Archiv für den Monat: August 2011

Malta

Ohne Malta gäbe es dieses Blog nicht. Vielleicht wäre ich irgendwann anders trotzdem zum Bloggen gekommen, aber nicht im Sommer 2006, als Meine Saison mit dem SVW das Licht der Welt erblickte.

Zum Bloggen gebracht hat mich Katie. Ich wusste damals zwar schon, was ein Blog ist, doch außer allesaussersport habe ich im Herbst 2005 keine Blogs gelesen. Ich verbrachte gerade mein Auslandssemester an der University of Malta, wo ich Katie kennenlernte. Neben dieser komischen Seite „facebook“, wo sie und die anderen Amerikaner aus unserem Studentenwohnheim ständig Fotos und Nachrichten austauschten, zeigte sie mir auch ihr damaliger Blog Katie‘s Overseas Adventures, in dem sie ihre Erlebnisse aus Malta niederschrieb. Wer das lese, wollte ich wissen. Meine Freunde und Verwandten, antwortete sie. Ob sie denn kein Problem damit habe, dass das alles öffentlich zugänglich sei, fragte ich. Sie schüttelte den Kopf, als ob sie meine Frage nicht verstünde, so wie ich heute den Kopf schüttle, wenn ich dies und ähnliches gefragt werde. Ich las ein paar ihrer Blogeinträge, vergaß das Thema jedoch schnell wieder.

Why don‘t you start a blog?

Die Kommunikation mit meinen Freunden erfolgte damals vor allem über Emails. Um nicht jedem einzeln die gleichen Dinge schreiben zu müssen, verschickte ich ein und dieselbe Email an alle Empfänger gleichzeitig. Schreib deine Erfahrungen aus Malta doch einfach in ein Blog, schlug mir Katie vor. Dann können es alle lesen, die es interessiert und direkt da kommentieren. Fotos kannst du auch reinsetzen und die Massenemails kannst du dir dann sparen. Schließlich ließ ich mich breitschlagen und startete das „Malta-Blog“. Meine Texte über Malta, seine Einwohner und deren kulturelle Eigenarten waren ironisch überspitzt und nicht sonderlich gut. So eine Art Ich werde ein Berliner in mittelmäßig. Immerhin: Ein maltesischer Student entdeckte die Seite und schrieb einen Artikel darüber für eine Studenten-Website. Das Schreiben machte mir Spaß, aber da das Blog in erster Linie für meine Freunde gedacht war, stellte ich es nach meiner Rückkehr nach Deutschland ein.

Einmal Blut geleckt wollte ich das Bloggen jedoch nicht ganz aufgeben und suchte nach einem Thema, über das ich schreiben könnte. Why don‘t you start a blog on soccer? fragte Katie und keine drei Tage später war Meine Saison geboren. Zunächst dachte ich darüber nach, allgemein über die Bundesliga zu schreiben. Der Sommer 2006 war für viele deutsche Fußballblogs der Ausgangspunkt. Die WM im eigenen Land hatte eine ganze Reihe lesenswerter Blogs zur wichtigsten Nebensache der Welt hervorgebracht. Es erschien mir dann doch sinnvoller, mich thematisch weiter einzugrenzen und ein Vereinsblog zu starten. Der Name „Meine Saison mit dem SVW“ entstand in Anlehnung an Manuel Andracks Buch. Ich erstellte (damals noch mit TypePad) dieses Blog und begann zu schreiben.

Mehr als eine Handvoll Leser verirrten sich damals nicht auf die Seite und auch meine Euphorie ließ schnell nach, als der Uni-Alltag wieder einkehrte. Ich brauchte zwei weitere Startversuche, um das Blog endlich richtig am Laufen zu halten und nicht die Motivation zu verlieren. Heute ist mir das Schreiben über Fußball in Fleisch und Blut übergegangen. Wenn ich nach einem Spiel nicht meine Gedanken nicht zu Papier bzw. Laptop bringe, fehlt mir etwas und ich nerve mein Umfeld noch mehr mit Fußballdiskussionen als sowieso schon.

Back to the roots

Nun bin ich wieder auf Malta. Eine Woche Urlaub und gleichzeitig eine kurze Blogpause. Das Spiel gegen Hoffenheim werde ich nicht sehen können und der Laptop bleibt auch zuhause. Für mich die Gelegenheit, ein wenig darüber nachzudenken, was mir das Bloggen über die Jahre alles gegeben hat, welche spannenden Diskussionen ich mit anderen Fans und Bloggern geführt habe, wie viele tolle Menschen ich (auch im weiteren Sinne, z.B. über Twitter) durchs Bloggen kennengelernt habe. Die Qualität meiner Beiträge sollen andere beurteilen. In jedem Fall macht mir das Bloggen auch nach dieser langen Zeit noch Spaß und ich bin froh darüber, dass ich im Januar 2009 (angeregt von Jens/catenaccios Geschichte) noch einmal einen Versuch unternommen habe, die Seite wieder aufleben zu lassen. Klar ist es schön, Lob und Anerkennung zu bekommen. Klar ist es schön, von anderen Bloggern oder auch Sportseiten wie 11Freunde oder Spox verlinkt zu werden. Klar ist es schön, für ZEITonline live aus dem Stadion zu berichten und auf der Pressetribüne zu sitzen. Im Vordergrund steht für mich jedoch nach wie vor der Spaß an der Sache – ob ich nun für fünf oder fünftausend Leser schreibe.

