm bietenden Chancen auf beeindruckende Weise. Für das Heimspiel gegen Werder ist sein Einsatz wegen muskulärer Probleme fraglich.

In der Spitze gibt Milito seit der letzten Rückrunde meistens den Alleinunterhalter – obwohl zeitgleich mit Samuel Eto’o einer der besten Mittelstürmer der Welt verpflichtet wurde. Mourinho hatte mit dem Kameruner andere Pläne und schulte ihn im Schnelldurchlauf zu einem defensiv ausgerichteten Rechtsaußen um. Eto’o, der in den vergangenen fünf Jahren dreimal die Champions League gewann und für Barcelona in 145 Spielen 108 Tore schoss, zahlte es seinem Coach mit Topleistungen auf der Außenbahn zurück. Dabei büßte er etwas an Torgefährlichkeit ein. In seinem Fall bedeutet das: 17 Tore in 36 Spielen. Auf der anderen Seite setzte Mourinho ab der Rückrunde auf Goran Pandev, der in der Winterpause von Lazio verpflichtet wurde. Pandevs Rolle in Inters System wird gerne übersehen, da er für einen Stürmer sehr wenige Tore schießt. Doch seine unermüdliche Arbeit auf dem linken Flügel erwies sich defensiv wie offensiv als wertvoll. Unter Benitez haben die beiden bislang die Seiten getauscht und werden wohl auch gegen Werder so auflaufen.

Die Taktik

Inters System ist auch nach Mourinhos Abgang weiterhin geprägt von der Arbeit des Portugiesen. Sein Nachfolger Rafael Benitez hat das Erfolgssystem der Rückrunde erstmal übernommen. Das Offensivquartett aus Sneijder, Eto’o, Pandev und Milito stellt sich dabei fast von selbst auf. In der Regel spielt Inter ein 4-2-3-1 System, das formell wie ein 4-3-3 aussieht. Mit drei echten Stürmen auf dem Platz könnte man eine offensive Ausrichtung erwarten. Die Außenstürmer agieren jedoch wie Mittelfeldspieler, übernehmen viele Defensivaufgaben und sollen vor allem die Vorstöße der gegnerischen Außenverteidiger stoppen. Im Gegensatz dazu genießt der offensive Mittelfeldspieler eine Menge Freiheiten und muss weniger für die Defensive arbeiten. Das Ziel ist es, ihn bei Ballbesitz schnell auf Höhe der Mittellinie anzuspielen und dann den entscheidenden Pass auf Milito oder die nachrückenden Außenstürmer zu suchen. Dies macht Inter zu einer hervorragenden Kontermannschaft.

Vor allem in der Hinrunde (vor der Verpflichtung von Pandev) spielte Inter auch häufig ein 4-3-1-2, in Bremen besser bekannt als 4-4-2 mit Raute. Dabei erhält Milito im Sturmzentrum Unterstützung von Eto’o. In Stankovic, Motta und Muntari hat Inter genügend Spieler im Kader, die gut für die Halbpositionen der Raute geeignet sind. Inter interpretiert die Raute jedoch nicht so beweglich wie Werder, legt den Fokus weiterhin auf Raumkontrolle und die Absicherung vor der Abwehr. Dennoch ist die Ausrichtung mit dieser Formation meist offensiver. Unter Benitez dürfte dieses System allerdings nur in Ausnahmefällen zur Anwendung kommen.

Die Ausfälle von Naldo, Fritz, Frings und Pizarro sprechen dafür, Inter im eigenen Stadion zunächst das Spiel machen zu lassen. Das Ziel sollte es sein, Inters Viererkette so weit wie möglich nach vorne zu locken und dann über schnelle Konter und Vertikalpässe zu überwinden. Inter wird kaum mit einem Sturmlauf beginnen, so dass man sie ruhig etwas kommen lassen darf, wenn man die Konzentration aufrecht erhält. Sobald Inter die Sicherheitsstufen erhöht, wird es für Werder sehr schwierig werden sich Torchancen zu erspielen. Deshalb wäre ein frühes Gegentor, für das Werder wie wir alle wissen immer gut ist, in diesem Spiel besonders schlimm. So offensiv aufgestellt wie gegen den HSV sollte man auf keinen Fall beginnen. Bislang hat Schaaf in dieser Saison auswärts auf einen zweiten Stürmer verzichtet und wird dies beim Champions League Sieger sicher nicht ändern. Ich gehe von einem 4-2-3-1 aus, um Inters System möglichst gut zu neutralisieren. Spannender ist da schon die Frage nach dem Personal. Wesley muss nach Fritz Verletzung wohl wieder auf der rechen Seite ran, so dass im Mittelfeld ein Platz vakant ist. Neben Bargfrede könnte daher Borowski zurück in die Startelf rücken, vielleicht auch Daniel Jensen. Vorne rechts hofft Arnautovic auf einen Einsatz gegen sein Ex-Team, doch er scheint bei Schaaf momentan einen schweren Stand zu haben. Viele Alternativen gibt es auf der Position jedoch nicht.

