Abteilung Attacke

Bin ich eigentlich der einzige verbliebene Fußballfan in Deutschland, der keine Angst vor den Bayern hat?

Um es klarzustellen: Die Bayern hatten einen starken, ja sogar einen brillanten Start in die Saison. Man kann den Fußball, der in München derzeit gespielt wird, bewundern und vielleicht sogar ein bisschen neidisch sein auf die Spielfreude, die Heynckes Truppe versprüht. Aber müssen wir in Ehrfurcht erstarren, weil die Bayern mit zwei Punkten Vorsprung die Tabelle anführen und voraussichtlich die Gruppenphase der Champions League überstehen werden?

Weihnachtsmann und Osterhase

Der Weihnachtsmann ist nicht der Osterhase, hat Uli Hoeneß einst gesagt. Die Oktoberfest-Maß ist aber erst recht nicht der Meisterschaftssekt. Schauen wir einmal nüchtern die Zahlen an: Bayern hat nach sieben Spieltagen drei Punkte weniger auf dem Konto als Mainz 05 vor einem Jahr. Meister wurde, wie man in Teilen Fußballdeutschlands offenbar schon vergessen hat, am Ende der BVB. Im Gegensatz zu Mainz scheinen die Bayern jedoch unangreifbar: Erst ein Gegentor hat man bisher kassiert – eines mehr als der VfB Stuttgart nach sieben Spieltagen der Saison 2003/04. Zur Meisterschaft hat es für Magaths Defensivkünstler dennoch nicht gereicht, wie jeder Werderfan weiß. Nun mag man einwenden, dass die Bayern eben die Bayern sind und nicht Mainz oder Stuttgart. Wenn die Bayern einmal oben stehen, dann bleiben sie auch oben. Allein diese Erkenntnis reicht aus, um den Meisterschaftskampf nach knapp 21% absolvierter Saisonspiele für beendet zu erklären.

Wer, so lautet die üblicherweise gestellte Gegenfrage, wenn man Bayerns Omnipotenz dieser Tage in Frage stellt, soll denn mit diesen Bayern mithalten? Bezogen auf die Bundesliga fällt es nicht leicht, eine positive Antwort darauf zu geben. Die einzige Mannschaft, der man es zutraut, einen davoneilenden Konkurrenten im Laufe der Saison noch einzuholen, ist eben der FC Bayern. Der Favorit holt den Underdog meistens noch ein, der Underdog den Favoriten jedoch fast nie. Genau deshalb ist die Resignation gerade so groß. Vielleicht ist die Frage aber auch ganz einfach falsch gestellt.

Dominanz als self-fulfilling prophecy

An 32 von 34 Spieltagen hat jedes andere Team der Liga nichts mit den Bayern zu tun. Es werden in dieser Zeit 96 Punkte vergeben, an deren Eroberung auch ein noch so starker FCB kein Team der Liga hindern kann. Es ist als völlig unnötig, sich abgesehen von den beiden direkten Duellen übermäßig mit ihnen auseinanderzusetzen. Die Fixierung auf die Bayern ist im Gegenteil sogar hinderlich. Deswegen ist es durchaus verständlich, dass Klaus Allofs Werder neulich ausweichend als „Punktejäger“ bezeichnet hat, als er nach Werders Rolle gefragt wurde. Zum jetzigen Zeitpunkt muss noch keine Mannschaft „gejagt“ werden, denn das Feld ist noch dicht beisammen.

Wie wäre wohl die letzte Saison ausgegangen, hätte die Konkurrenz nach dem makellosen Saisonstart der Mainzer deren Überlegenheit einfach akzeptiert und fortan nur noch maximal um Platz 2 gespielt und Schadensbegrenzung betrieben? Vielleicht wäre Mainz deshalb nicht unbedingt Meister geworden, aber sie hätten es wesentlich leichter gehabt. Indem man die Vorherrschaft der Bayern als gegeben hinnimmt, macht man sie zur self-fulfilling prophecy.

Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass Bayern am Ende dennoch Meister wird. Deshalb braucht sich aber nicht die gesamte Liga nach sieben Spieltagen mit heruntergelassenen Hosen vor Ihnen zu bücken und es willenlos über sich ergehen lassen.

