Abschiedsrunde

Düster und grau, so lässt sich die Stimmung rund um Werder Bremen in diesem Winter wohl am besten beschreiben. Nach einer Hinrunde, die wenig Lust auf mehr gemacht hat, steht der Verein mal wieder mit dem Rücken zur Wand.

Mir fallen genügend Ansätze an, um Werders voraussichtlichen Weg in die 2. Bundesliga zu skizzieren, aber mir fehlt, wie schon in den letzten Wochen und Monaten, die Motivation dazu. Stattdessen möchte ich lieber den Hauch von Vorfreude auf die Rückrunde nutzen und nach den Strohhalmen greifen, die Werder in der Rückrunde zu einem besseren Team werden lassen könnten.

Neue Impulse von außen

Die Aussagen zu Beginn der Winterpause (keine Transfers, größtes Plus ist die Eingespieltheit) waren wie erwartet nur Vorgeplänkel. Mit Lukimya und Aycicek haben seitdem zwei Spieler den Verein verlassen, Innenverteidiger Djilobodji und Offensivspieler Kleinheisler wurden verpflichtet. Dazu gibt es noch die Bestrebung, je einen defensiven Mittelfeldspieler zu holen (Onazi) und abzugeben (Kroos). Auf dem Papier machen diese Wechsel Werder stärker, auf dem Platz werden sie etwas Eingewöhnungszeit benötigen.

Wer dagegen auf mehr Einbeziehung des eigenen Nachwuchs gehofft hatte, wurde in der Vorbereitung enttäuscht. Grillitsch, Eggestein und Fröde haben es zum Auftakt gegen Schalke in den Spieltagskader geschafft – allesamt keine Überraschungen. Die einstiegen Hoffnungsträger für ein spielerisch besseres Werder (Aycicek, von Haacke und Zander) wurden hingegen schon vor dem Trainingslager – zumindest vorerst – in die U23 abgeschoben. Überraschend war diese Maßnahme nach der Hinrunde keineswegs, bedauern darf man sie trotzdem, zumal die dafür nachgerückten Guwara (Bänderriss) und Papunashvili auch noch keine große Rolle spielen.

Taktisch nicht viel Neues

Nach der spielerisch enttäuschenden Hinrunde ist mir nach wie vor nicht ganz klar, wo Viktor Skripnik mit seinem Team hin will. Taktisch dürfte es Zuhause wieder auf eine Raute hinauslaufen, auswärts auf das zuletzt gezeigte 4-4-2 mit Pizarro als hängender Spitze. Bei beiden Systemen gibt es einige Unwägbarkeiten, auf die Werder wenig Einfluss hat:

Bis zu Johannssons Genesung hat Werder nur zwei echte Stürmer (den seit der “Baguette-Affäre” *hust* nicht überzeugenden Lorenzen lasse ich hier außen vor), von denen einer altersbedingt nicht für 17 Spiele eingeplant werden kann. Für ein echtes Rautensystem müssen entweder Eggestein oder Kleinheisler sich in der Bundesliga festspielen. Alternativ läuft es wieder auf das nur bedingt überzeugende Mischsystem heraus, bei dem Junuzovic als nomineller zweiter Sechser eine Freirolle einnimmt. Im flachen 4-4-2 macht sich das weitgehende Fehlen von Flügelspielern im Kader bemerkbar. U. Garcia und Fritz können jeweils für eine defensive Variante eingesetzt werden, wobei dem System so die offensive Gefährlichkeit genommen wird. Öztunali kommt das System am meisten entgegen. Von einer Leistungssteigerung im letzten Drittel seiner Leihe dürfte es daher auch abhängen, wie gut sich das System bewährt.

Hoffnungsträger

Clemens Fritz dreht so oder so seine Abschiedsrunde bei Werder. An seinem Einsatz gibt es keinen Zweifel, es wäre dennoch gut, wenn er in seinen letzten Spielen nicht mehr so dringend gebraucht würde. Neben der möglichen Verpflichtung von Onazi hängt dies auch von Form und Fitness seines designierten Nachfolgers als Mannschaftskapitän ab. Wenn Junuzovic an seine Leistungen aus der letzten Saison anknüpfen kann, bedeutet das nicht zwangsläufig den Klassenerhalt – ein Klassenerhalt ohne Leistungssteigerung von Junuzovic scheint mir jedoch kaum möglich.

Insgesamt hängt viel vom Prinzip Hoffnung ab bei Werder. Der Klassenerhalt ist für Werder keine Utopie, die Qualität des Kaders sollte dafür reichen, wenn nicht zu viele unplanbare Dinge eintreten. Leistungsträger wie Wiedwald, Vestergaard, Bargfrede und Ujah dürfen nicht länger ausfallen. Aus den Reihen von Öztunali, Eggestein, Kleinheisler, Fröde und Lorenzen sollten ein bis zwei einen Leistungsschub bekommen, um die Schwachpunkte im Kader auszugleichen.

Der von mir zu Saisonbeginn als “mutig” titulierte Versuch, mit 14-15 gestandenen Bundesligaspielern durch die Saison zu kommen, hat sich als Ritt auf der Rasierklinge erwiesen. Über die möglichen Konsequenzen eines Abstiegs denke ich ein anderes Mal nach. Jetzt ist erstmal Spieltag und seit langer Zeit verspüre ich dabei mal wieder so etwas wie Vorfreude.

Ach ja: Taktik gegen Schalke? 4-4-1-1 mit Bargfrede/Fritz im Zentrum und Junuzovic/Öztunali auf den Flügeln. Nicht ganz auf Offensivpressing verzichten und versuchen, Geis  durch Pizarro (oder Grillitsch?) aus dem Aufbauspiel zu nehmen. Öztunali etwas zocken lassen und über seine Seite kontern. Ansonsten konzentriert die Viererketten gegen den Ball verschieben und auf das Beste hoffen. Klingt doch eigentlich ganz einfach.

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