Archiv für den Monat: April 2012

Die Champions League Halbfinalisten vor den Rückspielen

Heute und morgen entscheidet sich, wer im Champions League Finale in der Allianz Arena aufeinander trifft. Eine Einschätzung der vier Teams vor den Rückspielen.

Barca braucht einen Kraftakt…

Der FC Barcelona steht (für seine Verhältnisse) mit dem Rücken zur Wand. Nachdem man in der letzten Woche so viele Niederlagen kassierte, wie in der gesamten Saison zuvor, könnte man neben der Meisterschaft auch die Champions League verspielen. Der Substanzverlust macht sich bemerkbar und pünktlich zur crunch time ist die Topform nicht mehr da. Im Hinspiel gegen Chelsea waren zwar einige der von mir unterstellten Probleme zu sehen, doch letztlich hatte man auch einfach ein wenig Pech. Mit besserer Chancenverwertung (die ich abseits von Messi als Schwachpunkt Barcas sehe) hätte man Chelsea schon im Hinspiel jegliche Chancen auf ein Weiterkommen nehmen können.

Gegen Madrid wurde dann aber deutlich, was Barcelona derzeit fehlt: Knackt man den Gegner nicht im Zentrum, schafft man es nicht, alternativ über die Außen so gefährlich zu werden, wie zu besten Zeiten. Es fehlt nicht unbedingt die Breite im Spiel, sondern die Qualität der dafür zuständigen Flügelspieler. Die Stammkräfte sind entweder verletzt (Villa), angeschlagen (Alexis, Affelay) oder außer Form (Pedro). Die Nachwuchsspieler können das noch nicht kompensieren:  Tello hat gegen Madrid die dicksten Chancen vergeben, auch von Cuenca geht keine große Torgefahr aus. So bleibt zu viel Verantwortung bei Dani Alves und Andres Iniesta. Derzeit reicht es, die Räume zwischen den Linien für Messi zu schließen und ihn damit komplett ins Mittelfeld zu ziehen, um eine ernsthafte Chance gegen Barcelona zu haben.

…sonst reicht Chelsea Solidität

Beim FC Chelsea konnte man am Samstag den Eindruck gewonnen, sie hätten gerade einen großen Schritt Richtung Champions League-Qualifikation gemacht. Dabei ist jene nach dem 0:0 bei Arsenal und einem weiteren Sieg von Newcastle in weitere Ferne gerückt – auch wenn man nächste Woche noch das Nachholspiel gegen die Magpies in der Hinterhand hat. Nach dem Unentschieden gegen die Gunners fühlte man sich jedenfalls als moralischer Sieger und wähnt sich weiterhin im Aufschwung, der dem Trainerwechsel folgte. Das Erreichen des Champions League Finales würde diese Narrative weiter untermauern.

Dabei habe ich Chelseas Leistung gegen Barcelona nicht so stark gesehen, wie sie im Nachhinein gemacht wurde. Chelsea spielte defensiv zwar richtig gut und war vorne immerhin effizient, doch wenn man sich Barcelonas Großchancen anschaut, dann wirkt das Loblied auf das blaue “Bollwerk” doch etwas übertrieben. Das Spiel hätte bei identischem Verlauf und etwas besserer Chancenverwertung auch 1:3 ausgehen können. Doch es ist nicht Chelseas Verdienst, dass Barcelona bei eben jener gerade Probleme hat. Ich würde die Leistung jedenfalls nicht über der von Milan im Viertelfinale (und nicht mal sehr weit über der von Bayer Leverkusen beim 1:7, aber das ist ein anderes Thema) sehen. Das Spiel gab mehr Aufschluss über Barcelonas derzeitige Verfassung, als über Chelsea.

Was mir sehr gut gefallen hat, war das Zusammenspiel der drei Sechser, die den Raum vor den Innenverteidiger mit sehr cleverem Verschieben extrem verknappten. Die Rückkehr zum 4-3-3 (das eigentlich maximal ein 4-5-1, in der zweiten Halbzeit eher aber ein 4-5-1-0 war) in diesem Spiel hat sich schon deshalb gelohnt. In Barcelona wird Chelsea vermutlich Ähnliches versuchen, um Messi aus dem Spiel zu nehmen. Nach vorne ist gegen ein mit zunehmender Dauer wohl immer energischer anlaufendes Barca auch mit wenig Risiko etwas möglich.

Obwohl Barcelona auch in derzeitiger Verfassung die bei weitem bessere Fußballmannschaft als Chelsea ist, habe ich große Zweifel, dass man nach dem intensiven Clasico am Wochenende den Kraftakt gegen Chelsea schafft. Man muss unbedingt die Null hinten halten. Sollte Chelsea treffen, wird das Weiterkommen zur Herkulesaufgabe, die ich dem Team derzeit nicht zutraue.

Hat Mourinho zu hoch gepokert?

Real Madrid hat am Wochenende mit einem eindrucksvollen 2:1-Sieg im Camp Nou die Meisterschaft für sich entschieden. Etwas überraschend spielte Mourinho dort mit der selben Startelf wie unter der Woche gegen die Bayern. Ich hatte Madrid im Hinspiel deutlich druckvoller erwartet. In den ersten 15 Minuten war es sehr eindrucksvoll, wie sie die Außenbahnen so hoch zustellten, dass Ribery und vor allem Robben keinen Stich sahen. Im Laufe des Spiels ließ man dann aber nach und war für eine Mannschaft, die von Mourinho trainiert wird, erstaunlich häufig unsortiert. Das lag nur zum Teil an der Leistung der Bayern. Auch hier bin ich der Ansicht, dass die Partie mehr über die Gäste aus Spanien aussagte, als über die Gastgeber.

Hätte Real das Spiel gewinnen müssen, wäre es möglicherweise auch nach hinten losgegangen, doch man hätte die letzte halbe Stunde sicherlich nicht so abgeschenkt. Das war pures Ergebnis halten und es hätte auch beinahe geklappt. Vielleicht wähnte man sich nach dem 1:1 zu sicher und wollte Kraft sparen für den Clasico. Vielleicht wusste Mourinho da schon, dass er vier Tage später mit identischer Aufstellung ins Spiel gehen wollte. Wenn man am Ende ins Finale einzieht, kann man sagen: Alles richtig gemacht, Herr Mourinho. Wenn es schief geht, wird man noch oft an die zweite Halbzeit in der Allianz Arena denken.

Wie gut ist Jupp Heynckes?

Für Bayern München ist die Situation genau andersherum. In der Liga musste man dem BVB erneut den Vortritt lassen, aber in der Champions League hat man mit einer überzeugenden Leistung eine gute Ausgangsbasis für das Rückspiel in Madrid geschaffen – womit längst nicht jeder gerechnet hat. Der Traum vom Finale im eigenen Wohnzimmer lebt weiter und man ist nur ein Unentschieden in Madrid davon entfern, ihn wahr werden zu lassen. Kräftemäßig dürfte man im Vorteil sein. Während sich der Gegner im entscheidenden Spiel um die Meisterschaft voll verausgaben musste, konnten die Bayern in Bremen munter durchrotieren und viele Spieler schonen. Dieser Aspekt dürfte vor allem dann ins Gewicht fallen, wenn es bis zur Schlussphase noch ein offenes Spiel ist.

