29. und 30. Spieltag: Raum-Zeit-Kontinuum

Dortmund – Werder 0:2

Werder – Aachen 3:1

Es ist schon erstaunlich wie grundauf unterschiedlich zwei Fußballspiele sein können, die beide verdeutlichen, was Werder zum Ende dieser Saison ausmacht. Das Spiel gegen Dortmund war geprägt vom kraftraubenden UEFA-Cup Spiel gegen Alkmaar. Nach der Führung begnügte man sich damit, das Tempo aus dem Spiel zu nehmen und den Gegner zu kontrollieren. Das klappte auch sehr gut. Das Spiel war in der zweiten Halbzeit sogar extrem langweilig. Sicher eine Qualität, wenn man ein Spiel nach einer Führung so verschleppen kann und dabei so konzentriert bleibt, wie Werder es war.

Gegen Aachen war die Ausgangslage ein wenig anders. Der Gast erzielte nach 90 Sekunden bereits die Führung und Werder startete einen fast neunzigminütigen Sturmlauf. Eigentlich war Werder von Beginn an dominant und hätte Aachen gut und gerne 5 oder 6 Tore einschenken können. Stattdessen blieb das Spiel spannend bis zum Abpfiff mit Diegos fulminantem Schlusspunkt, einem Tor aus 65 Metern Entfernung.

Heimlich, still und leise hat Werder eine Serie aufgebaut, die
begeistert. Während die Liga gebannt auf Schalke starrte, hat Werder
trotz spielerisch eher durchschnittlicher Leistungen fleißig Punkte
gesammelt und rechtzeitig zur heißen Phase der Saison die viel zitierte
Leichtigkeit wiedergefunden. Eine Serie von 12 Spiele ohne Niederlage
(Liga & UEFA-Cup) steht nun auf der Habenseite. Das gab es in der
hochgelobten Hinrunde der Bremer nicht annähernd. Begeisterung weckt
aber auch die Tatsache, dass trotz anhaltender Verletzungsmisere das
Niveau gesteigert werden konnte. Die Spieler aus der zweiten Reihe
machen sich hervorragend. Und das nachdem ich noch vor kurzem den
Eindruck hatte, das Qualitätsgefälle im Kader wäre recht groß.
Natürlich ist das auch jetzt nur eine Momentaufnahme, doch gerade jetzt
in den letzten Spielen wird dieser Punkt besonders wichtig.

Etwas anderes ist mir an diesen Spieltagen mal wieder aufgefallen:
Die subjektive Wahrnehmung der Zeit während eines Spiels kann höchst
unterschiedlich sein. Im Spiel gegen Dortmund dauerte die zweite
Halbzeit gefühlte drei Stunden. Die erste Halbzeit gegen Aachen verging
dagegen wie im Flug. Natürlich hat das etwas mit der Qualität und der
Spannung des Spiels zu tun. Aber hauptsächlich hängt es davon ab, ob
die eigene Mannschaft führt oder zurückliegt. Besonders die letzten
fünf Minuten vergehen bei einer knappen Führung wie in Zeitlupe. Gegen
Aachen hingegen habe ich nach dem Rückstand gebangt, geschwitzt und
gefiebert wie schon lange nicht mehr. Obwohl Werder viele Chancen hatte
und man immer das Gefühl hatte, das Tor müsse gleich fallen,
verstrichen die Minuten wie im Zeitraffer und schon war Halbzeit.

Man
hat in den letzten Jahren einfach viel zu viele solcher Spiele gesehen,
die Werder dann am Ende trotz großer spielerischer Überlegenheit und
Chancenplus nicht gewonnen hat. Spätestens ab der 60. Minute schrillen
bei mir die Alarmglocken. Zum Glück hatte Werder zu diesem Zeitpunkt
das Spiel schon gedreht. Schlagartig tickten die Sekunden daraufhin
wieder träge vor sich hin und dem Ende entgegen. Ich glaube ja, die
haben bei Arena einen Techniker, der bei Werderführungen die Zeit
langsamer laufen lässt und bei Rückständen schneller. Was macht
eigentlich Ailton?

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