Hoffnung

Selbstmordversuch. Aufgeschnittene Pulsadern. Es erfordert viel Kraft – körperliche wie mentale – um sich selbst die Pulsadern aufzuschneiden. Ein Querschnitt reicht meistens nicht aus, um sicherzustellen, dass man verblutet. Ein Längsschnitt ist hingegen nahezu immer erfolgreich. Die Pulsadern werden dabei auf eine Weise beschädigt, die kaum zu beheben ist. Der Längsschnitt ist jedoch auch der schwierigere. Es gibt einfachere und sicherere Methoden, sich umzubringen. Wer sorgfältig plant und sich seiner Sache sicher ist, wählt nicht den Querschnitt. Es bleibt eine zu hohe Überlebenswahrscheinlichkeit. Man könnte zu früh gefunden werden. Man könnte rechtzeitig gefunden werden.

Babak Rafati wurde gefunden. Er wählte den Versuch, nicht den todsicheren Weg. Ich weiß nicht, ob er sterben wollte, oder ob sein Selbstmordversuch ein Warnzeichen war. Vielleicht weiß er es selbst nicht. Es besteht jedoch die Hoffnung, dass er sich für das Leben entscheidet. Dass er darüber noch selbst entscheiden kann. Das allein zählt.

Artikel teilen

    4 Gedanken zu „Hoffnung

    1. Meine Erfahrung besagt, dass die meisten tatsächlich schlicht nicht wissen, wie man es “richtig” macht. Meist sind es dann nach einem überlebten Versuch eine bestimmte Art Mitpatienten, die diese Wissenslücke gern füllen.
      Wie auch immer… ich finde nicht, dass man die erfolgversprechende Methode hier explizit benennen sollte, genauso wenig, wie man Dosis und Art von Tabletten benennen sollte, mit denen es klappen würde. Was ist der Gewinn? Welche Funktion hat das?

    2. Er hat davor versucht sich zu erhängen.

      Egal welche Methode – er wollte sich umbringen, so viel steht fest. Ich glaub unabhängig davon verbietet es sich hier weder auf Motiv noch Methode zu spekulieren. Du implizierst hier, es handle sich “nur” um einen appellativen Selbstmord – der auf der Skala der nach oben offenen technischen perfekten Suizide somit eher als dilettantisch einzuordnen wäre?

      Unabhängig von Rafatis Tat jedoch böte es sich an, das gegenwärtige System der Schiedsrichterberufung bzw. Abberufung mal gründlich zu durchleuchten. Besonders dessen generelle Intransparenz – im Zuge der Amerell-Affäre wurden da ja (neben vielen unnötigen, schmutzigen, weil eher privaten Details) durchaus auch einige interessante systemische Abhängigkeiten aufgeworfen, die gelte es nun näher unter die Lupe zu nehmen. Auch die Willkür einer Abberufung, bzw. Herabstufung welche Rafati widerfuhr scheint mir in diesem Zusammenhang interessant.

      Gibt es da eine einheitliche Regelung, die auch mit Bedacht auf eine mögliche in ihre geborgene Egoverletzung in einem fairen und vorsichtigen Klima erfolgt? Er war erst 41 und bereits reif für die Seniorenliga?

      All das in Kombination mit diversen öffentlichen Benotungsprangern in diversen selbsternannten Sportfachmagazinen oder live in Quasselbuden auf “Sport 1″ et. al. für Spieler wie für Schiedsrichter bieten sich schon lange als Themen einer Untersuchung an. Sämtliche Medien verweigern sich beharrlich das offensichtliche Einzusehen, nämlich dass sie bereits seit langer Zeit viele Grenzen des fairen menschlichen Miteinanders hinter sich gelassen haben und durchaus für ein Klima verantwortlich zu machen wären, dass Demut vor der Fehlbarkeit des Menschen konsequent vermissen lässt, schlimmer noch, sich in einem ironischen Tonfall sich daran delektiert und daraus Profit in Form von Aufmerksamkeit (=Clicks) geriert.

      Auch das Verhalten einiger verhaltensauffälliger Trainer sowie der “Fans” trägt seinen Teil bei, es für die Schiedsrichter nicht einfacher wird.

    3. @Andre/Tobi: Das ist ja nun wirklich keine dezidierte Anleitung sondern eine Binsenweisheit. Erfolgversprechender wären viele andere Methoden, die ich nicht benannt habe. Sollen dann auch sämtliche Anleitungen zum Knotenbinden gelöscht werden? Durch Erhängen sterben weitaus mehr Menschen, als durch das Aufschneiden der Pulsadern.

      @wp_deep_play: Ich weiß nicht, ob es sich anbietet, jetzt die Diskussion über die Probleme im Schiedsrichterwesen zu führen. Ganz generell stimme ich deinen Ausführungen ja zu, aber gerade jetzt würde das doch alles in Zusammenhang mit Rafati gebracht werden. Das geht leider viel zu schnell in eine falsche Richtung, siehe die unsägliche Rede von Zwanziger. Keiner von uns weiß, was Rafati zu dem Schritt bewegt hat. Es geht uns auch nichts an. Deshalb verstehe ich deine Frage nach dem dilettantischen Versuch nicht ganz. Alles was ich geschrieben habe ist, dass es sich nicht um einen perfekt geplanten und durchgeführten Selbstmord handelte. Ob aus Unwissenheit oder (unterbewusster) Absicht spielt für mich keine Rolle, in jedem Fall gibt es ihm eine Chance, die er ansonsten nicht hätte.

    Kommentare sind geschlossen.