Aus. Vorbei.

Werder Bremen – 1. FC Köln 0:1 (0:0)

Ich bin selten nach einem Spiel wortkarg, aber heute ist solch ein Tag. Eine bittere wie verdiente Niederlage gegen Köln beendet in Bremen die Ära Dutt.

Zum Spiel will ich ausnahmsweise mal nicht viel schreiben. Es gab ein paar interessante Ansätze im Spielaufbau, die Rückkehr zur Raute (als 4-1-3-2 mit gelegentlichem Hang zum 4-3-3), einen letzten Akt von Solidarität seitens der Fans. Vor allem aber gab es viel von dem zu sehen, was man als Werderfan schon gewohnt ist. Hohe Bälle, Linksüberladungen, haarsträubende Fehler im Passspiel, merkwürdige Aufbaustrukturen (wozu lässt sich Galvez zwischen die Innenverteidiger fallen, wenn die zentralen Räume zwischen vorderster und letzter Linie teilweise gar nicht besetzt werden?) und zu guter Letzt den Offenbarungseid des Trainers.

In einem Heimspiel gegen einen Aufsteiger, das unbedingt gewonnen werden muss, nach 60 Minuten Lukimya und Gebre Selassie einwechseln zu wollen, ist schon sehr verstörend. Nach dem Gegentor war es dann Petersen statt Lukimya, der eingewechselt wurde, und spätestens nach der Einwechslung Selkes für Makiadi wurde das Mittelfeld komplett aufgegeben. Zwanzig Minuten lang hohe Bälle auf die drei Stürmer. Zwei ernsthafte Torchancen in 90 Minuten, beide durch Fernschüsse. Hinterher die Aussage des Trainers, dass er nicht mehr daran geglaubt habe, dass sein Team es spielerisch schafft. Nach diesem Spiel ist Dutt nicht mehr zu halten (wenn die Geschäftsführung es denn überhaupt wollte).

Die Kritik am Trainer soll keinesfalls die Spieler von ihrer Verantwortung freisprechen.  Die individuellen Leistungen waren fast durch die Bank mäßig bis schwach. Letztlich hat ihr aber wohl auch der Glaube gefehlt, das Spiel nach dem 0:1 noch drehen zu können. Ich habe selten eine so miese Schlussphase gesehen. Gerade deshalb braucht diese Mannschaft aber einen Trainer, der sie wieder aufbaut, der die kargen spielerischen Elemente im Spiel versucht zu verbessern und der ihr ein Stück Vertrauen entgegenbringt.

Vielleicht steigen wir trotzdem ab, aber zumindest nicht so.

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    10 Gedanken zu „Aus. Vorbei.

    1. Man kann es positiv sehen. Nach diesem Spiel hat Eichin eigentlich keinerlei sportliche Argumente, noch an Dutt festzuhalten. Das war einfach zu offensichtlich schlecht gegen eine Mannschaft, die zwar defensiv stark spielt, offensiv aber eigentlich selbst nicht viel zustande brachte. Vielleicht bleibt uns durch diese Niederlage gegen Köln ein grausiges Hick-Hack erspart, wie es Schalke mit Keller erlebt hat [auch wenn beide Vereine und Trainer sonst kaum zu vergleichen sind].

    2. Man kann von Dutt halten was man will, aber die Mannschaft ist auch einfach schlecht. Laut ClubELO hat Dutt es geschafft, Werder auf einem Niveau zu halten, was angesichts der gesunkenen Qualität ein Erfolg ist.
      http://clubelo.com/Coaches/RobinDutt.html

      Goalimpact prognostiziert sogar in Liga 2 Schwierigkeiten mit dem Kader:

      @MartinRafelt @clubelo Wollte morgen einen Post dazu bringen. Die haben die besten Spieler verkauft. Wird auch in 2. Liga schwierig.— Goalimpact (@GoalImpact) 24. Oktober 2014

      1. Ich will gar nicht sagen, dass der Kader gut ist. Ob er besser ist als das, was Dutt in dieser Saison bislang aus ihm herausgeholt hat, wird sich zeigen. Es war zum Ende hin aber deutlich, dass Dutt nicht (mehr?) an sein Team geglaubt hat. Aus psychologischer Sicht war das in den letzten Wochen eine Katastrophe und es war unausweichlich, dass nun der Schlussstrich gezogen wurde.