Ich bin sehr auf Bayerns Ausrichtung gespannt. Versucht man auf Konter zu spielen und den Gegner kommen zu lassen? Dafür ist man hinten eigentlich nicht stabil genug. Andererseits kommt man auch nur höchst selten in die Verlegenheit, so spielen zu müssen. Es wäre eine kleine Meisterleistung von Jupp Heynckes, wenn er seinem Team für dieses Spiel eine ähnlich diszilpinierte Spielweise ohne Ball einimpfen könnte, wie es Chelsea oder Madrid gegen Barcelona gezeigt haben. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass Bayern sich komplett zurückzieht. Man wird Madrid sicher mehr Ballbesitz gewähren, aber nicht am eigenen Strafraum auf sie warten. Das richtige Maß des Pressings zu finden, ist eine Kunst, die nicht nur einen guten Trainer sondern auch intelligente Spieler erfordert, die den richtigen Moment zum Draufgehen erkennen.

Aufgrund des Auswärtstores ist die Situation für Bayern nicht so komfortabel, wie man es gerne hätte. Solange es 0:0 steht, reicht ein Fehler zum Ausscheiden. Die Gegenstöße über die Außen werden wichtig sein, um neben Entlastung auch eine Chance auf das so wichtige Auswärtstor zu haben. Auch wenn Arjen Robben derzeit viel kritisiert wird, könnte er gegen seinen Ex-Verein zum entscheidenden Mann werden, weil er gegen ein offensives Real mehr Raum für seine Vorstöße bekommen wird.

Insgesamt sehe ich einen leichten Vorteil für Madrid, das neben einer breiten Brust auch über das Spielermaterial in der Offensive verfügt, um gegen Bayern erfolgreich zu sein. Das Rochieren zwischen Özil und Di Maria hat schon in München ganz gut funktioniert, man wird sich jedoch nicht damit begnügen können, das Spiel komplett auf Rechts zu ziehen, um Platz für den in die Mitte ziehenden Ronaldo zu schaffen. Man wird auch einen Xabi Alonso in Topform brauchen (die er gegen Barcelona hatte, im Hinspiel jedoch nicht), um den Spielaufbau flexibel zu halten und für Überraschungsmomente zu sorgen.

Meine Tipps:

FC Barcelona – Chelsea FC 2:1

Real Madrid – Bayern München 3:1 n.V.

Pizarro zu den Bayern – Die Überraschung, die keine ist

Glaubt man dem Münchner Merkur, steht Claudio Pizarros Wechsel zum FC Bayern bereits fest. Auch die in Werder-Fragen für gewöhnlich gut informierte Kreiszeitung Syke bezeichnete den Wechsel als fix. Nach dem Spiel zwischen Werder und Bayern am Wochenende soll dann auch offiziell Vollzug gemeldet werden. Allofs dementiert noch und auch Pizarro und die Bayern schweigen, doch es ist davon auszugehen, dass es sich nur um die übliche Hinhaltetaktik handelt.

Schon länger war über einen möglichen Wechsel des Peruaners spekuliert worden und in Bremen sorgt die Personalie verständlicherweise für viel Wirbel. Pizarros derzeit dürftige Leistungen tragen ihr übriges dazu bei, die Gemüter hochkochen zu lassen. Warum, so lautet die vorwurfsvolle Frage, setzt sich Pizza lieber bei den Bayern auf die Bank, als bei Werder zu spielen?

Blendet man die Emotionen aus, ist der Wechsel – so er denn zustande kommt – ein logischer Schritt und auch für Werder eine Entwicklung mit Vorteilen – neben dem offensichtlichen Nachteil, dass man einen der besten Stürmer der Vereinsgeschichte verliert.

Dass Pizarro einem Wechsel zu Bayern München nicht abgeneigt sein würde, ergibt sich schon aus seiner Vita. Es wird gerne übersehen, dass er ebenso lange bei den Bayern spielte (6 Jahre), wie bei Werder. Finanziell wird er sich durch den Wechsel nicht verschlechtern, zumal er ablösefrei kommt. Bleibt die Frage der sportlichen Perspektive. Dass die Chance auf Titel und Champions League bei den Bayern größer ist, als bei Werder kann man nicht einmal durch die grünweißeste aller Fanbrillen übersehen. Auch die Aussichten auf Einsätze sind angesichts der mutmaßlich wieder hohen Anzahl an Spielen nicht so schlecht, wie von einigen Werderfans angenommen. Zwar dürfte Mario Gomez weiterhin Stürmer Nummer 1 bleiben, doch wäre Pizarro als erste Option dahinter immer ein Kandidat für Einwechslungen  und rotationsbedingt dürften auch Einsätze in der Startelf für Pizarro drin sein. Der Körper des Peruaners spielte schon in den letzten beiden Jahren nicht immer mit, sodass eine geringere Anzahl an Spielen durchaus sinnvoll ist.

Auch für Werder hätte der Wechsel einen Vorteil, der kurzfristig erstmal ein Nachteil ist: Pizarro überspielte mit seinen Toren in den letzten Jahren häufig die Unzulänglichkeiten im Bremer Spiel. Die Abhängigkeit von Pizarro wurde im Saisonverlauf immer offensichtlicher. Fällt diese “Lebensversicherung” weg, sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, sich weiter in die Tasche zu lügen. Werder ist ein Verein, der sich mit Veränderungen schwer tut. Je offensichtlicher die Notwendigkeit von Neuerungen wird, desto weniger kann man sich dagegen wehren. Natürlich wird Werder durch den Wechsel vorerst geschwächt. Andererseits kann nun kein anderer Stürmer mehr auf die Übermacht Pizarros verweisen, an dem es nun mal kein Vorbeikommen gäbe. Werders Offensivabteilung wird voll gefordert sein und mittelfristig wird sich das meiner Meinung  nach bezahlt machen.

So traurig der Weggang eines genialen Spielers und Sympathieträgers ist, für Werder bietet er eine weitere Chance zur Erneuerung. Wenn der Umbruch in der kommenden Saison nicht gelingt, dann fällt man dieses Mal richtig auf die Nase – solange, bis man seine Lektionen gelernt hat.

Chelsea FC vs. FC Barcelona – Champions League Halbfinale

Wer denkt bei Chelsea gegen Barcelona nicht sofort an Övrebö und das Skandalspiel an der Stamford Bridge?

Seitdem hat sich Barcelona seinen Status als Europas Übermannschaft zementiert, während Chelsea zwar noch einmal Meister wurde, seitdem aber mit mittelgroßen Problemen zu kämpfen hat. Nicht nur, dass man den Anschluss an die beiden Teams aus Manchester verloren hat, nein, man ist derzeit auch in London nur die dritte Kraft hinter Arsenal und Tottenham.

Chelsea FC vor dem Spiel

Jetzt, wo die Saison in ihre entscheidende Phase tritt, steht Chelsea plötzlich gar nicht mehr so schlecht da. Man steht nach einem 5:1 Kantersieg gegen die Spurs im Finale des FA Cups und ist auch in Europa die einzige Mannschaft von der Insel, die den eigenen Ansprüchen nicht hinterherläuft. Selbst in der Liga ist wieder einiges möglich, da Arsenal es am Montag verpasste, auf 10 Punkte davonzuziehen und Chelsea mit einem Sieg im direkten Duell am Wochenende bis auf vier Punkte an Platz 3 herankommen kann – mit noch einem Spiel in der Hinterhand.