In diesem Sinne, danke fürs Lesen und bis bald.

Ach ja: Und haut Hoffenheim weg am Samstag!

7 Gedanken zu Werder – Freiburg

Werder Bremen – SC Freiburg 5:3

1. Die gute, alte Zeit

Achterbahnfahrten ist man in Bremen gewohnt. Unter der Woche ein 5:4 im Testspiel gegen St. Pauli und nun 5:3 gegen Freiburg. Kein Wunder, dass man sich als Werderfan in die gute, alte Zeit zurückversetzt fühlte, als fünf eigene Tore genauso zum guten Ton gehörten, wie drei Gegentore. Man muss allerdings sagen, dass in der wirklich guten Zeit, die drei Gegentore weit weniger häufig anzutreffen waren, als die fünf eigenen Tore. Auch wenn Werder selten ein Defensivbollwerk war, in der Meistersaison 2003/04 musste man in der Rückrunde bis zum Feststehen der Meisterschaft nur 9 Gegentore hinnehmen (genau so viele, wie in den verbleibenden beiden Spielen gegen Leverkusen und Rostock). In der Saison 2004/05 kassierte man nur in einem von 34 Bundesligaspielen mehr als zwei Gegentreffer. In der Rückrunde der Saison 2005/06 hatte Werder die beste Defensive der Bundesliga mit nur 16 Gegentoren. Es gab natürlich auch andere Zeiten, aber es ist nicht so, dass Bremer Offensivfußball immer nur mit löchriger Defensive möglich war.

2. Lieblingsgegner

Es war Werders siebter Sieg in Folge gegen den SC Freiburg, wobei Werder nur zwei Mal weniger als vier Tore erzielte. Man kann Freiburg also mit Fug und Recht als Lieblingsgegner der letzten Jahre bezeichnen. Gestern hatte Werder jedoch einige Probleme mit den Freiburgern, die mich insgesamt aber nicht überzeugt haben. Wann immer Werder schnell kombiniert hat, konnte Freiburg wenig dagegen ausrichten und es kam zu gefährlichen Szenen. Trotz 4-1-4-1 bekamen sie keinen Zugriff auf den immer stärker werdenden Marin und die Viererkette ließ sich häufig auseinander reißen. Einzig die Effizienz vor dem Tor war beeindruckend. Mit Ausnahme des etwas glücklichen dritten Tores waren die (wenigen richtigen) Angriffszüge stark kombiniert und gut zu Ende gespielt. Mit etwas mehr Glück wäre so ein Unentschieden drin gewesen, was angesichts der Bremer Dominanz über 70 Minuten sehr schmeichelhaft gewesen wäre.

3. Auswechslungen

Schon wieder ein Spiel, in dem Schaafs Wechsel entscheidenden Einfluss nehmen. Letzte Saison war dies mangels Alternativen auf der Bank nur selten zu sehen. Nun hat er genügend Optionen und weiß sie auch zu nutzen: Arnautovic eingewechselt und getroffen, Wesley eingewechselte und getroffen, Ekici eingewechselt und einen Elfmeter herausgeholt. Der Konkurrenzkampf wird größer werden und noch dürfen sich nur wenige Spieler mit einem Stammplatz sicher fühlen. Endlich muss die Bank nicht mehr mit Notlösungen aufgefüllt werden. Dies hat außerdem den Vorteil, Spieler wie Naldo oder Ignjovski ohne Druck an die Mannschaft heranführen zu können.

4. Hunt

Ein Spieler, den viele Werderfans am liebsten nicht mal in der Nähe der Startelf sehen möchten, ist Aaron Hunt. Die Anfeindungen gegenüber dem Spieler werden mir immer unbegreiflicher. Dass er aufgrund seiner schwachen Leistungen letzte Saison keinen Kredit bei den Fans hat, ist verständlich. Dass er nach wie vor bei jedem Fehler von den eigenen Fans beschimpft wird, kann ich jedoch nicht nachvollziehen. Hunt stand bislang drei mal in der Startelf und hat drei mal ordentlich bis gut gespielt. Kein Grund für Euphorie, aber warum kann man nicht wenigstens anerkennen, dass er sich jetzt reinhängt und seine Chance nutzen will? Hunt ist einer der wenigen Spieler, die fast immer den direkten Passweg suchen. Als solcher ist er schon von Natur aus mehr von seinen Mitspielern und deren Laufwegen abhängig, als etwa Marin oder Ekici. Zu seinem Ruf als Mitläufer trägt das natürlich ebenso bei, wie seine (Zitat Schaaf) schreckliche Körpersprache. Man sollte sich über seine Erfolgserlebnisse, wie den souverän verwandelten Elfmeter, das clevere Verzögern vor dem Pass auf Schmitz vor dem 1:1 oder die Einleitung von Thys Großchance gegen Leverkusen, freuen – wie bei jedem anderen Werderspieler auch!

