32. Spieltag: Wechselspiele

Eintracht Frankfurt – Werder Bremen 0:5

50 Minuten lang wirkte Eintracht Frankfurt wie eine Mannschaft, die gerne in der 1. Bundesliga bleiben würde. In einem Spiel, das für Werder nicht den allergrößten Stellenwert hatte, war die Eintracht die aktivere Mannschaft, drückte nach der Pause wehement auf den Führungstreffer. Dann war Özil plötzlich frei durch, Ochs foulte ihn, sah die rote Karte und Frings verwandelte den fälligen Elfmeter. Fortan war es ein völlig anderes Spiel. Werder entschied die Begegnung auf eine Weise, wie es eigentlich nur Werder kann. Der Gegner wurde innerhalb kürzester Zeit überrollt, wobei Frankfurt freundlicherweise kaum noch Gegenwehr leistete.

Am Ende steht der erst zweite Auswärtssieg dieser Bundesligasaison. Eigentlich erstaunlich, dass eine Mannschaft, die in München und in Wolfsburg 5:2 gewonnen hat, die AC Milan auswärts nach 0:2 Rückstand ausgeschaltet hat, die 5:1 gegen die gnadenlos effiziente Hertha gewann und die den HSV aus allen Wettbewerben warf, eine solch schlechte Auswärtsbilanz aufweist und nur auf Platz 10 der Tabelle steht. Allerdings kann man diesen Zusammenhang auch umdrehen – er wird dadurch nicht weniger merkwürdig.

Gegen Frankfurt konnte es sich Thomas Schaaf erlauben, trotz dünner Personaldecke einigen Spielern früh eine Verschnaufpause zu geben. So kam Niklas Andersen zu seinem ersten Bundesligaspiel und Juri Maximov Vranjes zur Kapitänsbinde. Wie schon in der letzten Saison kommt Werder zum Ende noch einmal mächtig ins Rollen. Hieße der Trainer Felix Magath, würde man dies sicher dem harten Konditionstraining zuschreiben. Bleibt zu hoffen, dass der Akku bei den Spielern noch ein paar Wochen hält. Das Ende ist in Sicht und weitere Ausfälle wären insbesondere im Hinblick auf das UEFA-Cup Finale bitter. Es freut mich, dass Spieler wie Boenisch oder Prödl, die bislang eher als Teil des Problems als der Lösung galten, nun ansprechende Leistungen zeigen. Über Özils Entwicklung braucht man sicher keine Worte mehr verlieren. Und Wiese muss sich nur vor sich selbst in Acht nehmen – remember Juve & Glasgow!

Seit gestern ist nun bekannt, was seit Wochen die Spatzen von den Dächern twittern pfeifen: Diego wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit zu Juventus Turin wechseln. Der Kicker hatte bereits am Dienstag Spielerberater Giacomo Petralito zitiert, der behauptete, es liege längst eine Einigung zwischen allen Beteiligten vor. Für Aufregung sorgte dann jedoch die Zeitung mit den großen Buchstaben, die kurze Zeit später exklusiv von einem bevorstehenden Wechsel des Brasilianers nach München berichtete. Selbst gestern, als die Kreiszeitung Diego mit den Worten "ich bin mit Juventus Turin klar" zitierte, konterte Bild-Schreiberling Christoph Sonnenberg mit einem erneuten Artikel, in dem Diegos Wechsel zu den Bayern als bereits feststehende Tatsache dargestellt wurde. Derselbe Christoph Sonnenberg übrigens, der bereits letzten Sommer mit Insiderwissen über Werders Transferaktivitäten glänzte.

Der Rest ist typisch Bild und typisch Internet/Blogosphäre: Der Artikel wird kommentarlos gelöscht und durch einen anderen ersetzt, der die Bayern, vor allem aber die Bild-Zeitung selbst als Opfer der skrupellosen Cunha-Familie darstellt. Zum Glück blieben diese Machenschaften nicht unbemerkt und wurden vom sportmedienblog und vom Worum-Blog dokumentiert. Falsch informiert zu sein ist eine Sache, diese kontroversen Informationen als handfeste Tatsachen zu verkaufen eine andere. Zumindest sollte man den Mut haben zu solchen Fehlern zu stehen. Doch dazu bräuchte es das, was Oliver Kahn schon vor Jahren sehr bildlich beschrieb und hieran fehlt es der Bild-Redaktion offensichtlich.

Letztlich war es allen Werderfans schon lange klar, dass Diego über die Saison hinaus kaum zu halten sein wird. Die Trauer über seinen Abgang hält sich daher in Grenzen. Ich bin allerdings sehr froh und erleichtert, dass er nicht bei den Bayern landen wird. Erstens würde es mir wehtun, diesen Spieler demnächst bei einem unserer größten Rivalen spielen zu sehen. Und zweitens hätte der Wechsel nach dem "Fall Klose" einen bitteren Beigeschmack. Auf einen weiteren Werderspieler, dem die Welt offen steht und der es dann nicht einmal über die Alpen schafft, kann ich gut verzichten. Also dann eben Turin. Dabei ist mir Juve beileibe nicht sympathischer als die Bayern, ganz im Gegenteil.

Dank Diegos schnellem Heilungsprozess könnte es am Samstag wenigstens noch ein "Abschiedsspiel" im Weserstadion geben. Etwas, das Johan Micoud (Poulsen sei Dank) verwehrt blieb. Doch der hatte seine großen Erfolge im Werdertrikot zu dem Zeitpunkt bereits hinter sich. Diegos folgen hoffentlich noch in den nächsten Wochen.

Artikel teilen

    2 Gedanken zu „32. Spieltag: Wechselspiele

    1. Ich verstehe nich ganz, warum Diego so geil auf Juve ist. Okay, die spielen wahrscheinlich nächstes Jahr CL. Aber sonst? Image im Eimer seit den Manipulationsgeschichten, das Stadion meist halb leer (auch in der CL) und die Serie A ist auch auf dem absteigenden Ast. Sehe das rein sportlich jetzt nicht als den ganz großen Aufstieg an, aber das ist auch nur meine Meinung.

    2. Das stimmt schon alles, aber Juve hat halt trotzdem immer noch einen großen Namen und befindet sich im Wiederaufbau. Von daher ist es auch sportlich nicht uninteressant. Doch die wichtigste Rolle dürfte schon das Geld gespielt haben.

    Kommentare sind geschlossen.