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    5 Gedanken zu „Abteilung Attacke

    1. Um es gleich mal vorweg zu nehmen – der FCB (und auch der SVW) spielen immer im Zwei-Jahres-Rhythmus richtig gut. So konnte ich schon im März die Voraussage treffen, dass der FCB (leider) Meister, Werder aber auch wieder oben mitmischen wird. ;)

      Ich persönlich halte Heynckes für einen der besten Trainer der Welt und habe großen Respekt (ohne in Ehrfurcht zu erstarren) vor seiner Arbeit.
      Liest man sich seine Vita durch mit ihren Unzulänglichkeiten die Heynckes zu bewältigen hatte, kann man nur den Hut vor ihm ziehen.
      Schon bei Leverkusen brillierte er allein durch seine taktische Handschrift im DefensivBereich, die es Leverkusen ermöglichte, so weit oben mitzuspielen.

      Nun trainiert Jupp eine Mannschaft mit großen u. sehr guten Spielerpotential. Und immer wenn man derzeitig den FCB spielen sieht, wird man von der Leichtigkeit des Spiels überrascht. Man hat das Gefühl, der Gegner steht ehrfürchtig auf dem Platz und lässt den FCB gewähren. Bedenkt man, dass ManCity mit über den besten Sturm verfügt und nicht in der Lage war, gegen die Bayern einzunetzen, macht das schon bedenklich.
      Werder dagegen ist spielerisch die schwächste Mannschaft im oberen Tabellendrittel, tut sich noch schwer Akzente im MF zu setzen, glänzt mehr durch Einzelkönnen, Einzelkönner, Einzelaktionen – glänzt aber mit dem unbedingten Willen zu Siegen – was der SVW in der letzten Saison vermissen ließ.
      Man darf gespannt sein, wie schnell Werder sich spielerisch noch verbessern wird, um auch die Leichtigkeit des Spiels zu zelebrieren.
      Angst muss man nicht vor den Bayern haben …. Jegliche Vergleiche, den FCB gleichwertig neben Barca oder Real Madrid zu stellen, halte ich einfach für zu übertrieben. Ich kann mir sogar vorstellen, dass bald die Euphorie bei den Bayern nachlässt … sich ebenso Fehler einschleichen werden, man auch nicht jedes Spiel gewinnen wird und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die NULL hinten fällt.
      Respekt ist gut … aber ANGST ESSEN SEELE AUF.

    2. Ist mir eigentlich egal. Angst braucht man vor niemanden haben, nur Respekt. Und den haben sich aber alle Mannschaften verdient.
      Ich traue Werder in dieser Saison richtig viel zu. Weil sie einen Kader haben, der Champions League spielen könnte, im Gegensatz zu allen anderen Konkurrenten aber eben nur eine einfache Belastung hat und im Gegensatz zu einigen potentiellen Konkurrenten einen sehr guten Start hatte.
      Wichtig ist, dass man selber weiterhin seine Hausaufgaben erledigt. Dann kommt in der Regel der Erfolg von ganz alleine. Und ich stimme da Pizza zu, der in einem Interview gesagt hat: Die Bayern werden stolpern.

      Irgendwann wird Bayern vor der Situation stehen: entweder Meister oder volle Konzentration auf das CL-Finale im eigenen Stadion. Und dann muss Werder da sein.

    3. Ahem, den letzten (Halb-)Satz hätteste dir sparen können oder? Solche Metaphern find ich doch eher unangebracht.

      Ansonsten: Klar sollte man nicht von vornherein das Tuch werfen, aber man muss auch akzeptieren dass die Bayern, wenn sie ihre Leistung abrufen, einfach eine Klasse höher spielen als alle anderen deutschen Mannschaften. Dass hat nix mit “Bücken” zu tun, sondern sollte so sein, der (Wirtschafts-)Kraft folgend.
      Die Vergleiche mit Mainz und Stuttgart hinken dann auch sehr (andere hast du wohl nicht gefunden?)

      Schade, sonst liest man hier gehaltvollere Dinge.

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