5. Pizarro

Muss man eigentlich noch erwähnen, wie wichtig Pizarro für Werders Angriffsspiel ist? Mit ihm ist Werders Offensive eine Klasse besser. Angesichts seiner Verletzungsanfälligkeit in der letzten Saison mag man gar nicht darüber nachdenken, aber ein fitter Pizarro, der >25 Spiele in dieser Saison macht, kann den Unterschied zwischen europäischem Wettbewerb und Mittelmaß ausmachen. Wie er vor dem 2:1 die Situation erkennt, den Ball nur leicht touchiert, um an seinem Gegenspieler vorbei zu gehen… absolutely top drawer!

6. Wesley

Wesley wird für mich immer mehr zum Mysterium. Wie kann ein Spieler einerseits so grundlegende Dinge immer wieder falsch machen, aber auf der anderen Seite so ein großartiger Fußballer sein? Wesley ist eine der größten Aufgaben für Schaaf in dieser Saison. Gelingt es ihm, aus Wesley einen großen Spieler zu formen? Momentan ist er trotz seiner entscheidenden Aktionen gegen Kaiserslautern und Freiburg für mich kein Kandidat für die Startelf. Stellt er die haarsträubenden Fehler in seinen Laufwegen ab und lernt das Spiel auch ohne Ball am Fuß schnell zu machen, wäre er wegen seiner sonstigen Qualitäten hingegen zwingend ein Spieler für die Startelf. Bis dahin halte ich es wie bei Hunt und freue mich über seine Erfolgserlebnisse.

7. Balance

Das Spiel gegen Freiburg war das komplette Gegenstück zum 0:1 in Leverkusen. Das Team hat gezeigt, dass es sowohl zu konzentrierten und disziplinierten Defensivleistungen als auch zu Offensivwirbel fähig ist – jedoch nicht beides zur gleichen Zeit. Diese Balance hat Werder in den letzten fünf Jahren häufig vermissen lassen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist dies weder verwunderlich noch (angesichts der Zielsetzung) ein großes Problem. Gegen starke Gegner kann man ruhig abwartend agieren, wie in Leverkusen. Der eine oder andere Punkt wird dabei herausspringen. Gegen die schwächeren Teams, gerade bei den Heimspielen, dürften wir noch die eine oder andere Achterbahnfahrt zu sehen bekommen. Solange man hierbei am Ende häufiger oben als unten stehenbleibt, sollte es reichen, um sich in der Hinrunde in der oberen Tabellenhälfte zu etablieren. Bis zur Rückrunde ist man dann hoffentlich so gefestigt, dass man den internationalen Wettbewerb angreifen kann. Es ist zwar reichlich unromantisch, aber mit dieser Politik der kleinen Schritte könnte ich angesichts der letzten Saison ganz gut leben.

Vermeidbar, aber verschmerzbar

Bayer Leverkusen – Werder Bremen 1:0

Die Ernüchterung kam schnell für diejenigen, die voreilig Werder schon wieder in der Bundesligaspitze gesehen hatten. Für alle anderen war es eine ärgerliche (weil unglückliche), aber erträgliche Niederlage in Leverkusen. Das Spiel an sich war nicht gut, aber es gibt für Werder mehr positive als negative Dinge mitzunehmen.

Neue Defensivstärke

Dass Werder die letzte Bundesligamannschaft in dieser Saison war, die ein Gegentor kassiert hat, ist vor allem dem Spielplan zu verdanken. Es war jedoch schon gegen Kaiserslautern und besonders am Sonntag in Leverkusen ersichtlich, dass die Bremer Defensive einen Sprung gemacht hat. Die Viererkette harmoniert zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison schon sehr gut, was angesichts der personellen Probleme wie ein kleines Wunder wirkt. Mertesacker und Prödl waren bei ihren Comebacks stark wie lange nicht mehr. Schmitz scheint sich stabilisiert zu haben und spielt einen soliden Part. Über Sokratis möchte ich nicht schon wieder schwärmen, aber er gefällt mir einfach unglaublich gut. Er macht keine außerordentlich guten Sachen, aber er macht fast alles außerordentlich gut. Auch als Rechtsverteidiger ist er eine klare Bereicherung, zumal Fritz im Mittelfeld derzeit unabdingbar ist.

