Archiv für den Monat: Februar 2012

Dann macht euren Scheiß doch allein!

Dies ist mein vorerst letzter Beitrag in diesem Blog.

Es geht mir schon seit längerer Zeit gründlich gegen den Strich, dass mein Verein beschlossen hat, lieber an der Vergangenheit festzuhalten, als neue Wege zu gehen. Und damit ist hier ganz und gar nicht die sportliche Entwicklung gemeint, sondern einzig und allein die Art und Weise, wie Werder mit Fans und Medien umgeht.

Der Tropfen, der für mich das Fass zum überlaufen gebracht hat:

Die Drohung gegen Shadiego, rechtliche Schritte einzuleiten, falls er weitere Werder-Videos erstellt und veröffentlicht. Unter Werderfans ist der Name wohl bekannt genug, aber für die Nicht-Werderfans unter meinen Lesern sollte ich ihn kurz vorstellen: Shadiego hat mit seinen emotional zusammengeschnittenen Videos einen Kultstatus unter Werderfans erreicht. Er verwendet dabei Spielszenen, jedoch nach eigenem Bekunden kein Material von Werder.TV. Dennoch hält Werder es für nötig, ihn unter Druck zu setzen:

“Vom Mediendirektor wurde ich nichtmal begrüßt sondern gleich mit folgenden Worten überfahren: “So deine Copyrightverletzungen hören dann jetzt auf.” Ich so: “Bitte?” (Werder war sich der Videos immer bewußt und duldete diese). “Machst du noch weitere Videos, darfst du dich mit WERDERS Rechtsanwalt auseinandersetzen”.”

Shadiego bei Facebook

Nun mag man sich fragen, was das bei aller Empörung mit meinem Blog zu tun hat. Auch ich veröffentliche hier Inhalte, bei denen ich mir nicht immer zu 100% sicher sein kann, ob ich nicht irgendwelche Markenrechte oder sonstige Ansprüche von Werder verletze. Das ist weder neu, noch unterscheide ich mich damit von anderen Bloggern. Die Reaktion des Vereins gegenüber Shadiego zeigt aber, dass man durchaus bereit und willens ist, gegen Medienschaffende vorzugehen, die eine kostenlose* Leistung für Fans erbringen. Dabei waren Shadiegos Videos bei Werder durchaus bekannt: Vor nicht allzu langer Zeit absolvierte er noch ein Praktikum bei Werder.TV. Richtig abenteuerlich wird es dann bei der Begründung;

“Es geht viel weniger um mich, sondern um Leute [...], die WERDER.TV Beiträge 1 zu 1 kopieren und auf Youtube hochladen. Gegen solche Leute will WERDER vorgehen und bei mir könne man dann keine Ausnahme machen.”

Ähm, wie meinen? Könne man keine Ausnahme machen? Weil man von einem fiesen Abmahnanwalt gezwungen wird, gegen alles vorzugehen, das irgendwie mit Werder und YouTube zu tun hat? Diese Geisteshaltung ist ein Schlag ins Gesicht der Werder-Fanszene. Hauptsache mit aller Gewalt das eigene Recht durchdrücken, egal gegen wen und egal, ob dem Verein ein Schaden entstanden ist. Shadiego in einen Topf mit “Raubkopierern” zu stecken ist dumm, dreist und ein klares Zeichen dafür, dass die Verantwortlichen kein Fingerspitzengefühl haben. Am Samstag werden wir uns alle wieder über den Dorfverein aus Hoffenheim amüsieren. Werder Bremen zeigt gerade sehr deutlich, dass man selbst auch nach vielen Jahren in der Champions League den Status des Provinzclubs noch nicht überwunden hat.

Unter diesen Voraussetzungen kann ich für den Moment nur sagen: Ich habe keine Lust mehr. Ich schreibe hier, weil es mit Spaß macht. Es ist ein Hobby. Aber es ist eben auch Arbeit. Jahrelang Woche für Woche Blogeinträge zu schreiben ist ein Zeitfaktor und nicht unbedingt ein kleiner – wie sicher jeder Blogger unter euch bestätigen kann. Ich möchte  mir bei meinem Hobby keine Gedanken machen müssen, ob ich dafür von meinem Verein, in dem ich Mitglied bin, abgemahnt werde. Dass man als Blogger immer einer latenten Abmahngefahr ausgesetzt ist, ist mir wohl bekannt. Doch es erreicht eine völlig andere Dimension, wenn es sich bei dem potenziellen Kläger um den Verein** meines Herzens handelt.

