Archiv für den Monat: Juli 2011

DFB-Pokal, 1. Runde: Noch viel Arbeit

1. FC Heidenheim – Werder Bremen 2:1

Die Schwarzseher werden sich bestätigt sehen: Werder ist mit einer kleinen Blamage (eine große Blamage ist eine Niederlage gegen einen Drittligisten nicht) in die Saison gestartet. Letztlich ging das Ergebnis so in Ordnung, auch wenn Werder das Spiel zu Beginn der 2. Halbzeit hätte entscheiden können.

Nicht mehr als gute Ansätze

Um mit einem positiven Aspekt zu starten: Ich habe in der ersten Halbzeit viele gute Ansätze in Werders Spiel gesehen. Die Ballsicherheit war da, das Mittelfeld wurde schnell überbrückt und der direkte, vertikale Pass gesucht. Es gelang jedoch zu selten, die Stürmer in Szene zu setzen. Thy und Rosenberg haben sich viel bewegt, aber selten kamen die Bälle durch die Schnittstellen der Heidenheimer Abwehr bei ihnen an. Dies lag vor allem daran, dass Werder das Tempo nicht hoch genug hielt und stattdessen versuchte, das Spiel mit 80% Aufwand über die Zeit zu bringen.

Nach dem Doppelschlag wurde jedoch deutlich, dass Werders Spiel noch nicht so weit ist, wie es zu diesem Zeitpunkt der Saison sein müsste. Spielerisch konnte man Heidenheim immer weniger in Bedrängnis bringen. Gegen einen nun sehr tief stehenden Gegner kam man mit dem Kombinationsfußball der Raute kaum mal vors gegnerische Tor und setzte daher zunehmend auf lange Bälle. Schaaf reagierte, brachte Wagner als dritte Spitze und Ekici als Ballverteiler im Mittelfeld. Letztlich blieben die Bälle in den Strafraum jedoch zu unpräzise, abgesehen von einigen Flanken von Lukas Schmitz. Dazu waren die Standards so schwach wie zu finstersten Zeiten der letzten Saison. Was blieb war die Hoffnung auf einen Lucky Punch, was gegen diesen Gegner ein Armutszeugnis ist.

Papa hui, Wolf pfui

In der Abwehr gefiel mir Neuzugang Sokratis Papastathopoulos sehr gut. Gutes Stellungsspiel, zweikampfstark, gute Spieleröffnung – so will ich einen Innenverteidiger sehen. Leider stand der andere Neuzugang in der Innenverteidigung Andreas Wolf nicht nur neben ihm sondern auch völlig neben sich. Schon in der ersten Halbzeit hatte er Probleme, beim 1:2 ließ er sich komplett düpieren. Von einem so erfahrenen Bundesligaspieler muss man deutlich mehr erwarten, ansonsten hat er in der Startelf nichts verloren. Phillipp Bargfrede hat mich als Sechser überzeugt, war lange Zeit der Motor des Bremer Spiels. Nach den Umstellungen in der 2. Halbzeit übernahm Mehmet Ekici die Ballverteilung im Mittelfeld. Er war sehr aktiv, holte sich die Bälle sehr tief ab und versuchte sich als Spielmacher. Es war jedoch deutlich zu sehen, dass er nach seiner Verletzung und in seinem erst zweiten Spiel für Werder noch nicht die Bindung zu seinen Nebenleuten hat. In zwei bis drei Wochen sollte das schon besser aussehen.

Viel Arbeit, wenig Zeit

Das frühe Pokalaus ist für Werder aus finanzieller Sicht sehr ärgerlich. Sportlich ist es kein Beinbruch, nun muss man sich in der Bundesliga rehabilitieren. Dabei läuft Werder jedoch langsam die Zeit weg. In einer Woche wird es richtig ernst und bei allen guten Ansätzen waren die alten Probleme doch wieder deutlich erkennbar. Wenn selbst Heidenheim diese aufdecken kann, wird es ein gutes Stück Arbeit in den nächsten Wochen so viel Sicherheit ins Spiel zu bekommen, dass man auf Bundesliganiveau wieder den Kombinationsfußball spielen kann, an dem man sich momentan versucht.