Die größte Überraschung der Saison ist für mich aber Tim Wiese. Vielleicht spürt er Sebastian Mielitz Atem im Nacken. In jedem Fall ruft er bislang Topleistungen ab und das nicht nur einen seinen Paradedisziplinen (die beiden Flugparaden gegen Leverkusen waren klasse). Er wirkt auch deutlich konzentrierter, bringt sich mehr ins Spiel ein, fängt Flanken und Eckbälle ab, ist beweglich. Momentan gibt es wenig zu kritisieren und wenn er so weitermacht, hat er sich den Status als Nummer 1 auch (wieder) verdient. Auch wenn ich mich in den letzten Monaten häufig für Mielitz ausgesprochen habe, freut es mich ungemein für Wiese.

Alle Fehlpässe von Werders Viererkette

Alle Fehlpässe von Werders Viererkette - (fast) nur außen und in der gegnerischen Hälfte

Warum stockt der Offensivmotor?

Das große Rätsel im Leverkusenspiel war für mich jedoch, warum das Offensivspiel so schlecht funktionierte. In der Anlage sah das alles gut aus, die Mannschaft hat gut umgeschaltet, und das in beide Richtungen – alles andere als selbstverständlich bei Werder. In den ersten 15 Minuten nach der Pause schien man Leverkusen den Zahn gezogen zu haben. Es ging kaum noch etwas nach vorne und Werder wurde etwas mutiger. Pizarro und Marin kamen, doch trotzdem fehlte im Spiel nach vorne irgendwas. Nur was?

In der ersten Halbzeit wirkten die Halbpositionen der Raute auf mich etwas unausgeglichen. Hunt sucht fast immer den direkten Weg nach vorne (zumindest im Mittelfeld, im vorderen Drittel stoppt er häufig ab, wenn es eng wird, um das 1 gegen 1 zu vermeiden), Wesley hingegen nur selten. Das macht es für die Stürmer nicht leicht, die richtigen Laufwege zu finden. Dazu kam, dass Ekici fast komplett aus dem Spiel genommen wurde. In der zweiten Halbzeit sah das jedoch besser aus und es wirkte so, als könne Werder mit ein paar Prozentpunkten mehr Courage die Leverkusener Defensive knacken. Vielleicht werden die nächsten Spiele mehr Aufschluss darüber geben, woran es gehapert hat.

Werderangriff 38. Minute

Werders bester Angriff in der 38. Minute: Eingeleitet von Hunt, Ekici mit gutem Doppelpass, intelligente Laufwege der Stürmer

Wohin geht die Reise?

Letztlich hat Bayer das Spiel durch einen Lucky Punch gewonnen. Spielerisch bin ich von meinem Meisterschaftstipp aber enttäuscht. Das war viel individuelle Klasse mit wenig strukturierten Angriffen. Es sieht so aus, als ob Dutt doch mehr Zeit braucht, als ich dachte. Ob das noch reicht, um um die Meisterschaft mitzuspielen? Im Fußball kann es schnell gehen.

Für Werder kommt nun eine Pflichtaufgabe gegen Freiburg, danach geht es nach Hoffenheim. Zwei Spiele, in denen man richtig in diese Saison finden kann. Die bisherigen Leistungen der Defensive machen Mut, heute gibt auch noch Naldo sein Comeback. Spielerisch muss es noch eine Steigerung geben, die ich Werder in den nächsten Wochen durchaus zutraue. Mit Pizarro kommt neue (bzw. alte) Qualität zurück in den Angriff und Ekici wird sich auch besser einfinden. Vor allem macht mir aber dieser eine Spielzug aus der ersten Halbzeit Mut, der zu Thys kläglich vergebener Torchance führte. Einen solch guten Angriff habe ich (trotz Sokratis Abseitsstellung) noch von wenigen Teams in dieser Bundesligasaison gesehen. Das ist der richtige Weg.

Bislang ist mein Eindruck, dass Werder zumindest in Sachen Abstiegsgefahr eine sorgenfreie Saison bevorsteht. Das ist die wichtigste Erkenntnis bislang, denn für den Neuaufbau (der noch eine ganze Weile dauern wird) brauchen Mannschaft und Verein vor allem eines: Zeit.

Zwischen Kaiserslautern und Leverkusen

Gegen Kaiserslautern hat Werder kämpferisch und in Ansätzen auch spielerisch das gezeigt, was ich mir in der frühen Phase dieser Saison erhofft habe. Fritz im Mittelfeld gefällt, genau wie Sokratis als Rechtsverteidiger (wobei er mir wohl auf jeder Position gefallen würde). Wolf hat sich im Spielaufbau gesteigert und die Fehlerquote gering gehalten. Im Mittelfeld passierte das Gegenteil von dem, was erwartet wurde: Hunt stabilisierte sich und spielte selbstbewusst, Marin wurde mit zunehmender Spieldauer zappeliger und ließ sich von seinen falschen Entscheidungen im Spiel herunterziehen.

Schaafs Wechsel trugen ihren Teil dazu bei, das Spiel in Werders Richtung zu entscheiden. Es war sowohl richtig, Fritz nach Bargfredes Verletzung auf die Sechserposition zu verschieben, als auch Wesley für Marin einzuwechseln, als sich das Mittelfeld eine Zeit lang destabilisiert zeigte. Bei einem Sieg lässt sich hinterher immer leicht sagen, dass der Trainer alles richtig gemacht hat. In jedem Fall war Schaafs Aufstellung mutig und nicht geleitet von irgendwelchen populären Forderungen.