Wenn nicht mal vor einem ehemaligen Mitarbeiter wie Shadiego halt gemacht wird, warum sollte dann ich mit einer Ausnahmebehandlung seitens Werders rechnen? Solange Leute wie Mediendirektor Tino Polster, der (ausgerechnet!) medial noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen ist, bei Werder Macht ausüben dürfen, wird sich an dieser Situation wenig ändern.

Wer meine Reaktion für übertrieben hält, der hat jedes Recht dazu. Ich sage nicht, dass hier für immer Schluss ist, aber ich weiß auch nicht, ob und wann es weitergeht. Ich kopple das auch nicht an die Geschichte um Shadiego. Ich habe einfach derzeit keine Lust, einen so großen Teil meiner Freizeit damit zu verbringen. Ich werde beim Grünweiß Werder-Stammtisch weitermachen und dort auch bloggen (und mir ist klar, dass das letztlich inkonsequent ist). Aber das “Tagesgeschäft” hier pausiert erstmal.

* Das Geld, das ich mit diesem Blog verdiene, deckt nicht einmal die Kosten, die ich fürs Hosting usw. habe.
** Mir ist klar, dass es nicht der Verein sondern die KG aA wäre, aber das macht keinen Unterschied.

Aufbau Nord mit Schwierigkeiten

SC Freiburg – Werder Bremen 2:2

Auch im dritten Pflichtspiel des Jahres gab es wieder nur ein Unentschieden. Das 2:2 beim SC Freiburg bringt Werder tabellarisch nicht weiter, zeigte jedoch einige interessante Entwicklungen im Team.

Zögerliche Bremer gegen Freiburger Pressing

Erneut war die sehr passive Grundhaltung zu sehen, die auch schon im Spiel in Kaiserslautern an den Tag gelegt wurde (beim Heimspiel gegen Leverkusen war es nur geringfügig anders). Die Raute stand flach gegen den Ball und insgesamt agierte man sehr tief, mit Pizarro und Rosenberg an vorderster Verteidigungslinie knapp über der Mittellinie. Vorwärtspressing betrieb man nur direkt nach Ballverlusten, wenn man weit in die Freiburger Hälfte aufgerückt war. Ansonsten stellte man schnell die Grundformation wieder her und wartete auf die Freiburger Angriffe.

Das eigene Aufbauspiel bekam man gegen das Freiburger Pressing nie richtig in den Griff. Die drei Passoptionen aus der Innenverteidigung ins (defensive) Mittelfeld wurden konsequent dichtgestellt, so dass häufig der Umweg über die Außenverteidiger gegangen werden musste. Gelangte der Ball dann wieder ins Zentrum, verstanden es die Freiburger gut, mit ihrem Pressing die Spieler so unter Druck zu setzen, dass sie kaum einmal mit direkten Vertikalpässen das Angriffsspiel in Schwung bringen konnten.

Neue Problemzone: Standardsituationen

Zum ersten Mal gelang dies dann Tom Trybull, als er kurzzeitig auf die linke Seite gewechselt war. Sein Pass auf Rosenberg sorgte für die erste Torchance, doch Pizarro verpasste im Strafraum die Hereingabe. Beim zweiten Versuch war man erfolgreicher, Junuzovic spielte den Ball halbhoch an den langen Pfosten auf Pizarro, der ihn per Direktabnahme verwertete. Diese beiden Szenen zeigten, dass Werders Angriffsspiel durchaus in der Lage war, die nicht immer sichere Freiburger Hintermannschaft in Gefahr zu bringen. Leider sprangen zu selten ähnliche Szenen heraus, da Werder es versäumte, die Offensivspieler im Angriffsdrittel in Szene zu setzen – zu hoch die Fehlerquote im Passspiel, zu umständlich das Aufbauspiel.

Die Antwort der Freiburger kam dann auch postwendend. Der Ausgleich zum 1:1 fiel – wie schon gegen Leverkusen – nach einer Ecke. Die weiteren Standardsituationen des Sportclubs legen nahe, dass es sich dabei nicht um Zufall handelte. Ohne den Freiburgern die Anerkennung für den Variantenreichtum bei ihren Ecken vorzuenthalten, muss man feststellen: Werder hat ein Problem mit Standards. Nun sind durch den Weggang von Mertesacker und die Ausfälle von Naldo und Prödl deutlich weniger große Spieler auf dem Platz. Das einstmalige “größte Team Europas” hat jedoch nicht nur die Lufthoheit verloren (zumal die Freiburger körperlich sicher nicht überlegen waren), sondern vor allem Probleme bei der Zuordnung. Eine kurze Ecke auf Makiadi reichte, um den Ausgleich herzustellen.

