Archiv für den Monat: Januar 2012

Biedermeier

1.FC Kaiserslautern – Werder Bremen 0:0

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, am Anfang dieses Posts die positiven Aspekte des Spiels hervorzuheben. Es fällt mir jedoch schwer, auch wenn Werders Leistung nicht so schwach war, wie einige Schwarzseher vorhergesagt hatten. Gegen einen mutigen, aber auch bestenfalls durchschnittlichen FCK kam Werder nur zu einem mageren 0:0.

Hektischer Beginn und Probleme im Passspiel

Die abwartende Haltung, die Werder in der Anfangsphase einnahm, führte zunächst nicht zu einer Beruhigung des Spiels. Werder stand tief, attackierte spät und wollte wohl erstmal testen, wie ernst es die Lauterer mit den Offensivbemühungen meinten. Die Gastgeber ließen sich nicht lange bitten und versuchten, das Spiel von Anfang an in die eigene Hand zu nehmen. Bereits nach 60 Sekunden hätte es nach einem kapitalen Bock von Wiese 1:0 stehen können, aber der Kopfball von Kouemaha ging glücklicherweise übers Tor.

Werders Grundordnung sollte der zuletzt verunsicherten Mannschaft Stabilität geben, was nach der wackligen Anfangsphase auch einigermaßen gelang. Das Spiel gegen den Ball war passabel und die Spielanlage war gerade bei den drei defensiven Mittelfeldspielern gut zu erkennen. Bei Ballgewinn versuchte man durch flache Vertikalpässe schnell umzuschalten und den Ball zu den drei offensiven Pizarro, Rosenberg und Ekici zu spielen. Letzterer passt immer noch nicht so recht in diese Mannschaft. Direktes Spiel scheint ihm zuwider, jeder Ball wird erst angenommen, dann geschaut, dann gespielt – wenn es dann noch nicht zu spät ist. So kam es zu vielen Überflüssigen Zweikämpfen, die Ekici in großer Häufigkeit verlor. Ein bisschen fühlte ich mich an Diego erinnert, nur ohne die enorme Dribbelstärke.

Da die Fehlpassquote für die ambitionierte Spielweise zu hoch war, blieb Werder selten über längere Zeit in Lauterns Hälfte in Ballbesitz. Das vorsichtige Nachschieben seitens der Außenverteidiger und Rautenspieler hielt den Schaden dabei in Grenzen, weil man nicht ganz so anfällig bei Kontern wirkte, wie zuletzt. Es sorgte allerdings auch dafür, dass man nach Ballverlusten nicht direkt ins Pressing umschalten konnte. Offenbar eine gewollte taktische Maßnahme, da Werder auch ansonsten weitgehend auf Pressing verzichtete. Als Folge musste man sich jeden Ballgewinn durch diszipliniertes Verschieben in der Defensive erarbeiten.

Prödls Verletzung und ein überforderter Neuling

Während der eine Debütant, Tom Trybull, weitgehend überzeugen konnte, war ein anderer (relativer) Neuling mit seiner Aufgabe überfordert: Schiedsrichter Robert Hartmann erwischte einen denkbar schlechten Start und hatte in der Folge Probleme, das Spiel in den Griff zu bekommen. Schon das nicht geahndete Foul an Pizarro, das außer dem Unparteiischen wohl jeder im Stadion und im Fernsehen gesehen hatte, deutete dies an. Am ersichtlichsten wurde es dann beim nicht gegebenen Elfmeter für Werder, bei dem Prödl sich Oberkiefer und Nasenbein brach und blutüberströmt ausgewechselt werden musste. Selbst wenn der Schiedsrichter schlecht steht, hat er in dieser Szene nur zwei Optionen: Er pfeift gefährliches Spiel und gibt indirekten Freitstoß (weil er aus seiner Position nicht sieht, ob der Kouemaha Prödl wirklich trifft) oder er gibt Elfmeter, was die richtige Entscheidung gewesen wäre.

Sebastian Prödl ist 1,94 m groß. Wenn ein Ball auf Höhe seines Kopfs mit dem Fuß geklärt wird, übersteigt es meinen Horizont, wie dies keinen Regelverstoß darstellen sollte. Wenn ein Schiedsrichter dies nicht ahndet, ist er der Drucksituation, unter der ein Bundesligaschiedsrichter nun einmal Entscheidungen treffen muss, ganz offensichtlich nicht gewachsen. Hartmann nahm die Pfeife erst in den Mund, unterließ dann jedoch den Pfiff, was nahelegt, dass seine erste Intuition war, die Aktion abzupfeifen. Was ihn zu seinem Umdenken bewogen hat, vermag ich nicht zu sagen.

Zielstrebig Richtung Punkteteilung

An Prödls Verletzung ist Hartmann dennoch ebenso wenig Schuld, wie an Werders insgesamt dürftiger Leistung. Auch die Lauterer dürfen mit einigen strittigen Entscheidungen zu ihren Ungunsten hadern, beispielsweise dem nicht geahndeten Handspiel von Schmitz, welches aber wohl knapp vor dem Strafraum stattfand. Das 0:0 war ebenso leistungsgerecht wie ungewöhnlich für dieses Spiel. Torchancen entstanden trotz mangelnder Kreativität auf beiden Seiten in unerwarteter Regelmäßigkeit. Obwohl keine Mannschaft die Defensive wirklich entblößte, ergaben sich immer wieder Situationen, in denen nur ein Pass oder ein zielstrebigerer Abschluss zu einem Tor gefehlt hätten.

Der Spielverlauf gegen Ende der zweiten Halbzeit und die Tatsache, dass Schaaf nicht umstellen wollte oder konnte, machen das 0:0 eher zu einem Punktgewinn denn zu einem Punktverlust für Werder. Sorgen machen muss man sich vielmehr angesichts der Tatsache, dass die Mannschaft zwar die so häufig vermisste, gute Mischung aus Offensive und Defensive hatte, aber dennoch hinten anfällig wirkte und vorne nur selten zwingend wurde. An Platz 4 braucht man derzeit nicht zu denken. Auf Platz 7 hat man dagegen 6 Punkte Vorsprung. Wichtig ist nun vor allem, in den Heimspielen wieder zur Sicherheit im Kombinationsspiel zu finden.

Enttäuschend ist vor allem, dass man nach der Winterpause kein Stück weiter scheint, als zum Ende der Hinrunde. Im Gegenteil, man hat eher das Gefühl in puncto Passspiel zeige die Fieberkurve nach unten. Die Verletzung Prödls, just als Wolfs Verkauf nach Monaco nur noch Formsache scheint, zwingt Klaus Allofs wohl noch einmal zum Handeln. Die Null, die hinten endlich stand, tröstet über diese Punkte auch nur bedingt hinweg. Sie scheint eher ein statistischer Zufall zu sein, als Folge einer signifikant verbesserten Defensive. So sucht man verzweifelt nach einem Strohhalm, während man auf dem fünften Platz in der Tabelle steht – eine Platzierung, die man vor der Saison wohl sofort unterschrieben hätte.

Werder nach der Winterpause – Versuch einer Einordnung

Heute Abend startet Werder in die Rückrunde. Die letzten Ergebnisse waren besorgniserregend, doch weniger im Hinblick auf diese Saison als auf die nächste. Sowohl beim Blitzturnier in Düsseldorf als auch bei der 0:3 Niederlage in Rostock fehlte Werder rund die Hälfte des Teams, das gegen Kaiserslautern – und mutmaßlich auch in den weiteren Pflichtspielen – auf dem Platz stehen wird. Die Leblosigkeit, mit der man dort agierte, treibt jedoch nicht nur den Anhängern die Sorgenfalten auf die Stirn.