In Leverkusen bekommt man es nun mit einem Gegner anderer Güte zu tun. Bayer ist spielerisch stark genug, um Werders Defizite gnadenlos offenzulegen. Die erste Halbzeit aus dem Pokalspiel gegen Dresden sollte Schaaf eine Warnung sein. Allerdings wirkt Dutts Team mental schwer angeschlagen und längst noch nicht so weit, wie ich es vor dem 1. Spieltag erwartet habe. Gegen Mainz kam spielerisch wenig, das war schon fast ein Armutszeugnis. Mainz hat exzessives Pressing gespielt, das ich in dieser Form von Werder in den letzten Jahren kaum mal gesehen habe. Sehr viel wird von der Laufarbeit abhängen. Wenn es gelingt, Leverkusen in deren Hälfte so unter Druck zu setzen, wie Mainz es geschafft hat, kann man die Verunsicherung ausnutzen und vielleicht noch verstärken. Ein Sturmduo Rosenberg/Thy scheint mir dafür gut geeignet, Pizarro kann man später bringen, wenn sich die beiden müde gelaufen haben.

Fragezeichen gibt es im Mittelfeld und in der Viererkette. Vertraut Schaaf nach Wolfs Verletzung schon wieder auf Prödl oder zieht er Sokratis ins Zentrum? Im letzteren Fall müsste Fritz wieder auf die Außenbahn wechseln und im defensiven Mittelfeld wäre ein Platz frei. Eine Raute aus Wesley, Ekici, Hunt und Marin wäre jedoch sehr offensiv und so könnte Ignjovski direkt zu seinem Bundesligadebut kommen. Eine andere Möglichkeit bestünde darin, Wesley als Rechtsverteidiger einzusetzen, doch das könnte angesichts der Sprunghaftigkeit des Brasilianers gegen Schürrle auch nach hinten losgehen.

Es ist in jedem Fall ein kleines Puzzle, das Schaaf vor dem Spiel lösen muss. Er wirkt dabei nicht annähernd so ratlos wie vor einem Jahr. Wer siegt hat eben Recht.

Zur Einstimmung aufs Spiel ein großartiger Text (gefunden im Blog von @anna_rosemary):

“Weil ich manchmal ein Esel bin und manchmal ein Hahn.”

Und morgen, morgen schrei ich mit.

Hinterlegt

Werder Bremen – 1. FC Kaiserslautern 2:0

So hatte ich mir das eigentlich nicht vorgestellt. Werders erstes Bundesligaspiel 2011/12 wird angepfiffen und ich werde von einem Ordner an Tor 5 auf gefährliche Gegenstände gefilzt. Doch der Reihe nach.

Ich komme einigermaßen pünktlich zuhause los. Nicht so früh, wie ich eigentlich vor hatte, aber immerhin noch früh genug, um mich vor dem Spiel noch mit ein paar Werderfans zu treffen, mit denen ich mich vorher per Twitter verabredet hatte. So lerne ich dann endlich mal Stephen (@sreygate) vom Papierkugel Blog persönlich kennen und @KatarinaWerderf gleich noch dazu. Vor dem Rommy’s wird ein wenig gefachsimpelt und vorsichtig optimistisch auf das Spiel geschaut. Um 14:45 soll es dann mit meinem Bruder und meinem Neffen ins Stadion gehen. VIP-Loge-Nord. Denke ich.

Mein Bruder Wolfgang ist über einen Bekannten kurz vor Saisonbeginn noch an drei Dauerkarten gekommen. Zu meinem Glück ist er zum Zeitpunkt des Spiels jedoch noch im Urlaub, und da es seit dieser Saison für Dauerkarteninhaber keine einzelnen Tickets für die Spiele mehr gibt, sondern eine Plastikkarte, die für alle Spiele gültig ist, will er die Dauerkarten verständlicherweise nur an jemanden abtreten, bei dem er sich darauf verlassen kann, sie nach dem Spiel auch wiederzubekommen. Die Wahl fiel auf meinen anderen Bruder Robert, dessen 6-jährigen Sohn Lenni und mich.

Robert und Lenni warten schon vor dem VIP-Eingang Nord. Hier sollen wir die Dauerkarten abholen, die auf meinen Namen hinterlegt sind. Sein sollten. Es aber nicht sind, nach Auskunft der freundlichen Hostess, die mich ans Ticketcenter verweist. Am Ticketcenter lange Schlangen. Noch 40 Minuten bis Anpfiff. Einer der Ordner weist mich auf den separaten VIP-Schalter hin, an dem die Schlange weitaus kürzer ist. Nun sollte es doch schnell gehen. Drei Dauerkarten, VIP-Loge, hinterlegt auf den Namen Singer. Nicht gefunden. Wie war der Name noch gleich? Nein, tut mir leid, da müssen Sie sich dort drüben am Schalter noch mal anstellen.

