Bestraft

Werder Bremen – Borussia Mönchengladbach 1:1

Durch Unaufmerksamkeiten und schlechte Chancenverwertung hat Werder in den letzten zehn Minuten einen schon sicher geglaubten Sieg gegen Gladbach noch aus der Hand gegeben. Dantes Ausgleich in der Nachspielzeit war zugleich gerechte Strafe für die Bremer Überheblichkeit und ein weiterer Beweis für die Unberechenbarkeit des Fußballs.

Starke erste Hälfte, zu geringer Ertrag

Werder erwischte einen guten Start, kam zu klaren Torchancen durch Wagner, Bargfrede und Borowski. Gladbach stand wie erwartet tief und kam lediglich durch hohe lange Bälle in die Nähe des Bremer Strafraums, wo Idrissou meist auf verlorenem Posten stand. Werder zeigte sich kombinationsstärker als in den letzten Wochen. Der Ball lief gut durchs Mittelfeld, Wagner gewinnt langsam an Ballsicherheit dazu und Pizarros großer Aktionsradius machte den Gästen sichtlich zu schaffen. Es dauerte dennoch bis zur 39. Minute bis Werders Überlegenheit belohnt wurde. Sandro Wagner traf zum zweiten Mal in Folge und das durchaus sehenswert. Pizarros Flanke erwischte er mit dem Kopf und nickte den Ball präzise neben den Pfosten. Der ansonsten starke Bailly im Gladbacher Tor war chancenlos.

Kurz vor der Pause knallte Borowskis Schuss an die Unterkante der Latte und von dort knapp vor die Torlinie, so dass es mit einer hochverdienten, aber zu geringen Führung für Werder in die Kabine ging. Gladbach hatte bis dahin keine einzige Torchance. Die beste Gelegenheit machte man sich selbst zunichte, als man einen ambitionierten Freistoßtrick versuchte, statt den Ball aus etwa 20 Metern direkt auf Tim Wieses Tor zu bringen.

Werders Wechsel kippen das Spiel

Werders Mittelfeldraute läuft so langsam wieder zu guter Form auf. Hier machte es sich bezahlt, dass Schaaf an seinem bewährten Personal festhielt. Borowski und Bargfrede können das Spiel von den Halbpositionen schnell machen und auch selbst mit in die Spitze aufrücken. Trinks ist noch kein echter Spielmacher, aber er erfüllt seine taktischen Aufgaben exzellent. Bei Ballbesitz Werder ließ er sich häufig ein Stück zurückfallen, um Lücken in Gladbachs Dreiermittelfeld zu reißen, in die Borowski und Bargfrede dann vorstoßen konnten. In der zweiten Halbzeit schaltete Werder jedoch früh in den Verwaltungsmodus und drängte nicht mehr konsequent auf das zweite Tor. Thomas Schaaf reagierte, indem er Marin und Arnautovic für Trinks und Wagner brachte.

Dieser Doppelwechsel veränderte Werders Spielweise deutlich. Über die beiden Neuen liefen einige gefährliche Konter, mit denen Werder das Spiel hätte entscheiden können. Erst lenkte Bailly einen guten Schuss von Marin von der Strafraumgrenze noch übers Tor, dann scheiterte Arnautovic frei vor dem Gladbacher Torwart am Außenpofsten. Der Spielfluss im Mittelfeld ging ab der 60. Minute jedoch weitgehend verloren, was auch an Marins wenig diszipliniertem Positionsspiel lag. Gladbach erhöhte langsam aber sicher den Druck, ohne jedoch zu echten Torchancen zu kommen. Erst in den letzten zehn Minuten des Spiels wurde es für Werder wirklich gefährlich. Die Ballsicherheit war weg, dem Mittelfeld fehlte die taktische Disziplin (Wesley wirkte nach seiner Verletzung noch nicht wieder auf der Höhe) und Gladbach zeigte endlich den Mut der Verzweiflung, der dem Team 80 Minuten lang gefehlt hatte. Hermann, Reus und Stranzl scheiterten noch an Wiese und ihren Nerven, doch nachdem Wesley erst den Ball vertändelte und sich dann nur mit einem Foul behelfen konnte, nutzte der Tabellenletzte die letzte Chance der Partie und traf noch zum nicht wirklich verdienten, aber aufgrund der Schlussphase folgerichtigen Ausgleich.