Der Ausblick

Inters stärkste Elf besteht fast ausnahmslos aus Weltklassespielern und verfügt über immense Erfahrung. Hinter der Stammformation sieht man jedoch schon ein gewisses Leistungsgefälle. Bis zur Nummer 15 oder 16 sieht es noch sehr gut aus, doch danach kommen einige Namenlose und alte Recken, die nicht mehr erste Wahl sind (Cordoba, Materazzi). Inter hat es bislang verpasst, talentierte Nachwuchsleute wie Balottelli und Arnautovic ins Team zu integrieren und könnte in absehbarer Zeit ein Problem mit einer überalterten Mannschaft bekommen. Momentan muss man jedoch anerkennen, dass Inter ein hervorragendes Team hat, das mit zum Besten im Vereinsfußball zählt. Der Saisonstart ist geglückt: Inter ist Tabellenführer, auch wenn es am Wochenende die erste Niederlage gab. Beim AS Rom verlor Inter durch ein Last-Minute-Tor mit 0:1, wobei sich beide Teams über 90 Minuten neutralisierten.

Inter hat noch nicht wieder die Form der letzten Rückrunde erreicht und ist aktuell sicher nicht unschlagbar. Dennoch geht Werder als klarer Außenseiter in die Spiele gegen den Champions League Sieger. Besonders im Auswärtsspiel wird es für Werder mit den aktuellen Personalsorgen sehr schwer. Ein Unentschieden in San Siro wäre schon ein Achtungserfolg. Die (erfolgreichen) Spiele gegen Inter vor zwei Jahren sollte man nicht überbewerten, denn seitdem hat Inter die halbe Mannschaft (darunter die komplette Offensivabteilung) ausgetauscht. Am letzten Spieltag der Gruppenphase geht es zuhause gegen Inter hoffentlich noch ums Weiterkommen, deshalb hoffe ich auf ein überragendes Spiel von Werder und einen knappen Heimsieg.

So erwarte ich Inter:

Meine Tipps: Auswärtsspiel 1:1, Heimspiel 1:0.

Asymmetrie vs. Stabilität

Bundesliga, 6. Spieltag: Werder Bremen – Hamburger SV 3:2

Auf Struktur und Sicherheit hatte ich vor dem Spiel gehofft. Eine statischere Formation zugunsten mehr Stabilität. Bekommen haben wir von Thomas Schaaf das exakte Gegenteil. Ein etwas krummes 4-4-2, das irgendwo zwischen flacher Vier und Raute im Mittelfeld schwankte, gegen das Hamburger 4-2-3-1. Zum Glück hatte HSV-Trainer Armin Veh ein unglückliches Händchen bei der Zusammenstellung seiner Startelf. Das Offensivtrio Choupo-Moting – Elia – Jansen hat überhaupt nicht funktioniert und somit alle Stärken des Systems negiert. In der ersten Halbzeit war der HSV eigentlich nur dann gefährlich, wenn sich Linksverteidiger Ze Roberto mit ins Mittelfeld einschaltete.

Bei Werder kam eine wichtige Konstante zurück ins Spiel, nämlich ein starker Torsten Frings als Abräumer vor der Abwehr. Vielleicht brauchte es ein solches Spiel, um eine Topleistung aus ihm herauszuholen. Sehr wichtig, dass er bei der beweglichen, aber eben auch instabilen Mittelfeldformation den Abstand zur Viererkette gering hielt und sich auf seine eigentliche Rolle beschränkte. Wesley gab einen verkappten Nebenmann für Frings, der aber eigentlich überall anzutreffen war und die rechte Mittelfeldseite dabei gelegentlich vernachlässigte (was Ze Roberto gut ausnutzte). Marin wurde von Schaaf endlich nicht mehr mit der Spielgestaltung in der Mitte beauftrag, sondern konnte sein Spiel über den Flügel aufziehen, während Hunt das Zentrum übernahm. Ich konnte das gesamte Spiel über kein “klassisches” System dabei erkennen. Ich würde die Formation in etwa so darstellen:

Flaches 4-4-2 oder Raute? Nur Frings hat eine feste Position: Wesley pendelt zwischen der rechten Seite und der zweiten Sechserposition, Marin gibt einen linken Flügelspieler, Hunt ist als Spielmacher nur selten wirklich im Zentrum.

