Archiv für den Monat: Februar 2011

3 Fragen zu Bayer Leverkusen

Endlich bin ich mal wieder dazu gekommen, vor dem Spiel ein Kurzinterview mit einem Fan/Blogger unseres Gegners führen. Vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen hat mir Jens Peters von catenaccio drei Fragen zu seinem Lieblingsverein beantwortet:

Leverkusen macht die letzten Wochen einen guten Eindruck, gewinnt auch die weniger guten Spiele. Glaubst du ihr könnt den zweiten Platz bis zum Saisonende gegen die Bayern verteidigen und endlich euer Phlegma des letzten Saisondrittels ablegen? Oder ist sogar noch mehr drin, falls der BVB schwächelt?

Ich denke ehrlich gesagt nur von Woche zu Woche. Im Moment stehen wir auf Rang 2 und bei den derzeitigen Leistungen sollte der Platz auch am Ende der Saison drin sein. Über mehr mag ich gar nicht nachdenken. Platz 1 sowieso nicht und als Dritter bin ich auch mehr als glücklich!

Die Mannschaft wirkt im Vergleich zu den letzten Jahren gereift. Selbst das Dauerthema Michael Ballack scheint das Team nicht groß zu verunsichern. Liegt das an der hinzugewonnenen Erfahrung der Spieler oder ist einfach der Kader stärker als in den Vorjahren?

Dass die Mannschaft gereift ist kann ich so unterschreiben. Ein junges Team, dass nun im Grunde seit 2-3 Jahren mit punktuellen Ergänzungen, so zusammen spielt. Und die Ergänzungen, da muss man den Verantwortlichen ein Lob aussprechen, passen perfekt ins Gesamtgefüge. Die Jungen bringen die nötige Leistung auf dem Platz, hinzu kommen dann erfahrene Recken, wie Hyypiä, Rolfes, Ballack und Kießling, die der Mannschaft Halt geben und auch in der Vergangenheit gefehlt haben. Inzwischen ist dann auch die nötige Tiefe hinzugekommen und die Spieler reifen bspws. an der Europa League weiterhin.

In Bremen läuft es weit weniger rund. Der Klassenerhalt ist in Gefahr und die Leistungen passen zum Tabellenplatz. Ist Werder in dieser Situation überhaupt ein ernstzunehmender Gegner für euch?

Sagen wir mal so. Spielt Werder den Fußball der letzten Wochen ist Bremen ein schlagbarer Gegner. Leider kommt die unbekannte Variable “Mannschaft-mit-Potenzial-für-mehr-im-Abstiegskampf” mit ins Spiel. Wer weiß was da passiert?

Dein Tipp?

1:3!

Don’t mention the Nordderby

Hamburger SV – Werder Bremen 4:0

Ich kann und will gar nicht viel schreiben. In Hamburg traf ein zutiefst verunsicherter HSV auf ein noch tiefer verunsichertes Werder Bremen, das sich wieder einmal zum Aufbaugegner missbrauchen ließ. Auch im dritten Auswärtsspiel der Rückrunde zeigte Werder eine katastrophale Leistung und brachte sich mit hanebüchenen Fehlern selbst ins Hintertreffen. Das Schlimmste ist aus Werdersicht nicht einmal die Höhe der Niederlage gegen den größten Rivalen. Das Schlimmste ist die Leichtigkeit, mit der der HSV Werder am Ende aus dem Stadion schoss, obwohl er 75 Minuten lang unterdurchschnittlich gespielt hat. Zuhause ist Werder eine Mannschaft, die um den Klassenerhalt kämpft. Auswärts hat man sich anscheinend schon aufgegeben. In dieser Kombination wird das nicht reichen, um den Abstieg zu verhindern.

Offensiv läuft inzwischen überhaupt nichts mehr zusammen. Hunt steht seit Wochen neben sich, Marin gibt den Einzelkämpfer und ohne Pizarro fehlt dem Angriff jegliche Torgefahr. In der Defensive schafft man es ab und an einigermaßen kompakt und sicher zu stehen, nur um dann mit absurden individuellen Fehlern die Gegner zum Toreschießen regelrecht einzuladen. Personelle Alternativen gibt es trotzdem kaum. Mindestens die halbe Mannschaft hat momentan nichts in der Startelf eines Bundesligateams verloren, doch es drängt sich niemand auf, der ihren Platz einnehmen könnte. Was bleibt ist allgemeine Ratlosigkeit bei Fans, Spielern und zunehmend auch bei der sportlichen Führung.

Wie kann Werder den Abstieg noch verhindern? Eure Ideen bitte in den Kommentaren!

Hamburger SV – Werder Bremen (live)

Arsenal FC – FC Barcelona (Review)

Das Spiel hielt, was es versprochen hatte. Abgesehen von einem kleinen Durchhänger zwischen der 50. und 70. Minute war es ein schnelles, technisch überragendes und darüber hinaus auch spannendes Fußballspiel. Barcelona war wie erwartet die überlegene Mannschaft, beanspruchte Ballbesitz und Raum im Mittelfeld für sich. Arsenal schien gut auf das Spiel der Katalanen vorbereitet, ging in der ersten Halbzeit aber für meinen Geschmack etwas zu viel Risiko ein mit der sehr hoch stehenden Kette. Die Abstimmung zwischen den vier Abwehrspielern stimmte nicht immer und Barcelona hätte dies mehr als einmal ausnutzen können.

