28. Spieltag: Berlin, Testreise

Hertha BSC – Werder Bremen 2:1

Wer einsnull führt, der stets verliert. Seit dem Spiel gestern geistert dieser nicht zutreffende und absolut dämliche Spruch durch meine Gehirnwindungen. Gegen Hertha verspielte Werder eine glückliche, wenn auch nicht unverdiente Führung in der zweiten Halbzeit und kassierte eine unglückliche, aber ebenfalls nicht ganz unverdiente Niederlage. So nimmt man aus Berlin nichts mit, außer dem Willen, die Saison bitteschön auch dort zu beenden.

Ohne Diego und Mesut Özil im Gepäck war man zum Auswärtsspiel gereist. Da mit dem langzeitverletzten Daniel Jensen und in der zweiten Hälfte Aaron Hunt auch alle anderen Spieler ausfielen, deren Namen irgendwie mit Kreativität im Mittelfeld in Verbindung gebracht werden, stand in der zweiten Halbzeit wohl das defensivste Mittelfeld der Ära Schaaf auf dem Platz: Baumann, Frings, Niemeyer, Tziolis. Passt zu Werders Bundesligasaison: Solides Mittelmaß. Trotzdem kam Werder nach einer schwächeren Anfangsphase zu guten Tormöglichkeiten, die eben jene Baumann, Tziolis und Niemeyer ungenutzt ließen.

Das 1:0 aus Werdersicht erzielte dann einer der drei gelernten Innenverteidiger auf dem Platz, nämlich Per Mertesacker, nachdem ihm der Ball nach einer Ecke erst an die Hand und von dort über mehrere Umwege ins Tor sprang. Danach schaffte es Werder gut, dem Gegner im Mittelfeld den Wind aus den Segeln zu nehmen, ohne spielerisch mehr Esprit zu versprühen, als es nominell zu erwarten war. Doch plötzlich kam Hertha dank eines starken, aber nicht unhaltbaren Kopfballs von Simunic zum Ausgleich und tat danach viel für den Sieg, während Werder nur das Unentschieden über die Zeit retten wollte. Das Siegtor fiel dann jedoch durch einen unglücklichen Zufall: Naldo vertändelt den Ball, Chermiti mit einem ganz schwachen Pass auf Raffael und dieser dann per abgefälschtem Fernschuss (wer hier ein Wortspiel finde, darf es behalten) über Wiese ins Tor.

Vor den mit Spannung erwarteten Duellen mit dem HSV ist die Niederlage zumindest vom Gefühl her bedeutungslos. Ich habe selten ein Gegentor in der Schlussphase so gefasst zur Kenntnis genommen. Dabei ist seit gestern eines klar: Werder kann nun auch theoretisch nicht mehr Deutscher Meister werden. Es wird Zeit fürs erste Nordderby!

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