Zweiter Anzug vom selben Schneider sitzt nicht

Seit Jahren frage ich mich, warum der Sprung von der zweiten in die erste Mannschaft bei Werder so schwierig ist. Gerade in dieser Saison hat Werders U23 einen Kader, der vor Talenten nur so strotzt. Thomas Wolters Team spielt das gleiche System wie die Profis und man kann bei ihnen gut erkennen, wie anspruchsvoll es ist. Der Fußball ist häufig schön anzusehen, doch selten erfolgreich. Der Abstiegskampf der 3. Liga scheint mir nicht das richtige Umfeld zu sein, um es zu perfektionieren. Der Nichtabstieg am grünen Tisch im Sommer erweist sich eher als Fluch denn als Segen. In der Regionalliga hätten die Gegner ein niedrigeres Niveau, aber es ließe sich eben auch das System mit diesen jungen Spielern erfolgreicher umsetzen. Gerade die Stürmer, deren Selbstbewusstsein gemeinhin mit den erzielten Toren wächst, würden davon profitieren. Niklas Füllkrug ist beispielsweise ein begnadeter Fußballer, der in der U23 durch gute Leistungen aufgefallen ist. Er kommt aber auch mit der Empfehlung von nur vier erzielten Toren in Liga 3 in den Profikader.

Die Integration der Nachwuchsspieler ist jedoch das kleinere Problem derzeit. Erschreckend ist vielmehr, wie schnell die Mannschaft in alte Muster zurückfällt, wenn Leistungsträger ausfallen. Niemand erwartet von Boenisch oder Silvestre nach ihren langen Verletzungen Wunderdinge. Ganz im Gegenteil würde man von ihren Mannschaftskollegen erwarten, dass sie ihnen mehr Unterstützung zukommen lassen auf dem Feld. Die Spieler aus der zweiten Reihe sind dazu offensichtlich nicht in der Lage. Im Mittelfeld ragt der junge Trybull heraus, während Spieler wie Wesley oder Marin völlig deplatziert wirken. War es früher Werders Stärke, durch das eingespielte System die Ausfälle (und auch die Abgänge) wichtiger Spieler kompensieren zu können, hat man heute den Eindruck, dass ein Großteil der Reservisten selbst die Grundlagen des Systems noch nicht verinnerlicht hat. Zu groß sind die individuellen Probleme, die einige dieser Spieler mit sich herumschleppen.

Wagner und Wolf als Sündenböcke?

Bei den Nachwuchsspielern sieht man vielmehr, dass sie bemüht sind, die Vorgaben ihrer Position umzusetzen. Gut zu erkennen war dies im (sehr schwachen) Spiel gegen den BVB beim Wintercup. Trybull, Kroos und Trinks spielten einen soliden Part im Mittelfeld und versuchten, das Spiel durch direktes Passspiel schnell zu machen. Insgesamt wirkte dies jedoch alles andere als eingespielt und so geschah genau das Gegenteil: Das Spiel wurde statisch, weil man bei Ballgewinn schon Angst vor dem nächsten Ballverlust hatte. Niemand schien so genau zu wissen, wie man dem eigenen Spiel Impulse geben könnte.

Am Ende blieben nach dem insgesamt recht vielversprechenden Trainingslager drei lustlose, uninspirierte Partien, die allesamt verloren wurden. Konnte man sich beim Wintercup noch mit der relativen Stärke der Gegner und den kurzfristigen Verletzungsproblemen herausreden, war das Spiel in Rostock ein Offenbarungseid. Gegen einen zweitklassigen Gegner boten gerade die Spieler, die um ihre Einsatzchancen in der ersten Elf kämpfen müssten, eine miserable Leistung. Trainer und Manager waren nach dem Spiel mehr als nur angefressen und die nun doch sehr kurzfristigen Abgänge von Sandro Wagner und Andreas Wolf wirken vor diesem Hintergrund wie Frustverkäufe. Dabei machen beide Transfers durchaus Sinn. Wagner blieb in seinen Leistungen zu unbeständig, um ein verlässlicher Backup für den Angriff zu sein. Wolf spielte eine recht solide Hinrunde, steht nun aber hinter Naldo, Sokratis und Prödl nur an vierter Stelle der Hackordnung bei den Innenverteidigern. Mit Silvestre kommt zudem ein weiterer Abwehrspieler hinzu. Quantitativ und qualitativ kann Werder diese Abgänge auch ohne Ersatz gut wegstecken. Zudem werden die Gehaltskosten schon jetzt gesenkt, was mehr Spielraum für Neuzugänge und/oder Vertragsverlängerungen lässt.

Überdecken die Rückkehrer die Probleme?

Eine der wichtigsten Fragen vor der Rückrunde ist: Kann Thomas Schaaf sein System bei Werder wieder so perfektionieren, dass man damit auch gegen die großen Gegner mithalten kann? Die oben angesprochenen Probleme sind Indizien dafür, dass es ein sehr steiniger Weg wird. Man ist auch weiterhin stark von der individuellen Klasse einzelner Spieler abhängig. Doch es ist bei weitem nicht alles schlecht bei Werder. Wenn die Umstellungen fruchten, sollte zumindest die A-Elf konkurrenzfähig im Kampf um die internationalen Plätze sein. Der Wechsel von Fritz ins rechte Mittelfeld war ein prägendes taktisches Element der Hinrunde. Nun könnte sein Wechsel zurück in die Viererkette das prägende Element der Rückrunde werden. Mit Ignjovski und dem aufstrebenden Trybull hat man wieder genügend Alternativen im Mittelfeld, die auch defensiv den Anforderungen der Raute gerecht werden. Vor allem aber kann Sokratis durch die Umstellung endlich in der Innenverteidigung eingesetzt werden.

Auf der 10er-Position wurde in der Winterpause wie erwartet Mehmet Ekici integriert. Er hat zwar noch immer nicht ganz sein großes Manko abgelegt, die Bälle zu lange zu halten, doch insgesamt wirkt sein Zusammenspiel mit den Kollegen nun stimmiger. Wenn er seine Tendenz dazu, das Spiel aus der Tiefe lenken zu wollen, unterdrücken kann, dürfte er für Werder in der Rückrunde ein wertvoller Spieler sein. Die technischen Qualitäten dazu hat er allemal. Die Hoffnung in den weiterhin indisponierten Marko Marin scheint man dagegen so langsam aufgegeben zu haben.

Trotz der Ausfälle von Naldo und Hunt scheint Werder zum Auftakt der Rückrunde zumindest personell gut gerüstet. Große Hoffnungen, dass man die in der Hinrunde ersichtlichen Problemfelder erfolgreich behoben hat, sollte man sich jedoch nicht machen.

P.S. Morgen um 17 Uhr findet der erste “offizielle” Grünweiß-Stammtisch statt. Zusammen mit Kata, Joey und Anna werde ich dort über Werders Rückrundenauftakt diskutieren.

Schaafs Lieblinge, Teil 2

Welche Spieler haben die meisten Tore unter Thomas Schaaf geschossen? Während seiner Amtszeit spielten einige personifizierte Tormaschinen bei Werder. Dass Claudio Pizarro, der beste Torschütze in Werders Bundesligageschichte, auf Platz 1 liegt, dürfte klar sein. Dahinter vervollständigt Ailton das Traumduo Pizza-Toni. Und dahinter?

Ich will euch nicht lange auf die Folter spannen, hier sind die erfolgreichsten Torschützen unter Thomas Schaaf:

Die besten Torschützen unter Thomas Schaaf

Schaafs Lieblinge, Teil 1

Thomas Schaaf hat in seiner nun zwölfeinhalb jährigen Tätigkeit bei Werder eine Vielzahl an Spielern eingesetzt. Doch wer waren eigentlich seine Lieblingsspieler? Nicht immer hat der Trainer die Wahl. Johan Micoud hätte er sicher gerne häufiger eingesetzt. Diego und Mesut Özil auch. Die meisten Einsätze hat wenig überraschend Torsten Frings gesammelt, der ingesamt neun Jahre unter Thomas Schaaf spielte, dicht gefolgt vom ewigen Kapitän Frank Baumann. Doch dahinter wird es schon schwieriger. Auf Tim Borowski könnte man trotz dessen Verletzungsgeschichte noch kommen. Aber welcher Stürmer kommt auf die meisten Spiele? Pizarro? Klasnic? Ailton? Wer hätte gedacht, dass alle drei nur zwei Spiele auseinander liegen.