Beim Tor durch David Villa steht Clichy ein Stück hinter den beiden Innenverteidigern und hebt so das Abseits auf. Villa kann nach Messis Pass frei auf Szczesny zulaufen und trifft zum 0:1. Barcelonas Vielseitigkeit im Angriff ist durch Villas Verpflichtung noch größer geworden. Messi kann im Zentrum nicht nur eine klassische Sturmspitze oder eine “falsche Neun” geben, sondern sich auch länger ins Mittelfeld zurückfallen lassen und einen Spielmacher geben. So kann Barcelona nach Belieben zwischen 4-3-3 und 4-4-2 mit Raute wechseln und die Kontrolle in der Mitte des Spielfelds behalten. Vor dem Führungstor holte sich Messi den Ball fast auf Höhe der Mittellinie, behauptet ihn gut gegen den gelb verwarnten Song und steckt dann im richtigen Moment durch. Diese Vielseitigkeit macht es fast unmöglich, Messi über ein ganzes Spiel lang auszuschalten.

Gleiches gilt ebenso für seine Mannschaft. Wengers Mut zum Risiko wurde letztlich trotzdem belohnt, weil Barcelona gegen Ende des Spiels müde wirkte und sich damit begnügte, die Führung zu verwalten. Die Wechsel Keita für Villa auf der einen und Arshavin für Song auf der anderen Seite waren sinnbildlich für die Ausrichtung in der Schlussphase des Spiels. Das 1:1 kam durch die Genialität Robin van Persies und einen Stellungsfehler Viktor Valdes zustande. Beim 2:1 zeigte Arsenal dann seine ganze Klasse und gab ein Musterbeispiel dafür ab, wie man Barcelona mit schnellem Passspiel beikommen kann. Für mich einer der schönsten Angriffe der gesamten Saison.

Das 2:1

Normalerweise sind Barcelonas Gegner vom ständigen Hinterherlaufen so kaputt, dass sie nicht schnell und präzise genug umschalten können, wenn sie den Ball endlich mal erobern. Arsenal zeigte beim Siegtor auf, wo die Lücken zu finden sind, die Barcelona durch das aggressive Pressing hinterlässt. Bendtner wird von drei Barca-Spielern attackiert, doch kann den Ball quer zum überragenden Wilshere passen. Der spielt direkt den vertikalen Ball zu Fabregas. Dieser Pass ist entscheidend für den gesamten Angriff, weil Fabregas so hinter Barcelonas Mittelfeld kommt und mit seiner tollen Technik den Ball direkt verarbeiten kann. Sechs gegnerische Spieler befinden sich zu diesem Zeitpunkt vor dem Ball und Fabregas hat freie Bahn für seinen Steilpass auf Nasri. Den wenigsten Mannschaften gelingt es, sich a) aus Barcelonas Pressing so zu befreien und b) den daraus entstehenden Raum so schnell und präzise zu nutzen. Im Strafraum macht Nasri dann alles richtig, sucht nicht den schnellen Abschluss aus schlechter Position sondern wartet auf den Spieler im Rückraum. Van Persie zieht Abidal vom Elfmeterpunkt weg und Arshavin zeigt eine starke Schusstechnik bei seinem direkten Abschluss.

Ich glaube immer noch nicht daran, dass Arsenal im Camp Nou bestehen kann. Barcelona wird durch die Niederlage ähnlich angestachelt sein, wie vor einem Jahr nach dem 2:2 in London. Wengers Team hat jedoch gezeigt, dass es gereift ist, sich vor einem übermächtigen Gegner nicht versteckt und seine Chancen nutzen kann. Für sich genommen ist das Spiel ein großer Erfolg für Arsenal. Ich bin sehr gespannt, ob man das Rückspiel mit ähnlicher Taktik angehen wird oder lieber etwas tiefer steht und auf Konter hofft. Piqué wird Barcelona im Abwehrzentrum fehlen und auch Puyols Rückkehr ist noch nicht sicher. All dies legt nahe, dass Barcelona eine noch bessere Leistung benötigen wird, als beim 4:1 in der Vorsaison. Diese Leistung traue ich ihnen trotz oder auch gerade wegen der Niederlage im Hinspiel zu.

Vollständige Highlights des Spiels

Arsenal FC – FC Barcelona (Preview)

Da Werder sich früh aus dem Wettbewerb verabschiedet hat und ich hier im Blog nicht völlig auf europäischen Fußball verzichten möchte, streue ich von Zeit zu Zeit einen Eintrag zur Champions League oder Europa League ein. Den Anfang macht das Duell zwischen Arsenal und Barcelona.

Personal

Arsenal muss in dieser Saison (wie eigentlich immer) mit einigen langfristigen Ausfällen zurecht kommen. Abwehrchef Vermaelen hat die gesamte bisherige Saison verpasst, wurde zuletzt aber von Djourou hervorragend ersetzt. Diaby wird das Hinspiel verletzt ebenso verpassen, wie der gesperrte Sagna. Ansonsten gibt es viele positive Nachrichten aus London: Nasri ist nach seiner Verletzung rechtzeitig wieder fit geworden und wird wohl spielen, Arshavin findet langsam zurück in die Spur und Spieler wie Walcott, Van Persie, Song und Wilshere spielen seit Wochen in Bestform. Keine Selbstverständlichkeit bei Arsenal.

Bei Barcelona fehlt Kapitän Puyol verletzungsbedingt. Für ihn wird wohl Abidal in die Innenverteidigung rücken und Maxwell die vakante Position links in der Viererkette einnehmen. Ansonsten sind alle Spieler aus Barcas erster Elf an Bord. Umstellungen würden mich sehr überraschen, denn Barcelona wirkt in dieser Saison so sehr aus einem Guss, wie ich es selten bei einer Fußballmannschaft gesehen habe. Die fehlende Kadertiefe lässt es zudem nicht auf vielen Positionen, Spieler eins zu eins zu ersetzen.

Taktik

Beide Teams spielen ähnliche Systeme, wobei Barcelona gegenüber Arsenals 4-2-3-1 ein etwas offensiveres 4-1-2-3 bevorzugt.