Um auf allen drei Hochzeiten erfolgreich zu tanzen braucht man jedoch eine richtige Serie. In der Liga darf man sich keine Ausrutscher mehr erlauben, sonst ist die Champions League Qualifikation futsch. Im Pokal ist die Aufgabe gegen den taumelnden FC Liverpool vom Papier her etwas einfacher, doch die Reds haben auch im Liga-Pokal schon überrascht. Der dickste Brocken steht jedoch mit dem FC Barcelona in der Champions League vor der Nase. Der Respekt dürfte auf Seiten der Katalanen jedoch ebenfalls groß sein, hat man sich doch in den letzten Jahren häufiger hitzige und äußerst Knappe Duelle geliefert. Vom Papier her ist Chelsea klarer Außenseiter, doch die Trendwende, die nach dem Abschied von André Villas-Boas vollzogen wurde, ist bemerkenswert. Während der Portugiese Chelsea in eine leichtfüßigere Zukunft führen wollte und mit seinem Ansatz arrivierte Spieler verprellte, ist sein Nachfolger Roberto Di Matteo erst einmal zum Erfolgsmodell vergangener Jahre zurückgekehrt. Der physische Fußball mit schnellem, direkten Passspiel in die Spitze, der Chelsea lange auszeichnete, kommt den alten Hasen Lampard, Drogba und Terry entgegen. Ob es langfristig eine kluge Entscheidung war, den Spielern klein beizugeben, statt den Trainer zu stärken, wird sich zeigen. Momentan wirkt Chelsea jedoch wie von einer Last befreit.

Das liegt auch an der Systemumstellung, die Di Matteo vorgenommen hat. Das 4-2-3-1 wirkt derzeit stabiler, als es Villas-Boas 4-3-3 jemals tat (obwohl Chelsea das 4-3-3 seit Mourinhos Zeit gewohnt war). Die Doppelsechs vor der Abwehr trägt viel zur Stabilität bei, doch auch allgemein verteidigt man enger, schiebt die zweite Viererkette dicht zusammen und verdichtet so das Zentrum, ein Aspekt, der gegen Barcelonas überladenes Mittelfeld nicht unerheblich ist. Nach vorne spielt man mit Tempo, langen Bällen und der Hoffnung, die physische Überlegenheit irgendwie in Tore ummünzen zu können, um das noch immer an den beteiligten Spielern nagende Ausscheiden vor drei Jahren vergessen zu machen.

FC Barcelona vor dem Spiel

Beim Wettrennen um die spanische Meisterschaft entscheiden kleine Details. Ein Unentschieden hier, eine Niederlage dort und schon ist man hoffnungslos abgeschlagen. Den zwischenzeitlichen 10-Punkte Rückstand auf Madrid einer angeblichen Sättigung an Titeln zuzuschreiben, halte ich für falsch, denn es übersieht, wie stark der Kontrahent seit drei Jahren spielt. Ohne die direkten Duelle wäre Barcelona seit 2009 nicht mehr Meister geworden. Eine Meisterschaft für Madrid wäre angesichts der Dominanz in der Liga einfach fällig. Dabei sind Barcelonas Statistiken auch in dieser Saison wieder beeindruckend. Nur zwei Niederlagen kassierte man in 52 Pflichtspielen. Von den letzten 15 Partien wurden 14 gewonnen, bei einem Unentschieden – dem 0:0 in Mailand.

Noch beeindruckender sind die Zahlen von Lionel Messi. Dachte man schon letzte Saison, dass nach oben hin eigentlich nichts mehr möglich ist, hat er diese Saison noch einmal alles getoppt, was im modernen Fußball auf individueller Ebene bislang erreicht wurde. 41 Tore in 32 Ligaspielen, 14 Tore in 9 Champions League-Spielen, dazu noch zwei Tore im Pokal, zwei bei der Club-WM, eins im UEFA-Supercup und drei im spanischen Supercup. Unterm Strich stehen 63 Tore in 52 Pflichtspielen und ich frage mich langsam, wo das noch hinführt in den nächsten Jahren. Trotz der großen mannschaftlichen Stärke und der Torgefährlichkeit des Mittelfelds (wo Xavi häufiger traf, als je zuvor) scheint man abhängiger von Messi geworden zu sein, was die Tore angeht. Die Chancenverwertung lässt mitunter zu wünschen übrig, was angesichts Messis Omnipotenz selten ins Gewicht fällt. Wenn jedoch eine Mannschaft die übliche Chancenflut unterbindet (wie Milan im Viertelfinale), ist Barcelona an einem weniger überragenden Tag des Argentiniers defensiv beizukommen.

Nicht zuletzt die zahlreichen Verletzungen tragen hierzu bei. Eigentlich ist es für den FC Barcelona eine Seuchensaison: Die Offensivspieler, die letzte Saison neben Messi agierten, plagen sich allesamt mit Verletzungen herum. David Villa ist seit Dezember raus und kämpf um seine EM-Chancen, Pedro hatte immer wieder körperliche Probleme und steckt auch deshalb in einem Formtief und Ibrahim Afellay kehrt gerade von einem Kreuzbandriss zurück, der ihn seit September lahmgelegt hatte. Auch in der Verteidigung traf es Barca schon häufiger, angefangen bei Carles Puyol, der die Saisonvorbereitung verpasste, über Gerard Piqué, dessen Serie an Muskelfaserrissen gut zu Werder Bremen passen würde, bis hin zu Eric Abidal, der sich kürzlich einer Lebertransplantation unterziehen musste. Auf dem Papier ist Barcelona durch die Verpflichtungen von Cesc Fabregas und Alexis Sanchez zwar noch stärker geworden, doch die paar Promille, die über den Ausgang der Meisterschaft entscheiden, könnten vor allem aufgrund der Verletzungen am Ende fehlen.

Prognose

Es fällt schwer sich ein Weiterkommen Chelseas vorzustellen – oder vielmehr ein Ausscheiden Barcelonas. Dennoch würde ich Chelsea nicht als chancenlos ansehen. Zum einen tat sich Barcelona gegen den physischen Spielstil der Blues in den letzten Jahren meist schwer. Zum anderen wirkt Barcelona nicht mehr so unantastbar, wie im Kalenderjahr 2011. Man merkt dem Team an, dass es auf dem Zahnfleisch geht. Die zahlreichen Ausfälle und der Endspurt um die schon verloren geglaubte Meisterschaft haben ihre Spuren hinterlassen. Gegen Milan kam Barcelona zwar verdient weiter, hatte jedoch in beiden Spielen Probleme, sich Torchancen zu erspielen. Zwar muss Chelsea in beiden Spielen alles abrufen, was möglich ist, um überhaupt ein ernsthafter Gegner zu sein. Wenn das gelingt und man (ähnlich wie Milan) das Zentrum verbarrikadiert, haben sie eine realistische Chance. Aber auch dann wird man darauf angewiesen sein, dass Barca nicht den besten Tag erwischt.

Eine der großen Stärken der Katalanen ist allerdings die taktische Flexibilität ihres Trainers. Pep Guardiola ist ein großartiger Analytiker, der die Stärken seiner Mannschaft genau einzuschätzen und anzuwenden weiß. Sollte Chelseas Defensive im Hinspiel zur unüberwindlichen Hürde werden, wird er im Rückspiel entsprechende Anpassungen vornehmen, siehe im Rückspiel gegen Milan, wo er mit der Aufstellung von Cuenca überraschte, der wenig am Spiel teilnahm, aber für die Breite im Spiel sorgte, die im Hinspiel gefehlt hatte. Die Optionen, die Guardiola in der Hinterhand hat, sind trotz der Ausfälle beneidenswert, zumal jeder dieser Squad Player eine neue Facette mit ins Spiel bringt, sei es Keita, Tello, Adriano, Cuenca oder Thiago Alcantara.

