24. Spieltag: Großer Schritt zum Klassenerhalt

1. FC Nürnberg – Werder Bremen 0:2 (0:1)

Werder hat die Leistung aus dem Nordderby in Nürnberg bestätigt und nutzt mit einem Auswärtssieg die schwachen Ergebnisse der Konkurrenz, um sich ein Stück aus der Abstiegszone abzusetzen.

Linkslastigkeit auf beiden Seiten

Werder begann wie im Nordderby mit einer Raute im Mittelfeld hinter der Doppelspitze Di Santo und Petersen. Rückkehrer Caldirola ersetze den verletzten Garcia links in der Viererkette. Nürnberg stellte vom unter Verbeek gewohnten 4-1-4-1 auf ein 4-2-3-1 mit Frantz und Campaña als Doppelsechs um. Den dichten Bremer Mittelfeldblock versuchte Nürnberg nach einer kurzen Abtastphase gezielt durch Angriffe über die linke Angriffsseite zu umspielen. Über weite Strecken der ersten Halbzeit standen die Teams versetzt zu dieser Seite. Bei Nürnberg schoben neben den beiden Außenspielern auch immer wieder einer der Sechser sowie Drmic und Kiyotake in Richtung linker Flügel. Werders Mittelfeldraute rückte ebenfalls weit auf diese Seite hinaus, um Rechtsverteidiger Ignjovski gegen die Nürnberger Überzahl zu unterstützen. Nachdem letzterer Mitte der 1. Halbzeit einige Male überspielt werden konnte, stabilisierte sich die Bremer Defensive und ließ nur noch wenige Angriffe über diese Seite bis zum Strafraum zu. Nürnbergs Spiel wirkte trotz überlegenen Passspiels somit recht eindimensional.

Auf der anderen Seite zeigte sich Werder bei den wenigen, aber gefährlichen Gegenstößen ebenfalls etwas linkslastig. Auf diese Weise konnte man den Platz nutzen, den die Nürnberger Überladungen des linken Flügels auf der anderen Seite ließen. Obraniak spielte im Vergleich zum oft einrückenden Junuzovic deutlich breiter und rückte nach Ballgewinn häufiger an die linke Außenlinie. Mit seiner Ballsicherheit und dem deutlich verbesserten Di Santo hatte man dort die nötigen Mittel, um Nürnberg in Bedrängnis zu bringen. Auch wenn eine leicht verbesserte Abstimmung und somit ein verbessertes Passspiel zwischen Werders Offensivleuten zu erkennen war, entstanden die Torchancen durch einfaches Spiel nach Ballgewinnen (Hunts Pfostenschuss, Bargfredes Tor) und individuelle Klasse (Di Santos Lattenschuss + Tor). Die Führung zur Halbzeit war dennoch nicht unverdient, da Werder insgesamt ein Chancenplus hatte und wie schon gegen Hamburg sehr präsent in den Zweikämpfen war.

Wiederholungstäter Dutt und Bargfrede

In der zweiten Halbzeit änderte Verbeek seine Strategie und ließ nicht mehr ganz so linkslastig angreifen. Das Spiel wurde nun schneller verlagert, was Werder Mühe beim Verschieben bereitete. Angesichts der Nürnberger Ballsicherheit schien es nur noch eine Frage von Minuten zu sein, bis der Ausgleich fallen würde. Parallelen zum Nordderby vor einer Woche waren klar zu erkennen. Dutt reagierte mit der Einwechslung Makiadis für Petersen und der Umstellung auf ein 4-2-3-1. Wie schon gegen den HSV stabilisierte diese Umstellung das Bremer Spiel und half dem Team, den Zugriff auf das Nürnberger Mittelfeld wiederzufinden. Verbeek reagierte mit der Einwechslung von Tomas Pekhardt, was jedoch nicht die gewünschte Torgefahr brachte.

Dazu kam Werder auch eine Portion Matchglück entgegen, als Bargfredes Schuss von Pinola glücklich wie unhaltbar abgefälscht wurde. Das zweite Tor kippte die Spieldynamik endgültig zu Werders Gunsten. Während Nürnberg die zuvor beeindruckende Ruhe im Spielaufbau immer mehr abging, entwickelte Werder in der Schlussphase fast vergessene Tugenden im Kombinationsspiel. Zwar hatte Nürnberg kurz vor Schluss noch eine Großchance, die in einem Lattenkopfball von Drmic endete, doch kam in der letzten Viertelstunde nur noch einmal richtig Spannung auf, als Hunt ein Elfmetergeschenk von Gräfe dankend ablehnte. Ob er für die Korrektur eines vorherigen Fehlverhaltens (immerhin einer Schwalbe, die normalerweise mit Gelb bestraft wird) eher einen Fair-Play-Preis verdient hat als Kiyotake für den Verzicht auf einen unberechtigten Eckball, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Schöne Gesten im Abstiegskampf waren beide Szenen allemal.

Mit Schach aus der Abstiegszone

Mit dem Sprung auf Platz 11 und der Vergrößerung des Vorsprungs auf die Abstiegszone scheinen Werder und Dutt wieder zurück in die Spur gefunden zu haben. Erneut konnte Dutt als geschickter Schachspieler glänzen und sein Team gut auf veränderte Taktiken des Gegners einstellen. Die Raute ist als Kompromiss zwischen defensiver Stabilität und eigener Torgefahr die derzeit passendste Formation – und wenn der Gegner sie knackt, stellt Dutt um. Zumindest gegen die direkten Konkurrenten lässt sich so punkten und mehr kann man nach den Problemen der letzten Monate kaum erwarten.

