29. Spieltag: Zu grün

Borussia Dortmund – Werder Bremen 2:1

Das war’s. Werders Bundesligasaison ist seit gestern Nachmittag beendet. Natürlich stehen noch fünf Spiele auf dem Programm, unter anderem gegen Schalke und den HSV, doch ehrlich gesagt ist es mir fast schon egal, ob Werder am Ende Fünfter wird oder Siebter. Es wäre zwar schön, vor den Hamburgern zu bleiben und sie am letzten Spieltag zu besiegen, aber im Moment ist mir nicht mal das wichtig. Zu groß ist die Enttäuschung nach dem Spiel gegen Dortmund. Es ist nicht einmal so sehr das Ergebnis. In Dortmund kann man inzwischen wieder verlieren, ohne dass es eine Blamage wäre. Vielmehr ist nun Gewissheit, was ich vorher nicht wahrhaben wollte: Werder ist in dieser Saison nicht gut genug für die Champions Leauge. Punkt. Nun gut, vor ein paar Wochen war die Champions League sowieso kein Thema mehr, der Abstand lag noch vor drei Wochen bei elf Punkten. Nun liegt er weiterhin bei fünf Punkten und Leverkusens Form deutet darauf hin, dass nicht unbedingt viel mehr Punkte nötig sind, um sie noch abzufangen. Werder wird es trotzdem nicht schaffen. Schon gar nicht wird man Leverkusen UND Dortmund noch überholen. Es wäre auch nicht verdient: Die Mannschaft hat in dieser Saison nur EIN Spiel gegen eine Mannschaft aus der oberen Tabellenhälfte gewonnen (Stuttgart, im Oktober 2009).

Es hat Gründe, warum Werder gegen die schwächeren Teams regelmäßig gewinnt und gegen die stärkeren bestenfalls ein Unentschieden holt. Die Mannschaft hat nur selten über 90 Minuten gut gespielt. Die dem Werderfan wohlbekannten Leistungsschwankungen verteilen sich nicht mehr nur über die Saison, sondern tauchen in fast jedem Spiel auf. Die Partie in Dortmund war ein gutes Beispiel: 60 Minuten lang spielte Werder guten Fußball. Eine Leistung, die zu einem Sieg gegen den BVB hätte reichen können, mindestens aber zu einem Unentschieden. Die Niederlage hat man sich in den ersten 30 Minuten eingebrockt. Wie so häufig fing man sich einen Zwei-Tore-Rückstand ein, bevor man aktiv am Spiel teilnahm. Häufig genug ging das noch gut, holte man zumindest noch einen Punkt. Es kann aber nicht immer gut gehen. Schon gar nicht gegen einen starken Gegner wie Borussia Dortmund. Deshalb steht Werder völlig zurecht dort, wo man nun steht. Mehr ist nicht drin. Das ist kein Grund zur Panik, Werder ist nicht “nur noch Mittelmaß”, wie gerne geunkt wird. Werder ist eine gute Bundesligamannschaft, aber eben keine sehr gute. Nicht mehr. Noch nicht. Wie man es eben sehen will. Marin und Özil sind noch jung genug, um ihnen die Basics im Defensivverhalten beizubringen. Mit Bargfrede hat man einen guten Ersatz für Baumann gefunden. Das Potenzial ist zweifellos vorhanden und wenn sich der personelle Verlust im Sommer in Grenzen hält, dann bin ich guter Dinge, dass man in der kommenden Saison auch wieder ganz vorne angreifen kann.

Bis dahin gibt es nur noch ein wichtiges Spiel: Das Pokalfinale gegen die Bayern. Da ist etwas möglich, das ist nur ein Spiel, da können die Bayern einen schlechten Tag erwischen und wir einen guten. Einen besseren Zeitpunkt für den ersten Sieg gegen einen “Großen” kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen.

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    4 Gedanken zu „29. Spieltag: Zu grün

    1. Letzte Saison war es andersrum. 5 Tore gegen FCB, 1899, Hertha und die anderen auch teilweise abgeschossen… und dafür gegen Bochum und Bielefeld verloren. Was ist jetzt besser?

      1. Tja, gute Frage. Ehrlich gesagt ist es mir so lieber. Es gibt genügend gute Ansätze und die Mannschaft kämpft inzwischen auch in jedem Spiel bis zum umfallen. Leider muss man das auch, weil es sonst selbst gegen schwächere Mannschaften nicht reicht. Immerhin muss man sich so weniger ärgern, weil man weiß, dass nicht mehr drin war. Wenn man die Großen abschießt und dann gegen die Kleinen alles verspielt, ist es wohl eher ein Kopfproblem.

    2. Da hast du wohl recht. Mit dem “Kämpfen bis zum Umfallen” übrigens auch, das ist wirklich bemerkenswert.

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