Aufbaugegner? Welcher Aufbaugegner?

Es ist allgemein bekannt, dass Werder Bremen ein beliebter Aufbaugegner für kriselnde Clubs ist. Zumindest unter Werderfans:

“Werder spielt gegen einen krisengeschüttelten Club. Seit einer gefühlten Ewigkeit eine eindeutige Angelegenheit: Werder dient als Aufbaugegner.”

- Werder Exil, “Gegen den Trend”

und

“Ein Spiel gegen einen Krisenclub löst bei mir nicht allzu viel Begeisterung aus. Nur allzu oft dient sich der SVW als gerne gesehener Aufbaugegner an.”

- Papierkugel Blog, “Der dreifache Marko”

Fragt man hingegen die Schalker, bekommt man eine überraschend andere Antwort zu hören:

“Eintracht Frankfurt kommt, seit einem 1:0 gegen Borussia Dortmund am 18. Dezember auf größtmögliche Art erfolglos. Da kommt die Reise zu einem notorischen Aufbaugegner wie Schalke 04 genau richtig.”

- Königsblog, “Fußball ist auch wichtig”

Doch das Duell um den Titel des besten Aufbaugegners des Landes scheint eigentlich ein Dreikampf zu sein:

“Nach Düsseldorf kommt mit dem Club der nächste dankbare Aufbaugegner.”

- Clubfans United, “Zum Dank ab an die Medizinbälle”

Wenn es um Titel geht, ist es aber eigentlich klar, dass auch die Bayern ein Wörtchen mitreden möchten:

“Schlimm, dass wir hier unsere Bundesliga-Lieblingsrolle geben mussten: Aufbaugegner.”

- Breitnigge, “Zwei Minuten auf Platz 2 oder Außer Arjen könnt ihr alle gehen!”

Andere Vereine entziehen sich der großen Konkurrenz und besetzen lieber eine Nische. Sie sind beispielsweise Aufbaugegner für einen ganz bestimmten Verein:

“Bayer ist immer sowas wie ein Aufbaugegner für die Bayern. Ich fass es nicht!”

catenaccio, “Live: Bayern München – Bayer Leverkusen”

An dieser Stelle muss ich eine kleine Pause einlegen, obwohl sich die Liste noch eine ganze Weile lang fortführen ließe. Mir ist schwindelig. Wer ist denn nun der ultimative Aufbaugegner der Liga? Mal die allwissende Tante Google fragen:

Werder Bremen Aufbaugegner hat 10.800 Suchergebnisse. Übertroffen wird das erwartungsgemäß von den Bayern, denn die Suchanfrage Bayern München Aufbaugegner kommt auf 14.600 Ergebnisse. Unser Nordrivale schneidet noch besser ab: 20.100 Treffer liefert die Suche nach Hamburger SV Aufbaugegner. Mit Abstand die Nummer 1 im Norden ist jedoch der kleine HSV, mit 49.200 Suchergebnissen für Hannover 96 Aufbaugegner. Überraschend knapp fällt hingegen das Revierderby aus: Schalke 04 Aufbaugegner weist stolze 59.700 Treffer auf, wird aber von Borussia Dortmund Aufbaugegner mit 62.000 Hits noch überboten. Damit liegt der Deutsche Meister der letzten beiden Jahre auch in dieser Wertung ligaweit vorne.

Erstaunlich dabei ist auch, dass jeder andere Bundesligist mehr Suchergebnisse liefert, als Werder Bremen. Sind wir also am Ende vielleicht gar kein so gern gesehener Aufbaugegner für die kriselnde Mannschaften? Ein Blick auf die Ergebnisse dieser Saison könnte Aufschluss geben. Vier der bisherigen sechs Werderniederlagen in dieser Saison kamen gegen die derzeitigen Top-4 der Liga zustande. Eine weitere setzte es gegen die zum damaligen Zeitpunkt ganz und gar nicht kriselnden Hannoveraner. Gegen andere krisengeschüttelte Clubs gab es hingegen Siege: Gegen den HSV, gegen Borussia Mönchengladbach oder zuletzt gegen Hoffenheim. Bleibt unterm Strich nur eine magere Niederlage gegen den FC Augsburg. In der letzten Saison setzte es 11 der 14 Niederlagen gegen Gegner, die am Ende vor Werder platziert waren.