Erwartete Aufstellung

Erwartete Aufstellung

Im Mittelfeld ergeben sich dadurch klare Zuteilungen: Arsenals 6er Song und Wilshere bekommen es mit Barcas Spielgestaltern Xavi und Iniesta zu tun und Sergio Busquets kümmert sich um Arsenals 10er Fabregas. Interessant werden vor allem die Duelle auf den Außen. Letztes Jahr hat Walcott Maxwell ziemlich alt aussehen lassen und war entscheidend für das – für Arsenal sehr glückliche – 2:2 im Hinspiel. Auf der anderen Seite hat Dani Alves einen derart großen Offensivdrang, dass sein Gegenspieler viel Defensivarbeit zu verrichten hat. Wenger dürfte froh sein, dass er Nasri wieder dort einsetzen kann und nicht auf den genialen, aber mitunter faulen Arshavin setzen muss. Andererseits könnte dieser vielleicht die Lücken in Barcas Defensive ausnutzen, die Alves Vorstöße hinterlassen.

Barcelonas Außenstürmer zieht es immer wieder in die Mitte. Besonders Villa sorgt so über die linke Seite für große Torgefahr, doch auch Pedro hat inzwischen eine imposante Trefferquote. Die beiden werden versuchen die gegnerische Viererkette weit ins Zentrum zu pressen und so Platz für die eigenen Außenverteidiger zu schaffen. Hierdurch könnte man auch Arsenals Außenverteidigern ein wenig den Offensivdrang nehmen.

Im Sturmzentrum bevorzugen beide Trainer (inzwischen) spielstarke Angreifer. Vor einem Jahr standen dort mit Bendtner und Ibrahimovic zwei Brecher, heute sind es mit Messi und Van Persie zwei Spieler, die die ganze feine Klinge schwingen. Beide spielen häufige eine „falsche Neun“, lassen sich also weit ins Mittelfeld zurückfallen, um die Innenverteidiger aus der Kette zu ziehen und Platz für ihre Mitspieler zu schaffen. Dennoch sind beide extrem torgefährlich: Van Persie kommt in den letzten zwölf Spielen auf zwölf Treffer und Messi spielt in dieser Hinsicht in einer ganz eigenen Liga (58 Tore in den letzten 55 Ligaspielen, 23 Tore in den letzten 29 CL-Spielen).

Aktuelle Form

Seit dem Sieg gegen Chelsea Ende letzten Jahres hat Arsenal eine tolle Siegesserie hingelegt. Nur der Ausrutscher beim epischen 4:4 in Newcastle trübt die Bilanz ein wenig. Dabei hat Arsenal nicht immer herausragend gespielt, aber war in den entscheidenden Momenten da und hat sich auch knappe Siege erarbeitet. Defensiv wirken die Gunners noch immer anfällig, auch wenn sie inzwischen weit weniger Gegentore kassieren.

Barcelona hat mit 16 Siegen in Folge einen neuen Rekord in der spanischen Liga aufgestellt, bevor man am Wochenende nur ein 1:1 bei Sporting Gijón holte. Barca dominiert die Primera Divison nach Belieben. Die Überlegenheit ist so groß, dass sich die Frage stellt, ob Barcelona wirklich so gut ist oder der Rest der Liga so schlecht. Vor dem Unentschieden am Samstag gewann Barca zehn mal in Folge mit drei oder mehr Toren Vorsprung, darunter auch das 5:0 gegen Real Madrid. Stellt das Duell mit einer Spitzenmannschaft der Premier League eine größere Herausforderung dar?

Prognose

Die Champions League ist nicht mit der heimischen Liga zu vergleichen. Die meisten spanischen Mannschaften haben einen deutlich anderen Stil als die englischen. Die Frage ist, wer sich besser auf den Stil des anderen einstellen kann. Im letzten Jahr dominierte Barcelona das Spiel in London 60 Minuten lang nach Belieben, bis ihnen die Puste ausging und Arsenal sich zurück ins Spiel kämpfte. Der Schlüssel zu Barcelonas Erfolg liegt wieder darin, das eigene Spiel ohne Rücksicht durchzusetzen, Arsenal früh zu pressen und das Geschick in die eigenen Hände zu nehmen. Von allen britischen Mannschaften dürfte Arsenal vom Stil her Barca am meisten entgegen kommen.

Für Arsenal muss es darum gehen, das kämpferische Element in ihrem Spiel noch mehr zu betonen, die Angriffe schnell zu Ende zu spielen und effizient zu sein. Einen offenen Schlagabtausch können sie gegen Barcelona nicht gewinnen. Leider ist Arsenal nicht sonderlich gut darin, tief zu stehen und die Angriffe des Gegners auf sich zukommen zu lassen. Die Lösung könnte partielles Pressing heißen, bei dem man etwas tiefer steht als gewöhnlich, aber Xavi und Iniesta im Mittelfeld bei der Ballannahme aggressiv unter Druck setzt. Gibt man den beiden Platz im Zentrum, muss man schon ein extrem feines Abwehrnetz spinnen können, um eine Chance zu haben. Die offensive Klasse Arsenals reicht allemal aus, um Barcas Abwehr in Bedrängnis zu bringen.

Ich glaube, dass das Duell ähnlich klar an Barcelona gehen wird, wie im letzten Jahr. Im Hinspiel vor den eigenen Fans traue ich Arsenal ein Unentschieden, vielleicht sogar einen knappen Sieg zu. Im Camp Nou wird man jedoch die Grenzen aufgezeigt bekommen. Alles andere als ein deutlicher Barca-Sieg würde mich dort sehr überraschen.

Tip:  Arsenal – Barcelona 1:1, Barcelona – Arsenal 3:0

Unsere Problemfälle

Eigentlich könnte man derzeit fast den gesamten Kader als Problemfall bezeichnen. Ich habe mir einfach mal ganz willkürlich vier Spieler herausgegriffen und versucht, ihre derzeitige Situation zu beleuchten.