Würde man aus den 11 Spielern mit den meisten Einsätzen unter Thomas Schaaf eine Mannschaft basteln, die im favorisierten Rauten-System spielt, würde sie so aussehen:

Die Spieler mit den meisten Einsätzen unter Thomas Schaaf

Verblasster Ruhm

Neulich in einem Bremer Fitnessstudio. Ein junges Paar steht auf dem Crosstrainer und unterhält sich. Auf dem Fernsehbildschirm vor ihnen läuft ein Bericht über das Dschungelcamp und es entsteht folgender Dialog:

Er: “Ailton war mal Fußballprofi.”
Sie: “Wer?”
Er: “Das ist der da.” (zeigt auf den Bildschirm)
Sie: “Was? DER war mal Fußballprofi???”

2004 ist länger her, als ich dachte…

Fluch beendet – Werder in Belek Tag 8

In der Reihe “Werder in Belek” berichtet Gastautor Sebastian Cario täglich in kleinen Notizen aus dem Trainingslager der Bremer.

Am heutigen Tag wurde trotz aller widrigen Umstände endlich wieder gewonnen. Und das in der Türkei, in einem „Auswärtsspiel“. Da das Vormittagstraining keine besonderen Erkenntnisse brachte und nur die zuhause gebliebenen Spieler länger trainierten, möchte ich diesen Eintrag ganz dem Test gegen Alkmaar widmen.

Im Vorfeld des Spiels ging es in der Planung drunter und drüber. Gestern wurde der Anpfiff des Spiels auf Bitten von Alkmaar erst eine Viertelstunde und kurze Zeit später um eine halbe Stunde nach hinten verlegt. Heute dann die nächste Hiobsbotschaft, der Platz in Antalya war durch die starken Regenfälle der letzten Tage unbespielbar geworden. Doch – und das ist das schöne hier in Belek – fand sich dank unzähliger Stadien schnell Ersatz. Das Spiel fand direkt hier in Belek auf dem Trainingsplatz des Calisto Hotels statt. Jener Platz, der von Alkmaar zum Training genutzt wird. Es sollte also doch ein „Auswärtsspiel“ werden.

Trainer Schaaf gab einigen Akteuren eine Pause, so dass neben Düker, Wagner und Wesley auch Marin, Trinks, Wolf, Rosenberg und Wiese nicht im Kader standen. Gespielt wurde im bekannten 4-4-2 mit Raute und Spielmacher Ekici. In die Startaufstellung wechselten im Vergleich zum letzten Testspiel am Montag gegen Anderlecht nur Mielitz und Arnautovic, sonst änderte sich nichts.

Aufstellung

Mielitz
Fritz – Prödl – Sokratis – Schmitz
Iggy – Bargfrede – Trybull
Ekici
Arnautovic – Pizarro

Bank: Vander, Silvestre, Kroos, Boenisch, Thy, Füllkrug

Spielbericht

Die ersten 15 Minuten gehörten klar dem holländischen Tabellenführer, der sehr körperbetont zur Sache ging. Vor allem Ekici hatte mit dieser Spielweise so seine Probleme. Echte Chancen erspiele sich der AZ zu dieser Zeit allerdings nicht. Das Spielgeschehen wendete sich aber, als Pizarro in der 19. Minute Ekici auf dem rechten Flügel in abseitsverdächtiger Position freispielte und dieser bis zur Grundlinie durchgehen konnte. In der Mitte startet Arnautovic, konnte den guten Pass des Deutschtürken allerdings nicht im Tor unterbringen.

Marko Arnautovic

Es war nicht der Tag des Marko Arnautovic / Bild www.andreasgumz.com

Diese Aktion war die Initialzündung für einige weitere Torversuche. In der 21. Minute setzte Pizarro die Innenverteidigung unter Druck, gewann den Ball und scheiterte dann freistehend vor dem gut reagierenden Keeper. Auch der Nachschuss von Ekci wurde vom Torwart pariert. Eine solche Möglichkeit lässt sich der Peruaner normalerwiese nicht nehmen. 26 Minuten waren gespielt, als es das erste Mal lichterloh in der Werderabwehr brannte. Martens setzte sich in der Mitte durch, übersah jedoch einen startenden Mitspieler. Sein zu eigensinniger Schuss verfehlte das Tor deutlich. Nach gut einer halben Stunde übernahm Alkmaar wieder das Zepter, ohne jedoch klare Torchancen herauszuspielen.

Mit tatkräftiger Unterstützung des Schiedsrichters gingen die Holländer in der 41. Minute in Führung. Er hatte überraschend auf den Punkt gezeigt, als US-Stürmerstar Altidore nach einem Zweikampf mit Sokratis im Strafraum zu Fall kam. Elm verwandelte den fälligen Strafstoß in den linken Winkel. Mielitz war trotz richtig antizipierter Ecke chancenlos. Die nächste Hiobsbotschaft folgte auf dem Fuß, als Bargfrede in der 42. Minute mit einer Beckenprellung ausgewechselt werden musste. Für ihn kam Felix Kroos ins Spiel und übernahm die Position von Trybull, der auf die 6 rückte. Doch die richtige Antwort gab Werder sofort auf dem Platz. Fritz spielt Pizarro auf der rechten Seite frei, der zog nach innen und scheiterte erneut am Torwart. Den Abpraller schob Ekici mit viel Übersicht aus gut 12 Metern ins kurze Eck ein. Mit einem 1:1 ging es in die Pause.

In der Halbzeit wechselte Alkmaar das komplette Team aus, so dass sich die Bremer elf neuen Spielern gegenüber sahen. Werder kam wach aus der Kabine und erarbeitete sich wenigen Minuten nach Wiederanpfiff einen Eckball. Schmitz brachte diesen auf den lange Pfosten, wo Prödl zum Kopfball hochstieg und zur Führung traf. Der Ball war direkt unter der Latte eingeschlagen, keine Chance für den AZ-Keeper. In der 53. Minute wurde Arnautovic auf dem rechten Flügel geschickt, seine Flanke aus vollem Lauf verfehlte Pizarro aber leider um wenige Zentimeter. 63 Minuten waren gespielt, als Werder doppelt wechselte. Für Fritz kam Boenisch nach einem Jahr und neun Monaten zu seinem Comeback. Für Schmitz betrat Nachwuchsmann Hartherz das Spielfeld. Werder ließ sich nun etwas hinten hineindrängen, ohne dass aber echte Torchancen entstanden.

Tom Trybull

Tom Trybull und Schlussmann Mielitz: Garanten für den Sieg / Bild www.andreasgumz.com

In der 71. Minute durften auch die restlichen Feldspieler von der Bank aufstehen. Für Pizarro, Anautovic und Torschütze Prödl, kamen Thy, Füllkrug und Silvestre. Die erste Aktion der Sturmfraktion „Jugend forscht“ war gleich sehr sehenswert. Füllkrug hatte sich im Zusammenspiel mit Thy in der Mitte durchgesetzt und konnte nur noch mit einem Foul knapp außerhalb des Sechzehners gestoppt werden. Den fälligen Freistoß schoss Silvestre allerdings in den Beleker Abendhimmel. In der 80. Minute gab es erneut einen Freistoß aus gefährlicher Position, etwa 22 Meter zentral vor dem Tor der Holländer. Ekici verfehlte mit einem guten Schuss nur um Zentimeter das Tor. Auf der Gegenseite fiel in der 82. Minute aus dem Nichts fast der Ausgleich. Silvestre spielte einen Katastrophenpass quer vor dem eigenen Sechzehner in die Füße von Boymans, der mutterseelenallein auf Mielitz zulief. Der Werder-Keeper wartete lange und fischte dann den Schuss aus dem unteren Eck. Eine Riesentat!