Die Zeit für Lobgesänge oder Entspannung ist hingegen noch nicht gekommen. Der Klassenerhalt ist in greifbarer Nähe, aber noch nicht gesichert. Wenn in den nächsten beiden Spielen gepunktet wird und sich die verbesserten Abläufe in der Defensive langsam einschleifen, gibt es in der zweiten Hälfte der Rückrunde vielleicht doch noch die nötige Ruhe, um sich der spielerischen Entwicklung der Mannschaft widmen zu können. Die gegen Hamburg angedeuteten Verbesserungen im Umschaltspiel und in der Verarbeitung langer Bälle wurden bestätigt, wenngleich noch an etlichen Stellen Defizite zu erkennen sind. Solange dies mit dem nötigen Einsatz und der Entschlossenheit der letzten Spiele wettgemacht wird, wird Werder im Abstiegskampf bestehen. Gleiches gilt für die Nürnberger, die mit ihrer Spielstärke eigentlich problemlos den Klassenerhalt schaffen sollten.

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    6 Gedanken zu „24. Spieltag: Großer Schritt zum Klassenerhalt

    1. Erst einmal recht herzlichen Dank für die wie immer umfassende und kurzweilige Spielanalyse! Als ein seit geraumer Zeit interessierter Mitleser ist es immer eine ersehnte Wohltat das Spiel oder andere Vereinsentwicklungen im Nachgang noch einmal sachlich aufbereitet und fundiert analysiert zur Diskussion gestellt zu bekommen.

      Deswegen meine Frage – siehst du in der aktuellen Rückbesinnung auf die Rautenformation eine generelle Zukunftsperspektive, auch im Hinblick auf die (schon getätigten) Neuverpflichtungen, oder glaubst du, dass es nur der aktuellen und in großen Teilen nicht mehr veränderbaren Kaderstruktur geschuldet ist.

      Interessant wäre in diesem Zusammenhang auch, wie die ausgeliehenen Rückkehrer und spielzeithoffenden Offensivtalente in das weiter zu entwickelnde System eingebunden werden könnten – respektive ein Verkauf aufgrund des nicht passenden Spielertypus notwendig werden wird (v.a. Wurtz/ Füllkrug/ Yildirim/ Aycicek etc.). Siehst du da eine gewisse Tendenz?

      Desweiteren habe ich es so verstanden, dass formative Anpassungen an die Grundformation der Raute vorgenommen worden sind (unabhängig von der Umstellung auf ein 4-2-3-1 während des Spiels), so dass dies dann vielleicht die angekündigte Trainerhandschrift und der “neue/ alte” Werder-typische Spielstil werden soll/ ist?!?

      Viele Grüße, vielen Dank und in Hoffnung auf weitere interessante Artikel!

      1. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die Raute langfristig zu Dutts bevorzugter Formation wird. Ich sehe sie eher als Mittel zum Zweck, da wir mir Hunt einen wichtigen Spieler haben, der sich nicht gut für die Außenbahn eignet und gleichzeitig keinen Mittelstürmer, der als alleinige Spitze funktioniert (bei Di Santo habe ich die Hoffnung in der Hinsicht noch nicht aufgegeben, bei Petersen schon). Da bleibt eigentlich fast nur noch die Raute als System, zumal Elia auch nicht durch gute Form besticht.

        Gerade offensiv hat die Raute in der Form, wie Dutt (und auch einige andere Trainer derzeit) sie spielen lässt doch einige Nachteile und ist stark von der individuellen Klasse einzelner Spieler abhängig. Und die Schaaf’sche Raute wird es bestimmt nicht so schnell wiederbelebt. In der kommenden Saison gehe ich eher wieder von einem System mit einem Stürmer aus, sei es ein 4-2-3-1/4-4-1-1 oder 4-3-3, je nachdem ob Hunt bleibt oder nicht. Hoffentlich mit dem einen oder anderen Flügelspieler, der über Spielintelligenz und gute Laufwege ohne Ball verfügt. Das geht den aktuellen Kandidaten (Elia, Yildirim) doch noch ziemlich ab. Ich kann mir aber schon gut vorstellen, dass Dutt die Raute als Alternativsystem immer wieder mal verwendet.

        Was die Nachwuchsspieler angeht: Ich denke, dass Yildirim oder Aycicek verliehen werden, vielleicht sogar beide. Von Füllkrug erhoffe ich mir viel im Angriff. Bei Wurtz bin ich noch etwas ratlos, als vierte Spitze wäre er überflüssig und ich weiß nicht, wie gut er sich für die übrigen offensiven Positionen eignet. Da hätte er gegenüber Bartels mMn das Nachsehen.

        1. Vielen Dank für deine umfassende Antwort!

          Nun verdichten sich ja die Indizien auf einen Abgang Aaron Hunts – ich persönlich habe da nur noch wenig Hoffnung auf eine Verlängerung…

          Damit wird wohl tatsächlich das Rautensystem nicht das bevorzugte für die neue Spielzeit werden.

          Interessant dabei wird sein, in welcher Rolle sich die Spielertypen Junuzovic, Obraniac, Kroos, von Haacke und Makiadi wiederfinden werden (Ekici sehe ich als Verkauskandidaten und Bargfrede als gesetzt) und ob man einem N. Füllkrug die Einsatzzeiten in einem Einstürmersystem offerieren kann, die er sich für seine Rückkehr sicherlich wünscht…

          Fragen über Fragen – in diesem Sinne viele Grüße!

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