Sandro Wagner

Man kann schon ein wenig Mitleid mit ihm haben. Zwei Tore im Finale der U21-EM, ansprechende Leistungen in der zweiten Liga, dann ein Kreuzbandriss, der Wechsel zu Werder, langsames Herantasten an den Profikader und dann ein ums andere Mal seine Chance nicht genutzt. Zuletzt wurde er nicht einmal in den Spieltagskader berufen, sondern musste mit der U23 in der dritten Liga ran. Kurzum: Es ist eine Saison zum vergessen für Sandro Wagner. Dass Wagners Situation jedoch nicht nur mit einer Mischung aus Pech und schlechtem Timing zu erklären ist, machte Klaus Allofs nun gerade wieder klar. Seine Aussage: Wagner ist selbst Schuld, hat genügend Chancen bekommen.

Die Bilanz des Stürmers ist ernüchternd: Kein Tor, keine Vorlage, kein überzeugendes Spiel gelang ihm bei seinen gar nicht so wenigen Einsätzen. Es wurde mehr als deutlich, dass Wagner Werder momentan nicht helfen kann. Der Glaube daran, dass er es jemals können wird, ist bei den meisten Fans längst verschwunden und auch bei der sportlichen Führung scheint sich diese Haltung nun zu verfestigen. Wenn sich bis Saisonende keine deutliche Verbesserung eingestellt hat, wird es an der Weser wohl keine Zukunft für Wagner geben. Fraglich jedoch, wie Werder den Spieler aus seinem Vertrag bis 2014 herauskomplimentiert. In der ersten Liga dürften sich kaum Vereine finden, die Ablöse und Gehalt für ihn zahlen möchten und zu großen Gehaltseinbußen wird der Spieler wohl auch nicht bereit sein. Es könnte also mal wieder auf ein Leihgeschäft hinauslaufen.

Wagners Verpflichtung war von Anfang an riskant. Trotz der Verletzung kaufte Werder ihn aus seinem Vertrag, der ein halbes Jahr später ausgelaufen wäre, damit er sich schon in Bremen eingewöhnen kann. Zu Saisonbeginn war Wagner fit, konnte jedoch nie überzeugen und musste trotzdem immer wieder als Notnagel im verletzungsgebeutelten Werderangriff ran. Wagner war zur falschen Zeit am falschen Ort und scheint mit der Situation völlig überfordert zu sein. Dass zuletzt auch seine Trainingsleistungen nachließen, ist ein deutliches Zeichen dafür. Die Situation scheint aussichtslos und keine zehn Tage nach Schließung des Transferfensters müssen sich Werders Verantwortliche nun die Frage stellen lassen, warum sie trotz Hugo Almeidas Abgang mit Denny Avdic nur einen Stürmer verpflichtet haben, bei dem ebenfalls noch nicht ersichtlich ist, ob er Werder in dieser Rückrunde weiterhelfen kann.

Marko Marin

Was genau bei Marko Marin falsch gelaufen ist, wird wohl nicht mal er selbst wissen. Vor Saisonbeginn von einigen Werderfans noch als der bessere Özil gefeiert, konnte er den großen Erwartungen an ihn nie gerecht werden. Im Sommer hatte er zunächst mit seiner enttäuschenden WM zu kämpfen und fand sich in den ersten Spielen auf der Bank wieder. Innerhalb weniger Wochen schien er jedoch auf dem Weg zu seiner Normalform, auch wenn er einige Male auf der für ihn nicht prädestinierten 10er-Position ranmusste. Irgendwann im September ging es dann jedoch abwärts mit den Leistungen. Marin fiel in ein Loch, aus dem er sich bis heute nicht befreien konnte.

Es wirkt fast so, als wäre der Spieler in einer Endlosschleife gefangen. Er versucht es immer wieder mit den gleichen Tricks, mit den gleichen Dribblings, doch sie wollen ihm einfach nicht mehr gelingen. Dazu kommt, dass sich sein ohnehin ausbaufähiges Spiel ohne Ball in dieser Saison noch verschlechtert hat. Marin nimmt nur am Spiel teil, wenn er die Kugel am Fuß hat. Anders als etwa Aaron Hunt, der häufig im Ansatz des Richtige tut, es dann aber schlampig ausführt, liegen bei Marin schon die Grundlagen brach. Sein Positionsspiel gleicht einem Jugendspieler und ein Defensivverhalten ist abgesehen von vereinzelten kurzen Sprints nicht existent. Die Laufwege in Werders Angriff sind dieser Tage wenig koordiniert und Marin scheint einen großen Anteil daran zu haben.

Man fragt sich schon so ein bisschen, was Marin die letzten sechs Monate im Training geübt hat. Es muss doch eigentlich möglich sein, einem so talentierten Spieler die Grundlagen des Fußballs beizubringen, so dass er auch bei einer Formkrise zumindest die Basics auf seiner Position abrufen kann. Bislang hat das – aus welchen Gründen auch immer – nicht funktioniert und deshalb ist Marin, wenn ihm seine Dribblings nicht gelingen, für Werder eine Belastung. Für den Spieler selbst ist die Situation ebenfalls eine große Belastung, was man an den krampfhaften Bemühungen erkennen kann, sein Spiel mit aller Macht wieder durchzusetzen. Leider gibt es bei Werder kaum personelle Alternativen und so lässt sich nur hoffen, dass sich bald eine Verbesserung einstellt. Marin muss an den Grundlagen seines Spiels arbeiten, wenn er ein großer Fußballer werden will. Momentan ist er davon meilenweit entfernt.

Torsten Frings

Die letzten Wochen könnten zu den schlimmsten in Torsten Frings Profikarriere gehört haben. Für einen so ehrgeizigen und kämpferischen Spieler ist es schwer zu verdauen, wenn man nach und nach immer mehr an Standing verliert. Im Fußball kann es ganz schnell gehen. Vor einem Jahr gelang ihm noch einmal eine beeindruckende Formsteigerung, mit der er Werder noch zum Sprung auf einen Champions League Platz verhalf. Nun scheint der Akku jedoch endgültig leer zu sein. Frings läuft und kämpft und grätscht und rackert und am Ende sieht trotzdem jeder, dass es einfach nicht mehr reicht. Das Thema Vertragsverlängerung dürfte intern längst vom Tisch sein, doch in der Außendarstellung wird man Frings sicher die Gelegenheit zu einem freiwilligen Rückzug geben.