Ich erwarte in London ein enges Spiel, mit einem eher zurückhaltend agierenden Titelverteidiger und einem sehr kämpferischen FC Chelsea. Solange Barcelona ein Auswärtstor macht, wäre man auch bei einer knappen Niederlage weiterhin Favorit. Vorlegen muss Chelsea, wenn man ernsthafte Chancen im Rückspiel haben will. Eine interessante Konstellation, die vermutlich nicht zu einem Fußballfest, aber zu einem spannenden taktischen Duell führen dürfte.

Bayern München vs. Real Madrid – Champions League Halbfinale

Live-Blog

23.02

“Wenn ich das so sehe ist das Gelb-Rot, aber der Schiedsrichter hat sich mit Gelb begnügt.” – Regelgott Jupp Heynckes zu Marcelos Foul an Müller.

22.45

Zwei Anmerkungen zum Schluss:

1. Auch wenn es ein Kampf gegen Windmühlen ist, muss es gesagt werden: Die Bildregie ist eine Katastrophe! Eine Großaufnahme jagt die nächste, der Spielverlauf lässt sich so nicht vernünftig mitverfolgen, wenn man quasi nie eine Totalansicht des Spielfelds hat, wenn der Ball in Richtung der Strafräume läuft.

2. Die “Elfmeterszene” von Gomez kurz vor Schluss zeigte mal wieder den Unsinn der Elfmeter-Regel. Auf der linken Seite spielt der Verteidiger klar den Ball. Auf der rechten Seite trifft der andere Verteidiger nur den Spieler. An jeder anderen Position des Spielfelds wäre das ein Freistoß und das Argument, dass der Ball schon weg gewesen sei, würde niemand ernst nehmen (siehe Marcelo-Foul am Ende). Beim Elfmeter stellt die Bestrafung (80%ige Torchance) eine unverhältnismäßige Strafe dar, weshalb kaum ein Schiedsrichter diesen Elfmeter gibt. Das schwammige “Fingerspitzengefühl” soll also eine unsinnige Regel ausgleichen. Kein Wunder, dass es hier so viel Diskussionsstoff gibt.

22.37

Endstand: Bayern München – Real Madrid 2:1.

Den “hochverdienten Sieg”, den Marcel Reif den Bayern attestiert, habe ich nicht gesehen. Es war ein enges Spiel, das die Bayern nach Anfangsnervosität mit offenem Visier angegangen sind und sich schon allein deshalb den Sieg verdient. Andererseits war Bayern selten so zwingend, dass das Ergebnis unabänderlich gewesen wäre.

Eine realistische Chance hat Bayern mit dem Ergebnis in Madrid definitiv. Real wird sich deutlich steigern müssen, was im eigenen Stadion auch mehr als wahrscheinlich ist.

22.37

90+3′ Marcelo mit klar rotwürdigem Foul, sieht aber nur Gelb. Webb, wie er leibt und lebt. Madrid, wie es leibt und lebt.

22.36

90+2′ Noch einmal ein Freitstoß für Madrid, den Neuer locker abfängt. Die Führung hat sich Bayern erkämpft. Sie ist verdient, auch wenn Bayern trotz Feldüberlegenheit wenig richtig gute Chancen hatte.

Gelb gegen Higuain.

22.32

90′ Bayern München – Real Madrid 2:1, Gomez.

Lahm setzt sich stark gegen Coentrao durch und flankt von der Grundlinie flach vors Tor, vor drei Verteidiger und ein Torwart verdutzt zuschauen, wie Gomez den Ball ins Tor spitzelt.

22.29

86′ Erneut eine Kopfballchance für Gomez, dessen Kopfball aber leichte Beute für Casillas ist. Torchancen bekommen die Bayern, doch richtig zwingend werden sie kaum.

22.27

83′ Ribery mit einem Kunststück am Ball, das zwei Gegner aus dem Spiel nimmt. Seine Hereingabe verpasst Robben in der Mitte knapp und Real kann mit etwas Gewürge klären. Ribery fordert anschließend lautstark einen Handelfmeter, aber Pepe bekam den Ball deutlich sichtbar an die Brust.

84′ Letzter Wechsel Madrid: Higuain für Benzema.

22.24

81′ Auch wenn die Bayern tonangebend bleiben, hat Madrid das Zentrum ganz gut zu bekommen. Nach vorne riskiert man kaum noch etwas, warum auch. Bayern auf der Suche nach der entscheidenden Lücke. Richtig gute Torchancen sind Mangelware.

22.21

78′ Nächster Wechsel bei Madrid: Granero kommt für di Maria ins Spiel.

22.19

75′ Nun hat auch Ramos Gelb gesehen, für ein typisches Ramos-Foul: Zu spät, mit Anlauf und voll durchgezogen.

22.15

72′ Nach dem Wechsel sieht es bei Real folgendermaßen aus: Marcelo als offensiver linker Flügelspieler und Ronaldo wechselt auf die rechte Seite.

Gute Chance für Gomez nach Flanke von Lahm, doch sein Kopfball geht übers Tor.

22.13

69′ Bayern hat gut reagiert und übt viel Druck auf Madrid aus, will ein Übergewicht erspielen und Real hinten rein drücken. Madrid hält jedoch früh dagegen und sucht die Zweikämpfe. Es geht viel über Kampf derzeit, den die Bayern annehmen und so in Tornähe kommen.

Mourinho reagiert: Marcelo kommt für Özil.

22.08

64′ Gelb gegen Lahm. Das Spiel ist nicht übermäßig hart und Webb pfeift erwartungsgemäß nicht kleinlich, aber es gibt viele kleinere Fouls und auch einige klar gelbwürdige Vergehen.

22.06

63′ Webb will dann mal seinen Ruf retten und lässt zwei harte Tacklings von Luiz Gustavo weiterlaufen (gab bislang keine Zeitlupe, kann die Szenen nicht richtig beurteilen) und winkt dann auch Pepes Rempler gegen Gomez im Strafraum durch.

22.04

61′ Wechsel FC Bayern: Thomas Müller kommt für Schweinsteiger, der ungläubig guckte, als die Tafel mit seinem Namen hochging. Kroos dürfte nun den zweiten Sechser geben und alles eine Spur riskanter werden.

22.03

58′ Was ich vorhin schreiben wollte, kurz bevor das Tor fiel: Offensiv waren die ersten Minuten der 2. Halbzeit enttäuschend von Madrid. Ein wichtiger Faktor dabei: Xabi Alonso ist völlig aus dem Spiel. Muss sich immer wieder sehr weit nach hinten fallenlassen und es sieht bei weitem nicht immer freiwillig aus. Die Spieleröffnung durch die Innenverteidiger ist schwach, was nichts neues ist, doch normalerweise kann man es über Alonso ausgleichen. Heute gelingt dies weit weniger.

60′ Gelb gegen di Maria wegen Ballwegschlagens

21.56

53′ Bayern München – Real Madrid 1:1, Özil.

Gerade wollte ich Madrids Schwächen in der Offensive beschreiben, da kontert Madrid mit erschreckender Überzahl die Bayern aus. Ronaldo schiebt völlig frei vor dem Tor Neuer den Ball in die Beine, doch Madrid setzt nach und Benzemas Hereingabe wird von Ronaldo hart und flach vors Tor geschossen, wo Özil den Fuß rein hält.

56′ Gelb gegen Coentrao und Xabi Alonso innerhalb weniger Sekunden.

21.48

46′ Es geht weiter. Beide Mannschaften bleiben aufstellungstechnisch unverändert.