Zurück in die Schlange, aus der ich vorher noch erleichtert geflohen war. Vor mir viele Menschen, die ein Problem mit ihrer Eintrittskarte haben. Die üblichen Geburtsprobleme bei der Einführung einer neuen Technologie. Später auch zu sehen beim Kauf einer Brezel. Die vorher via Internet aufgeladene Bezahlkarte ist nicht aktiviert. Zum aktivieren müssen wir uns am selben Stand anstellen, an dem wir uns auch hätten anstellen müssen, wenn wir die Karte nicht vorher online aufgeladen hätten. Der Fehler war Werder vorher bekannt, erfahre ich später. An unsere Brezeln kommen wir in der Halbzeit trotzdem. Zunächst kommen wir jedoch gar nicht erst ins Stadion. Tut mir leid, sagt man mir erneut. Auf diesen Namen ist hier nichts hinterlegt. Die Tickets sollten eigentlich auch am VIP-Eingang Nord liegen. Nein, das machen wir in dieser Saison nicht mehr. Das läuft nun alles zentral übers Ticketcenter. Ein Anruf bei Wolfgang. Mailbox. Kein Empfang. Ich versuche es erneut und erneut. Nichts geht.

Nun versucht es Robert auch. Ein Freizeichen. Jemand hebt ab, aber die Verbindung ist zu schlecht, um sich zu verstehen. Mein Handy stürzt unterdessen ab. Ausschalten, einschalten, PIN eingeben. Mist vertippt. Noch mal. Dann fällt mir ein, dass ich eine neue SIM-Karte habe. Wie lautet der PIN? Verdammt noch mal! Dritte falsche Eingabe. PIN gesperrt. Also schon mal keine Twitter-Updates im Stadion. Wenigstens erreicht Robert nun Wolfgang und kann drei Sätze mit ihm wechseln. Auf den Namen seines Stiefsohnes könnten die Karten auch hinterlegt sein: Saathoff. Wieder kein Treffer. Oder vielleicht der Name des Bekannten, der die Karten ursprünglich gekauft hatte? Müller. Ein Name, der hier nicht viel weiterhilft. Noch 5 Minuten bis zum Anpfiff.

Das Ticketcenter leert sich. Inzwischen sind alle Problemfälle gelöst, alle defekten Karten ausgetauscht. Nur Robert, Lenni und ich stehen noch dort. Aus dem Stadion tönt Arnd Zeiglers Stimme. Die Aufstellungen. Hunt spielt also doch. Und Thy auch. Lenni sitzt maulig auf der Fensterbank. Warum lassen die uns nicht ins Stadion? Ein letzter Versuch. Die immer verzweifelter wirkende Dame im Ticketcenter entschuldigt sich zum wiederholten Male, doch es gibt hier leider keine hinterlegten Karten.

15:29. Wir treten den Rückzug an. Ab in die Kneipe? In meinem Kopf werden Alternativen verglichen. Wohin kann man mit einem Sechsjährigen gehen? Robert schlägt vor, es ein letztes Mal am VIP-Eingang Nord zu versuchen. Guten Tag, hier sind drei Dauerkarten auf den Namen Singer für uns hinterlegt. Ein Moment, ich schaue kurz nach. Ah ja, da sind sie ja! Mir fällt alles aus dem Gesicht. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich die ebenfalls sehr nette Hostess – eine andere als beim ersten Versuch – umarmen oder anbrüllen möchte. Ein Moment noch bitte, die Karten sind gar nicht für hier! Wie? Ungläubige Gesichter, so nah dran gewesen. Die Karten sind nicht für die Loge, sie müssen bitte nach draußen und da durchs Tor gehen. Es ist uns längst egal, wir würden uns auch auf die Treppenstufen setzen, wenn man uns doch nur endlich ins Stadion ließe. Wir hasten zum Tor, drei Dauerkarten in der Hand mit einem Namen drauf, den ich nie zuvor gehört habe – nicht Singer, nicht Saathoff und auch nicht Müller. Alles egal.

Als wir unsere Plätze erreichen, vergibt Thy gerade die erste Chance des Spiels. 85 Minuten später ist die Stimmung im Weserstadion so gut wie seit einem Jahr nicht. Die Ostkurve tanzt den Andre Wiedener und Lenni, der mehr Interesse am Lauterer Anhang zeigte, als am Spiel selbst, strahlt wie ein Honigkuchenpferd. Schlimmer hätte die Saison nicht anfangen können. Besser hätte der Stadionbesuch nicht sein können.

Die Glaskugel 2012

Die Saison hat schon begonnen, ohne dass ich den obligatorischen Blick in meine notorisch unzuverlässige und inzwischen etwas divenhafte Glaskugel geworfen habe. Höchste Zeit das nachzuholen!