Als Spieler ist Frings (ähnlich wie bei den Bayern van Bommel) immer sehr abhängig von seiner körperlichen Fitness gewesen. Sein Stellungsspiel war nie ganz optimal, aber das konnte er mit Zweikampfstärke und Einsatzbereitschaft lange Zeit ausgleichen. Dazu war er zu seinen besten Zeiten wie kaum ein anderer Sechser in der Lage, das Offensivspiel seiner Mannschaft anzukurbeln. Heute gibt es Spieler, die all diese Fähigkeiten vereinen und Frings inzwischen auch die körperliche Fitness voraus haben. Man muss Frings daraus keinen Vorwurf machen, diese Entwicklung ist normal und ließ sich seit etwa zwei Jahren bei ihm beobachten. Die Bayern hatten den Mut ihren Kapitän in der Winterpause gehen zu lassen, weil er nicht mehr den Anforderungen des Trainers genügte, doch die Bayern haben auch das Personal, ihn zu ersetzen (auch wenn hier einige Bayernfans bestimmt anderer Meinung sind). Bei Werder gibt es kaum eine Alternative zu Frings, solange Wesley verletzt ist.

Eigentlich müsste Schaaf nun die Reißleine ziehen und Frings auf die Bank setzen, doch zum einen wird er auf seinen verlängerten Arm auf den Platz nur dann verzichten wollen, wenn es (Achtung: Unwort!) alternativlos ist, und zum anderen bliebe ihm dann nur die Option, Clemens Fritz ins Mittelfeld zu stellen und auf Petri Pasanen (siehe unten) oder den in Ungnade gefallenen Dominik Schmidt als Rechtsverteidiger zu setzen. Felix Kroos würde die letzte freie Position in der Raute übernehmen und Werder hätte keine Alternativen mehr auf der Bank, solange Borowski, Jensen und Wesley nicht dabei sind. Bleibt also zu hoffen, dass Frings Energie zumindest noch reicht, um mit Werder am Saisonende nicht abzusteigen und er sich dann von selbst in eine Position im Werdermanagement verabschiedet. Der Abschied darf dann auch gerne so ausfallen, wie es sich bei einem Spieler mit seinen Verdiensten für den Verein gehört!

Petri Pasanen

Auch Petri Pasanen gehört zu der Kategorie “verdienter Spieler”, wenn er auch nie so richtig im Rampenlicht stand. Er war lange Zeit ein wertvoller Backup-Spieler, ein Defensivallrounder, auf den man sich verlassen konnte. Seine Aufgaben erfüllte er solide und wenn er denn mal auf seiner eigentlichen Lieblingsposition in der Innenverteidigung ran durfte, konnte man sehen, dass er dort eigentlich auch das Zeug zum Stammspieler hatte. So vergingen die Jahre, Pasanen kam regelmäßig auf über 20 Einsätze pro Saison und beide Seiten waren miteinander ganz zufrieden. Nun läuft der Vertrag aus und wird aller Voraussicht nach nicht verlängert. Im Sommer ist Pasanen sieben Jahre lang in Bremen, gemeinsam mit Daniel Jensen ist er der dienstälteste Spieler in Werders Reihen.

Zu häufig wurden Pasanen auf den Außenpositionen der Viererkette nun die Grenzen aufgezeigt, als dass sich noch jemand darüber freuen könnte, dass er dank seiner Vielseitigkeit überhaupt die Löcher im Kader einigermaßen stopfen kann. In der Innenverteidigung besteht trotz Naldos Verletzung kaum Bedarf, weil Schaaf lieber auf den jüngeren Prödl setzt. So sind es immer wieder die Positionen links oder rechts der Innenverteidiger, auf denen Pasanen spielen muss. Inzwischen haben immer mehr Mannschaften ihre kreativsten und individuell stärksten Spieler auf den Flügeln aufgestellt und spielen Systeme, bei denen von diesen Spielern mit die meiste Torgefahr ausgeht. Die Robbens und Riberys und Bales dieser Fußballwelt sind mit der Zeit einfach zu viel für ihn geworden. Am Samstag wurde er von der linken Mainzer Angriffsseite vorgeführt und musste zur Halbzeit raus.

Die Ansprüche an einen Notnagel sind nicht die höchsten, doch verlässlich muss er sein. Dem wird Pasanen nicht mehr vollständig gerecht. Ein Problemfall, der in den vergangenen Jahren wohl völlig untergegangen wäre. In dieser Saison kann Werder einen Leistungsabbau bei einem Ergänzungsspieler leider nicht kompensieren.

Wenigstens Pizarro

FSV Mainz 05 – Werder Bremen 1:1

Ok, fassen wir die positiven Dinge mal zusammen: Werder hat bei einer Spitzenmannschaft einen Auswärtspunkt geholt. Werder hat nach einer halben Ewigkeit mal wieder ein Auswärtstor geschossen. Durch den späten Zeitpunkt ist das 1:1 in Mainz ein gefühlter Sieg, der dem Team moralischen Auftrieb geben kann.

Glücklicher Punkt, überlegener Gegner

Da hört es bei mir aber schon auf. Hatten wir das nicht erst gerade? Gegen Hoffenheim? Ein Last-Minute-Tor der Hoffnung? Es folgte die Nicht-Leistung gegen Köln. Nehmen wir trotzdem mal an, dass Werder ein wenig optimistischer und selbstbewusster an die nächsten Spiele (allesamt gegen Kandidaten fürs internationale Geschäft… oh, und gegen den HSV) herangeht. Was kann das Team aus dem Spiel überhaupt mitnehmen? Dass man über 75 Minuten keinen Weg gefunden hat, sich eine Torchance zu erspielen? Dass der eigene Gameplan nach 15 Minuten nicht mehr funktionierte und man nicht in der Lage war zu reagieren? Dass die Standards wieder so aussahen, als ob sie seit 1987 nicht mehr geübt wurden?

