33. Spieltag: Clusterf*ck

Werder Bremen – Karlsruher SC 1:3

Ich hätte nie gedacht, dass mich dieses Spiel auch nur annähernd so ärgern könnte. Ein völlig unbedeutendes Match, was das Erreichen der eigenen Saisonziele angeht. Verständlich, dass Spieler geschont werden, dass die zweite Reihe mal ran darf, dass der unbedingte Siegeswille nicht da ist. Allerdings war es höchst wahrscheinlich Diegos Abschiedsspiel im Weserstadion und möglicherweise auch das letzte Heimspiel unseres Kapitäns Frank Baumann. Dazu hätte man die vermaledeite Bundesligasaison zu einem etwas versöhnlicheren Ende bringen können, indem man die zuletzt starke Heimbilanz ausbaut und den Nimbus der wenigsten Gegentore der Rückrunde verteidigt.

Deshalb ist es überhaupt nicht verständlich, wie sich die Mannschaft so gehen lassen konnte. Karlsruhe lag vor dem Spieltag moralisch am Boden. Aber Werder schafft es halt immer wieder auch die verunsichertsten Mannschaften aufzubauen. Den – etwas umstrittenen – frühen Elfmeter konnte man noch als Betriebsunfall ansehen, zumal Tim Wiese ihn in seiner fast schon legendären Art hielt und Werder in der Folge die Partie immer besser in den Griff bekam. Allerdings schlichen sich immer wieder Konzentrationsmängel und Lustlosigkeit ins Spiel der Mannschaft ein. Der KSC wurde fast schon genötigt ein Tor zu erzielen. Nachdem die Badener Blut geleckt hatten – vermutlich auch angestachelt durch die Ergebnisse in den anderen Stadien – fanden sie immer besser ins Spiel, kämpften bis zum Umfallen und kamen gegen einen Gegner, der die nötige Einstellung vermissen ließ, zu einem ungefährdeten Auswärtssieg.

Nach dem Tor zum 0:3 tat ich etwas, das ich schon seit vielen Jahren nicht mehr getan hatte: Ich schaltete um auf Konferenz und schaute mir den Rest des Spiels nicht mehr an. Ich weiß gar nicht genau warum, schließlich war es beileibe nicht Werders erste Vorstellung dieser Art. Vielleicht hatte es mit dem Hinspiel in Karlsruhe zu tun, als man einen schwachen und absolut unsportlichen Auftritt hingelegt hat und wo mein Glaube an diese Mannschaft so stark auf die Probe gestellt wurde, wie selten zuvor.

Bislang hielt ich den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung für übertrieben, doch nach diesem Spiel muss man ihn sich gefallen lassen. Zum Glück haben Bielefeld und Gladbach nach ihren eigenen desolaten Leistungen wenig Argumente sich bei anderen zu beschweren, doch ich kann schon verstehen, wenn der ein oder andere jetzt mit dem Finger auf Bremen zeigt. Nächsten Samstag kann sich Werder eine weitere solche Leistung nicht erlauben, denn erstens werden beim Saisonfinale alle Augen auf unser Spiel gegen Wolfsburg gerichtet sein (auf einen puterroten Uli Hoeneß, der nach dem Spiel Betrug vorwirft, kann ich verzeichten – jedenfalls wenn sein Vorwurf berechtigt wäre) und zweitens würden uns dann Grafite und Dzeko allein zweistellig abschießen.

Zum Glück bleibt keine Zeit zum Trübsal blasen, denn am Mittwoch steht das UEFA-Cup Finale an. Rückschlüsse kann man aus dem Debakel gestern meiner Meinung nach keine ziehen. Doch vielleicht braucht Werder dieses Jahr vor den großen Spielen einfach einen Schuss vor den Bug. Zumindest in dieser Hinsicht könnte sich das Spiel gegen den KSC noch als sehr nützlich erweisen.

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