Fazit: Zu schwach für 3 Punkte

Die zweite Halbzeit gehörte überwiegend den Freiburgern, die, gezwungen vom erneuten Rückstand, noch mutiger nach vorne agierten und in puncto Ballbesitz und Torschüssen klar im Vorteil waren. Werder konnte nur sporadisch zeigen, dass man auch selbst gefährlich nach vorne spielen kann. Das zweite Tor von Pizarro verdeutlichte sehr gut, wie ein eingespieltes Team die Schaaf’schen Vorstellungen umsetzen könnte. Von Junuzovics Kopfball, über Trybulls clevere Ballmitnahme, Ekicis gut getimten Pass bis zu Pizarros Abschluss war das fast perfekt gespielt. Die Laufwege stimmten und der Angriff glitt wie ein Messer durch die weiche Freiburger Abwehrbutter. Das erinnerte an gute, alte Werder-Zeiten.

Wie weit man ansonsten davon noch entfernt ist, lässt sich schwer abschätzen (mal ganz davon abgesehen, dass man in der stark verbesserten Bundesliga wohl nie wieder die spielerische Dominanz der Jahre 2003-2007 erreichen wird). Die jungen Spieler zeigen ihr Potenzial, doch es gibt noch zu viele Unwägbarkeiten. Die Besserung im Aufbauspiel, die ich letzte Woche gesehen habe, war gegen Freiburg wieder verschwunden, da man keinen echten Plan B hat, wenn der Gegner die Passwege ins Mittelfeld zustellt. Es kommt praktisch nie vor, dass sich der Sechser oder einer der Achter zurückfallen lässt, um von hinten das Spiel aufzuziehen. So bleibt nur die Notlösung über die Außenverteidiger, die eigentlich auch Schaaf nicht gefallen kann. Mit der Anfälligkeit nach gegnerischen Standards hat sich das nächste Problemfeld aufgetan. Wie schnell gelingt es, die Defizite aufzuarbeiten?

Gemessen am Spielverlauf hat Werder einen glücklichen Punkt geholt. Selbst gegen Abstiegskandidaten agiert man auswärts zu passiv, um dem Gegner das eigene Spiel aufzudrängen. Andererseits hat man nicht genug Sicherheit im Defensivspiel, um hinten häufiger die Null zu halten. So bleibt es ein schwieriges Abwägen zwischen Abwarten, Sicherheitsfußball und Kurzpassspiel, mit Pizarro als Lebensversicherung. Wenn die verletzten Spieler zurückkommen und sich die Neulinge eingespielt haben, wird man sehen, wie sehr man in der Rückrunde noch zulegen kann. Für Platz 4 dürfte es dann zu spät sein, aber auch Platz 6 scheint derzeit alles andere als gesichert.

Junges Team gegen alten Lieblingsgegner

Es geht mal wieder gegen Freiburg, den erklärten Lieblingsgegner der letzten Jahre. Die rein punktemäßig makellose Bilanz kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Werder in den letzten Spielen gegen Freiburg nicht sonderlich gut aussah. Ein Selbstläufer ist dieses Duell schon lange nicht mehr.

Vom Trainingsspiel zur Härteprüfung

Sieben Spiele in Folge hat Werder gegen den SC Freiburg gewonnen und dabei 30:6 Tore geschossen. Rein von den Zahlen her scheint die Partie gegen den Tabellenletzten eine klare Sache zu sein. Klare Sachen gibt es bei Werder aber schon länger nicht mehr. War das 6:0 im Herbst 2009 noch eine Sternstunde des vermeintlichen neuen Bremer Offensivfußballs mit dem Dreigestirn Özil, Hunt und Marin, ging es in den letzten Spielen schon deutlich knapper zu. In Erinnerung blieb dabei besonders das Heimspiel aus der letzten Saison, das Werder zwar gewinnen konnte, das allerdings gleichzeitig die spielerische Armut des Teams unterstrich. Auch das 5:3 aus der Hinrunde war nicht gerade souverän erspielt. Man gewann letztlich durch einen späten Elfmeter von Hunt und ein Kontertor von Wesley.