21.32

Halbzeit: Bayern München – Real Madrid 1:0

Pausenüberschrift: Zahn gezogen. Die Führung der Bayern ist nicht unverdient, auch wenn die guten Phasen im wesentlich nach dem – irrgulären – Tor kamen, das den Spielverlauf zu dem Zeitpunkt auf den Kopf stellte. Mit der Führung im Rücken spielte Bayern auf und kam zu weiteren Torszenen, während Madrid in vielen Bereichen des Spiels Probleme bekam. Im Zentrum hat Bayern ein Übergewicht, das sich so in den ersten 20 Minuten nicht abzeichnete.

Pausenfrage: Wie viele Zähne hat Madrid noch und wann beißen sie zu?

Ein 0:1 ist ein schlechtes Auswärtsergebnis und Madrid wird im Laufe der Partie sicher den Druck erhöhen wollen. Versucht man bereits in der Anfangsphase der 2. Halbzeit das Pressing zu verstärken oder beschränkt man sich zunächst darauf, die Ordnung, die längst nicht immer stimmte, wieder herzustellen und auf Fehler der Bayern zu warten? Solange für Real die Null steht wird irgendwann der Punkt kommen müssen, an dem man mehr Risiko geht und dann bin ich sehr gespannt auf Bayerns Reaktion.

21.31

45′ Jetzt noch mal eine gute Freistoßchance für Bayern kurz vor der Strafraumgrenze. Kroos tritt ihn, in die Mauer. Eine Minute Nachspielzeit angezeigt, die schon fast wieder rum ist.

21.29

43′ Nach einigen Minuten, als di Maria auf die Zehnerposition rückte und Özil auf den linken Flügel ging, hatten die Bayern große Probleme sich darauf einzustellen. Nach und nach wurde Özil allerdings etwas zur Randfigur. Inzwischen orientiert sich Özil wieder etwas mehr in die Mitte, der linke Flügel bleibt offensiv des öfteren unbesetzt oder wird von Benzema eingenommen.

21.26

40′ Zunächst eine Chance für Benzema, den Alaba nicht am Schuss hindern kann und im Gegenzug spielt Kroos Gomez wunderschön frei und Casillas muss eine starke Parade auspacken, um den Ball übers Tor zu lenken.

21.23

36′ Langsam aber sicher findet Real zurück in die Partie, holt zumindest Standards aus guten Positionen heraus. Alonso bringt ihn von links rein. Gefährliche Flugbahn aber gut geklärt von den Bayern

Kurz darauf übles Foul von Robben an Coentrao, für das er zurecht Gelb sieht. Voll drüber gehalten.

21.17

31′ Gelb gegen Badstuber nach Foul an di Maria, der unglaublich viel Platz im Zentrum hatte. Wieder eine Ronaldo-Position, etwas weiter weg diesmal, gut 30 Meter.

Der Ball wird abgefälscht und ist leichte Beute für Neuer.

21.15

27′ Zweite Torchance für den FCB durch einen Schweinsteiger-Fernschusss, geht knapp am rechten Pfosten vorbei.

Von einer Dominanz würde ich noch nicht sprechen, aber die Bayern haben das Momentum deutlich auf ihre Seite gezogen.

29′ Auf der Gegenseite ein etwas verunglückter Schuss von Ronaldo übers Tor.

21.12

26′ Es ist nicht so, dass Real übermäßig beeindruckt wirkt, aber die Bayern scheinen mit dem Führungstor gemerkt zu haben, dass sie hier tatsächlich eine Chance haben, nachdem sie dem Gegner 10 Minuten mehr oder weniger bewundernd zugeschaut hatten. Deutlich mehr Tempo im Spiel der Hausherren, vor allem durch Ribery, aber auch den erwachten Robben.

21.07

22′ Jetzt eine gute Freistoßchance für Madrid nach überflüssigem Foul von Lahm. Ronaldo aus 22 Metern übers Tor. Mal sehen, wie lange das Tor für die Bayern als Aufputschmittel wirkt.

21.02

17′ Bayern – Madrid 1:0, Ribery.

Ecke von der linken Seite. Der Ball trudelt durch den Strafraum und Ribery schießt ihn aus 10 Metern rein. Gleich in zweierlei Hinsicht eine knifflige Szene: Badstuber springt der Ball an den Arm. Schwer, ihm da Absicht zu unterstellen, da der Arm quasi keine Bewegung macht. Luiz Gustavo stand dagegen im Abseits und nahm Casillas deutlich die Sicht. Aber das Tor zählt und kommt für Bayern zu einem sehr glücklichen Zeitpunkt.

21.01

14′ Seit ich geschrieben habe, das Bayern am Drücker bleibt, spielt hier nur noch Madrid. Robben und Ribery werden auf den Außen zugestellt, bevor sie überhaupt einen Ball bekommen (Robben: 0 Ballkontakte). Das ist kein wirklich aggressives Pressing, aber höchst effektiv. Bayern zeigt sich beeindruckt.

15′ Bayern fordert Elfmeter, aber Webb winkt direkt ab. Schwalbe von Ribery.

20.56

11′ Di Maria ist für mich der Mann der ersten 10 Minuten. Hinten sehr aufmerksam, sehr beweglich und mit großem Aktionsradius. Wenn er in die Mitte zieht und Özil für ihn auf den Flügel rückt, ist Real am gefährlichsten.

20.53

7′ Riesenchance für Madrid. Klasse Steilpass von Özil auf Benzema in die Spitze und Neuer wehrt den harten aber mittigen Schuss des Franzosen ab. Sobald Madrid den Ball ins Angriffsdrittel bekommt, machen sie Bayern Probleme.

20.51

5′ Erste gute Freistoßsituation für die Bayern. Marcel Reif ätzt gegen Howard Webb, den er seit dem WM-Finale 2010 nicht mehr leiden kann. Die Hereingabe wird per Kopf geklärt, doch Bayern bleibt gleich am Drücker. Madrid steht nicht tief, agiert aber (noch) eher abwartend.

20.47

@Estadox: Ich drücke niemandem so richtig die Daumen. Außer Özil :-)

20.45

1′ Und los geht’s. Anpfiff in der Allianz Arena.

20.44

Die Mannschaften kommen raus. Ich bin sehr gespannt, wie Madrid dieses Spiel angehen wird. Bei den Bayern kann ich mir kaum vorstellen, dass sie ihre Spielausrichtung groß ändern, zumal sie weniger Handlungsspielraum haben als Madrid. Sie müssen heute vorlegen. Real könnte sich auch auf eine Defensivtaktik verlegen, doch dazu passen weder Aufstellung noch Selbstverständnis (solange es nicht gegen Barcelona geht). Ich denke nach wie vor, dass Mourinho Bayerns Probleme bei gegnerischem Pressing ausnutzen will.

20.39

Keine Überraschungen bei den Aufstellungen. Die Bayern wie erwartet mit Müller auf der Bank und Schweinsteiger in der Startelf. Bei Madrid spielen Özil und di Maria in einer Dreierreihe mit Ronaldo sowie Coentrao als Linksverteidiger. Marcelo, die offensivere Variante hinten links, sitzt auf der Bank, genau wie Kaka und Higuain.

20.36

Ich experimentiere heute mal mit einem neuen Liveblogging-Plugin, deshalb kann man hier heute nicht kommentieren (außer natürlich unten drunter im “normalen” Kommentarfeld). Mal sehen, wie gut es funktioniert.