Meine Abschlusstabelle 2011/12:

1. Bayer Leverkusen – Nachdem sie mir letztes Jahr einen Strich durch die Meisterschaftsrechnung gemacht haben, tippe ich dieses Jahr erst recht auf sie. Dutt ist ein guter Trainer und er wird nicht lange brauchen, um aus diesem Kader ein großes Team zu formen. Selbst Ballack wird noch mal eine gute Saison spielen – sagt die Glaskugel.

2. Borussia Dortmund - Der Weg über die Meisterschaft führt nur über den BVB. Derzeit sind die Dortmunder allen anderen noch ein Stück voraus, doch der Vorsprung wird die Saison über schmelzen. Die Bürde des Meisters wird schwer werden, dazu kommt die Champions League. Dennoch traue ich der Borussia Platz 2 zu.

3. Bayern München - Osram könnte in dieser Saison wieder über allen strahlen, doch ich halte ihn taktisch nicht für gut genug, um Bayern nach ganz oben zu führen. Eigentlich wäre der Rekordmeister wieder dran, aber die Konzentration auf das CL-Finale im eigenen Stadion (das man nicht erreicht) und die Stärke der Konkurrenz sorgen für ein seit 1996 nicht mehr da gewesenes Szenario: Der FCB wird zweimal in Folge nicht Meister.

4. VfL Wolfsburg - Magath wird im August und Januar wieder Heerscharen an neuen Spielern kaufen, von denen eine Handvoll auch funktionieren dürften. Nach mittelmäßiger Hinrunde gibt es eine Aufholjagd, die auf dem Qualifikationsplatz für die Champions League endet.

5. FC Schalke 04 - Eigentlich ist den Schalkern unter Rangnick fast alles zuzutrauen – bis auf die Meisterschaft. Es dürfte noch eine Weile dauern, bis das Team in dieser Saison funktioniert und Rangnick seine Handschrift durchziehen kann. Spätestens dann aber ist mit Schalke zu rechnen.

6. Werder Bremen - Die Wundertüte aus Bremen. Wenn man nicht früh in die Abwärtsspirale gerät, kann man aus diesem Kader ein schlagkräftiges Team formen. Das Wenn ist in diesem Fall jedoch besonders groß. Die Glaskugel gibt sich optimistisch und traut Werder die Rückkehr ins internationale Geschäft zu. Spieler der Saison: Sokratis.

7. Hamburger SV - Dass die Glaskugel den Hasipfau hinter Werder sieht versteht sich von selbst. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Oenning den Laden in den Griff bekommt. Das Spiel gestern in Dortmund lässt böses befürchten/erhoffen. In der Rückrunde steuert man dann mit neuem Trainer das internationale Geschäft an, wobei man knapp an Werder scheitert (ich mag meine Glaskugel).

8. Hannover 96 - Noch mal wird so eine Saison nicht gelingen. Der Absturz bleibt dank der soliden Arbeit des Trainers jedoch erspart und Hannover erreicht einen soliden Mittelfeldplatz.

9. VfB Stuttgart - Geheimfavorit für viele, doch die Glaskugel ist anderer Ansicht. Einer Mannschaft, die von Bruno trainiert wird, traue ich erst wieder einen Platz an der Spitze zu, wenn ich es mindestens einmal erlebt habe. Ansonsten gilt das gleiche wie bei Werder: Wundertüte.

10. FSV Mainz 05 - Die Boygroup des letzten Jahres wird große Probleme bekommen, zumal in Schürrle und Holtby die beiden wichtigsten Protagonisten ausgestiegen sind. Tuchel ist ein guter Trainer – wie gut wird diese Saison zeigen. Platz 10 wäre nicht mal ein Misserfolg.

11. Borussia Mönchengladbach - Favre. Die Null steht häufig genug, um nicht in den Abstiegskampf zu rutschen. Vorne Reus. ‘Nuff said.

12. 1. FC Köln – Um den Kölnern eine turbulente Saison vorauszusagen, braucht man nun wirklich keine Kristallkugel. Eigentlich ist der Kader zu gut für den Abstiegskampf. Andererseits hat gerade die letzte Saison gezeigt, dass das überhaupt nichts zu sagen hat.

13. Hertha BSC - Die Glaskugel weigert sich, einen Tipp zur Hertha abzugeben. Außer Platz 13 war aber alles schon besetzt, von daher wird’s wohl so stimmen.

14. SC Freiburg – Dutt weg, Cissé noch da. Die Lebensversicherung der Freiburger wird in dieser schwierigen Saison auch dringend gebraucht. Es wäre ein typisches Jahr für einen Freiburger Abstieg, aber die Breisgauer retten sich in letzter Sekunde.

15. TSG Hoffenheim - Mit eineinhalb blauen Augen kommt Hoffenheim durch die Saison. Mehr als graue Maus ist beim einstiegen Blitzaufsteiger nicht mehr drin. Stanislawski ist auch kein Trainer, der mehr aus dem Kader rausholt als drinsteckt, eher im Gegenteil.