Trotz kalter Dusche: Positive Entwicklung überwiegt

Beschweren können sich die Bremer nach dem ärgerlichen Punktverlust nicht. Die Chancenverwertung war mangelhaft und das nachlassende Bemühen um Spielkontrolle trug dazu bei, den Gegner in der Schlussphase doch noch ins Spiel finden zu lassen. Nachdem man zuletzt einige Male selbst in den letzten Minuten noch getroffen und sich wichtige Punkte gesichert hatte, ist es diesmal andersherum gelaufen. Fast so, als wollte dieses Spiel alle Klischees noch einmal bestätigen.

Den großen Befreiungsschlag hat Werder trotz des Sprungs auf Platz 12 erst einmal verpasst. Nächste Woche geht es gegen den 1. FC Nürnberg, das Team der Stunde. Vor ein paar Wochen wären wir dort noch chancenlos gewesen, doch die neue Stabilität im Mittelfeld macht Hoffnung, dass auch in Nürnberg etwas drin ist. Einen Grund etwas an der Startaufstellung zu verändern gibt es nach dem Spiel gestern nicht. Werder und Schaaf scheinen endlich eine Grundformation für das letzte Saisondrittel gefunden zu haben. Allein das ist schon viel wert.

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    4 Gedanken zu „Bestraft

    1. Hoffentlich hat Schaaf auch den Mut, die Startaufstellung beizubehalten, bei Arnautovic und insbesondere Marin hab ich da immer ein mulmiges Gefühl, dass da bald erste Bild-Interviews mit Beschwerden über das Bankdrücken anstehen. Mal gucken. Auf jeden Fall war das Spiel gestern ein Beleg dafür, dass mit den beiden vorerst kein diszipliniertes, kompaktes Spiel zu machen ist.

    2. Tobias, ich stimme deiner Analyse zu. Ich die Auswechslungen von TS nicht verstanden. Im Gegensatz zu Freiburg (da stand es 1:1) führten wir 1:0 und hatten das Spiel unter Kontrolle, und gehen dann dieses Risiko mit Marin und Arnie und Wesley.
      Damit hatten wir keine Stabilität mehr, vor allem im Mittelfeld und das Gegentor war nur konsequent.
      Leider haben wir damit eine große Chance vertan, uns abzusetzen und uns damit auch weiter zu stabilisieren. Ich bin nach diesem Spiel wieder etwas pessimistischer, was den Klassenerhalt angeht: wir haben zwar wieder etwas mehr Struktur (ohne Arnie und Marin!!!), aber wohl nicht genug für die wichtigen Heimspiele gegen Wolfsburg, Stuttgart und Schalke.
      Das große Zittern geht weiter.

    3. Also ich sehe nach den letzten 2-3 Spielen recht positiv in die Zukunft. Es läuft endlich wieder. Die Spiele kann man sich endlich wieder ansehen und es kommen Ergebnisse. Klar, das Unentschieden in den letzten Sekunden war bitter. Aber das ganze Spiel hat doch gezeigt, dass Werder wieder etwas leisten kann und das können wieder (zumindest zum Teil) abruft.

      Die Wechsel fand ich nicht so schlimm wie ‘derachteozean’. Es kam einiges an schwung rein. Man sieht das die beiden (vor allem Marin) mit der Bank nicht zufrieden sind und endlich auch wieder anfangen zu spielen und kämpfen. Zum Schluss dann halt das typische: Viele Torchancen nicht genutzt, schon mit den Gedanken nicht mehr voll da, dann gelingt dem Gegner halt doch noch mal eine Szene. Bitter, aber verkraftbar. Bleibt die Leistung so, steigen wir definitiv nicht ab.

    4. Bin insgesamt zufrieden, das Ergebnis war nur die logische Konsequenz unserer schlechten Chancenverwertung in Halbzeit eins.
      Gegen Nürnberg wird es vermutlich trotzdem nicht reichen, außer der FCN bricht ganz plötzlich ein, was ich nicht erwarte. Aber vielleicht schaffen wir ja wieder einen Lucky Punch wie gegen Mainz. und Vizekusen. Wichtiger – und bei der aktuellen Lage auch schaffbar – sind vor allem die Spiele gegen Wolfsburg, Stuttgart und die anderen Abstiegsgefährdeten. Wir werden da sicher auch mal Punkte lassen, aber nach den vergangenen zwei Spielen ist meine Abstiegsangst wieder verschwunden. Ich hoffe, dass sich das nicht rächt.

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