Schlüssel zum Erfolg dieses Systems war (neben Vehs Aufstellungsfehlern) die unglaubliche Laufstärke von Wesley. In der zweiten Hälfte half ihm dies auf der Rechtsverteidigerposition, wo er vor allem im Spiel nach vorne einen starken Eindruck hinterließ. Defensiv wurde er wenig geprüft, da der HSV zunehmend die linke Bremer Seite als Schwachstelle ausmachte. Der eingewechselte Pitroipa konnte sich dort einige Male gefährlich durchsetzen und wenn van Nistelrooy etwas kaltschnäuziger gewesen wäre, hätte Werder vermutlich nicht alle drei Punkte aus dem Spiel mitgenommen.

Auch wenn die Hamburger mich insgesamt enttäuschten, sollte man nach den schwachen letzten Spielen die positiven Aspekte in Werders Spiel hervorheben. Die Rückkehr von Pizarro war immens wichtig. Auch wenn er noch nicht wieder vollständig fit ist, reicht allein seine Präsenz, um seine Mitspieler aufzuwerten. Auch Mertesacker konnte bei seiner Rückkehr überzeugen und sorgte für eine Verbesserung in der Spieleröffnung. Endlich wieder vertikales Spiel hinten heraus, statt jeden Ball auf die Außenverteidiger abzuladen! Die starke kämpferische Leistung der Mannschaft war wohl vor allem dem Nordderby geschuldet, doch sie macht Mut für das Auswärtsspiel bei Inter Mailand.

Der erste Schritt aus der Krise ist getan. Das Wie ist dabei weniger wichtig. Gestern zumindest zogen alle an einem Strang und das allein ist schon viel wert. Mich würde allerdings interessieren, ob die asymmetrische Formation den Vorgaben von Schaaf entsprach, oder ob sie ein Zufallsprodukt der eigenwilligen Raumaufteilung von Marin und Wesley war. Die nächsten Spiele werden darüber Aufschluss geben.

Werder Bremen – Hamburger SV (live)

3 Fragen zum Hamburger SV

Vor jedem Bundesligaspiel gibt es in dieser Saison ein Kurzinterview mit einem Fan/Blogger unseres Gegners. Vor dem 5. Spieltag hat mir HSV-Fan Florian alias nedfuller drei Fragen zu seinem Verein und dem Nordderby beantwortet:

Ende letzten Jahres haben wir vor dem Nordderby gesprochen und als ich dich nach deinem Tipp gefragt habe, hast du gesagt: “Bei dem Spiel geht es um nichts, also haben wir eine ganz gute Chance.” Du hast auf ein 2:1 getippt, das dann auch eingetreten ist. Unter diesem Aspekt sieht es auch am Samstag ganz gut für euch aus, oder?

Klar, ich bin der Tippkönig und habe immer recht ;-)

Bei meinen Tipps muß man wissen: Ich tippe nie gegen den HSV. Das kann ich nicht. Man stelle sich vor, wir verlieren und mein Tipp ist dann richtig. Dann wäre ich ja quasi Schuld daran. Nein, das kann ich nicht.

Am Samstag geht es wieder um was, es muß nämlich nach drei sieglosen Spielen unbedingt ein Dreier her. Also bin ich schon wieder etwas skeptisch, weil wenn wir gegen euch was reißen mußten, hat es selten geklappt. Andererseits ist bei euch auch nicht alles ok, man könnte gar sagen, ihr seid verunsichert. Das ist eine Chance, die wir nutzen können. Eure Abwehr ist nicht sattelfest und wenn unsere Offensive so spielt wie am Mittwoch, könnten wir euch überrennen. Mir macht es auch keine Angst, daß Per Mertesacker wieder zurück ist, den halte ich ja schon lange für einen schlechten Innenverteidiger (habe diese Meinung aber wohl exklusiv), also kann es uns nur helfen.

Ich weiß bislang weder bei uns noch bei euch wie ich die Mannschaften einschätzen soll. Das heißt bei uns kristallisiert sich langsam etwas heraus, das ich noch nicht so ganz wahrhaben will. Aber bei euch hatte ich eigentlich den Eindruck, dass ihr sehr gut in die Saison gekommen seid. Inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher. Wie siehst du eure bisherigen Leistungen?

Schon gegen Frankfurt und Schalke war ich skeptisch, was unser Spielsystem angeht. In diesen beiden Spielen hat es funktioniert, weil auch der Gegner nicht gerade stark war. In den nächsten drei Spielen hat man dann gesehen, woran unser System krankt: Wir haben keinen Spieler für die mittlere Position im Mittelfeld. Gegen Schalke fand ich allerdings gut, daß wir endlich mal wieder einen Rückstand aufgeholt haben. Das gab es in der letzten Saison sehr selten.