5 Jahre Meine Saison

“Ein kleines Fußballtagebuch, das vermutlich ein schlechter „Fever-Pitch“-Verschnitt wird. Aber hoffentlich mehr als ein leeres Panini-Album…”

Es ist heute tatsächlich schon fünf Jahre her, seit dieses Blog mit diesem Eintrag das Licht der Welt erblickte. Es gab zwei längere Pausen in den ersten Jahren, aber trotzdem entstanden in dieser Zeit insgesamt 450 Blogeinträge. Ein Bloggeburtstag ist nichts wirklich besonderes und es gibt ja auch ein paar Kollegen, die schon wesentlich länger dabei sind als ich, aber ein bisschen feiern möchte ich diesen Tag schon: Mit einem kleinen Quiz.

Gesucht werden die 18 aktuellen Bundesligavereine in geordneter Reihenfolge (die absolut nichts mit Prognosen auf die kommende Saison, Sympathie o.ä. zu tun hat). Zu jedem Verein gibt es einen Hinweis, durch den ihr auf den gesuchten Club kommen könnt. Als Lösung schreibt ihr dann bitte die Tabelle von 1-18 in die Kommentare. Der erste Kommentar mit der richtigen Reihenfolge gewinnt.

Zu gewinnen gibt es jede Menge Ruhm und die Anerkennung aller Fußballnerds diesseits des Blogosquariums (© Trainer Baade). Die Fragen sind von unterschiedlicher Schwierigkeit, aber insgesamt dürfte es eine nicht ganz einfache Aufgabe sein, auf die richtige Lösung zu kommen. Google und Wikipedia sind als Hilfsmittel ausdrücklich erlaubt!

Los geht’s:

  1. Dieser Verein spielt als einziger aktueller Bundesligist in einem Stadion, das gleich zwei Flüsse im Namen trägt.
  2. Dieser Verein ist sowohl der punktbeste Nichtaufsteiger als auch der punktschlechteste Aufsteiger in der Geschichte der 2. Bundesliga.
  3. Dieser Verein stand bislang dreimal im Finale des DFB-Pokals und verlor alle diese Finalspiele gegen (drei unterschiedliche) Mannschaften aus dem Rheinland.
  4. Dieser Verein kommt aus der Stadt, in der die deutsche Fußballnationalmannschaft zum ersten Mal ein Heimspiel in der WM-Qualifikation verlor.
  5. Dieser Verein wurde als einziger aktueller Bundesligist schon einmal von Jimmy Hartwig trainiert.
  6. Dieser Verein nahm als einziger aktueller Bundesligist an einem Weltpokalfinale teil, obwohl er nie die Champions League bzw. den Europapokal der Landesmeister gewonnen hat.
  7. Dieser Verein hat als einziger aktueller Bundesligist zweimal eine Deutsche Meisterschaft nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses verpasst.
  8. Dieser Verein ist von allen aktuellen Bundesligisten, die jemals aus der 1. Bundesliga abgestiegen sind, derjenige, dessen letzter Aufstieg in die 1. Bundesliga am längsten zurückliegt.
  9. Dieser Verein hat von allen aktuellen Bundesligisten (ausgenommen Augsburg) in seiner gesamten Bundesligazeit die wenigsten Punkte pro Spiel geholt. (Stand: 21.7.2011)
  10. Dieser Verein kommt aus der Stadt, die von der Einwohnerzahl her zwischen einem Bundesligaabsteiger und der Stadt des Deutschen Rekordmeisters angesiedelt ist.
  11. Dieser Verein ist neben Hertha BSC der einzige aktuelle Bundesligist, der genau zweimal Deutscher Meister wurde.
  12. Dieser Verein hat die größte Anzahl an Regionalmeistertiteln Deutschlands gewonnen.
  13. Für diesen Verein spielte der Spieler, der die meisten Platzverweise in der Geschichte der Bundesliga kassierte.
  14. Dieser Verein war/ist der am längsten amtierende Rekordmeister (nur Deutsche Meisterschaften) in der Geschichte des deutschen Fußballs.
  15. Dieser Verein ist der zweitgrößte Sportverein Deutschlands.
  16. Diesem Verein gelang es als letztem, Deutscher Meister zu werden und dabei sowohl die meisten Tore zu schießen, als auch die wenigsten Gegentore zu kassieren.
  17. Dieser Verein war in der Saison, in der die nach Punkten schlechteste Mannschaft aller Zeiten in der Bundesliga spielte, von allen aktuellen Bundesligisten am schlechtesten platziert.
  18. Für diesen Verein spielte das (nach erzielten Toren innerhalb einer Saison) beste Sturmduo der Bundesligageschichte

Viel Spaß beim Auflösen!