        Mit den genannten Indexwerten tue ich mich schwer. Die sind sicher interessant und zeigen einige interessante Punkte auf, aber letztlich sind es halt nur Indexwerte, die versuchen einen sehr komplexen Sachverhalt sehr einfach auszudrücken. Die einzigen simplen Zahlenwerten, denen ich im Fußball wirklich traue, sind Punkte und Tore. ;-) Goalimpact zufolge leidet Werder besonders unter den Abgängen von Ekici und A. Stevanovic – also einem Spieler, der bei Werder in drei Jahren kaum eine Rolle spielte, und einem Spieler, der letzte Saison ausschließlich in der U23 gespielt hat (daher wohl der hohe GI). Franco Di Santo ist demnach hingegen Werders schlechtester Stürmer. Ich will die generellen Aussagen aus dem Artikel über die Kaderentwicklung nicht wegdiskutieren, ganz im Gegenteil, aber als alleinige Begründung oder gar als Rechtfertigung für das Scheitern eines Trainers reichen mir ClubELO und GI nicht aus. Ein Trainer hat ja unter anderem auch die Aufgabe, einen bestehenden Kader zu verbessern, erst Recht wenn der vor einem Jahr verkündete Weg stark auf den eigenen Nachwuchs und die Entwicklung junger Spieler setzen sollte.

        1. Gerade die Spielerentwicklung hat die letzten Jahre nicht funktioniert, was auch Goalimpacts Zahlen zeigen. Irgendwie kommen da zwei Fehlentwicklungen zusammen, von denen eine alleine schon unangenehm ist.

          Ich würde den Indexwerten auch nicht blind ins Verderben folgen, aber sie bieten doch interessante Anhaltspunkte. Ob Stürmertyp A oder B besser ins Spielkonzept passen, können sie aber nicht abbilden.

          Hoffen wir, dass der ehemalige U23-Trainer Skripnik da ein besseres Händchen hat.

    3. Treffender Artikel. Leider.
      Nun ist Robin Dutt weg und die Nachfolger Skripnik und Frings im Amt. Mich würde deine Meinung dazu sehr interessieren. Welches System haben die beiden bei der U23 spielen lassen?
      Ist das nun eine Entscheidung, die Hoffnung macht?
      Viele Grüße

      1. Würde mich auch interessieren, ich bin aber zuversichtlich, dass Tobias noch etwas dazu postet ;)

        Persönlich bin ich erst einmal erleichtert, und auf den ersten Blick macht eine interne Lösung wohl auch Sinn. Skripnik kennt zumindest die Spieler, auch die jungen, und ich habe die Hoffnung, dass ein Aicycek nun doch noch in dieser Saison seine Chance erhält [ob er dann sofort durchstarten kann, ist eine andere Frage, im Worum wird ja viel über die physischen Rückstände ob der vielen Verletzungen spekuliert].

        Taktisch weiß ich bei Skripnik allerdings auch nicht wirklich Bescheid. Bremen II steht auf Rang 2 der RL-Nord-Tabelle, allerdings schon mit gehörigem Abstand zu HSV II. Gespielt wird da scheinbar mit 2 Spitzen, wie genau das aussieht, keine Ahnung. Dafür kenne ich die Bremer Jugend zu wenig. Bin gespannt auf Tobias et al, die sich in dem Feld vllt. besser auskennen :)

      2. Hoffnung macht die Entscheidung schon – nicht darauf, dass Werder jetzt direkt zum Höhenflug ansetzt, aber zumindest darauf, dass es spielerisch wieder etwas besser wird. Der Kader lässt vermutlich keine großen Sprünge zu. Ich erwarte auch nicht, dass sich Werder bis zum Winter aus dem Bereich der Abstiegsränge gespielt hat. Ich denke aber schon, dass Skripniks Spielidee bis dahin erkennbar sein wird.

        Ich bin nicht so nah am Nachwuchsbereich dran, deshalb gibt es sicher andere, die Skripniks Spiel besser beschreiben können. Was aber auf den ersten Blick auffällt ist, dass seine Teams proaktiv spielen, mit kontrolliertem Aufbauspiel, Flachpässen durchs Zentrum und viel Bewegung im Mittelfeld. Also ein großer Unterschied zu Dutt und wenn man so will die Fortschreibung von Schaafs System mit Raute und zwei Spitzen. Von der U17 um Aycicek und Von Haacke schwärmen viele Beobachter ja noch heute.

        Die Frage wird sein, ob er das mit einem Team hinbekommt, das auf Platz 18 steht und spielerisch wie mental am Boden liegt. Die zweite Frage ist, ob der Kader für diesen Stil nicht schlicht zu schlecht ist. Allein schon die Berufung von Obraniak und Aycicek in den Kader morgen zeigen aber meiner Meinung nach, dass er es drauf ankommen lassen will.

        Ein Richtungswechsel ist Skripniks Berufung auf jeden Fall, da er in vielen Bereichen (fußballerisch) anders zu denken scheint als Dutt.

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