20.34

Die Aufstellungen:

FC Bayern: Neuer – Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba – Luiz Gustavo, Schweinsteiger – Robben, Kroos, Ribery – Gomez

Real Madrid: Casillas – Arbeloa, Pepe, Sergio Ramos, Coentrao – Khedira, Xabi Alonso – di Maria, Özil, Cristiano Ronaldo – Benzema

20.30

Moin, äh, Grüß Gott aus Bremen!

Vorbericht

Die Mannschaften haben vor dem Halbfinale sehr unterschiedliche Ausgangssituationen: Bayern hat die Meisterschaft spätestens am Samstag verloren, kann aber über die Champions League noch vieles retten. Das Finale in München wäre ein Traum für den Verein. Real Madrid war vor ein paar Wochen schon fast sicher Meister und muss nun doch noch einmal zittern, falls man Samstag in Barcelona verliert. Diese Saison könnte zur Wachablösung in Spanien werden, doch dazu müsste man neben der Meisterschaft Barca auch die Champions League entreißen.

Real Madrid vor dem Spiel

Madrid hat sich offensiv weiterentwickelt und verfügt personell über sehr viele nahezu gleichwertige Optionen. Neben Ronaldo spielen drei Offensivakteure aus dem Sextett Benzema, Higuain, Özil, Kaka, di Maria und Callejon in einer flexiblen 3-1 Anordnung, die je nach Gegner angepasst werden kann. Im zentralen Mittelfeld hat man ebenfalls viele Optionen von energetisch (Lass, Khedira) bis spielerisch hochwertig (Xabi Alonso, Sahin). In der Abwehr werden keine gefangenen gemacht. Rustikaler als das Innenverteidiger-Duo Pepe und Sergio Ramos geht es nicht, ohne sich strafbar zu machen. In Marcelo und Coentrao hat man Außenverteidiger, die viel Dampf nach vorne machen können, aber auch für die vorsichtiger Variante stehen mit Arbeloa Optionen zur Verfügung. Kadermäßig kann José Mourinho aus dem vollen schöpfen.

Die schiere Offensivpower Madrids ist furchteinflößend. Im Sturmzentrum besitzt man mit Benzema und Higuain zwei Spieler, die zwar unterschiedliche Stärken, aber gleichwertige Torgefährlichkeit aufweisen. Cristiano Ronaldo hat seine überragende Torquote der letzten Saison sogar noch gesteigert. Wirklich begeistert bin ich jedoch vom Zusammenspiel von Özil, di Maria und Kaka. Egal welche zwei Mourinho spielen lässt, sie lassen sich kaum aus dem Spiel nehmen und bereiten Ronaldo und den Stoßstürmern mit genialen Pässen und Läufen den Weg. Dazu wirkt auch das defensive Mittelfeld dominanter als noch vor einem Jahr, so dass die Bayern nicht davon ausgehen sollten, mehr Ballbesitz zu haben. Oder plant Mourinho in München einen Defensivcoup? Angesichts der bayerischen Probleme mit aggressivem gegnerischen Pressing kaum vorstellbar.

Bayern München vor dem Spiel

Der FC Bayern spielt eine insgesamt gute Saison, hat allerdings seit dem goldenen Herbst mit einigen Problemen zu kämpfen, die verhindern, dass aus der guten eine überragende Saison wurde und die Jupp Heynckes bislang nicht in den Griff bekam. Bayern kann immer noch Mannschaften fast jeglichen Kalibers an die Wand spielen, gerät jedoch immer dann in Bedrängnis, wenn ein Gegner aggressives Pressing spielt. Den dafür nötigen Organisationsgrad und das Selbstvertrauen haben zum Glück für die Bayern nicht allzu viele Mannschaften. Dank der individuellen Klasse der Offensivspieler und der unter Heynckes zurückgekehrten defensiven Stabilität zählt man weiterhin zu den Topteams in Europa. Einen spielerischen Fortschritt kann man abgesehen vom zwischenzeitlichen Höhenflug im Herbst jedoch nicht erkennen. So ist Bayern ein Riese, der nur innerhalb der eigenen Komfortzone zu erschrecken weiß.

Schweinsteiger ist sicher nicht die Lösung aller Probleme bei den Bayern, verleiht dem Team aber im Zentrum eine Extraportion spielerischer Klasse und ist für das Aufbauspiel enorm wichtig. Die offensive Abhängigkeit von der mitunter launischen Flügelzange „Robbery“ bleibt aber auch in seiner Anwesenheit bestehen. Die größere Gefahr geht derzeit von der linken Seite aus, wo Ribery vom bärenstarken Alaba unterstützt wird. Das Duo Robben/Lahm ist hingegen noch nicht zu alter Gefährlichkeit zurückgekehrt. Topscorer Gomez ist für mich mehr Resultat als Ausgangspunkt der bayerischen Torgefährlichkeit. Wird er mit Hereingaben gefüttert, ist er kaum zu stoppen. Schneidet man ihm hingegen den Zufluss an Bällen in die Spitze ab, nimmt man ihn damit weitgehend aus dem Spiel und er nimmt als interessierter Beobachter am Spiel teil. Ein mitspielender Stürmer oder gar eine falsche Neun ist er nicht, weshalb Olics Rückkehr zur Topform in den Spielen gegen Madrid sehr wichtig werden kann.

Prognose

Entscheidend für den Ausgang dieses Duells wird vor allem die Frage sein, ob Madrid den starken linken Flügel der Bayern stoppen kann. Zumindest im Hinspiel dürfte Mourinho die vorsichtige Variante Arbeloa als Rechtsverteidiger gegen Ribery wählen. Damit spekuliert er weniger auf den freien Raum, der sich hinter dem etwas defensivfaulen Franzosen ergibt, als es beispielsweise Piszeck beim BVB tat. Ansonsten sehe ich einen klaren Vorteil für Real Madrid, gerade auch wegen des stark verbesserten Pressings, mit dem man schon Barcelona vor große Probleme stellte. Es wird sich zeigen, ob die für Bayern sprechende Historie in dem Spiel eine Rolle spielt, doch eigentlich kann ich es mir bei Mourinhos psychologischen Fähigkeiten nicht vorstellen, dass sich seine Spieler davon beeindrucken lassen – ganz anders als bei den omnipräsenten Classicos.

Die Aufgaben für den FCB erscheinen angesichts der momentanen Probleme zu groß. Kann das Mittelfeld mit Schweinsteiger sowohl den Spielaufbau verbessern, als auch Özils Kreise eindämmen? Kann Robben den durch Marcelos oder Coentraos Vorstöße entstehenden Platz ausnutzen und gleichzeitig seine Defensivaufgaben erfüllen? Und warum gelingt es eigentlich schon seit Monaten nicht mehr so richtig, Thomas Müllers Läufe in den Raum mit den nötigen Bällen zu füttern? Erwischt Bayern einen richtig guten Tag, ist heute Abend etwas drin. Ansonsten könnte schon vor dem Rückspiel alles vorbei sein, weil die dicke Lady Cristiano Ronaldo gesungen hat.

VfB Stuttgart vs. Werder Bremen Live-Blog

Nach längerer Zeit gibt es heute mal wieder ein Live-Blog von mir zum Spiel VfB Stuttgart gegen Werder Bremen. Ab 20 Uhr geht’s los:

A Night at the Opera: Werder vs. Gladbach

Bremen, Weserstadion, Ostkurve. Hinterm Tor, Flacher Blickwinkel, Eingeschränktes Sichtfeld – kein Ort für Analysen. Hier wird gehüpft, gebrüllt, gesungen. Und ich bin mittendrin.