Unsere bisherige Leistung ärgert mich sehr, weil wir gegen die Kleinen (ja Herr Völler, ich meine es gibt sie immer noch!) nur 2 Punkte gemacht haben. Gegen Wolfsburg kann man verlieren, aber zu Hause gegen Nürnberg muß man aus 75% Ballbesitz einfach mehr Tore machen! Gegen den Stadtteilverein aus Hamburg haben wir nicht mal richtig Fußball gespielt! Da haben wir unnötig Punkte liegen lassen.

Der Start ist gut gewesen, meine Skepsis gegenüber Taktik und Trainer waren aber nie weg und haben sich dann in den nächsten drei Spielen verstärkt.

Ansonsten same procedure as every year? Neuer Trainer, gute Saison und am Ende wird doch wieder alles verspielt und der Trainer entlassen? Oder wird dieses Mal alles anders? Immerhin könnt ihr euch dieses Mal voll auf die Bundesliga konzentrieren. Was erwartest du vom HSV in dieser Saison?

Ich erwarte einen Platz unter den ersten 5. Das muß unser Ziel sein, bei der Qualität im Kader!

Das Problem mit einer Trainerentlassung wäre, daß ich glaube das Schicksal von Bernd Hoffmann wäre dann besiegelt. Was soll er sonst noch tun, den Neuanfänger Reinhardt entlassen? Das klingt dramatisch, aber so sehe ich das. Die Öffentlichkeit und auch der Aufsichtsrat wird ein nochmaliges Scheitern eines Trainers nicht ohne generelle Konsequenzen hinnehmen. Die Stimmung kocht seit der Posse um den Sportchef und die unglückliche Kommunikationsstrategie rund um das Investorenmodell mit Herrn Kühne. Ein Scheitern von Armin Veh würde vor allem dem Vorstand angelastet werden.

Ein wenig beruhigt bin ich, daß mit Michael Oenning ein Ersatz ja quasi schon Gewehr bei Fuß steht ;-) Der könnte dann ja…

Ach was, ich male zu schwarz: Wir rocken die Rückrunde und holen uns den zweiten Platz! Armin Veh verlängert für 15 Jahre und wird nach Ernst Happel der erfolgreichste Trainer beim HSV!

Und der Seitenhieb mit dem “Auf die Bundesliga konzentrieren” stecke ich mal weg, leider kann ich bei euch ja nicht das gleiche sagen…

Dein Tipp?

2:1 für den HSV. Was soll ich sonst tippen *G*

Wie ich morgen spielen würde

Ich will ja nicht nur meckern. Die letzten Spiele waren fürchterlich, aber es muss ja weitergehen. Nordderby also. Heimspiel gegen den HSV. So würde ich die Mannschaft spielen lassen:

Formation

Wir spielen gegen eine Mannschaft, die ein 4-2-3-1 spielt, ohne bislang die mittlere Position der offensiven Dreierreihe überzeugend zu besetzen. Dennoch stellt diese Position eine potentielle Gefahr dar. Eine Raute funktioniert gegen solch ein System nur, wenn sich das Mittelfeld geschlossen verschiebt und aufeinander eingestellt ist. Ist im Moment nicht gegeben. Also spielen wir ebenfalls ein 4-2-3-1, nehmen eine vergleichsweise statischere Ausrichtung der Mannschaft in Kauf, um im Gegenzug mehr Stabilität ins Spiel zu bekommen.

Aufstellung

Der Torwart steht fest und in der Abwehr gibt es mangels Alternativen auch nur eine mögliche Aufstellung. Davor spielen trotz zuletzt schwacher Leistungen Frings und Bargfrede. Bei Wesley hätte ich in einem vermutlich körperbetonten Spiel noch Bedenken auf dieser Position. Borowski wäre eine Alternative, aber er ist auf dieser Position ebenfalls nicht wirklich zuhause und würde außerdem nach spätestens fünf Minuten das eigene Publikum gegen sich aufbringen. Jensen war so lange von der Stammelf weg, dass ich mir von ihm momentan nicht viel erhoffe. Schaaf hat offenbar große Vorbehalte gegen ihn und ich glaube nicht, dass die im menschlichen Bereich liegen. Drängt sich wohl im Training nicht wirklich auf. Also die zwei Platzhirsche der letzten Saison spielen lassen, auf dass sie sich fangen und zu alter Stärke finden. Beide mit der Anweisung, sich für das Aufbauspiel als Anspielstationen für die Innenverteidiger freizulaufen, sich ansonsten aber voll auf die Arbeit gegen den Ball zu konzentrieren und auch bei Ballbesitz Werder den Kontakt zur Viererkette beizubehalten (I’m looking at you, Lutscher!). Letztere stand in den letzten Spielen schon recht tief und sollte dies auch gegen den HSV tun.

