Abschied von Thomas Schaaf

Was soll ich schreiben? Thomas Schaaf verlässt Werder Bremen nach 14 Jahren als Cheftrainer, 13 Jahren als Nachwuchstrainer, die sich mit seiner 17-jährigen Profikarriere überschnitten, sowie insgesamt 41 Jahren Vereinszugehörigkeit. Bis auf den Pokalsieg 1961 und die Meisterschaft 1965 war Thomas Schaaf an jedem großen Erfolg des Vereins als Spieler oder Trainer beteiligt. Dazu zählen drei Deutsche Meisterschaften, fünf DFB-Pokalsiege und ein Europapokalsieg der Pokalsieger.

Ich halte die Trennung (vom merkwürdigen Zeitpunkt einmal abgesehen) für richtig, wie ich hier seit längerer Zeit geschrieben habe. Trotzdem macht mich die Meldung ein Stück weit sprachlos. Eigentlich hatte ich für den Tag der Tage einen längeren Blogpost vorgesehen, inklusive Rückblick auf Schaafs Amtszeit in Bremen. Dazu bin ich im Moment nicht in der Lage. Im Moment spüre ich nur Trauer und Dankbarkeit. Und da diese Saison de facto für Werder gelaufen ist, nehme ich mir Zeit bis zu einer Einordnung, einem Rückblick oder gar einem Ausblick.

Heute möchte ich nur eines sagen: Danke, Thomas Schaaf!

 

Artikel teilen

    4 Gedanken zu „Abschied von Thomas Schaaf

    1. Der Zeitpunkt geht merkwürdiger wohl nicht. Aber gut, es ist wie es ist, jetzt muss der Neue sicherlich “jeden Stein umdrehen”, um an alte Erfolge anzuknüpfen.

      Danke Thomas, für unglaublich tolle Jahre.

    2. Eines ist auf jeden Fall klar: Der Morgen des heutigen Tages wird allen Werder-Fans noch lange in Erinnerung bleiben. Ich persönlich bin noch nicht so lange dabei, erst seit 2006, bin ja auch noch sehr jung. Von daher war das ein ganz merkwürdiges Gefühl, heute aufzustehen und erstmal davon zu hören, dass der gegangen ist, der schon immer da war.
      Gut, es wurde schon länger diskutiert und es war schon fast klar, dass er gehen würde, aber trotzdem war die Meldung heute Morgen ein Faustschlag in meine Psyche und es ging nicht anders, auch mir, wie so vielen anderen, kamen die Tränen.

      Danke, Thomas! Und du wirst für mich immer DER Trainer sein.

    3. Weil der Rest des Kommentars so nostalgisch ist, die Erklärung vorab, dass ich glaube, dass die Trennung von Schaaf notwendig und richtig war.
      Ich glaube aber, man hat als Fan trotz dieser Erkenntnis zu so einem Zeitpunkt das verdammte Recht, nostalgisch und mit einem gehörigen Maß an Wehmut auf die vergangenen 14 Jahre der Ära Schaaf zurückzublicken.
      Die meines Erachtens in der Öffentlichkeit unterschätzteste Leistung von Schaaf stellen die Nachfolgesaisons nach dem Doublejahr dar. Es ist nämlich gar nicht so einfach, – frag nach bei Stuttgart und Wolfsburg- einen solchen sportlichen Erfolg wie die Meisterschaft in eine mehrere Jahre anhaltende Erfolgssträhne mit CL-Teilnahmen zu verwandeln (- und dies in der Saison 2004/2005 mit Frank Fahrenhorst in der Abwehr. )
      In einem Interview mit “11 Freunde” von 2010 meinte Schaaf einmal, er könne bei einem Gespräch mit einem Normalbürger über sein Leben etwas für den Fussball lernen, weil auch der an seinem Arbeitsplatz in Spannungen zwischen Individualismus und kollektiven Zwängen einen Weg finden muss.
      Ich versteh nicht genug von Fussballtaktik, um den Eindruck qualifiziert belegen zu können, aber ich glaube, dass Schaaf deswegen Schwierigkeiten hatte, sich an die vorprogrammierten kollektiven Mannschaftsbewegungen des modernen Ameisenfussballs anzupassen, weil er in seiner Vorstellung von Fussball immer Platz gelassen hat für den individuellen Moment, für das Ungeplante, den Geistesblitz auf dem Platz.
      In einer Zeit, in der der wichtigste Kreativspieler Gegenpressing heissen soll, hat es eine solche Haltung nicht leicht, weswegen ich fürchte, dass Schaaf auch in seinen nächsten Stationen auf Schwierigkeiten stossen wird. Ich hoffe, dass Zeiten sich auch mal ändern. Immerhin, 2003 galt noch Michael Ballack als das Zukunftsmodell für den modernen Mittelfeldspieler.
      Wenn in anderen Vereinen in der Vergangenheit die Fans beim Bier sich den idealen Trainer ausgemalt haben, dann hörte man Dialoge wie diese:
      “Titel soll er natürlich holen, und Erfolge.”
      “Ja, aber nicht auf so´ne murksige Art, sondern mit schönem Kombinationsfussball.”
      “Der soll sich nicht so an die Medien ranschmeissen. Authentisch und ehrlich soll der sein”.
      “Aber Humor sollte er trotzdem haben.”
      “Wurzeln im Verein soll er haben.” “Ja, am besten aus der eigenen Jugend, und später Spieler im Verein.”
      Wir hatten einen solchen Trainer, von dem Fans anderer Vereine ihr Leben lang träumen. Wahrscheinlich kriegen wir nie wieder so einen.

      1. Naja, Werder hat aber ja schon eine Historie von großen Trainern. Nach Rehhagel hatten vermutlich auch nur die wenigsten gedacht dass es nochmal jemanden geben würde, der so lange bleibt. Ich denke schon, dass man in Bremen wieder einen legendären trainer sehen wird, ich bin nur nicht sicher, ob das jetzt schon der Dutt sein wird ;-)

        Schade finde ich in der Tat die Art des Abgangs. Ich bin da nicht so nahe dran und kann das nicht so gut beurteilen, aber ich finde das schon merkwürdig, dass da mit dem Eichin eiin “Frischling” daherkommt und der dann direkt ein Urgestein auf diese Weise “entsorgt”.

    Kommentare sind geschlossen.