Werder hatte in der Offensive nun viel Platz und nutzte das auch konsequent aus. Thy und Füllkrug spielten einige gefällige Kombinationen und kamen noch zu einer Reihe (86. Füllkrug, 88. Kroos, 91. und 92. Thy) guter Möglichkeiten. Im Abschluss fehlte leider die nötige Genauigkeit, um den Sack endlich zuzumachen. Es ist unklar, welche Motivation der türkische Schiedsrichter hatte, um handgestoppte 9 Minuten und 58 Sekunden nachspielen zu lassen, aber es brannte trotz dreier lächerlicher Freistöße in guter Position für den AZ nichts mehr an. Werder gewann verdient mit 2:1 und brach den „Fluch von Belek“.

Schaaf an der Seitenlinie

Diskussionen an der Seitenlinie über 10 Minuten Nachspielzeit / Bild www.andreasgumz.com

Analyse

Insgesamt war das Tempo der Partie und der Einsatz der Akteure – für ein Testspiel wohlgemerkt – sehr hoch. Werder begann etwas verhalten, bekam aber mit der Spieldauer den Gegner besser in den Griff. Die Abstimmung in der Defensive klappte heute schon sehr gut, Prödl führte die Abwehrreihe mit klaren Kommandos. Allerdings waren Chancen vor allem in Halbzeit eins doch eher Mangelware. Das körperbetonte Spiel der Holländer war für Ekici eine Nummer zu reboust, häufig wurde der Spielgestalter mit Fouls gestoppt. Im zweiten Durchgang bot die Hintermannschaft des AZ deutlich mehr Räume, die Füllkrug und Thy aber nicht in Zählbares umsetzen konnten.

Es war gut zu sehen, welche „Dinge“ (Zitat Schaaf) im Training geübt und nun im Testbetrieb umgesetzt wurden. Freistöße, Ecken, Defensivverhalten, Spieleröffnung. Alles Punkte, die langsam fruchten. Endlich konnte auch mal wieder ein Treffer nach einer Ecke erzielt werden, hier ist Werder seit langer Zeit sehr ungefährlich. Die Chancen für den AZ über das ganze Spiel gesehen waren wirklich übersichtlich, sodass getrost von einem verdienten Sieg gesprochen werden kann. Auch wenn der AZ Alkmaar zwei verschiedene Mannschaften auf den Platz schickte, war dies ein echter Härtetest und ein erkenntnisreiches Spiel.

Einzelbewertung

Mielitz – Note 2+
Sicher in allen Aktionen und löste viele Situationen spielerisch. Beruhigte auch ab und an das Spiel. Rettete den Sieg mit Riesentat gegen Boymans.

Fritz (bis 63.) – Note 3-
Hinten meist sicher, nach vorne mit einigen guten Pässen, aber ohne sich selbst einzuschalten. Wirkte in Halbzeit zwei platt und ging alsbald vom Feld.

Prödl (bis 71.) – Note 2+
Dirigierte die Abwehr und stand sehr sicher. Machte beim Kopfball alles richtig. Einmal zu weit weg vom Gegenspieler.

Sokratis – Note 1-
Zweikampfstark und kompromisslos im Spiel. Die Gegenspieler sahen kein Land gegen ihn. Leider „verschuldete“ er den Elfmeter zur AZ-Führung, der nicht in die Bewertung eingeht.

Schmitz (bis 63.) – Note 3+
Tolle Ecke zur Führung. Hinten nur einmal überlaufen. Bot sich immer wieder an, wurde aber selten in die Laufwege geschickt. Kam mit Kroos im linken Mittelfeld nicht gut klar.

Bargfrede (bis 42.) – Note 3-
Bis zu seiner Auswechslung unauffällig. Ohne große Fehler im Spielaufbau, aber oft zu weit weg vom Geschehen.

Ignjovski – Note 1-
Kämpfte, biss, rackerte! In Halbzeit zwei mit etwas mehr Platz noch auffälliger. Ging weite Wege und brachte sich immer wieder in das Spiel ein.

Trybull – Note 2-
Im linken Mittelfeld unauffällig, konnte der Aushilfskapitän auf der 6 sein wahres Potenzial zeigen. Sehr gut im direkten Passspiel. Mit nur kleinen Fehlern im Spielaufbau.

Ekici – Note 2
Gute Ideen, überlegter Abschluss zum Ausgleich. Konnte häufig nur mit Fouls gestoppt werden. Hielt ab und zu den Ball zu lang.

Arnautovic (bis 71.) – Note 4-
Viele Ballverluste und ungenaue Pässe. Vergab seine beste Möglichkeit und glänzte auch nur einmal mit toller Vorlage für Pizarro. Konnte seinen Körper nie richtig einsetzen.

Pizarro (bis 71.) – Note 3
Ging weite Wege aber glücklos im Abschluss. Erarbeitete sich Chancen selbst und leitete Angriffe mit ein.

Kroos (ab 42.) – Note 3-
Im linken Mittelfeld überfordert und zu weit weg im Defensivverhalten. Mit ein paar guten Pässen. Schade, dass sein sehenswerter Fernschuss das Ziel knapp verfehlte.

Boenisch (ab 63.) – Note 2-
Gutes Comeback vom „Bouncer“. Kochte hinten alles ab und war nur einmal unaufmerksam. Brachte sich häufig in die Offensive mit ein.

Hartherz (ab 63.) – Note 3
Brauchte 10 Minuten, um sich bei seinem Profidebut im Spiel zurechtzufinden. Blieb meist Zweikampfsieger und machte seine Seite zu. Traute sich auch gegen Ende auch nach vorn.

Füllkrug (ab 71.) – n. z. b.
War sofort im Spiel und kombinierte hervorragend mit Thy. Nutzte seine Chancen leider nicht eiskalt aus. Muss körperlich noch etwas zulegen.

Thy (ab 71.) n. z. b.
Deutete an, dass er großes Spielverständnis und Zug zum Tor hat. Lies aber wieder zu viele Möglichkeiten ungenutzt.

Silvestre (ab 71.) n. z. b.
Häufig zu weit weg vom Gegner. Verursachte beinahe den Ausgleich durch einen Fehlpass vor der Abwehr.

Vorzeigefantour – Werder in Belek Tag 7

In der Reihe “Werder in Belek” berichtet Gastautor Sebastian Cario täglich in kleinen Notizen aus dem Trainingslager der Bremer.

Der heutige Tag wurde für die Mannschaft von zwei Trainingseinheiten geprägt, die um 11:00 und 17:00 Uhr stattfanden. Am Vormittag bekam die Startelf vom gestrigen Test gegen Anderlecht eine Pause und regenerierte im Hotel. Auch Naldo und Avdic fehlten weiter verletzt. Die verbliebenen acht Akteure trainierten erst Kurzpässe, dann 6 gegen 2 und suchten später den Abschluss in Überzahlsituationen. Bemerkenswert war für mich, dass Füllkrug eine sehr gute Physis mitbringt und die Bewegungen extrem rund und leichtfällig aussehen. Trinks konnte einige gute Torschüsse zeigen, die unhaltbar im Kasten von Miele und Düker einschlugen.

Am Nachmittag war dann wieder gesamte Kader auf dem Trainingsplatz, um in vielen kleineren Übungen die Beweglichkeit, erneut das Kurzpassspiel und den Torabschluss zu verbessern. Anschließend wurde “gegen” ein Team aus Pappkameraden gespielt. Hier sollten die Lauf- und Passwege, sowie das grundlegende Aufbauspiel verbessert werden. Im A-Team sah das auch schon ganz gut aus. Es war gut zu erkennen, das Schaaf weiterhin auf die Raute setzt, auch wenn Trybull und Iggy ihre Rollen in den bisherigen Trainingseinheiten und Spielen deutlich defensiver interpretieren und im Rückwärtsgang häufig zu einer Dreierreihe aus 6ern mutierten.