Die offensive Dreierreihe besteht bei mir aus Marin, Hunt und Arnautovic. Marin und Arnautovic halten dabei ganz Werder untypisch ihre Positionen auf der linken, bzw. rechten Seite und versuchen mit Ball am Fuß in Richtung Strafraum zu ziehen. Rotiert wird erst – und ausschließlich dann! – wenn das Kombinationsspiel funktioniert und Werder ein Übergewicht hat. Aaron Hunt hat in der Mitte hingegen wesentlich mehr Freiheiten, darf auf die Außen ausweichen und sein gutes Spiel ohne Ball ausnutzen. Die einzige Spitze Pizarro muss daher wie gewohnt variabel agieren und sich gelegentlich ins Mittelfeld fallen lassen, um a) dafür zu sorgen, dass das Zentrum besetzt ist und b) Verteidiger aus der Kette zu locken und so Platz für die anderen Drei zu schaffen.

Taktik

Ich würde mit einer defensiven Grundausrichtung beginnen. Die Abwehr und die beiden defensiven Mittelfeldspieler sollen sich in erster Linie auf die Defensive konzentrieren. Marin und Arnautovic müssen keine defensiv keine Wunderdinge vollbringen, aber ihre Position auf den Flügeln halten und bei Ballverlusten auf Vorstöße der Hamburger Außenverteidiger achten. Hunt hat ein wenig Narrenfreiheit. Pizarro arbeitet sowieso immer gut mit nach hinten. Das Spiel gegen den Ball würde ich wie im Spiel gegen die Bayern variieren. Mal intensiv Pressing spielen, dann wieder weit zurückziehen. Bei einer Führung würde ich diese Taktik so beibehalten und irgendwann Wesley für einen der drei offensiven bringen. Bei Unentschieden das Risiko nur dann erhöhen, wenn man den Gegner wider erwarten im Griff haben sollte. Bei einem Rückstand würde ich in den letzten 30 Minuten auf Raute umstellen, d.h. entweder Marin oder Arnautovic raus, dafür Wesley oder Borowski rein. Nach einiger Zeit dann Almeida bringen (Pizarro wird kaum durchspielen können) und in den letzten 10 Minuten dann auch Wagner für Bargfrede und es mit hohen Bällen in den Strafraum versuchen.

So sieht es dann aus:

Weder meine Taktik noch meine Aufstellung sind sonderlich ausgefallen oder gar innovativ. Sollen sie auch gar nicht. Momentan geht es in erster Linie um Stabilität und nicht darum, den HSV aus dem Stadion zu schießen (auch wenn ich natürlich nichts dagegen hätte). Eine Siegesgarantie ist das natürlich noch lange nicht und sicher auch nicht die einzige richtige Lösung (sofern es überhaupt eine richtige Lösung ist). Thomas Schaaf wird schon wissen, wie er das Team einstellen muss. Zumindest hoffe ich das nach den letzten beiden Spielen sehr. Damit beenden wir dann auch den Klugscheißermodus, denn mit dem Trainer tauschen möchte ich in diesen Tagen nun wirklich nicht.

Struktur und Sicherheit

Bundesliga, 5. Spieltag: Hannover 96 – Werder Bremen 4:1

Was soll ich schreiben? Meinen Post von Sonntag wiederholen? So wird man auch mit Laufbereitschaft, Einsatz und Zweikampfstärke kein Spiel gewinnen. Entweder man versucht es konsequent wie eine Durchschnittsmannschaft, spielt diszipliniert und strukturiert und hofft dann auf schnelle Konter und Einzelaktionen. Oder man macht weiter auf Spitzenmannschaft, lässt den Ball laufen, spielt offensiv und kombiniert sich in den Strafraum (wie das momentan gehen soll, muss mir aber noch jemand erklären). Was man aber auf gar keinen Fall machen darf, führte Werder gegen Hannover gestern vor: Ohne Struktur und ohne vernünftige Raumaufteilung zu versuchen, einen Ein-Tore-Rückstand aufzuholen. Da helfen auch sieben Stürmer nicht weiter.

