5 Wege zum Erfolg bei den Bayern

Am Samstag trifft Werder auf den Ex-Tabellenführer aus München, der in einer Mini-Krise steckt. Was muss Werder tun, um sie zu einer echten Krise auszuweiten?

1. Die Statistiken vergessen

Bayern ist seit sechs Jahren in der Bundesliga ohne Heimsieg gegen Werder, Werder dafür seit über drei Jahren ohne Sieg gegen die Bayern. Wettbewerbsübergreifend hat Werder aus den letzten fünf Spielen gegen die Bayern ein mageres Unentschieden und vier Niederlagen eingefahren. Man kann sich diese Statistik also so hinbiegen, wie es einem gerade passt. Ähnliches gilt auch für die Statistiken innerhalb dieser Saison: Bayern hat nach Rückständen noch keinen Punkt geholt, Werder hingegen schon 16. Daraus kann man nur die falschen Schlüsse ziehen.

Gerade vor Spitzenspielen wird gerne auf diese Zahlenspiele zurückgegriffen. Die Spieler sollten das völlig ausblenden und sich nicht mit der Statistik beschäftigen. Außenseiter ist Werder sowieso. Was zählt ist einzig und allein die Konzentration auf den eigenen Matchplan. Rechenspielchen lenken nur vom Wesentlichen ab.

2. Laufen, laufen, laufen

Bayern München - Werder Bremen 2004

Der schönste Bremer Sieg in München vor 7 1/2 Jahren

Es klingt wie eine Plattitüde, aber in diesem Spiel wird es sehr auf die Laufstärke ankommen. In dieser Saison gehört Werder zu den laufstärksten Mannschaften der Bundesliga. Überhaupt wird in Werders Spielen sehr viel gelaufen, zumeist von beiden Mannschaften. Vieler dieser Spiele waren bis zum Ende hart umkämpft. Die Bayern kommen in der Regel mit deutlich weniger Laufstrecke aus, weil sie das Spiel mit ihrem starken Pass- und Positionsspiel meist beherrschen und damit Ball und Gegner laufen lassen. Nicht selten waren ihre Spiele nach 60 Minuten entschieden.

Natürlich sollte man die Laufdistanz nicht überbewerten. Dennoch muss Werder die Überlegenheit in diesem Bereich ausnutzen und die Bayern zum Laufen zwingen. Damit könnte man dem Gegner ein Stück weit das eigene Spiel aufzwingen. Vor allem Werders Mittelfeld mit Bargfrede, Fritz und Hunt ist ungemein laufstark. Auf sie wird es insbesondere ankommen, wenn man trotz Raute die bayerischen Flügelspieler doppeln möchte.

Extremes Vorwärtspressing ist nicht nötig. Mit dem Erfolgskonzept aus dem Spiel gegen Stuttgart (Stürmer attackieren nicht die Innenverteidiger sondern stellen die Passwege auf die Sechser zu), könnte man auch den Bayern den Spielaufbau erschweren. Darüber hinaus kommt es aber wieder auf Tempo und Laufbereitschaft an: Pressing im Mittelfeld, Doppeln auf den Außen, Nachsetzen der Stürmer gegen die Außenverteidiger und schnelle Gegenstöße.

3. Nicht zu tief stehen

Diese Warnung wirkt bei Werder fehl am Platz. Thomas Schaaf lässt zwar nicht mehr ganz so hoch verteidigen, wie noch vor ein paar Jahren, aber die Gefahr, zu tief zu stehen, ist normalerweise ziemlich gering. Gegen die Bayern ist das anders. Beim Pokalfinale letztes Jahr beispielsweise ließ sich Werder sehr tief in die eigene Hälft drängen und konnte dennoch nicht verhindern, dass Bayern zu zahlreichen Torchancen kam. Gegen die starken Flügelspieler ist es nicht ratsam, die Viererkette zu dich am eigenen Strafraum agieren zu lassen, zumal dann auch die gegnerischen Sechser viel Platz um den Mittelkreis herum haben, wenn man die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen nicht zu groß werden lassen möchte.

Andererseits ist bei einer sehr hohen Viererkette das Risiko groß, dass man mit langen Bällen ausgekontert wird und Spieler alleine aufs Tor zulaufen. Dieses Problem hatte man vor knapp zwei Jahren, als Werder gegen Bayern zuhause weitgehend chancenlos war und Robben mit Abdennour Katz und Maus gespielt hat. Es gilt also stets die richtige Höhe abzuwägen und immer wieder an den Spielverlauf anzupassen. Als Orientierung kann man die Verteidigungslinien von Mainz und Dortmund nehmen, die in den letzten Spielen einen guten Mittelweg gefunden haben.

4. Die Flügelzange festbinden

Robben und Ribery aus dem Spiel zu nehmen ist schwierig. Ständiges Doppeln ist dafür unabdingbar, was mit einem Mittelfeld mit Raute nicht leicht umzusetzen ist. Möglich ist es aber durchaus, wenn sich das Mittelfeld etwas flacher aufstellt. Dafür muss Marin als Zehner sich häufig neben Bargfrede fallenlassen, um das Loch zu stopfen, dass auf der Sechserposition entsteht, wenn die äußeren Rautenspieler weiter auf die Flügel rücken.

