31. Spieltag: Sky90, ein Trauerspiel

VfL Wolfsburg – Werder Bremen 2:4

Wer etwas von Freude über Platz 3 oder Angriff auf die Champions League lesen möchte, der ist hier an der falschen Adresse. Hier gibt es nichts zu sehen, bitte gehen Sie weiter. Nach der Niederlage vor zwei Wochen habe ich Werders Chancen auf die Champions League abgeschrieben. Nun steht man plötzlich – zumindest für 24 Stunden – auf Platz 3. Ich weiß nicht genau warum und momentan ist es mir auch egal. Werder macht in dieser Saison eben immer das Gegenteil von dem, was ich erwarte. Von daher gibt es von mir heute keine selbstbewusste Prognose. Zu bitter war die Erfahrung, die ich nach dem 13. Spieltag machen musste, als ich Werder gejinxt hatte. Das passiert mir kein zweites Mal in dieser Saison.

Also: Werder hat keine Chance mehr auf Platz 3. Dortmund ist viel zu stark und Leverkusens Niederlagenserie ist nun auch vorbei. Und falls nicht, kommen eben die Stuttgarter noch von hinten, da wir gegen Köln, Schalke und den HSV nur noch maximal einen Punkt holen werden. So wird es kommen, das ist meine volle Überzeugung. In der ersten Halbzeit gegen Wolfsburg gab es genügend Anhaltspunkte, die meine These untermauern. Alles andere (starke zweite Hälfte, erneut 2x einen Rückstand aufgeholt, Frings und Özil in guter Form) blende ich aus.

Deshalb zu etwas ganz anderem. Ich habe gestern nach längerer Pause mal wieder die Fußball-Talkshow Sky90 geschaut, zumindest einen Teil davon. Was im letzten Sommer äußerst vielversprechend begann, hat sich inzwischen leider sehr den Niveau des DSF-Doppelpass angenähert. Fehlt noch Product Placement, Bier und grenzdebiles Publikum. Sky-Moderator Patrick Wasserziehr hatte Matthias Sammer, Fritz von Thurn und Taxis und Johannis B. Kerner zu Gast. Als ich einschaltete wurde gerade über den FC Bayern diskutiert. Eine knappe halbe Stunde lang. Angesichts der Tabellensituation, der jüngsten Ergebnisse und der anstehenden Champions League Halbfinals ist das auch vertretbar. Es war erschreckend, wie wenig in dieser halben Stunde analysiert wurde und wie mit Worthülsen um sich geworfen wurde. Der Erfolg der Bayern wurde auf Fachmann van Gaal und “echte Typen” wie van Bommel zurückgeführt. Das war es im Prinzip schon. Stefan Effenberg durfte dann noch die Mannschaften von 2001 und heute miteinander vergleichen und tat das so, wie man es aus seiner “Expertentätigkeit” nun einmal kennt. Kaum ein Wort zum System, das van Gaal spielen lässt. Keine taktischen Analysen. Stattdessen den unbedingten Willen und die Siegermentalität als einzige Erfolgsfaktoren. Könnte also auch jeder Bezirksligist mit der richtigen Einstellung Manchester United schlagen? Es fehlte eigentlich nur noch der Kaiser, der sicher einen Satz wie “Messi ist der beste Spieler der Welt, Robben und Ribery aber auch”, beigetragen hätte.

Für einige Minuten ging es dann um Bayerns Gegner Olympique Lyon, ohne dessen Stärken/Schwächen auch nur ansatzweise zu beleutchten, und das zweite Halbfinale zwischen Mourinho und Guardiola Inter und Barcelona. Für einen Moment kommt Spannung auf, als Sammer über Xavi ins Schwärmen gerät, doch dabei bleibt es dann, keiner steigt darauf ein, führt die Diskussion vielleicht sogar zu den Spielsystemen der Mannschaften oder wenigstens den Schlüsselduellen. Negativer Höhepunkt war dann Kerners Antwort auf die Frage, ob und wie man Lionel Messi ausschalten könne: “Das kann man nicht. Haben ja schon viele versucht. Aber auch er hat mal einen schlechten Tag.” Da spricht der Experte. Gut, man kann von ihm nicht erwarten, dass er die spanische Liga im Detail kennt, aber die Spiele vor einem Jahr gegen Chelsea sind doch z.B. ein ganz guter Anhaltspunkt, wie es gehen könnte. Warum greift man dafür nicht auf Experten zurück, die sich in den Ligen auskennen?

Kaum Analysen, keine Taktiktafeln, kein Vor- und Zurücklaufenlassen einzelner Spielszenen mit reingemalten lustigen Kringeln und Pfeilen. Beim DSF heißt die Sendung treffenderweise “Fußballstammtisch”, Sky90 begann vor 9 Monaten als ernsthafte Diskussionsrunde, in der auch analysiert wird. Gestern wünschte ich mir einen Klopp. Oder von mir aus auch einen Lienen. Irgendjemanden, der das, was dort auf den Fußballplätzen passiert, auch unterhalb der Oberfläche versteht UND es einigermaßen anschaulich vermitteln kann. Sky geht es leider mehr darum, die bekannten Nasen vor die Kamera und damit den Promifaktor hoch zu halten. Dabei schalten am Sonntagabend doch hauptsächlich Fußballjunkies ein, die nichts besseres zu tun haben sich für das Spiel selbst mehr interessieren, als für die diversen Nebensächlichkeiten, die in der übrigen Berichterstattung schon zur Genüge aufgeblasen werden. Ich finde das wirklich schade, denn Sky hat ja schon gezeigt, dass sie es wesentlich besser können!

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    2 Gedanken zu „31. Spieltag: Sky90, ein Trauerspiel

    1. Sky90 hab ich noch nie komplett gesehen, aber heute ist mir auf spox.com ein Video untergekommen, dass die letzte Sendung zusammengefasst hat. “Die Highlights” hieß das wohl, und das sagt schon viel über diese Sendung aus.
      Den Doppelpass guckt man ja auch, wenn überhaupt, nur noch aus Gewohnheit, oder weil man Spaß am Meckern hat…

    2. “Doppelpass” schaut man nur um einen Grund zu haben wieder einzuschlafen, wenn man von irgendetwas beim Ausschlafen seines Rauschzustands geweckt wurde. Wenn inzwischen sogar schon ein Pocher mit in der Runde sitzt…

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