Arsenal FC – FC Barcelona (Review)

Das Spiel hielt, was es versprochen hatte. Abgesehen von einem kleinen Durchhänger zwischen der 50. und 70. Minute war es ein schnelles, technisch überragendes und darüber hinaus auch spannendes Fußballspiel. Barcelona war wie erwartet die überlegene Mannschaft, beanspruchte Ballbesitz und Raum im Mittelfeld für sich. Arsenal schien gut auf das Spiel der Katalanen vorbereitet, ging in der ersten Halbzeit aber für meinen Geschmack etwas zu viel Risiko ein mit der sehr hoch stehenden Kette. Die Abstimmung zwischen den vier Abwehrspielern stimmte nicht immer und Barcelona hätte dies mehr als einmal ausnutzen können.

Beim Tor durch David Villa steht Clichy ein Stück hinter den beiden Innenverteidigern und hebt so das Abseits auf. Villa kann nach Messis Pass frei auf Szczesny zulaufen und trifft zum 0:1. Barcelonas Vielseitigkeit im Angriff ist durch Villas Verpflichtung noch größer geworden. Messi kann im Zentrum nicht nur eine klassische Sturmspitze oder eine “falsche Neun” geben, sondern sich auch länger ins Mittelfeld zurückfallen lassen und einen Spielmacher geben. So kann Barcelona nach Belieben zwischen 4-3-3 und 4-4-2 mit Raute wechseln und die Kontrolle in der Mitte des Spielfelds behalten. Vor dem Führungstor holte sich Messi den Ball fast auf Höhe der Mittellinie, behauptet ihn gut gegen den gelb verwarnten Song und steckt dann im richtigen Moment durch. Diese Vielseitigkeit macht es fast unmöglich, Messi über ein ganzes Spiel lang auszuschalten.

Gleiches gilt ebenso für seine Mannschaft. Wengers Mut zum Risiko wurde letztlich trotzdem belohnt, weil Barcelona gegen Ende des Spiels müde wirkte und sich damit begnügte, die Führung zu verwalten. Die Wechsel Keita für Villa auf der einen und Arshavin für Song auf der anderen Seite waren sinnbildlich für die Ausrichtung in der Schlussphase des Spiels. Das 1:1 kam durch die Genialität Robin van Persies und einen Stellungsfehler Viktor Valdes zustande. Beim 2:1 zeigte Arsenal dann seine ganze Klasse und gab ein Musterbeispiel dafür ab, wie man Barcelona mit schnellem Passspiel beikommen kann. Für mich einer der schönsten Angriffe der gesamten Saison.

Das 2:1

Normalerweise sind Barcelonas Gegner vom ständigen Hinterherlaufen so kaputt, dass sie nicht schnell und präzise genug umschalten können, wenn sie den Ball endlich mal erobern. Arsenal zeigte beim Siegtor auf, wo die Lücken zu finden sind, die Barcelona durch das aggressive Pressing hinterlässt. Bendtner wird von drei Barca-Spielern attackiert, doch kann den Ball quer zum überragenden Wilshere passen. Der spielt direkt den vertikalen Ball zu Fabregas. Dieser Pass ist entscheidend für den gesamten Angriff, weil Fabregas so hinter Barcelonas Mittelfeld kommt und mit seiner tollen Technik den Ball direkt verarbeiten kann. Sechs gegnerische Spieler befinden sich zu diesem Zeitpunkt vor dem Ball und Fabregas hat freie Bahn für seinen Steilpass auf Nasri. Den wenigsten Mannschaften gelingt es, sich a) aus Barcelonas Pressing so zu befreien und b) den daraus entstehenden Raum so schnell und präzise zu nutzen. Im Strafraum macht Nasri dann alles richtig, sucht nicht den schnellen Abschluss aus schlechter Position sondern wartet auf den Spieler im Rückraum. Van Persie zieht Abidal vom Elfmeterpunkt weg und Arshavin zeigt eine starke Schusstechnik bei seinem direkten Abschluss.

Ich glaube immer noch nicht daran, dass Arsenal im Camp Nou bestehen kann. Barcelona wird durch die Niederlage ähnlich angestachelt sein, wie vor einem Jahr nach dem 2:2 in London. Wengers Team hat jedoch gezeigt, dass es gereift ist, sich vor einem übermächtigen Gegner nicht versteckt und seine Chancen nutzen kann. Für sich genommen ist das Spiel ein großer Erfolg für Arsenal. Ich bin sehr gespannt, ob man das Rückspiel mit ähnlicher Taktik angehen wird oder lieber etwas tiefer steht und auf Konter hofft. Piqué wird Barcelona im Abwehrzentrum fehlen und auch Puyols Rückkehr ist noch nicht sicher. All dies legt nahe, dass Barcelona eine noch bessere Leistung benötigen wird, als beim 4:1 in der Vorsaison. Diese Leistung traue ich ihnen trotz oder auch gerade wegen der Niederlage im Hinspiel zu.

Vollständige Highlights des Spiels

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    Ein Gedanke zu „Arsenal FC – FC Barcelona (Review)

    1. Erstmal Gratulation zu dem tollen Blog! ( Ich bin schon länger als stiller Leser dabei)
      Auch die Analyse und die Beschreibung der Spielsituationen find ich recht treffend. Wie du auch anmerkst, waren die Auswechslungen für mich entscheidend. Die Gunners hatten zwar, über das gesamte Spiel gesehen, relativ wenig Ballbesitz, allerdings sind sie wenn sie den Ball mal hatten sehr ökonomisch damit umgegangen. Gerade Wilshere hat sehr clevere Bälle gespielt und keine schnellen Ballverluste produziert. Durch ihr schnelles aber intelligentes Spiel war Arsenal immer wieder in der Lage sich, trotz der Feldüberlegenheit Barcelonas Chancen zu erspielen. Deswegen hat es mich überrascht das Guardiola Keita für Villa brachte. Wenn Barcelona weiter mit mutigen Offensivspiel auf das zweite Tor gegangen wär, hätten sie Arsenal früher ausknocken können. Die Hereinnahme Keitas war wohl eher ein Signal an die Mannschaft das Ergebnis zu verwalten und defensiver aufzutreten. Für mich eine fragwürdige Entscheidung, da der Spielverlauf doch gezeigt hat, dass man Arsenal nur kontrollieren kann wenn man sie defensiv bindet und ihnen den Ball vorenthält.

      Kurz zusammengefasst: Guardiola raus! ;-)

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