Danke, Radio Bremen!

1 1/2 Monate lang war es hier still. Ich hatte eigentlich gar nicht vor, eine Sommerpause zu machen, aber es hat mir mal ganz gut getan, ein paar Wochen Abstand vom Blog zu haben.

Der Zeitpunkt zum Wiedereinstieg hat sich dann ganz von selbst ergeben. Manchmal braucht es eben ein Thema, zu dem man sich unbedingt äußern muss, weil man gar nicht anders kann. Ein solches ist die finanzielle Situation bei Werder Bremen, die derzeit sehr emotional im Verein, im Umfeld und in den Medien diskutiert wird.

Eigentlich ist die Situation sehr übersichtlich: Ohne die Zusatzeinnahmen aus dem internationalen Geschäft kann sich Werder den teuren Kader der letzten Jahre nicht mehr leisten. Das Gehaltsbudget wurde durch die Abgänge von Frings, Jensen und Pasanen bereits gesenkt. Mit den zu den Topverdienern zählenden Mertesacker und Wiese wurde bislang trotz auslaufender Verträge nicht ernsthaft verhandelt. Damit fährt Werder einen Konsolidierungskurs, der der Situation angemessen ist. Wer angesichts der ungewissen sportlichen Zukunft große Investitionen fordert, sollte sich der Folgen bewusst sein: Externe Kapitalgeber, Verschuldung, Abhängigkeiten. All die Dinge, die Werder nie gewollt hat und die man anderen Vereinen gerne vorhält.

Auf der anderen Seite muss sich der Verein natürlich auch sportlich auf die neue Saison vorbereiten. Ganz ohne Investitionen geht es dann doch nicht. Mit Ekici, Schmitz und Wolf hat Werder bereits drei Spieler verpflichtet und im Gegensatz zu den Vorjahren eine deutlich negative Transferbilanz aufgestellt. Dem traditionell sehr vorsichtigen Aufsichtsrat wird dieses Transferminus nun zu hoch. Er fordert Transfereinnahmen, bevor weitere Ausgaben für Spieler bewilligt werden. Auf der anderen Seite stehen Klaus Allofs und Thomas Schaaf, die neben der finanziellen Seite auch die sportliche Saisonplanung im Auge haben und nach Verstärkungen für die personell gebeutelte Abwehr verlangen.

Dank einer wieder einmal wenig vorteilhaften Außendarstellung steht Werder nun jedoch in der Öffentlichkeit als ein Verein, der so klamm ist, dass er sich nicht einmal mehr eine sechsstellige Ausleihgebühr für einen griechischen Innenverteidiger leisten kann. Die einzige wirklich wichtige Frage in diesem Zusammenhang lautet: Soll Werder in dieser besonderen Situation mit vier langfristig verletzten Innenverteidigern den bisherigen Weg der Risikovermeidung weitergehen oder im Interesse der sportlichen Zielsetzung eine Ausnahme machen?

Diese Frage ist den Boulevardmedien wenig überraschend nicht interessant genug. Dass jedoch ausgerechnet Radio Bremen auf diesen Zug aufspringt und mit an Volksverdummung grenzenden Aussagen das Bild eines fast-insolventen Fußballvereins zeichnet, das hat mich schon sehr enttäuscht. Während sich in den Bremer Lokalzeitungen durchaus interessante Artikel über die Situation bei Werder finden lassen (z.B. hier und hier), muss eines der Urgesteine in Sachen Fußballberichterstattung, nämlich Henry Vogt, auf Radio Bremen Vier den Kronzeugen für Werders finanzielle Nöte geben (Moderator: “Werder Bremen steht kurz vor der Pleite. Henry Vogt, wo ist das ganze Geld hin?” Vogt: “Alles ausgegeben.”).

Bremen Vier wurde gerade als Bremens beliebtester und meistgehörter Radiosender ausgezeichnet – auch, weil man häufig aus dem Einheitsbrei des Radiomainstreams herausragt und Mut zu ausgefallenen Sendungen bewiesen hat. Von einem solchen Sender – wie auch vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk allgemein – erwarte ich einfach mehr Information, weniger Sensationsgeilheit und vor allem den Willen, seinen Zuhörern einen Erkenntnisgewinn zu bieten. In diesem Sinne hat mich Radio Bremen gestern schwer enttäuscht. Trotzdem sage ich Danke: Danke, dass ihr mir einen Grund geliefert habt, meine Sommerpause zu beenden.