Die Umstellung nach 70 Minuten entzog der ohnehin unsicher wirkenden Mannschaft völlig die Substanz. Almeida, Wagner und Arnautovic rannten sich fast gegenseitig über den Haufen und bildeten für Marin bloß zusätzliche Slalomstangen. Hunt und Frings hatten das Vergnügen, alleine das Mittelfeld schmeißen zu dürfen. Wen wundert es, dass Werder in dieser Phase keine gefährlichen Angriffe zustande brachte und auch beim Ballbesitz bis zum Ende des Spiels unter 50% blieb? Bis dahin sahen zumindest die statistischen Werte gut aus: Mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen (in der Luft wie am Boden), mehr Pässe gespielt, höhere Passgenauigkeit, mehr angekommene Flanken und bis zur Schlussphase sogar mehr Torschüsse. Was wieder einmal zeigt, dass diese Werte allein überhaupt gar nichts aussagen. Genauso wenig wie gelaufene Kilometer, durchschnittliche Schuhgröße oder kumulierte Haarfarbe der Viererkette.

Ohne Struktur keine Sicherheit, ohne Sicherheit kein Kombinationsspiel und ohne Kombinationsspiel keine Offensivstärke. Man muss nach diesem Spiel einsehen, dass man 70 Minuten lang ein ebenbürtiger Gegner für Hannover 96 war, nicht mehr und nicht weniger. Das ist eine bittere Wahrheit verglichen mit den eigenen Ambitionen, aber sie lässt sich momentan nicht so einfach aus der Welt schaffen. Sie lässt sich vor allem nicht aus der Welt schaffen, indem man munter weiter wie eine verhinderte Spitzenmannschaft auftritt und meint, den Gegner in der Schlussphase überrollen zu können. Die Konter zum 3:1 und 4:1 kamen fast schon zwangsläufig. Die Mannschaft braucht in der jetzigen Phase vor allem Sicherheit und Struktur. Wenn man das erreicht, kann es langsam wieder aufwärts gehen, wie nach der letzten Niederlagenserie im Winter. Entzieht man ihr die Struktur, wird wild umher gelaufen und die individuelle Klasse reicht momentan nicht, um gegen Hannover trotzdem einen Sieg herauszuholen. Ständige taktische Experimente, Dreifachwechsel oder Vierersturm verunsichern das Team noch weiter.

Früher hat Schaaf lange mit personellen Änderungen gewartet, jetzt wechselt er seine Startelf munter durch: Hunt raus, Almeida rein, Bargfrede raus, Hunt rein, Wesley raus, Borowski rein, Borowski raus, Bargfrede rein, Almeida raus, Wagner rein, Arnautovic raus, Wesley rein, Mittelfeld raus, alle Stürmer rein. Leider gibt es zu wenig Konstanten, denen der Trainer wirklich vertraut. Gerade deshalb braucht es nun einfache Lösungen, ein stabiles 4-2-3-1 auch bei Rückschlägen, auswärts auf Konter spielen und zur Not mit einem 0:0 leben. Angriffsfußball, viele Tore, Spektakel – das kann alles warten. Bei aller Kritik wäre es falsch, zu diesem Zeitpunkt den Trainer grundsätzlich in Frage zu stellen. Einen Vertrauensvorschuss hat Thomas Schaaf sich allemal verdient und ich denke, dass er mit seinem Team auch diesmal den richtigen Weg zurück in die Spur finden wird.

Und jetzt bitte umschalten auf Derbymodus.

3 Fragen zu Hannover 96

Vor jedem Bundesligaspiel gibt es in dieser Saison ein Kurzinterview mit einem Fan/Blogger unseres Gegners. Vor dem 5. Spieltag hat mir Felix von Medien-Sport-Politik, der sowohl Werder- als auch 96-Fan ist, drei Fragen zu Hannover 96 beantwortet:

In den letzten Jahren war Hannover einer der Lieblingsgegner von Werder: 96 hat nur eins der letzten 14 Spiele gewonnen und bezog regelmäßig Prügel beim “kleinen” Nordderby. Wie wird Werder im Umfeld von Hannover wahrgenommen? Es gibt ja durchaus eine Rivalität, die bei den meisten Bremer Fans aber nicht sonderlich ausgeprägt ist. Ist das in Hannover ähnlich oder gibt es dort größere Antipathien?