Spiel gegen Pappkameraden

Nach den Eindrücken von heute kann davon ausgegangen werden, dass Schaaf zum morgigen Test gegen den AZ Alkmaar wieder auf eine ernsthafte Formation aus Stammspielern setzt. Sollte Arnautovic morgen seine Erkältung auskuriert haben, bekommt er sicher ebenfalls Spielpraxis. Heute wechselte er sich im Pappkameradenspiel mit Pizarro und Rosenberg ab. Mit folgender Startformation ist zu rechnen:

Wiese
Fritz – Prödl – Sokratis – Schmitz
Iggy – Bargfrede – Trybull
Ekici
Rosenberg/Arnautovic – Pizarro

Gladbacher Vorzeigefantour

Heute morgen konnte ich im Weser-Kurier eine Lobhudelei auf die Fanreise von Gladbach lesen, die ich hier gerne einmal kommentieren möchte. Dort fanden sich ein paar interessante Aussagen:

„Der Gladbacher Anhang hat seit Sonntagabend noch eine weitere Möglichkeit, gegen die Kollegen aus Bremen zu sticheln. Denn auch die etwa 200-köpfige Borussen-Schar in Belek bekam Besuch im “Voyage” – und das gleich vom kompletten Gladbacher Kader. Werders Fans staunten nicht schlecht, als ihnen plötzlich Reus, Dante, Favre und Co. über den Weg liefen. Für Gladbachs Anhänger dagegen sind solche Fan-Abende mit der gesamten Mannschaft gute Tradition.“

Ich habe mich selbst inkognito auf dieser Veranstaltung eingefunden, um davon einen Eindruck zu bekommen. Ich muss ehrlich sagen, dass mir diese Form des Zusammentreffens nicht gefallen hätte. 200 Fans mit den Spielern in einem dunklen, stickigen und überfüllten Raum? Was sollte das? Eine normale Konversation war durch Musik und Geräuschkulisse nicht möglich und ständig drängelten sich Menschen an einem vorbei. Der Trainerstab fehlte übrigens komplett. Es mag Geschmacksache oder auch die Werderbrille sein, aber für mich war unsere, wirklich sehr offene Fragerunde mit Kapitän Fritz, Co-Trainer Rolff und Frank Baumann um einige Klassen besser. Des Weiteren haben wir Werderfans hier in Belek jeden Tag nach den Trainingseinheiten die Möglichkeit, Fotos mit den Spielern zu machen, Autogramme zu ergattern oder einen kleinen Schnack abzuhalten. Ich glaube auch nicht, dass es den Gladbach-Spielern übermäßig viel Spaß bereitet hat, im Gedränge den Fans ausgesetzt zu sein. Übrigens haben wir eine Führung durchs Mannschaftshotel bekommen und durften Räume besuchen, die nicht einmal die Presse gesehen hat. Bei Gladbach gibt es so etwas nicht.

„Organisiert und betreut wird die Reise wie bei Werder von Fan-Beauftragten, gekostet haben die acht Tage Belek 430 Euro inklusive Flug. Zum Vergleich: Das Bremer Angebot (über neun Tage) lag bei 589 Euro im Doppelzimmer.“

Das es diesen Preisunterschied gibt ist richtig, aber im Unterschied zu Gladbach reisen die Werderfans in der Chartermaschine der Mannschaft. Eine Boeing 737-800 ist nun einmal nicht das allergünstigste Verkehrsmittel, somit ist der Preisunterschied auch ein Leistungsunterschied. Übrigens: Die Betreuung unserer Fans ist wirklich erstklassig, Julia und Till reißen sich echt den Arsch für uns auf und erfüllen jeden Wunsch.

Mannschaftsfoto mit Werderfan Christian und Ehefrau Regina

Mannschaftsfoto mit Werderfan Christian und Ehefrau Regina

Heute gab es noch eine Aktion, die vielleicht zeigt, wie eng Mannschaft und Fans verbunden sind und dass das Gladbacher-Modell vielleicht doch nur über die Tatsache hinwegtäuscht, dass es in der Normalität kein familiäres Verhältnis zwischen Mannschaft, Offiziellen und Team gibt. Fan Christian wurde gestern 60 Jahre alt und erhielt nach den persönlichen Glückwünschen von Allofs und Schaaf ein “privates” Mannschaftsfoto. Werder-Familie at its best!

Und sonst so? Es gab heute Gerüchte über einen Abgang, der unmittelbar bevorsteht. Dazu morgen mal einen Blick in die [sic] BILD werfen…

Suboptimales & Anderlecht – Werder in Belek Tag 6

In der Reihe “Werder in Belek” berichtet Gastautor Sebastian Cario täglich in kleinen Notizen aus dem Trainingslager der Bremer.

Am heutigen Morgen trat wie gewohnt um 11:00 Uhr – bis auf die weiterhin verletzten Naldo und Avdic – die komplette Mannschaft auf den Trainingsplatz. Nach ein paar lockeren Aufwärmübungen wurde in drei Gruppen das Kurzpassspiel trainiert. Danach war für den Kader des Testspiels gegen Anderlecht am Nachmittag schon Schluss. So verblieben nur die Nichtnominierten. Neben Vander, Düker, Hartherz, Füllkrug, Thy, Kroos und Boenisch, reihte sich auch überraschend Arnautovic in die Garde der Aussortierten ein.

Arnautovic nicht für Test nominiert

Warum der Österreicher nicht für das Spiel nominiert wurde, zeigte sich bereits nach den ersten 10 Minuten 4 gegen 4 auf Kleinfeld mit Großtor: Der Stürmer war schon völlig aus der Puste und konditionell am Ende. Auch die „aufmunternden Worte“ von Matthias Hönerbach halfen nichts, der Nationalspieler konnte und wollte nicht mehr. Mit „Dann musst Du mal früher ins Bett gehen und mehr schlafen.“ und „Wenn Du krank bist, dann musst Du zum Doc gehen und Dich krankschreiben lassen, hier ist jetzt Training.“ versuchte der Co-Trainer sanften Druck aufzubauen. Was erst nach latenter Lustlosigkeit klingt, entpuppte sich schnell als Erkältung, die ihn die Luft zum Atmen nahm und für reichlich Frustration sorgte. Nach all den positiven Meldungen der letzten Wochen, ist dies ein kleiner Rückschlag, den der Stürmer aber wegstecken sollte. Suboptimal bleibt es trotzdem.

Testspiel gegen Anderlecht

Am Nachmittag um 15:00 Uhr stand dann das Testspiel gegen den RSC Anderlecht an. Schaaf setzte dabei genau auf die Formation, die bereits in den letzten Trainings das A-Team stellte.

Wiese
Fritz – Prödl – Sokratis – Schmitz
Iggy – Bargfrede – Trybull
Ekici
Rosenberg – Pizarro

Einen ausführlichen Spielbericht gibt es hier. Ich möchte mich mehr der Analyse der 1:2 Testspielniederlage widmen.

Kurzzusammenfassung

Markus Rosenberg

Markus Rosenberg mit dem Abschluss zum 1:0 / Bild: Andreas Gumz

Erst nach gut 10 Minuten fanden beide Teams richtig ins Spiel. Werder machte ordentlich Druck und ging nach 33 Minuten verdient in Führung, als Rosenberg nach einem starken Zuspiel von Ekici einnetzte. Vor der Pause hätten die Werderaner die Führung noch deutlicher gestalten müssen, aber Trybull (Fernschuss) und Pizarro (nach Freistoßvariante) scheiterten am guten Keeper der Anderlechter.