Wir sind spät dran. Ausgerechnet heute, wo wir in der Ostkurve stehen. Ohne feste Plätze, auf die man sich auch fünf Minuten nach Anpfiff noch setzen kann, ohne dabei groß negativ aufzufallen. Eine Dreiviertelstunde noch bis zum Anpfiff. Wir gehen los. An der Ampel merkt sie, dass sie ihr Portemonnaie vergessen hat. Zurück nach Hause. Wildes Suchen. In jeder Ecke mehrfach. Die Zeit verrinnt unerbittlich. Ich tappe mit dem Fuß unruhig auf den Fliesen, während sie wie ein Derwisch durch die Zimmer fegt und ihr Portemonnaie nicht findet. Ich überlege, ob ich ihr helfen soll. Es würde nicht helfen, ich würde ihr höchstens in die Quere kommen und im schlimmsten Fall am Ende vielleicht sogar daran Schuld sein, dass das Portemonnaie weg ist. Wann sie es zuletzt gesehen hat, frage ich etwas kleinlaut. Vorhin. Eben gerade. Also vor einiger, eigentlich sogar ziemlich kurzer, keinesfalls aber sehr langer Zeit. Ich schaue nervös auf mein Handy. Noch fünfunddreißig Minuten. Sie rennt mit dem Portemonnaie in der Hand an mir vorbei aus der Haustür und ich hinterher.

Schnellen Schrittes zur Bushaltestelle. Es sind nur vier Stationen, doch der Bus fährt schon ab, bevor wir die Kreuzung erreichen. Der nächste kommt in sieben Minuten. Dann sind es noch zwanzig Minuten bis zum Anstoß. Zehn Minuten Fußweg kommen auch noch dazu. Den Osterdeich entlang, vorbei an den wartenden Bussen auf der Straße, dann vorbei an den anderen wartenden Bussen auf dem Parkplatz. Mit etwas Glück kommen wir vor Anpfiff durch die Kontrolle und haben noch eine Minute um uns einen Platz zu suchen. Ich schaue auf die Uhr, als wir die Treppen zur Ostkurve hochgehen. Noch drei Minuten. Genügend Zeit um schnell auf die Toilette zu gehen. Jetzt, wo alles leer ist und meine Blase voll. Ich schaffe das, sage ich mir und ihr und verschwinde auf dem Männerklo. Eine Minute später komme ich wieder heraus und sie ist weg.

Suchen. Rufen. Aufs Handy schauen. Ist sie schon voraus gegangen? Und wenn ja wohin? Abwechselnd schaue ich auf die Uhr und versuche sie anzurufen. Es baut sich keine Verbindung auf. Wie immer im Weserstadion. Das einzige, was hier Netz hat, sind die Tore. Und nun? Ich finde sie nicht. Ich laufe nervös zum ganzen linken Tribüneneingang. Beim letzten Mal standen wir dort. Gefühlt sind 10 Minuten vergangen, doch meine Uhr zeigt genau Acht. Die Mannschaften kommen aufs Feld und ich stolpere vorbei an Ordnern und anderen wartenden Fans nach unten. Ich sehe sie nicht. Hätte sie nicht eine Minute auf mich warten können? Ich zwänge mich in eine der Reihen, bis es nicht mehr weitergeht. Hinter mir ein grimmiger älterer Mann, der die Arme verschränkt hält. Von ihr keine Spur. Anpfiff.

Dem Spiel fehlt die Tiefe. Von meinem Platz aus. Es hat nur eineinhalb Dimensionen: Horizontal und hoher Ball. Vertikal lässt sich spätestens ab der Mittellinie keine Entfernung mehr einschätzen. Wann immer ein Werderspieler in der gegnerischen Hälfte in zentraler Position an den Ball kommt, fordert die Menge den Torschuss. Naldo auf der Sechs, Boenisch als Rechtsverteidiger. Die jungen Wilden auf der Bank. Es hupt. Eine SMS: Wo bist du? Ich? Ich bin hier. Wo bist DU? Bin am Eingang. Werder macht Tempo, versucht es jedenfalls. Mit dieser ewigen Raute mit dem ewigen Kurzpassspiel und den ewigen schnellen Ballverlusten, weil schon ewig die Ruhe im Aufbau fehlt. Nimm den Ball doch an. Den Fritz, den kannst du doch in der Pfeife rauchen. Was macht ihr da für eine Scheiße? Arrango, du bist hässlich! Sprüche, wie am Alt-Herren-Stammtisch. Das ist Fußball. Auch.

Es hupt wieder: Rechter Gang, 8. Reihe. Rechte Reihe? Warum bist du da? Und warum steht der Herrmann da? So frei! Aber er vergibt. Glück gehabt. Überhaupt diese Gladbacher. Haben die bessere Raumaufteilung und die bessere Spielanlage. Der Favre, das wäre doch einer für uns! Da weiß jeder was er zu tun hat, in jeder Situation. Bei Werder weiß Rosenberg, dass Pizarro den Ball durch Dante hindurch passt und sprintet hinterher. Läuft immer weiter. Schieß doch endlich! Läuft immer noch. Dann ein Schuss, dessen Flugbahn gen Anzeigetafel zu verlaufen scheint. Wieder so eine Chance vertan. Plötzlich und unerwartet senkt sich der Ball. Ist er schon hinter dem Tor? Das Netz zappelt und Sekundenbruchteile später zappelt auch die Ostkurve. Rosi, du abgekochtes Schlitzohr. Ich hab es immer gewusst, dass du ein Goalgetter bist! Und Gladbach hat hier sowieso noch nie gewonnen. Ich brülle meine Freude heraus und schaue aufs Handy. Meine letzte SMS wurde nicht versendet: Lass uns in der Halbzeit treffen. Ich will das Telefon gerade wegstecken, da hupt es: Sehen uns in der Hz. Gedankenübertragung. Und 1:0. Was kann man mehr erwarten.

DAS WAR KEIN FOUL! Lass die rote Karte gefälligst stecken! Er lässt nicht. Boenisch muss duschen gehen und Werder ist nur noch zu Zehnt. Wolfgang Rolff kommt an der Kurve vorbeigelaufen und holt Ignjovski zur Trainerbank. Iggy zieht die Trainingsklamotten aus und macht sich bereit für seinen Einsatz. Dann trabt er plötzlich wieder hinterm Tor mit den anderen Auswechselspielern. Einmal nicht hingeschaut und schon alles verpasst. So wie Werders Spieler. Gladbach passt sich so schnell durchs gelichtete Bremer Mittelfeld, dass einem Angst und Bange wird. Warum sieht das so einfach aus? Ist es vielleicht einfach so einfach? Und wer spielt da im rechten Mittelfeld? Niemand. Nun gut, wird schon seine Gründe haben. Oder auch nicht. Es geht jedenfalls gut bis zur Halbzeit. Irgendwie. Ein Pfiff. Viele Pfiffe, als das Schiedsrichtergespann in den Tunnel geht. Ich zwänge mich wieder zurück durch die Reihe zum Aufgang, die Treppen hoch, durch den Innenbereich, vorbei an wartenden Toilette-Müssern und Bier-Gernhättern, auf der anderen Seite wieder nach draußen, wo ist denn Reihe 8? Zu ihr. Wir fallen uns um den Hals. 1:0.

Wo sie denn auf einmal war? Na, am Eingang, das hatte sie mir doch geschrieben, als ich auf der Toilette war. Nein. Oh Gott, ist die Nachricht etwa nicht angekommen? Das Funkloch, größer als jenes im rechten Mittelfeld. Sie entschuldigt sich mit einem langen Kuss. Auch mein schlechtes Gewissen, dass ich sie nicht weiter gesucht habe, redet sie mir aus. Werder geht immer vor. Ich mag ihr nicht ganz zustimmen, bin aber dennoch erleichtert.