Stimmt, die letzten Spiele gegen Werder waren aus Sicht von Hannover 96 wenig erfolgreich, aber für den neutralen Beobachter stets unterhaltsam. Ich habe eigentlich nie eine große Rivalität zwischen beiden Vereinen feststellen können. Die ist bei Werder in Bezug auf den Hamburger SV sicherlich viel größer und bei uns Niedersachsen immer noch ein wenig mit Eintracht Braunschweig verbunden, aber nur sehr wenig mit Werder. Und größere Antipathien sehe ich überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Ich kenne viele 96-Fans, die sich auch mit Werder Bremen über Siege freuen und den Verein äußerst sympathisch finden (aber wer findet das nicht?). Insbesondere bei der sportlichen Leitung und im Management blickt man in Hannover sehr neidisch an die Weser. Präsident Martin Kind träumt in Hannover immer ein wenig von „Bremer Verhältnissen“, mit einem Duo nach Vorbild Schaaf/Allofs, das einen Verein über Jahre hinweg erfolgreich führt. Da ist man hier in Hannover mit den vielen Trainerwechseln in den letzten Jahren aber ein ganz großes Stück von entfernt. Und ich würde aus dem Bauch heraus dem Gespann Schmadtke/Slomka nicht unbedingt drei Jahre Tätigkeit bei 96 prognostizieren. Kontinuität war in Hannover zuletzt immer ein Fremdwort. Auch auf dem Platz, selten gab es mal eine Mannschaft, die fast unverändert in eine neue Saison ging. Viele Akteure gingen, neue kamen – und waren häufig schnell wieder verletzt. Bleibt zu hoffen, dass mit den vielen jungen Spielern endlich bei Hannover 96 etwas Langfristiges aufgebaut werden kann und man damit ein ganz klein wenig dem Vorbild Werder Bremen nacheifert.

Vor der Saison sah es für Hannover 96 nicht gerade gut aus. Der Saisonstart verlief dann jedoch für viele überraschend sehr positiv, mit Siegen über Frankfurt und Schalke sowie einem Unentschieden gegen Leverkusen. Wie stark ist 96 momentan? Ist es nach Werders Fehlstart ein Duell auf Augenhöhe?

Schaut man auf die Tabelle, die bekanntlich nie lügt, ist es gar kein Duell auf Augenhöhe, sondern sogar mit leichten Vorteilen für Hannover 96. Werder wirkt mir noch zu unkonstant in den ersten Spielen, 96 hatte eigentlich nur das schlechte Spiel in Wolfsburg. Insbesondere die zweite Halbzeit im Heimspiel zum Saisonauftakt gegen Frankfurt und die Spiele gegen Schalke und Leverkusen waren mit die besten Leistungen, die ich von 96 in den letzten Jahren gesehen habe. Nicht nur, weil am Ende auch das Ergebnis gestimmt hat, sondern weil man versucht hat spielerisch mit dem „Favoriten“ mitzuhalten und auch eine glänzende Einstellung, Kampfgeist und Leidenschaft an den Tag legte. Etwas, das in der vergangenen Saison im Abstiegskampf häufig vermisst wurde.

Hannover 96 macht schon einen guten und gefestigten Eindruck, wobei man die bisherigen vier Saisonspiele für jede Mannschaft nicht überbewerten sollte. Eine Entwicklung, wo es in dieser Saison hingehen könnte, sollte man erst nach dem 10. Spieltag erkennen und bewerten können. Macht man die Momentaufnahme, ist Hannover sehr gut in die Saison gestartet. Vier Spiele, sieben Punkte, darunter ein Sieg auf Schalke und Unentschieden gegen Leverkusen ist mehr als ordentlich. Die Innenverteidigung mit Haggui und Pogatetz wirkte bis jetzt außerordentlich sicher, mit der Institution Cherundolo (seit 1999 im Verein) auf rechts und dem Ex-Bremer Christian Schulz auf links gelingt es bisher auch die Außenpositionen dicht zu machen. Und das bisher wohl größte Plus von 96 ist die Chancenauswertung. Man braucht wenige Gelegenheiten um einen Treffer zu erzielen, beispielhaft sei Ya Konan erwähnt, der letzte Saison zahlreiche Fans mit seinen vielen vergebenen Torchancen noch zur Verzweifelung brachte. Bisher alles anders in dieser Saison. Schmiedebach und Pinto spielen im defensiven Mittelfeld einen guten Part. Der Neuzugang aus Oberhausen, Moritz Stoppelkamp, wirkt manchmal noch ein wenig hektisch und verliert dann den Blick auf den besser positionierten Spieler. Aber auch hier klare Tendenz nach oben, was die Leistung angeht. Auch wenn der Auftritt in Wolfsburg schwach war, hat sich sonst bisher eine erstaunlich geschlossene und entschlossene Mannschaft präsentiert. Hätte ich nicht gedacht und kommt für viele sehr überraschend.

Hannover hat sich meiner Meinung nach gut verstärkt im Sommer. Carlitos hat sich leider gleich im ersten Spiel verletzt, aber mit Pogatetz und Beasely hat man erfahrene Spieler von der Insel verpflichtet und in Abdellaoue einen überraschend guten Torschützen. Gute Voraussetzungen für eine bessere Saison nach dem “Seuchenjahr”? Was kann 96 in dieser Spielzeit erreichen?

