31. Spieltag: Die Welt ist eine Papierkugel

Werder Bremen – Hamburger SV 2:0

Der letzte Teil der Derbywochen ist vorbei. Insgesamt fünf Spiele Werder gegen HSV gab es in dieser Saison. Lässt man das Elfmeterschießen außen vor, stehen am Ende zwei Werdersiege zu Buche, ein Spiel endete unentschieden und zweimal gewann der HSV. Es ist vielleicht der größte Schlag ins Gesicht der Hamburger, dass sich die trockene Bilanz so ausgeglichen liest. Denn am Ende hatte der Kampf um die Nummer 1 im Norden (Wolfsburg wird nicht als Nordclub anerkannt) einen glasklaren Sieger: Werder Bremen.

Nach Pokal und UEFA-Cup muss der HSV nun auch die Meisterschaft abhaken und steht nur noch auch Platz 6. Selbst ein Sieg heute wäre nur ein schwacher Trost gewesen. Doch letztendlich sprang das deutlichste Ergebnis aller Nordderbys in dieser Saison heraus. Werder spielte auch mit einer Notabwehrkette selbstbewusst und konzentriert. Hamburg war keineswegs chancenlos, machte aber auch nie den Eindruck, das Spiel nach dem Rückstand noch drehen zu können.

Die Fans machten sich einen Spaß aus dem Zwischenfall vom Donnerstag: Beim Einlaufen der Spieler flogen dutzende Papierkügelchen aus der Ostkurve. In der zweiten Halbzeit versuchten sie mehrfach, eine riesige Papierkugel durchs halbe Stadion in den Gästeblock zu befördern, was jedoch von den Ordnern unterbunden wurde. Die Stimmung war ausgelassen, das Spiel nach Almeidas Doppelpack schon früh nach Wiederanpfiff entschieden.

Thomas Schaaf erwies sich zu seinem zehnjährigem Jubiläum wieder als gewiefter Taktiker. Mit Harnik als rechtem Abwehrspieler hatte Hamburg wohl kaum gerechnet. Gegen den starken Jansen hatte er defensiv ein paar Probleme, doch offensiv belebte er das Bremer Spiel. In der zweiten Halbzeit dann eine clevere Umstellung: Özil, der in der ersten Halbzeit noch im Zentrum spielte, kam fast nur noch über seine starke linke Seite. Baumann, Frings und Niemeyer bildeten dahinter in der Mitte ein stabiles Dreiermittelfeld. Almeida und Pizarro ließen sich immer wieder weit zurückfallen. Der HSV hatte große Probleme, gegen die nun häufig nur mit einer Ballberührung spielenden Bremer eine Zuordnung zu finden. In den entscheidenden Duellen war Werder meist einen Tick schneller.

Vielleicht ist es ein Vorteil, dass Schaaf auch nach zehn Jahren Bundesliga immer noch unterschätzt wird. Als ob gutes Offensivspiel nur durch Zufall zustande käme und weniger mit der Taktik des Trainers zu tun hätte als eine konzentrierte Defensivleistung. Und selbst dann: Werder hat in der Rückrunde bislang die wenigsten Gegentore der Liga kassiert. Richtig gelesen. Die wenigsten der Liga und das bei sechs Niederlagen. Zwar kassiert Werder immer noch zu viele vermeidbare Gegentore, aber längst nicht mehr in der erschreckenden Häufigkeit der Hinrunde. Leider ist es viel zu spät um sich in der Liga bezahlt zu machen.

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