Nach der Pause drehte sich das Bild grundlegend und Werder gab die Partie ab der 60. Minute völlig aus der Hand. Nachdem die Belgier schon ein paar Chancen liegenließen, hob Wolf in der 73. Minute das Abseits auf und ermöglichte so den Ausgleich durch Jakowenko. Ein weiterer Angriff über die linke Abwehrseite brachte in der 87. Minute den hochverdienten Siegtreffer. Mit zwischenzeitlich zwei weiteren Aluminiumtreffern der Anderlechter war Werder noch gut bedient, nicht höher verloren zu haben.

Claudio Pizarro

Claudio Pizarro blieb torlos / Bild: Andreas Gumz

Insgesamt war deutlich zu merken, dass ein Mittelfeld mit Marin, Trinks und Wesley defensiv viel zu schwach ist. Bargfrede allein konnte in der 2. HZ die Löcher nicht mehr stopfen, die seine Vorderleute hinterließen. Ein konditioneller Einbruch durch das harte Training – wie so häufig angeführt – war aus meiner Sicht jedenfalls nicht die Ursache für die Niederlage. Die Leistung vor der Pause macht allerdings Hoffnung, dass Werder die Defensive noch stabilisieren kann, auch wenn die Belgier nicht wirklich Ernst machten. Größter Kritikpunkt ist die Spieleröffnung aus der Verteidigung und dem defensiven Mittelfeld. Hier agierte Werder schon vor der Pause nicht sehr gut und in der zweiten Halbzeit war keine Spieleröffnung mehr zu sehen. Des Weiteren ging jede Aktion durch die Mitte, das Flügelspiel ist anscheinend abgeschafft.

Einzelkritik

Tim Wiese – Note 3-
Hielt was zu halten war. Sah schlecht aus, als er einen Freistoß unterschätzte, der vom Gegner gefährlich verlängert wurde und eine gute Gelegenheit ergab. Verwarf sich einmal bei dem Versuch, das Spiel schnell zu machen.

Clemens Fritz – Note 4+
Defensiv stand er 80 Minuten lang sicher, kam aber kaum aus der eigenen Hälfte. Lies sich am Ende ein paar Mal überlaufen. Für einen Leader gab er zu wenige Anweisungen auf dem Platz.

Sebastian Prödl – Note 2-
Räumte viel weg und gab die Kommandos in der Abwehr. Ein paar Mal zu ungeschickt, sodass sich gute Freistoßsituationen ergaben.

Sokratis (bis 68.) – Note 3-
Hatte bis zu seiner Auswechslung die Gegenspieler im Griff. Kleinere Probleme bekam er nur bei hohen Bällen.

Lukas Schmitz (bis 76.) – Note 3
Der aktivere der beiden Außenverteidiger, aber noch immer kein Maicon. Eroberte durch gute Übersicht einige Bälle. Hinten mit nur ganz wenigen Unsicherheiten.

Philipp Bargfrede – Note 4
War sehr aktiv, aber auch mit haarsträubenden Fehlpässen. Räumte im Rückwärtsgang vieles ab. In Halbzeit zwei von seinen Vorderleuten im Stich gelassen.

Alexander Ignjovski (bis 45.) – Note 4
Hatte nur wenige gute Szenen in der Offensive. Lief viel, aber ging nicht mit dem letzten Willen zum Ball. Wirkte angeschlagen und gehemmt.

Tom Trybull (bis 45.) – Note 3-
Schaltete sich immer wieder in die Angriffe mit ein und spielte mit guter Übersicht. Nicht alles gelang, aber der Nachwuchsmann war sehr konzentriert bei der Sache. Könnte die Alternative für den verletzten Hunt werden.

Mehmet Ekici (bis 45.) – Note 2
Gutes Spiel des Türken, dem einige kluge Pässe gelangen. Auch die Freistöße und Ecken kamen gefährlich vor das Tor. Manchmal noch zu behäbig im Umschalten.

Mehmet Ekici

Mehmet Ekici machte ein gutes Spiel / Bild: Andreas Gumz

Markus Rosenberg – Note 2-
Nutzte seine beste Möglichkeit eiskalt aus. Vergab aber eine weitere mit einem zu harmlosen Abschluss, als niemand mitgelaufen war. Könnte noch ein paar Wege mehr gehen und wirkte am Ende sehr platt.

Claudio Pizarro (bis 68.) – Note 3+
Holte sich viele Bälle aus dem Mittelfeld und bot sich immer wieder an. Vergeigte leider seine beste Chance im Spiel.

Wesley (ab 45.) – Note 6
War fünf Minuten lang sehr aktiv, verlor aber danach erst die Übersicht und dann jeden Zweikampf. Kam mit der Spieleröffnung gar nicht klar und spielte nur nach hinten.

Marin (ab 45.) – Note 5-
Wurde von den Belgiern robust abgekocht und ging in der Mitte völlig unter. Hatte immerhin ein paar gute Szenen, aber blieb letztendlich ohne Idee nach vorne.

Wolf (ab 68.) – Note n. z. b.
Hob beim Ausgleich das Abseits auf und sah auch beim zweiten Treffer nicht gut aus.

Trinks (ab 68.) – Note n. z. b.
War nicht zu sehen und hatte kaum Ballkontakte. Kam nie wirklich im Spiel an.

Wagner (ab 68.) – Note n. z. b.
Vergab seine beste Möglichkeit – nachdem er sich gut durchgesetzt hatte – viel zu eigensinnig. Rackerte viel, blieb aber ohne Fortune.

Silvestre (ab 78.) – Note n. z. b.
Der erste Einsatz seit Mai 2011. Spielte routiniert und suchte in der Schlussphase auch mal den Weg nach vorn.

Es bleibt zu hoffen, dass der Test am Mittwoch gegen den starken AZ Alkmaar besser wird.

Und sonst so? Junuzovic soll kurz vor einem Wechsel nach Bremen stehen.

Disclosure: Die Bilder zum Spiel wurden freundlicherweise von Andreas Gumz bereitgestellt. Danke!

Gute Nachrichten – Werder in Belek Tag 5

In der Reihe “Werder in Belek” berichtet Gastautor Sebastian Cario täglich in kleinen Notizen aus dem Trainingslager der Bremer.

Heute Vormittag gab es erst einmal eine Reihe von guten Nachrichten: Boenisch und Trinks kehrten ins Mannschaftstraining zurück, die Sonne lachte über Belek und Naldo bestätigte das Kommunikee aus Brasilien in dem er bekannt gab, dass ein Transfer in der Winterpause endgültig vom Tisch ist. Eigentlich ein guter Start in den Tag. Wären da nicht die anderen Sorgen um Naldo, der – wie via Twitter bereits gestern angekündigt – nicht trainieren konnte und sich weiterhin mit Problemen im linken Knie herumschlägt.

Im Vormittagstraining wurden zuerst Sprints und schnelle Ballfolgen trainiert, um dann mit handballgroßen Spielgeräten die Technik und das Passspiel zu verbessern. Die Verlierergruppe durfte zur Belohnung auch noch für die Arm- und Rückenmuskulatur arbeiten, in dem sie ein paar unfreiwillige Liegestütze machten. Im Anschluss wurde noch ein Testspiel mit fester Raumzuordnung (Spieler durften ihre Zone nicht verlassen) durchgeführt. Hier wurde in etlichen 3 gegen 2 Situationen klar, dass vor allem unser Torabschluss und der letzte Weg dorthin noch stark verbesserungswürdig sind.

