28. Spieltag: Ein Koch verdirbt den Brei

Werder – Nürnberg 1:0

Das Wetter spielt mit: es regnet nicht, zwischendurch kommt sogar die Sonne durch. Die Würstchen brutzeln auf dem Elektrogrill vor sich hin. Das Bier (selbstverständlich Haake-Beck 12) ist bestens gekühlt. Sogar der Besuch ist pünktlich. Was kann an solch einem Tag schon noch schiefgehen?

Das Spiel vielleicht. Immerhin geht es gegen den 6. der Tabelle, verdammt konterstark und gesegnet mit der besten Abwehr der Liga. Noch dazu mit einem Trainer, der mit der Presse noch ironischer umgeht und seinen Humor noch trockener rüberbringt als Thomas Schaaf. Auch die personelle Situation unserer Mannschaft gab kaum Anlass zur Freude. Borowski noch nicht fit, Baumann ohne Spielpraxis, Jensen und Schulz weiterhin verletzt, dazu noch der Ausfall von Wome. Man musste vor diesem Spiel nicht zwangsläufig optimistisch sein. Dieser Eindruck bestätigte sich kurz vor Anpfiff, als ich hörte, wer das Spiel kommentieren sollte: Oberglubberer Günther Koch.

Jahrelang war Günther Koch bekannt als der unterhaltsame
Dauerschwätzer, der in der Radiokonferenz sehr emotional und aufgeregt
von den Bayernderbys der Bundesliga berichtete. Ähnlich emotional und
aufgeregr spricht Koch auch als Fernsehkommentator bei Arena. Während
seine Reportagen im Radio durchaus interessant und packend sind, wirken
sie im Fernsehen ein bisschen fehl am Platz. Was Koch nicht zu wissen
scheint: Der Fernsehzuschauer sieht das Spiel! Im Fernsehen muss nicht
mehr jede Kleinigkeit beim Namen genannt werden (und auch nicht jeder
Spieler, der den Ball berührt). Genau so überflüssig sind die
überschwänglichen Beschreibungen von Spielsituationen, die im Radio ja
gerade das Salz in der Suppe für den "blinden" Zuschauer sind. Die
Kunst des Schweigens zum richtigen Zeitpunkt beherrscht Koch jedenfalls
nicht. So ist es immer etwas anstrengend seinen Kommentar im Fernsehen
über sich ergehen zu lassen, zumal sie sich hier über die vollen 90
Minuten erstrecken – ein weiterer großer Unterschied zur Radiokonferenz.

So weit, so schlecht, aber noch kein Grund zur Aufregung. Es gibt
schließlich eine ganze Reihe von Kommentatoren, die vom Fußball weniger
verstehen und noch nerviger sind als Koch. Das eigentliche Ärgernis war
ein ganz anderes: Günther Koch ist bekennender Nürnberg-Fan. Nachdem er
es ca. 25 Minuten lang geschafft hatte, das Spiel gequält-objektiv zu
kommentieren, konnte er seine Begeisterung über die tollen Glubberer
kaum noch verbergen. So erklärte er jeden Ballgewinn am eigenen
Strafraum zum gefährlichen Konterangriff, lobte die komplette
Nürnberger Mannschaft alle fünf Minuten überschwänglich dafür, beim
hohen Favoriten nicht mit fünf Toren hinten zu liegen – nur um im
nächsten Moment wieder zu betonen: "Nürnberg ist wieder wer!" Für einen
Nürnberg-Fan mag es eine Wonne sein, dem Mann zuzuhören. Für einen
Werderfan ist es geradezu unerträglich. So wird neben gegnerischer
Mannschaft, Schiri, Ball und Rasen auch noch der Reporter als Gegner
angesehen, der unserem schönen SVW den Heimsieg versauen will.

Wer weiß, vielleicht wird anderswo ein Fritz von Thurn und Taxis als
nerviger Werderfan eingestuft (obwohl das seiner Herkunft nach kaum
möglich sein dürfte). Nicht zu vergessen Jörg Wontorra, der sogar in
Werders Aufsichtsrat saß. Eine solch parteiische Reportage wie Günther
Koch habe ich sonst allerdings (in der Bundesliga) noch nicht erlebt.
Ich kann es ihm trotzdem kaum Übel nehmen. Wenn ich mir vorstelle, ein
Werderspiel zu kommentieren, müsste ich wohl mehrfach das Mikro
ausschalten, um wenigstens die lautesten Flüche nicht über den Äther
rauschen zu lassen. Ein Fan ist nunmal ein Fan. Bei aller
Professionalität – wie soll man das einfach abstellen? Gerade deshalb
ist es mir völlig unverständlich, warum Koch immer wieder Spiele seines
FCNs kommentieren darf. Es müsste zumindest eine Alternative für den
(zahlenden!) Zuschauer geben (und zwar einen weiteren Kommentator,
nicht nur die Stadiongeräusche). Bereits in der Hinrunde kommentierte
Koch die "höchstunglückliche" 1:2 Niederlage gegen Werder. Ich möchte
nicht wissen, wie viele Beschwerden über Koch Arena wöchentlich erhält.
Und erst recht nicht, wie viele sie bekommen müssten, um ihn endlich
Schalke-Gladbach oder von mir aus auch Werder-Mainz kommentieren zu
lassen, aber nicht mehr seinen 1.FC Nürnberg.

Letztendlich durfte ich dann doch jubeln: Trotz des schlechten Kochs
war das Essen gut genießbar (auch wenn es in den VIP-Logen bestimmt
wieder als biedere Hausmannskost abgetan wird). Wermutstropfen waren
ledeiglich der extrem kleinliche Schiri Weiner (der heißt wie er
aussieht), der Miro Klose am Ende das Ende der Torflaute verwehrte und
die Verletzung von Per Mertesacker, der nun wohl einige Wochen
ausfallen wird. Tolle Wurst.

Zitat des Spieltags:

"Das ist jetzt schon unsere fünfte Saisonniederlage. Ich glaube wir haben eine Krise!" Der wie immer grandiose Hans Meyer nach dem Spiel gegen Bremen.

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