16. FC Augsburg - Ja, ich gebe es zu: Ich mag Augsburg. Meine Familie kommt da aus der Ecke (wobei Heidenheim noch näher dran ist…). Ich hoffe sehr, dass die Puppenkiste nicht direkt wieder absteigt. Die Glaskugel zeigt sich gnädig und sagt den Relegationsplatz voraus.

17. 1. FC Nürnberg - Vielleicht fehlt mir die Fantasie, aber ich sehe Nürnberg nach den Abgängen nicht mehr annähernd so gut, wie im Vorjahr. Wenn dann noch etwas Pech hinzukommt, kann es ganz schnell gehen und man findet sich mal wieder in Liga 2 wieder.

18. 1. FC Kaiserslautern - Ich habe bei Lautern ein ganz mulmiges Gefühl. Den Abstieg wünsche ich den Pfälzern nun wirklich nicht, schon allein wegen der guten Arbeit in den letzten zwei Jahren, aber die Glaskugel ist unbarmherzig.

Guter Test gegen schwache Toffees

Werder Bremen – FC Everton 1:0

Drei Tage nach dem Pokalaus in Heidenheim hat Werder das letzte Testspiel der Saison gegen den FC Everton 1:0 gewonnen und sich dabei in vielen Bereichen verbessert gezeigt. Es war jedoch auch deutlich zu sehen, dass Everton zehn Tage vor dem Premier-League-Start noch längst nicht in der Verfassung ist, über 90 Minuten hohes Tempo zu gehen.

Nur 30 Minuten auf Augenhöhe

Auf sieben Positionen umgestellt ging Werder mit einer etwas ungewöhnlichen Aufstellung in die Partie: Mertesacker gab sein Comeback in der Startelf, Sokratis rückte auf die Rechtsverteidigerposition und Wesley spielte im defensiven Mittelfeld. Wie schon gegen Heidenheim versuchte Werder, über das Kombinationsspiel in der Mittelfeldraute Torchancen zu erspielen und hatte dabei mäßigen Erfolg. Dies lag zum einen daran, dass Ekici sich weit zurückfallen ließ, um die Angriffe von der Mittellinie aus zu initiieren, weshalb er im offensiven Mittelfeld ein Loch hinterließ. Zum anderen fehlte in den entscheidenden Momenten häufig das Tempo im Spiel. Vor dem Strafraum wurde nicht schnell genug verschoben, um Löcher in die Defensive der Toffees zu reißen. Everton hatte ein paar gute Szenen, in denen das aufgerückte Bremer Mittelfeld schnell überwunden wurde und mit Tempo über die Außen angegriffen wurde.

Nach einer halben Stunde wurde Werder stärker, brachte immer wieder Wagner im Strafraum ins Spiel. Das 1:0 zog Everton bereits den Zahn, was gegen einen Gegner, der nicht mehr in der Vorbereitung steckt, kaum möglich sein dürfte. In der zweiten Halbzeit kombinierte Werder flüssiger durchs Mittelfeld. Everton setzte Werder bis 30 Meter vor dem Tor fast gar nicht mehr unter Druck und hatte keine wirkliche Chance, ins Spiel zurück zu kommen. Trotz zahlreicher Wechsel blieb Werder dem bekannten Kombinationsspiel treu und hielt Everton auf Distanz ohne wirklich auf das 2:0 zu drängen. Am Ende war es ein ungefährdeter und hochverdienter Sieg, bei dem Everton nur 30 Minuten auf Augenhöhe agierte.

Kombinationsfußball in Torchancen umwandeln

Dass Werder anspruchsvollen Kombinationsfußball spielen kann, ist nicht neu. Problematisch wird es jedoch, gegen tief stehende Gegner auf diese Weise Torchancen herauszuspielen. Dies war selbst gegen passive Engländer in der zweiten Halbzeit ein Manko und wird in der Bundesliga sicher zur – von den bekannten Problemen in der Defensive abgesehen – schwierigsten Aufgabe für Thomas Schaaf werden.

Einige positive Dinge lassen sich für Werder aus diesem Spiel mitnehmen: Das Team wirkt gerade im Vergleich zur letzten Saison homogener und auf eine Spielidee eingestellt (ob diese so funktionieren wird, ist eine andere Sache), Per Mertesacker gab ein erstaunlich gutes Comeback und zeitweise lief der Ball auch bei erhöhtem Tempo flüssig durch die eigenen Reihen.

Bloß den Saisonstart nicht verpatzen

Das Spiel war keine Wiedergutmachung für das Pokalaus, sondern eine gelungene Vorbereitung auf das Spiel gegen Kaiserslautern. Vom Start in die Bundesliga wird vieles abhängen, vor allem psychologisch. Bei einer Auftaktpleite im eigenen Stadion brennt der Baum in Bremen schon Anfang August wieder so lichterloh, wie im vergangenen Frühjahr. Mit ein paar Siegen in den ersten Wochen könnte man sich dagegen die Ruhe in Umfeld und Team verschaffen, die man für den angestrebten Neuanfang braucht.