34. Spieltag: Kraftlos, saftlos, ideenlos?

Wolfsburg – Werder 0:2

Wie aufmerksame Fußballfans sicher gemerkt haben, ist die Saison mittlerweile vorbei. Stuttgart ist Meiser, Nürnberg Pokalsieger, der FC Sevilla gewinnt den UEFA-Cup und Milan setzt sich im Champions League Finale gegen Liverpool durch. Und Werder? Hat zum Abschluss der Saison noch einmal sein Offensivpotenzial ausgeschöpft und in einem (nach der frühen Schalker Führung) belanglosen Spiel den VFL Wolfsburg geschlagen. Die Überschrift bezieht sich also schonmal nicht auf das letzte Saisonspiel des SVW.

Sie bezieht sich – auch wenn es so wunderbar zur momentan vorherrschenden Ansicht passen würde – ebenfalls nicht auf Miro Klose. Der wirkte zwar gegen Ende der Saison immer kraftloser, zeigte sich im öffentlich vorgetragenen (und deshalb überbewerteten) Zwist mit Frings und einem Interview mit der SZ ("Wenn ich fit bin, spiele ich bei jedem Verein der Welt von anfang an") aber alles andere als saftlos. Auch an Ideen scheint es ihm nicht zu mangeln, wenn es darum geht seinen Wechsel zum FC Bayern zu forcieren. Ich werde bestimmt nicht in ein ausgedehntes Klose-Bashing verfallen (das ist in diesem Blog dem HSV und in Ausnahmefällen Uli Höneß vorbehalten), doch die große Sympathie, die ich für ihn hatte, ist fürs erste verflogen. Trotzdem teile ich nicht die Generalkritik an Klose, die sich im Laufe der Rückrunde immer weiter gesteigert hat. Insgesamt hielt sich die Anzahl wirklich schlechter Spiele in Grenzen; die gezeigte Leistung in der Rückrunde entsprach natürlich trotzdem nicht Kloses eigentlichem Leistungsniveau. Nur: Was sagt das über einen Spieler bzw. den Rest der Liga aus, wenn er trotzdem Topscorer wird?

Bliebe noch die Sportberichterstattung. Mir sträuben sich zwar
regelmäßig die Haare, wenn ich Kommentatoren wie Bornemeier, Poschmann
oder Beckmann oder sogenannte Moderatoren wie Oliver Welke und Matthias
Opdenhövel über mich ergehen lassen muss. Insgesamt muss man leider
feststellen, dass die Berichterstattung auf Arena in vielen Bereichen
eine Zumutung ist! Warum der Sender nach knapp einem Jahr seine
Zuschauer noch immer mit stümperhafter Bildregie und geballter
Inkompetenz beim Drumherum quält ist mir ein Rätsel. Premiere brauchte
als Vorreiter auch lange Zeit, um eine (im großen und ganzen) gute
Berichterstattung zustande zu bringen. Doch hätte sich Arena nicht
vieles dort abschauen können? Es tröstet auch nicht wirklich, dass die
Sportschau sich seit einiger Zeit auf ähnlich tiefem Niveau befindet
(vom Doppelkorn-Stammtisch im DSF mal ganz abgesehen). Monica Lierhaus
größtes Verdienst ist es, der Macho-Fraktion gezeigt zu haben, dass
eine Frau vor der Kamera genau so sinnentleert über Fußball quatschen
kann, wie ihre männlichen Kollegen. Glückwunsch. Trotzdem werde ich
hier nicht alles über einen Kamm scheren. Es gibt selbstverständlich
auch Lichtblicke; im Internet und in der seriösen Presse allemal, aber
auch selbst bei Arena.

Des Rätsels Lösung: Die Überschrift bezieht sich auf mich. Gerade zu
der Zeit, als Liga, Pokal und Europapokal entschieden werden, bekam ich
keinen einzigen Post zustande. Ich könnte mich jetzt herausreden, etwa
mit dem erhöhten Unistress, Arbeit oder schlechten Blutwerten ("Ich hab
zweimal mit der Maus geklickt und war fertig"). Doch die Wahrheit ist
einfach, dass mir wenig sinnvolles eingefallen ist, bzw. ich im
Gegensatz zu sonst, das wenig sinnvolle dank einer mittelschweren
Schreibblockade nicht hier veröffentlicht habe. Die hat sich nun –
rechtzeitig zum Sommerloch – gelegt. Nun ja…

Zum Abschluss muss ich noch einen Glückwunsch ins Schwabenland
loswerden. Immerhin habe ich mit dem VfB zwei Jahre lang um
Meisterschaft, Pokal und Europapokal gezittert. Davon ist zwar wenig
übrig geblieben, doch trotzdem gönne ich ihnen den Titel. Und wenn ich
Ludo Magnin mit seinen schlacksigen Armen und weit aufgerissenem Mund
jubeln sehe, kommen wenigstens ein paar Erinnerungen an 2004 hoch. Die
Meisterschaft kam ähnlich überraschend, wie die Werders vor 3 Jahren.
Vor der Saison hat es ihnen niemand zugetraut, aber sie hielten dem
Druck bis zum Ende stand. Es wird interessant zu sehen, ob sich
Stuttgart als Spitzenmannschaft etablieren kann. Sollte das gelingen,
wird in drei Jahren niemand mehr von einem Überraschungsmeister
sprechen, wie man gut an unserem Beispiel erkennen kann: Gesprochen
wurde heute nämlich von der "größten Überraschung seit 1998", als
Kaiserslautern als Aufsteiger Meister wurde. Dass Werder im Sommer 2003
alles andere als eine Spitzenmannschaft war und vor der Saison mit den
Abstiegsplätzen in Verbindung gebracht wurde, ist angesichts unseres
heutigen Status wohl in Vergessenheit geraten. Auch schön.

Zitats des Spieltags: "Wir weinen zusammen, dann trinken wir was,
tauschen unsere Frauen und dann weinen wir wieder." Mehmet Scholl, der
einzige Bayernspieler, der mir immer sympathisch war, über seine
Abschiedsfeier mit Uli Höneß.

Artikel teilen