Man ist eben doch nur so sehr Aufbaugegner, wie man sich fühlt.

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    7 Gedanken zu „Aufbaugegner? Welcher Aufbaugegner?

    1. Ganz so einfach ist das ja nicht. Die Betrachtungsweise muss eine etwas andere sein. Werder hat diese Saison zumindest mal bei Augsburg verloren, die vorher ziemlich am Fliegenfänger hingen (und es auch immer noch tun), aber auch das Unentschieden in Fürth darf man nicht vergessen. Vorher weder Tor noch Punkt zu Hause geholt, Werder kommt. Premieren werden gefeiert. Das Stuttgartspiel auch so. Vor dem Werderspiel: Stuttgart total am Boden, Werder baut sie mit einem geschenkten Punkt auf, danach haben sie sich gefangen.
      In der letzten Saison in Augsburg ähnliches.

      Natürlich ist das ein gefühltes Ding. Ich hab immer das Gefühl, dass Stürmer, die seit Monaten nicht treffen, gerade gegen Werder dann knipsen. Ich habe halt das Gefühl, dass Werder sehr gerne den Negativ-Serienbrecher spielt. Besonders auswärts.

    2. Da muss ich mich borttronic anschließen. Seit gefühlter Ewigkeit scheinen die Mannschaften auf Werder zu warten, um dann gezielt zuzuschlagen: hier ein Tor für den bisher glücklosen Stürmer, dort ein schlechtes Defensivverhalten für die bisher ohne Heimtor gebliebene Mannschaft.
      Das mag sehr subjektiv sein, aber wenn viele (um nicht zu sagen die Meisten) dieses Gefühl haben, gibt es wohl einen wahren Kern. Sonst wäre es eher eine Art kollektiven “Phantomschmerzes”.

    3. Dass ihr zwei das Gefühl habt bestreite ich nicht. Ich habe das Gefühl auch schon häufig genug gehabt. Nur sind wir drei nicht die einzigen, die dieses Gefühl haben. Das Gefühl hat wohl so ziemlich jeder Fußballfan. Ihr könnt euch bei jedem Verein umhören, überall werden euch die Fans erzählen, dass ihre Mannschaft ausgerechnet immer gegen die kleinen Gegner ausrutscht und Aufbaugegner spielt. Haben die dann alle recht? Oder ist das bei Werder was anderes, weil es eben Werder ist? Eine andere Begründung, außer dass das halt gefühlt so ist, habe ich euren Kommentaren jetzt nicht entnehmen können.

      Von daher würde ich sagen: Ja, Phantomschmerzen trifft es vielleicht ganz gut, weil Niederlagen und Punktverluste gegen kleine Teams ärgerlicher sind und deshalb länger hängen bleiben.

      Werder ist in den letzten 2 1/2 Jahren leider Gottes keine Spitzenmannschaft mehr gewesen, da ist es klar, dass auch gegen kleine Teams und solche die einen schlechten Lauf haben häufiger verloren wird als früher. Dass wir gegen die Top-Teams der Liga seit Jahren kaum einen Punkt holen lässt sich halt leichter akzeptieren, als dass ein Unentschieden in Fürth (bei unserer Auswärtsbilanz) inzwischen mehr Norm als Ausnahme ist.

    4. @Tobias: Da hast du recht, ne bessere Begründung habe ich nicht geliefert, das ist eher unglücklich gelaufen. Aber ich glaube nicht, daß Google ausschlaggebend ist.

      Und wenn du sagst, Werder war die letzten Jahre keine Spitzenmannschaft, muss man das eben umgedreht sehen: Wer macht dann den Aufbaugegner für Werder? ;)

    5. Nein, Google ist natürlich genausowenig ausschlaggebend wie die zitierten Blogs. Ich wollte eigentlich auch nur darauf hinaus, dass die Sache mit dem Aufbaugegner sehr subjektiv ist und man sich auch dann als Aufbaugegner fühlen kann, wenn es objektiv quatsch ist (siehe Bayern oder auch Werder vor 5-6 Jahren).

      Aufbaugegner für Werder? Hoffenheim hat das doch schon ganz gut gemacht ;) Aber ansonsten wäre ich für Frankfurt, auch wenn der rasende Falkenmayer da etwas gegen hat.

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