Auch zwei Tage nach dem Spiel fällt es mir schwer, dem Spiel in Mainz etwas Positives abzugewinnen. Direkt nach dem Abpfiff habe ich mich noch über den unverdienten Punkt gefreut, doch dieses Gefühl ließ schnell nach. Seien wir ehrlich, in neun von zehn Fällen verliert Werder dieses Spiel. Den Kampfgeist, den das Team in der Schlussphase gezeigt hat, sehe ich durchaus positiv. Was mich viel mehr beunruhigt ist die Tatsache, dass Werder es trotzdem nicht geschafft hat, auch nur einen nennenswerten Angriff aufzuziehen. Das Tor haben wir einer guten Portion Glück und schließlich einer genialen Aktion von Claudio Pizarro zu verdanken.

Spielerisches Armutszeugnis

Auswärts ist Werder dieses Jahr nicht in der Lage, das Spiel selbst in die Hand zu nehmen. Wie das Kaninchen vor der Schlange wartet man in der eigenen Hälfte und hofft, den Raum dort für den Gegner einigermaßen eng zu machen und Fehler zu vermeiden, was selten genug gelingt. Auf Pressing wird außerhalb des Weserstadions inzwischen ganz verzichtet. Einerseits habe ich Verständnis für diese Herangehensweise, doch andererseits muss man dann anders mit Ballgewinnen umgehen. Hier kann man sich gerne mal bei unserem nächsten Gegner Hannover 96 ein bisschen was abschauen. Werder hatte gegen Mainz eine Strategie, die 15 Minuten lang ganz gut aufging: Den Ball nach dessen Eroberung schnell auf Hunt und von dort in die Spitze spielen. Was erfolgsversprechend aussah, erkannten die Mainzer recht schnell und stellten sich nach einer Viertelstunde darauf ein und die Passwege auf Hunt zu.

Darauf fiel den Bremern keine Antwort ein. Sie hielten das Mittelfeld schmal und so neutralisierten sich beide Rauten im Zentrum über weite Strecken, was den Mainzern sehr recht war, weil sie a) wesentlich ballsicherer waren und b) von den Bremer Außenverteidigern Pasanen und Silvestre wenig Gefahr über die Flügel ausging. Fritz und Bargfrede auf den Halbpositionen, die mir gegen die Bayern beide gut gefallen haben, empfand ich gegen Mainz als viel zu passiv. Schnelles Spiel in die Spitze fand nicht mehr statt, weil Werder genügend Probleme hatte, den Ball überhaupt mal kontrolliert in den eigenen Reihen zu halten. Der Spielaufbau krankt inzwischen ganz gewaltig.

Sinnvolle Umstellungen, wenig Veränderung

Thomas Schaaf reagierte in der Pause, brachte mit Arnautovic für Pasanen einen weiteren Stürmer, zog Fritz auf die Rechtsverteidigerposition und Hunt ins linke Mittelfeld. Marin übernahm dafür die Position hinter den Spitzen. Auch wenn ich Marin nicht für einen Spielmacher halte, fand ich alle Umstellungen nachvollziehbar, nur: sie blieben wirkungslos. Werder spielte ähnlich pomadig weiter und kam nur durch die erste gelungene Einzelaktion von Marin seit (gefühlt) Monaten zu einem Torabschluss. Ich empfand es als positiv, dass Schaaf nicht die erwarteten Wechsel (mit Avdic und Wagner das Sturmzentrum voll packen) vollzogen hat, sondern der Jugend eine Chance gab und Frings aus dem Spiel nahm. Den erhofften spielerischen Aufschwung brachten zwar auch dieser Doppelwechsel nicht, doch immerhin schien es mir ein richtiges Zeichen zu sein.

Zeichen setzte auch wieder Sebastian Mielitz, der eine insgesamt gute Leistung ablieferte. Zwei Punkte gab es auch in diesem Spiel, die mich in meiner Meinung bestätigten, dass er unsere Nummer 1 sein sollte: Bei einem Mainzer Angriff in der 2. Halbzeit verschätzte er sich beim Herauslaufen und kam nicht vor dem Stürmer an den Ball. Im letzten Moment zog er jedoch zurück und vermied den Kontakt. Zwar war diese Aktion nicht ohne Risiko, doch der Mainzer (Allagui?) hatte einen spitzen Winkel und in der Mitte konnte ein Verteidiger retten. Wer wettet dagegen, dass Wiese in dieser Situation entweder voll durchgezogen hätte (=Elfmeter) oder gleich auf der Linie geblieben wäre und dann eine Superreflex benötigt hätte, um den Schuss des freien Spielers zu halten? Der zweite Punkt war das Ausgleichstor, das Mielitz mit einem langen Ball einleitete. Ok, den langen Hafer beherrscht Wiese auch, aber ein fußballerisch weniger limitierter Torhüter erhöht doch die Wahrscheinlichkeit, dass solche Bälle auch tatsächlich bei einem Mitspieler landen und nicht (wie so häufig bei Wiese) in der Pampa. Zwei kleine Punkte, zugegeben, aber sie schärfen das Bild.