Pünktlich zum Trainingsstart lies sich auch einmal wieder die Sonne sehen

Pünktlich zum Trainingsstart lies sich auch einmal wieder die Sonne sehen

Am Abend wurden Sprints und Standardsituationen geübt. Auch hier war klar zu erkennen, dass diese nicht zu unseren Stärken gehören. Allerdings wurden am gestrigen Vormittag in der Hotelhalle neue Varianten einstudiert, die nun nochmal einem echten Praxistest unterzogen wurden. Eine Trainingseinheit zu diesem Thema erscheint aber viel zu wenig, von Erfolg waren die Varianten jedenfalls nur selten gekrönt. Ein kleines Trainingsspiel sollte das Programm abrunden. Gespielt wurde in den folgenden Formationen:

Team A:

Wiese
Fritz – Sokratis –Prödl – Schmitz
Iggy – Bargfrede – Trybull
Ekici
Pizarro – Rosenberg

Team B:

Mielitz
Boenisch – Silvestre –Wolf – Hartherz
Kroos – Wesley – Trinks -Marin
Wagner (2. HZ Füllkrug) – Arnautovic (2. HZ Thy)

Der Spielverlauf gibt relativ wenig her, da Schaaf immer wieder unterbrach und verschiedene Standards in das Spiel einbaute. Das A-Team gewann durch einen „typischen Rosenberg“ in der letzten Spielminute: Der Schwede wurde geschickt, nahm den Ball mit Geschwindigkeit an, überlief Hartherz und zog dann flach ins lange Eck ab. Nachdem Spiel wurde noch bekannt, dass Avdic das Training mit Leistenbeschwerden abbrechen musste. Schade um den Schweden, der einfach nicht zu seiner Form finden will.

An diesem doch eher ereignislosen Tag waren wir in den Katakomben des Mannschaftshotels und ich zeige Euch nun, wie die Spieler so leben und das Trainingslager organisiert ist.

Vom Winde verweht – Werder in Belek Tag 4

In der Reihe “Werder in Belek” berichtet Gastautor Sebastian Cario täglich in kleinen Notizen aus dem Trainingslager der Bremer.

Nach dem Regen folgte nun auch der Sturm und machte einem geordneten Trainingslager einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Schon die für den Vormittag um 11:00 Uhr angesetzte Trainingseinheit musste wegen orkanartigen Böen, Gewitters und Platzregen abgesagt werden. Die Spieler tobten sich stattdessen im Kraftraum des Hotels aus. Kurz darauf folgte die nächste Hiobsbotschaft: Das für 15:00 Uhr geplante Testspiel gegen Pakhtakor Tashkent wurde ebenfalls wegen des Wetters abgesagt. Auch wenn Allofs mit der Aussage, dass das Spiel abgesagt worden sei, „da es fußballerisch bei dem Sturm keinen Wert gehabt hätte.“ eine ungewollte Doppeldeutigkeit mit in das Statement einbaute, bezog er sich letztendlich doch nur auf Wetterverhältnisse.

Das Spiel wird aller Voraussicht nach auch nicht kurzfristig nachgeholt werden können. Auch wenn dieser Kick für die Vorbereitung ein Muster ohne Wert gewesen wäre, so hätte es doch interessante Einblicke in die Mannschaft der Rückrunde geben können und dem Trainer die Möglichkeit, dass sich jeder Spieler über die drei Partien zumindest einmal länger zeigen kann. Diese Option ist nun dahin und es bleibt abzuwarten, ob in den beiden ausstehenden Spielen wirklich noch der gesamte Kader zum Einsatz kommt. Eine ideale Vorbereitung ist dies auf keinen Fall.

Der Sturm forderte auch in der Hotelanlage des Voyage seinen Tribut

Der Sturm forderte auch in der Hotelanlage des Voyage seinen Tribut

Statt des Spiels gegen den usbekischen Rekordmeister wurde – wie auch schon am gestrigen Tag – ein Trainingsspiel durchgeführt. Trainer Schaaf lies dabei zwei Mal dreißig Minuten spielen. Neben Trinks (weiterhin Knieprobleme), Naldo und Avdic (leichtes Training mit den Torhütern Vander und Düker), fehlte auch Sebastian Boenisch. Nach Angaben von Schaaf leidet er unter Schmerzen im operierten Knie, welches ihn schon seit September 2010 außer Gefecht setzt. Es soll sich dabei allerdings nur um eine Vorsichtsmaßnahme handeln und der Spieler erst einmal geschont werden.

Aufstellungen

Team A:

Wiese
Fritz – Sokratis – Prödl – Schmitz
Iggy – Bargfrede – Trybull
Ekici
Pizarro – Rosenberg

Team B:

Mielitz
Thy – Silvestre – Wolf – Hartherz
Kroos – Wesley – Füllkrug – Marin
Wagner – Arnautovic

Spielverlauf

Nach einem kurzen Abtasten fiel bereits der erste Treffer. Pizarro hatte sich auf der linken Seite des Strafraums gegen Thy durchgesetzt und drang weiter in den Sechzehner ein, um mit einer einzigen, raffinierten Körpertäuschung sowohl Wolf als auch Mielitz zu narren und den Ball an beiden vorbei einzuschieben. Danach plätscherte das Spiel eine Weile vor sich hin, ohne dass eine der Mannschaften ein Übergewicht erarbeiten konnte. Die nächste Möglichkeit war dann auch der B-Elf vorbehalten, die nach etwa 15 Minuten etwas mutiger wurde. Wagner lies den Ball am Strafraum geschickt auf Marin durch, der zur Grundlinie zog und in die Mitte passte, wo Arnautovic angelaufen kam. Doch statt den Ball direkt zu verwerten, versuchte der Österreicher diesen nochmal vorzulegen und vergab damit die Möglichkeit kläglich. Der Winkel war einfach zu spitz geworden und Wiese auf dem Posten, um zur Ecke zu klären.

Der anschließende Eckball brachte dann – wenn auch etwas glücklich – doch den mittlerweile verdienten Ausgleich. Eine stramme Ecke von Hartherz wurde von einer Windböe erwischt, fiel wie ein Stein vom Himmel und wendete in Richtung Tor. Der indisponierte Wiese konnte zwar noch zurück zur Grundlinie hechten und das schlimmste verhindern, aber sein Abklatscher nutzte Silvestre und drückte den Ball die wenigen verbleibenden Zentimeter über die Linie. Ein Tor, welches so sicher nicht häufig zu beobachten ist und bei dem es schwerfällt, dem Schlussmann einen echten Vorwurf zu machen. Wiese und Wind passte heute einfach nicht zusammen. Und das galt für alle Spieler, die ihr Glück auf dem Rasen versuchten.

Kurz vor der Halbzeitpause brachte Rosenberg das A-Team erneut in Führung, nachdem Schmitz einen Sololauf am linken Flügel erfolgreich mit einer Hereingabe abschloss, die Rosenberg eiskalt verwertete. Die Mannschaften wechselten mit einem 2:1 die Seiten für die 2. Halbzeit.

Während die Spieler im Platzregen zurück ins Hotel laufen fahren die Trainer im Golfcar vorbei

Während die Spieler im Platzregen zurück ins Hotel laufen fahren die Trainer im Golfcar (Hintergrund) vorbei

Der zweite Durchgang begann sehr verhalten, es dauerte fast eine Viertelstunde, bis eine halbe Torchance heraussprang. Füllkrug wurde von Wesley in Szene gesetzt und schloss mit einem strammen Schuss aus 18 Metern halblinke Position ab, der aber leider etwas zu hoch angesetzt war. Im Anschluss zeigte Marin dann einmal seine Dribbelkünste und setzte sich gegen gleich drei Verteidiger durch. Der Abschluss war allerdings zu schwach und ging deutlich am langen Eck vorbei. Wieder einige Minuten später intensivierte die A-Elf nochmals die Offensivbemühungen und kam nach einer tollen Kombination über Pizarro, Rosenberg und Fritz zu einer guten Gelegenheit. Doch der Schuss des Rechtsverteidigers aus 14 Metern ging leider knapp über das Lattenkreuz. Den Schlusspunkt in einer eher ereignislosen zweiten Hälfte setzte dann nochmals Rosenberg, der eine sehenswerte Volleyflanke von Schmitz nach Hereingabe Ekici um einen Schritt verpasste und nicht mehr richtig hinter den Ball kam. So blieb der Halbzeitstand auch der Endstand.

