30 Minuten

Bundesliga, 1. Spieltag, 1899 Hoffenheim – Werder Bremen 4:1

Zum Glück habe ich nur 30 Minuten vom Spiel gesehen. Es waren die letzten 30. Da war das Spiel schon gelaufen. Der Schnitt vom Spiel am Mittwoch gegen Sampdoria zur 60. Minute in Hoffenheim war ein harter. Keine Spur mehr von flüssigem Kombinationsspiel. Beim Stand von 1:4 kann man das auch nicht erwarten. Bei 1:4 kann man überhaupt nichts mehr erwarten, außer vielleicht, dass der Schiedsrichter so bald wie möglich abpfeifen möge. 11 hängende Köpfe und die Welle geht durchs Stadion.

Ich kann das Spiel nicht beurteilen, will es auch gar nicht. Die letzten 30 Minuten sind nicht aussagekräftig. Es braucht allerdings nicht viel Fantasie um sich vorzustellen, was in der ersten Halbzeit das Problem war. Es ist so altbekannt, dass ich es nicht mal mehr aufschreiben möchte. Wenn es eine Erkenntnis in den letzten 30 Minuten gab, dann diese, die allerdings auch nicht spektakulär neu ist: Marko Marin kann keine Standards schießen. Es ist eine äußerst undankbare Aufgabe bei einem 1:4 eingewechselt zu werden. Dennoch ist es sehr traurig, dass Marin die Balance zwischen Dribbling und Abspiel völlig abhanden gekommen ist.

Von Lehren, die aus diesem Spiel gezogen werden müssen, brauche ich auch nicht sprechen. Diese Lehren hat man über Jahre nicht gezogen, man wird es auch künftig nicht tun. Vielleicht braucht Werder diesen Dämpfer zum Auftakt irgendwie. Den letzten Sieg in einem Auftaktspiel gab es zum Rückrundenstart 2007. Vielleicht erholt man sich auch dieses Jahr und spielt noch eine gute Saison, aber die Klatschen heute und gegen Fulham deuten schon eher auf strukturelle Probleme hin. Wie sich das mit der Leistung vom Mittwoch verträgt? Keine Ahnung. Von höheren Zielen braucht die nächsten Wochen zumindest niemand mehr zu sprechen.

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    4 Gedanken zu „30 Minuten

    1. Um zumindest die ersten 45 Minuten zu ergänzen (musste dann weg): Anfang eigentlich gar nicht schlecht, dass schloss eigentlich nahtlos an Mittwoch an. Zwischendurch aber immer relativ große Räume vor der Abwehr, erste schnelle Konter. Nach ca. 15 Minuten fiel die Mannschaft dann derart zusammen, das habe ich so auch schon lange nicht mehr gesehen. Außer Fritz, der manchesmal noch halbwegs anständig das Mittelfeld überbrückt hat, hat quasi keine gezielte Interaktion zwischen Defensive und Offensive stattgefunden. Hunt und Borowski hätten mal eben in der Kabine verschwinden können, es hätte auf dem Platz genauso ausgesehen. Kein Mittelfeldspiel what so ever. Dementsprechend zahlreiche Balleroberungen genau dort durch abgefangene Pässe oder auch gewonnene Zweikämpfe. Schockierend, gerade angesichts dessen, dass es nur gut ausgespielten Kontern bedurfte, um uns zu schlagen. Klar, das kann Hoffenheim auch sehr gut (was man aber auch hätte wissen und antizipieren müssen), aber auch jede andere Mannschaft hätte hier so scheint es mindestens zwei Tore in der 1. HZ gemacht.
      Pasanen mit einer Nicht-Leistung, Prödl am Anfang sehr stark, dann ein Aussetzer beim 1. Gegentor, danach verunsichert, Mertesacker wie letztens gewohnt unstet. Frings unglücklich bis schwach, Hunt und Borowski hab ich wie gesagt ab der 15. Minute nicht mehr wahrgenommen. Sturm fand dann eigentlich auch nicht mehr statt, weil es wie gesagt einfach kein Spiel nach vorne mehr gab.
      Angesicht Pasanens unterirdischer Leistung muss ich dann auch mal die Frage stellen, was seine Aufstellung soll. Er ist IV, wenn Boenisch an ihm nicht vorbeikommt, dann muss jemand anderes her. Das man in einer laufenden Rückrunde natürlich den am ehesten geeigneten Spieler da hinstellt – okay. Aber so in die Saison zu gehen ist doch ein Bankrotterklärung. Warum Boenisch keine Chance erhält verstehe ich nicht, denn die Alternative kann wie gesagt nur lauten, dass jemand anderes kommt.
      Auch brauchen wir einen Innenverteidiger, der da mal ein bisschen Konkurrenzdruck entfacht.