Was mich etwas irritierte war das Verhalten unserer Innenverteidiger, die sehr häufig ihre Position verließen und mit ihren Gegenspielern mitliefen. Auffällig war besonders, dass Mertesacker auch immer wieder den Mainzer Spielmacher Holtby bei der Ballannahme unter Druck setzte und dafür 10-15 Meter nach vorne sprintete. War das die Folge einer mangelnden Absicherung durch Frings (der Holtbys direkter Gegenspieler war) oder eine angeordnete taktische Variation? Hochriskant in jedem Fall, wie man unter anderem beim Gegentor bewundern konnte. Da Pasanen erst nicht auf Abseits spielte und dann einfach stehen blieb, konnten die Mainzer das Loch in der Bremer Innenverteidigung zum 1:0 ausnutzen.

Fazit

Das Spiel verdeutlichte die neuen Kräfteverhältnisse in der Bundesliga und es dürfte nicht das letzte Spiel gegen eine Mannschaft gewesen sein, deren Höhenflug wir noch im Herbst etwas belächelten, die sich jedoch über die gesamte Saison als spielerisch überlegen erwiesen hat. Im Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag kann sich der von Werder gezeigte Kampfgeist noch als nützlich erweisen. Mit etwas mehr spielerischer Klasse könnte man ihn jedoch gleich ganz vermeiden.

Talking Points

1. Kung-Fu Wiese

Es ist leider nicht das erste mal, dass Tim Wiese in dieser Hinsicht negativ auffällt, wenn das üble Foul an Olic auch schon knapp drei Jahre her ist. Für mich ist eine solche Aktion ein Zeichen, dass er nervlich eben doch nicht so über den Dingen steht, wie ich früher mal dachte. Ich kann auch nicht verstehen, dass manche Werderfans Verständnis für Wiese haben, weil er als einziger Rückhalt der Mannschaft von seinen Mitspielern immer wieder allein gelassen werde. Es sollte nun doch jeder bemerkt haben, dass auch Wiese nicht seine beste Saison spielt. Es gibt inzwischen in jedem Spiel mindestens eine Szene, bei der ich mir einen besser mitspielenden Torhüter wünschen würde, und da sind Wieses zahlreichen langen Bälle ins Nichts noch nicht mal mit berücksichtigt.

Nun darf Mielitz wieder für drei Spiele ran, der in der Hinrunde überragend gehalten hat. Wenn er nun ähnlich gute Leistungen abliefert, gibt es eigentlich keinen Grund, ihn nach Wieses Sperre wieder raus zu nehmen. Abgesehen davon, dass ich ihn für den besseren Torhüter halte, hat sich Wiese mit seiner Aktion auch das Argument verbaut, dass er dem nervlichen Druck besser gewachsen sei. Hugo Almeida wurde nach seiner roten Karte gegen St. Pauli öffentlich abgewatscht und in der Winterpause verkauft – Wiese wurde von Schaaf nach dem Spiel in Schutz genommen. Nach außen hin mag das (gerade kurz nach dem Spiel) noch vertretbar sein, aber intern muss es klare Worte geben. Ich glaube allerdings nicht, dass Schaaf Wiese wirklich auf die Bank setzt. Hier würde ich mir etwas mehr Vangaalismus wünschen.

2. Abschied von Dominik Schmidt?

Dominik Schmidt gehörte zu den wenigen positiven Figuren der Hinrunde. Mit seiner Entwicklung dürfte kaum noch jemand gerechnet haben. Als die Verletzungsprobleme am größten waren bekam er seine Chance und hat sie auf Anhieb genutzt. Eigentlich sollte die Verlängerung des zum Saisonende auslaufenden Vertrags längst unter Dach und Fach sein. Nun liegen die Verhandlungen darüber erstmal auf Eis und es sieht so aus, als würde Schmidt Werder zum Saisonende ablösefrei verlassen. Die finanziellen Vorstellungen liegen nach Aussagen beider Parteien “meilenweit” auseinander. Ob Werder nun besonders knauserig oder Schmidt besonders gierig ist, kann man ohne die Zahlen zu kennen nicht beurteilen (kolportiert werden bei 120.000 € derzeitigem Gehalt eine Forderung von 840.000 € und ein Angebot von 420.000 € jährlich).

Man fragt sich allerdings, wo Werders Schmerzgrenze liegt bei einem Spieler, der lange Zeit in der 3. Liga zu versauern drohte und sicher nicht zu den Topverdienern gehört. Schmidt ist nicht mehr der jüngste und möchte nun auch finanziell einiges aufholen. Allofs Signal ist klar: Die Zeiten, in denen auch Spieler aus der zweiten Reihe mit lukrativen Verträgen langfristig gebunden wurden, sind nach den schlechten Erfahrungen der letzten Jahre vorbei. Dass dabei ein selbst ausgebildetes Talent ablösefrei den Verein verlässt, nachdem es den Durchbruch in die erste Reihe geschafft hat, hinterlässt jedoch mehr als nur einen schlechten Nachgeschmack. Schmidt ist ein Spieler, der für einen Neuanfang in der kommenden Saison ideal geeignet wäre. Hat hier ein Spieler seinen Marktwert überschätzt oder spart Werder am falschen Ende?

3. Jesus

Nach Denni Avdic und Predrag Stevanovic hat Werder mit Samuel Firmino de Jesus seinen dritten Neuzugang der Winterpause verpflichtet. Der Brasilianer, der vom FC Sao Paolo ablösefrei verpflichtet wurde, ist als zusätzliche Option für die Innen- und Außenverteidigung vorgesehen. Über den Leistungsstand des 24-Jährigen lässt sich derzeit noch nicht viel sagen, doch es dürfte sich eher um eine Option für die Zukunft denn eine sofortige Verstärkung handeln. Damit bestätigt seine Verpflichtung den Kurs, den Werder in der Winterpause eingeschlagen hat: Perspektivisch den Kader verändern, statt ihn für die Rückrunde zu verstärken.