Endstand A vs. B: 2:1 (2:1)
Torschützen: Pizarro, Silvestre, Rosenberg

Analyse

Die Wetterbedingungen ließen ein fehlerfreies Spiel kaum zu, so dass sich einige Situationen aus purem Zufall ergaben. Über die Extraklasse eines Pizarro müssen eigentlich keine Worte verschwendet werden, aber es ist einfach zu deutlich, dass der Peruaner sowohl in der Vorbereitung als auch im Abschluss in einer anderen Liga spielt. Keiner der 27 anderen hat diese Übersicht, Raffinesse und Coolness. Rosenberg arbeitete viel und belohnte sich mit seinem Tor, ist aber einfach nicht der Spieler, der selbst Akzente setzen kann. Ekici machte seine Sache ordentlich und zeigte einige gute Vorlagen, die leider aber nicht in Treffern resultierten. Sein Spiel erscheint oft noch zu behäbig, zwischen Ballannahme und Pass oder Schuss vergeht viel zu viel Zeit. Auch im Zweikampf erscheint er zu wenig robust zu sein. Diese Punkte bedürfen noch einiger Verbesserung.

Bargfrede wirkte am heutigen Tag etwas wacher als gestern, auch wenn ihm wieder einmal Trybull die Show stahl und mit viel Übersicht und Souveränität agierte. Dennoch sind die körperlichen Defizite des Nachwuchsmannes unübersehbar, hier braucht es (vgl. Causa Bargfrede) einfach noch Zeit, bis er ein ernsthafter Kandidat für die Startelf werden könnte. Die Abwehr der A-Elf machte ein tadelloses Spiel und lies nur eine einzige richtig gute Torchance zu. Schmitz und Fritz schalteten sich häufig in die Offensive mit ein und nutzen die Unerfahrenheit von Hartherz und Thy ein ums andere Mal schamlos aus. Wiese konnte sich kaum zeigen und sah beim Gegentor wirklich nicht gut aus.

Auf der Gegenseite arbeitete Wagner wieder einmal sehr intensiv und war immer wieder auch in der Defensivarbeit zu finden. Ein sehr engagierter Auftritt des derzeit dritten Stürmers. Dies kann von Arnautovic nicht behauptet werden. Der Österreicher trabte ehr lustlos über den Platz und vergab die beste Gelegenheit für die B-Elf, in dem er sich – wieder einmal – den Ball bei der Annahme zu weit vorlegte. Generell ist diese „Annahmevorlage“ eine Eigenart von Arnautovic, welche häufig zu beobachten ist und in bestimmten Situationen (z.B. viel Platz auf dem Weg zum Tor) auch Vorteile mit sich bringt und den Unterschied ausmachen kann. Im Strafraum selbst ist er aber viel zu verspielt und beweist zu wenig Zug zum Tor. Marin war heute deutlich öfter am Ball, auch wenn ihm wenig gelang. Gut waren die Aktionen ausschließlich, wenn er aus der Mitte des Spieles auf die Flügel flüchtete und Kross die zentrale Rolle überlies. Kross selbst gelang leider kaum etwas, sodass er sich zumeist mit dem sicheren Pass behalf. Sehr aktiv war heute Wesley, der so langsam etwas besser in Fahrt kommt. Auch ihm geht allerdings noch die schaafsche Passschnelligkeit ab, viele Bälle wurden bei Soloaktionen verloren.

Die Abwehrreihe der B-Elf hatte Probleme, wenn die A-Mannschaft mit Druck und Geschwindigkeit über die Flügel angriffen oder Pizarro seine technische Überlegenheit gegen Silvestre und Wolf ausspielte. Thy auf der Rechtsverteidigerposition einzusetzen ist wahrscheinlich nur dem Ausfall von Boenisch zu verdanken. Trotzdem gelang es ihm den Schaden zu begrenzen und die eine oder andere gute Rettungstat zu zeigen. Die fehlende Abstimmung in und taktische Kenntnis der Viererkette merkte man ihm nur selten an. Mielitz übernahm häufig das Kommando und korrigierte seine Vorderleute lautstark. Alles Haltbare fing unser zweiter Torwart ganz sicher weg.

Am Abend standen dann Co-Trainer Wolfgang Rolff, Kapitän Clemens Fritz und Frank Baumann noch für eine Fragestunde mit den Fans zur Verfügung. Hier sinngemäß die interessantesten Aussagen:

Fritz über die Nationalelf
Da ist für mich ein Haken dran. Ich verstehe das (Nichtnominierung A.d.R.) auch, da sind genügend junge Spieler die jetzt nachrücken. Ich hatte eine schöne Zeit dort, die ich sehr genossen habe und die EM war natürlich ein Highlight. Aber meine Zeit dort ist abgelaufen.

Fritz über Saisonziele
Klar wollen wir in den internationalen Wettbewerb, aber wir wollen jetzt auch keine Sterne vom Himmel holen. Die Champions League wäre mir natürlich noch lieber.

Rolff über Naldos Verletzung
Wir sind mit seiner Verletzung natürlich nicht happy. Heute hat er es versucht, aber am Ende sind wieder Beschwerden aufgetreten, so dass er morgen wieder pausieren wird.

Rolff über Ailton im Dschungelcamp
Ich hoffe dass er gewinnt und werde, wenn die Zeit es zulässt, auch mal einschalten.

Rolff, Fritz und Baumann standen Rede und Antwort

Rolff, Fritz und Baumann standen Rede und Antwort

Fritz über das Geld in der Mannschaftskasse
Die Kasse wurde lange von mir verwaltet, das macht jetzt aber Basti Prödl. Disziplin ist sehr wichtig für uns, wir bestrafen Zuspätkommen, falsche Klamotten, vergessene Dinge usw. Arni (Arnautovic, A.d.R.) gehört übrigens nicht zu den Topeinzahlern. Mit Hugo haben wir einen verloren, der die Kasse immer gut gefüllt hat. Mit den Einnahmen bedanken wir uns zu bestimmten Anlässen immer bei den vielen Leuten hinter dem Team, den Wäschefrauen, den Physios, dem Busfahrer usw.

Baumann über die Rolle von Beratern
Hat mir sehr geholfen, heute gibt es keinen sechzehnjährigen Spieler bei einem Profiklub mehr, der keinen Berater hat. Man muss aber aufpassen, ob der Berater wirklich nur im Interesse des Spielers handelt oder nicht einfach nur mitverdienen will.

Fritz über die Rolle von Beratern
Berater braucht man als gestandener Profi eigentlich nicht mehr, aber ich war früher sehr glücklich einen zu haben. Ich habe auch ein sehr freundschaftliches und vertrauensvolles Verhältnis zu meinem Berater. Es gibt sicher auch schwarze Schafe. Ein Berater muss aber auch mehr können als Verträge verhandeln. Versicherungen und Organisation sind da ein großes Thema.

Baumann über seine Rolle bei Transfers
Die Entscheidung trifft Klaus Allofs, ich bin aber bei einigen Gesprächen dabei. In meiner neuen Funktion als Leiter der Scoutingabteilung werde ich jetzt mehr und mehr eingebunden.

Rolff über seine Ambitionen noch einmal Cheftrainer zu werden
Definitiv, wenn das richtige Angebot kommt.

Fritz über seine Zeit nach Werder
Ich will dem Sport auf jeden Fall verbunden bleiben, Bundesligatrainer ist aber nicht das Ziel. Aber das kann sich auch noch ändern. Ich stehe viel mit dem Lutscher (Frings A.d.R.) in Kontakt und ein Jahr USA zum Ausklang könnte ich mir auch vorstellen.

Über die Frage, ob es im Sommer wieder nach Norderney geht
Fritz: Ich hoffe nicht!
Rolff: Ich hoffe doch!
Polster: Es ist noch keine Entscheidung gefallen.