Ich bin froh, wenn 96 so schnell wie möglich 40 Punkte erreicht. Ziel muss trotz des guten Saisonstarts weiterhin der Klassenerhalt bleiben. Und dann kann der Verein, wenn die erste Etappe erreicht ist, immer noch neue Vorgaben aussprechen. Insofern war die Niederlage in Wolfsburg und der bisher schwächste Auftritt in dieser Saison vielleicht gar nicht so unpassend, um die Mannschaft und auch die Fans daran zu erinnern, dass nicht jedes Spiel gewonnen werden kann und dass 96 nicht immer so gute und spielerisch attraktive Leistungen wie gegen Leverkusen und auf Schalke zeigen kann. Dafür ist die Mannschaft einfach nicht gut genug. In den hannoverschen Tageszeitungen begann nach dem Sieg auf Schalke und dem guten Spiel gegen Leverkusen die Rechnerei, wie viele Tore 96 denn schießen müsste, damit sie die Tabellenführung übernehmen würden. Das sollte meiner Meinung nach die geringste Sorge sein. Oberste Priorität sollte der Klassenerhalt sein, dann schauen wir mal.

Ich war ehrlich gesagt sehr skeptisch über diese Saison. Das von dir angesprochene „Seuchenjahr“ hat hier in Hannover noch keiner vergessen und viele gute Spieler und Leistungsträger, wie Balitsch, Bruggink, Elson, Arouna Kone oder auch Jan Rosenthal haben den Verein im Sommer verlassen. Bisher konnten diese Lücken hervorragend kompensiert werden, weil Ya Konan im Sturm noch laufschneller und sicherer am Ball scheint als vergangene Spielzeit. Und – wohl am wichtigsten – braucht er deutlich weniger Chancen für den Torerfolg. Mit Abdellaoue hat 96 einen Spieler verpflichtet, der Tore schießen kann, aber sich auch hervorragend für die Mannschaft engagiert, vielen Bällen hinterher geht, viel Laufarbeit verrichtet. Etwas, das man von Mike Hanke zum Beispiel überhaupt nicht gewohnt war. Schade, dass Carlitos sein Potential noch nicht zeigen konnte. Ich halte sehr viel von DeMarcus Beasley und würde mir wünschen, dass er mal von Beginn an seine Chance bekommt.

Hannover 96 war nie bekannt für eine stringente Transferpolitik. Zu viele Spieler wurden schon verpflichtet, welche bei anderen Teams auf dem Abstellgleis standen oder lange mit Verletzungen zu kämpfen hatten. Nun probiert man es seit letzter Saison, auch durch das zeitweilige Engagement von Andreas Bergmann, der vorher die U23 von Hannover 96 trainierte und gleichzeitig Leiter des Nachwuchszentrums war, mit jungen Spielern aus der eigenen Jugend, unter anderem Konstantin Rausch, Manuel Schmiedebach und jetzt am Wochenende in Wolfsburg erstmals mit Christopher Avevor, der in der U19 bei Hannover 96 gespielt hat. Das freut mich am meisten, dass 96 endlich wieder junge, gute Spieler mit Perspektive an die Bundesligaelf heranführt und nicht länger irgendwo die Ersatzbänke von Zweitligisten abklappern muss.

Kurzum: Bisher viele gute Zeichen in den ersten Spielen, aber das heißt leider noch gar nichts. Aber ich glaube, dass der Klassenerhalt für Hannover 96 absolut zu schaffen ist. Und damit würde man etwas erreichen, was 95% der Fußballexperten Anfang August in diesem Land für ausgeschlossen hielten.

Dein Tipp?

Angesichts der Tatsache, dass bei Werder mit Pizarro, Mertesacker und Naldo drei Stammspieler fehlen und 96 eigentlich mit der Rückkehr von Haggui und Pogatetz die Erfolgself der letzten Wochen aufbieten kann, glaube ich, dass die Partie vom Spielverlauf und vom Ergebnis deutlich ausgeglichener wird, als man es von den letzten Jahren gewohnt ist. Wenn Bremen sein volles Leistungspotential abruft, sollte es für Werder zu drei Punkten reichen. Interessant wird es aber, wenn 96 in Führung geht. Hannover fehlt noch ein wenig die Fähigkeit selbst das Spiel zu machen, von daher wäre ein Rückstand aus Sicht von 96 blöd, weil Werder dann auch viel Platz zum Kontern bekäme. Ich denke, dass Hannover wieder zuallererst die Defensive stärken wird. Knappes Spiel, 2:1 für Werder nach 90 Minuten.