Wer auf qualitativ hochwertigen Ersatz für Hugo Almeida, den langfristig verletzten Naldo oder gar Mesut Özil gehofft hat, dürfte darüber enttäuscht sein. Finanziell scheint Werder nicht auf Rosen gebettet, wobei sich die Frage stellt, ob tatsächlich kaum Geld zur Verfügung steht oder man ein Polster für die magere Zeit ohne internationales Geschäft behalten möchte. Letzteres wäre bei der akuten Abstiegsgefahr nicht unbedingt verständlich, doch angesichts Werders konservativen Finanzpolitik durchaus vorstellbar. Andererseits muss man sich gerade wegen dieser konservativen Finanzpolitik die Frage stellen, warum in einer solchen Krise kein Geld für Verstärkungen vorhanden ist. Ist Werder wirklich einer der finanziell “gesündesten” Vereine Europas? Und falls ja, was nützt einem das, wenn man dafür sehenden Auges in Richtung zweiter Liga marschiert?

4. Problemzone Mittelfeld

Jahrelang war das Mittelfeld Werders Prunkstück. Heute sieht das anders aus. Der Abgang von Mesut Özil konnte bislang nicht kompensiert werden, weshalb die Rufe nach der Verpflichtung eines echten Zehners nicht verstimmen. Ich sehe Werders größeres Problem jedoch schon seit einiger Zeit eine Reihe dahinter. Seit Baumanns Rücktritt hat Werder ein Problem im defensiven Mittelfeld, das durch Bargfredes überragende erste Saison und Frings Formanstieg in der letzten Rückrunde ein Jahr lang kompensiert werden konnte. In dieser Saison überzeugt mich Frings überhaupt nicht und Bargfrede hatte in der Hinrunde ein kleines Formtief zu überwinden.

Dahinter fehlen leider die Backups, die den Stammspielern Druck machen oder sie ersetzen könnten. Wesley kommt wohl am ehesten in Frage, doch der ist seit langer Zeit verletzt. Borowski und Jensen könnten dort aushelfen, spielten aus gesundheitlichen Gründen aber ebenfalls kaum eine Rolle. Niemeyer hat man vor der Saison nach Berlin verliehen, Nachwuchshoffnung Ikeng hat Probleme mit dem Kreuzband und der Disziplin.

Es krankt bei Werder in der Spieleröffnung. Die Bälle werden häufig nach außen oder lang in die Spitze gespielt, weil es im Mittelfeld kaum Anspielmöglichkeiten gibt. Frings ist immer für einen Zuckerpass gut, aber produziert zu viele Fehler und hat im Vergleich zu den Sechsern der Konkurrenz inzwischen deutliche Defizite. Es fehlt ein Passgeber im Mittelfeld, der im modernen Fußball meistens auf der (Doppel-)Sechs anzutreffen ist. Auf einen klassischen Zehner kann man verzichten (siehe Dortmund, Bayern oder Leverkusen), auf Sechser wie Sahin, Schweinsteiger oder Rolfes hingegen kaum. Vielleicht entwickelt sich Wesley in den nächsten Monaten dorthin. Auf dieser Position hat Werder im Sommer aber definitiv eine Baustelle.

5. Rangnick

Angeblich hat sich Klaus Allofs in einem Bremer Restaurant mit Ralf Rangnick getroffen, was zu vielen Spekulationen geführt hat (mehr Details dazu gibt es im Worum-Blog). Allofs bestreitet das und bezeichnet die Spekulationen als “Frechheit”. Einerseits wäre es schon ziemlich unvorsichtig, sich in einem bekannten Restaurant mitten in der Bremer Innenstadt mit einem potenziellen Schaaf-Nachfolger zu treffen. Andererseits kommt das Gerücht wohl von mehreren unterschiedlichen Quellen, was nahelegt, dass da zumindest ein Fünkchen Wahrheit dran sein könnte.

Ich finde es absolut nicht verwerflich, wenn sich unser Geschäftsführer auf die Zeit nach Thomas Schaaf vorbereitet. Es ist ja nicht völlig abwegig, dass Schaaf nicht über den Sommer heraus Werdertrainer bleibt. Den Markt sondieren und erste Gespräche mit potenziellen Kandidaten zu führen, gehört ganz einfach zu Allofs Aufgaben. Allerdings sollte dies auf diskrete Weise passieren und nicht bei einem Treffen im Madame Ho. Es würde jedoch zu Werders derzeitiger Außendarstellung passen.

6. Wohin geht der Trend?

Nüchtern betrachtet hat Werder in diesem Jahr eine solide (Hoffenheim), eine katastrophale (Köln) und eine über weite Strecken gute, am Ende aber schwache Partie (Bayern) abgeliefert. Während man zumindest in der Unbeständigkeit beständig ist, muss man sich langsam fragen, warum Werder seine Leistungen so schlecht dosiert. Lieber gegen die Bayern ohne Gegenwehr deutlich verlieren und dafür gegen Köln bis zum Umfallen kämpfen als andersherum. Zumindest punktetechnisch gesehen würde man damit besser fahren. Normalerweise müsste die Leistung der ersten 60 Minuten am Samstag Hoffnung für die kommenden Partien machen. Da Werder in dieser Saison jedoch kaum mal einen positiven Trend bestätigen konnte, glaubt kaum noch jemand an eine Fortsetzung gegen Mainz.

Das Programm der nächsten Wochen hat es in sich und weitere Aussetzer wie gegen Köln könnten dazu führen, dass Werder immer tiefer im Abstiegsstrudel versinkt. Auch Thomas Schaaf dürfte irgendwann der Geduldsfaden mit seinem Team reißen. Weder personell noch psychologisch bleiben ihm noch große Handlungsmöglichkeiten. Die siebenundzwanzigste Krisensitzung nimmt niemand mehr ernst und die weiterhin gut gefüllte Verletztenliste verhindert größere Umstellungen in der Mannschaft. Fraglich, ob Schaaf bei anhaltendem Misserfolg doch einen großen Umbruch (etwa durch Entmachtung von Frings und/oder Wiese) wagt oder sogar selbst zurücktritt.