Es geht weiter und es sieht gar nicht mal so schlecht aus. Die Löcher werden weniger, Gladbach wirkt nicht mehr ganz so übermächtig. Auf geht’s Werder, kämpfen und siegen! Die zehn verbliebenen Bremer wetzen hinter jedem Ball her und das Stadion geht begeistert mit. Dann gibt es einen Einwurf für Werder auf der linken Seite. Schmitz wirft. An den Kopf eines Gladbachers, der zehn Meter vor ihm steht. Was machst du denn da für einen Mist, denke ich und zähle in Gedanken schon die Sekunden bis zum Gegentor. Einundzwanzig, zweiundzwanzig. Die Pässe zerschneiden die Bremer Abwehr wie Butter, auf der Seite des Spielfelds, auf der es nur die Horizonale gibt. Siebenundzwanzig. Zack, zack, zack. Dann Hanke. 1:1.

Die folgenden Minuten vergehen wie im Zeitraffer. Oder wie in Zeitlupe? Nicht mal da bin ich mir sicher. Wie in Watte gepackt fühlt sich mein Kopf im weiteren Verlauf des Spiels an. Weh tut es schon lange nicht mehr. Ist Gladbach gerade besser? Fangen wir uns wieder? Vergehen zwischen dem Ausgleich und dem Gladbacher Führungstor fünf, zehn oder fünfundzwanzig Minuten? Ich weiß es nicht. Selbst die Euphorie bei den Bremer Gegenstößen erlebe ich wie hinter einer Milchglasscheibe. Regnet es? Oder ist es ein schöner Frühlingstag? Ist Werder gerade torgefährlich? Die Reaktionen der umstehenden Fans deuten darauf hin. Neben mir hippelt sie unruhig hin und her. Meine Hände klatschen rhythmisch, während mein Kopf unwillkürliche Ellipsen dreht. Oder bewegt er sich gar nicht? Ich weiß nicht, ob ich nichts weiß. Dann bläst Hanke die Watte weg. 1:2.

Das Spiel fühlt sich jetzt wieder schrecklich real an. Ich greife nach ihrer Hand und halte sie fest. Das war es dann wohl. Das muss es sein. Die Gladbacher Überlegenheit scheint plötzlich wieder unerträglich deutlich und unabänderlich. Die Luft wird bald raus sein und wenn wir Pech haben, wird es noch ein richtig schmerzhaftes Ergebnis. Wie lange ist noch zu spielen? Zu lange. Nicht lange genug. Werder wehrt sich weiterhin. Gibt nicht auf. Iggy kommt für Marin. Warum erst jetzt? Nicht so viel fragen. Hoffen. Glauben! Ich verbiete mir bis zum Schlusspfiff jede weitere Frage und jeden Versuch, etwas zu analysieren. Einfach alles aufsaugen, pure Emotion. Freistoß Junuzovic. Er zeigt mit Zeige- und Mittelfinger eine Zwei an. Vielleicht auch eine römische Fünf oder ein Victory-Zeichen. Sokratis am langen Pfosten klopft sich auf die Brust. Der Ball kommt mit Schnitt und Tempo in den Strafraum geflogen. Sokratis nimmt Anlauf, springt und wuchtet den Ball in die Maschen. Während mein Gehirn ein griechisches Heldenepos spinnt, feiert das Stadion Naldo als Torschützen. Aber trotzdem. Dieser Wille. Diese pure Entschlossenheit. Hätte Naldo nicht im Weg gestanden, hätte Sokratis den Ball durchs Tornetz gejagt. Da bin ich mir sicher. Ausgleich, da bin ich mir auch sicher. 2:2.

Nicht so sicher bin ich mir, wie wir die Schlussphase überstehen. Gladbach trifft die Latte, Pizarro das Gladbacher Bein und der Schiedsrichter die Entscheidung, dass eine knappe Minute Nachspielzeit reicht. Unterm Strich steht ein Punkt. Überm Strich stehen wir. In der Tabelle. Dem Strich, der die internationalen Plätze vom Mittelfeld trennt. Noch. Das Publikum goutiert die Aufführung in der Bremer Fußballoper mit stehenden Ovationen. Das Ensemble applaudiert brav zurück und irgendwie scheinen alle ein bisschen zufrieden zu sein. Auch ich. Auch sie. Wir gehen Hand in Hand hinaus in die Nacht.

Morgen werde ich merken, dass dieses Spiel kein Fortschritt war. Werde mich fragen, wie Gladbach uns innerhalb so kurzer Zeit nicht nur taktisch sondern auch spielerisch überholen und abhängen konnte. Werde mir die gleichen Sorgen um Werder machen, wie in den letzten Wochen und Monaten. Werde einen Verriss schreiben, über das Stück, das im Weserstadion aufgeführt wurde.

Aber heute, heute lasse ich die Musik in meinem Kopf verklingen und bilde mir ein, sie wäre schön gewesen.

Meine Saison mit und ohne den SVW

Ich hätte mir wohl keinen pathetischeren Tag aussuchen können, um meinem Blog neues Leben einzuhauchen. Mir war schon relativ bald nach meinem Exit klar, dass ich nicht dauerhaft auf “Meine Saison” verzichten will. Vielleicht auch kann. Was mir aber ebenso klar wurde ist, dass ich nicht so weitermachen möchte wie vorher. Zum einen wurde die Frequenz an neuen Blogposts schon im letzten Jahr immer geringer, was nur zum Teil an der geringeren Anzahl an Werderspielen liegt. Zum anderen habe ich mit Grünweiß noch ein anderes, sehr Werder-lastiges Projekt, weshalb meine Zeit noch etwas eingeschränkter ist als vorher.

Den Anspruch, alle Themen rund um Werder abzudecken, hatte ich noch nie. Zumindest aber die Spiele wollte ich hier angemessen vor- und nachbereiten. Davon habe ich mich inzwischen verabschiedet, da wir dies bei Grünweiß ohnehin tun. Hier wird es in Zukunft wesentlich bunter. Mein Fußballinteresse beschränkt sich nicht auf Werder und dementsprechend werde ich auch die Themenauswahl anpassen. “Meine Saison mit dem SVW” bleibt ein Fußballblog mit dem Schwerpunkt auf Werder Bremen, aber das „Meine Saison“ wird von nun an größer geschrieben als das „SVW“.

Eine genaue Eingrenzung nehme ich bewusst nicht vor. Das Spektrum wird weiterhin von Spielberichten über Liveblogs hin zu Analysen und Kommentaren reichen. Dabei werden manche Teams sicher häufiger vorkommen als andere, sei es aus Sympathie (Arsenal, Augsburg) oder aus besonderem Interesse (Barcelona, Bayern, Real Madrid, Serie A). Eine komplette Abdeckung einzelner Vereine oder Ligen wird es allerdings nicht geben.

Eine weitere Änderung gibt es noch: Nach etwas mehr als drei Jahren kehrt dieses Blog zurück zur alten Domain: www.meinesaison.de. Die alte Adresse wird entsprechend umgeleitet. Falls ihr mich in eurer Blogroll / Linkliste habt, wäre ich euch sehr dankbar, wenn ihr die URL ändert.

Das war‘s auch schon. Ich hoffe ein paar meiner alten Leser sind mir gewogen geblieben und wünsche euch noch schöne Ostertage.

Bis bald.