3. Spieltag: Das alte Werder

Werder Bremen – Borussia Mönchengladbach 2:1 (1:1)

Am dritten Spieltag besinnt sich Werder auf die Stärken der letzten Rückrunde und gewinnt verdient gegen Gladbach. Die Borussia hatte große Probleme im eigenen Spiel, die Werder mit einer passenden Taktik und verbesserten Abläufen ausnutzen konnte.

Das Mittelfeld verflacht

Wie im Vorfeld aufgrund der drei nominierten Linksverteidiger im Kader schon spekuliert worden war, setzte Viktor Skripnik auf der linken Seite auf beide Garcias und stellte sein System auf ein flaches 4-4-2 um. Schon gegen Schalke hatte Werder es ähnlich versucht, diesmal war die Abkehr von der Raute jedoch noch deutlicher, auch wenn in Ballbesitz weiterhin Rautenstrukturen zu sehen waren. Junuzovic rückte neben Bargfrede auf die zweite Sechserposition, besetzte offensiv teilweise aber auch den Zehnerraum.

Gladbach spielte wie gewohnt ebenfalls im 4-4-2, wobei das System deutliche Unterschiede zu Werders aufwies. Während Werder im Mittelfeld recht statisch die Positionen hielt und insbesondere Garcia und Fritz auf ihren Außenpositionen klebten, rückten Hazard und Herrmann häufiger ein und gaben im Ballbesitz eher Außenstürmer. Mit der Hereinnahme von Nordtveit und damit der Trennung des Sechsergespanns Xhaka / Stindl ging Favre zudem eine der Problemzonen der letzten Spiele an.

Mehr Disziplin, mehr Kompaktheit, mehr Mannorientierungen

Die Ausrichtung gestaltete sich im Spiel so, wie es zu erwarten war. Gladbach versuchte mit viel Ballbesitz das Spiel geordnet aufzubauen, während Werder eher auf Pressing und Umschaltspiel setzte. Es ergaben sich sehr eindeutige Mannorientierungen, wie es bei einem Spiel zweier 4-4-2 Formationen nicht unüblich ist. Ulisses Garcia und Clemens Fritz agierten als eine Art zweite Außenverteidiger, deren Hauptaufgabe es war, Vorstöße der gegnerischen Außenverteidiger einzudämmen und gegen die Außenstürmer zu doppeln. Diese Aufgabe erledigten sie sehr diszipliniert. Auch Bargfrede (gegen Xhaka) und Junuzovic (gegen Nordtveit) hatten ihre Hauptaufgabe im Bewachen ihrer Gegenspieler.

Werder Bremen vs Borussia Mönchengladbach Aufstellungen

Im Defensivspiel zeigten sich klare Mannorientierungen für die gesamte Werdermannschaft.

So defensiv und destruktiv wie auf dem Papier war Werders Taktik in der Praxis allerdings nicht. Werder schob häufig weit heraus und hatte eine deutlich verbesserte Kompaktheit zwischen den Mannschaftsteilen im Vergleich zum Schalke-Spiel. Die Abstände wurden nach vorne gering gehalten, was nicht immer ohne Risiko war, da Bargfrede im Mittelfeld und Lukimya in der Abwehr des öfteren sehr weit herausrückten und somit Räume hinter sich öffneten. Dies konnte mannschaftlich jedoch kompensiert werden und hatte den gewünschten Effekt, dass die Gladbacher wenig Zeit am Ball hatten. Auf den Außen sicherten sich die beiden Flügelpärchen sehr diszipliniert gegenseitig ab.

Gladbacher Probleme und Bremer Standards

Es zeigte sich schnell, dass Gladbach derzeit weit weg ist von der Souveränität und Spielkultur der letzten Rückrunde. Mit der aggressiven Bremer Spielweise kamen sie nicht gut zurecht. Immer wieder konnte Werder Ballverluste im Gladbacher Aufbau provozieren und mit den beiden Sturmspitzen direkt Offensivdruck aufbauen. So gelang es, das Spiel häufig in Gladbachs Hälfte zu verlagern und trotz des Gladbacher Plus an Ballbesitz die wichtigen Räume zu kontrollieren.

Auffällig war außerdem, dass einige Bremer Spieler deutliche Leistungssteigerungen verzeichnen konnten. Philipp Bargfrede nähert sich seiner Bestform und konnte seine Stärken im direkten Duell gegen Xhaka gut ausspielen. Junuzovics tiefere Positionierung kam ihm ebenfalls zu Gute. Hinzu kamen gute Ideen im Spielaufbau (selten so viele sinnvolle Verlagerungen von ihm gesehen), auch wenn in der einen oder anderen Situation deutlich wurde, dass es ihm an Übersicht im Zentrum mangelt. Auch Neuzugang Jóhannsson zeigte sich verbessert, bzw. konnte zum ersten Mal überhaupt seine Bundesligatauglichkeit unter Beweis stellen. Sein cool verwandelter Elfmeter ragte heraus, doch wichtiger waren seine Zweikampfpräsenz und seine Laufwege. Auch das Zusammenspiel mit Ujah sah besser aus als gegen Hertha.

Mehr geht derzeit nicht

Entscheidend waren aber wieder einmal die Standardsituationen, da sich Werder weiterhin schwer tut, aus dem offenen Spiel heraus gute Abschlussmöglichkeiten zu erspielen. Umso wichtiger, dass man mit Ujah einen Spieler hat, der in jeder Situation die Möglichkeit zum Abschluss sucht. Gegen Gladbach hatte Werder mit Verstergaard, Lukimya, Santi Garcia und den beiden Stürmern die Lufthoheit, was sich nicht nur bei eigenen sondern auch gegnerischen Ecken und Freitstößen zeigte. Gladbach führte Freistöße bis 30 Meter vor dem Bremer Tor meistens kurz aus.

Obwohl Werder ein gutes Spiel zeigte und verdient die drei Punkte holte, wurde wieder einmal offensichtlich, wo die Limitierungen des Teams liegen. Das war (noch) nicht der neue Jugendstil, sondern ein Revival der letzten Rückrunde, mit einer Startelf, in der nur zwei Spieler unter 24 Jahren standen. Gegen die verunsicherte Gladbacher Mannschaft wäre mit etwas mehr Ruhe im Passspiel sicher noch mehr möglich gewesen. Die phasenweise Dominanz war jedoch mit enorm viel Laufarbeit und Zweikämpfen verbunden. Sobald diese ein wenig nachließen, bekam Werder sofort Probleme in der Defensive.

Daran wird sich in den nächsten Wochen und vielleicht auch in der gesamten Hinrunde nicht viel ändern. Kleine Verbesserungen im Ballbesitzspiel sind zwar zu erkennen, doch es wird auch in der nächsten Zeit vor allem darum gehen, die Stärken gegen den Ball und die Gefährlichkeit nach Standards ins Spiel zu bringen. Solange die Achse des Teams Junuzovic-Bargfrede-Fritz heißt, muss Werder deren Stärken so gut es geht zur Geltung bringen. Für die fußballerische Entwicklung, die sich viele erhoffen, werden zwei bis drei Spieler aus dem Nachwuchs den Sprung schaffen müssen. Wie das Spiel gegen Gladbach aber gezeigt hat, ist man mit der aktuellen Spielweise durchaus konkurrenzfähig und kann begeisternde Spiele absolvieren.

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