    2. N’ Abend allerseits,
      also ich stehe immer noch unter Schock ob der absolut desolaten Leistung. Im gesamten Spiel nur ein einziger Abschluss (Pizarro beim Stand von 4:1), wenn man mal vom glücklichen, wenn auch berechtigten Elfer absieht. Klingt komisch, ist aber so: Bremen hat einfach nicht mitgespielt. Kein Lichtblick, kein Dagegenhalten, kein Kampf, keine Leidenschaft. Auch kein Spieler, der die Mannschaft aufwecken, schon gar nicht mitreießen konnte. Als Boro sich die Gelbe abholte, dachte ich noch, dass er ein Zeichen setzen wollte. Falsch gedacht, denn anschließend hat er gar keinen Zweikampf mehr angenommen. Trotz allem war auch er nicht schwächer als der Rest des Teams. Auch Bargfrede von Anfang an fahrig und unkonzentriert. Dass es nicht höher als 4:1 ausgegangen ist, lag ausschließelich an der Gande der Hoppenheimer. Was bleibt, ist die Frage nach dem “Warum”? Mir bleibt eigentlich nur ein läppischer Erklärungsversuch: DIe Spieler hatten schon das Genua-SPiel von Dienstag im Kopf. Obwohl das nicht sein dürfte. Außerdem scheint uns Hoppenheim nicht zu liegen. Ihre schnellen Konter, ihr direktes Umschalten nach Balleroberung liegen unserem Spielsystem nicht. Vor allem über unsere linke Abwehrseite konnte kaum ein Angriff gestoppt werden. Ähnliches konnte man schon des öfteren in der Vergangenheit beobachten. Man denke an Valencia, Rückrunde in Gladbach, Vorrunde gegen Schalke, auch ans 5:4 gegen Hoffenheim. Nur mit absolutem Einsatz und mit 100%iger Konzentration konnte Werder gegen Mannschaften mit oben beschriebenen Stärken gewinnen. Es scheint so, als ob die Mannschaft insgesamt nicht richtig gearbeitet hat. So endet das Spiel dann halt 4:1. Bitter. Trotzdem: Wenn am Dienstag der Einzug in die CL geschafft wird, ist das Hauptziel am Anfang der Saison erreicht. Hoffen wir es. Denn Verstärkung in der Abwehr tut Not. Ein Spieler, der in erster Linie linker Verteidiger spielen kann und zudem im Abwehrzentrum aushelfen kann, wäre sehr wichtig. Kandidaten sind gesucht…

    3. Nachdem ich mir nun die erste Hälfte angeschaut hab, kann ich euch leider nur recht geben. Ich verstehe es nach wie vor nicht. Gar nicht mal die Gegentore, das war ziemlich Werder-like. Aber dass wirklich nichts kreatives oder wenigstens aktives von Werder kam, ist wirklich bitter.

      @Matzekausw: 4 von 5 Spielen hat Werder davor gegen Hoffenheim gewonnen, das andere remis gespielt. Eigentlich alles andere als ein Angstgegner. Aber ansonsten hast du schon recht, wir haben ein Problem auf links, leider bei weitem nicht unser einziges.

      @Andre: Eigentlich könnte Pasanen doch der Innenverteidiger sein, der die anderen unter Druck setzt. Wenn denn die Außenbahnen nicht unterbesetzt wären. Mal abwarten, was sich hier noch tut in den nächsten Tagen. Bei Boenisch kann ich mir nur vorstellen, dass Schaaf von seiner Vorbereitung enttäuscht ist. Sonst gibt es eigentlich keinen Grund ihn dauerhaft draußen zu lassen.

    4. Ich glaube Pasanen ist durch seinen Charakter nicht unbedingt der Druck ausübende. Zu genügsam, zu leise.
      Ich verstehe (schon seit Jahren) nicht, dass man nicht einfach mal in der Abwehr eine Konkurrenzsituation schafft, wo der Ausgang wenigstens etwas offen ist. Momentan ist es doch so, dass Naldo und Mertesacker bei Gesundheit gesetzt sind. Im Sturm holt man trotz Pizarro, Almeida, Rosenberg, (Marin, ) und den Amateuren noch Moreno, in der Abwehr gibt man sich mit der eindeutigen Rollenverteilung seit Jahren zufrieden. Ähnliches mit Wesley, der auch bei Verbleib von Özil hätte kommen sollen. Da sitzen dann definitiv bis zu fünf Leute mit Anspruch auf anständig Spielzeit auf der Bank.
      In der Abwehr gibt es sowas abseits von Prödl und Pasanen, die halt einfch keinen Druck entwickeln, nicht. Auch Fritz ist ohne Konkurrenz. Versteh ich einfach nicht.

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