Bei allen Problemen, die die Breisgauer ob ihrer Tabellenposition haben, sollte man sie spielerisch nicht unterschätzen. Auch nach dem Weggang von Robin Dutt versteht sich die Mannschaft auf gepflegtes Pressing und schönen Fußball. Doch auch in den Jahren zuvor war Freiburgs Fußball meist schön anzusehen, wobei es Werder glänzend verstand, daraus Kapital zu schlagen. Nun ist man selbst spielerisch nicht mehr auf dem Niveau der 00er Jahre und kann auch bei einem Abstiegskandidaten nicht mehr automatisch die Favoritenrolle für sich beanspruchen.

Wer setzt die spielerischen Impulse?

Hoffnung auf eine positive Entwicklung im spielerischem Bereich machte zuletzt der Auftritt des mit Nachwuchsspielern gespickten Teams gegen Bayer Leverkusen. Endlich wurden die lange vermissten Anzeichen auf Besserung ersichtlich. Neuzugang Affolter zeigte neben dem überragenden Sokratis starke Anlagen in der Spieleröffnung, Florian Hartherz spielte eine mutige Partie als Linksverteidiger und Tom Trybull wirkte in seinem zweiten Bundesligaspiel schon wie ein alter Hase. Gepaart mit einer defensiveren Grundausrichtung, die dem jungen Team Sicherheit verlieh, konnte man Leverkusen lange Zeit den Schneid abkaufen. Das Umschaltspiel, das bei dieser Ausrichtung noch wichtiger wird, funktionierte jedoch nur eine Halbzeit lang gut.

Gerade deshalb ist der Ruf nach einem Spielmacher, der Werders Angriffsspiel befeuern soll, auch weiterhin nicht zu überhören, was den Druck auf Mehmet Ekici erhöht, der bei allem Bemühen noch immer Probleme hat, sich mit seiner Rolle als 10er anzufreunden. Die eher defensiv ausgerichtete Raute erfordert noch mehr Genauigkeit im Spiel nach vorne, da man dort nur selten in Überzahl gerät. In Freiburg dürfte es nun wieder ein Stück offensiver werden. Neuzugang Zlatko Junuzovic soll von Anfang an ran und Ekici ein Stück von der Last befreien und die Lücke schließen, die der Ausfall von Aaron Hunt in Werders Mittelfeld gerissen hat. Die Rolle des gesperrten Bargfrede übernimmt voraussichtlich Ignjovski – Trybull scheint man sie noch nicht zumuten zu wollen.

Ruhige Testrunde oder Wettrennen?

Wie viele Rückschlüsse lassen sich aus einem Spiel gegen den – durch die Abgänge von Cisse und Bastians sowie diverse Verletzungen dezimierten – Tabellenletzten ziehen? Für Werder geht es derzeit in erster Linie um Sicherheit und Fortschritte in der Spielanlage. Eine überzeugende Leistung in Freiburg wäre ein weiterer Schritt dorthin. Drei Punkte kann man nach Hannovers Sieg in Berlin auch gut brauchen. Nur wenn man die Pflichtaufgaben so zuverlässig löst wie in der Hinrunde, kann man im Fahrwasser der Top 4 eine ruhige Testrunde schwimmen. Ansonsten droht ein Wettrennen um Platz 6, bei dem am Ende kurzfristige Ergebnisse vor langfristige Entwicklung gehen – wie so oft in den letzten Jahren.

Junuzovic und der Wunsch nach einem neuen Andi Herzog

Nach François Affolter am letzten Wochenende könnte morgen erneut eine Neuverpflichtung direkt in der Startelf stehen. Die Rede ist natürlich von Zkatko Junuzovic, den Werder von Austria Wien verpflichtet hat. Christoph Luke, stellvertretender Chefredakteur bei sportnet.at (und Autor des sehr lesenswerten Serie A Blogs “Lo Scudetto“), war so freundlich, mir ein paar Fragen über “Juno” zu beantworten:

Der österreichische Fußball ist ja für viele Deutsche immer noch etwas exotisch. Viele Werderfans kennen Zlatko Junuzovic daher hauptsächlich von YouTube-Videos. Beschreib ihn doch mal. Was ist er für ein Spielertyp? Der deutsche Boulevard hat sich schon vor längerer Zeit auf den Spitznamen „Ösi-Özil“ festgelegt. Ähneln sich die Beiden auf dem Platz?

