23. Spieltag: Sieg der Kampfschweine

Werder Bremen – Hamburger SV 1:0 (1:0)

In einem sehr kampfbetonten Spiel gewinnt Werder das 100. Nordderby und verschafft sich ein wenig Luft im Abstiegskampf.

Erzwungene Zweikampfschlacht

Etwas überraschend hielt Robin Dutt nach Hunts Rückkehr an seiner Doppelspitze fest und setzte im Mittelfeld auf eine Raute mit Bargfrede, Junuzovic, Obraniak und Hunt. Makiadi blieb zunächst auf der Bank. Der HSV spielte im flachen 4-4-1-1 mit derselben Besetzung, die letzte Woche mit 3:0 gegen Dortmund gewonnen hatte.

Das Spiel war von der ersten Minute an sehr umkämpft. Werder konnte sich dabei in der Anfangsphase einen Vorteil verschaffen, indem die Innenverteidiger im Spielaufbau sehr konsequent und aggressiv angelaufen und zu langen Bällen gezwungen wurden. Hunt spielte eine Art Manndeckung gegen Badelj, so dass Werder gegen den Ball manchmal in einem 4-3-3 stand. Werder gelang es so, den HSV in viele Zweikämpfe zu verwickeln. Dabei wirkten Werders Spieler fast über die gesamte Spieldauer konzentrierter und entschlossener als die des HSV. Dies zeigte sich auch bei den zweiten Bällen, von denen es mangels konstruktivem Aufbauspiels und vielen langen Bällen auf beiden Seiten eine Menge gab. Den Hamburgern gelang es kaum, die Bremer Raute über die Außenbahnen unter Druck zu setzen. Gegen die dynamischen Ignjovski und Garcia taten sich Rincon und Jiracek sichtlich schwer, auch weil die Hamburger Außenverteidiger nur zögerlich nachrückten. Lasogga konnte mit dem Rücken zum Tor einige Bälle behaupten, wurde von Prödl und Lukimya im Strafraum aber fast komplett abgeschaltet.

Das Führungstor fiel nach einer Standardsituation und auch hier war es ein zweiter Ball, den Garcia erlief und direkt wieder an den Strafraum brachte. Hunts akrobatische Vorlage wurde von Junuzovic verwertet. Danach blieb das Spiel kampfbetont, auch weil der HSV fast nie in die – durchaus vorhandenen – gefährlichen Räume vor der Bremer Viererkette vorstoßen konnte.

Dutts Wechsel entscheiden das Spiel

Nach dem Wechsel lieferten Slomka und Dutt sich ein kleines Schachspiel an der Seitenlinie. Zur Pause kam Van der Vaart für Rincon ins Spiel. Callhanoglu wechselte auf den rechten Flügel und kam dort wesentlich besser zur Geltung, als in der ersten Halbzeit (trotz seines Lattenschusses). Der HSV verlagerte das Spiel nun schneller auf die Außenbahnen und schaffte mit aufrückenden Außenverteidigern oft Überzahl. Dutt reagierte früh auf die sich ausbreitende Hamburger Dominanz, brachte Gebre Selassie für Di Santo und stellte auf ein 4-2-3-1 um. Das optische Übergewicht des HSV blieb zunächst noch bestehen, aber die Gefahr über die Flügel wurde eingedämmt.  So konnte sich Werder in der Folge über die Zweikämpfe wieder einen Vorteil erspielen, auch weil Dutt mit Makiadi einen zweiten nominellen Sechser brachte.

In der Schlussphase hätte Werder das Spiel mit einem zweiten Tor entscheiden müssen. Hier lag Dutt auch mit seiner dritten Einwechslung richtig, denn mit Elia hatte Werder bei Kontern einen Tempovorteil, den Junuzovic mit seinem egoistischen Torabschluss kurz vor dem Ende jedoch ignorierte. Der HSV wurde in dieser Phase überhaupt nicht mehr gefährlich und verlor auch sichtlich den Glauben an den eigenen Erfolg. Am Ende war es deshalb ein verdienter und trotz des knappen Ergebnisses ungefährdeter Heimsieg für Werder.

Der nächste Schritt

Zum ersten Mal in diesem Jahr gelingt Werder ein Ausrufezeichen im Abstiegskampf. Im Nordderby zu siegen war ungemein wichtig für die Stimmung im Umfeld und sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz verschaffen Team und Trainer erst mal etwas Luft zum Atmen. Zudem ist es sehr erfreulich, dass auch die in der Kritik stehenden Spieler wie Lukimya und Petersen überzeugen konnten. Lukimya zeigte wieder das einfache, rustikale und kompromisslose Spiel, mit dem er zu Beginn seiner Zeit bei Werder durchaus überzeugen konnte. Petersen, dem ich letzte Woche mit dem Rücken zum Tor die Bundesligatauglichkeit abgesprochen hatte, konnte seine Stärke im Spiel gegen den Ball zeigen und harmoniert langsam besser mit Di Santo. Die Chance von Petersen in der ersten Halbzeit demonstrierte das gut, als Di Santo einen langen Ball mit dem Kopf in Petersens Lauf verlängerte.

Die spielerische Dürftigkeit (nur 43% Ballbesitz, 62% Passquote insgesamt und 50% Passquote im Angriffsdrittel) kam diesmal kaum zum Tragen und nach dem achten Saisonspiel ohne Gegentor (so viele wie in den letzten zwei Jahren unter Schaaf zusammen) darf man der Defensive durchaus eine Entwicklung attestieren. Wolf rechtfertigt inzwischen den Torwartwechsel und hat vielleicht doch gute Chancen, länger als nur bis zum Sommer Werders Nummer 1 zu bleiben. Mit Ignjovski hat Dutt vielleicht den letzten Mosaikstein für die Viererkette gefunden.

Was der Sieg wert ist, werden wir erst in ein paar Wochen wissen. Nach zwei der fünf direkten Duelle um den Abstieg liegt Werder mit vier Punkten im Soll. In Nürnberg wird es wiederum vor allem darum gehen, intensiv und konzentriert gegen den Ball zu arbeiten und sich nicht auf einen offenen Schlagabtausch einzulassen wie im Hinspiel. Dafür scheint mir das Team jetzt wieder besser gerüstet als noch vor einigen Wochen.

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