Andererseits wird Marin auch hinter den Spitzen als Anspielstation benötigt. Auf ihn kommt also eine anspruchsvolle Doppelrolle zu, die seine derzeitige Form auf eine harte Probe stellen wird.

Eine gute Visualisierung dazu gibt es bei ballverlust.net.

5. Den Schalter finden

Das Umschalten gehört nicht unbedingt zu Werders Stärken in dieser Saison. Gegen Stuttgart hat es aber ganz gut funktioniert. Es gab viele Balleroberungen im Mittelfeld, die sofort in Gegenangriffe umgewandelt wurden. Gegen die ballsicheren Bayern wird Werder es schwer haben, sich Torchancen herauszuspielen. Daher ist es umso wichtiger, nach Ballgewinn im Mittelfeld gegen den aufgerückten Gegner schnell zuzuschlagen und Konter einzuleiten. Wenn alles andere gut klappt, kann das den Unterschied zwischen einem hart erkämpftem Unentschieden und einem Auswärtssieg ausmachen.

Foto: Allie_Caulfield / flickr.com

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    4 Gedanken zu „5 Wege zum Erfolg bei den Bayern

    1. Schön aufgeschrieben.

      Ich frage mich, warum die Bayern gegen Dortmund, Mainz nicht auch einmal lange Bälle eingestreut haben. Wenn die Viererkette ständig mit solchen rechnen muss, kann sie auch nicht so richtig hoch stehen. Dortmund stand hoch sehr hoch in einigen Szenen und hat Mitte der gegnerischen Hälfte angegriffen. Doch die Bayern können sich taktisch im Moment überhaupt nicht auf den Gegner einstellen, vor allem wenn Schweinsteiger fehlt.

      Sie leben ähnlich wie Werder von ihrer individuellen Klasse, die taktisch überlegene Mannschaften aber stark einschränken können. Wenn Lahm tatsächlich im Mittelfeld spielt, kommt es aber vielleicht zu weiteren Abstimmungsproblemen.

      Hoffentlich kommt es zum Duell Ignjovski vs Robben, da warte ich schon die ganze Saison drauf (was auch für Sokratis vs Ribery gilt). Endlich mal ein inverser Außenverteidiger, dazu mit guter Motorik. Der könnte Arjen schnell auf die Nerven gehen.

      Von den Statistiken finde ich am ehesten interessant, dass bei einem Rückstand Bayerns dritte Niederlage in Folge droht. Mal sehen, wie sie darauf reagieren würden.

    2. Wer weiß, wie er am Ende spielen lassen wird. Aber diese fragwürdigen Aussagen von Schaaf von der PK belegen im Grunde, warum er als Trainer mit der Bundesliga-Spitze (Klopp, Slomka etc) nicht mehr mithalten kann. (zitiert lt. Kreiszeitung)

      “Man muss immer seiner Linie treu bleiben, seine Philosophie vertreten und nicht plötzlich experimentieren oder verrückte Dinge machen, was in solchen Spielen gerne mal versucht wird. Den Gegner ausführlich zu analysieren, sei gut, „aber was hilft es mir, wenn ich alles über ihn weiß, aber meine eigenen Dinge nicht auf die Reihe kriege?“

      Es ist eine Philosophie-Frage, ob ein Trainer eher die eigenen Stärken betont oder sich komplett nach dem Gegner richtet. Das ist ja gerade die Diskussion in Leverkusen mit Dutt, da treffen unterschiedliche Philosophien aufeinander. Aber wenn man sich nicht mit dem Gegner auseinander setzt, bekommt man von den erfolgreichen Strategien anderer (Mainz, Dortmund) ja auch nicht genug mit. Diese Arroganz konnte sich Werder vor einigen Jahren mit Diego, Özil etc. leisten, aber das ist ein für alle Mal vorbei.

      Und das hier ist eigentlich der blanke Hohn.

      “Wir müssen möglichst viele Tore schießen, denn man muss immer damit rechnen, dass man in München den einen oder anderen reinkriegt. Der Vorsprung sollte groß genug sein, denn die Bayern können jederzeit zurückkommen.“

      Wie viele Tore haben Dortmund zum ziemlich überlegenen Sieg in München gereicht….?

    3. Die Aussage “Wir müssen möglichst viele Tore schießen, denn man muss immer damit rechnen, dass man in München den einen oder anderen reinkriegt. Der Vorsprung sollte groß genug sein, denn die Bayern können jederzeit zurückkommen.“ habe ich eher als Witz (so unter dem Motto: “Ihr kennt ja alle diese blöden Fußballerweisheiten, eine davon gebe ich Euch noch mit”) verstanden, zumal ja die ganze PK wohl ziemlich unterhaltsam gewesen sein soll.

    4. Diese letzte Aussage war ein Witz, da haben sowohl die Journalisten als auch er selbst gelacht. Ich würde Schaafs öffentliche Aussagen nicht so für voll nehmen, jedenfalls nicht, um Rückschlüsse auf ihn als Trainer zu ziehen. Schaaf hat seine Standardfloskeln für den Umgang mit den Medien gefunden und das ist auch ok so. Er könnte das wohl auch längst nicht so fernsehgerecht vermitteln wie bspw. Klopp, aber das muss er ja auch nicht. Aber ich glaube, dass er seinen Spielern (und da denke ich auch an Aussagen aktueller und ehemaliger Spieler) die Dinge ganz anders vermittelt.

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