Junuzovic kann offensiv alle Rollen bekleiden, im zentralen Mittelfeld, aber auch links und rechts spielen. Er ist stark am Ball, technisch sehr gut. Er will – auch wenn das ein bisschen platt klingt – Fußball in erster Linie spielen, was ja grundsätzlich der Spielweise der Austria in den letzten Jahren entsprochen hat. Seine Stammposition ist das zentrale Mittelfeld, erst in den letzten Monaten spielte er bei der Austria auf der linken Seite.

Die 10er-Position gehörte in dieser Saison bislang zu den Problemzonen bei Werder. Am liebsten wäre den meisten Fans deshalb ein Spieler, der diese Lücke sofort füllen kann. Traust du Junuzovic zu, bei Werder direkt einzuschlagen? Oder müssen wir noch Geduld mit ihm haben?

Ich wünsche es ihm, den Werder-Fans und den österreichischen Fans, die einen guten Junuzovic im Nationalteam sehen wollen. Ich glaube, dass er so cool bleiben kann, dass ihn die große Erwartungshaltung nicht hemmt. 2010 wurde er nach dem Karriereende von Austrias Milenkos Acimovic in die Nachfolgerrolle des Spielmachers gedrängt und hat das, meiner Meinung nach, gut gelöst. Jetzt kann man natürlich (zu Recht) argumentieren, dass die Deutsche Bundesliga wieder etwas anderes ist, aber Druck bleibt Druck und dem hat er in Wien, wo es medial um einiges aufgeregter zugeht als etwa in Klagenfurt, standgehalten.

Junuzovic weckte schon sehr früh große Hoffnungen in Österreich, gehörte z.B. zum Team, das 2007 bei der U20-WM überraschte. Ist er diesen Erwartungen bislang gerecht geworden? Man hört ja durchaus auch kritische Stimmen, was seine Entwicklung angeht.

Ich würde das in die typische Kategorie der Ups & Downs einer jungen Karriere einordnen. Junuzovic debütierte im Frühjahr 2005, mit 17 Jahren, für den Grazer AK, ist ja jetzt, bald sieben Jahre später, fast schon eine halbe Ewigkeit im Geschät. Dass es da nicht immer nach Wunsch laufen kann, sollte klar sein. Aber: Ein paar Tore mehr dürften es schon sein.

Unsere beiden anderen Österreicher Marko Arnautovic und Sebastian Prödl sind ja zwei sehr unterschiedliche Typen. Wie ist Junuzovic charakterlich einzuschätzen? Kann er sich gut anpassen oder könnte er auch zum Problemfall werden, wie Arnautovic in seiner ersten Saison?

Charakterlich sehe ich ihn, sofern man hier überhaupt Vergleiche anstellen kann, ganz klar eher bei Prödl. Ruhig, bescheiden, kein Typ für Skandale. Mir wäre in seiner Zeit in Wien (und auch davor) nie zu Ohren gekommen, dass es irgendwelche Probleme gegeben hätte. Ich glaube, dass er sich in einer Stadt wie Bremen sicher wohlfühlen kann.

Österreichische Spieler haben bei Werder schon seit Rehhagels Zeiten Tradition. Jetzt spielen gleich drei Österreicher an der Weser. Wird Werder in Österreich von Fans und Medien deshalb besonders intensiv verfolgt?

Auf jeden Fall. Die Deutsche Bundesliga ist generell dank der zahlreichen österreichischen Legionäre mit Sicherheit jene ausländische Liga, die von Österreichs Fußballfans am intensivsten verfolgt wird. Werder ist spätestens seit den Herzog-Zeiten populär – die Transfers von Prödl (war 2007 U20-Kapitän) und Arnautovic, der einfach immer polarisiert und bei dem alle darauf warten, dass er endlich durchstartet, haben das erneut angefeuert. Der Wunsch nach einem “neuen Andy Herzog” ist sehr groß.

Wenn Werder sich noch einen vierten Österreicher zulegen sollte, wen würdest du da vorschlagen?

Da gäbe es sicher einige. Ein paar Namen, einfach mal so in den Raum geworfen: Georg Teigl (Red Bull Salzburg, Mittelfeld), Christopher Dibon (Admira, Abwehr), Florian Kainz (Sturm Graz, Mittelfeld).

Vielen Dank für das Interview und ich hoffe Klaus Allofs schreibt sich die Namen schon mal auf.